Du stehst morgens im Garten, hebst eine Schaufel Erde an, und da liegt er: rosa, glänzend, und er wiggelt sich sofort weg. Kein Tier sieht so unscheinbar aus und leistet gleichzeitig so viel, und natürlich ist dieser kleine Kollege bei uns Gärtner:innen sehr beliebt: Der Regenwurm! Sein Name führt übrigens in die Irre: Er stammt vom mittelhochdeutschen „reger Wurm", weil das Tier ständig frisst und arbeitet und so aktiv ist. Damit, dass die bei Regen aus ihren Löchern kommen, hat das nichts zu tun.
Die drei häufigsten Arten im Garten
Hier in Deutschland leben mehr als 40 Regenwurmarten, in Österreich ca. 60 und in der Schweiz ungefähr 40. Du wirst im Garten vor allem drei davon begegnen, die sich in ihrer Lebensweise jedoch deutlich unterscheiden.

Der Tauwurm (Lumbricus terrestris), auch bekannt als Gemeiner Regenwurm, ist der Klassiker. Du erkennst ihn an seinem etwas dunkleren rötlichen Vorderende und dem etwas heller werdenden Hinterteil. Er wird 12 bis 30 Zentimeter lang und gehört damit zu den größten heimischen Arten. Der Tauwurm gräbt senkrechte Röhren bis zu drei Meter tief in den Boden, und nachts kommt er an die Oberfläche und zieht Blätter, Stängel und andere Pflanzenreste in seine Gänge hinab. Wenn du nach einer feuchten Nacht mit der Taschenlampe über den Rasen leuchtest, kannst du ihn bei der Arbeit beobachten. Ein einzelner Tauwurm schafft es, in einer Nacht bis zu 20 Blätter in den Boden zu befördern!

Der Kompostwurm (Eisenia fetida) ist deutlich kleiner: 4 bis 14 Zentimeter, misst er und ist eher rotbraun mit gelblichen Ringen am Körper. Du findest ihn fast ausschließlich dort, wo viel organisches Material anfällt: in deinem Komposthaufen, unter Mulchschichten, in alten Laubhaufen. Er kann sich in der normalen Gartenerde kaum halten, weil er auf eine sehr nährstoffreiche Umgebung angewiesen ist. Dafür arbeitet er im Kompost umso schneller und verwandelt Küchenabfälle und Grünschnitt in fruchtbare Erde. Sein Beiname „Stinkwurm" kommt übrigens daher, dass er bei Stress ein übel riechendes Sekret absondert.

Der Rote Waldregenwurm (Lumbricus rubellus) bewegt sich zwischen diesen beiden Welten: Wie der Kompostwurm kann er rohes Pflanzenmaterial verdauen, und wie der Tauwurm gräbt er Gänge im Boden, wenn auch weniger tiefe. Er wird 6 bis 15 Zentimeter lang, ist durchgehend rotbraun bis rotviolett gefärbt und verblasst zum Hinterende hin. Im Garten findest du ihn unter Falllaub, in der humusreichen Oberschicht und rund um Baumstümpfe, und diese Kollegen sieht man oft auf dem Asphalt nach einem Regenschauer. Er hält sich gern im Wurzelbereich von Pflanzen auf und ist vergleichsweise hart im Nehmen, was Frost und Co. angeht.
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Was der Regenwurm in deinem Garten leistet
Auf einem Quadratmeter gesunder Wiese leben, je nach Bodenart, zwischen 100 und 500 Regenwürmer, es gibt Berechnungen, die beziffern das dann auf zweieinhalb Tonnen Würmer pro Hektar. Gemeinsam verrichten sie Arbeit, die du mit keinem Gerät ersetzen könntest: Ihre Gänge belüften den Boden und lassen Regenwasser schnell versickern, statt dass es an der Oberfläche steht. Gleichzeitig erhöhen die Röhren die Wasserspeicherfähigkeit. Wenn du im Sommer merkst, dass manche Stellen in deinem Garten nach einem Guss schneller trocknen als andere, liegt das oft daran, dass dort weniger Regenwürmer unterwegs sind.
Der von uns als besonders wertvoll angesehene Schatz ist jedoch ihr Häufchen, klar. Regenwürmer wandeln organisches Material mithilfe von Mikroorganismen in pflanzenverfügbare Nährstoffe um. Ihr Kot enthält im Vergleich zur umgebenden Gartenerde rund fünfmal mehr Stickstoff, siebenmal mehr Phosphor und elfmal mehr Kalium. Dazu kommen Ton-Humus-Komplexe: feine Partikel, die dem Boden Struktur geben und Nährstoffe speichern.
Und dann ist da noch die Durchmischung. Tiefgrabende Arten wie der Tauwurm transportieren Nährstoffe aus der Oberschicht in tiefere Bodenzonen und umgekehrt. Über die Jahre entsteht so ein gleichmäßig fruchtbares, gut strukturiertes Erdreich, das weniger verschlämmt, besser durchlüftet ist und Wurzeln leichter durchwachsen können. Perfekt, um deine Gartenträume umzusetzen!

So förderst du Regenwürmer in deinem Garten
Wenn du ein gesundes Netzwerk aus Lebewesen im Boden hast, musst du viel weniger oder sogar gar keinen Dünger kaufen. Regenwürmer sind dabei ein wichtiger Baustein, und wir schauen uns deshalb mal an, wie du sie gezielt in deinem Garten oder auch auf dem Balkon oder Dachgarten fördern kannst:
Das Wichtigste: Regenwürmer brauchen Futter und Ruhe. Wenn du deinen Boden regelmäßig mit organischem Material versorgst und ihn möglichst wenig störst, stellst du die Weichen für eine gesunde Population.
Mulche deine Beete mit Laub, Grasschnitt, gehäckseltem Strauchschnitt oder Gemüseabfällen. Dieses Material dient Regenwürmern als Nahrung und schützt den Boden gleichzeitig vor Austrocknung und extremen Temperaturen. Im Winter kannst du deine Beete zusätzlich mit einer Laubschicht gegen tiefen Frost abdecken, sodass die kleinen Kerlchen im Frühjahr direkt wieder am Start sind.
Verzichte auf tiefes Umgraben. Jedes Mal, wenn du den Spaten ansetzt, zerstörst du Gangsysteme und bringst Würmer in um. Außerdem bringst du Beikrautsamen, die vielleicht “zu tief” ruhen, damit an die Oberfläche und gibst denen die Möglichkeit, zu keimen. Im Schrebergarten meiner Kindheit haben wir immer umgegraben, ich selber habe in meinen eigenen Gärten jedoch noch nie umgegraben. Kein einziges Mal. Lockere den Boden stattdessen mit einer Grabgabel. Bei intakter Regenwurmpopulation ist ein Umgraben sowieso überflüssig, weil die Tiere den Boden ausreichend lockern und belüften.
Lass die Finger von synthetischen Düngern, Pestiziden und Herbiziden. Glyphosat etwa halbiert die Nachkommenschaft bei tiefgrabenden Arten. Auch Streusalz schadet massiv. Wenn du düngst, greif zu organischem Material: Kompost, Hornspäne, Pflanzenjauchen. Das füttert gleichzeitig die Würmer.
Bodenverdichtung ist ein weiterer Feind. Tritt in nassen Phasen möglichst wenig auf deine Beete. Leichte Trittplatten oder feste Wege zwischen den Beeten helfen dir dabei, Regenwurmcity unter der Oberfläche nicht plattzumachen.
Und ein Detail, das viele übersehen: Regenwürmer reagieren, wie so viele Gartentiere, nachts besonders empfindlich auf Licht. Dauerhafte Garten- und Solarlampenbeleuchtung stört ihr Paarungsverhalten, besonders im Mai, wenn die Paarungszeit auf ihrem Höhepunkt ist und die hochkommen, um zu daten.
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Bis zum nächsten Mal!
Jasmin
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