LITERATUR-&- (Opens in a new window)BILDBAND-KRITIK (Opens in a new window)
„Und ohne viel Gewese nahm den Fuchs er, frei von Schuld und Scham, mit Messer, Dolch und Picke am Genicke und brachte ihn, nicht nur das Fell war rot, vom Leben hin zum Tod.“
Nein, wir lesen hier keinen Auszug aus einem Sebastian Fitzek-Roman, einer Stephen King-Story oder einem Joe Hill-Werk. Stattdessen stammt der grimmige Reim aus dem neuen Werk der Kinderbuch-Ikonen Kai Lüftner und Wiebke Rauers, die unter anderem für Furzipups (Opens in a new window) oder Ronny, das Pony und Gerd, das Pferd verantwortlich zeichnen. Versehen mit einem Sticker ähnlich dem „AB 18!“, in diesem Fall „Ein Buch für Erwachsene“, zeigt schon das GRIMM-Cover, dass dies, oh Schauder, kein Witz ist (Opens in a new window).
(Opens in a new window)In einem Statement, erläutert Lüftner, der kürzlich auf dem Berliner Bilderbuchfest 2026 (Opens in a new window) las, signierte und … siegte, dass er mit dem Buch über den Prädatoren Wolf, seine Irritation über viele Menschen zum Ausdruck bringen wolle. Dass Tiere als Metapher oder Stand-In für den Menschen als Monster funktionieren, wissen wir nicht erst seit George Orwells Farm der Tiere oder Richard Adams' Unten am Fluss/Watership Down.
„Und als sein Tagewerk vollbracht, kam schon die Nacht, in der Grimms Träume ihn umfassten, bis dann – ein neuer Tag...“

Dieses Tagewerk besteht für Grimm Gräulich (jaja, Grimms Märchen und so, böser Wolf (Opens in a new window), ohne Peter, das waren eh nicht die grantigen Grimms) darin, das jeweils nach ihm „zweitgefährlichste Raubtier hier“ zu meucheln. In einer Mischung aus Dexter und Hannibal sowie diverser Edgar Allen Poe-Charaktere und Criminal Minds-Figuren und einem Tröpfchen Nosferatu, räumt er dabei sein Habitat irgendwie auf, stört sogleich die natürliche Ordnung, entwickelt Allmachtsfantasien und wird einem sich sicherer werdenden, entwickelnden Serienkiller gleich, unvorsichtiger (Opens in a new window):
„Es brauchte nicht mehr Erklärung dafür, jedoch die Spuren seiner Tat führten bis vor seine Tür.“
Eine Mischung aus Leichtsinn und Rücksichtslosigkeit, auch geboren aus Paranoia und Wahn (Opens in a new window) wie vermeintlicher Machtfülle und – immer wieder – Hybris (Opens in a new window) – lässt ihn wahlloser und unvorsichtiger morden und so mehr und mehr selber zur Zielscheibe werden. Wer nun neben genannten Figuren an echte und ernstzunehmende Witz-Figuren denken mag (Opens in a new window), sei nicht gescholten. Es passt gar zu des Autoren Einlassung, dass, „was wir heute nicht nur im Alltag oder in der großen Politik erleben, zeigt, dass viele Menschen immer noch meinen, uns gehört die Welt (Opens in a new window).“

Sie nähmen sich zu wichtig. Somit ist, möchte mensch meinen, auch jeder aufstöhnende U-Bahn-Drängler ein wenig Grimm. Widersprechen würde ich da nicht (Opens in a new window).
Wiebke Rauers, ließ sich bei ihren stimmungsvoll-grausigen Zeichnungen „vom rauen Geist des Grunge und der Bildwelt von Filmen wie Sieben und Fight Club leiten“, etwas das mir, der quasi gleich alt ist, einleuchtet und auffällt. Ein Hauch V/H/S-Franchise-Charme und früher American Horror Story-Style dürfte auch dazugekommen sein. Jedenfalls fühl’ ich’s, in diesem Buch, das statt dem Sterben üben (Opens in a new window) das Morden üben praktiziert und dabei so gar nicht achtsam ist.

Wie überhaupt ein Buch, das wie vom Coppenrath Verlag versprochen, nachhallt. Grimm ist in der Tat (hahahaha) ein literarisches, dunkles Bilderbuch. Ein Comic Noir voll düsterer Poesie (Opens in a new window), das am Ende ganz beim Menschen, dem Homo sapiens, dem arroganten Affen, ist – wofür wir wirklich keine Erklärung brauchen.
AS
PS: Ja, es gibt ein Buch, das das „gefährlichste der Welt“ im Titel trägt. Wir würden dies ja grundsätzlich der Bibel zuschreiben, doch, nein, um dies mystische Gewaltbuch handelt es sich nicht. Außerdem gibt es noch ein Buch von Ben Canton, das meint: Dieses Buch ist gefährlich!
PPS: „Krah! Krah! Krah!“ Ein Insider, der zum Buch passt und den wir eines Tages, vielleicht, auflösen werden.
PPPS: Beim Schreiben gehört (Opens in a new window). Und dies (Opens in a new window).
PPPPS: Wir dachten uns, nachdem wir ja lange immer den Sachbuch-Sonntag zelebriert haben, könnten wir diesen ja im Wechsel mit dem Sinistren-Sonntag wieder einführen. Hmmm …
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Kai Lüftner, Wiebke Rauser: Grimm (Opens in a new window); Juni 2026; 56 Seiten, durchgehend vierfarbig illustriert; Hardcover; Format: 30,3 × 22,2 cm; ISBN: 978-3-649-65143-7; Coppenrath Verlag; empfohlen ab 16 Jahren; 18,00 €
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