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Körperwahrnehmung

Körperwahrnehmung bezeichnet die Fähigkeit, den eigenen Körper über alle Sinne zu spüren, ihn im Raum zu verorten und auf äußere Reize zu reagieren. Dazu gehört nicht nur das passive Fühlen von Berührungen (Tastsinn), sondern auch die aktive Körpererfahrung, die Wahrnehmung der eigenen Körpergrenzen und ‑bewegungen (Propriozeption) sowie die Wahrnehmung innerer Signale wie Hunger, Durst oder Müdigkeit. Fachleute unterscheiden exterozeptive Wahrnehmung (Wahrnehmung äußerer Reize), interozeptive Wahrnehmung (Empfindungen aus dem Körperinneren) und propriozeptive Wahrnehmung (Lage und Bewegung in Muskeln und Gelenken). Diese Formen der Wahrnehmung bilden die Basis für Selbstbewusstsein und Bewegungssteuerung und werden im Laufe des Lebens trainiert und verfeinert.

Mit zunehmendem Alter verändern sich diese Fähigkeiten. Forschende der Universität Jena stellten fest, dass die Verarbeitungsgeschwindigkeit kognitiver Prozesse – und damit auch die Wahrnehmung – von jungen Jahren an stetig abnimmt. Dadurch reagieren ältere Menschen langsamer auf Reize und brauchen mehr Zeit, um ihre Umwelt zu erfassen. Trotz des langsameren Tempos können gesunde Senioren ihre Aufmerksamkeit auf wichtige Reize richten und Hilfssignale nutzen, um Wahrnehmung und Konzentration zu verbessern. Gleichzeitig kommt es zu organischen Veränderungen der Sinnesorgane:

  • Sehen: Die Linse verliert an Elastizität und Transparenz, die Pupillen öffnen sich weniger und reagieren langsamer auf Lichtwechsel. Infolgedessen verschlechtert sich die Kontrastwahrnehmung, sodass Dunkelheit oder abrupte Helligkeitswechsel als unangenehm empfunden werden. Altersbedingte Augenerkrankungen wie Katarakt, Glaukom oder Makuladegeneration können das Sehvermögen zusätzlich einschränken.

  • Hören: Alters­schwerhörigkeit (Presbyakusis) betrifft etwa die Hälfte der 65‑Jährigen und 90 % der 90‑Jährigen. Zuerst gehen hohe Frequenzen verloren, später auch Frequenzen, die für die Sprachverständlichkeit wichtig sind, weshalb Gespräche in lauter Umgebung schwerfallen. Schwindel und Gleichgewichtsstörungen können dazukommen, da das Hörorgan auch am Gleichgewichtssinn beteiligt ist.

  • Geruch und Geschmack: Die Zahl der Geschmacksknospen nimmt ab, besonders für salzige, saure und bittere Reize. Das Riechen verschlechtert sich, sodass Essen fade schmeckt und die Lust am Essen verloren geht. Bei Männern nimmt der Geruchssinn häufiger ab, und der Verlust kann ein frühes Zeichen neurodegenerativer Erkrankungen sein.

  • Tastsinn und Körpergefühl: Die Anzahl der Hautrezeptoren sinkt, die Nervenleitgeschwindigkeit nimmt ab und die Wahrnehmung von Druck, Temperatur und Vibration wird schwächer. Die haptische Wahrnehmung, insbesondere das aktive Ertasten, ist ein Zusammenspiel von taktilen, propriozeptiven und vestibulären Reizen und nimmt nach dem 20. Lebensjahr stetig ab. Fehlende Rückmeldungen aus der Peripherie können zu Unsicherheit beim Gehen und zu Stürzen führen.

  • Schmerz und Durst: Ältere Menschen spüren Schmerzen häufig weniger intensiv; gleichzeitig werden Wunden oder Druckstellen später bemerkt, was das Risiko für Druckgeschwüre erhöht. Der Durstmechanismus ist weniger ausgeprägt, weshalb Senioren oft zu wenig trinken.

  • Veränderte Wahrnehmung bei Demenz: Menschen mit Demenz zeigen häufig eine veränderte Wahrnehmung und Orientierung. Laut reagieren sie anders auf ihre Umwelt und nehmen Farben, Formen oder Muster anders wahr, was bei der Gestaltung von Räumen berücksichtigt werden muss. Symptome wie Gedächtnisstörungen, Sprachprobleme und verändertes Verhalten gehen mit einer eingeschränkten Wahrnehmungsfähigkeit einher.

Diese physiologischen Veränderungen wirken sich auf die Körperwahrnehmung älterer Menschen aus. Viele benötigen mehr Zeit, um Reize einzuordnen, leiden unter sensorischen Einschränkungen und sind auf Unterstützung angewiesen, um ihren Körper bewusst wahrzunehmen. Gleichzeitig bleibt das Gehirn lernfähig, und regelmäßiges Training kann den Rückgang der Sinnesfunktionen verlangsamen. Betreuungskräfte sollten sich dieser Veränderungen bewusst sein, um den Alltag entsprechend anzupassen und gezielte Angebote zur Förderung der Körperwahrnehmung zu entwickeln.

Zielsetzung und Bedeutung von Körperwahrnehmung

Körperwahrnehmung als Grundlage für Selbstständigkeit und Wohlbefinden

Ein feines Körpergefühl ermöglicht Orientierung im Raum, sicheres Gehen, die Einschätzung von Entfernungen und den Umgang mit Gegenständen. Wer seine Körpergrenzen spürt, kann sich gezielt bewegen, Gleichgewicht halten und Stürze vermeiden. In der Pflege spricht man deshalb vom aktivierenden Ansatz: Pflegehandlungen werden so gestaltet, dass die pflegebedürftige Person möglichst viel selbst erledigt und dadurch die Wahrnehmung, Motorik und Selbstwirksamkeit trainiert werden. Das Ziel aktiver Pflege ist es, körperliche und geistige Unabhängigkeit zu erhalten.

Basale Stimulation – ein ursprünglich für schwerstbehinderte Menschen entwickeltes Konzept – verfolgt ähnliche Ziele. Sie soll Selbstwahrnehmung und Kommunikation durch Reize über die fünf Sinne fördern, die Eigenaktivität erhalten und das seelische Wohlbefinden verbessern. Hierbei steht nicht das Erlernen neuer Fertigkeiten im Vordergrund, sondern das Wachrufen von Körpererfahrungen und das Ermöglichen von Kontakt. Dies ist besonders wichtig bei Menschen mit Demenz oder schweren Erkrankungen, die sich nicht mehr verbal ausdrücken können.

Regelmäßige Schulung der Körperwahrnehmung hat zahlreiche positive Auswirkungen:

  1. Erhaltung der Mobilität: Durch die Stärkung des Gleichgewichts- und Bewegungssinns wird die Gefahr von Stürzen reduziert. Fitnessübungen und ergonomisches Sitzen verbessern die Haltung und Beweglichkeit.

  2. Steigerung der Selbstständigkeit: Wenn Senioren eigene Körperbedürfnisse wahrnehmen, können sie Unterstützung gezielter einfordern oder alltägliche Handlungen länger eigenständig ausführen. Aktivierende Pflege motiviert sie, bei der Körperpflege mitzuhelfen, was das Selbstvertrauen stärkt.

  3. Emotionale und kognitive Stabilität: Sinnesanregungen wecken Erinnerungen, fördern die Konzentration und das Wohlbefinden. Musik, Düfte oder der Geschmack vertrauter Speisen können positive Gefühle auslösen und die Kommunikation erleichtern.

  4. Prävention gesundheitlicher Risiken: Ein intakter Tast- und Schmerzempfinden hilft, Druckstellen und Verletzungen rechtzeitig zu bemerken. Ein gutes Durstgefühl beugt Dehydration vor, und rechtzeitige Warnsignale bei Schwindel verhindern Stürze.

  5. Unterstützung bei Demenz: Menschen mit Demenz nehmen ihre Umwelt anders wahr und reagieren entsprechend. Angebote zur Körperwahrnehmung fördern Orientierung, reduzieren Unruhe und ermöglichen nonverbale Kommunikation.

Rolle der Betreuungskräfte

Alltagsbegleiter und Betreuungskräfte spielen eine zentrale Rolle, weil sie die Veränderungen der Sinneswahrnehmung erkennen, passende Angebote entwickeln und bei der Umsetzung begleiten. Sie sollten achtsam beobachten, wie ältere Menschen auf Berührungen, Geräusche, Düfte oder Bewegungen reagieren, und ihre Interventionen anpassen. Dabei gilt es, die Biografie, Vorlieben und gesundheitliche Situation der betreuten Person zu berücksichtigen. Eine würdige Kommunikation und das Einbeziehen der Betroffenen in Entscheidungen stärken das Gefühl der Selbstbestimmung – gerade wenn Körperveränderungen verunsichern.

Vorteile und mögliche Herausforderungen

Vorteile der Förderung der Körperwahrnehmung

Die gezielte Förderung der Körperwahrnehmung bringt zahlreiche Vorteile für die ältere Person und die Pflegepersonen:

  • Erweiterung des Bewegungsspielraums: Aktivierende Pflege und regelmäßige Bewegungsübungen erhalten Muskelkraft und Koordination; der Bewegungsumfang wird größer und Aktivitäten wie Anziehen oder Essen fallen leichter.

  • Verbesserung des Selbstwertgefühls: Menschen, die aktiv in ihre Pflege einbezogen werden, empfinden mehr Kontrolle und Vertrauen in ihren Körper. Das selbstständige Ausführen einfacher Schritte fördert die Selbstwirksamkeit.

  • Längerer Erhalt der Selbstständigkeit: Durch Training der Sinne und Bewegungen bleibt die Selbstständigkeit länger erhalten, was den Bedarf an Unterstützung verringert und Ressourcen der Pflegekräfte schont.

  • Positivere Stimmung: Erfolgserlebnisse und angenehme Sinneserfahrungen steigern das Wohlbefinden. Musik, Massagen oder Düfte können Stress und Angst abbauen.

  • Förderung der Kommunikation: Basale Stimulation nutzt verschiedene Kanäle (Berührung, Geräusche, Düfte) und eröffnet nonverbale Ausdrucksmöglichkeiten. Dies erleichtert den Austausch, besonders bei Demenz.

Mögliche Herausforderungen und Nachteile

Trotz vieler Vorteile können bei der Umsetzung auch Schwierigkeiten auftreten:

  • Zeit- und Personalaufwand: Eine aktivierende Pflege benötigt anfänglich mehr Zeit und Geduld. Pflegekräfte müssen individuelle Fähigkeiten einschätzen, Übungen anpassen und Rückmeldungen beobachten.

  • Notwendigkeit fachlicher Qualifikation: Methoden wie basale Stimulation oder Bobath erfordern Schulungen, damit Reize nicht über- oder unterdosiert werden. Unsachgemäße Anwendung kann Stress oder Unwohlsein auslösen.

  • Überforderung der Betroffenen: Wenn Übungen zu anstrengend sind oder zu viele Reize gleichzeitig eingesetzt werden, kann das zu Müdigkeit, Unruhe oder Angst führen. Gerade Menschen mit Herz‑Kreislauf-Erkrankungen vertragen bestimmte Stimulationen (z. B. kalte Waschungen) nicht.

  • Motivationsprobleme: Nicht alle Senioren möchten aktiv mitarbeiten. Manche ziehen passive Pflege vor oder fürchten sich vor Versagen. Es braucht Einfühlungsvermögen und Überzeugung, um den Nutzen aufzuzeigen.

  • Individuelle Unterschiede: Sinnesverluste sind sehr verschieden ausgeprägt. Ein standardisiertes Programm funktioniert nicht für alle. Die Biografie, Krankheiten (Demenz, Parkinson), Medikamente und kulturelle Hintergründe müssen berücksichtigt werden. Dementsprechend sollten Angebote flexibel gestaltet werden.

Umfangreiche Anleitung zur Förderung der Körperwahrnehmung in der Betreuung

Im Folgenden werden praktische Methoden vorgestellt, die Alltagsbegleiter im Alltag einsetzen können. Sie decken sensorische, motorische und mentale Aspekte ab und können miteinander kombiniert werden. Wichtig ist, auf Signale der betreuten Person zu achten, regelmäßig Pausen einzubauen und Überforderung zu vermeiden.

Somatische Stimulation – Berühren, Waschen und Massieren

Berührungen sind der unmittelbarste Weg, den eigenen Körper zu spüren. Bei der somatischen Stimulation nach dem Konzept der Basalen Stimulation werden Haut und Muskulatur sanft aktiviert. Dazu gehören:

  1. Bewusste Waschungen: Anstatt die Körperpflege schnell durchzuführen, wird die Person aktiv einbezogen. Verwenden Sie warme Waschlappen und streichen Sie entlang der Körpergrenzen. Fragen Sie vorher um Erlaubnis und erklären Sie jeden Schritt. Die Berührung folgt dem Verlauf der Körperbehaarung, damit die Reize angenehm sind. Ein Beispiel aus der aktivierenden Pflege ist die belebende Waschung: Mit kühlem Wasser (ca. 32 °C) und einem rauen Waschhandschuh wird jede Körperregion einzeln gewaschen, wobei die betroffene Person aufgefordert wird, die Empfindungen zu beschreiben. Diese Waschung regt den Kreislauf an, sollte aber bei Menschen mit hohem Blutdruck nicht angewendet werden.

  2. Einreibungen und Massagen: Leichte Massagen mit duftfreiem Öl oder Creme verbessern die Durchblutung und geben dem älteren Menschen ein Gefühl für Muskelspannung. Kneten Sie Hände und Füße sanft oder streichen Sie in Richtung Herz. Achten Sie auf Druckintensität und reagieren Sie auf Abwehr- oder Entspannungssignale.

  3. Lagerungswechsel: Bei bettlägerigen Menschen können Positionsänderungen (z. B. 30°-Seitenlage) mit bewusstem Spüren verbunden werden. Erklären Sie den Wechsel und lassen Sie die Person die Veränderung wahrnehmen. Diese Methode unterstützt auch die Propriozeption.

  4. Materialien mit unterschiedlichen Strukturen: Lassen Sie Ihre Klienten weiche, glatte, raue oder kühle Materialien (z. B. Fell, Holz, Stoff) ertasten und beschreiben. Dadurch wird der Tastsinn trainiert und Aufmerksamkeit auf die Hände gelenk.

Vestibuläre Stimulation – Gleichgewicht und Orientierung schulen

Der Gleichgewichtssinn (Vestibularapparat) befindet sich im Innenohr und ermöglicht uns, Lageveränderungen und Beschleunigungen wahrzunehmen. Mit dem Alter können Schwindel und Unsicherheit auftreten. Folgende Methoden helfen, das vestibuläre System zu aktivieren:

  1. Sanftes Schaukeln: Eine Person im Schaukelstuhl oder ein leichtes Wiegen durch die Betreuungskraft vermittelt das Gefühl von Bewegung im Raum. Diese Methode wird in der Basalen Stimulation genutzt, um Orientierung im Raum zu fördern und Ängste abzubauen.

  2. Balance-Übungen: Stehende oder sitzende Übungen trainieren das Gleichgewicht. Das AOK-Programm empfiehlt einfache Übungen wie den Seitwärtsschritt mit anschließendem Einbeinstand oder das Abrollen der Füße beim Gehen, wobei bei Bedarf ein Stuhl als Stütze genutzt wird. Diese Übungen kräftigen die Beinmuskulatur und verbessern die Körperwahrnehmung.

  3. Lagerungswechsel bei Bettlägerigkeit: Schon das vorsichtige Drehen von der Rücken- in die Seitenlage und die anschließende Rückmeldung, wie sich der Körper anfühlt, fördern das Bewusstsein für die Lage.

Vibratorische Stimulation – Tiefe Wahrnehmung aktivieren

Vibrationen regen Rezeptoren in Muskeln und Gelenken an, die für das Körpergefühl verantwortlich sind. Möglichkeiten sind:

  1. Vibrogeräte: Vibrationstabletts oder vibrierende Kissen können unter Hände oder Füße gelegt werden und erzeugen sanfte Vibrationen, die die tiefere Körperwahrnehmung stimulieren. Die Intensität sollte individuell eingestellt werden.

  2. Klangschalen oder Monochorde: Der Ton und die Schwingungen von Klangschalen wirken beruhigend und regen über Haut und Knochen die Sinneswahrnehmung an. Sie eignen sich besonders in der Entspannung.

Olfaktorische und gustatorische Stimulation – Düfte und Geschmack erleben

Geruchs‑ und Geschmackssinn sind eng mit Erinnerungen verbunden. Viele ältere Menschen spüren hier Verluste. Daher können vertraute Düfte und Speisen die Körperwahrnehmung und das Wohlbefinden steigern:

  1. Duftreisen: Lassen Sie den Klienten an Kaffee, frischem Brot, Kräutern oder Parfüm riechen und fragen Sie nach Assoziationen. Laut basaler Stimulation wirken Düfte wie Lavendel beruhigend, während Zitrusfrüchte aktivierend sind. Aromalampen oder Duftkissen können eingesetzt werden, aber Geruchsintoleranz sollte beachtet werden.

  2. Essen zum Erlebnis machen: Variieren Sie Konsistenzen und Temperaturen – knuspriges Brot, weiche Früchte, warme und kalte Speisen. Bieten Sie kleine Kostproben an, ohne zu überfordern. Durch das Kauen verschiedener Texturen wird die Mundmotorik angeregt und das Geschmacksempfinden trainiert.

  3. Trinken fördern: Ermuntern Sie zu häufigem Trinken durch schmackhafte Getränke (Verdünnte Säfte, aromatisierte Wasser). Der abgeschwächte Durstmechanismus erfordert regelmäßige Erinnerung.

Auditive Stimulation – Hören und Lauschen

Hören verbindet uns mit anderen Menschen und der Umwelt. Sanfte Geräusche oder Musik sprechen Emotionen an und unterstützen die Körperwahrnehmung:

  1. Musik hören und singen: Spielen Sie Lieblingslieder, Volksmusik oder Entspannungsmusik. Gemeinsames Singen fördert die Atmung und den sozialen Kontakt. Nach dem Basal-Stimulation-Konzept tragen bekannte Melodien zur Identitätsstärkung bei.

  2. Naturgeräusche oder Hörbücher: Das Lauschen von Vogelgezwitscher, Meeresrauschen oder einer Geschichte kann beruhigend wirken. Geräusche können auch mit Bewegungen kombiniert werden, z. B. das Nachahmen rhythmischer Klänge mit den Händen.

  3. Hörtraining und Hörhilfen: Prüfen Sie regelmäßig die Hörfähigkeit, da presbyakuse schleichend eintritt. Hörgeräte oder Lautsprecher unterstützen die Reizaufnahme und erleichtern die Teilnahme an Gesprächen.

Visuelle Stimulation – Sehen und Wahrnehmen

Die Sehfähigkeit beeinflusst die Orientierung stark. Maßnahmen zur visuellen Anregung:

  1. Fotobücher und Familienalben: Schauen Sie sich gemeinsam Bilder aus dem Leben der Person an und sprechen Sie darüber. Das Wecken von Erinnerungen verbessert die Selbstwahrnehmung und schafft Gesprächsanlässe.

  2. Farben und Kontraste: Nutzen Sie klare Farben und starke Kontraste bei Alltagshilfen oder Markierungen. Da ältere Menschen Kontraste schlechter erkennen, erleichtert ein kontrastreicher Teller das Essen und markierte Kanten reduzieren Sturzgefahr.

  3. Aussichten genießen: Ermöglichen Sie einen Blick ins Freie oder bringen Sie die Natur ins Zimmer. Pflanzen, Aquarium oder ein Spaziergang regen die Augen an und vermitteln ein Gefühl von Weite.

Taktile Übungen – Bewegen und Fühlen

Tastsinn, Gelenk- und Muskelwahrnehmung (Propriozeption) bilden die Grundlage für die Körperkontrolle. Folgende Übungen stärken dieses System:

  1. Haptische Spiele: Knetschleim formen, Knöpfe in einem Säckchen ertasten, einen Korb mit Gegenständen befühlen. Unterschiedliche Materialien fördern das Erkennen von Oberflächen und stärken die Fingerfertigkeit.

  2. Selbstmassage und Self‑Touch: Fordern Sie die Person auf, mit ihren eigenen Händen Körperstellen zu berühren – z. B. Gesicht abtasten, Arme streicheln. Dadurch erlebt sie die eigene Haut sowohl aktiv als auch passiv.

  3. Koordinationsübungen im Sitzen: Das Konzept der TK‑Krankenkasse beschreibt Übungen für den Stuhl: Der Becken kippt abwechselnd nach vorne und hinten, um das Lendenwirbelgefühl zu spüren; die Brust wird angehoben, indem man sich vorstellt, ein Faden ziehe die Brustbeinspitze nach oben; der Kopf wird gestreckt, indem das Kinn leicht herangezogen wird, und die Schulterblätter werden bewusst nach unten geführt. Diese Bewegungen fördern die Wahrnehmung des Rumpfes und beugen Fehlhaltungen vor.

Bewegungs- und Gymnastikprogramme

Regelmäßige körperliche Aktivität stärkt Muskulatur, Koordination und das Bewusstsein für den eigenen Körper. Beispiele aus dem AOK-Programm und anderen Quellen:

  1. Balance und Kräftigung: Seitenstrecken, Armheben im Sitzen, Schulterkreisen und Übergänge zum einbeinigen Stand verbessern Stabilität und Gleichgewicht. Übungen sollten langsam ausgeführt und bei Bedarf durch Festhalten am Stuhl gesichert werden.

  2. Dehnungen: Strecken Sie abwechselnd den Arm über den Kopf zur Gegenseite, um die Rumpfseiten zu dehnen, und halten Sie die Position kurz. Bewegungen ohne ruckartige Übergänge vermeiden Verletzungen.

  3. Sitzgymnastik: Im Sitzen können ältere Menschen die Arme vor dem Körper anheben und wieder senken, die Schultern vorwärts und rückwärts kreisen lassen und die Füße im Wechsel heben. Diese Übungen verbessern Beweglichkeit und Kreislauf, ohne das Gleichgewicht zu belasten.

  4. Sanfte Bewegungsformen wie Tai Chi oder Yoga: Sie trainieren die Körperhaltung, fördern das Gleichgewicht und verknüpfen Bewegung mit Atmung. Studien zeigen, dass Tai Chi Sturzrisiken reduziert und die Lebensqualität steigert. Für Anfänger können Stuhlvarianten oder unterstützende Hilfsmittel verwendet werden.

  5. Spaziergänge und Naturerlebnisse: Gehen ist ein alltagstaugliches Training. Variieren Sie das Tempo, balancieren Sie über eine Bodenkante oder erkunden Sie unterschiedliche Untergründe wie Gras, Sand und Kies. Naturerlebnisse sprechen alle Sinne an und fördern Orientierung.

Entspannungsübungen und Atemtraining

Neben Aktivität braucht der Körper auch Ruhe. Entspannung verbessert die Körperwahrnehmung, da sie Muskelspannungen löst und die Aufmerksamkeit nach innen lenkt.

  1. Progressive Muskelentspannung: Nacheinander werden einzelne Muskelgruppen angespannt und entspannt. Dies verbessert die Wahrnehmung von Spannung und Entspannung und reduziert Stress. Praktische Anleitung: Fäuste ballen und fünf Sekunden halten, dann loslassen und die Entspannung bewusst spüren. Fortgeschrittene können die Übung auf Arme, Schultern, Gesicht und Beine ausweiten.

  2. Atemübungen: Tiefes Zwerchfellatmen beruhigt Herzschlag und Nervensystem, verbessert die Sauerstoffversorgung und kann Schlaf fördern. Das PPM-Artikel beschreibt, dass tiefe Bauch­atmung den unteren Teil der Lunge stärker nutzt, Blutdruck senkt und Angst reduziert. Anleitung: Legen Sie eine Hand auf den Bauch, atmen Sie langsam durch die Nase ein, sodass sich der Bauch hebt, und atmen Sie durch den Mund aus, wobei Sie leise ausströmen lassen. Halten Sie den Atem nicht an.

  3. Fantasiereisen und Meditation: Geführte Geschichten regen die Vorstellungskraft an, fördern die innere Aufmerksamkeit und lenken von Sorgen ab. Meditation mit Fokus auf den eigenen Atem hilft, Körperempfindungen wahrzunehmen. Die Übungen sollten an die Konzentrationsfähigkeit angepasst werden und können auch im Liegen durchgeführt werden.

  4. Lachyoga und Musiktherapie: Kurze Lachsessions lockern die Gesichtsmuskeln und setzen Endorphine frei. Musiktherapie baut Stress ab und stärkt die emotionale Wahrnehmung.

Praktische Umsetzung im Alltag – Beispiele und Tipps

Die Umsetzung von Körperwahrnehmungs-Angeboten erfordert Kreativität und Einfühlungsvermögen. Folgende Beispiele zeigen, wie Alltagsbegleiter die oben beschriebenen Methoden in den Betreuungsalltag einbauen können:

  1. Körperpflege gemeinsam gestalten: Nutzen Sie die tägliche Körperpflege als Übungsfeld. Ermuntern Sie die Senioren, selbstständig das Gesicht zu waschen, die Zähne zu putzen oder die Haare zu bürsten. Führen Sie den Arm, wenn nötig, nur so viel wie erforderlich, und loben Sie kleine Fortschritte. Nutzen Sie duftende Pflegeprodukte, um den Geruchsinn zu stimulieren, und erklären Sie, welche Körperteile gerade berührt werden. Diese bewusste Pflege fördert das Körpergefühl und unterstützt die Selbstständigkeit.

  2. Sinnesrituale einführen: Beginnen Sie den Tag mit einer zehnminütigen Atem- und Streckübung am offenen Fenster. Lassen Sie die ältere Person die kühle Morgenluft auf der Haut spüren und an frisch gebrühtem Kaffee riechen. Abends kann ein Ritual aus Fußmassage und entspannender Musik helfen, den Körper herunterzufahren und Spannungen loszulassen.

  3. Gemeinsam kochen und essen: Wählen Sie Gerichte mit unterschiedlichen Konsistenzen und Aromen, die positive Erinnerungen wecken. Beim Schneiden von Gemüse spüren die Hände die Struktur, beim Rühren riecht es, und beim Essen schmecken die Zutaten. Fragen Sie nach Kindheitsgerichten – solche biografischen Bezüge stärken Identität und regen Gespräche an.

  4. Gartentherapie und Naturerfahrungen: Ein kleiner Kräutergarten auf dem Balkon oder das Pflegen von Topfpflanzen ermöglicht das Tasten von Erde, das Riechen von Kräutern und das Beobachten des Wachstums. Spaziergänge im Park bieten wechselnde Untergründe und fördern Gleichgewicht und Sensorik.

  5. Musik- und Tanzangebote: Regelmäßiges gemeinsames Singen oder leichtes Tanzen zur Lieblingsmusik kann die Stimmung heben, das Rhythmusgefühl trainieren und die Wahrnehmung von Armen und Beinen verbessern. Achten Sie auf die Belastbarkeit und passen Sie das Tempo an. Bei Rollstuhlfahrern können rhythmische Bewegungen mit dem Oberkörper oder das Klatschen von Händen im Takt eingesetzt werden.

  6. Gedächtnis- und Wahrnehmungsspiele: Spiele wie „Ich packe meinen Koffer“ oder Puzzles, die nach Formen und Farben sortiert werden, fördern die visuelle und haptische Wahrnehmung. Schätzen Sie Entfernungen beim Werfen von Bällen in einen Korb; diese Übung schult räumliche Wahrnehmung und Koordination.

  7. Entspannungszeiten einplanen: Nach körperlichen Aktivitäten oder bei Unruhe helfen kurze Entspannungssequenzen mit Atemübungen oder progressiver Muskelentspannung. Sorgen Sie für eine ruhige Atmosphäre und dimmen Sie Licht und Lärm. Bei Demenzpatienten können bekannte Einschlaflieder beruhigend wirken.

  8. Biografiearbeit nutzen: Erkundigen Sie sich nach früheren Hobbys – ein ehemaliger Handwerker freut sich vielleicht über das Bearbeiten von Holzstücken, eine ehemalige Näherin über Stoffe oder Wolle. Diese Tätigkeiten knüpfen an vertraute Sinneserfahrungen an und stärken das Selbstbild.

  9. Technische Hilfsmittel einsetzen: Moderne Technologien wie Tablets mit Spielen zur Förderung der Reaktion, interaktive Lichterbänder oder spezielle Therapiesessel können die Sinne gezielt ansprechen. Hörgeräte, Lesebrillen oder taktile Rutschmatten unterstützen die Wahrnehmung und sollten regelmäßig angepasst werden.

  10. Umgebung anpassen: Achten Sie auf ausreichende Beleuchtung, kontrastreiche Markierungen und eine übersichtliche Raumaufteilung, damit Senioren ihre Umgebung trotz eingeschränkter Sehfähigkeit sicher wahrnehmen können. Für Menschen mit Demenz sollten Farben und Muster sorgfältig gewählt werden, da ihre veränderte Wahrnehmung andere Reaktionen hervorrufen kann. Ein übersichtlicher Raum mit Orientierungshilfen (Uhr, Kalender, Pfeile) unterstützt den inneren Kompass.

Zusammenfassung und Ausblick

Körperwahrnehmung ist ein vielschichtiges Zusammenspiel von Sinnesorganen, Gehirn und Bewegungsapparat. Im Alter unterliegt sie natürlichen Veränderungen: Sinneszellen nehmen ab, die Verarbeitungsgeschwindigkeit verlangsamt sich und Erkrankungen wie Demenz verändern das Wahrnehmungsvermögen. Dennoch bleibt die Fähigkeit, neue Reize zu verarbeiten und zu lernen, bis ins hohe Alter erhalten. Für Alltagsbegleiter eröffnet dies ein breites Spektrum an Möglichkeiten, die Körperwahrnehmung zu fördern und so die Lebensqualität älterer Menschen zu verbessern.

Wesentliche Ziele sind der Erhalt von Selbstständigkeit, Sicherheit, Wohlbefinden und Kommunikation. Dazu stehen vielfältige Methoden zur Verfügung: von somatischer Stimulation über vestibuläre, vibratori­sche und olfaktorische Reize bis hin zu Bewegungsprogrammen, Entspannungsübungen und Biografiearbeit. Aktivierende Pflege und Basale Stimulation zeigen, wie wichtig es ist, Pflegebedürftige aktiv einzubeziehen, ihre Reaktionen zu beobachten und Angebote individuell zu gestalten. Vorteile wie besserer Bewegungsumfang, gesteigerte Stimmung und längere Selbstständigkeit stehen einem höheren Zeitaufwand und der Notwendigkeit fachlicher Schulung gegenüber. Dennoch lohnt sich der Einsatz: Durch eine bewusste Körperwahrnehmung fühlen sich ältere Menschen sicherer, kompetenter und lebendiger.

Betreuungskräfte sollten die Körperwahrnehmung als zentrales Thema in der Seniorenbetreuung begreifen. Sie haben die Möglichkeit, durch alltägliche Situationen wie die Körperpflege, das Essen oder das gemeinsame Singen wertvolle Sinnesreize zu vermitteln. Dabei ist Fingerspitzengefühl gefragt, denn zu viele Reize können überfordern. Die Herausforderung besteht darin, das richtige Maß zu finden und dem älteren Menschen Zeit und Raum für eigene Erfahrungen zu lassen. Dann wird Körperwahrnehmung zur Grundlage für ein Leben in Würde und Freude – auch im hohen Alter.

Aktivierungen zur Förderung der Körperwahrnehmung

Die Körperwahrnehmung umfasst die Fähigkeit, den eigenen Körper und seine Bewegungen, die Position im Raum sowie die Reize der Sinne bewusst wahrzunehmen. Im Alter kann dieses Wahrnehmungsvermögen durch körperliche und kognitive Einschränkungen, Demenz, chronische Erkrankungen oder mangelnde Bewegung beeinträchtigt werden. Eine gezielte Förderung der Körperwahrnehmung trägt zur Erhaltung der Mobilität, zur Sturzprävention und zum Wohlbefinden bei. Alltagbegleiter können durch abwechslungsreiche Angebote die Sinne ansprechen, Bewegungen begleiten und die Selbstwahrnehmung ihrer Klienten stärken. Die folgenden Aktivierungen wurden auf Basis aktueller Konzepte und Praxisbeispiele aus dem Bereich der basalen Stimulation und der Bewegungsförderung zusammengestellt. Sie sind sowohl für Einzel‑ als auch Gruppenangebote geeignet und lassen sich auf die Fähigkeiten und Bedürfnisse der jeweiligen Personen abstimmen.

Stuhl-Yoga: Sitzender Berg

Ziel: Verbesserung der aufrechten Körperhaltung, bewusste Ausrichtung der Wirbelsäule und Förderung der Atmung.

Benötigte Materialien: Stabile Stühle ohne Armlehnen, eventuell rutschfeste Matte unter den Füßen.

Anleitung:

  1. Jede Person sitzt aufrecht auf einem Stuhl. Die Füße stehen hüftbreit auf dem Boden. Hände ruhen auf den Oberschenkeln.

  2. Achtsames Aufrichten: Vorstellung, dass sich der Scheitel zum Himmel streckt, die Schultern sanft nach hinten unten sinken.

  3. Beim Einatmen hebt jede Person beide Arme über den Kopf, ohne ins Hohlkreuz zu fallen. Beim Ausatmen senken sich die Arme langsam.

  4. Den Atemrhythmus beibehalten und den Bewegungsablauf 5–7 Mal wiederholen.

Diese Übung stammt aus dem Yoga für ältere Menschen, das in einem Artikel als „sitzender Berg“ beschrieben wird. Sie betont das Aufrichten und sanfte Armheben und ist für Personen mit eingeschränkter Mobilität geeignet.

Anpassung: Menschen mit Schulterproblemen können die Arme nur bis zur Schulterhöhe heben oder die Hände auf den Oberschenkeln lassen. Bei kognitiven Einschränkungen hilft es, den Bewegungsablauf Schritt für Schritt zu demonstrieren und mit Blickkontakt zu begleiten.

Praxisbeispiel: In einer stationären Einrichtung richtet sich eine Seniorengruppe während einer Morgenrunde gemeinsam auf. Die Alltagsbegleiterin erklärt die Körperausrichtung ruhig und erinnert daran, tief zu atmen. Eine Bewohnerin mit künstlichem Hüftgelenk hebt nur die Hände auf Schulterhöhe; ein älterer Herr mit Parkinson wird für die Aufrichtung leicht im Rücken unterstützt.

Nackendrehung im Sitzen

Ziel: Mobilisierung der Halswirbelsäule, Förderung der Aufmerksamkeit auf Hals‑ und Schulterbereich sowie Erleichterung der Entspannung.

Benötigte Materialien: Stühle; leise Hintergrundmusik möglich.

Anleitung:

  1. Die Teilnehmer sitzen aufrecht mit den Händen auf den Oberschenkeln.

  2. Einatmen und den Kopf langsam nach rechts drehen, als ob man über die Schulter blicken möchte. Den Blick kurz halten, ohne zu überdrehen.

  3. Ausatmen und den Kopf zur Mitte zurückführen.

  4. Das Gleiche zur linken Seite ausführen. Die Bewegung 5 Mal pro Seite wiederholen, dabei auf sanfte Bewegungen achten.

Die Nackendrehung wird in der Yogapraxis für Senioren als Übung zur Lockerung des Halses empfohlen. Sie kann Spannungen lösen und unterstützt das Körperbewusstsein im Hals‑ und Schulterbereich.

Anpassung: Bei Arthrose oder Schwindel kann der Bewegungsradius verkleinert werden. Wenn jemand Probleme mit dem Gleichgewicht hat, kann er seine Hände auf der Stuhllehne abstützen. Eine einfühlsame Anleitung mit verbalen Hinweisen („nur so weit drehen, wie es angenehm ist“) hilft besonders Menschen mit Demenz.

Praxisbeispiel: Eine Klientin im häuslichen Umfeld, die sich häufig über Kopfschmerzen beklagte, führte diese Übung täglich nach dem Frühstück aus. Der Alltagsbegleiter beobachtete, dass sie nach einigen Tagen eine angenehmere Kopfhaltung einnahm und weniger Spannung verspürte.

Katzen‑Kuh-Bewegung für den Rücken

Ziel: Förderung der Beweglichkeit der Wirbelsäule, Dehnung der Rückenmuskulatur und bewusste Koordination von Atmung und Bewegung.

Benötigte Materialien: Stühle oder wahlweise eine Matte für die Vierfüßlerposition.

Anleitung:

  1. Im Sitzen: Die Hände stützen sich auf den Oberschenkeln ab. Beim Einatmen zieht man die Schulterblätter zusammen und wölbt die Brust nach vorn (leichte „Kuhhaltung“).

  2. Beim Ausatmen zieht man den Bauchnabel zur Wirbelsäule und macht einen runden Rücken („Katzenbuckel“), dabei das Kinn leicht zur Brust nehmen.

  3. Dieser Bewegungsfluss wird mit ruhiger Atmung 6–8 Mal wiederholt.

Die Katzen‑Kuh‑Abfolge ist ein klassisches Yoga‑Element, das an die Fähigkeiten von Senioren angepasst werden kann. Durch den Fokus auf Atmung und Bewegung wird die Körperwahrnehmung geschult.

Anpassung: Wer nicht lange sitzen kann, kann die Übung auch im Bett im Vierfüßlerstand ausführen. Bei Osteoporose sollte die Wirbelsäule sanft bewegt werden, ohne Druck. Personen mit Demenz profitieren von klaren Sprachbildern wie „wir machen jetzt einen Katzenbuckel“.

Praxisbeispiel: In einer Kleingruppe in der Tagespflege nutzt der Betreuer diese Übung während einer Sitztanzsequenz. Eine Bewohnerin mit leichtem Tremor hält sich an den Oberschenkeln fest, während ein Bewohner im Rollstuhl die Bewegung mithilfe seiner Arme ausführt.

Baumschaukel: Seitliche Rumpfdehnung

Ziel: Stärkung des Gleichgewichts, Dehnung der seitlichen Rumpfmuskulatur und Förderung der Flexibilität der Wirbelsäule.

Benötigte Materialien: Stühle oder Hocker, optional ein Therapiekreis oder Stuhlkreis.

Anleitung:

  1. Die Teilnehmer sitzen oder stehen mit leicht geöffneten Füßen. Beide Arme werden seitlich nach oben geführt.

  2. Beim Ausatmen neigt sich der Oberkörper mit ausgestreckten Armen langsam nach rechts, die linke Körperseite wird gedehnt. Der Kopf bleibt zwischen den Armen.

  3. Beim Einatmen langsam zur Mitte zurückkehren, dann zur anderen Seite neigen.

  4. Die Bewegung 4–6 Mal pro Seite wiederholen und dabei auf eine sanfte Atmung achten.

Die Baumschaukel wird als Übung im Seniorenyoga genutzt, um die Körperseiten zu spüren und das Gleichgewicht zu fördern.

Anpassung: Bei eingeschränkter Schulterbeweglichkeit können die Arme vor der Brust oder auf den Oberschenkeln liegen. Personen mit Schwindel führen nur kleine Seitneigungen aus. Bei Sehbeeinträchtigung helfen klare akustische Signale oder eine Berührung durch den Begleiter.

Praxisbeispiel: In einer Gruppe von Senioren mit Demenz wurde die Übung mit einem Lied kombiniert. Die Alltagsbegleiterin sang ein vertrautes Volkslied und leitete die Seitneigung im Rhythmus an. Die Teilnehmenden schaukelten wie Bäume im Wind und lachten, wenn sie zusammen wieder zur Mitte kamen.

Entspannungsposition Savasana im Sitzen

Ziel: Förderung der tiefen Entspannung, Körperwahrnehmung und Atmung.

Benötigte Materialien: Stühle, Decken oder kleine Kissen zur Nackenunterstützung.

Anleitung:

  1. Jede Person sitzt aufrecht und lehnt sich leicht an die Stuhllehne an. Die Füße stehen fest auf dem Boden.

  2. Die Augen werden geschlossen. Aufmerksamkeit auf den Atem richten: Ein‑ und Ausatmung bewusst wahrnehmen, den Bauch sanft heben und senken lassen.

  3. Der Alltagsbegleiter führt eine kurze Körperreise an: „Spüren Sie Ihre Füße auf dem Boden, Ihre Beine auf der Sitzfläche, den Rücken an der Lehne …“ Die Reise dauert 5–7 Minuten.

  4. Zum Abschluss werden die Arme und Beine leicht bewegt und die Augen sanft geöffnet.

Diese Entspannungsposition ist eine Variante von „Savasana“, die im Sitzen durchgeführt wird. Sie hilft Seniorinnen und Senioren, sich zu spüren und loszulassen.

Anpassung: Bei Hörbeeinträchtigungen sollte die Anleitung langsam und deutlich erfolgen. Menschen mit kognitiven Einschränkungen können von einer kürzeren Dauer profitieren und dürfen die Augen offenlassen.

Praxisbeispiel: In einer Pflegeeinrichtung nutzt eine Alltagsbegleiterin diese Übung, um nach einem Mobilisationsprogramm einen ruhigen Ausklang zu schaffen. Eine Bewohnerin, die oft unruhig ist, lehnt sich an und spürt die Wärme der Decke im Rücken. Nach der Übung wirkt sie entspannter und lächelt.

Somatische Stimulation: Handmassage

Ziel: Förderung des Tastsinns, Wahrnehmung von Haut und Gelenken, Erleben von Berührung und Entspannung.

Benötigte Materialien: Warme Handcreme oder Öl, weiche Handtücher.

Anleitung:

  1. Der Senior sitzt bequem. Die Hände werden mit warmem Wasser gewaschen und abgetrocknet.

  2. Der Begleiter gibt etwas Lotion oder Öl auf die eigenen Hände und reibt sie an, um Wärme zu erzeugen.

  3. Jede Hand des Senior wird nacheinander massiert: leichte kreisende Bewegungen über Handflächen und Handrücken, sanfte Druckmassage entlang der Finger und dazwischen, abschließend leichtes Ausstreichen.

  4. Dabei wird auf Rückmeldungen geachtet und die Person ermutigt, die Empfindungen zu beschreiben.

Somatische Stimulation durch Berührung und Waschungen ist ein zentraler Bestandteil der basalen Stimulation; sie fördert die Wahrnehmung der Hautgrenzen und des Körpergewichts.

Anpassung: Bei Personen mit sensorischer Überempfindlichkeit sollten Bewegungen noch sanfter ausgeführt werden. Menschen mit rheumatischen Schmerzen benötigen vorsichtigen Druck. Bei kognitiven Einschränkungen kann die Massage durch Geschichten („Ich streiche jetzt über Ihre Lebenslinie“) begleitet werden.

Praxisbeispiel: Ein bettlägeriger Senior, der oft kalte Hände hat, erhält täglich eine kurze Handmassage. Während der Massage erzählt der Alltagsbegleiter von der Sonne, die die Hände wärmt. Der Senior schließt die Augen, seine Gesichtszüge entspannen sich, und er berichtet, wie gut sich die Wärme anfühlt.

Somatische Stimulation: Fußbad mit Duftöl

Ziel: Steigerung der Körperwahrnehmung über die Füße, Förderung der Durchblutung, entspannende Wirkung durch Aromen.

Benötigte Materialien: Schale oder Waschwanne, warmes Wasser, optional einige Tropfen ätherisches Öl (z. B. Lavendel), weiche Handtücher, ggf. Antirutschmatte.

Anleitung:

  1. Einen bequemen Sitzplatz mit Unterlage vorbereiten.

  2. Die Schale mit warmem Wasser füllen, etwas ätherisches Öl hinzufügen und die Person ihre Füße vorsichtig hineinstellen lassen.

  3. Die Füße 10 Minuten im Wasser baden lassen, dabei kann der Begleiter leichtes Streichen über den Fußrücken oder das Aufstellen und Abrollen der Füße auf dem Schalenboden anleiten.

  4. Danach die Füße behutsam abtrocknen und eventuell mit einer Lotion eincremen.

Die somatische Stimulation über Hautberührung und Temperaturunterschiede fördert die Wahrnehmung der eigenen Körpergrenzen. Duftöle können Erinnerungen wecken und haben eine beruhigende Wirkung.

Anpassung: Bei Diabetes sollte die Wassertemperatur sorgfältig getestet werden, um Verbrennungen zu vermeiden. Menschen mit Demenz profitieren von vertrauten Düften. Hörbeeinträchtigte Personen können mit Gesten auf die einzelnen Schritte aufmerksam gemacht werden.

Praxisbeispiel: In einer Kleingruppe zuhause wird ein „Fußbad‑Tag“ veranstaltet. Eine Seniorin mit eingeschränkter Mobilität sitzt in einem Sessel, ihre Enkelin hilft beim Abtrocknen. Beim Duft von Lavendel erzählt sie, dass der Geruch sie an den Garten ihrer Kindheit erinnert.

Vestibuläre Stimulation: Schaukeln im Schaukelstuhl

Ziel: Förderung des Gleichgewichtssinns, beruhigende vestibuläre Stimulation und Anregung der räumlichen Orientierung.

Benötigte Materialien: Stabiler Schaukelstuhl oder Hängesessel, Decke für Gemütlichkeit.

Anleitung:

  1. Die Person nimmt bequem im Schaukelstuhl Platz.

  2. Der Begleiter sorgt dafür, dass die Füße stabil stehen oder auf einer Fußablage ruhen.

  3. Das sanfte Schaukeln beginnt. Der Rhythmus richtet sich nach der Reaktion des Seniors. Ein langsames Schaukeln kann beruhigend wirken, während ein etwas lebhafterer Rhythmus wach macht.

  4. Während des Schaukelns können Geschichten erzählt oder Lieder gesummt werden.

Vestibuläre Stimulation, zum Beispiel durch sanftes Wiegen, regt das Gleichgewichtssystem an und unterstützt die räumliche Orientierung. Ein Schaukelstuhl bietet eine sichere Möglichkeit, diesen Reiz zu vermitteln.

Anpassung: Für Personen mit ausgeprägter Demenz sollte das Schaukeln langsamer erfolgen, da zu starke Bewegungen verunsichern könnten. Wer sich nicht sicher fühlt, erhält eine weiche Stütze im Rücken. Bei Schwindelneigung sollte der Bewegungsumfang klein sein.

Praxisbeispiel: In einer Pflegeeinrichtung nutzt ein Alltagsbegleiter den Schaukelstuhl, um eine Bewohnerin mit Alzheimer nachmittags zu beruhigen. Er deckt sie warm zu und singt ihr ein Schlaflied. Nach wenigen Minuten wirkt sie ruhiger und beginnt mit ihm gemeinsam leise zu summen.

Vestibuläre Stimulation: Sanftes Wiegen mit einem Tuch

Ziel: Anregung des Gleichgewichtsorgans, Förderung des Vertrauens durch Partnerkontakt und Entspannung.

Benötigte Materialien: Großer Schal oder leichtes Tuch.

Anleitung:

  1. Der Senior sitzt auf einem Stuhl. Der Begleiter steht dahinter und legt dem Senior ein Tuch um den Oberkörper.

  2. Beide halten das Tuch an den Enden; der Begleiter zieht das Tuch sanft nach hinten und lässt es wieder locker, sodass eine leichte Wiegebewegung entsteht.

  3. Wichtig ist, den Rhythmus an den Atem anzupassen: Beim Einatmen leicht zurück, beim Ausatmen vor.

  4. Nach einigen Minuten kann die Bewegung beendet werden, indem der Begleiter das Tuch langsam löst und noch kurz den Rücken ausstreicht.

Die vestibuläre Stimulation durch Wippen oder Wiegen soll sensibel dosiert werden. Sie stärkt das Körpergefühl und kann beruhigend wirken.

Anpassung: Für Menschen mit eingeschränktem Sitzgleichgewicht kann das Wiegen im Liegen (z. B. auf einer Pflegerollmatratze) erfolgen. Bei Hörbeeinträchtigung ist eine verbale Vorankündigung wichtig, bevor das Wiegen beginnt.

Praxisbeispiel: Ein Betreuer verwendet dieses Angebot bei einem Bewohner mit Restless‑Leg‑Syndrom. Nach dem gemeinsamen Wiegen berichtet der Bewohner, dass sich seine Beine leichter anfühlen.

Vibrationsstimulation mit einer Klangschale

Ziel: Förderung der Körperwahrnehmung durch Vibrationen, Entspannung und Fokussierung der Aufmerksamkeit.

Benötigte Materialien: Klangschale mit Schlegel, bequemer Sitz oder Liegefläche.

Anleitung:

  1. Der Senior sitzt oder liegt bequem. Die Klangschale wird auf einen weichen Filz oder direkt auf den Körper (z. B. die Oberschenkel) gestellt, wenn dies angenehm ist.

  2. Der Begleiter schlägt die Schale leicht an. Der Ton und die Vibration breiten sich aus.

  3. Der Senior wird eingeladen, sich auf die Vibration zu konzentrieren: „Wo spüren Sie die Schwingungen?“.

  4. Der Klang kann mehrmals wiederholt werden; zum Abschluss wird in Stille nachgespürt.

Vibrationsreize, etwa durch Klangschalen oder vibrierende Matten, intensivieren die Körperwahrnehmung und können ein Gefühl der Beruhigung vermitteln.

Anpassung: Bei Personen mit Hörbeeinträchtigung ist die Vibration besonders interessant. Menschen mit einem Herzschrittmacher sollten die Schale nicht direkt auf den Brustkorb gelegt bekommen. Bei Demenz können kurze Sequenzen mit anschließenden kurzen Gesprächen über das Erlebte sinnvoll sein.

Praxisbeispiel: In einer Tagespflege legt der Alltagsbegleiter die Klangschale auf die Oberschenkel eines Bewohners mit eingeschränkter Mobilität. Dieser lächelt, als die Schwingungen zu spüren sind, und beschreibt ein Gefühl von „sanftem Kitzeln“.

Mund‑ und Geschmacksstimulation durch Fruchtpüree

Ziel: Anregung des gustatorischen Sinnes, Förderung der Mundmotorik und Aktivierung von Erinnerungen an vertraute Geschmäcker.

Benötigte Materialien: Verschiedene Fruchtpürees oder Mus (z. B. Apfelmus, Mangopüree), kleine Löffel oder Strohhalme.

Anleitung:

  1. Der Senior sitzt aufrecht. Vor ihm stehen mehrere kleine Schälchen mit unterschiedlichen Fruchtpürees.

  2. Der Begleiter reicht nacheinander kleine Mengen der Pürees auf einem Löffel an oder bietet sie durch einen Strohhalm an.

  3. Nach jedem Geschmack wird der Senior gefragt, wie es schmeckt und an was es erinnert. Eventuell werden Erinnerungen an Obstgärten oder frühere Lieblingsspeisen geweckt.

Die orale und gustatorische Stimulation (Kauen, Saugen, Kosten) fördert die Mundmotorik und ruft Erinnerungen hervor.

Anpassung: Bei Schluckstörungen sollten die Pürees glatt und ohne Stückchen sein. Menschen mit Sehbeeinträchtigung werden vor jedem Löffel über den kommenden Geschmack informiert. Wer Diabetes hat, nutzt zuckerreduzierte Varianten.

Praxisbeispiel: In einer Seniorengruppe probieren die Teilnehmer Apfelmus, Pfirsichmus und eine säuerliche Beerenvariante. Eine Bewohnerin beginnt zu erzählen, dass sie früher im Herbst Äpfel einkochte. Diese Aktivierung führte zu einem lebhaften Gespräch und fröhlichen Momenten.

Geruchsreise mit Kräutern und Gewürzen

Ziel: Anregung des Geruchssinnes, Wecken von Erinnerungen und Förderung der Aufmerksamkeit.

Benötigte Materialien: Kleine Schälchen oder Stoffbeutel mit getrockneten Kräutern (Lavendel, Rosmarin, Zitronenverbene), Gewürzen (Zimt, Vanille, Anis) oder frischen Zitrusschalen.

Anleitung:

  1. Der Senior sitzt bequem. Der Begleiter reicht nacheinander ein Kräuter‑ oder Gewürzbeutelchen unter die Nase.

  2. Der Senior riecht daran und beschreibt den Duft. Fragen wie „Woran erinnert Sie der Geruch?“ können zu Biografiegesprächen führen.

  3. Nach jedem Duft wird ein Glas Wasser angeboten, damit sich die Nase erholen kann.

Olfaktorische Stimulation durch bekannte Düfte wie Lavendel oder Zitrusfrüchte kann Erinnerungen wecken und Emotionen beeinflussen.

Anpassung: Personen mit starken Geruchssinnstörungen sollten nur milde Düfte erhalten. Menschen mit Allergien werden vorab gefragt. Bei Demenz kann es helfen, die Düfte mit entsprechenden Bildern oder Gegenständen zu verbinden (z. B. Lavendelblüten zeigen).

Praxisbeispiel: Ein Betreuer setzt bei einem Senior mit Demenz Lavendel ein. Während der Geruchsreise erzählt er von der Provence. Der Senior lächelt und erinnert sich an seine Kindheit in der Landwirtschaft. Dies förderte die Kommunikation und das Wohlbefinden.

Hörstimulation mit bekannten Melodien

Ziel: Aktivierung des auditiven Sinnes, Verbesserung der Konzentration und Förderung positiver Emotionen.

Benötigte Materialien: Musikabspielgerät, Kopfhörer oder Lautsprecher, Playlist mit bekannten Volksliedern oder Lieblingsliedern der Senioren.

Anleitung:

  1. Vor Beginn sammelt der Begleiter Informationen über Musikvorlieben der Seniorinnen und Senioren.

  2. Während der Aktivierung werden nacheinander Lieder abgespielt. Jede Person wird ermutigt, zuzuhören, mitzusingen oder mit den Fingern zu trommeln.

  3. Nach jedem Lied kann kurz darüber gesprochen werden, welche Erinnerungen geweckt wurden.

Auditive Stimulation durch vertraute Musik kann Erinnerungen hervorrufen und emotionale Reaktionen auslösen. Insbesondere bei Menschen mit Demenz ist Musik ein Schlüssel zur Kommunikation.

Anpassung: Personen mit Hörgeräten sollten diese richtig eingestellt haben. Bei starker Demenz können kurze Ausschnitte aus Liedern genug sein. Wer geräuschempfindlich ist, bekommt Kopfhörer mit leiser Lautstärke.

Praxisbeispiel: In einer Pflegeeinrichtung werden alte Schlager gespielt. Eine Bewohnerin, die kaum noch spricht, beginnt leise mitzusingen, als „Lili Marleen“ läuft. Die Gruppe klatscht im Takt, und die Atmosphäre wird fröhlich.

Visuelle Stimulation: Familienfotos betrachten

Ziel: Förderung der visuellen Wahrnehmung, Anregung der Erinnerung und Stärkung der Identität.

Benötigte Materialien: Fotoalben, digitale Bilderrahmen oder Projektor, eventuell Lupen für Menschen mit Sehschwäche.

Anleitung:

  1. Der Senior sitzt bequem. Der Begleiter legt ausgewählte Fotos der Familie oder früherer Lebensabschnitte vor.

  2. Zusammen werden die Bilder betrachtet, Personen und Orte benannt. Fragen zu den abgebildeten Situationen fördern das Erzählen.

  3. Die Aktivierung kann mit dem Sortieren der Bilder verbunden werden (z. B. Chronologie).

Visuelle Stimulation mit vertrauten Bildern unterstützt die Orientierung und kann das Gedächtnis anregen.

Anpassung: Bei Seheinschränkungen sollten Bilder vergrößert oder mit hoher Farbkraft dargestellt werden. Menschen mit Demenz profitieren von wenigen Fotos auf einmal und klaren Fragen.

Praxisbeispiel: Ein Senior betrachtet mit seinem Enkel alte Urlaubsbilder. Er erzählt, wie er damals am Meer badete, und beschreibt das Gefühl von Sand unter den Füßen. Die gemeinsame Reise durch die Fotos stärkte seine Identität und die Beziehung zum Enkel.

Taktile Stimulation: Fühlkiste mit verschiedenen Materialien

Ziel: Förderung der Haptik, Differenzierung verschiedener Oberflächen und Anregung der sensorischen Wahrnehmung.

Benötigte Materialien: Eine Kiste oder ein Korb, gefüllt mit Gegenständen unterschiedlicher Textur (z. B. Fellstück, Bürste, glatter Stein, Stoffbeutel mit Reis, Igelball, weicher Schwamm).

Anleitung:

  1. Der Senior schließt die Augen oder trägt eine Augenbinde, wenn er möchte.

  2. Der Begleiter reicht nacheinander Gegenstände aus der Fühlkiste.

  3. Der Senior ertastet die Objekte, beschreibt die Empfindung und versucht, das Material zu erraten.

  4. Nach jeder Beschreibung zeigt der Begleiter den Gegenstand, sodass eine visuelle Zuordnung erfolgt.

Taktile Stimulation mit verschiedenen Oberflächen fördert die Wahrnehmung über den Tastsinn und stärkt das Körpergefühl.

Anpassung: Bei Diabetes oder eingeschränkter Sensibilität sollten Materialien mit deutlichem Texturunterschied ausgewählt werden. Menschen mit kognitiver Einschränkung können nur wenige Gegenstände probieren, um nicht überfordert zu werden.

Praxisbeispiel: Eine Alltagsbegleiterin stellt einer Bewohnerin mit Sehbeeinträchtigung einen Korb mit weichen und harten Gegenständen bereit. Die Bewohnerin ertastet die Objekte und beschreibt „wie ein Igel, stachelig“ oder „wie ein Küken, flauschig“. Das Spiel weckt Freude und Aufmerksamkeit.

Orientierungshören

Ziel: Schulung des auditiven Orientierungsvermögens, Förderung der Aufmerksamkeit und Stärkung des Vertrauens.

Benötigte Materialien: Augenbinden oder Tücher, unterschiedliche Geräuschquellen (z. B. Klatschen, Stampfen, Pfeifen).

Anleitung:

  1. In einer Gruppe werden drei Personen ausgewählt, die als Geräuschmacher fungieren. Die anderen tragen Augenbinden.

  2. Die Geräuschmacher verteilen sich im Raum und geben nacheinander Geräusche ab (Klatschen, Stampfen, Pfeifen).

  3. Die „blinden“ Teilnehmenden bewegen sich langsam in Richtung des Geräusches, geschützt von den Händen nach vorne.

Die Übung aus dem Projekt „Hören – Sehen – Fühlen“ fördert die akustische Orientierungsfähigkeit und die Sensibilisierung für Geräusche.

Anpassung: Für Senioren mit eingeschränkter Mobilität kann das Gehen auf einem Stuhlkreis beschränkt werden. Menschen mit Hörbeeinträchtigung können nahe an den Geräuschmacher herangeführt werden.

Praxisbeispiel: Im Bewegungsraum einer Senioreneinrichtung führt ein Betreuer die Übung mit drei Bewohnern durch. Eine Dame mit Sehschwäche trägt eine Augenbinde und lächelt, als sie erkennt, dass der Klang des Stampfens von ihrem Freund stammt. Das gemeinsame Erleben stärkt das Vertrauen.

Bewegungsmemory

Ziel: Förderung der Merkfähigkeit, Koordination und Körperbewusstsein sowie soziale Interaktion.

Benötigte Materialien: Genügend Platz, Augenbinden nicht notwendig.

Anleitung:

  1. Zwei Personen verlassen kurz den Raum. Die übrigen bilden Paare und überlegen sich jeweils eine kurze Bewegung (z. B. Arm heben, Schulter kreisen).

  2. Die Paare verteilen sich im Raum. Die beiden zurückgekehrten Personen zeigen nun nacheinander auf jemanden; dieser führt seine Bewegung aus.

  3. Wird eine zweite Person mit derselben Bewegung gefunden, gehört das Paar dem Finder – ähnlich wie beim Kartenmemory. Das Spiel geht weiter, bis alle Paare gefunden sind.

Diese Übung aus dem gleichen Parcours schult die Merkfähigkeit und das Bewegungssehen.

Anpassung: Bei motorischen Einschränkungen können die Bewegungen vereinfacht werden. Menschen mit kognitiven Problemen sollten leichtere Bewegungen wählen.

Praxisbeispiel: Eine Gruppe in einer Tagesstätte spielt Bewegungsmemory. Eine Seniorin mit beginnender Demenz wählt „Beine ausschütteln“ als Bewegung. Als ihr Partner sich erinnert, macht er die gleichen Bewegungen, worauf beide lachen.

Entfernungen schätzen im Raum

Ziel: Förderung des Raumgefühls, Gleichgewichtstrainings und Vertrauensbildung.

Benötigte Materialien: Augenbinden, großer Raum ohne Hindernisse.

Anleitung:

  1. Paare bilden sich; einer trägt eine Augenbinde.

  2. Die sehende Person führt ihren Partner durch den Raum, mal langsam, mal schneller, mal mit Drehungen.

  3. Nach einiger Zeit wird der „blinde“ Partner gestoppt und soll einschätzen, wo im Raum er sich befindet.

Dieses Training hilft, Entfernungen und Raumorientierung mit geschlossenen Augen einzuschätzen und stärkt das Vertrauen in den Begleiter.

Anpassung: Bei eingeschränkter Mobilität können die Wege kürzer sein oder im Sitzen durchgeführt werden, wobei der Begleiter den Stuhl bewegt. Menschen mit Schwindel können die Augen offen lassen und nur die Richtung erraten.

Praxisbeispiel: Ein Senior mit eingeschränktem Sehvermögen übt mit dem Betreuer. Nach dem Führen wird er gefragt: „Sind wir in der Nähe des Fensters?“ Er überlegt kurz und zeigt in die richtige Richtung. Dies stärkt sein Vertrauen in seine Wahrnehmung.

(Er-)Tasten von Alltagsgegenständen

Ziel: Förderung der taktilen Wahrnehmung und Differenzierung, Aufbau von Selbstvertrauen durch Erkennen der Gegenstände ohne Sehen.

Benötigte Materialien: Augenbinden, verschiedene Alltagsgegenstände (Plastikflasche, Ball, Handtuch, Löffel, Bürste).

Anleitung:

  1. Die Teilnehmenden bilden Paare; eine Person verbindet sich die Augen.

  2. In der Umgebung werden verschiedene Alltagsgegenstände verteilt. Die sehende Person reicht dem „blinden“ Partner ein Objekt in die Hand; dieser ertastet es und errät, was es ist.

  3. Nach jedem Gegenstand werden die Rollen getauscht.

Diese Übung, als „(Er-)Tasten von Turn‑ und Sportgeräten“ beschrieben, kann leicht auf Alltagsgegenstände übertragen werden.

Anpassung: Für Menschen mit motorischen Einschränkungen sollten leichte Gegenstände gewählt werden. Bei fortgeschrittener Demenz empfiehlt es sich, vertraute Gegenstände einzusetzen (Kamm, Tuch).

Praxisbeispiel: In einer häuslichen Umgebung tastet eine Seniorin mit verbundenen Augen zuerst einen glatten Stein, dann ein weiches Tuch. Ihre Tochter fragt: „Woran erinnert dich dieses Gefühl?“ Sie antwortet: „An die weiche Wolle, die ich früher gestrickt habe.“

Blindes Laufen mit Partner

Ziel: Verbesserung des Vertrauens, Förderung der propriozeptiven Wahrnehmung und Gleichgewichtsstärkung.

Benötigte Materialien: Augenbinden, freier Raum ohne Stolperfallen.

Anleitung:

  1. Zwei Personen bilden ein Team. Eine Person verbindet sich die Augen und geht langsam in „Zombie‑Schritten“ (Arme nach vorn zur Sicherheit).

  2. Die sehende Person bleibt in der Nähe und gibt mündliche Anweisungen („Weiter nach rechts“, „Stopp“).

  3. Nach einer festgelegten Zeit wechseln die Rollen.

Blindes Laufen stärkt die Selbstwahrnehmung und die Sicherheit des Gleichgewichts.

Anpassung: Bei eingeschränkter Mobilität kann die Person auf der Stelle oder im Sitzen geführt werden (z. B. durch Schieben des Rollstuhls). Bei Angst vor dem Blindsein kann eine leichte Stoffbinde benutzt werden, die ein bisschen Licht durchlässt.

Praxisbeispiel: In einer Seniorengruppe führt eine Tochter ihre Mutter mit einer Augenbinde durch den Raum. Die Mutter lacht, als sie die Stimme ihrer Tochter hört, und sagt: „Du führst mich wie früher, als ich dir das Laufen beigebracht habe.“ Der Rollentausch stärkt ihre Beziehung.

Fußfühlparcours

Ziel: Anregung der taktilen Sensibilität der Füße, Verbesserung des Gleichgewichtes und Freude an sensorischem Erleben.

Benötigte Materialien: Verschiedene Materialien, die auf dem Boden verteilt werden (Teppichfliesen, weiche Matten, Bälle, Hütchen, gerollte Handtücher, Noppenmatten).

Anleitung:

  1. In einem sicheren Abschnitt des Raumes wird ein Fußfühlparcours aufgebaut.

  2. Der Senior zieht die Schuhe aus und geht, geführt von einem Begleiter, langsam über die verschiedenen Materialien.

  3. Bei jedem neuen Untergrund werden die Empfindungen beschrieben: „Wie fühlt sich das an?“, „Ist es weich oder hart?“

  4. Am Ende des Parcours wird über das Erlebte gesprochen.

Laut fördert ein Fußfühlparcours die taktile Wahrnehmung der Fußsohlen, die Orientierungsfähigkeit und die Kreativität.

Anpassung: Für Personen mit Diabetes sollten nur weiche, saubere Materialien verwendet werden, um Verletzungen zu vermeiden. Bei Rollstuhlfahrern können die Materialien mit den Händen ertastet werden. Sehbehinderte Menschen benötigen klare verbale Hinweise.

Praxisbeispiel: In einer Tagespflege wird ein Parcours mit Teppichfliesen, Gummimatten und einem Behälter mit trockenem Maiskorn aufgebaut. Ein Senior, der immer Schuhe trägt, empfindet das Gehen zunächst ungewohnt. Nach dem Durchlauf sagt er, dass er das Kitzeln der Körner mag und fühlt sich an seine Kindheit am Strand erinnert.

Mutprobe mit Sprung von niedriger Höhe

Ziel: Stärkung des Selbstvertrauens, Aktivierung der Muskeln und bewusste Auseinandersetzung mit Höhenangst.

Benötigte Materialien: Weiche Matte, niedrige Erhöhung (Bank oder kleiner Kasten), eventuell Hilfeseil.

Anleitung:

  1. Eine kleine Bank oder ein niedriger Kasten wird an ein Ende einer weichen Matte gestellt.

  2. Der Senior steigt mit Unterstützung auf die Bank, stellt sich an die Kante und springt mit beiden Füßen auf die Matte. Die tatsächliche Sprunghöhe ist gering, wirkt jedoch höher.

  3. Begleiter sichern den Sprung, halten die Person an den Händen oder stehen seitlich.

Diese „große Mutprobe“ aus dem Parcours zeigt, dass Mut und Vertrauen durch das Überwinden scheinbar großer Hindernisse wachsen.

Anpassung: Für Personen mit Gelenkproblemen können statt Sprüngen kleine Schritte von der Bank auf die Matte gemacht werden. Bei starken Einschränkungen wird auf das Hochklettern verzichtet; stattdessen wird eine symbolische „Mutaufgabe“ wie das Betasten eines unbekannten Objekts durchgeführt.

Praxisbeispiel: In einer Gruppe trauen sich mehrere Senioren, von der niedrigen Bank zu springen. Eine zierliche Dame hält dabei die Hand des Begleiters und jubelt, als sie sicher landet. Ihr Erfolg wird mit Applaus gefeiert, was ihr Selbstvertrauen stärkt.

Meditationstanz „Die Ulme“

Ziel: Förderung des Körperbewusstseins durch meditative Bewegungsfolgen, Verbesserung des Gleichgewichts und der Koordination sowie soziale Verbundenheit.

Benötigte Materialien: Musik (z. B. „Die Ulme“ von Masanobu Hirata), ggf. Lautsprecher; freie Fläche.

Anleitung:

  1. Die Teilnehmenden stehen im Kreis und fassen sich mit der rechten und linken Hand entsprechend der Beschreibung (rechte Handfläche nach oben, linke Hand wird hineingelegt).

  2. Es folgen einfache Bewegungen: Wiegen am Platz, Vor‑ und Rückwärtsgehen, Schritte zur Kreismitte und zurück.

  3. Die Bewegungen werden in der Gruppe synchron ausgeführt, wodurch ein gemeinsamer Rhythmus entsteht.

  4. Am Ende wird im Sitzkreis nachgespürt und über das Erlebte gesprochen.

Der meditative Tanz ist an einen litauischen Tanz angelehnt und fördert eine bewusste Körpererfahrung. Das ständige Wiegen und Bewegen symbolisiert Rückschau, Begegnung und Vorwärtsschauen.

Anpassung: Bei Mobilitätsproblemen kann die Übung im Sitzen durchgeführt werden, indem die Teilnehmer mit den Füßen den Rhythmus mitgehen und die Hände im Kreis halten. Hörbeeinträchtigte Menschen spüren den Rhythmus über Berührung (Handhaltung) oder visuelle Zeichen.

Praxisbeispiel: Eine Gruppe von Senioren tanzt im Kreis zu „Die Ulme“. Ein Teilnehmer im Rollstuhl wird in den Kreis integriert; er wiegt seinen Oberkörper und bewegt die Arme im Takt, während die anderen sich mit ihm verbinden. Am Ende berichtet er, dass ihm die harmonische Bewegung Ruhe und Freude gebracht hat.

Sich-Wiegen im Stehen

Ziel: Verbesserung des Gleichgewichts, Wahrnehmung von Gewichtsverlagerung und Förderung der Körpermitte.

Benötigte Materialien: Feste Unterlage; optional Musik.

Anleitung:

  1. Die Person steht mit hüftbreiten Füßen, die Knie leicht gebeugt.

  2. Die Arme werden locker um den Körper geschwungen.

  3. Sanfte Gewichtsverlagerungen nach rechts und links werden ausgeführt, anschließend wird bewusst mehr Gewicht auf jeweils ein Bein gebracht.

  4. Bei stabilen Teilnehmern kann das Wiegen mit geschlossenen Augen versucht werden, um die propriozeptive Wahrnehmung zu intensivieren.

Diese Übung entstammt dem Abschnitt „Sich‑Wiegen am Platz“ und hilft, die Stabilität und das Gleichgewicht zu verbessern.

Anpassung: Für Menschen mit Gangunsicherheit empfiehlt sich ein Stuhl zum Festhalten. Bei Demenz sollte der Betreuer das Wiegen verbal begleiten („wie eine Pendelbewegung von links nach rechts“).

Praxisbeispiel: In einer morgendlichen Aktivierung steht eine Seniorengruppe im Garten. Mit geschlossenen Augen wiegen sie ihre Körper im Rhythmus eines leisen Liedes. Ein Mann bemerkt, dass er sein Körpergewicht jetzt besser spüren kann und weniger Angst vor dem Umfallen hat.

Freies Gehen mit bewusster Wahrnehmung

Ziel: Förderung des achtsamen Gehens, Erspüren der Fußsohlen und Stärkung des Gleichgewichts.

Benötigte Materialien: Freier Raum (Flur, Garten); optional Musik.

Anleitung:

  1. Teilnehmerinnen gehen langsam durch den Raum und achten bewusst darauf, wie die Füße den Boden berühren, ob eine Gewichtsverlagerung spürbar ist und wie sich die Knie, Hüften und Schultern bewegen.

  2. Der Begleiter stellt Fragen: „Wie setzen die Füße auf?“, „Ist eine Gewichtsverlagerung spürbar?“.

  3. Anschließend wird das Tempo leicht erhöht, um den Unterschied zwischen schnellem und langsamem Gehen zu spüren.

Diese Übung aus dem Abschnitt „Facetten des Gehens I/II“ schärft das Bewusstsein für das Gehen und zeigt, wie sich Bewegung und Atmung verbinden lassen.

Anpassung: Bei starken Gehschwierigkeiten können die Teilnehmer auf der Stelle treten oder nur kurze Strecken zurücklegen. Sehbehinderte Menschen sollten eine Begleitperson haben.

Praxisbeispiel: Im Park einer Pflegeeinrichtung gehen zwei Bewohner langsam über den Rasen. Der Begleiter fragt, ob sie den Unterschied zwischen weichem Gras und hartem Kies spüren. Beide nicken und beschreiben ihre Eindrücke. Das macht den Spaziergang zu einem sensorischen Erlebnis.

Achtsames Auf- und Absteigen

Ziel: Förderung der Beinmuskulatur und Gleichgewichts, Koordination von Atem und Bewegung.

Benötigte Materialien: Step‑Plattform, niedrige Bank oder Treppenstufe.

Anleitung:

  1. Die Teilnehmer stellen sich vor eine Stufe. Mit einer Hand können sie sich an einem Geländer festhalten.

  2. Beim Einatmen steigen sie langsam mit einem Fuß auf die Stufe, beim Ausatmen setzen sie den zweiten Fuß dazu.

  3. Beim Einatmen wird ein Fuß wieder heruntergesetzt, beim Ausatmen folgt der andere.

  4. Die Übung wird 5–8 Mal wiederholt, wobei jeder sein Tempo wählt und auf die Atmung achtet.

Diese Aktivierung verbindet Stehen, Gehen und Atmen und fördert das Körperbewusstsein.

Anpassung: Bei Gelenkproblemen werden sehr niedrige Stufen gewählt oder das Auf‑ und Absteigen wird nur mit einem Fuß geübt. Menschen mit starken Gleichgewichtsschwierigkeiten können die Übung im Sitzen simulieren, indem sie die Füße abwechselnd heben und senken.

Praxisbeispiel: Eine Seniorin übt das Treppensteigen im Hausflur, weil sie Angst vor Stürzen hat. Der Alltagsbegleiter steht neben ihr und spricht ruhig den Atemrhythmus an („Einatmen beim Hochsteigen, ausatmen beim Absteigen“). Nach einigen Wiederholungen fühlt sich die Seniorin sicherer.

Abtasten und Ausstreichen der Beine im Sitzen

Ziel: Anregung der taktilen Wahrnehmung und Selbstfürsorge; Verbesserung der Durchblutung.

Benötigte Materialien: Bequeme Sitzgelegenheit, ggf. Lotion oder Öl.

Anleitung:

  1. Die Person sitzt mit leicht erhöhten Füßen (z. B. auf einem kleinen Hocker).

  2. Mit beiden Händen werden die Unterschenkel von den Fußgelenken aufwärts bis zu den Knien leicht abgetastet, dann ausgestrichen und leicht geklopft.

  3. Anschließend werden die Füße und Zehen in die Massage einbezogen.

  4. Zum Abschluss werden die Beine abgestellt und nachgespürt.

Diese Übung aus dem Abschnitt „Abtasten und Ausstreichen“ fördert die Sensibilität der Beine und regt zur Selbstwahrnehmung an.

Anpassung: Bei Personen mit neuropathischen Schmerzen sollte der Druck sehr sanft sein. Wer die Hände nicht heben kann, erhält Unterstützung vom Begleiter.

Praxisbeispiel: Ein Senior mit geringer Körperwahrnehmung in den Beinen tastet mit Unterstützung seine Unterschenkel ab und beschreibt, dass die linke Wade kälter ist als die rechte. Er beginnt regelmäßig, diese Übung vor dem Schlafengehen zu machen, was ihm ein Gefühl der Verbundenheit mit seinem Körper gibt.

Bodenkontakt zeichnen

Ziel: Bewusstes Spüren der Auflagepunkte des Körpers, Verbesserung der Eigenwahrnehmung und Förderung der Kreativität.

Benötigte Materialien: Große Blätter Papier (DIN A3), Buntstifte oder Filzstifte.

Anleitung:

  1. Der Senior liegt auf einer Matte in Rückenlage. Er spürt die Kontaktpunkte des Körpers mit der Unterlage: Fersen, Beine, Gesäß, Rücken, Arme, Kopf.

  2. Nach dem Aufstehen zeichnet er auf einem Papier den Umriss seines Körpers und markiert die Stellen, an denen er Bodenkontakt gespürt hat.

  3. Anschließend wird das Bild noch einmal nach dem erneuten Hinlegen ergänzt, um Veränderungen zu erkennen.

Diese Aktivität aus dem Konzept „Bodenkontakte“ vertieft das Verständnis für den eigenen Körper und die Veränderungen nach Bewegung oder Entspannung.

Anpassung: Bei eingeschränkter Beweglichkeit kann der Begleiter den Umriss zeichnen und die Person zeigen lassen, wo sie etwas gespürt hat. Menschen mit kognitiven Einschränkungen erhalten zusätzliche Erklärungen.

Praxisbeispiel: Eine Bewohnerin mit Hemiparese (Halbseitenlähmung) zeichnet, wo ihr Körper die Matte berührt. Sie bemerkt, dass die betroffene Seite weniger Druck spürt. Diese Erkenntnis führt dazu, dass sie bei Physiotherapiesitzungen bewusst diese Seite stärker wahrnimmt.

Gelenke mobilisieren in Rückenlage

Ziel: Erhalt oder Verbesserung der Gelenkbeweglichkeit und Förderung der Körperwahrnehmung in Ruhe.

Benötigte Materialien: Matte oder Bett mit fester Unterlage.

Anleitung:

  1. Der Senior liegt auf dem Rücken; die Beine sind ausgestreckt.

  2. Füße werden langsam im Uhrzeigersinn und gegen den Uhrzeigersinn gekreist, danach werden Knie leicht gebeugt und gestreckt.

  3. Dann rollt der Senior das Becken sanft nach vorne und hinten (Becken kippen), die Schultern werden leicht angehoben und gesenkt und der Kopf vorsichtig nach rechts und links gerollt.

  4. Zwischen den Bewegungen immer wieder nachspüren.

Diese Mobilisationssequenz aus der Praxis der basalen Körperwahrnehmung eignet sich insbesondere für bettlägerige Personen und Menschen mit Bewegungseinschränkungen.

Anpassung: Bei Personen mit Dekubitusgefahr sollte die Bewegung langsam sein, um den Druck zu reduzieren. Wer Schwindel empfindet, führt keine schnellen Kopfbewegungen aus.

Praxisbeispiel: Eine Seniorin, die nach einem Sturz im Bett liegt, wird von der Alltagsbegleiterin sanft durch die Bewegungsfolge geführt. Sie merkt, dass ihre Füße wärmer werden und sie sich im Rücken wohler fühlt.

Körperteil anheben und spüren

Ziel: Bewusstsein für das Gewicht der Gliedmaßen stärken, Förderung der Muskelspannung und Ruhe.

Benötigte Materialien: Matte oder Bett.

Anleitung:

  1. In Rückenlage hebt der Senior einen Arm oder ein Bein etwa 2–3 cm vom Boden an, hält das Gewicht kurz und legt es wieder ab.

  2. Dabei wird bewusst wahrgenommen, wie sich das Körperteil anfühlt: „Ist es schwer oder leicht?“, „Gibt es Unterschiede zwischen rechts und links?“

  3. Die Übung wird jeweils 2–3 Mal pro Körperteil wiederholt.

Diese Aktivität entstammt dem Kapitel „Körperteil anheben“ und hilft, den Unterschied zwischen aktivem Halten und Loslassen zu erfahren.

Anpassung: Bei Menschen mit Muskelschwäche kann der Begleiter das Anheben unterstützen. Personen mit kognitiven Einschränkungen werden ermutigt, das Gefühl mit einfachen Worten zu beschreiben („leicht“, „schwer“).

Praxisbeispiel: Ein Senior mit Schlaganfall hebt erst den rechten und dann den linken Arm. Er beschreibt, dass der rechte Arm schwerer erscheint. Diese Wahrnehmung wird in die Ergotherapie aufgenommen, wo gezielt Übungen zur Kräftigung des rechten Armes erfolgen.

Abklopfen und Ausstreichen zur Aktivierung

Ziel: Förderung der Durchblutung, Wahrnehmung der Körpergrenzen und sanfte Aktivierung vor oder nach einer Übung.

Benötigte Materialien: Keine; optional weiche Bekleidung.

Anleitung:

  1. Der Senior steht oder sitzt bequem. Er oder der Begleiter klopft mit lockeren Händen oder Fäusten sanft über die Arme, den Rücken (soweit erreichbar), die Beine und den Brustkorb.

  2. Anschließend werden diese Körperregionen mit flachen Händen ausgestrichen.

  3. Die Übung endet mit lockerem Ausschwingen der Arme.

Abklopfen und Ausstreichen regen die Wahrnehmung der Körperoberfläche an und können vor oder nach anderen Aktivitäten durchgeführt werden.

Anpassung: Bei Osteoporose sollte nicht über Knochenvorsprünge geklopft werden. Menschen mit demenzieller Erkrankung erhalten sanfte Anleitung und dürfen jederzeit stoppen.

Praxisbeispiel: Vor einer Mobilisation schlägt ein Betreuer leicht über die Beine eines im Bett liegenden Seniors. Danach streicht er die Beine aus. Der Senior beschreibt ein angenehmes Kribbeln und fühlt sich aktivierter.

Atmen und Armbewegungen verbinden

Ziel: Schulung der Atemwahrnehmung, Lockerung der Schultergürtelmuskulatur und Förderung der Konzentration.

Benötigte Materialien: Stühle; ggf. Musik zum ruhigen Takt.

Anleitung:

  1. Die Teilnehmenden stehen oder sitzen aufrecht.

  2. Beide Hände werden beim Einatmen über den Kopf geführt, beim Ausatmen langsam wieder gesenkt.

  3. Anschließend die Arme seitlich ausbreiten beim Einatmen und beim Ausatmen wieder schließen.

  4. Die Übung 5–7 Mal wiederholen, dabei das Einatmen als „Empfangen“ und das Ausatmen als „Loslassen“ visualisieren.

Die Kombination von Bewegung und Atem schärft die Körperwahrnehmung und kann die Atmung vertiefen.

Anpassung: Menschen mit Atemnot können die Bewegungen kleiner ausführen und die Dauer der Ein‑ und Ausatmung verkürzen. Bei Schulterproblemen werden die Arme nur bis zur Schulterhöhe gehoben.

Praxisbeispiel: Eine Seniorin, die oft oberflächlich atmet, übt diese Sequenz täglich. Nach einer Woche berichtet sie, dass sie sich im Alltag gelassener fühlt und ihre Schulterverspannungen nachgelassen haben.

Heiße Augen (Wärme und Tastsinn kombinieren)

Ziel: Förderung der Entspannung, Schutz der Augen und Sensibilisierung für Wärmeempfindungen.

Benötigte Materialien: Keine; optional Musik.

Anleitung:

  1. Die Teilnehmenden reiben ihre Hände kräftig aneinander, bis sie warm werden.

  2. Dann legen sie die warmen Handflächen über die geschlossenen Augen, ohne Druck auszuüben.

  3. Nach einigen Atemzügen werden die Hände gelöst, die Augen geöffnet und der Blick wandert durch den Raum.

  4. Der Begleiter sagt leise die Namen der Teilnehmenden; diese sollen sich melden oder eine Hand heben, wenn sie ihren Namen hören.

Diese Aktivierung kombiniert Wärmeempfinden und auditives Reaktionsvermögen und fördert die Achtsamkeit.

Anpassung: Bei trockenen Augen kann man die Hände nur kurz auflegen. Menschen mit Demenz erhalten im Vorfeld eine kurze Erklärung. Hörgeschädigte Personen reagieren auf das Handzeichen des Begleiters.

Praxisbeispiel: In einer Gruppe legen Senioren ihre warmen Hände über die Augen. Danach öffnet der Betreuer langsam die Fensterläden; das helle Licht wirkt intensiver, und die Teilnehmenden berichten, dass sie „klarer sehen“. Anschließend werden die Namen leise gesagt, was die Aufmerksamkeit schärft.

Bodenkontakte wahrnehmen und zeichnen

Ziel: Bewusstes Spüren der Auflagepunkte, Förderung des propriozeptiven Bewusstseins und der Kreativität.

Benötigte Materialien: Matten, großes Papier, Stifte.

Anleitung:

  1. Die Teilnehmenden legen sich auf die Matte und spüren verschiedene Auflagepunkte.

  2. Nach dem Aufstehen zeichnen sie den Umriss ihres Körpers und markieren die Kontaktstellen.

  3. Nach einer erneuten Lageänderung (z. B. Dehnung oder Rollen) wird das Bild ergänzt, um Veränderungen sichtbar zu machen.

Diese Übung, in der seniorspezifischen Bewegungspraxis genutzt, vertieft die Körperwahrnehmung und kann zu erstaunlichen Gesprächen über das eigene Körperbild führen.

Anpassung: Für Menschen mit motorischen Einschränkungen zeichnet der Begleiter den Umriss; die Person zeigt, wo sie Auflagepunkte spürt. Bei kognitiven Einschränkungen kann man das Ganze verkürzen und nur einige Körperregionen markieren.

Praxisbeispiel: Eine Seniorengruppe erstellt „Bodenkontakt‑Bilder“ und hängt sie an die Wand. Ein Bewohner ist stolz auf sein Kunstwerk und erklärt seinen Enkeln beim Besuch, wie die Kontaktstellen variieren.

Fliegen abschütteln

Ziel: Förderung der Körperwahrnehmung durch leichte Erschütterungen, Entspannung der Muskulatur und Spaß in der Gruppe.

Benötigte Materialien: Keine; optional Musik.

Anleitung:

  1. Die Teilnehmer stehen in Paaren gegenüber. Einer berührt verschiedene Körperstellen des Partners (Arm, Schulter, Bein) mit einem Finger.

  2. Der andere „schüttelt“ diese Stelle sanft, als wolle er eine Fliege abschütteln.

  3. Nach einigen Durchgängen werden die Rollen getauscht.

Diese Übung fördert die Wahrnehmung von Berührung und Vibrationen und lockert die Muskulatur.

Anpassung: Bei Menschen mit Sensibilitätsstörungen wird der Druck reduziert. Rollstuhlfahrende Personen können die Übung im Sitzen ausführen. Bei Demenz hilft eine spielerische Erklärung („Wir vertreiben kleine Fliegen“).

Praxisbeispiel: Auf einer Terrasse machen zwei Senioren diese Übung. Der Alltagsbegleiter erklärt, dass sie „Fliegen“ abschütteln, was zu Lachen führt. Die Teilnehmer berichten, dass sie sich danach leichter und entspannter fühlen.

Wind und Wellen mit dem Schwungtuch

Ziel: Förderung der Koordination, Teamarbeit und Körperwahrnehmung im Schulter‑ und Armbereich.

Benötigte Materialien: Großes Schwungtuch (Parachute).

Anleitung:

  1. Das Schwungtuch wird von mehreren Personen am Rand gehalten.

  2. Gemeinsam erzeugen die Teilnehmenden Wellen, indem sie das Tuch hoch und runter bewegen.

  3. Variation: Das Tuch wird wie ein Segel bewegt, um „Wind“ zu spüren. Man kann leichte Gegenstände (z. B. Schaumstoffball) darauflegen und beobachten, wie er sich bewegt.

Diese Aktivierung stärkt das Gemeinschaftsgefühl und sensibilisiert für Armbewegungen und Kraftdosierung.

Anpassung: Menschen mit eingeschränkter Kraft können sich an der Tuchmitte festhalten, wo weniger Zug entsteht. Rollstuhlfahrer dürfen mitmachen, indem das Tuch auf ihre Höhe abgesenkt wird.

Praxisbeispiel: Eine Seniorengruppe im Garten hält ein buntes Schwungtuch. Gemeinsam erzeugen sie kleine und größere Wellen. Eine Bewohnerin lacht, als der Ball auf dem Tuch hin und her flitzt, und merkt, wie ihre Arme arbeiten.

Betender Mönch

Ziel: Förderung der Beweglichkeit der Schultergürtel, Koordination und Entspannung durch eine Bewegungssequenz.

Benötigte Materialien: Keine; optional ruhige Musik.

Anleitung:

  1. Die Teilnehmer sitzen oder stehen aufrecht. Die Hände werden vor der Brust zusammengeführt und nach oben über den Kopf geführt, als ob man betet.

  2. Die Hände werden in Rückenlage nach hinten geführt, der Oberkörper beugt sich leicht vor, dann richtet man sich wieder auf, führt die Hände seitlich nach unten und schwingt sie zurück in die Ausgangsposition.

  3. Die Übung wird langsam 5 Mal wiederholt, wobei die Atmung im Rhythmus der Bewegung fließt.

Diese Sequenz ist im PDF „Betender Mönch“ beschrieben und verbindet Atmung mit Schulter‑ und Wirbelsäulenbewegungen.

Anpassung: Personen mit Schulterproblemen können die Arme nur bis auf Brusthöhe heben. Bei kognitiven Einschränkungen wird die Übung Schritt für Schritt demonstriert und gemeinsam ausgeführt.

Praxisbeispiel: Eine Bewohnerin mit Schulterschmerzen macht die Bewegungen kleiner, spürt aber, dass ihr Rücken sich lockert. Sie berichtet, dass sie „sich wie ein Mönch“ fühlt.

Dehnen im Bewegungsfluss

Ziel: Verbesserung der Beweglichkeit großer Muskelgruppen, bewusste Wahrnehmung von Dehnung und Stärkung der Achtsamkeit.

Benötigte Materialien: Stühle oder Matte; ggf. Musik.

Anleitung:

  1. Schulterdehnung: Die Teilnehmer strecken die Arme hoch und fassen mit einer Hand das gegenüberliegende Handgelenk. Sanft ziehen, um die Schulter zu dehnen.

  2. Adduktorendehnung: Im Sitzen ein Bein zur Seite ausstrecken und den Oberkörper leicht zu diesem Bein neigen, bis ein sanfter Zug an der Innenseite spürbar ist.

  3. Hüftbeugerstreckung: Ein Bein nach hinten setzen (im Stand) und die Hüfte nach vorne schieben, ohne ins Hohlkreuz zu gehen.

  4. Rumpfrotation: Im Sitzen die Hände hinter dem Kopf verschränken und den Oberkörper langsam nach rechts und links drehen.

Zwischen den Dehnungen wird nachgespürt; die Übungen werden im Fluss ausgeführt und nicht statisch gehalten, um den Kreislauf nicht zu belasten.

Anpassung: Bei Osteoporose sollten die Bewegungen klein bleiben. Personen mit Gelenkersatz müssen auf die Endgrade verzichten. Bei Demenz hilft es, ein Bild („Wir ziehen uns wie Gummi in die Länge“) zu verwenden.

Praxisbeispiel: Eine kleine Gruppe dehnt sich im Fluss. Der Alltagsbegleiter betont, dass es kein Wettbewerb ist. Eine Teilnehmerin spürt, wie ihre Leiste zieht, und reduziert die Dehnung, während ein anderer seine Atmung vertieft. Beide berichten anschließend ein leichteres Körpergefühl.

Aufrechte Haltung beim Sitzen

Ziel: Bewusstes Wahrnehmen der Wirbelsäulenaufrichtung, Vermeiden von Rundrücken und Förderung der Atemkapazität.

Benötigte Materialien: Stühle; optional Theraband zur Rückenmuskulaturaktivierung.

Anleitung:

  1. Die Senioren setzen sich an die vordere Kante des Stuhls. Die Füße stehen fest auf dem Boden.

  2. Der Begleiter bittet sie, sich vorzustellen, dass ein unsichtbarer Faden sie am Scheitel nach oben zieht; die Schultern sinken nach hinten unten.

  3. Option: Ein Theraband hinter dem Rücken halten und sanft nach außen ziehen, um den Brustkorb zu öffnen.

  4. Nach einigen Sekunden wird entspannt; die Übung wird 3‑Mal wiederholt.

Die aufrechte Haltung ist Bestandteil vieler Aktivitäten; sie fördert die Atmung und die Körperwahrnehmung.

Anpassung: Bei Wirbelsäulenverkrümmung wird kein Druck ausgeübt; die Person richtet sich so weit auf, wie es angenehm ist. Bei Demenz sollten bildhafte Anweisungen („als würde eine Krone auf dem Kopf balanciert“) genutzt werden.

Praxisbeispiel: In einer Mittagsrunde korrigiert der Alltagsbegleiter behutsam die Haltung der Teilnehmenden. Eine Bewohnerin mit Lungenproblemen berichtet, dass sie leichter atmen kann, wenn sie sich aufrichtet.

Sitzkreis mit Gewichtsverlagerung

Ziel: Verbesserung der Rumpfstabilität und Wahrnehmung von Gewichtsverlagerungen im Sitzen.

Benötigte Materialien: Stühle; eventuell Kissen.

Anleitung:

  1. Alle sitzen aufrecht. Der Begleiter demonstriert, wie man das Gewicht langsam auf die linke Gesäßhälfte verlagert, ohne den Oberkörper zu stark zu bewegen.

  2. Dann erfolgt die Verlagerung zur rechten Seite. Die Hände liegen dabei auf den Oberschenkeln.

  3. Variation: Gewichtsverlagerung nach vorne (leicht vom Stuhl heben) und zurück lehnen.

  4. Jede Bewegung wird 5 Mal wiederholt, danach wird nachgespürt.

Diese Übung stärkt die Stabilisatoren des Rumpfes und schärft das Bewusstsein für das Sitzen.

Anpassung: Menschen mit Oberschenkelhalsfraktur im Heilungsprozess sollten die Bewegungen minimal ausführen. Bei kognitiven Einschränkungen kann man das Wiegen mit Bildern verbinden („wie auf einem Schiff“).

Praxisbeispiel: In einer Seniorenresidenz wiegt eine Gruppe im Sitzen hin und her. Eine Bewohnerin mit Rollator spürt, dass ihre linke Seite weniger aktiv ist, und nimmt sich vor, im Alltag bewusster aufzustehen.

Bewegungsmemory mit Alltagsgegenständen

Ziel: Förderung der Merkfähigkeit und Körperkoordination, Stärkung der Aufmerksamkeit.

Benötigte Materialien: Gegenstände wie kleine Handtücher, Stifte, Wasserflaschen; ausreichend Platz.

Anleitung:

  1. In der Gruppe bilden sich Paare. Jedes Paar wählt zwei einfache Bewegungen mit einem Gegenstand (z. B. Flasche heben und schütteln).

  2. Alle Paare zeigen der Gruppe ihre Bewegungen.

  3. Anschließend wiederholen die Paare die Bewegungen verdeckt. Die übrigen erraten, zu welchem Paar die Bewegung gehört.

Bewegungsmemory fördert das Bewegungssehen und die Merkfähigkeit ähnlich wie die Version aus dem Parcours, aber mit Alltagsgegenständen.

Anpassung: Für Personen mit eingeschränkter Handfunktion werden leichte Gegenstände ausgewählt. Bei Demenz kann die Anzahl der Bewegungen reduziert werden.

Praxisbeispiel: Eine Gruppe spielt Bewegungsmemory mit Geschirrhandtüchern und Wasserflaschen. Ein Herr schwingt ein Handtuch wie ein Lassoseil. Eine Bewohnerin errät die Bewegung und beide freuen sich über das Erfolgserlebnis.

Klangreise mit Geschichten

Ziel: Kombination von auditiver und kognitiver Stimulation, Förderung der Fantasie und Entspannung.

Benötigte Materialien: Klangschalen, Koshi‑Klangspiel oder andere sanfte Instrumente, vorbereitete kurze Geschichten mit Naturgeräuschen.

Anleitung:

  1. Der Begleiter liest langsam eine Geschichte vor, die die Sinne anspricht (z. B. ein Spaziergang durch den Wald).

  2. Zwischendurch erklingen sanfte Klänge, die die vorgestellten Geräusche begleiten, etwa das Summen einer Biene oder das Plätschern eines Bachs.

  3. Die Teilnehmenden werden eingeladen, die Augen zu schließen und die Klänge und Bilder im Körper zu spüren.

Auditive Stimulation verbunden mit Imaginationsreisen kann helfen, die Aufmerksamkeit zu bündeln und Erinnerungen zu wecken.

Anpassung: Bei Hörbeeinträchtigungen werden die Instrumente näher an die Person gebracht. Menschen mit Demenz erhalten kürzere Geschichten mit klaren Bildern.

Praxisbeispiel: Eine Alltagsbegleiterin liest eine Geschichte über einen Sommertag im Garten und spielt dazu Vögelklänge ab. Ein Bewohner erinnert sich an den eigenen Garten und erzählt von den Kirschen, die er erntete.

Atmen nach Jon Kabat‑Zinn: 3‑Minuten‑Atemraum

Ziel: Kurzzeitige Fokussierung auf den Atem, Stressreduktion und Förderung der Achtsamkeit.

Benötigte Materialien: Keine; ruhiger Sitzplatz.

Anleitung:

  1. Die Teilnehmer setzen sich bequem hin. Die Augen können geschlossen werden.

  2. Im ersten Schritt wird das Bewusstsein auf die gegenwärtige Erfahrung gerichtet: „Was nehme ich gerade wahr?“

  3. Im zweiten Schritt wird der Fokus auf den Atem gelegt: Ein‑ und Ausatmung bewusst spüren, ohne sie zu verändern.

  4. Im dritten Schritt wird das Gewahrsein auf den ganzen Körper ausgedehnt, um zu bemerken, wie der Atem den Körper bewegt.

Dieses Vorgehen basiert auf Achtsamkeitsübungen, wie sie in Kursen zur Stressbewältigung vermittelt werden. Es kann auch älteren Menschen helfen, kurz innezuhalten und den Atem bewusst zu spüren.

Anpassung: Für Personen mit Atemnot sollte die Übung kürzer sein. Menschen mit kognitiven Einschränkungen bekommen konkrete Anleitungen („Spüren Sie, wie sich die Brust hebt und senkt“).

Praxisbeispiel: Während einer unruhigen Nachmittagssituation führt der Betreuer mit einer Bewohnergruppe den 3‑Minuten‑Atemraum durch. Nach der Übung wirken die Teilnehmenden gelassener und nehmen Geräusche im Raum bewusster wahr.

Erkundung des Raums

Ziel: Förderung der räumlichen Orientierung, Bewusstsein für Umgebung und Anregung des Gesprächs.

Benötigte Materialien: Freier Raum, ggf. Notizblöcke für Beobachtungen.

Anleitung:

  1. Die Teilnehmer bewegen sich durch den Raum und beobachten bewusst seine Gestaltung: Licht, Boden, Wände.

  2. Anschließend wird im Kreis besprochen, welche Plätze vertraut oder unbekannt wirken und welche Gegenstände ins Auge fallen.

Diese Aktivität aus dem Abschnitt „Den Raum wahrnehmen“ schärft die Aufmerksamkeit für die Umgebung und kann auch im eigenen Zuhause durchgeführt werden.

Anpassung: Für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen kann die Erkundung im Sitzen erfolgen; der Begleiter beschreibt die Gegenstände, und die Person äußert, wie sie sich dabei fühlt. Sehbehinderte Personen ertasten Wände oder Möbel.

Praxisbeispiel: Eine Bewohnerin, die selten das Zimmer verlässt, wird eingeladen, den Gemeinschaftsraum zu erkunden. Sie bemerkt, dass sie sich am Fenster am wohlsten fühlt. Dies wird berücksichtigt, und ihr Sitzplatz wird zukünftig so gewählt, dass sie mehr Licht hat.

Gewichtsverlagerung beim Stehen

Ziel: Verbesserung des Gleichgewichts und der Stabilität beim Stehen, Förderung der Wahrnehmung der Beinmuskulatur.

Benötigte Materialien: Stab oder Stuhl zum Festhalten.

Anleitung:

  1. Die Person steht aufrecht und hält sich bei Bedarf an einem Stuhl fest.

  2. Das Gewicht wird langsam auf den rechten Fuß verlagert, während der linke Fuß nur leicht belastet wird; danach Wechsel zur anderen Seite.

  3. Dann wird das Gewicht vor auf den Fußballen verlagert und zurück auf die Fersen.

  4. Die Bewegung 5 Mal pro Richtung wiederholen.

Diese Übung ist angelehnt an das wiegende Stehen und die Facetten des Gehens. Sie hilft, das Gleichgewicht zu stärken und Stürzen vorzubeugen.

Anpassung: Bei Standunsicherheit werden beide Hände auf die Rückenlehne gelegt. Personen mit Prothesen üben das Verlagen langsam und im Sitzen.

Praxisbeispiel: In einer Physiogruppe wiegt ein Senior sein Gewicht abwechselnd auf beide Beine. Er merkt, dass er sich auf dem rechten Bein unsicherer fühlt. Durch regelmäßiges Üben verbessert sich seine Standfestigkeit.

Stimmübungen mit Atem und Bewegung

Ziel: Aktivierung der Stimme, Verbesserung der Atemführung und Förderung der Körperwahrnehmung durch Vibrationen.

Benötigte Materialien: Keine; optional ein kleines Liedblatt.

Anleitung:

  1. Ein tiefes Einatmen, beim Ausatmen wird ein Summton erzeugt. Die Lippen vibrieren (Lippenflattern).

  2. Die Hände können auf den Brustkorb gelegt werden, um die Vibration zu spüren.

  3. Anschließend werden kleine Silben wie „ma“, „no“, „la“ gesungen.

  4. Der Oberkörper wird dabei leicht geschaukelt oder im Rhythmus der Stimme bewegt.

Diese Übung verbindet den auditiven und den kinästhetischen Sinn und verbessert die Atemkapazität.

Anpassung: Bei Schluckbeschwerden sollten keine langen Töne gehalten werden. Menschen mit Demenz bekommen einfache Silben. Hörgeschädigte Personen können die Vibration über den Brustkorb spüren.

Praxisbeispiel: Während einer Chorprobe für Senioren wärmen sich die Teilnehmenden mit Summ‑ und Lippenflatterübungen auf. Eine Bewohnerin, die normalerweise wenig spricht, nimmt den Klang bewusst wahr und lächelt, als sie die Vibration spürt.

Fingerkoordination mit einem Ball

Ziel: Förderung der Feinmotorik, Koordination der Finger und sensomotorische Wahrnehmung.

Benötigte Materialien: kleiner Igelball oder Therapieknetball.

Anleitung:

  1. Die Person hält den Ball in einer Hand und drückt ihn langsam zusammen, um das Material zu spüren.

  2. Anschließend wird der Ball mit den Fingern von einer Hand zur anderen gerollt, ohne dass er zu Boden fällt.

  3. Variation: Der Ball wird im Kreis von Person zu Person weitergereicht, dabei sollen die Finger den Ball bewusst ertasten.

Diese Übung regt die Wahrnehmung in den Händen an und stärkt die Fingerkoordinationpflege.de (Öffnet in neuem Fenster).

Anpassung: Bei Arthrose dürfen die Bewegungen kleiner sein. Für Menschen mit Sehbeeinträchtigung wird der Ball per Berührung beschrieben. Bei kognitiver Einschränkung kann der Betreuer das Tempo vorgeben.

Praxisbeispiel: Ein Senior in der Tagespflege knetet einen Igelball. Er beschreibt, dass die Noppen erst etwas pieksen und dann angenehm warm werden. Im Anschluss hat er beim Kaffeetrinken weniger Schwierigkeiten beim Halten der Tasse.

Gemeinsames Singen und Rhythmisches Klatschen

Ziel: Förderung des Gemeinschaftsgefühls, Stimulation des auditiven und kinästhetischen Sinns sowie Koordination.

Benötigte Materialien: Liederbuch oder auswendig bekannte Lieder, eventuell Trommel oder Cajón.

Anleitung:

  1. Ein bekanntes Lied wird gemeinsam gesungen. Dabei wird im Rhythmus geklatscht oder auf den Oberschenkeln getrommelt.

  2. Der Begleiter kann einfache Variationen einbauen, z. B. schnelleres Klatschen im Refrain und langsames Klatschen in den Strophen.

  3. Optional werden Instrumente wie Rasseln oder Tamburine verteilt, um unterschiedliche Klänge zu integrieren.

Hörstimulation mit rhythmischen Elementen unterstützt die Körperwahrnehmung und sorgt für Freude.

Anpassung: Bei Personen mit Bewegungseinschränkungen können sie nur mitsingen oder die Finger tippen. Bei Hörproblemen ist ein lauter und klarer Rhythmus wichtig.

Praxisbeispiel: Während eines Gruppenangebots singen die Senioren „Hoch auf dem gelben Wagen“. Einige klatschen, andere trommeln auf die Tische. Eine Bewohnerin im Rollstuhl schüttelt ihre Rassel im Takt. Alle sind engagiert und lächeln.

Tüchertanz

Ziel: Förderung der Beweglichkeit, Koordination und Körperwahrnehmung durch rhythmische Bewegungen mit einem Tuch.

Benötigte Materialien: Leichte Tücher, Musik mit rhythmischem Charakter.

Anleitung:

  1. Jeder Teilnehmer hält ein Tuch mit beiden Händen.

  2. Zur Musik wird das Tuch wie ein Pendel geschwungen, in großen Kreisen oder wie eine Fahne hoch und runter bewegt.

  3. Es können Pendelbewegungen oder „Blumenmuster“ in die Luft gezeichnet werden.

  4. Zwischen den Bewegungen werden die Schultern gelockert, das Tuch geschüttelt und erneut gefasst.

Tüchertanz verbindet Bewegung, Rhythmus und Farbwahrnehmung; das Schwingen fördert die Arm‑ und Oberkörperbeweglichkeit.

Anpassung: Bei Personen mit eingeschränkter Schulterbeweglichkeit werden kleinere Bewegungen ausgeführt. Rollstuhlfahrende können das Tuch auf dem Schoß bewegen. Sehbehinderte dürfen das Tuch fühlen und mit geschlossenen Augen bewegen.

Praxisbeispiel: Eine Seniorin mit leichter Demenz schwingt ihr Tuch zur Musik. Die Farben faszinieren sie, und sie erinnert sich an ihren früheren Beruf im Textilhandel. Die Aktivität verbindet Körperarbeit mit Biografiearbeit.

Mit Musik und Schwung

Ziel: Koordination von Bewegung und Musik, Stärkung der Muskulatur und Verbesserung des Körpergefühls.

Benötigte Materialien: Großes Tuch oder Segeltuch, fröhliche Musik.

Anleitung:

  1. Mehrere Teilnehmer halten ein großes Tuch. Gemeinsam schwingen sie es vor und zurück, dann nach links und rechts, im Rhythmus der Musik.

  2. Variation: Alle gehen mit dem Tuch in die Mitte und dann wieder zurück zum Kreis, während sie das Tuch weiter schwingen.

  3. Der Rhythmus kann verändert werden, indem die Musik schneller oder langsamer wird; die Teilnehmer fühlen, wie sich das Tempo auf ihre Bewegungen auswirkt.

Diese Aktivierung stärkt die Schulter‑ und Rückenmuskulatur und fördert die Koordination im Team.

Anpassung: Personen mit eingeschränkter Armmuskulatur fassen das Tuch in der Mitte; Personen mit Sehbeeinträchtigung werden durch verbale Hinweise angeleitet.

Praxisbeispiel: Eine Gruppe in einer Pflegeeinrichtung führt diese Übung durch. Die fröhliche Musik sorgt für gute Stimmung. Eine Bewohnerin im Rollstuhl hält das Tuch mit einer Hand und spürt die Zugkraft; sie lacht, wenn das Tuch gemeinsam nach oben schwingt.

Kategorie Vorlesen & Entspannung

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