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LinkedIn dreht den Spieß um: Engagement-Bait wird nun bestraft

Kennst du diese Posts? "Kommentiere XY, wenn du zustimmst!" oder "Tagge jemanden, der das lesen sollte!" – LinkedIn war voll davon (Instagram ist es noch). Aber während wir alle dachten, der Algorithmus liebt diese Engagement-Tricks, hat LinkedIn im Hintergrund schon längst umgebaut. Jetzt ist es offiziell: Die Plattform stellt ihr Ranking-System komplett um (Öffnet in neuem Fenster) – und Engagement Bait bringt den Autoren nichts mehr.

Was passiert da konkret auf LinkedIn?

LinkedIn setzt jetzt auf ein LLM-basiertes Empfehlungssystem, das nicht mehr nur auf schnelle Reaktionen schaut, sondern auf echtes Interesse. Das System analysiert deine Profilinformationen, deine Interessen und dein Verhalten über längere Zeiträume. Es erkennt sogar thematische Zusammenhänge – wenn du dich für erneuerbare Energien interessierst, könnten auch Beiträge über Stromnetze in deinem Feed landen, ohne dass du jemals das Keyword "Stromnetz" geliked hast.

Posts mit Aufforderungen wie "Schreib’ WHITEPAPER in die Kommentare" oder "Tagge drei Kolleg:innen" werden künftig seltener ausgespielt. Auch repetitive Thought Leadership Posts – du weißt schon, diese immer gleichen Karrieretipps, die seit 2019 recycelt werden – landen weiter unten im Ranking. LinkedIn will Inhalte zeigen, die wirklich zu deinen Interessen passen, nicht solche, die nur kurz Aufmerksamkeit erzeugen.

Und damit nicht genug: LinkedIn führt auch neue Metriken ein, die zeigen, was wirklich zählt. Ab sofort siehst du in deinen Post Analytics zwei neue Zahlen: Saves (wie oft dein Post gespeichert wurde) und Sends (wie oft er per Direktnachricht geteilt wurde). Beide Metriken zeigen ein viel tieferes Engagement als Likes oder schnelle Kommentare. Wer einen Post speichert oder aktiv an Kolleg:innen verschickt, findet ihn wirklich relevant.

Hast du die Funktionen schon?

Vielleicht dauert es noch kurz. Der Roll-out hat bereits begonnen, du solltest die neuen Metriken also bald in deinem Account sehen. Das ist auch nur der Anfang: LinkedIn fragt seine User gerade aktiv, welche Metriken noch fehlen. Die Plattform baut ihre Analytics massiv aus – von Link-Klicks über Profilaufrufe bis hin zu neuen Followern durch einzelne Posts.

Neu bei LinkedIn? Dann wirst du jetzt nach deinen Interessen gefragt.

Was bedeutet das für dich? Schluss mit Trickserei, Fokus auf Substanz (da du mich kennst oder mir folgst, weißt du das ja längst 🤓). Strukturierte Inhalte mit echtem Mehrwert performen besser als generische Floskeln. Expertise zählt mehr als Viralität. Und wenn du neu bei LinkedIn einsteigst, kannst du sogar schon bei der Anmeldung deine Interessen auswählen – LinkedIn testet gerade einen "Interest Picker", damit du von Anfang an passende Inhalte siehst, statt erst Wochen lang dem Algorithmus beibringen zu müssen, was dich interessiert.

Eine richtige Qualitätsoffensive!

Small-Talk oder Real-Talk?

Die Saves und Sends siehst du vielleicht noch nicht in deinem Account – der Roll-out läuft noch. Aber du kannst jetzt schon davon profitieren, auch ohne neue Zahlen: Dein Feed wird endlich spannender.

Und wenn du selbst postest? Schreib einfach so, als würdest du einer Kollegin beim Kaffee was Nützliches erzählen. Wenn sie dir am Ende sagt "Schick mir das mal per Mail, das brauch ich später noch", dann ist es LinkedIn-würdig. Wenn sie höflich nickt und zum Wetter wechselt – lieber lassen. :)

nachgefragt

❓ Warum verlieren Engagement-Tricks jetzt ihre Wirkung?
LinkedIns neues LLM-basiertes Ranking-System schaut nicht mehr nur auf schnelle Reaktionen, sondern analysiert, ob Inhalte wirklich zu deinen Interessen passen. Posts, die künstlich Kommentare erzwingen (wie "Schreib’ Yes"), werden als weniger relevant eingestuft – auch wenn sie viele Reaktionen bekommen.

❓ Soll ich jetzt gar keine Fragen mehr in Posts stellen?
Doch! Der Unterschied liegt in der Intention. Echte Fragen, die zum Nachdenken anregen ("Wie geht ihr mit XY um?"), funktionieren weiterhin. Manipulative Aufforderungen ("Kommentiere ABC, wenn du zustimmst") werden erkannt und niedriger bewertet. LinkedIn erkennt den Unterschied zwischen authentischem Austausch und schnellem Engagement Bait.

❓ Sollte ich jetzt weniger oft posten?
Nein – die Frequenz ist nicht das Problem. LinkedIns System bewertet jeden Post einzeln nach Relevanz, nicht dein gesamtes Posting-Verhalten. Du kannst weiterhin regelmäßig posten, solange jeder Beitrag einen echten Mehrwert liefert. Tatsächlich hilft Konsistenz dem Algorithmus sogar, deine Themen besser zu verstehen. Wichtig ist: Poste nicht aus Pflichtgefühl, sondern wenn du wirklich etwas zu sagen hast. Drei durchdachte Posts pro Woche schlagen sieben generische Kalendersprüche.

Du hast eine Frage, auf die ich in einem der nächsten Newsletter eingehen soll? Dann schreib mir gern!

Diego Velázquez: Las Meninas (Die Hoffräulein), 1656 (Museo del Prado)

Velázquez (Öffnet in neuem Fenster)' berühmtestes Gemälde zeigt die spanische Infantin Margarita Teresa (Öffnet in neuem Fenster), umgeben von ihrem Hofstaat – aber das eigentliche Rätsel ist: Wer beobachtet hier eigentlich wen? Der Maler steht im Bild und blickt uns an, im Spiegel sehen wir das Königspaar, und wir als Betrachter stehen genau dort, wo die Königseltern stehen müssten. Ein Spiel mit Perspektiven, Hierarchien und der Frage: Wer entscheidet, was wichtig ist?

Genau diese Frage stellt sich jetzt auch auf LinkedIn. Der Algorithmus ist der unsichtbare Beobachter, der entscheidet, wer im Mittelpunkt steht und die Regeln haben sich geändert. Was früher funktionierte, zählt plötzlich nicht mehr. Die Perspektive hat sich verschoben: Nicht mehr die schnelle Reaktion steht im Zentrum, sondern das echte Interesse.

Wer schreibt dir hier eigentlich?

Ich bin Kathleen – Kunsthistorikerin, Social-Media-Beraterin und jemand, der gelernt hat, dass die besten Strategien nicht auf Tricks basieren, sondern auf Verständnis.

LinkedIn ist wie ein barockes Gemälde: Auf den ersten Blick siehst du die offensichtlichen Figuren (Likes, Kommentare), aber erst wenn du genauer hinschaust, erkennst du die eigentlichen Machtverhältnisse – den Spiegel, die Perspektive, den Künstler, der alles orchestriert.

(Öffnet in neuem Fenster)
Dr. Kathleen Löwe, fotografiert von Bonnie Bartusch

Mein Newsletter erscheint zweimal die Woche und liefert dir Social-Media-Updates, die nicht nur erklären, was passiert, sondern auch, warum es passiert. Ohne Schnickschnack, ohne unnötige Hacks, dafür mit kunsthistorischen Umwegen, die dich zum Nachdenken anregen.

Kategorie LinkedIn

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