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Es war schön, soft und irgendwie anders

Zurück von der Versilia muss unsere Autorin aber erstmal für Ruhe sorgen

Ich hätte euch ja wirklich gern von meiner kleinen Reise an die Versilia erzählt, von soften Tagen, schlaflosen Nächten und Gelato al limone. Aber es ist mir unmöglich, auch nur einen klaren Gedanken zu fassen. Seit einer halben Stunde sitze ich hier im hintersten Winkel der Starnberger Eiswerkstatt, wo sich an diesem sonnigen Sommertag kein halbwegs normaler Mensch aufhalten würde. Ich schon! Ich muss arbeiten und kann es mir zurzeit echt nicht erlauben, während der Arbeitszeit draußen in der Sonne zu sitzen und Espresso zu trinken. Weswegen ich mein Mineralwasser durch das Café jongliert und hinten auf dem Sofa mein Büro eingerichtet habe für meinen schreibenden Vormittag. Und gerade, als ich zu meinem ersten Satz ansetzen wollte, lief eine Frau an mir vorbei, so total cool mit Kopfhörern um den Hals und Laptop unterm Arm. Offenbar auch eine Bestsellerautorin auf der Suche nach ein bisschen Ruhe im Trubel. Sie setzte sich neben mich auf das Sesselchen an der Wand, klappte ihren Laptop geschäftig auf, aber statt in die Tasten zu hauen, stellte sie eine TV-Talkshow an, die in voller Lautstärke bis zu mir rüber schepperte. Und nein, es war kein Versehen. Weder erschrak sie selbst, noch machte sie Anstalten, die Lautstärke hektisch zu drosseln. Nicht mal die Milch in ihrem Kaffee wurde sauer. Hatte sie noch alle am Sträußchen? Vielleicht bin ich für so was auch langsam zu alt, aber es fiel mir echt schwer, gechillt zu bleiben. Also innerlich. Äußerlich bewahrte ich selbstverständlich Contenance, auch wenn ich mich in letzter Zeit oft frage, ob das gesund ist. Ich hätte aufspringen, ihr an die Gurgel springen oder sie zumindest bitten sollen, die plärrenden Stimmen auf ihrer Apple-Pizza etwas leiser zu drehen. Was ich stattdessen tat? Mich selbst maßregeln: Jetzt sei doch nicht so spießig. Bleib mal schön locker und entspannt. Bist doch nicht das einzige Geschöpf auf dem Planeten. Deshalb gehst du doch zum Arbeiten ins Café. Weil du manchmal ein bisschen Leben in deinem Arbeitsleben brauchst. Musik, Stimmen, Geschirrgeklapper. Ja, das schon. Aber es gibt Grenzen! Und sich eine TV-Talkshow in voller Lautstärke anzusehen, während andere Gäste am Nebentisch sitzen und Weltliteratur verzapfen, ist so eine Grenze. Ich setzte die Diskussion mit mir fort: Ach, komm schon, früher hätte dich das doch auch nicht die Bohne gejuckt. Früher, als du noch cool, witzig und gelassen warst, hätte so etwas dein inneres Woodstock niemals aus der Ruhe bringen können. Doch! Hätte es! Ich hätte nur meine aufsteigende Wut genau wie jetzt mit aller Kraft niedergetrampelt, hätte meiner eigenen Stimme nicht zugehört, mir nicht anmerken lassen, dass es mich in Wahrheit sehr wohl stört und ich diese Rücksichtslosigkeit übergriffig und egoistisch finde. Ich hätte mal wieder: nichts gesagt. Stattdessen meinem inneren Kind übers Köpfchen gestreichelt und meinen Laptop resigniert zugeklappt, statt zu riskieren, dass man mich Scheiße findet. Hätte lieber meine Unterlippe aufgegessen, statt mich für meine Bedürfnisse stark zu machen. Nur damit sich die anderen schön weich und wohlig in meiner Nähe fühlen.

Keine Ahnung, was mir das Universum in letzter Zeit sagen will. Immer wieder wirft es mir solche Prüfungen vor die Füße, um mir offenbar eine Lektion zu erteilen: Be your own Robin Hood. Setz dich für dich

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