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Ruft dein Profil um Hilfe?

"Is your profile in need of a refresh?", fragt Instagram selbst ganz aktuell in der Gruppe für Creator (Öffnet in neuem Fenster). Ehrlich gesagt: Die meisten Profile, die mir begegnen, könnten ein Update vertragen. Das heißt gar nicht, dass sie durchweg schlecht sind, meist liegt es einfach daran, dass sie nicht mehr zur Ausrichtung der Person oder des Unternehmens passen. Und deine Profilbeschreibung ist das, was dein Gegenüber als erstes sieht, bevor er dir folgt. Also: Wann hast du zuletzt dein Profil bewusst angeschaut?

Dein Profilbild: Dein digitales Gesicht

Toll ist es immer, wenn dein Profilbild hochauflösend ist und man das Gesicht gut zuordnen kann. Hier hat Text meist nichts zu suchen, dafür mögen wir aber eine markante Farbe, die zu dir und deiner Marke passt. Das kann auch einfach der blaue Blazer sein, der die Hauptfarbe deines Logos wiederspiegelt. Das bleibt hängen.

Was das in der Praxis bedeutet:

Hochauflösend heißt: kein Screenshot, kein Bild aus einer WhatsApp-Gruppe von 2018.

Gesicht sichtbar heißt: nicht dein Hund, nicht dein Logo, nicht dein Produkt. Du. Weil Menschen mit Menschen Verbindung aufbauen. Ausnahme: Wenn deine Marke nicht mit einer bestimmten Person in Verbindung gebracht werden soll oder muss, dann ist dein Logo passend. Zum Beispiel hat kaum jemand ein Gesicht zum CEO von Kellogs, aber den Schriftzug kennen wir alle.

Markante Farbe heißt: Wenn alle Portraits in deiner Nische auf grauem oder weissem Hintergrund sind – stich bitte heraus. Ein korallenroter Hintergrund macht mehr als jeder Hashtag.

Außerdem: Dein Profilbild erscheint nicht nur auf deiner Seite – es taucht in DMs auf, in Kommentaren, in der Suche. Es ist dein kleinster, aber stetiger Markenbotschafter.

Deine Bio: Weniger erklären, mehr einladen

Mitarbeiter:innen von Instagram sagen es selbst immer wieder: Klar erklären wer du bist und was du tust. Deinen Standort und Firmensitz kannst du nennen, wenn es wirklich relevant ist. Keywords dienen der Auffindbarkeit. Klarer Call-to-Action.

Was ich noch ergänzen kann:

Keywords ja, aber bitte keine Keyword-Wüste. "Coach | Speaker | Autorin | Mama | Kaffeeliebhaberin" sagt mir alles und irgendwie nichts. Versuche lieber: “Ich helfe Führungskräften, klar zu kommunizieren – online wie offline. ⚓Hamburg. Jetzt dein Erstgespräch buchen.”

Standort: Ja, wenn du regional arbeitest oder eine lokale Community aufbauen willst. Schreibe dann also lieber konkret Leipzig, statt schlicht Deutschland.

Call-to-Action: Ein einziger. Klar. Konkret. Nicht ganz viele Aufforderungen zu liken, ein Gespräch zu buchen, das Whitepaper herunterzuladen und dann noch dein neues Buch vorzubestellen.

Alte Posts archivieren: Der stille Frühjahrputz

Ja, du kannst Beiträge auch ins Archiv schieben statt sie direkt und endgültig zu löschen. Dein Feed ist nämlich dein erster Eindruck für neue Besucher:innen. Posts aus 2020, die nichts mehr mit deinem heutigen Thema zu tun haben, erzeugen Verwirrung.

Mein Vorschlag für ein Mini-Audit: Öffne dein Profil. Was sieht jemand, der dich nicht kennt, in den ersten 9 Posts? Passt das Bild zu dem, was du heute tust und wer du heute bist? Alles, was ein klares "Nein" bekommt: archivieren. Kein Drama, kein Löschen. Nur ordnen.

Links: Einer. Wirklich nur einer.

Oft sehe ich eine riesige Linksammlung, die in alle Richtungen zeigt. Zum Buch. Zum Podcast. Zum Kurs. Zur Website. Zur Facebook-Gruppe, die seit 2021 nicht mehr aktiv ist.

Frage dich: Was soll jemand tun, der mein Profil besucht? Wenn die Antwort klar ist – genau dafür hast du einen Link. Wenn du eine Linkseite wie Linktree nutzt, dann versuche unter 10 Einträgeen zu bleiben, klar beschriftet. Niemand klickt sich durch 22 Optionen.

nachgefragt

❓ Muss mein Profilbild professionell fotografiert sein?
Nein, aber es sollte gut ausgeleuchtet sein und dein Gesicht klar zeigen. Ein gutes Handy-Foto bei Tageslicht schlägt ein professionelles Foto in dunkel und zugeschnitten. Wichtiger als das Equipment ist, dass das Bild zu dir passt und zu dem, wie du auftrittst.

❓ Wie oft sollte ich meine Bio aktualisieren?
Immer dann, wenn sich etwas Wesentliches ändert – ein neues Angebot, eine neue Zielgruppe, ein neuer Standort. Kein fixer Rhythmus nötig. Aber: Schau sie dir mindestens einmal pro Quartal an. Oft passt nach 6 Monaten schon der Call-to-Action nicht mehr.

❓ Darf ich Beiträge wirklich einfach archivieren?
Warum nicht? :) Archivierte Posts verschwinden nur aus dem öffentlichen Grid – sie bleiben erhalten, du kannst sie jederzeit wieder veröffentlichen. Der Algorithmus straft dich dafür nicht. Und du wirkst frischer, fokussierter – was langfristig eher hilft als schadet.

Du hast eine Frage, auf die ich in einem der nächsten Newsletter eingehen soll? Dann schreib mir gern!

Albrecht Dürer, Selbstbildnis im Pelzrock, 1500 (Alte Pinakothek München)

Albrecht Dürer (Öffnet in neuem Fenster) hat 1500 sein bekanntestes Selbstportrait gemalt. Frontal. Königlich. Pelzmantel. Sorgfältig gekämmte Locken. Er schaut uns direkt an. Fast so, als würde er gleich fragen, ob wir ihm bereits folgen.

Das war kein Zufall. Die Frontalansicht war damals ausschließlich Christus-Darstellungen vorbehalten. Dürer beanspruchte sie für sich selbst. Sein Gesicht und seine etablierten Initialen auf Holzschnitten und Kupferstichen waren überall erkennbar, immer gleich – das funktionierte wie ein Logo. Personal Branding, 525 Jahre vor Instagram.

Der Unterschied zu dir? Er hatte kein "Bearbeiten"-Symbol. Kein zweites Foto zur Auswahl. Keine Rückgängig-Funktion. Einmal Ölfarbe auf Holz und schon hatte man ein Profilbild für die Ewigkeit.

Wer schreibt dir hier eigentlich?

Ich bin Kathleen. Kunsthistorikerin. Und ich weiss, dass ein Profilbild kein Kunstwerk sein muss, aber es darf eines sein.

Genau wie Dürer sich 1500 überlegt hat, wie er wahrgenommen werden möchte, stelle ich dir dieselbe Frage: Was soll jemand denken, fühlen, verstehen, wenn er eine Sekunde auf dein Profil schaut?

(Öffnet in neuem Fenster)
Dr. Kathleen Löwe, fotografiert von Bonnie Bartusch

Dein Instagram-Profil ist dein Selbstportrait im digitalen Raum. Mach es bewusst. Mach es zu dir. :)

Kategorie Instagram

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