Der „Dia-Abend“ (oder Diavortrag) bezeichnet eine gesellige Veranstaltungsform, bei der ältere Fotos (Dias) per Projektor an eine Leinwand oder Wand geworfen werden. Diese Tradition hat ihre Wurzeln in den 1950er–70er Jahren: Mit der Verbreitung von Diaprojektoren hielt der Dia-Abend Einzug in viele deutsche Wohnzimmer. Damals wurden Urlaubs-, Familien- oder Festfotos im Dunkeln gezeigt, oft begleitet von typischen Snacks (z. B. Kartoffelchips). In der Seniorenarbeit knüpfen Dia-Abende an diese nostalgische Praxis an. Sie dienen dazu, Erinnerungen wachzurufen und die Vergangenheit der Betreuten (inkl. Menschen mit Demenz) ins Hier und Jetzt zu holen. In Altenheimen oder Seniorenzentren können Dia-Abende daher ein fester Baustein des Beschäftigungsprogramms sein, oft eingebettet in Gedächtnisgruppen, Erzählcafés oder Generationenprojekte. Beispielhaft berichtete eine lokale Veranstaltung, wie beim „Dorfcafé Ü80“ in Rheinland-Pfalz Bilder aus alten Ortsansichten gezeigt wurden und Jung und Alt sich rege über frühere Zeiten austauschten. Die ältere Generation konnte dabei Geschichten beisteuern – „insbesondere die Ältesten wussten einiges zu berichten“ – und trug so zu einem lebendigen Miteinander bei. Damit gewinnt der Dia-Abend in der Seniorenbetreuung an Bedeutung als Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart sowie zwischen den Generationen. (Hinweis: Das Lexikon - Inhaltsverzeichnis (Öffnet in neuem Fenster))
Zielsetzung
Ein gut geplanter Dia-Abend verfolgt mehrere pädagogische und soziale Ziele:
Erinnerungsarbeit: Die gezeigten Dias wecken gezielt Erinnerungen an die eigene Biografie. Durch vertraute Motive (z. B. alte Heimatbilder, Urlaubserinnerungen, Alltagsgegenstände) können auch Demenzkranke angeregt werden. Biografie-Elemente wie Fotos gelten als „Anker“, die alte Erinnerungen wieder zugänglich machen und Gedächtnisleistung sowie Lebensqualität fördern.
Soziale Teilhabe: Dia-Abende laden zur gemeinsamen Aktivität ein. Sie motivieren Bewohner zur Teilnahme und zum Gespräch über Erlebtes. Das gemeinsame Schauen auf die Bilder fördert den Austausch und das Gemeinschaftsgefühl. Wie im eingangs genannten Beispiel wurden Junge und Alte zusammengeführt, die „lächelnd erzählt[n]“ und sich gegenseitig zu Beiträgen ermuntert haben. Durch diesen Dialog gewinnen Betreute Wertschätzung und Aufmerksamkeit.
Orientierung und Identität: Die thematisch auf die Lebensgeschichte abgestimmten Bilder geben den Teilnehmenden Orientierungspunkte in ihrer Vergangenheit. Die Nutzung biografischer Inhalte unterstützt das Selbstbild älterer Menschen: Sie erkennen sich selbst in vertrauten Szenerien, bewahren ihre Identität und fühlen sich weiterhin als Teil eines sozialen Gefüges. Insbesondere bei zu Demenz führen trägt dies dazu bei, persönlich bedeutsame Erinnerungen zu festigen.
Unterhaltung: Neben den pädagogischen Effekten steht der Spaß im Vordergrund. Dia-Abende schaffen Abwechslung zum Pflegealltag und lösen positive Emotionen aus. Das gemeinsame Lachen über alte Schnappschüsse und die freudige Nostalgie steigern das Wohlbefinden. Auch die gemütliche Atmosphäre (hin und wieder mit traditionellen Snacks) sorgt für entspannte Stimmung. Damit können Dia-Abende zur Steigerung der allgemeinen Lebensqualität beitragen.
Vor- und Nachteile
Vorteile: Durch Dia-Abende werden viele Sinne angesprochen – Sehen, Hören (Erzählen) und Erinnern – und so kognitive Funktionen trainiert. Die Aktivierung der Erinnerung kann die geistige Fitness fördern, indem bekannte Gesichter, Orte und Ereignisse reaktiviert werden. Der soziale Aspekt stärkt Zusammenhalt und Selbstwertgefühl. Zudem lassen sich Dia-Abende flexibel an die Gruppe anpassen: Themen können gewählt werden, die die Bewohner interessieren (z. B. Reiseziele, Ortsgeschichte, Alltag früher). Für Menschen mit leichten kognitiven Einschränkungen sind einfache Dia-Präsentationen nach Bedarf geeignet – sie dienen als geistiges „Gedächtnistraining“ durch Neugierde auf das Gezeigte. Nicht zuletzt bieten Dia-Abende sinnvolle Beschäftigung ohne körperliche Anstrengung, was sie auch für mobilitätseingeschränkte Senioren attraktiv macht.
Nachteile: Trotz der positiven Effekte sind Grenzen zu beachten. Bei starkem kognitiven Abbau (schwerer Demenz) kann eine Diaschau überfordern oder nur noch begrenzte Wirkung entfalten. Komplexe Bildelemente oder detaillierte Raterätsel sind für demenziell veränderte Personen ungeeignet – vielmehr raten Fachkreise, ruhig und deutlich einfache Szenen zu wählen. Auch die Atmosphäre muss achtsam gestaltet werden: Viel Dunkelheit im Raum kann Unsicherheit erzeugen. Zudem besteht die Gefahr, unbeabsichtigt schmerzhafte Erinnerungen aufzuwerfen (z. B. Kriegsbilder oder private Tragödien). Experten warnen, sensible Themen zu vermeiden und die Teilnehmenden zu beobachten, um belastende Reaktionen rechtzeitig zu erkennen. Technische Hürden sind ein weiterer Nachteil: Nicht alle Einrichtungen verfügen über einen funktionstüchtigen Diaprojektor, und Fehlzündungen (Blendeffekt) oder Bildflimmern können Frust auslösen. Auch neigen einige Betreute – wie in historischen Berichten gezeigt – dazu, die Vorführung höflich über sich ergehen zu lassen, ohne wirkliches Interesse («Sie machten aber möglichst interessierte Mine»senioren-). Schließlich braucht ein Dia-Abend Zeitaufwand (Vorbereitung, Auf- und Abbau), was im engen Alltag der Pflegekräfte gegen andere Aktivitäten abgewogen werden muss.
Planung und Durchführung
Technik
Für einen klassischen Dia-Abend benötigt man zunächst ein geeignetes Projektionsgerät. Im einfachsten Fall ist das ein analoger Diaprojektor mit Diakassette. Dieser wird mit einem Satz passender Dias (z. B. 24 Stück) bestückt und wirft nacheinander Bilder an die Wand. Moderne Ersatzgeräte sind Diabetrachter (LED-Kästen zur Einzelansicht) oder digitaler Beamer: Ein herkömmlicher Video-Beamer in Kombination mit Laptop oder USB-Stick erleichtert das Abspielen digitalisierter Dia-Bilder. Vorteil des Beamers ist die universelle Einsetzbarkeit (auch für Videos, Folienpräsentationen o. ä.) und einfache Bedienung. Wichtig ist auf jeden Fall eine gut koordinierte Kabelverbindung (Strom, ggf. VGA/HDMI für den Beamer, eventuell Tonkabel für Sprecher) sowie Ersatzlampen für den Projektor. Ein Stativ oder ein fahrbarer Projektorwagen sorgt für Stabilität. Schließlich sollte ein Leinwand oder eine helle Wandfläche vorhanden sein. Im Bildbeispiel unten sieht man einen Projektor, der ein altes Foto an die Wand wirft
Raumgestaltung
Der Ort des Dia-Abends sollte bequem und gemütlich sein. Ein ruhiger Raum (Gemeinschaftsraum, Café-Ecke o. Ä.) ohne Störgeräusche ist ideal. Die Bestuhlung richtet man vorzugsweise in einem Halbkreis oder vor der Leinwand aus; alle Teilnehmenden sollten Sichtkontakt zur Projektionsfläche haben. Auf Sitzgelegenheiten mit Armlehnen und Halt legen: Ältere Menschen sollen sich beim Schauen nicht verkrampfen. Man kann Stühle oder Sessel um einen Tisch gruppieren (für Getränke, Fotosammlung usw.). Eine Ablage neben dem Projektor ist praktisch für wechselnde Diasätze. Dekoration kann Erinnerungsatmosphäre schaffen: Erinnerungsstücke oder alte Gegenstände passend zum Thema (z. B. Fotoalben, Reiseandenken) aufstellen. Dezent beleuchtete Stehlampen an den Wänden oder indirekte Beleuchtung wirken behaglich. Besonders wichtig ist das Abdunkeln: Vorhänge zu, Lampen aus. Falls Fenster nicht völlig abgedunkelt werden können, hilft ein Rollbildschirm oder eine Transportleinwand. So wirkt die Projektion kontrastreich. Für Menschen mit Seh- oder Hörproblemen kann man ein Lupenglas für Dias oder Untertitel (beschriftete Objekte) bereithalten. Getränke und Snacks (Kaffee, Kekse) sollten griffbereit sein – dies steigert die Stimmung und wirkt anregend.
Auswahl der Dias und Themenfindung
Die Bildauswahl ist das Herzstück. Man kann eigene Dias verwerten oder neues Material erstellen. Geeignete Quellen sind:
Eigene Sammlungen der Bewohner: Angehörige befragen, alte Familiendiakästen sichten (Urlaub, Hochzeit, Freunde). Oft werden Dias ungenutzt im Keller gefunden.
Gemeinschaftliches Archiv: Manche Einrichtungen pflegen Bildarchive (z. B. Ortsporträts, Hausfotos, historische Ereignisse). Diese können digitalisiert und als Diasatz zusammengestellt werden.
Online-Quellen: Gemeinfreie Aufnahmen (z. B. Bilddatenbanken mit Urlaubsfotos, historische Ortsaufnahmen) erlauben die Themenerweiterung. Dabei ist auf Bildrechte zu achten.
Thematische Diasätze: Beispielsweise Urlaubserinnerungen der 60er/70er (Strand, Berge, Oldtimer), Stadtgeschichte/ „Altes Berlin“ (Stadtbilder, lokales Brauchtum), Jahreszeiten im Wandel (Frühling, Herbst früher vs. heute), Heimatliches Landleben, Schulalltag früher oder traditionelle Feste. Kreative Angebote nutzen auch Dias zu populären Sachthemen (z. B. alte Berufe, die Technikgeschichte, alte Fahrzeuge oder Mode).
Bei der Auswahl sollte man darauf achten, dass die Motive klar erkennbar und nicht zu überladen sind. Vermeiden Sie schnell wechselnde Bilder und zu kleine Details. Sinnvoll sind kontrastreiche Bilder und einfache Szenen. Die Anzahl der Dias pro Abend richtet sich nach der Aufmerksamkeitsspanne der Gruppe: Zwischen 10 und 30 Dias (10–20 Minuten Vorführzeit) sind meist gut verträglich. Zu jedem Dia sollte ein kurzes Einstiegswort fallen, damit alle verstehen, was sie sehen (z. B. „Das ist der Marktplatz von vor 50 Jahren.“). Ein Fragenkatalog kann vorbereitete Stichworte enthalten, um Gespräche anzuregen („Wer war schon mal hier?“, „Kennt jemand das Modell dieses Autos?“). Dabei gilt: Die Fragen eher offen stellen und Gedächtnislücken geduldig auffangen.
Moderation
Eine aktive Begleitung (Moderation) ist wichtig. Ideal ist eine geschulte Betreuungskraft, die dialogorientiert arbeitet. Gute Moderation bedeutet:
Einführung: Zu Beginn des Abends das Thema kurz vorstellen und gegebenenfalls Verhaltensregeln festlegen (z. B. leises Reden, aufstehen nur mit Hilfe).
Präsentation: Jeder Diawechsel wird angekündigt. Ton und Geschwindigkeit der Projektion den Bedürfnissen anpassen (längeres Verweilen auf wichtigen Bildern). Bei analogen Projektoren muss ggf. zwischendurch manuell gewechselt werden – hier sorgt die Moderatorin dafür, dass niemand lange warten muss.
Gesprächsanregung: Offene Fragen an die Gruppe bzw. an Einzelne richten („Was fällt Ihnen zu diesem Bild ein?“, „Was wurde auf diesem Foto gerade gefeiert?“). Ältere Bewohner mit reichem Erfahrungsschatz ermutigen, vom eigenen Leben zu erzählen.
Integration aller: Jeden ansprechen, auch leise zuhörende Personen. Auf kognitive Einschränkungen Rücksicht nehmen: Bei Bedarf Dias erneut erklären oder das Bild beschreiben. Wenn einzelne Bewohner passende Erinnerungen zeigen, kann man deren Beiträge gezielt in die Runde einbringen („Frau Müller, Sie haben doch vor 60 Jahren dort gewohnt?“).
Emotionale Begleitung: Reaktionen beobachten. Wenn ein Thema zu emotional wird (Trauer, Angst), sanft das Thema wechseln. Schmerzliche Erinnerungen (etwa Kriegsimpressionen) sind vorsichtig zu dosieren. Der Moderator sollte stets für Halt sorgen, die Stimmung heben (ein kleines Lächeln, ein anerkennendes Nicken).
Unterstützende Hilfsmittel: Gegebenenfalls Hinweise an den Dias (Zettel, Legenden) einblenden oder Bilder vorher erklären. Bei Hörproblemen kann man wichtige Stichworte kurz wiederholen. Oft ergänzen passende Musikstücke die Atmosphäre (z. B. Schlager der 50er Jahre), die leise im Hintergrund laufen kann.
Zusammengefasst erfordert ein gelungener Dia-Abend eine gute Vorbereitung (Technik testen, Bildauswahl treffen) und eine einfühlsame Moderation während der Veranstaltung. Die Moderatorin sollte flexibel bleiben, auf die Dynamik reagieren und stets eine positive, geduldige Atmosphäre schaffen.
Umsetzung in der Praxis
Einzelangebote: Dia-Abende lassen sich auch individuell gestalten. Bei Einzelbetreuung (1:1) kann man etwa das persönliche Fotoalbum eines Bewohners mit einem Diabetrachter gemeinsam betrachten. Die Betreuungskraft zeigt dabei gezielt Dias, die zum Leben des Einzelnen passen (z. B. Kindheit, Beruf, Familie), und ermuntert zum Erzählen. Solche persönlichen Diavorträge sind oft intensiver, da sie ganz auf die Biografie einer Person zugeschnitten sind. Sie eignen sich besonders für Menschen, die sich in Gruppen schlecht orientieren können.
Gruppenangebote: Häufiger werden Dia-Abende als Gruppenveranstaltung angeboten. Beispielsweise kann man sie als monatliches Programm im Aktivierungsplan festlegen, ähnlich einem Film- oder Spieleabend. In größeren Gruppen (z. B. 10–15 Personen) empfiehlt es sich, nach etwa 10 Bildern eine kleine Pause einzulegen, um aufzustehen und sich ein Getränk zu holen. Gruppenräume oder Mehrzwecksäle sind geeignete Orte; hin und wieder kann auch der Speisesaal nachmittags kurzfristig dafür genutzt werden. Zur Steigerung der Akzeptanz kann man den Abend mit einem lockeren Rahmenprogramm verbinden, etwa mit gemeinsamem Kaffeetrinken oder einem anschließenden Schunkel-Lied. Besonders erfolgreich sind Dia-Abende, wenn sie generationenübergreifend oder mit Angehörigen geplant werden: Verwandte bringen eigene Dias mit und plaudern gemeinsam mit Bewohnern über die Fotos.
Beispiele für Themenabende: Typische Schwerpunkte sind Jahreszeiten („Herbsttage am See“, „Weihnachten früher“), frühere Urlaube („Urlaub in den 60ern an der Nordsee“), oder Heimatgeschichte („Das alte Berlin in den 50ern“, „Dorfleben meiner Jugend“). Weitere Ideen sind Alte Handwerksbetriebe, Schul- und Kinderfotos von damals, Mode und Technik der 50er Jahre, Tiere auf Bauernhof/Zoos früher oder festliche Anlässe (Karneval, Märkte, Kirche). Man sollte die Themen möglichst nah an den Erinnerungen der Anwesenden orientieren. Zum Beispiel sind Senioren, die in ländlichen Regionen aufgewachsen sind, oft besonders an „Landwirtschaft früher“ oder „Eigenes Heimatdorf im Wandel“ interessiert. Eine Möglichkeit ist, bei der Themenfindung auch das Pflege- und Betreuungsteam zu beteiligen oder Bewohner und Angehörige nach Vorschlägen zu fragen.
Integration in den Betreuungsalltag: Damit Dia-Abende keine isolierte Aktion bleiben, sollte man sie fest ins Jahresprogramm einbinden. Man kann sie regelmäßig (monatlich oder zu besonderen Festtagen) stattfinden lassen. Auch vor Feiertagen oder zum Geburtstag eines Bewohners kann ein Dia-Abend als Aufwärmprogramm dienen. Wichtig ist, dass die Betreuungskräfte und Alltagsbegleiter informiert sind, damit diese Termine gemeinsam beworben werden (z. B. Aushang im Wohnbereich) und die Anwesenden gezielt einladen. Durch diese Routine wird ein Dia-Abend zum vertrauten Angebot, das Bewohnern wiederkehrende Orientierung gibt. Abschließend kann man die Diasammlungen weiter pflegen: Nach jedem Abend können Fotos analog in Aktenschränken abgelegt oder digital gespeichert werden, sodass sie später jederzeit erneut genutzt werden können – etwa als Diavorlage für andere Gruppen. So wird der Dia-Abend zu einem wiederkehrenden Baustein im Alltag der Seniorenbetreuung.
Konkrete Tipps:
Legen Sie sich einen kleinen Vorrat passender Diasätze (nach Themen sortiert) an. Gut sind Kassetten mit je 36 Dias.
Stellen Sie sicher, dass Projektor und Stromversorgung vor der Veranstaltung funktionieren. Führen Sie am Tag zuvor einen kurzen Testlauf durch.
Bereiten Sie den Raum mit gemütlichen Sitzgelegenheiten und leichten Snacks/Getränken vor. Manchmal hilft auch ein Vintage-Element (z. B. ein altes Dia-Album) als Blickfang.
Halten Sie die Moderation locker, mit offenem Lächeln – der Fokus liegt nicht auf Perfektion, sondern auf gemeinsamen Erinnern.
Durch sorgfältige Vorbereitung und einfühlsame Begleitung lässt sich ein Dia-Abend in der Seniorenbetreuung sehr erfolgreich umsetzen. Die Betreuenden erleben dabei, wie Bilder und Geschichten eine Brücke zur Lebenswelt der alten Menschen schlagen und alle Teilnehmenden aktiv ins Geschehen einbinden.
Ideen für DIA-Abende
Thematische DIA-Abende (Diavorträge oder digitale Bilderrunden) sind ein bewährtes Mittel in der Seniorenbetreuung, um Erinnerungen zu wecken und Gespräche anzuregen. Durch passende Bild- und Materialauswahl – etwa alte Fotos, Postkarten oder Alltagsgegenstände früherer Jahrzehnte – werden sinnliche Reize gesetzt, die Erinnerungen an persönliche Erlebnisse hervorrufen können. Das gemeinsame Erzählen über Lebens- und Alltagsbilder trainiert dabei ganz nebenbei das Gedächtnis. Bei Menschen mit Demenz lässt sich oft besonders gut an diese Langzeiterinnerungen anknüpfen. Wichtig ist, dass die Inhalte alters- und kognitionsgerecht gestaltet werden. Klare, gut erkennbare Bilder, bekannte Musikstücke oder vertraute Objekte helfen, die Beteiligung zu fördern. Schmerzliche oder stark belastende Themen (z.B. Kriegserlebnisse) werden bewusst gemieden, damit positive Erinnerungen im Vordergrund stehen.
Thema: Alltag in den 1950er Jahren
Materialliste: Fotos oder Dias von Haushaltsgeräten, Möbeln und Straßenszenen der 1950er Jahre; ein altes Radio oder eine Spieluhr; ggf. ein Papp-Straßenschild („Zebrastreifen“, „Post“). Laptop/Projektor oder Bilderbuch.
Umsetzung: Zu Beginn erklärt die Betreuungskraft kurz das Thema („So sahen Haus und Straße aus, als Sie jung waren“). Anschließend werden nach und nach Bilder des 50er-Jahre-Wohnzimmers, der Küche oder des Familienautos gezeigt. Dabei können gezielte Fragen gestellt werden (z.B. „Erkennen Sie das Radio?“ oder „Wie haben Sie damals eingekauft?“). Die Teilnehmenden werden ermutigt, eigene Erinnerungen zu schildern – etwa wie der Alltag in ihren Familien aussah, welche Geräte benutzt wurden oder wie ein Tag begann. Die Betreuungskraft achtet darauf, klare, laute Sprache zu verwenden und genügend Zeit zum Antworten zu geben. Bei Bedarf wird ein Bild lange genug gezeigt oder wiederholt. (Ergänzend kann ein altes Radio aufgestellt werden, das Töne abspielt, damit viele Sinne angeregt werden.)
Hinweise bei Demenz: Nur jeweils ein Bild zeigen, um Überforderung zu vermeiden. Bekannte Gegenstände lassen sie gern anfassen (etwa einen alten Telefonhörer). Kurze, einfache Fragen und ermunternde Rückmeldungen erleichtern die Verständigung. Traurige Themen vermeiden; lieber positive Szenen wählen.
Praxisbeispiel: Eine Bewohnerin erinnert sich beim Anblick eines alten Küchenherds: „So einen hatten wir auch – wir haben damit Kartoffeln gekocht!“ Sie erzählt von ihrer Mutter, die jeden Sonntag frischen Kuchen gebacken hat. Das gemeinsame Gespräch vertieft sich, als eine andere Teilnehmende Fotos von damaligen Schulweg und Schulranzen zeigt.
Thema: Autos und Verkehr der 1950er Jahre
Materialliste: Dias oder Bilder von klassischen Autos (VW Käfer, Opel Kapitän etc.) und Verkehrsmitteln (Straßenbahn, alten Lastwagen); Modelle oder Spielzeugautos aus dieser Zeit; Verkehrsschilder.
Umsetzung: Der Abend beginnt etwa mit der Frage „Wer erinnert sich an sein erstes eigenes Auto?“ und einem eingeblendeten Bild eines VW Käfers. Die Betreuungsperson berichtet kurz über typische Verkehrsmittel damals. Anschließend werden nach und nach Fotos gezeigt: alte Tankstellen, Busse, Fahrräder mit Packtaschen. Die Gruppe tauscht sich aus: Wer fuhr Bus, wer Rad? Wurden Werkstätten besucht? Die Teilnehmenden dürfen gern Autobilder zeigen (z.B. Familienfotos mit Wagen). Die Moderation ist anregend und wertschätzend – Fehler werden nicht korrigiert, sondern gelobt, um Sicherheit zu geben.
Hinweise bei Demenz: Große Bildprojektionen und echte Gegenstände (ein kleines Lenkradmodell, ein Kühlergrill-Blech) helfen beim Begreifen. Bei starken Einschränkungen kann man die Teilnehmenden erinnern: „Erinnern Sie sich an die knatternden Motoren?“ und das Geräusch einer Hupe nachahmen. Ja/Nein-Fragen oder einfache Wortassoziationen („Auto = 🚗“) fördern das Mitmachen.
Praxisbeispiel: Ein Bewohner entdeckt auf einem Foto seinen alten Lastwagen wieder. Er erzählt, wie er früher als Mechaniker Schlitten gebaut hat und jeden Morgen das schwere Brummen seines Lkw hörte. Ein angehender Handwerker in der Runde bringt einen Miniatur-Wagen mit und lässt den Teilnehmer die Räder drehen. Dabei wird lebhaft darüber gesprochen, wo einst Tankstellen waren und wie viel Geld damals eine Fahrt kostete.
Thema: Urlaub und Ferien in den 1950er/60er Jahren
Materialliste: Bilder von Familien beim Camping, auf Wanderungen, an Seen oder am Strand in den 50er/60er Jahren; Zug- oder Autobahn-Szenen; Postkarten von typischen Urlaubszielen (z.B. Alpen, Ostsee). Ein alter Koffer oder Reisetasche, Fernglas, Landkarte.
Umsetzung: Die Gruppe wird gefragt, wie sie ihren Urlaub als Jugendliche verbracht hat. Anschließend werden passende Dia-Aufnahmen gezeigt: Campingzelt neben VW-Bus, Bergwanderer, Picknick am See. Die Betreuungsperson moderiert: „Wer war schon mal am Schliersee?“, „Waren Sie lieber in den Bergen oder am Meer?“ Fotos können immer wiederholt werden, damit alle Zeit zum Erinnern haben. Begleitend kann eine Landkarte ausgelegt und bespielt werden, um Orte zu zeigen. Zwischendurch werden evtl. Lieder angespielt („Im schönsten Wiesengrunde“) oder Geräusche (Meeresrauschen).
Hinweise bei Demenz: Überschaubare Bildmengen (3–4 Stück) und reale Gegenstände (ein Fernglas, eine Landkarte) unterstützen das Erinnern. Offene Fragen lassen Erinnerungen fließen, ohne Druck. Bei starker Demenz hilft das Teilen von Aroma (z.B. Lavendelöl für Alpenwiesen) oder tatsächliches Probieren von Picknicksnacks (Brot mit Butter) als Erinnerungsreiz.
Praxisbeispiel: Auf einem Foto mit Zelt und Familientouristengruppe erkennt ein älterer Herr das Zelt seiner Jugend wieder. Er erzählt, wie sie im Oberharz gezeltet haben und beim Frühstück Eier aus den umliegenden Bauernhöfen hatten. Die Betreuerin hat einen alten Reiseführer hervorgeholt – die Gruppe blättert gemeinsam und spricht über die Unterschiede zum heutigen Reisen (Flugzeug statt Zug, Klimaanlagen statt Ventilator).
Thema: Kino und Fernsehklassiker früher
Materialliste: Szenenbilder oder Poster von bekannten Filmen und Fernsehserien aus den 50er/60er Jahren (z.B. „Im weißen Rößl“, frühe Heimatfilme, erste Fernsehgeräte in schwarz-weiß); Spielfilm-Projektor (Fotoroller) oder Bildschirm. Ein kleiner Fernseher (Retro-Deko) oder ein Filmplakat.
Umsetzung: Die Betreuungskraft führt ins Thema ein: „Früher gab es nur einen Fernsehsender!“ Dann werden Bilder eines alten TV-Raums (Schwarz-Weiß-Gerät) und Filmplakate eingeblendet. Die Gruppe erinnert sich an Lieblingsfilme: Welches Stück lief sonntags um 20 Uhr? Neben Bildern können kurze Filmausschnitte (einige Sekunden) oder bekannte Filmmusik eingespielt werden. Gesprächsimpulse sind z.B. „Wo haben Sie früher die Filme gesehen – Kino oder Fernsehen?“, „Welche Schauspieler kannten Sie?“ Das gemeinsame Summen bekannter Melodien oder Nachspielen berühmter Zeilen kann im Rahmen bleiben („Opa Walters Kanon“ aus Heimatfilm).
Hinweise bei Demenz: Wenn Personen nicht mehr folgen können, ist es hilfreich, nur ganz kurze Clips oder Standbilder zu zeigen und laut zu erklären („Das war Doris Day im Film X“). Ein altes Fernsehgerät als Anschauungsobjekt weckt oft ein Strahlen. Es ist gut, nach jedem Bild langsam zu sprechen und Raum für Reaktionen zu lassen.
Praxisbeispiel: Ein Foto der Original-Kinokasse aus den 1950ern löst bei einer Bewohnerin Gelächter aus: „Ich bin dahinter beim Zahlen fast hingefallen – 50 Pfennig für den Film!“ Zusammen mit einem Exemplar der Programmausgabe von 1962 wird diskutiert, wie Filmpreise mit heute vergleichbar sind. Einige summen „La Le Lu“, eine andere erinnert sich an einen Heimatfilm, den sie mit ihrem Jugendfreund gesehen hat.
Thema: Schulzeit der 1950er Jahre
Materialliste: Bilder von Schulklassen, klassischem Unterricht (Lehrerin mit Schiefertafel), alten Schulbänken, Schreibtafeln (Tippex-Tafel) und Heften aus den 50ern; Schiefertafel (kleines Modell), Kreide.
Umsetzung: Zu Beginn können die Teilnehmenden erzählen, wie ihre Schulzeit war („Daheim oder Internat?“). Dann werden Dias mit alten Klassenzimmern, strengen LehrerInnen und Landkarten an der Wand gezeigt. Die Betreuungsperson stellt Fragen wie „Wer musste den Gang wischen?“ oder „Wer hat damals schon eine Schuluniform getragen?“. Mitgebrachte Utensilien (Schiefertafel, Heft) können ausprobiert werden: Die Senioren schreiben ein paar Buchstaben oder rechnen laut ein kleines Kopfrechenrätsel. Sprachübungen oder ein kurzes Gedicht aus jener Zeit animieren zum Mitsprechen.
Hinweise bei Demenz: Bei älteren Menschen mit Demenz helfen bekannte Liedverse oder Sprüche aus der Schulzeit (z.B. „Eins, zwei, drei im Sauseschritt“), da sie diese oft besser erinnern. Bilder sollten klar und freundlich sein – negative Erfahrungen (z.B. Ruten an der Wand) werden nur beschränkt thematisiert. Empathisches Nachfragen („War Ihr Lehrer streng?“) kann Erinnerungen weiter fördern.
Praxisbeispiel: Ein Bewohner holt seine alte Schiefertafel hervor und malt mit Kreide Bilder. Dabei beginnt er von der strengen Lateinstunde zu erzählen und rezitiert sogar einen Satz Latein noch korrekt: „Homo sum“ – alle klatschen Beifall. Eine andere Bewohnerin zeigt ihre alten Zeugnisse; die Betreuungskraft stellt nachfolgende Fragen zu ihren Lieblingsfächern und zeigt dazu passende Klassenfotos.
Thema: Modetrends der 1960er/70er Jahre
Materialliste: Fotos von typischer Kleidung und Frisuren der 60er/70er (Kittelkleider, Schlaghosen, Pilzköpfe); Kleidungsstücke zum Anprobieren (Kragen, Kappe, Schal); Prospekte von Bekleidungsläden aus der Zeit.
Umsetzung: Die Moderation beginnt mit einem Rückblick: „Mit was für Schuhen sind Sie damals aufgewachsen?“ Anschließend werden Bilder von damals gezeigter Kleidung projiziert (bunte Plastikschuhe, schicke Anzüge). Die Betreuerin fragt: „Wer hat damals selbst Kleidung genäht?“ oder „Hatten Sie schon einmal Schlaghosen?“ Teilnehmende dürfen Kleidungsstücke anfassen und aufsetzen (z.B. einen Hut oder Schal), was Diskussionen anregt: „Ich habe damals diese farbigen Hemden getragen!“ Ein kurzes Modenschau-Spiel (Jemand läuft über eine „Laufsteg“-Folie) kann die Gruppe erheitern.
Hinweise bei Demenz: Bei kognitiver Einschränkung kann man nur einzelne Kleidungsstücke zeigen und erklären, statt ganze Outfits. Zusätzlich können verschiedene Stoffmuster (bunt/geblümt vs. schlicht) zum Fühlen angeboten werden. Spielerisch kann man gemeinsam ein Paket mit alten Modekatalogen öffnen und die Seiten betrachten.
Praxisbeispiel: Auf einem Dia ist ein junges Paar in Hippie-Kluft zu sehen – ein Bewohner lacht: „Das waren wir damals beim Straßenfest!“ Er zieht ein buntes Halstuch von der Betreuungskraft auf und tanzt eine Runde. Eine Bewohnerin, die früher als Schneiderin gearbeitet hat, zeigt stolz ein selbst genähtes Kleid mit Paisley-Muster. Die Gruppe erinnert sich daran, wie teils schockiert, teils begeistert die Generationen zuvor neue Mode annahmen.
Thema: Kochen und Essen in Omas Küche
Materialliste: Fotos einer traditionellen Küche der 1950er (Holztisch, Pfannen, feuerfester Ofen); alte Kochbücher oder handgeschriebene Rezepte, Kochlöffel, Schürzen. Vielleicht Lebensmittel zum Riechen (Mehl, Hefewürfel, getrocknete Kräuter).
Umsetzung: Es beginnt mit einem Gespräch über typische Gerichte: „Was hat bei Ihnen früher am besten geschmeckt?“ Dann sieht die Gruppe Bilder von einer Großmutter beim Backen, dampfenden Töpfen oder gedecktem Tisch. Ein mitgebrachtes altes Rezept (z.B. „Omas Kartoffelsuppe, 1958“) kann vorgelesen werden. Dabei wird ein einfaches Mitmach-Element eingestreut: Die Senioren formen z.B. gemeinsam einen kleinen Brotteig (unter Anleitung mit Händen kneten) oder wiegen Salz und Mehl. Die Betreuerin stellt Fragen zum Ablauf (Hartgekochte Eier, Ofen im Sommer an, etc.) und singt eventuell ein altes Kinderlied über’s Kochen (z.B. „Es tönen die Lieder“). Am Ende könnte eine kleine Kostprobe (Krapfen, Vanillekipferl) die Erinnerungen abrunden.
Hinweise bei Demenz: Bei Menschen mit Demenz eignet sich insbesondere das Einbeziehen aller Sinne – sehen, riechen, anfassen, kosten. Sehr einfache Rezepte (z.B. Plätzchen formen) ermöglichen Mitmachen. Komplexe Anweisungen werden vermieden; stattdessen werden Schritte gezeigt und sehr langsam und deutlich gesprochen.
Praxisbeispiel: Die Betreuungskraft hat einen altertümlichen Holzküchentisch aufgebaut. Beim Rühren im Teig gelangt viel Mehl in die Luft – das weckt Lachen und Erinnerungen. Eine Bewohnerin, die früher Bäckerin war, erkundigt sich neugierig nach den Zutaten und beginnt nebenbei, auf einem im Raum stehenden alten Ofen die Temperatur anhand eines kleinen Thermometers abzuschätzen. Nachher wird gemeinsam probiert: „Genau wie früher auf dem Weihnachtsmarkt!“
Thema: Heimatstadt damals und heute
Materialliste: Alte Ansichtskarten oder Fotos der Stadt (z.B. Innenstadt, markante Gebäude) aus den 1950er–70er Jahren sowie aktuelle Bilder derselben Orte; Stadtplan oder Straßenkarte; eventuell ein Modell der Stadt (als Spielzeug).
Umsetzung: Als Einstieg fragt die Betreuerkraft: „Wie hieß Ihre Heimatgemeinde?“ Dann werden Dias des Stadtkerns oder bekannten Wahrzeichen gezeigt (Alter Marktplatz, Bahnhof). Die aktuelle Situation kann mit Neuaufnahmen verglichen werden („Sehen Sie diesen Neubau?“). Die Teilnehmenden berichten, wie die Orte früher aussahen und welche Geschäfte es gab. Einzelne Gebäude können mit moderner Ansicht verglichen werden. Mit einer Karte lässt sich das Heimatdorf anpinnen und mit Fäden zu aktuellen Postkartenorten verbinden. Die Unterhaltung wird durch Stadt-Anekdoten oder bekannte regionale Ereignisse ergänzt.
Hinweise bei Demenz: Wenn Ortsnamen vergessen werden, kann man sie selbst nennen und nochmal groß zeigen. Große Schrift auf Karten oder Postkarten erleichtert das Lesen. Um Verwirrung zu vermeiden, sollte man Protokollführer, Bürgermeister o.ä. nicht unnötig verlinken, sondern den Fokus auf alltagsnahe Beschreibungen legen.
Praxisbeispiel: Auf einem alten Foto des Hauptplatzes erkennt ein Teilnehmer noch die Eisdiele, in die er als Junge ging. Er spricht aufgebracht von einem damals verrückten Stadtschreiber, der mit seinem Fahrrad durch enge Gassen raste. Ein anderer zeigt stolz ein Familienalbum mit Bildern des Jahrmarkts von 1965. Gemeinsam überlegt man, welches Café heute das alte Gasthaus ersetzt hat.
Thema: Arbeit und Berufe früher
Materialliste: Bilder von Handwerkern und Industriearbeitern (Schmied, Bauer, Bäcker, Fabrikarbeiter) aus den 1940/50er Jahren; typische Werkzeuge (Hammer, Schraubenzieher, Holzbrett), Arbeitskleidung (Schürze, Overall). Eventuell alte Lehrbücher oder Berufsausrüstung (Meterstock).
Umsetzung: Die Gruppe wird dazu eingeladen, von ihren eigenen Berufen zu erzählen („Was haben Sie gelernt oder gearbeitet?“). Danach zeigt die Betreuungskraft Dia-Aufnahmen aus verschiedenen Berufsgruppen und stellt Fragen („Wer hat früher in der Fabrik Stanzen bedient?“). Echte Werkzeuge können herumgereicht werden, um Geräusche (Murmeln einer Maschine) zu imitieren. Menschen, die noch mobil sind, können symbolisch einen kurzen „Arbeitstag“ nachspielen: z.B. mit Hammer in der Hand simulieren. Manchmal kann man auch Geräusche oder Gerüche (z.B. Sägespäne) einspielen.
Hinweise bei Demenz: Bei stärkerer Einschränkung sollten nur wenige Berufe im Blick sein. Bekannte Werkzeuge in die Hand nehmen zu lassen (z.B. einen alten Schraubenzieher) kann Erinnerungen wachrufen. Falls jemand in einem Beruf gearbeitet hat, der schwierig oder traumatisch war, kann man das Thema schnell wechseln oder sehr sanft darauf eingehen.
Praxisbeispiel: Ein ehemaliger Schreiner entdeckt einen Hobel und beginnt, die Klinge zu polieren – fast meditativ sitzt er da und erzählt, wie er einst Möbel gebaut hat. Eine andere Person, frühere Köchin, erklärt die einfachen Kochlöffel: „Das war mein täglich Brot.“ Die Betreuungskraft verteilt Scheine mit Berufen aus (Simultan-, Stimulationskarten) – wer an der „Metzgerei“ landet, darf kurz eine „Wurst“ aus einem roten Tuch formen. Es entsteht ein kleines Rollenspiel über das Schlachten früher.
Thema: Alte Radios, Telefone und Geräte
Materialliste: Fotos von ersten Radios und Telefonen (z.B. schwarzes Bakelit-Telefon, Röhrenradio); ein echtes altes Radio zum Zeigen, Hörer zum Abnehmen; modellhafte oder alte Fernbedienung, frühes Telefonkabel.
Umsetzung: Einstieg mit einer Vorführung: „Wer erkennt noch dieses alte Gerät?“ – ein altes Radio wird präsentiert. Dann werden Bilder gezeigt: Ein Familienabend beim Radiohören, ein Telefon mit Wählscheibe. Die Teilnehmenden sprechen über ihre ersten Erfahrungen mit Technik („Als der erste Anruf kam, haben wir gejubelt“). Man kann ein altes Radioprogramm spielen (eine Nachrichtensendung von damals oder Volksmusik). Falls möglich, darf jeder einmal am Telefonwählscheibenknauf drehen (nachdem der Netzstecker gezogen ist). Fragen wie „Wurden Briefe mit der Post verschickt?“ führen in Diskussionen über Kommunikation früher.
Hinweise bei Demenz: Gut bekanntes Vokabular verwenden („Radio, Telefon“, statt „Superlativ-Bauteil“). Echte Geräte wecken Interesse zum Anfassen und geben Fokus. Hintergrundgeräusche werden minimiert, damit alle den Ton des alten Radios verstehen. Geduld ist gefragt, falls jemand wiederholt über denselben Werbespot sprechen möchte.
Praxisbeispiel: Ein Hörer vom alten Telefon in der Hand aus einer Kiste hervorbringen löst spontane Erklärungen aus: „So hat man früher Verwandte angerufen!“ Ein älterer Teilnehmer versetzt sich gleich in alte Zeiten und stellt sich vor, sein Sohn sei „von der Arbeit zurück, um Kaffee zu trinken“. Ein Retro-Radio stellt man nebenbei auf ein Podium, es brummt leise – das Geräusch entzückt, und manche wippen im Takt zur alten Schlagerplatte, die aus dem Radio spielt.
Thema: Gärten und Landwirtschaft früher
Materialliste: Fotos von Nutz- und Schrebergärten aus den 1940/50er Jahren; bäuerliche Szenen (Pflügen, Ernte mit Hand), Kinder beim Spielen im Beet. Zusätzliche Requisiten: kleinere Pflanze in Töpfchen, Sämereien (Körner, Blumensamen), Schaufel, Gießkanne (klein).
Umsetzung: Die Betreuungskraft spricht über den Bezug der Senioren zur Natur: „Hatten Sie einen Garten oder Bauernhof?“ Dann werden Bilder alter Gärten und Felder gezeigt. Fragen können lauten: „Welche Pflanzen haben Sie selbst angebaut?“ oder „Wie war das Kartoffelerntefest?“ Teilnehmende können Töpfe mit Erde berühren, etwas Erde riechen oder Samen in ihre Hände rieseln lassen. Gemeinsam wird ein einfacher Bodentest gemacht: Sand, Lehm, Ton in drei Gläsern ertastet und verglichen. Erzählt wird, wie als Kind mit Traktor gefahren, Tiere gefüttert oder Kastanien gesammelt wurden.
Hinweise bei Demenz: Natürliche Materialien (Blätter, Erde) aktivieren Sinne besonders gut. Große Bilder und deutliche Beschriftungen (z.B. „Garten von Opa 1952“) sind hilfreich. Wenn jemand plötzlich schweigt, kann man eine Pflanze direkt in Richtung halten, um visuelle Orientierung zu bieten.
Praxisbeispiel: Eine Seniorin kramt nach dem Titelbild einer Blumenwiese und erzählt, sie habe früher täglich im Garten gearbeitet. Ein junger Betreuer hat Blumensamen mitgebracht; die Gruppe lässt sie durch die Finger rieseln. Sofort werden Geschichten ausgetauscht: „Wir hatten soviel Tulpen, die dufteten im Frühling!“ Ein anderer Bewohner stutzt die Topfpflanze, die bei der Seite steht, und gibt dem Wasserkanne vor, als wäre er im Gewächshaus.
Thema: Feste und Bräuche im Jahreskreis
Materialliste: Bilder von Oster- und Weihnachtsfeiern in den 1950/60er Jahren (gedeckte Ostertische, Weihnachtsbaum mit Kerzen); typische Dekorationsgegenstände (Ostereier, Christbaumschmuck), Adventskranz (evtl. Nachbildung aus Stroh).
Umsetzung: Eingeleitet wird mit saisonalem Bezug („Bald ist Ostern, erinnern Sie sich daran?“). Passende Dias – etwa Kinder beim Ostereierfärben oder Familien im Schnee an Weihnachten – werden gezeigt. Die Gruppe singt gemeinsam kurze Strophen traditioneller Lieder (z.B. „Stille Nacht“) zu Beginn jeder Jahreszeit. Es wird über Rezepte (wie Lebkuchen), Traditionen (Plätzchen backen, Adventskalender) gesprochen und vielleicht ein kleines Deko-Objekt (ein handgefertigter Osterkorb) herumgereicht. Die Moderation sorgt für Abwechslung zwischen Bildern und Gespräch: z.B. „Welches war Ihr Lieblings-Weihnachtslied?“
Hinweise bei Demenz: Stabile Rituale (z.B. jedes Jahr die gleiche Liedzeile) geben Sicherheit. Ein Adventskranz mit echten Kerzen (natürlich beaufsichtigt) kann das Erlebnis verstärken. Bei Personen in fortgeschrittener Demenz sollte man das Tempo anpassen und bei Liedern die ersten Zeilen vorsingen, um Teilnahme zu fördern. Schmerzliche Anlässe wie Trauer um geliebte Menschen lassen sich vermeiden, indem man sich auf fröhliche Erinnerungen (Geschenke, Lichterglanz) konzentriert.
Praxisbeispiel: Die Betreuerin bringt einen selbst gebastelten Adventskranz mit – beim Entzünden der ersten Kerze beginnt eine Bewohnerin, das Vaterunser mitzusprechen, wie sie es aus früheren Familienbesuchen kennt. Ein Bewohner erzählt beim Anblick von Kindern beim Ostereier-Suchen von seinem eigenen Enkel, der ihm einst Blumen in den Garten legte. Die Gruppe bemalt gemeinsam ein rohes Ei mit Filzstift, während über traditionelle Osterbräuche gesprochen wird.
Thema: Schlager und Volksmusik der 1950er/60er Jahre
Materialliste: Dias der volkstümlichen Musikszene (Tanztee, Schallplatten, Jukeboxen) aus den 50ern/60ern; eine Auswahl typischer Schlager-Titel (Notenblätter oder Albumcover); ein kleines Musikinstrument (Akkordeon, einfache Mundharmonika).
Umsetzung: Ein alter Schlager (evtl. instrumental) wird leise eingespielt, um die Stimmung einzuführen. Bilder vom Tanztee-Saal oder Oktoberfest von damals werden gezeigt. Die Gruppe wird zum Mitsingen aufgefordert: „Wer kennt dieses Lied?“ Anschließend darf jede/r einen Lieblingsschlager nennen. Die Betreuungsperson begleitet am Akkordeon oder summt die Melodie, sodass Mitsingen Spaß macht. Erinnert wird an Tanznachmittage oder erste Liebe zu bestimmten Tönen. Zwischendurch können Fragen kommen wie „Tanzten Sie gerne auf dem Stuhl?“ zur Gymnastik mit Musik.
Hinweise bei Demenz: Musik öffnet oft die Erinnerung. Bei fortgeschrittener Demenz sind vielleicht nur kurze Refrains erreichbar, was völlig ausreicht. Bildimpulse (z.B. eine Tanzpaaraufnahme) können die Situation verdeutlichen. Man sollte laut genug singen und bekannte Refrains mehrfach wiederholen, um das Erinnern zu unterstützen.
Praxisbeispiel: Als das Lied „Er hat ein knallrotes Gummiboot“ gespielt wird, lehnt sich ein Bewohner zurück, schließt die Augen und summt mit. Einige Frauen halten sich an den Händen und wiegen sich sanft im Takt. Eine Seniorin erzählt, dass sie früher in einer Tanzgruppe war, und das mitgebrachte Akkordeon stimmt ein neues Lied an. Die Atmosphäre wird fröhlich, es wird gemeinsam geklatscht und gelacht.
Thema: Gesellschaftsspiele und Kartenspiele
Materialliste: Fotos von Menschen beim Skat-, Rommé- oder Mensch-ärgere-dich-nicht-Spielen in den 1950ern; originale Spielkarten und Spielsteine (Lamellose, alte Bilderlotto-Karten); ein kleines Spielfeld (z.B. Bodenmatte).
Umsetzung: Es wird nach Spiele-Klassikern gefragt („Skat, Mau-Mau oder lieber Bingo?“). Bilder von geselligen Runden oder Spieltischen werden gezeigt. Die Betreuerin erklärt ein einfaches Spiel (Lotto oder Domino) anhand mitgebrachter Spielsteine. Die Gruppe spielt gemeinsam ein paar einfache Runden: Karten ausgeben oder einen Zahlenruf machen. Dabei kommen Fragen wie „Wissen Sie noch, bei wem man extra zahlen musste?“ oder Anekdoten über Spielrunden zu Hause. Bewegungsspielelemente, z.B. einen Stein durch den Raum rollen, lockern die Runde auf.
Hinweise bei Demenz: Die Regeln sollen einfach gehalten werden; komplizierte Kartenspiele (Skat) können verwirrend sein. Stattdessen bieten Lotto oder Memory-Spiele einen guten Zugang. Visuelle Hilfen (große Zahlen, bunte Bilder) erleichtern das Zurechtfinden. Wichtig ist, den Erfolg zu betonen („Sehr gut! Mehr haben Sie vor langer Zeit auch nicht gemacht.“).
Praxisbeispiel: Die Betreuungskraft hat ein altes Domino-Spiel bereitgelegt. Ein Bewohner, einst begeisterter Domino-Spieler, freut sich: „Ich habe früher oft um den Stammtisch gepokert!“ Alle sortieren Munter ihre Steine und laden einander ein. Als eine Karte mit der Zahl „8“ aufgedeckt wird, ruft ein anderer Bewohner „Ich hab’s!“, was zu Jubel führt. Nach einigen Runden gibt eine Teilnehmerin kluge Tipps, wie sie nach bestimmten Regeln früher gespielt haben – das animiert zu weiteren Erinnerungen über Preise und Pots.
Thema: Oldtimer und historische Fahrzeuge
Materialliste: Dias von historischen Autos, Motorrädern und Traktoren (VW Käfer, IFA-Wartburg, Lanz-Bulldog) aus der 50/60er Jahren; Modellautos oder Motormodelle (z.B. Baukasten-Motor); ein altes Nummernschild oder ein Wartungsheft.
Umsetzung: Zu Beginn zeigt die Betreuungsperson ein Modellauto und fragt: „Wer erinnert sich an diesen Typ?“. Anschließend werden Dias von Automobil-Ausstellungen und Landstraßen voller „Käfer“ präsentiert. Diskussionen drehen sich um „Erstes Auto“, „Was hat Ihr Fahrzeug gekostet?“. Ein Bewohner, der selber schraubte, kann eine Komponente benennen und erklären. Die Gruppe wird nach ihrer Meinung zu modernen Autos gefragt („Fahren Sie heute Auto? Was hat sich verändert?“). Bilder vom ersten Trabi oder Käfer wecken nostalgische Lacher.
Hinweise bei Demenz: Große, farbkräftige Bilder (Auto von der Seite) werden lieber gesehen als kleine Details. Ein Modelllenkrad kann herumgereicht werden, um Haptik einzubeziehen. Schwierigkeiten beim Erinnern ergänzt die Betreuungskraft liebevoll („Das hier ist ein VW Käfer, nicht unser heutiger PKW“). Emotionen, wie Stolz, die erste Fahrt geschafft zu haben, werden positiv aufgegriffen.
Praxisbeispiel: Ein älterer Herr springt auf, als er den „Bulli“ auf einer Aufnahme entdeckt – „Mit dem bin ich vor 1960 nach Italien gefahren!“ Er kramt ein Fotoalbum mit Reisebildern heraus und zeigt die lange Schlange von ähnlichen Bussen am Hafen. Eine andere Bewohnerin hält einen alten Führerschein in die Kamera: Sie erzählt vom Tageslohn, den sie sparte, um sich das erste Moped leisten zu können. Dabei erklärt sie jungen Teilnehmenden, was ein „Zündschlüssel“ und Benzinhahn ist.
Thema: Auslandsreisen (z.B. Europa 1960er Jahre)
Materialliste: Fotos oder Dias von Ausflügen ins Ausland (Italienurlaub am Gardasee, Interrailtour durch Europa, Kurgäste an der Adria); Reisepässe (modisch alt), Europa-Landkarte; Souvenirs (Postkarten, Briefmarken).
Umsetzung: Eingestimmt wird mit einem Satz wie: „Viele sind heute weit gereist – wir sehen Bilder von Ihren Auslandsurlauben früher.“ Bilder von Gondeln in Venedig, Salzburger Festspielgäste oder Schwarzwaldhäusern werden gezeigt (auch innerdeutsche Urlaube). Die Betreuerin fragt nach beliebtesten Zielen und erinnert an Zug- oder Busreisen. Postkarten werden herumgereicht; jemand darf eine wenige Worte laut vorlesen. Es kann ein kleines Memory-Spiel mit Flaggen etabliert werden („Welches Land ist das?“).
Hinweise bei Demenz: Wenn jemand bestimmte Länder vergisst, hilft das Zeigen der Fahne oder der Landeshauptstadt auf der Karte. Alte Begriffe („Kaffeemaler“) sollten erklärt werden („Kaffeekanne“). Sprachbarrieren entschärft man: Bei französischem Bild genügt ein fröhliches „Bonjour, Monsieur!“ zum Dranbleiben.
Praxisbeispiel: Eine Bewohnerin zeigt stolz einen alten Ausweis – sie reiste 1965 mit dem Bus nach Österreich. Auf einem Foto wippt sie mit und singt leise „Landleben“ (ein Oldie ihrer Heimat). Ein anderer hat Postkarten mitgebracht: Bei jeder zeigt er jemandem am Tisch, wo der Absender Urlaub gemacht hat. Sie alle lachen, als sie entdecken, dass sie einst an denselben Strand (Rimini) gereist sind.
Thema: Bahn- und Flugverkehr früher
Materialliste: Fotos von historischen Zügen (Dampflok, Schienenbus) und frühen Flugzeugen (Propellermaschinen, erste Linienflüge) aus den 50ern/60ern; Modellzug mit Schienen (Spielzeug); Dienstabzeichen eines früheren Bahnmitarbeiters (zum Zeigen).
Umsetzung: Die Moderation fragt: „Wer ist früher mit dem Zug gefahren? Wer geflogen?“ Dann werden Dias von Bahnstationen und Flugplätzen gezeigt. Einzelne Teilnehmer können Erlebnisse erzählen („Als Kind stand ich zum ersten Mal am offenen Zugfenster!“). Eine kleine Modelleisenbahn könnte laufen und trägt Figuren („Reisegruppe“). Bei Fluggeräuschen („Düüüüüt“) ermuntert die Gruppe einander, das Freiflug-Gefühl zu beschreiben. Quizfragen wie „Wie lange brauchte ein ICE damals?“ (Antwort: kein ICE vorhanden) lockern auf.
Hinweise bei Demenz: Lautstärke behutsam wählen (das Pfeifen einer Lok kann beunruhigend sein), aber Geräusche helfen, die Fantasie anzuregen. Schrittweise vorgehen: Erst Schiene erklären, dann das Abheben zeigen. Kartenabbildungen (Fahrplan) mit großen Ziffern und Piktogrammen sind gut. Wer sich bei Technik unsicher fühlt, kann unterstützen, indem man zusammenlegt („Das ist der Schaffner!“).
Praxisbeispiel: Eine Bewohnerin, einst Schaffnerin, erkennt an einer Szene ihren alten Arbeitsplatz wieder: eine Bahnhofskontrolle mit kleinem Schaffnerhäuschen. Sie erklärt, wie sie Fahrscheine abstempelte. Ein Bewohner hört beim Bild des Propellerschiffs zu und berichtet, wie er beim ersten Flug nahezu ohnmächtig wurde – alle müssen lachen. Zum Abschluss spielt die Betreuungskraft „Holiday on Ice“ als musikalischen Abschluss, wogegen die Gruppe (äußerst leise) tapsige Sitzplatzklänge trommelt.
Thema: Sportereignisse und Olympiaden
Materialliste: Bilder historischer Sportereignisse (Olympische Spiele 1936 Berlin, Sommerolympiade 1972 München, Fußball-WM 1954); Sportwimpel, alte Tickets; ein Ball oder vereinfachtes Sportgerät (Gymnastikband).
Umsetzung: Die Betreuerkraft fragt, ob jemand sportlich aktiv war („Fußball spielen wie damals?“). Dann sieht die Gruppe Bilder berühmter Sportmomente – Jesse Owens, Heini Klopfer, Bundesligastadion (sofern gepostet). Anschließend spielen die Teilnehmenden gemeinsam ein kleines Ratespiel: Zu welchem Sport gehört dieses Foto? Oder man sieht sich alte Sportartikel (z.B. Lederfußball) an. Bekannte Lieder („We are the Champions“ von 1977 ist vielleicht zu neu, besser „Weißt Du, wie viel Sternlein stehen“) können als Motivationssong erklingen. Gesprächsimpulse: „Welchen Sport haben Sie als Jugendlicher betrieben?“
Hinweise bei Demenz: Sportliche Inhalte sind häufig emotional positiv besetzt. Bilder sollten nicht zu hektisch sein – Einzelbilder von Siegerehrungen o.ä. werden eher gewählt. Für Menschen mit Demenz kann man sanfte Bewegungsübungen einbauen (Armkreisen mit Gymnastikband) zur Abwechslung, falls alle mitmachen können. Wichtig ist, niemanden zu überfordern; man kann Sportler langsamer ins Bild setzen lassen.
Praxisbeispiel: Beim Foto der Fußball-Weltmeister von 1954 ruft ein Sportfan „Das sind doch unsere Helden, ich war live im Stadion!“ – seine Augen leuchten. Ein anderer Bewohner erhält einen alten Wanderstock: Er erzählt, wie er früher bei seinen Enkeln das Fußballtraining beaufsichtigte. Ein kleiner Papierball wird hin- und hergeworfen, als eine Bewohnerin ans Mikro schreit: „Tor!“. Auch beim Bild der Bundesjugendspiele spricht jemand über seine Leichtathletikzeiten: Alle hören gespannt zu.
Thema: Schützenfest und Volksfeste
Materialliste: Fotos von Dorffesten, Schützenfestumzügen oder Jahrmärkten aus den 1950er–70er Jahren (Schützenumzug, Jahrmarkt-Karussell); Schützenhut oder Vereinsabzeichen; Schausteller-Requisiten (Plüschmonster, Zuckerwatte-/Popcorn-Tüte zum Anfassen).
Umsetzung: Die Gruppe startet mit Erinnerungen an Feste („Wer feiert morgen lieber – Michaeli oder Martinimarkt?“). Es werden Dias eines lokalen Volksfestes gezeigt, evtl. mit Schützenvereinsschildern oder einem Festwirt-Zelt. Mitgebrachte Objekte (z.B. Vereinsfahne, Spielzeugbecher) werden erklärt. Spielerisch kann ein „Mini-Karussell“ aufgebaut werden: z.B. wird eine Musikdosenmelodie abgespielt und die Gruppe „dreht eine Runde“ im Stuhlkreis. Fragen wie „Haben Sie einmal die Königswürde gesucht?“ regen Erzählungen an. Die Betreuungskraft singt eventuell einen Marsch oder Volksliedzeilen („Trara, trara“).
Hinweise bei Demenz: Bunte und fröhliche Bilder nutzen (ohne Gewaltaspekte). Menschen mit Demenz schwelgen oft in Simplizität: Sie erinnern sich, wie sie als Kinder auf der Kirmes Barbies und Heliumballons bekamen. Rollen- oder Kleiderwechsel (einen Hut aufsetzen) kann als sanftes Rollenspiel dienen. Wichtig ist es, falls jemand ängstlich reagiert (wie auf laut kreischende Achterbahnbilder), sofort zu wechseln.
Praxisbeispiel: Auf einem Foto vom Schützenfest des Heimatdorfes erkennt eine Teilnehmerin ihren Mann in Uniform – sie beginnt fröhlich abzuzählen, wann der Königsschuss fiel. Die Betreuungskraft hat ein Stoffherz mit „Schützenkönig 1967“ mitgebracht und fragt nach Geschichten über Königspaare. Unter fröhlichem Gemecker spielen zwei Bewohner „Schwerstapeln“ (Bierdeckel-Türme). Alle lachen, als die Konstruktion umfällt – die Stimmung ist ausgelassen.
Thema: Leben in der DDR (Ostdeutschland)
Materialliste: Bilder aus dem DDR-Alltag (Trabant-Auto, Ampelmännchen, Schule im Ostblock); DDR-Währung (Ost-Mark-Scheine, Stasi-Anstecker mit Hammer und Zirkel im Bild); Produkte aus der DDR (Club Cola Flasche, Spreewaldgurken).
Umsetzung: Die Betreuerin moderiert sensibel: „Eine Gruppe von uns hat früher in der DDR gelebt. Wir schauen uns Fotos aus dieser Zeit an.“ Dann werden Bilder von Wohnblöcken, Schulwegen mit rotem Halstuch gezeigt. Die Teilnehmenden werden gefragt: „Was vermissen Sie aus der alten Heimat? Was war gut?“ Es werden typische Konsumartikel (Nudossi, Fön) herumgereicht. Unterschiedliche Bezirksnamen können auf Tafeln gezeigt werden („Erkennen Sie Ihren Bezirk?“). Es wird abgesichert, dass alle Meinungen willkommen sind. Der Fokus liegt auf Alltäglichem und positiven Erinnerungen (z.B. Urlaubslager).
Hinweise bei Demenz: Politische Begriffe (Stasi, Mauer) nur auf Nachfrage behandeln, damit niemand belastet wird. Stattdessen wählt man neutrale Fotos (Neubaugebiet, Trabant-Familie). Bei der DDR-Thematik ist Fingerspitzengefühl gefragt: Wenn jemand traurig wird, wird schnell ein anderes Thema aufgegriffen (z.B. ein Bild von heutigen Ostseestränden). Emotionen sollen aufgefangen und freundlich moderiert werden.
Praxisbeispiel: Ein ehemaliger Lehrer hält stolz ein altes FDJ-Tuch in der Hand und erzählt leise, wie er Kindern in Leipzig Mathematik beibrachte. Eine Bewohnerin, die in einem Plattenbau aufwuchs, lacht: „Wir hatten alle diesen Schrank von Möbelix!“ Sie beschreibt nostalgisch das Leben in der Gemeinschaftsküche. Die Gruppe beugt sich interessiert über einen echten Ost-Mark-Schein – wer weiß noch den Wert? Dazu erklingt leise das DDR-Lied „Sag mir wo die Blumen sind“, als Überleitung zum nächsten Thema.
Thema: Von der Schulbank ins Arbeitsleben
Materialliste: Bilder von klassischen Arbeits- und Berufsszenen (Schüler mit Prüfungszeugnis, Azubis mit Mappe) aus den 1950/60ern; alte Lehrjahreshefte oder Zeugnisse (Nachdrucke); Schultüte (Miniatur).
Umsetzung: Einstieg durch Fragen wie: „Wer von Ihnen hatte nach der Schule einen Ausbildungsplatz?“ Anschließend sieht die Gruppe Bilder von feierlichen Zeugnisübergaben oder Lehrlingswerkstätten. Die Betreuerin spricht über übliche Karrierewege (Lehre, Studium, Anstellung). Teilnehmende teilen Erlebnisse ihrer ersten Jobs, wie sie ihre Arbeitskleidung trugen oder an welchen Tagen sie frei hatten. Eventuell werden echte Dokumente (Abschlusszeugnis) angeschaut oder die Auszubildendenkarte gezeigt.
Hinweise bei Demenz: Konzentration auf positive Meilensteine (erster Gehaltsscheck, Ausstand in der Lehre) hilft. Klare Texte auf Zeugnissen gut lesbar machen. Bei vergessener Person identifiziert man diese vorsichtig („Du warst der Schlosser!“). Auf Überforderung achten: Das Erzählen über mehrere Stationen der Laufbahn ist kompliziert, besser nur die spannendste Geschichte.
Praxisbeispiel: Eine Bewohnerin lächelt, als sie ein Foto mit ihrem ehemaligen Kollegen in der Werkstatt sieht: „Siehst du, da stand unser Facharbeiter!“ In der Runde erinnert man sich, wie das Klirren des Hammers ging. Ein ehemaliger Bankkaufmann verteilt Dummy-Scheckkarten und erklärt, wie man ein Konto damals eröffnete. Die Gruppe diskutiert über Jugendarbeitslosigkeit früher gegen heute – wobei der Umgangston freundlich bleibt und jeder seine Stimme erheben darf.
Thema: Kinderspiele und Spielzeug vergangener Zeiten
Materialliste: Fotos von Kindern beim Hüpfen, Gummitwist, Murmeln und Kreide spielen in den 1950ern; Origami-Papierflugzeug, Springseil, Gummibärchen (als Symbol für Süßigkeiten); selbstgebasteltes Schaukelpferd aus Pappe.
Umsetzung: Die Betreuerin fragt: „Wer hat noch Bilder von seinem Lieblingsspielzeug?“ Dann werden Dias von Straßenspielen gezeigt – Holla-Hopp-Reifen, Straßenkreide-Malereien, Kreuzchen auf dem Pflaster. Die Gruppe wird zum Mitspielen animiert: Springseil oder einfachen Ballwurf (Papierbällchen in Kanne werfen). Ein Bewohner kann ein Kinderlied zur Melodie von „Hopp, hopp, hopp, Pferdchen lauf Galopp“ anstimmen. Zusammen wird das Lieblingsspiel der Runde ermittelt und Schritte dazu nachgespielt (z.B. Kreide malen auf dem Boden).
Hinweise bei Demenz: Bei demenzkranken Personen helfen greifbare Kindheitsgegenstände (eine Murmel, ein selbstgebasteltes Schiff) sehr. Statt realer Bewegung kann man im Sitzen mit Händen „Luftgummitwist“ machen. Kinderreime werden langsam und deutlich vorgetragen – oft erinnert sich jemand an den Reimschluss. Freude über einfache Spiele steht im Vordergrund; mögliche Schmerzen (Stolpern) werden sanft ignoriert.
Praxisbeispiel: Beim Vorzeigen eines Kinder-Spielplatz-Fotos erzählt eine Bewohnerin, wie sie in der Pause verzweifelt ein Muranseil suchte. Ein junger Betreuer fordert sie zum virtuellen Seilspringen heraus, wogegen sie im Stuhl sitzt und dabei schmunzelt. Eine weitere Bewohnerin erinnert sich daran, wie sie als Kind Murmeln mit den Nachbarkindern getauscht hat – die Betreuerin verteilt ein paar Murmeln zum Festhalten.
Thema: Märchen, Anekdoten und Volkserzählungen
Materialliste: Bilder von traditionellen Märchenmotiven (Hänsel und Gretel, Wald, Schloß); ein einfaches Buch mit einem bekannten Märchentext; ggf. Kasperletheaterfiguren oder eine Handpuppe.
Umsetzung: Der Ablauf ist erzählerisch gestaltet: Die Betreuerkraft beginnt, eine bekannte Volkserzählung (z.B. „Die Goldmarie und die Pechmarie“) kurz anzureißen. Dann werden Bilder zu einzelnen Szenen gezeigt (Hexenhaus, Goldregen in den Bäumen). Die Senioren dürfen Lieder oder Reime mitsprechen („Kopf, Schulter, Kneifzange“). Wer mag, kann ein Märchenstückchen nachspielen (mit Handpuppe oder Taschentuch als „Brotrezept“). Nach der Erzählung wird gefragt, welche Moral die Geschichte hatte oder ob ihnen eine ähnliche Geschichte aus ihrer Kindheit einfällt.
Hinweise bei Demenz: Märchen sind oft gut bekannt und durch Wiederholungen verinnerlicht, daher kann jeder etwas beitragen. Sätze dürfen langsam gesprochen und mehrmals wiederholt werden. Bei Unruhe können Plüschtiere oder einfache Geräusche (Türklopfen) beruhigend wirken. Achte darauf, dass die Geschichte positiv endet, um Angst zu vermeiden.
Praxisbeispiel: Die Betreuerin liest eine Kinderversion eines bekannten Märchens und zeigt passende Bilder. Ein Bewohner, der früher als Großvater vorgelesen hat, schließt die Augen und folgt jeder Szene. Anschließend erzählt er vom Märchenonkel, der ihm als Kind Märchen vorgelesen hat. Ein Senior neckt, dass er die Hexe „Butterfinger“ genannt hat und führt diese Puppe herum – alle lachen. Zum Abschluss wird ein kurzes Rate-Spiel gespielt: Welches Märchen passt zu diesem Szenenbild (das Bild eines rutschigen Brunnens – wer weiß es?)
Thema: Internationale Küche – Italienische Spezialitäten
Materialliste: Bilder von typischem italienischen Essen (Pasta, Pizza, italienischer Wochenmarkt); ein mitgebrachtes Kochbuch oder Speisekarte aus Italien (alte Postkarte mit Pizza); Gewürzproben (Basilikum, Olivenöl).
Umsetzung: Einstieg über Essen: „Wer kocht gerne Spaghetti?“ Dann sehen alle Bilder von Landschaften und Markständen Italiens sowie typischen Gerichten. Der Moderator erklärt Zutaten (Tomaten, Olivenöl) und verteilt kleine Probierportionen von getrocknetem Basilikum oder Pecorino. Die Senioren unterhalten sich über ihre ersten Italienreisen, Lieblingspizzabelag oder wie sie das Wasser beim Essen nicht hoben. Man kann ein Käsebrett herumreichen, um Geruch zu integrieren, und in Erinnerungen an den letzten Pizzaabend schwelgen.
Hinweise bei Demenz: Auch wenn nicht mehr selber gekocht wird, lockern Gerüche (Oregano, Kaffee) die Sinne auf. Bilder sollten einfache Gerichte zeigen, statt viele Zutaten. Bei Sprachproblemen kann man gemeinsam einfaches Italienisch (Benvenuto – „Willkommen“) lernen, um das Thema leichter zu machen.
Praxisbeispiel: Beim Riechen am Glas Olivenöl erinnert sich eine Bewohnerin, wie sie früher Tomatensoße stundenlang geköchelt hat – „Das Würzen war unser Ritual.“ Einige probieren Olivenöl auf Brot. Ein älterer Herr, der in einer italienischen Bar gearbeitet hat, verwendet ein paar Wörter Italienisch und beschreibt das Ambiente seiner damaligen Trattoria. Die Gruppe schwelgt in Anekdoten über Eisdielen und Kirchenbesuche in Bella Italia.
Thema: Technik – Telefon und Computer gestern und heute
Materialliste: Fotos von Wählscheibentelefonen, ersten Heim-Computern oder Schreibmaschinen der 1960er; ein echtes altes Telefon, ein Stück Kabel; eventuell ein moderner Laptop als Kontrast (wenn möglich).
Umsetzung: Die Betreuungskraft erklärt: „Früher war alles analog – wir sehen hier alte Telefone und Maschinen.“ Dias mit alten Telefontypen und Schwarz-Weiß-Rechnern werden gezeigt. Ein richtiges Gespräch wird simuliert: Teilnehmer wählen Nummer (Drehscheibe nachstellen) und sprechen. Dann wird der Unterschied zu heute angesprochen: Jeder nennt modernste Technik, die er nutzt. Ein kleines Quiz („Was ist ein Bildschirm?“) kann eingebaut werden. Die Teilnehmenden dürfen dranhängen und mit dem alten Telefonhörer spielen. Beim Anblick des Laptops wird erklärt, was ein „Internet“ ist – allerdings nur grob, da es keine unmittelbare Erfahrung war.
Hinweise bei Demenz: Wenn Computer ein wenig abstrakt sind, bleibt man beim Vergleich alt vs. neu (z.B. Schreibmaschine vs. Word). Demonstrieren ist wichtiger als Erklären: Z.B. an beiden Geräten dasselbe Wort schreiben lassen. Bilder von Geräten mit großen Knöpfen (z.B. ein Telefonhörer) funktionieren besser. Wenn Verwirrung auftritt, auf reale Eindrücke umschalten (Früher roch Telegrafiekabel nach Ozon).
Praxisbeispiel: Eine Bewohnerin legt schmunzelnd den alten Telefonhörer an ihr Ohr – beim lauten Wählen einer Nummer springt ein Teilnehmer „Ganz schön schwer früher die Kurbeln!“ aus. Ein ehemaliger Sekretär kommentiert begeistert, wie er „Briefe ratternd“ tippte. Die Gruppe erkundet gemeinsam einen ausgedienten Computer aus den 80ern: Alle sprechen von ihren ersten Berührungen damit – ein junger Betreuer zeigt als Trittbrett die aktuelle Spracherkennung vom Laptop, woraufhin alle Staunen und zustimmend nicken.
Thema: Tierwelt und Safaris (z.B. Afrika-Bilder)
Materialliste: Dias von exotischen Tieren (Löwen, Elefanten, Zebras) oder Tierparks aus den 60er/70er Jahren; Tierstimmen-CD oder App; Plüschtiersammlung (kleines Kuscheltier zum Fühlen).
Umsetzung: Einstieg über Tierliebe: „Wer hatte ein Haustier?“ Danach sieht die Gruppe Bilder wilder Tiere. Die Betreuerin kann Tierstimmen abspielen („Wie macht der Löwe?“) und Fragen stellen: „Welches Tier ist das?“. Für Personen, die schon Afrika bereist haben, entstehen Erzählungen von Safari-Ausflügen. Ein Kuscheltier kann herumgereicht werden – wer hält es, erinnert sich an seinen eigenen Hund oder die Katze. Eine Tierstimmen-Bingo-Runde (Stimme zu Bild zuordnen) macht das Thema interaktiv.
Hinweise bei Demenz: Große, freundliche Tierbilder (kein Nahaufnahmen von blutiger Jagd) sind beliebt. Oft ziehen Gerüche (Kaffee für Savanne-Atmosphäre) oder Fühlmaterial (Tierfell-Imitation) die Sinne an. Sanfte Nachfragen („Miau, kennst du uns?“ zu einer Katzen-Dia) ermuntern auch stillere Personen. Wichtig ist, Spaß dabei zu haben – es muss nicht alles erklärt werden, manches Staunen reicht.
Praxisbeispiel: Ein Bild mit einer Elefantenfamilie ruft bei einem Bewohner, der als Kind im Zoo war, Erinnerungen an den berühmten Zoodirektor Viktor, den er kannte, wach. Er imitiert den Trompetenschall eines Elefanten, alle johlen mit. Eine Bewohnerin, die im Ruhestand im Tierheim mitgearbeitet hat, spricht gedämpft über ihr Lieblingspferd – auch das Bild eines Pferdes in einer Pferdebahn wird diskutiert.
Thema: Baustellen und Industriearbeit
Materialliste: Bilder von Baustellen, Kränen und Fabrikdampfwolken der 1950/60er; Helm (in Miniaturform oder aus Pappe); Ziegelstein (echter Halbbrocken für die Hand).
Umsetzung: Die Betreuungskraft stellt Fragen: „War jemand auf der Baustelle?“ Dann werden Szenen mit Kranen und Arbeitern gezeigt. Im Anschluss kann symbolisch ein kleiner „Hausbau“ nachgespielt werden: Etwa ein Ziegelstein wird mit Kelle bemalt und vorsichtig an eine Kartonwand geklebt. Die Gruppe erinnert sich an ihren ersten Bauherrn, Kellergräben oder die Seilschaukel auf dem Bau. Alte Pläne oder Fotos von eigenen Häusern können verglichen werden. Es werden Sicherheitsanweisungen von damals angesprochen („Stahlhelm tragen?“).
Hinweise bei Demenz: Vorsicht, niemanden in gefährliche Nähe bringen. Ein Bauhelm als Anschauungsobjekt hilft, Geschichten aus der Bauzeit zu erzählen. Bilder sollten sichere, helle Baustellen zeigen. Für Teilnehmende, die nicht mithämmern wollen, reicht das Zuschauen und Erzählen.
Praxisbeispiel: Mit Hilfe eines Miniatur-Krims („Kran“) erklärt ein Bewohner, wie er als Maschinenschlosser ein Dach reparierte. Eine Bewohnerin zeigt Rillen im Ziegelstein, in dem sie einst Pflastersteine anmischte. Die Gruppe „klebt“ schichtweise aus Karton ein Haus – mit leichten Aufgaben für alle (mehr oder weniger breites Kleben). Als ein Bewohner jubelt, dass das „Haus“ steht, klatschen alle.
Thema: Mode der 1920er–1940er Jahre
Materialliste: Bilder von Kleidung und Alltag in den 1920er/40er Jahren (Roaring Twenties Kleider, Soldatenuniformen, 2. Weltkriegs-Küche); ein Flapper-Kleid oder Hut (nachgemacht, zum Vorspielen); altes Tanzlied (Charleston).
Umsetzung: Einstieg über den Generationenwechsel: „Was trug Ihre Mutter in jungen Jahren?“ Dann zeigt man Bilder der 20er (Damenkleider, Krawatten) und der 40er (Alltagsuniformen, Kinderspielzeug aus Pappe). Eine Bewohnerin, die den Stil selbst erlebte, beschreibt Stoffe (Stoffmuster vergleichen). Wer mag, kann mit einem spitzen Hut posieren. Zum Ausgleich spielt man 20er Jahre Tanzmusik – wer möchte, schwingt im Sitzen die Schultern zum Jazz. Dabei spricht man über „Goldene Zwanziger“ vs. Kriegszeit, wobei auf Konflikte nur sanft eingegangen wird.
Hinweise bei Demenz: Bilder ohne Menschen (z.B. ganz leerstehende Tanzfläche) vermeiden Angst vor Kriegsbildern. Einfache Aspekte wie „lange Kleider/ kurze Röcke“ lassen sich zeigen. Für sehr Betroffene reicht, wenn jemand in eine Röhre riecht (eine Zeittyp-Duft: z.B. altes Parfum) und sagt „Damals roch es nach Chanel!“ – das weckt Sympathie.
Praxisbeispiel: Ein Foto aus den 1930ern zeigt einen Tanzsaal – zwei Bewohner quieken, als sie eines der Kleider wiedererkennen. Eine Teilnehmerin holt eine handgestrickte Wollmütze hervor, die ihre Mutter getragen hat. Der jüngere Betreuer spielt „Sing, Sing, Sing“ – sofort beginnt ein Bewohner im Takt die Fäuste boxend zu schlagen wie Boxlegende Georges Carpentier. Die Runde klatscht zum Charleston-Takt.
Thema: Musikinstrumente und Heimatmusik
Materialliste: Dias von Musikkapellen oder Solisten (Akkordeonspieler, Volksmusikgruppe) aus früheren Jahren; echtes kleines Instrument (Blockflöte, Triangel); Notenausschnitte eines bekannten Volkslieds.
Umsetzung: Diskussion über musikalische Hobbies („Haben Sie früher ein Instrument gespielt?“). Dann werden Bilder gezeigt: Blaskapelle auf Dorfplatz, Volksmusikanten beim Auftritt. Die Betreuerin bringt ein einfaches Instrument (Triangel) mit und lässt es von Teilnehmenden klingeln. Sie spielt eine Strophe eines Heimatlieds (z.B. „Kein schöner Land“) und alle summen mit. Geschichten über das Erlernen eines Instruments oder gemeinsames Musizieren werden erzählt. Vielleicht improvisiert jemand einen Takt auf dem Dreieck.
Hinweise bei Demenz: Das bloße Halten des Instruments schenkt Freude. Bei Demenz kann das Vorspielen eines bekannten Melodieanfangs („La, la, la…“) oft zum Mitsingen motivieren. Langsam anleiten („Jetzt schlagen wir sachte auf die Triangel“) vermeidet Hektik. An die Wand projizierte Noten sollten in großer Schrift sein.
Praxisbeispiel: Die Betreuungskraft bringt eine kleine Zither mit. Ein ehemaliger Musiklehrer erkennt sie und stimmt sogleich das Medley „Am Brunnen vor dem Tore“ an. Eine Bewohnerin singt mit überraschend klarer Stimme die zweite Strophe. Anschließend legt ein Mann seine alte Geige auf den Schoß (von einem Sohn geschenkt) und demonstriert sein Können – die Runde lauscht gebannt.
Thema: Familienporträts und Ahnenforschung
Materialliste: Alte Familienfotos (Hochzeit, Kinder) aus den 1940/50er Jahren; ein leeres Fotoalbum zum Ausfüllen; Stammbäume (Handskizze); eventuell ein Dia von bekannten Ahnenporträts.
Umsetzung: Die Teilnehmer werden eingeladen, private Fotos mitzubringen. Die Betreuerkraft leitet durch: „Wir legen heute ein Album an.“ Bilder aus der eigenen Geschichte werden gemeinsam betrachtet. Auf Dias (oder Fotokopie) gezeigte Personen können namentlich ergänzt werden („Das bin ich links neben meiner Schwester, auf dem ersten Schultag“). Zusammen wird ein Stammbaum skizziert – wer mag, zeichnet seine Eltern, Großeltern (Handabdrücke) und erzählt dazu. Gespräche drehen sich um familientradierte Berufe oder Erbstücke.
Hinweise bei Demenz: Persönliche Biografie-Bilder sind hoch wertvoll. Bei Demenz sollte viel Zeit zum Erinnern gelassen werden; wer nicht spricht, wird auch nur zuhören. Emotionen sind erlaubt – vielleicht weinen manche leise bei Erinnerungen, das sollte aufgenommen werden (Wechsel auf neutrales Thema erfolgt, wenn nötig).
Praxisbeispiel: Ein Heimbewohner zeigt stolz eine Fotografie, auf der sein Urgroßvater als Metzger posiert. Daraufhin holt eine Bewohnerin ihr selbstgefertigtes Ahnenbuch hervor – jeder darf sich darin verewigen. Auf einem Foto mit Kindern der 1920er erkennt eine Teilnehmerin ihren Vater als Mädchen: „Das war, bevor er nach Amerika ausgewandert ist“. Die Betreuerin füllt fürs Protokoll die Lebensstationen auf der Tafel ein.
Thema: Hochzeitsbräuche und Feiern früher
Materialliste: Fotos von Hochzeitsgesellschaften früher (Brautpaar in Wagen, Familientanz) aus den 1940er–60er Jahren; Brautschleier (Nachbildung), Ringkissen; Hochzeitsanekdoten als Geschichtenblatt.
Umsetzung: Gesprächsbeginn: „Wer von Ihnen war schon einmal Braut oder Bräutigam?“ Danach werden Dias der eigenen Hochzeiten (falls vorhanden) oder allgemeiner Hochzeitsarchitektur (Kirche 1950) gezeigt. Fragen wie „Welche Lieder habt ihr damals getanzt?“ fördern den Austausch. Es können alte Rituale besprochen werden: Schleiertanz, Reiswerfen, Polterabend (je nach kulturellem Hintergrund). Die Gruppe kann ein symbolisches Blumenstraußwerfen im Sitzen ausprobieren (zugeworfener buntes Tuchball). Erinnerungen an Hochzeitskleidung, Schmücken des Autos und Besonderheiten der Geste überlagern das Thema.
Hinweise bei Demenz: Hochzeiten sind oft positive Erinnerungshilfen, sollten aber nicht zu nostalgisch-romantisch dargestellt werden, um niemanden zu vergessen lassen. Bilder sollten eher Gruppenfotos als intime Porträts sein. Bei starken Einschränkungen genügt ein gemeinsames Singen eines Walzers oder Volkslieds (z.B. „Du, du liegst mir im Herzen“).
Praxisbeispiel: Eine Bewohnerin in Weiß (einer alten Schürze) hält einen Strohhut und erklärt lachend: „Ich habe meinen Mann in diesem kleinen Zelt hier kennengelernt!“ Dabei zeigt sie Fotos von ihrer Hochzeit auf einem Dorfplatz. Eine Bewohnerin, die den Ehering verliert, bekommt einen Ersatz aus Filz überreicht – das löst ein Lächeln aus. Im Halbkreis wird „Schöner Gigolo“ angestimmt, den damals alle Familienmitglieder sangen.
Thema: Bauernhof und Haustiere
Materialliste: Dias von Bauernhofszene (Milchkanne, Hühnerstall, Kuh auf Weide) aus den 1950/60er Jahren; kleines Strohkörbchen mit Hühnerei (aus Plastik, zum Anfassen); Plüsch-Huhn oder Stofftier-Kuh.
Umsetzung: Die Betreuerin fragt: „Wer hat in seiner Kindheit einen Bauernhof gekannt?“ Dann zeigt sie Bilder mit allerlei Tieren und Stallungen. Die Gruppe darf Geräusche der Tiere nachahmen (Wolle, Muh). Jeder, der möchte, hält die Plüschtiere und nennt den Namen seines Haustiervogels oder Lieblingspferds. Gesprächsimpulse: „Wer hat morgens noch die Kühe gemolken?“ oder „Wer hatte einen Kanarienvogel?“ Für Abwechslung kann eine kreative Aufgabe eingebaut werden: Man ordnet Tierbilder den typischen Geräuschen (Montessorilegende) zu.
Hinweise bei Demenz: Tierbilder sind oft tröstend; man sollte aber schnell von Tieren weggehen, die Angst machen (Hund mit Reißzähnen). Haustierfotos (Hund auf Schoß) sind emotional stark. Ein Bewohner kann ein Tier mit Fühlen identifizieren (felliges Stofftier vs. glatter Lammfellrest). Es ist wichtig, Gefühle zu zeigen („Wie schön, dass Sie am Hof so viele Tiere versorgt haben“).
Praxisbeispiel: Eine Bewohnerin mit lederner Stiefelhaut lacht auf, als sie das Bild einer alten Ziege sieht – „Die war fast so stur wie ich!“ Ein Bewohner, der früher Schweinezüchter war, zählt auf, welche Funktionen jeder Hühnerstall im Bild hatte. Die Gruppe streichelt gemeinsam das Plüschküken und erinnert sich, beim Frühstück das eigene Hühnerei zu pflücken.
Thema: Raumfahrt und Weltraum
Materialliste: Fotos von historischer Raumfahrt (Mondlandung 1969, Raketenstart, Sternenhimmel im Planetarium); Modellrakete (Spielzeug oder kleines Bausatzmodell); NASA-Patch oder Abziehbild.
Umsetzung: Einstiegsfrage: „Wer kann sich an die Mondlandung erinnern?“ Dann werden Dias des Apollo-Raumschiffs und Astronauten gezeigt. Die Betreuerkraft erklärt in einfachen Worten, was „Weltraum“ ist und fragt nach Gefühlen beim Anschauen der Erde aus dem All. Ein kleines Quiz („Was ist ein Astronaut?“) kann integriert werden. Mitgebrachte Modelle können inspiziert werden (Raketenform). Vielleicht lauschen alle einer Audioaufnahme („Das letzte Wort auf dem Mond“ von Armstrong). Bilder von Sternen und Planeten regen Fantasie an: Man spricht über Träume von außerhalb der Erde.
Hinweise bei Demenz: Raumfahrtbilder sollten eher künstlerisch sein (Sternenhimmel) statt technisch. Bei demenzkranken Personen ist oft nur die Frage „Hat es wehgetan?“ interessant; Erklärung dazu kurz halten. Wer unsicher ist, kann an handfesten Verbindungen festhalten („Das war eine Rakete, so wie ein Dachstuhl, nur waagrecht“).
Praxisbeispiel: Bei einem großflächigen Foto der Erde aus dem All wird eine Bewohnerin nachdenklich: „Unsere Welt ist ja klein da oben.“ Ein anderer Bewohner, pensionierter Ingenieur, erklärt, wie damals diese Rakete gebaut wurde. Gemeinsam lässt man ein Papierflugzeug fliegen und vergleicht es scherzhaft mit einer Rakete. Anschließend summen alle zusammen die Anfangssequenz einer bekannten Marsfahrt-Melodie (aus „Der dritte Mann“).
Thema: Liedersingen am Abend (Volks- und Kirchenlieder)
Materialliste: Textblätter von alten Kirchenliedern und Volksweisen (z.B. „Hoch auf dem gelben Wagen“); Dia-Serien mit musikalischen Noten oder Fanfarenzüge; Gitarre oder Akkordeon (einfach) in Griffnähe.
Umsetzung: Die Betreuerin schlägt vor: „Lasst uns zusammen Musik machen!“. Dann werden Notenblätter verteilt. Zu den gespielten oder gesungenen Liedern erscheinen Bildfolien mit Symbolen (Kirchenfenster, Wanderweg). Es werden moderne und ältere Lieder verglichen („Singen Sie lieber Schlager oder Kirchenlieder?“). Eine Bewohnerin, die früher Kirchenchor leitete, übernimmt spontan einen Vers. Jemand hält vielleicht eine Laterne oder eine Kerze, um das Gefühl von Lieder-Abendmahl zu erzeugen. Alle sind eingeladen, die Texte mitzulesen oder mitzusummen.
Hinweise bei Demenz: Das gemeinsame Singen ist auch bei Demenz meist gelungen, da Melodien lange erinnert werden. Schwierige Harmonien werden mit einfacheren Melodien ersetzt. Bei Schwierigkeiten kann rhythmisches Klatschen den Teilnehmer aktiv halten. Die Texte sollten groß gedruckt sein – Noten kann man weglassen.
Praxisbeispiel: Zum Auftakt singt die Runde gemeinsam das Abendlied „Guten Abend, gut’ Nacht“. Ein ehemaliger Kantor blättert im Choralbuch und dirigiert leicht mit der Hand. Im Laufe des Abends kommt ein Herr mit Gitarre hinzu: Er begleitet vier Strophen des Lieblingslieds eines Teilnehmers. Die Gruppe summt laut, einige Augen schließen sich genussvoll.
Thema: Kindheitserinnerungen (Spielen und Familie)
Materialliste: Dias von Alltagsszenen der 1930/40er Jahre (Kinderzimmer, Oma beim Nähen, Sonntagsausflug); altes Spielzeug (Holzpuppe, Stoffball); Fotoalbum-Seiten von Familienfeiern.
Umsetzung: Gefragt wird nach ersten Erinnerungen: „Ihr erstes Zuhause – wie sah es aus?“ Es folgen Bilder mit idyllischen Familien-Szenen: Kinder am Tisch, Opa im Schaukelstuhl. Die Gruppe erinnert sich an Streiche, Kinderlieder oder Lieblingsspielgefährten. Eine Bewohnerin darf ein Stofftier halten und darüber erzählen. Es können auch kleine Nachstellungen gemacht werden (Malen einer Straße mit Kreide), um die Erlebnisse so lebendig wie möglich zu halten.
Hinweise bei Demenz: Bilder mit Kindern sprechen oft tief liegende Emotionen an. Auch wenn Einzelheiten fehlen, geben einfache Fragen Halt („Warst du als Kind oft fröhlich?“). Bei Demenz wird nahegelegt, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: Eine Kindergeschichte reicht oft als Gesprächsstoff.
Praxisbeispiel: Ein Foto von einem Sandkasten löst das Bild von einer Geburtstagsfeier aus. Ein Bewohner kramt eine alte Kinderpuppe hervor und beginnt, in einer sanften Stimme „Rico, Oskar“ (ein altes deutsches Kinderlied) zu summen. Die Betreuerin spielt den vertrauten Refrain auf dem Xylophon nach. Daraufhin erzählt ein anderer Teilnehmer von seinem besten Freund aus Kindertagen.
Thema: Theater und Kino als Unterhaltungsort
Materialliste: Fotos von Theatern oder Kinos der 1950er (Lichtspielhaus, Leinwand mit Publikum); Film- oder Theaterplakate (z.B. Heimatfilm); Popcorn-Eimer (leer), roter Samt-Vorhang.
Umsetzung: Die Gruppe spricht über frühere Kinobesuche („Wer war schon Mal beim Film? Welcher Film hat Ihnen imponiert?“). Es folgen Dias mit Kinoeingängen, Filmcrew-Arbeiten und Bühnenaufführungen. Die Teilnehmer erzählen von ihrem ersten Kinobesuch (Ticketpreise, Geruch). Ein kurzes Rollenspiel könnte eingebaut werden: einer mimt den Kartenverkäufer („Drei Mark die Karte, bitte!“). Popcorn-Geruch aus einem Beutel versetzt alle in Kinoatmosphäre. Das gemeinsame Lachen über einen lustigen Film wird in Mini-Vorführungen nachempfunden.
Hinweise bei Demenz: Bunte Filmposter oder leuchtende Vorhänge bieten Orientierung. Wenn ein Demenzkranker sich zurückzieht, kann man kurz eine Szene abspielen lassen oder selbst eine Karikatur vorlesen. Emotionen werden getragen – ein trauriges Filmbild wird bewusst vermieden, stattdessen auf Komödie oder Musik gewechselt.
Praxisbeispiel: Auf einem Schwarz-Weiß-Foto von Zuschauern lacht eine Bewohnerin: „Da hab ich mal neben Brigitte Mira gesessen!“ Sie beginnt, mit anderen Insassen ein Klatsch-Spiel („Kette mit dem Nebensitzer“) zu spielen. Ein Bewohner hatte früher eine kleine Bühne in seinem Vorgarten – er stellt sich auf und singt eine Theaterszene vor. Die Betreuungskraft zeigt zum Abschluss ein kurzes Werbe-Dia eines alten Films, worüber alle gemeinsam überlegen, ob dieser Stoff wieder aufgelegt wurde.
Thema: Internationale Küche und Rezepte
Materialliste: Bilder von ausländischen Gerichten (z.B. Sushi, Curry, Tacos) und Länderkarten; typische Zutaten zum Riechen (Ingwer, Currygewürz, Vanille); Rezeptkarten für ein einfaches Gericht.
Umsetzung: Einstieg durch die Frage: „Wer hat etwas Exotisches aus dem Urlaub oder anderen Ländern probiert?“ Danach sieht die Gruppe Dias mit Gerichten aus aller Welt. Die Betreuerkraft beschreibt kurz jedes Bild und lässt die Teilnehmenden erraten, aus welchem Land es stammt. Eine kleine „Verkostung“ kann stattfinden: z.B. ein Stück Extrapaprika schmecken oder ein Tropfen süßen Apfelweins probieren. Jeder nennt ein Lieblingsgericht, das ihn an Reisen erinnert. Es entsteht ein Gespräch über Esskultur: „Waren Sie schon im fernöstlichen Restaurant?“.
Hinweise bei Demenz: Zu viele neue Einflüsse können verwirren; deshalb am besten nur drei Länder thematisieren. Bilder sind wirksamer als abstrakte Erklärungen – man zeigt etwa ein Foto von Reisfeldern statt das Wort „Curry“. Geruchsproben bleiben klein, da manche älteren Menschen im Alter auf Gerüche empfindlich reagieren.
Praxisbeispiel: Beim Anblick eines Bildes von Tapas aus Spanien holt ein Bewohner eine getrocknete Chili heraus: „Das hat mir mein Onkel aus Andalusien mitgebracht.“ Eine Bewohnerin probiert einen Klecks mildes Currygewürz auf der Zunge und zeigt alle Grimassen. Ein Herr erklärt, wie man in jungen Jahren Kichererbsenbällchen, Falafel, selbst gemacht hat. Die Runde schließt mit einem großen Topfen Russischen „Eintopf“ (ein Pfannengericht aus Kartoffeln, Erbsen und Ei), das ein Teilnehmer zur Erinnerung vorbereitet hat.
Thema: Alltagsgeräte im Wandel – Waschbretter und Waschmaschinen
Materialliste: Dias von der Hausarbeit in den 1950ern (Frauen beim Wäschewaschen am Waschbottich, Bügelmaschine); echtes Waschbrett (klein oder zerlegt, glatte Rippen); moderne Waschmittelverpackung als Vergleich.
Umsetzung: Die Betreuungskraft fragt: „Wer hat mal mit der Hand gewaschen?“ Danach sieht man Dias, wie gewaschen, gerieben und ausgewrungen wurde. Gemeinsam wird der Unterschied besprochen: Früher Muskeln, heute Knopfdrücken. Ein Mini-Waschbrett liegt zum Tastgefühl bereit. Teilnehmer können simulieren, wie Kleidung gerieben wird. Interessant ist auch: „Wie haben wir sonst geputzt?“ – ein Blatt mit alten Putzmitteln (Seife aus Fett, Schwammkerze) wird gezeigt. Man reibt zusammen ein kleines Wäschetaschentuch – der Muskelaufwand wird spürbar.
Hinweise bei Demenz: Einfaches Prinzip zeigen (Wasser, Seife, Reiben). Oft müssen Geräusche (Wasserplätschern) mit eingebaut werden. Auf Partner-Übungen verzichten, um niemanden zu überfordern. Emphatisch loben („Sie haben ja bis in die 70er so gewaschen!“).
Praxisbeispiel: Ein Bewohner, einst Maschinenmeister, erläutert das mitgebrachte Waschbrett: Er demonstriert, wie das Einseifen ging. Eine Teilnehmerin schnürt ein Bündel Wäsche (zum Abdrehen) und beschreibt, wie sie früher Eimer hochgetragen hat. Ein junger Mitarbeiter spritzt behutsam Wasser und Seife auf einen Waschlappen, was feines Gelächter auslöst. Die Gruppe vergleicht die Arbeitszeit von Handwäsche mit den Minuten einer Waschmaschine von heute.
Thema: Erfindungen, die das Leben veränderten
Materialliste: Bilder von weltverändernden Erfindungen (Glühbirne, Telefon, Auto, Computer) und ihrer Erfinder (Tesla, Edison, Jobs), gern Karikaturen oder Schemata; Modell-Glühbirne (alt mit Schraubsockel); Plakat einer Weltausstellung.
Umsetzung: Beginnend mit der Frage „Welche Erfindung hat Sie am meisten beeindruckt?“ zeigt die Betreuung Bilder von historischen Erfindern oder ihren Geräten. Diskussionen entstehen über Elektrifizierung („Kerze vs. Glühbirne“) oder Transport („Pferd vs. Auto“). Ein Stichwort kann Musik sein („Kassettenrecorder vs. Schallplatte“). Die Teilnehmer geben ihre Meinungen zu Technologien ab: „Brauchten wir das Smartphone?“ Ein kleiner Tastsinn-Test: Eine alte Glühlampe darf aufgeschraubt werden (Glühfaden sichtbar) – Faszination pur.
Hinweise bei Demenz: Bei fortgeschrittener Demenz sollten nur wenige Erfindungen (z.B. Licht, Telefon) visuell veranschaulicht werden. Auf schwierigere Erklärungen verzichten, stattdessen zeigen, anfassen lassen. Wenn jemand Persönliches einbringt („Ich habe Wasser gespart mit diesem Ofen!“), wird darauf eingegangen. Niederschwellige Kommunikation („Ist heute dunkel? – Nein, wir können Licht machen!“) macht Sinn.
Praxisbeispiel: Ein Bewohner erzählt, wie er als junger Mann eine Solarlampe repariert hat (er hatte als Soldat Ersatzteile). Eine Teilnehmerin hält eine alte Energiesparlampe und sagt: „Das ist der Nachkomme dessen“. Die Gruppe lacht auf, als ein Betreuer eine rudimentäre „Neonröhre“ leuchten lässt. Es wird gesprochen, wie man früher ohne Elektrizität gelebt hat (Kerzen, Kohleschleppen) und wie beeindruckend heute ein Knopfdruck für Licht ist.
Thema: Hausarbeit – Waschen, Putzen und Bügeln früher
Materialliste: Bilder vom Alltag in Küche und Hauswirtschaft (Frauen beim Bügeln mit Kohleschmidt, Kinder in Latzhose beim Kehren); Requisiten wie ein altes Bügeleisen (oder Modell aus Blech, ohne Strom), Bürste und Besen.
Umsetzung: Die Moderation eröffnet: „Jeder hat früher im Haushalt geholfen – wir sehen mal, wie.“ Dann werden Dias von Hausfrauenarbeit auf dem Land oder in Stadtwohnungen gezeigt. Fragen: „Wer hat die Wäsche gebügelt oder mit Kohle geheizt?“ Man kann ein kinderleichtes „Kehr-Reim“ anstimmen oder ein freies Gedicht zum Putzen heranziehen („Die Oma fegt den Hof“). Ein richtiges altes Bügeleisen darf angehoben werden: Wie schwer war es? Zum Schluss fasst die Gruppe die einzelnen Arbeitsschritte zusammen („Schmutzwäsche – waschen – bügeln – zusammenlegen“).
Hinweise bei Demenz: Das Vorlesen schrittweiser Erinnerungen an Hausarbeit kann verwirrend sein, deshalb einzelne Tätigkeiten zeigen (ein Bügeleisen, eine Bürste). Bei Demenz wird eventuell die Bitte geäußert, doch selber etwas zu tun („Bügeln“), wovor man zurückhaltend sein sollte; besser in Worte fassen: „Frau Müller, Sie haben doch bestimmt das Bügeleisen getragen!“ und dabei die Person an den Schultern sanft führen. Positiver Zuspruch („Sie haben früher so sauber gemacht!“) vermeidet Frustration.
Praxisbeispiel: Ein Bewohner kippt Wasser in einen alten Einwecktopf und erklärt, wie er damit Gemüse einlegte. Eine ehemalige Köchin fliegt um den Raum und demonstriert, wie man früher mit Essig schäumte („Heut zeigt man so viel aus!“). Zum Abschluss dürfen alle einmal ein (abgekühltes) Bügeleisen hochheben – die erstaunten „Ui, das ist ganz schön schwer!“ stimmen Gelächter an.
Thema: Heimatlandschaften und -städte
Materialliste: Dias landschaftlicher Heimatmotive (Alpenpanorama, rauchende Schornsteine einer Industriekleinstadt); Karten der Region; Modell einer Brücke oder Turms (z.B. Miniatur Kirchturm aus Holz).
Umsetzung: Thematisch wird gefragt: „Welcher Ort liegt Ihnen besonders am Herzen?“ Es folgen Dias von Bergen, Flüssen oder Stadtpanoramen, in denen BewohnerInnen aufgewachsen sind. Dazu wird meist Landlustversetze begünstigt („Schau, da wächst unser Kirschbaum noch!“). Die Teilnehmer erzählen über Dorfjubiläen, Kirchturmuhren oder Spinnereien. Ein kleines Puzzle des Heimatortes (ausgedrucktes Satellitenfoto zerschnitten) kann gemeinsam gelöst werden. Man singt regionale Lieder und begrüßt die Bekanntheit, z.B. mit einem „Grüß Gott“ oder Dialektwort.
Hinweise bei Demenz: Bilder mit nur Landschaft (Baum vor blauem Himmel) geben Raum, ohne festzulegen. Wenn jemand unsicher wird, kann man auf abstrakte Begriffe (Biotope) umschwenken. Bei stark Erkrankten genügt oft nur das Sehen eines Bildes mit familiärem Bezug. Klatschen oder einfühlsames Nicken entlastet bei Sprachproblemen.
Praxisbeispiel: Eine Bewohnerin weint fast beim Anblick ihrer Schwarzwaldheimat – sie erzählt vom Wassermühlenfest und dem Kirchtagsstand früher. Ein Teilnehmer trägt ein Joha (Traditionsjanker) von seiner Heimatregion und spielt ein kurzes Walzertakt auf der Tischkante. Die Gruppe schaut Bilder von frühmorgendlichen Nebeln über den Wiesen, welche ein Bewohner aus seiner Foto-Reportage zeigt.
Thema: Weihnachten und Ostern früher
Materialliste: Dias von Weihnachts- und Ostertagen in Kindheit und Jugend (geschmückter Baum mit Kerzen, Ostereiersuche im Garten) aus den 1940/50er Jahren; Schmuck für Weihnachtsbaum (Holzfiguren, Glasperlen, Strohsterne); Ostereier (Hartkocher und gefärbt).
Umsetzung: Gemeinsam wird ein Lied angesungen („Lasst uns froh und munter sein“) als Einstieg. Dias werden abwechselnd gezeigt: Christkindlmarkt, Familie beim Heiligabend, Ostereier färben. Die Gruppe spricht über früheren Festschmuck: Wer hat den Baum geschmückt? Was gab es zu essen? Anschließend kann jeder einen Papierstern falten oder ein Ei bemalen (angeleitet). Die Teilnehmenden erzählen, welche Geschenke sie bewegten und wie sie ihre Kinder beschenkten. Weihnachtspunsch (Warmgetränk) könnte gereicht werden.
Hinweise bei Demenz: Feste sind oft stark emotional. Bei Demenz sollten die Rituale sehr einfach bleiben (ein Lied singen, Kerzen anschauen) und nicht zu detailreich erklärt werden. Geben Sie ruhig eine vertraute Schokolade aus dem Weihnachtsteller – der Geruch löst oft Erinnerungsblitze aus.
Praxisbeispiel: Während eine Bewohnerin feierlich ein selbstgestaltetes Osterei erhält, erzählt sie von ihrem damals vergrabenen „Goldhasen“, den sie nie fand. Auf einem Dia mit Tannenbaum vor dem Haus erkennt ein Teilnehmer sein Elternhaus – es sprudeln Tränen, als er erzählt, wie sie Weihnachten vier Familienmitglieder im Nachkriegsjahr nährten. Die Betreuungskraft schmunzelt und singt gedämpft eine Strophe von „O du fröhliche“ dazu, alle summen mit.
Thema: Schreibmaschinen und frühe Computer
Materialliste: Fotos von Schreibmaschinen, ersten Rechnern (Lochkarte, Nixie-Röhren-Anzeigen) aus den 1950/60er Jahren; eine alte Schreibmaschine (falls vorhanden) oder zumindest Typenkappen zum Zeigen; Lochkarten oder eine Diskette.
Umsetzung: Die Gruppenmitglieder werden gefragt: „Wer hat als Junge eine Schreibmaschine kennen gelernt?“ Anschließend sieht man Bilder von alten Büros und Entwicklern am Rechner. Ein echtes Beispielformular (Rechnungsvorlage) wird herumgereicht, ebenso wie Tastatur-Teile (Zifferblatt). Jemand darf nostalgisch kurz an der Maschine tippen („Klinktklinkt“). Danach erklärt die Betreuungskraft, dass Computer Programme verarbeiten – eventuell mit einer einfachen Demonstration (eine Diskette wird eingesteckt, klick-beep). Dann stellt die Gruppe die Frage: „Wie schreiben Sie heute Briefe?“
Hinweise bei Demenz: Die Komplexität wird minimiert: Bilder einer Schreibmaschine genügen. Bei Demenz lieber keinen realen Computer zeigen (Angst vor Strom). Stattdessen kann man Postkarten mit seltenen Kartenschlitzen vergleichen. Es gilt, Erfolge zu betonen („Auch Sie haben heute fleißig mitgeschrieben!“).
Praxisbeispiel: Ein Ex-Buchhalter tippt einige Tasten auf der alten Schreibmaschine: „Klick“, zaubert die Buchstaben seiner Adresse auf das Blatt. Ein ehemaliger Informatiker hingegen stapelt ein paar Lochkarten und erklärt schematisch, wie man damit Programme weitergab – obwohl das teils verwirrt, lobt ihn die Runde fürs Fachwissen. Zum Abschluss druckt die Betreuungskraft (mit Laptop) die Namen eines jeden aus – alle freuen sich über den Ausdruck ihres eigenen Namens.
Thema: Sportliche Großereignisse
Materialliste: Poster von Fußball-Weltmeisterschaften (z.B. 1954, 1974), olympische Ringe, Medaillen (Spielzeug für Anfassen); ein kleiner Ball (z.B. Minibasketball).
Umsetzung: Die Betreuerin fragt: „Wer hat die EM oder WM im Radio gehört?“ Es werden Bilder jubelnder Massen und Sieger gezeigt. Fragen wie „Wer war ihr Lieblingsspieler?“ oder „Welchen Sport fanden Sie in der Schule gut?“ animieren zum Erzählen. Ein kleiner Wettbewerb kann gemacht werden: Wer wirft am weitesten einen Softball ins Ziel? (im Sitzen rollen). Dabei schweift man ab: Welche Sommerspiele fand man wichtig? Auch Filmchen von Leichtathletik-Sprüngen können gezeigt werden (statische Fotos reichen).
Hinweise bei Demenz: Wenn Relevanz fehlt, kann man über Freizeitsport sprechen (Gartenarbeit als „Turnen“). Bei Demenz ist oft der Gemeinschaftsaspekt wichtig („Wir haben alle zusammen Team angefeuert“). Wenn jemand emotional wird (z.B. beim Thema WM), sollte man nicht drängen, sondern lieber umschwenken: etwa ein Foto von Ballspielkindern als Ersatz.
Praxisbeispiel: Mit einem Gummiball werfen ein paar Teilnehmer in einen Korb: „Das geht ins Tor!“ ruft einer. Ein ehemaliger Fußballer lacht, schaut sich dabei an einer Kollegin ab: „Schau mal, Dein Sohn hat beim Derby ein Eigentor geschossen.“ Die Gruppe klatscht. Ein anderer erinnert sich an die Schwimm-EM, als seine Enkelin auf der Tribüne war.
Thema: Sinnesgarten – Riechen und Fühlen
Materialliste: Dias von Gartenblumen, frischen Kräutern oder Früchten; Duftproben (Zitronenschale, Kaffee, Vanille, Lavendelöl auf Watte); Tastkästen oder unterschiedliche Stoffstücke (Seide, Samt, Satin).
Umsetzung: Die Verantwortungskraft führt ins Thema ein: „Wir nutzen heute alle Sinne: Sehen, Riechen, Fühlen.“ Dann zeigt man Fotos von duftenden Lilien, reifen Äpfeln oder Hühnern auf der Weide. Jeder darf an den mitgebrachten Düften riechen und die Quelle erraten. Verschiedene Stoffe oder Materialien werden befühlt. Fragen wie „Welcher Duft erinnert Sie an Zuhause?“ oder „Wie fühlt sich das an?“ regen lebhafte Gespräche an. Zwischendurch kann man sanft gießen oder in Erde graben lassen, um Geruchserlebnisse zu verstärken.
Hinweise bei Demenz: Starke Düfte können kontraproduktiv sein, lieber leichte, angenehme wählen. Manche demenziell Erkrankte erkennen Düfte gut, oft besser als Bilder. Materialien (z.B. ein altes Familienhemd) vermitteln Geborgenheit. Achten Sie darauf, Allergien auszuschließen.
Praxisbeispiel: Eine Bewohnerin schließt die Augen beim Duft von frisch gemahlenem Kaffee und erinnert sich: „Meine Mutter hat sonntags immer Kaffee aufgebrüht.“ Ein anderer riecht am Zitronenschalenstück und beginnt sofort, ein Kinderlied über Zitronen aufzusagen. Die Gruppe ertastet gemeinsam eine samtige Decke und erinnert sich an Lieblingskleidungsstücke.
Thema: Bingo, Lotto und Kartenspiele
Materialliste: Bingokarten oder Zahlenlotto-Scheine; Spielkarten (großformatig, mit alten Bildchen); Spielchips oder bunte Bohnen als Marker.
Umsetzung: Ein kleines Bingospiel oder Lotto dient als Hauptakt. Zuerst erklärt die Moderatorin einfach das Spiel: Zahlen aufrufen, markieren. Die Dias zeigen Bilder aus Lotterien/Preisen. Die Senioren spielen eine Runde Bingo; Gewinner erhalten kleine Preise (z.B. Bonbons). Dabei bleiben Gespräche locker: über Glück im Spiel, was sie gewonnen haben. Anschließend können Karten gelegt werden – wer „Hochzeit“ haben oder sein Lieblingsbild. Dies bringt Bewegung (Hand heben bei Bingo) und Spaß.
Hinweise bei Demenz: Auch bei Demenz kann Bingo gut eingesetzt werden, da das Spielen einfach ist. Es sollten klar gedruckte Karten verwendet werden. Nur so lange spielen, wie alle noch mitmachen können (sofort abbrechen, wenn jemand unruhig wird). Bei Lottokarten helfen Hilfsleitungen („Zweierreihe bis fünf“). Sicherheit bieten – niemand soll sich blamieren, wenn er die Zahl nicht hört.
Praxisbeispiel: Als der Aufruf „B-12“ kommt, ruft eine Teilnehmerin: „Hab ich!“ Alle bewundern ihr letztes Bingo und sie strahlt: „Letztes Jahr hab ich beim Fasching die Eintrittskarten gewonnen!“ Ein Herr schnipst mit den Karten, während er auf sein passendes Blatt wartet, und murmelt Zahlen wie beim Training. Am Ende klatschen alle, auch die Nächstplatzierten, die sich über ein Trostplätzchen (Plätzchen) freuen.
Thema: Kinderlieder und Singspiele
Materialliste: Textblätter und Noten bekannter Kinderlieder (Fuchs, du hast die Gans gestohlen; Alle Vögel sind schon da) sowie von Mitmach-Liedern (Stühle nehmen, tanzen); evtl. Rasseln, Triangel.
Umsetzung: Der Abend wird zu einem regelrechten „Kinderliedernachmittag“. Als Einstieg ist ein Kanon oder ein Mitmachlied geeignet („Zwei kleine Wölfe“). Bilder eines Kindergartens oder Spielszenen können gezeigt. Die Gruppe wird aufgefordert, Bewegungen mitzumachen: Handklatschen, Mitstampfen, Nachmachen von Tierbewegungen (Flügelschlagen). Dazu wird gemeinsam gesungen. Auch ein geführtes Kreisspiel (Imitation des Liedes) lockert auf. Lachen ist ausdrücklich erwünscht, Fehler passieren nicht.
Hinweise bei Demenz: Kinderlieder sind sehr eingängig. Bei Demenz kann man die Melodie hummen, dass jeder erkennt, um was es geht. Wenn jemand nicht singen kann, wird er freundlich ermutigt, im Rhythmus mitzusummen oder nur die Endsilben zu sprechen. Bewegungselemente (Stampfen, Wedeln) sind sinnvolle Alternativen.
Praxisbeispiel: Die Betreuungskraft spielt „Alle Vögel sind schon da“ auf der Gitarre. Eine Bewohnerin lacht, als die Strophe kommt mit „…singt uns ein lieb’lied vom Frühlingsanfang.“ Einige klatschen den Takt, ein älterer Herr macht komische Vogelgeräusche mit dem Mund, worauf alle abermals lachen. Bei „Der Herbst ist da!“ strecken zwei andere ihre Arme weit aus, als ob sie sich dehnen. Die Runde singt mehrere Lieder hintereinander, fast wie einst mit den eigenen Kindern.
Thema: Große historische Ereignisse der Nachkriegszeit
Materialliste: Fotos wichtiger Ereignisse (Gegenbild Berlin-Brandenburger Tor, Mondlandung, Mauerfall 1989); Zeitungsausschnitte von Ereignissen wie WM-Sieg 1954 oder Währungsreform; Chroniken (Jahresbücher 1949, 1961).
Umsetzung: Mit behutsamer Moderation wird angedockt: „Haben Sie sich an Sieghaft erlebt?“ Dann zeigt man Bilder (besonnen, nicht reißerisch) etwa von der Währungsreform 1948, vom Bau der Mauer, vom Mauerfall. Jeder, der es möchte, schildert, wo er in dem Moment war. Es wird viel nachgefragt („Wer fühlte Hoffnung?“, „Wer sorgte sich?“). Das Ziel ist weniger Information, sondern Persönliches: ein gemeinsamer Erzählkreis. Andere historische Errungenschaften (Olympia 1972, Fußball-WM 1974) können sanft eingestreut werden.
Hinweise bei Demenz: Solche Themen sind extrem sensibel. Viele Demenzkranke ignorieren Politik, aber wenn sie ansprechen möchten, geschieht es oft unbemerkt. Daher: Auf Fragen nur eingehen, wenn jemand wirklich mit dem Thema aktiv wird. Die Bilder selbst können zu Tränen rühren; je nach Krankheitsstadium genügt manchmal nur eine stilles Nicken im Uhrzeigersinn. Es ist entscheidend, dass der Fokus auf Gemeinschaft und Verständnis liegt, nicht auf Debatte.
Praxisbeispiel: Eine Bewohnerin, die am 17. Juni 1953 in Ost-Berlin war, beginnt leise zu sprechen, als auf dem Bildschirm ein Bauarbeiter zu sehen ist. Ihre Nachbarin in der Runde erzählt daraufhin, wie sie 1989 aus dem Urlaub nach Hause eilte, um den Mauerfall im Fernsehen zu sehen. Ein älterer Mann reibt sich die Augen bei einem Schwarz-Weiß-Bild von 1945 (Bunkerruine), weicht jedoch mit Fug auf, als eine Betreuerin nachfragen will. Alle schweigen respektvoll, als das Auflösungsbild der Berliner Mauer gezeigt wird und man bewusst das Lied „Über sieben Brücken musst du gehn“ summt.
Thema: Zukunftstechnologie und Alltag von morgen
Materialliste: Bilder moderner Technologien (Smartphones, Satelliten, Roboter, Solarzellen); ein Tablet oder Smartphone (leicht bedienbar); ein Mini-Roboter-Spielzeug (z.B. ferngesteuerter Wagen).
Umsetzung: Eröffnet wird mit: „Wie stellen Sie sich die Zukunft vor?“ Dann werden Dias neuer Computer, eines Mars-Rovers oder Satellitentechnik gezeigt. Anschließend dürfen die Senioren selbst ein einfaches Tablet-Handy mitgebracht ausprobieren („Tippen Sie einmal auf ein Bild“). Redestoff sind Themen wie „Flüge zum Mars“ oder „Robotergesellschaft“, wobei die Betreuungskraft erklärt, dass vieles wie Science-Fiction anmutet. Fragen wie „Hätten Sie früher ein Handy gern gehabt?“ regen zum Vergleich an. Wichtig ist das Staunen („Morgens spricht man nun mit Maschinen“).
Hinweise bei Demenz: Zukunftsthemen können verwirren und nichtssagend bleiben; daher nur kurz anreißen, eher als phantastisches Gedankenspiel. Besser ist, bekannte Gegenstände zu zeigen (Tablett statt Buch) und über reale Verbesserungen zu sprechen („Heute haben Sie Bilder in der Tasche“). Beruhigend: Es bleibt beim Spielaspekt („Schauen Sie, wie das Auto (Spielzeug) von selbst fährt“).
Praxisbeispiel: Ein Bewohner drückt erstaunt auf dem Tablet herum, das ein Betreuer mitgebracht hat – ein Luftballon-Platzspiel startet. Er lacht: „Damals gab’s ja nicht mal Glühbirnen mit Knopf!“ Eine ehemalige Informatikerin erklärt geduldig, was ein „Roboter“ ist, während ein kleiner Spielzeug-Roboter im Kreis fährt. Es wird darüber gesprochen, welche Krankheiten in Zukunft vielleicht heilbar sind. Alle staunen, wenn der Fernzugriff auf einen Computer vorgeführt wird.
Thema: Heimische Haustiere und Nutztiere
Materialliste: Dias von Haustieren (Katze, Hund, Kaninchen) und Nutztieren (Hühner, Ziegen, Bienenstöcke) im Heim und Hof; Stofftiere oder Bilderbücher mit Tiermotiven (Bauernhof-Tiere).
Umsetzung: Start mit: „Wer hatte ein Lieblingstier?“ Danach folgt eine Diaschau mit putzigen Tierfotos. Anschließend wird ein kleines Plüschtier-Tierpaar herumgegeben (Katz und Maus). Die Teilnehmenden fragen und teilen Geschichten: „Wie hieß Ihr Hund?“ oder „Hatten Sie Hühner?“ Ein Betreuer macht Tiergeräusche (Miau, Muh); die Gruppe versucht, die Tiere zu erraten. Dabei werden Erinnerungen an Haustiergeschichten und Tiergeschichten aus der Kindheit erzählt.
Hinweise bei Demenz: Tierschutz steht im Vordergrund; sogar bei Demenz beruhigt das Streicheln eines Stofftieres oft die Gemüter. Alltagsnahe Fragen („Ist Ihr Tier im Haus oder draußen?“) sind leicht zu beantworten. Geduld ist geboten, wenn jemand nur einzelne Worte redet; jeder Satz erhält Anerkennung.
Praxisbeispiel: Eine Bewohnerin streichelt das Plüschkaninchen und lächelt: „Meine Lilli sprang auch so.“ Sie erzählt, wie sie als Kind Kaninchen aufwachsen sah. Ein Bewohner schnappt sich einen Teddy und sagt im Wortfetzen „Labrador“, woraufhin erklärt wird, wie groß sein echter Hund war. Die Runde summt das Wiegenlied „Nun ruh’n alle Wälder“ in Verbindung mit Schäfchenzählen – nur, dass alle hier wahre Schafe der Erinnerung sind.