Es war eine der Jubelmeldung der letzten Tage, weltweit wurde die Verleihung des Friedensnobelpreises an die aus Venezuela stammende Maria Corina Machado gefeiert. Manche nannten sie vollmundig eine „mutige Verteidigerin der Freiheit“ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), so etwa der Vorsitzende des Nobel-Komitees. In sozialen Netzwerken feierten andere die Vergabe gar als „Abfuhr an Trump“ und verklärten Machado als „Anti-Trump“.
Natürlich reagierten nicht alle so unterstützend. Für Aufsehen sorgte etwa die Reaktion der mexikanischen Präsidentin Claudia Sheinbaum. Sie wurde am Rande einer Pressekonferenz (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) um einen Kommentar zu Machado gebeten und quittierte dies mit einem kurzen Verweis auf das Selbstbestimmungsrecht und die Souveränität der Menschen – um dann um Verständnis zu bitten, dass sie es dabei belassen möchte.
Doch die allgemeine Erleichterung bis Euphorie legt sich langsam und zum Vorschein kommen Analysen, die ein differenzierteres Bild von Machado und der Verleihung an sie zeichnen. Ich möchte da etwa die Einschätzung von Greg Grandin erwähnen, dem US-amerikanischen Historiker, Pulitzer-Preis-Gewinner und Yale-Professor. Er bezeichnete im Gespräch mit DemocracyNow! (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)die Vergabe als „das Gegenteil von Frieden“.
Machado im Faktencheck
Ich habe in einer ersten Einschätzung am Tag der Bekanntgabe auf BlueSky in einem Thread schnell zusammengefasst, wieso man vorsichtig sein sollte, Machado zu etwas zu machen, das sie nachweislich nicht ist. Die kurze Analyse wurde tausendfach geteilt und hat für Diskussionen gesorgt. Nachdem Rückfragen zu Quellen kamen, hat Mimikama dazu auch einen Faktencheck (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) erstellt. Und ich durfte danach mit dem Friedensforscher Josef Mühlbauer von der Universität Graz dazu in einem Podcast (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) sprechen.
Ich freue mich über das Interesse und möchte einen speziellen Aspekt daraus hier etwas näher ausführen. Denn Maria Machado ist seit vielen Jahren eng mit dem globalen Rechtsextremismus vernetzt, also nicht nur in Südamerika, wo Jose Kast, Javier Milei und Jair Bolsonaro zu ihren Verbündeten zählen, sondern bis nach Europa. Und sie bewegt sich in Netzwerken, in denen auch die FPÖ und die AfD hochaktiv sind.
Das ist kein Zufall, sondern hat seine Gründe. Und genau auf dieses gemeinsame Fundament möchte ich nachfolgend näher eingehen. Zum Teil habe ich die transatlantische Achse des Rechtsextremismus in meinem Beitrag „Rechtsextreme Latinos: Die Südamerika-Connection von AfD, FPÖ & Co“ (s.u.) schon vorgestellt. Nun aber soll speziell die Rolle von Maria Machado näher beleuchtet werden
https://bsky.app/profile/bohrn-mena.at/post/3m2tg2kr6ek2b (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Machados Freunde und Netzwerke
Dass sich Machado seit Jahren erfolgreich mit rechtskonservativen bis rechtsextremen Gruppierungen und Führungspersonen aus Lateinamerika und den USA vernetzt, das ist gut dokumentiert. Sie gilt daher auch als wichtige Verbündete der US-Regierung in Venezuela und hat in der Vergangenheit, insbesondere appellierend an US-Präsident Donald Trump, auch eine militärische Intervention der USA in Venezuela befürwortet.
Weniger bekannt sind Machados jüngste Aktivitäten, insbesondere der letzten fünf Jahre. Anhand derer kann man die Radikalisierung ihrer Positionen erkennen, die von manchen Kommentatoren fälschlicherweise als „liberal“ eingeschätzt wurden. Einige „Meilensteine“ möchte ich hier hervorheben, die symptomatisch für die Positionierung Machados und ihre Vernetzung mit Rechtsextremen sind.
Eine Art Startpunkt stellt ihre Mitwirkung im „Forum von Madrid“ (Foro Madrid) dar, einer im Oktober 2020 von der rechtsextremen spanischen Partei VOX gegründeten Organisation. Herzstück dieses ThinkTanks ist eine Charta, in der die Schwächung linksgerichteter Regierungen als Ziel deklariert wird. Machado unterzeichnete diese, gemeinsam mit Marion Marechal aus Frankreich oder Giorgia Meloni aus Italien.
Machado per Video: Von Buenos Aires bis Madrid
Ihre Mitwirkung im „Foro Madrid“ hat insbesondere 2025 an Bedeutung gewonnen, als sie im Rahmen dessen an der Konferenz „Europa Viva“ in Madrid teilgenommen hat. Am 7. & 8. Februar 2025 wirkten dort Rechtsextreme Europas mit jenen aus Lateinamerika zusammen, unter anderem auch Vertreter der FPÖ. FPÖ-Chef Herbert Kickl höchstpersönlich steuerte eine Videobotschaft (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) bei, ebenso wie Maria Machado.
Neben dem VOX-ThinkTank ist aber auch die CPAC-Konferenz eine zentrale Bühne für Machados Vernetzung mit rechtsextremen Gruppierungen geworden. Die CPAC (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)-Konferenz, eine seit 1973 von den USA ausgehende Zusammenkunft rechtsgerichteter Akteure, wird von Organisationen wie der US-Waffenlobby NRA finanziert. Und sie expandiert seit 2017 auch außerhalb der Vereinigten Staaten.
So wurde etwa 2024 ein CPAC-Treffen in Buenos Aires (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) abgehalten. Rund 1.000 Menschen versammelten sich am 5. Dezember im Hilton Hotel, in der Lobby wurden Flugblätter radikaler Abtreibungsgegner verteilt. Neben allerlei Faschisten wurde auch Maria Machado zugeschaltet, die diese Gelegenheit nutzte, um sich im Kreise von Gleichgesinnten aus aller Welt feiern zu lassen.
Immer engere Bande
Die CPAC ist aber auch eines der wichtigsten Vehikel zur globalen Vernetzung von FPÖ und AfD. Ihre Vertreter reisen nicht nach Buenos Aires, sondern wirken primär bei den Ungarn-Ablegern der Konferenz mit, die maßgeblich von Viktor Orban in Budapest organisiert werden. Auch dort hinter den Kulissen hochaktiv und auf den Podien gut vertreten: Die VOX, der spanische Verbindungsapparat von Maria Machado.
Ebenfalls bei der jüngsten Ausgabe von CPAC Hungary (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) im Mai 2025 mit dabei waren die besten Freunde und Weggefährten Machados aus Lateinamerika: Der Nazi-Spross Jose Kast etwa, oder ultrakonservative Abtreibungsgegner und Repräsentanten von Javier Mileis Regierung, sowie Rechtsextreme aus Kolumbien, Brasilien und Paraguay.
Und es ist sodann auch kein Wunder, dass insbesondere die rechtsextreme Allianz „Patriots for Europe“, die drittgrößte Fraktion im Europäischen Parlament, der auch die FPÖ und VOX angehören, die Verleihung des Nobelpreises an Machado frenetisch feierte und stolz darauf verwies (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), dass Machado erst kürzlich bei ihrer Konferenz „den Sozialismus verurteilt“ und die „Identität von Ibero-Amerika und Europa“ bekräftigte.
Verleihung als Alarmsignal für Demokratien
Zusammenfassend gesagt werden die Bande zwischen Maria Machado und rechtsextremen Gruppierungen in Europa immer enger. Verbindende ideologische Elemente sind nicht nur ganz zentral die neoliberale Wirtschaftspolitik, etwa der Ausverkauf staatlicher Ressourcen, sondern auch reaktionäre gesellschaftspolitische Ansichten und der Kampf gegen alles, was als Links wahrgenommen wird.
Maria Machado ist, wie FPÖ & AfD, eine wichtige Verbündete von Donald Trump und damit Teil eines globalen Zeitenwandels. Die europäische Rechte, organisiert im „Madrider Forum“ und der Fraktion „Patriots for Europe“, vernetzt bei CPAC-Konferenzen und anderen Zusammenkünften, ist dabei ein wichtiger ideologischer Partner und hilft dabei die Europäische Union von innen heraus zu destabilisieren.
Dass Machado ausgerechnet mit dem Friedensnobelpreis gewürdigt wurde, wo sie doch sogar Regimewechsel mit Waffengewalt (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) befürwortet und sich mit Menschen vernetzt, die etwa Gewalt gegen Geflüchtete und Migranten in Kauf nehmen, zeigt nicht nur die fortschreitende Entwertung des Preises, sondern auch die Verschiebung des Diskurses. Die Verleihung an sie sollte von uns daher als Alarmsignal gewertet werden.
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