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Solar überholt alles

Liebe Leserinnen und Leser,

die IEA hat heute ihren Global Energy Review 2026 veröffentlicht, und die Zahlen markieren einen Wendepunkt. Solar überholt erstmals alle anderen Energieträger, Batteriespeicher schlagen Gaskraftwerke, Kohle geht global zurück. In diesem Newsletter: die Einordnung zu den sieben wichtigsten Rekorden. Cleanthinking-Supporter (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) bekommen morgen zusätzlich die Deutschland-Analyse.

Der Global Energy Review 2026 der IEA zeigt 2025 als das Jahr, in dem Solar erstmals der größte Einzeltreiber des globalen Energiehungers wurde. Batteriespeicher übertreffen erstmals Gaskraftwerke, E-Autos erreichen jede vierte Neuzulassung, und die globale Kohleverstromung sinkt erstmals seit der Pandemie.

Wenn die Internationale Energieagentur einmal im Jahr ihre Bilanz der globalen Energiewirtschaft (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) zieht, ist das meistens eine Übung in inkrementellen Verschiebungen. Ein halber Prozentpunkt hier, ein paar Terawattstunden dort, ein neuer Höchststand für irgendeine Technologie als Randnotiz. In diesem Jahr liegt der Ton anders.

„Die zunehmende Elektrifizierung der Volkswirtschaften” nennt IEA-Chef Fatih Birol den Befund des heute veröffentlichten Global Energy Review 2026 (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Er meint damit keinen Trend, der sich irgendwann auswachsen wird, sondern eine bereits stattfindende strukturelle Umwälzung.

2025 war das Jahr, in dem Solarstrom erstmals mehr als ein Viertel des gesamten globalen Energiebedarfswachstums abdeckte: mehr als Öl, mehr als Kohle, mehr als Biomasse. Erdgas, bisheriger Wachstums-König unter den fossilen Quellen, rutscht mit 17 Prozent auf Rang zwei.

Anteile der Energieträger am globalen Nachfragewachstum 2025. Quelle: IEA Global Energy Review 2026
Anteile der Energieträger am globalen Nachfragewachstum 2025. Quelle: IEA Global Energy Review 2026

Die 27 Prozent sind mehr als ein Statistikausschlag. Sie markieren den Punkt, an dem Erneuerbare nicht länger als Ergänzung fossiler Versorgung gelten, sondern den Takt der Weltwirtschaft aktiv bestimmen. Zusammen lieferten emissionsarme Quellen, also Solar, Wind, Atomkraft, Wasserkraft und weitere Erneuerbare, fast 60 Prozent des globalen Nachfragewachstums.

Der Report prägt dafür erstmals konsequent den Begriff „Age of Electricity". Die Zahlen geben ihm recht: Der Strombedarf wuchs mit drei Prozent mehr als doppelt so schnell wie der Gesamtenergiebedarf.

Sechshundert Terawattstunden

Besonders eindrücklich ist der Zubau in der Stromerzeugung. Die 600 zusätzlichen Terawattstunden Solarstrom, die 2025 weltweit ans Netz gingen, sind der größte jemals gemessene Jahreszubau einer einzelnen Stromtechnologie.

Nicht der größte für Solar, nicht der größte für eine erneuerbare Quelle, sondern der größte, den die IEA je für irgendeine Stromtechnologie registriert hat. Allein dieser Zubau deckte rund 70 Prozent des globalen Stromwachstums.

Solar- und Wind-Kapazitätszubau 2025 in ausgewählten Märkten. Quelle: IEA Global Energy Review 2026
Solar- und Wind-Kapazitätszubau 2025 in ausgewählten Märkten. Quelle: IEA Global Energy Review 2026

China bleibt der Motor. Fast 500 Gigawatt neue Erneuerbaren-Kapazität ging dort 2025 ans Netz, davon 370 Gigawatt Solar. Aber die Welle ist kein chinesisches Phänomen mehr.

Die Europäische Union schaffte 85 Gigawatt Zubau, einen neuen Rekord. Indien steigerte seinen Renewables-Zubau um 60 Prozent, Saudi-Arabien vervierfachte seine Solar-Installationen auf 7 Gigawatt. Pakistan installierte 10 Gigawatt, fast vollständig im verteilten Eigenausbau.

Insgesamt haben 30 Länder 2025 mehr als ein Gigawatt Solar zugebaut, fast doppelt so viele wie 2020. Das zeigt, wie breit die Technologie inzwischen global verankert ist.

Die Electrotech-Partner

Dass Solar in diesem Tempo Strommärkte durchdringen kann, liegt am Partner, der sich parallel entfaltet. Batteriespeicher waren 2025 die am schnellsten wachsende Kraftwerkstechnologie der Welt.

108 Gigawatt neue Speicherkapazität gingen ans Netz, 40 Prozent mehr als im Vorjahr. Zum ersten Mal in der Geschichte der Elektrizitätswirtschaft hat der Jahreszubau einer Speichertechnologie den jemals höchsten Jahreszubau von Erdgaskraftwerken übertroffen.

Globaler jährlicher Zubau an Batteriespeicher-Kapazität. Quelle: IEA Global Energy Review 2026
Globaler jährlicher Zubau an Batteriespeicher-Kapazität. Quelle: IEA Global Energy Review 2026

Elffach mehr als 2021. Das ist keine Beschleunigung, das ist eine Phasenverschiebung. Lithium-Eisenphosphat-Zellen machen inzwischen 90 Prozent der neuen Speicher aus, weil sie günstiger sind und häufiger geladen werden können.

Rund 80 Prozent der Kapazität geht in Netzspeicher, der Rest in Eigenheime, Gewerbe und Industrie. Die Speicherdauern verlängern sich allmählich von zwei auf vier Stunden, was den Nutzen in Systemen mit hohem Solaranteil erheblich erhöht.

Die zweite Elektrifizierungswelle rollt im Straßenverkehr. 21 Millionen Elektroautos wurden 2025 verkauft, jede vierte Neuzulassung weltweit. In China überschritt der Anteil der E-Autos bei Neuverkäufen erstmals die 50-Prozent-Marke.

Und anders als in den Vorjahren ist Europa zurück. Mit 30 Prozent Plus ist der Kontinent der am schnellsten wachsende Großmarkt, vor China. Deutschland, Spanien und Italien treiben die Wende, in Polen stiegen die E-Auto-Verkäufe sogar um 140 Prozent.

Globaler E-Auto-Absatz 2021 bis 2025, in Millionen verkaufter Fahrzeuge pro Region. Quelle: IEA Global Energy Review 2026
Globaler E-Auto-Absatz 2021 bis 2025, in Millionen verkaufter Fahrzeuge pro Region. Quelle: IEA Global Energy Review 2026

In den USA dagegen fielen die Verkäufe um zwei Prozent, nachdem die Trump-Regierung im September die Bundessteuergutschriften für Elektroautos und die Mindestgrenzen für Flottenverbräuche abgeschafft hatte. Außerhalb Chinas wachsen die Schwellenländer-Märkte rasant: 80 Prozent Plus im Durchschnitt, Mexiko verdreifachte seine Verkäufe, Indonesien legte um 125 Prozent zu, Indien um 75 Prozent.

Drei Gigatonnen weniger

Die logische Folge all dieser gleichzeitigen Entfaltungen: Die globale Kohleverstromung ist 2025 erstmals seit 2019 zurückgegangen, um 0,4 Prozent. Was bescheiden klingt, ist historisch.

Zum ersten Mal seit fünf Jahrzehnten sind Chinas und Indiens Kohleverstromung gleichzeitig gesunken, in China um 1,5 Prozent, in Indien um drei Prozent. In der Europäischen Union fiel der Kohleanteil erstmals unter zehn Prozent der gesamten Stromerzeugung.

Solar und Wind erreichten zusammen 30 Prozent der EU-Stromproduktion und überholten damit alle fossilen Quellen zusammen. Nur die USA gingen rückwärts: Weil Erdgas dort teurer wurde, sprang die Kohleverstromung um 10 Prozent nach oben.

Die Folge zeigt sich in der CO₂-Bilanz der Industrieländer, die 2025 erstmals seit den 1990er Jahren wieder stärker wuchs (plus 0,5 Prozent) als die der Schwellen- und Entwicklungsländer (plus 0,3 Prozent). Chinas Emissionen sanken um 0,5 Prozent, Indiens waren flach. Global stiegen die energiebedingten CO₂-Emissionen nur noch um 0,4 Prozent auf 38,1 Gigatonnen, die niedrigste Wachstumsrate seit 2021.

Was die Electrotech-Revolution bereits jetzt leistet, rechnet das letzte Kapitel des Reports präzise aus. Der Zubau von Solar, Wind, Atomkraft, Elektroautos und Wärmepumpen seit 2019 hat 2025 eine jährliche fossile Energienachfrage von 35 Exajoule verdrängt.

Das entspricht sieben Prozent der globalen fossilen Energienutzung oder anders ausgedrückt dem gesamten Energieverbrauch Lateinamerikas.

Globale energiebedingte CO₂-Emissionen 2019 bis 2025, hypothetischer Pfad versus tatsächlicher Verlauf. Quelle: IEA Global Energy Review 2026
Globale energiebedingte CO₂-Emissionen 2019 bis 2025, hypothetischer Pfad versus tatsächlicher Verlauf. Quelle: IEA Global Energy Review 2026

Die verdrängte Kohle allein übersteigt Indiens gesamten Jahresverbrauch. Das verdrängte Erdgas entspricht der Hälfte des weltweiten LNG-Marktes. 3 Milliarden Tonnen CO₂ werden jährlich vermieden, rund 8 Prozent der globalen energiebedingten Emissionen.

Ohne diesen Zubau läge die Welt 2025 bei rund 41 Gigatonnen CO₂ statt 38. Drei Gigatonnen, die nicht in die Atmosphäre gehen, weil Module produziert, Rotoren errichtet, Batterien verschaltet wurden.

In der heutigen, sich rasch verändernden Landschaft werden die Länder, die auf Resilienz und Diversifizierung setzen, am besten aufgestellt sein, um Volatilität zu bewältigen und in den kommenden Jahren eine sichere und bezahlbare Energieversorgung zu liefern”, sagt Birol. Das ist die politische Botschaft des Reports in Diplomatensprache.

Die physikalische Botschaft ist direkter: Solar, Wind und Batterien sind keine Nischentechnologien mehr, die gefördert werden müssten, damit sie irgendwann funktionieren. Sie funktionieren. Sie sind 2025 zur Infrastruktur der neuen Weltwirtschaft geworden.

Beste Grüße,

Martin Jendrischik

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