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Erinnerungs-Spielbrett

Ein Erinnerungs-Spielbrett ist ein selbst gestaltetes Spiel, das gezielt biografische Erinnerungen älterer Menschen anregt. In der Seniorenbetreuung kann ein solches Spiel dazu beitragen, das Langzeitgedächtnis zu aktivieren, Gespräche über Vergangenes zu fördern und das Selbstwertgefühl zu stärken. Im Mittelpunkt steht dabei die individuelle Gestaltung: Das Spielbrett enthält persönliche Bilder, Stichworte oder Alltagsgegenstände aus dem Leben der Seniorinnen und Senioren, etwa aus deren Jugend, Beruf oder Hobbys. So wird Erinnerungspflege auf spielerische Weise betrieben – ein wertvoller Ansatz insbesondere bei Menschen mit Demenz, um ihnen positive Impulse und emotionalen Halt zu geben. Das Erinnerungs-Spielbrett kann sowohl in der Einzelbetreuung als auch in Gruppenrunden eingesetzt werden.

Ziel dieses Beitrags ist es, Betreuungskräften einen ausführlichen Leitfaden zu geben: Beginnend mit der pädagogisch-psychologischen Zielsetzung, über mögliche Vor- und Nachteile, bis hin zur konkreten Anleitung und praktischen Umsetzung. Dabei wird erläutert, wie eigene Spiele konstruiert werden können, welche Themen sich eignen und wie verschiedene Varianten auf unterschiedliche Zielgruppen angepasst werden (etwa Senioren mit beginnender Demenz oder geistig noch fitte ältere Menschen). Wichtige Aspekte wie motivierende Atmosphäre, Erfolgserlebnisse und individuelle Anpassung werden aufgegriffen, um den größtmöglichen Nutzen zu erzielen.

Zielsetzung und Nutzen des Erinnerungs-Spielbretts

Das Erinnerungs-Spielbrett verfolgt mehrere Ziele: Zum einen dient es dem Gedächtnistraining und der kognitiven Aktivierung. Regelmäßige Spieleinheiten können helfen, den natürlichen Abbau geistiger Leistungsfähigkeit im Alter zu verlangsamen: „Mit regelmäßigem Gedächtnistraining bei Demenz lässt sich der Abbau der kognitiven Leistung hinauszögern und vorhandene Kompetenzen stärken“. Gleichzeitig spricht das Spiel mit seinen persönlichen Inhalten vor allem das Langzeitgedächtnis an, das bei älteren Menschen und auch bei Demenz oft länger erhalten bleibt.

Zum anderen fördert das Erinnerungs-Spielbrett die soziale Interaktion und Kommunikation. Wenn etwa beim Spielen über die Heimat, den Beruf oder alte Fotos gesprochen wird, entstehen wertvolle Gespräche über die Vergangenheit. Diese Gespräche bauen Isolation ab, verringern Ängste und Einsamkeit und bieten Gelegenheit, Stolz und Lebensweisheit zu teilen. Die betreuenden Personen können damit eine Vertrautheit und emotionale Unterstützung schaffen: Erinnerungen an Positives stärken das Vertrauen und heben die Stimmung. Indem wir gemeinsam Erlebtes entdecken, erleben die Seniorinnen und Senioren Erfolgserlebnisse – ein wichtiger Effekt, denn kleine Erfolge beim Gedächtnistraining tragen nachweislich dazu bei, das Selbstwertgefühl zu festigen.

Darüber hinaus hat die Gestaltung eines eigenen Spiels den Vorteil, dass es ganz individuell auf die Person oder Gruppe zugeschnitten werden kann. Die Spielinhalte lassen sich exakt den Interessen, kulturellen Hintergründen und Lebensgeschichten anpassen. So kann ein Spielbrett zum Beispiel die Lieblingsfeste, Hobbys oder den (früheren) Wohnort thematisieren. Diese Passung der Inhalte erhöht die Motivation und vermeidet Über- oder Unterforderung: Betreuerinnen und Betreuer können durch Änderung der Schwierigkeitsstufe sicherstellen, dass die Aufgaben weder langweilen noch frustrieren.

Zusammengefasst trägt das Erinnerungs-Spielbrett dazu bei, Kognition, Emotionalität und Sozialkompetenz simultan zu fördern. Es unterstützt eine ganzheitliche Aktivierung, indem Sinne (Sehen von Fotos, Tasten von Gegenständen), Geist (Erinnern, Erzählen) und zum Teil Körper (bewegen von Spielfiguren) angesprochen werden. Damit entspricht es den Erkenntnissen der aktivierenden Betreuung: Sinnesreize und Anknüpfung an Persönliches erzeugen positive „Lichtblicke“ im Alltag von Menschen mit Demenz und bewahren ein Gefühl von Identität und Selbstwirksamkeit.

Vor- & Nachteile eines Erinnerungs-Spielbretts

Vorteile: Ein maßgeschneidertes Erinnerungs-Spielbrett bietet gegenüber fertigen Spielen mehrere Vorteile. Es kann genau die Biografie und Interessen der Zielgruppe wider. Die Einbindung persönlicher Fotos, Erzählstücke oder vertrauter Symbole macht das Spiel besonders ansprechend und sinnvoll für die Mitwirkenden. Die dadurch entstehenden Erfolgserlebnisse stärken das Selbstwertgefühl und motivieren zur Teilnahme. Zudem ermöglicht das eigene Spielbrett eine flexible Anpassung: Schwierigkeitsgrad, Spielregeln und Dauer können nach Bedarf verändert werden, sodass nie zu starke Überforderung auftritt. Kreatives Basteln fördert außerdem die eigene Kreativität der Betreuungskraft und kann als Teambuilding dienen (z. B. Mitarbeitende entwickeln gemeinsam ein Spiel für eine Wohngruppe).

Weitere Vorteile sind Praktikabilität und Kosteneffizienz: Oft genügen einfache Materialien wie Karton, Pappe, Fotos und Filzstifte, die bereits in Einrichtungen vorhanden sind. Selbst einfachste Spiele lassen sich durch Laminierung oder Stabilisierung wiederverwendbar gestalten. In vielen Fällen können diverse Spielelemente (Würfel, Spielfiguren) aus anderen Spielen „ausgeliehen“ werden. Insgesamt ist das Erinnerungs-Spielbrett also ein low-tech, aber hochwirksames Angebot, das ohne großen finanziellen Aufwand auf die Bedürfnisse der Senioren abgestimmt werden kann.

Nachteile und Grenzen: Trotz dieser Vorteile gibt es auch Herausforderungen. Die Erstellung eines eigenen Spielebretts kann zeitaufwendig sein – von der Materialbeschaffung über das Basteln bis hin zum Ausprobieren erfordert es einen gewissen Vorbereitungsaufwand. Betreuungskräfte sollten deshalb die Aufwand-Nutzen-Relation im Blick behalten. Außerdem besteht das Risiko, dass nicht alle Personen Spiele mögen oder dabei mitmachen wollen. Laut Deutscher Alzheimer Gesellschaft werden “reine Beschäftigungsangebote und Spiele manchmal nicht angenommen”; manche Seniorinnen und Senioren ziehen einfache Tätigkeiten im Haushalt oder Garten vor. Wichtig ist also, das Spiel nicht zu erzwingen und immer abzuschätzen, ob der Einzelne gerade offen dafür ist.

Ein weiterer Nachteil kann sein, dass gewisse Erinnerungen unangenehme Gefühle wecken. Wenn zum Beispiel schmerzliche Lebensereignisse thematisiert werden (Verlust eines Partners, Kriegserlebnisse o. Ä.), kann das zu Traurigkeit oder Frustration führen. Die Betreuungskraft muss daher sensibel steuern und notfalls Gespräche behutsam lenken. Außerdem ist zu bedenken, dass Menschen mit sehr fortgeschrittener Demenz oft schnell abgelenkt oder überfordert sind: Komplexe Spielregeln, viele Details oder langwierige Spiele können dann Frust erzeugen. In solchen Fällen ist das Erinnerungs-Spielbrett eher als kurzer Einstieg oder Lockerung geeignet, nicht als stundenlange Aktivität. Schließlich ist der Erfolg des Spiels stark abhängig von der Qualität der Moderation: Fehlt Geduld und Einfühlungsvermögen, bleibt der Lerneffekt aus.

Materialien und Aufbau des Erinnerungs-Spielbretts

Materialien auswählen

Für ein gelungenes Erinnerungs-Spielbrett wird folgendes Material benötigt:

Grundplatte: Ein stabiles Brett, eine große Pappe oder ein ausgedientes Regalbrett. Alte Holzbretter oder Sperrholz eignen sich gut und können farbig bemalt werden.

Bilder und Fotos: Ausdrucke von Familienfotos, Postkarten, Zeitungsausschnitten, alten Werbeanzeigen oder eigenen Zeichnungen. Pro Biografie-Thema (z. B. Jugend, Beruf) je 3–6 Bilder in größerem Format (mindestens DIN-A5) wählen.

Gegenstände: Kleine Alltagsgegenstände (Schlüssel, Münzen, Spielzeug, Schmuck) können das visuelle Spiel ergänzen und zum Tasten anregen. Diese sollten sicher befestigt oder austauschbar sein.

Dekorationsmaterial: Bunte Marker, Filzstifte, Acrylfarben (für Zahlen oder Linien), Klebstoff, Schere, Tonkarton. Namen und kurze Hinweise können direkt auf das Brett geschrieben oder auf Papierschilder geklebt werden.

Schutzfolie/Laminierung: Um das Spielbrett haltbar zu machen, können Teile laminiert oder mit durchsichtigem Klebeband überzogen werden. Das erleichtert die Reinigung im Pflegeheim.

Spielmaterial: Standardwürfel (ggf. groß und gut lesbar) und Spielfiguren. Würfel lassen sich bei Bedarf auch aus Karton selbst basteln. Alternativ kann ein digitaler Würfel (App) genutzt werden.

Wichtig ist eine übersichtliche Gestaltung: Die Bilder und Texte sollten groß und kontrastreich sein. Die Schrift sollte gut lesbar (große Blockbuchstaben) und gegebenenfalls auf hellem Hintergrund gedruckt sein. Ältere Menschen mit Sehschwäche profitieren von möglichst großen Symbole und klarer Struktur. Die einzelnen Spielfelder können mit auffälligen Farben umrandet oder nummeriert werden. Insgesamt gilt: Weniger ist mehr – lieber wenige, dafür große und markante Felder gestalten, um visuelle Überforderung zu vermeiden.

Themen- und Biografieauswahl

Bei der Themenwahl richtet man sich nach den Erfahrungswelten der Teilnehmenden. Typische Themen auf dem Erinnerungs-Spielbrett können sein:

  • Jugend und Kindheit: Bilder der Heimatstadt, Schule, frühere Berufe, Lieblingsspielzeug.

  • Familie: Foto der Eltern/Elternhaus, Hochzeitsbild, Lieblingsessen nach einem Familienrezept.

  • Freizeit und Hobbys: Gartenarbeit, Handarbeit, Vereinsleben, Reisen (z. B. Ferienfotos), Musik.

  • Beruf und Lebensweg: Fotos von früheren Arbeitsplätzen, Werkzeuge, Uniformen oder Dienstkleidung, die den Beruf symbolisieren.

  • Feste und Jahreszeiten: typische Familienfeiern, Hochzeiten, religiöse Feiertage, traditionelle Kleidung.

  • Mobilität früher: altes Fahrrad, Auto, Busfahrkarte, Geldstück.
    Auch Alltagsszenen („Tante Emma“ Laden, Marktplatz, Telefon) können Erinnerungen hervorrufen. Es kann sinnvoll sein, Interview-Bögen mit den Seniorinnen und Senioren oder ihren Angehörigen auszufüllen (Biografiearbeit), um herauszufinden, welche Sujets großen Erinnerungswert haben. Dadurch entsteht ein personalisierter Spielinhalt. Bei Gruppenangeboten lassen sich schließlich mehrere Bewohner einbeziehen: Jedes Spielbrett kann ein Thema übernehmen, oder es gibt mehrere Tafeln für verschiedene Lebensbereiche.

Spielbrett gestalten

Ein mögliches Grundlayout ist ein einfache Spielbahn: Eine gegliederte Spielfläche mit Start- und Zielfeld. Die Felder der Bahn zeigen je ein Bild oder einen kurzen Textreiz. Beispiel: Beim „Erinnerungs-Leiterspiel“ könnte das Bild eines alten Fahrrads stehen und die Aufgabe lauten: „Erzählen Sie, ob Sie früher Fahrrad gefahren sind“. Alternativ kann man ein Plakat nach dem Lebensbaum-Prinzip aufziehen: Beginnend in der Mitte (Kindheit) wachsen Äste in verschiedene Jahrzehnte. Wenn die Mitspieler (Seniorinnen und Senioren) eine Spielfigur in ein Jahrzehnt ziehen, dürfen sie etwas aus diesem Lebensabschnitt berichten. Wichtig ist, dass die Regeln einfach und klar sind: Lange Regeln verwirren meist, daher empfiehlt sich zum Beispiel: „Wir würfeln reihum. Wer an einem Bild-Feld stehen bleibt, erzählt von dem, was er dazu weiß oder erinnert.“

Das Spielbrett kann auch aus einzelnen Bildkarten bestehen: Zum Beispiel legt man fotografische Lebenssituationen verdeckt aus wie beim Memory, und jede aufgedeckte Karte soll eine Erinnerung wecken. Oder man nutzt mehrere Tafeln („Foto-Boxen“) zu verschiedenen Themen, auf die gemeinsam geblickt und erzählt wird. Bei körperlich stark eingeschränkten Personen kann ein mobiler Raumteiler oder Whiteboard mit festgemachten Erinnerungsstücken dienen, falls ein richtiges Spielbrett nicht praktikabel ist.

Generell gilt: Die Felder müssen nicht nummeriert sein (es geht nicht um Zählen), sondern sollten vor allem Anregungen bieten. Symbole statt Worte funktionieren oft besser. Legt man beispielsweise altes Geschirr oder einen Teebeutel auf ein Feld, könnte die Frage lauten: „Woran erinnert Sie dieser Gegenstand aus früher?“ So kann auch die Haptik eingebunden werden.

Spielregeln und Durchführung

Für den Spielablauf sollte die Betreuungskraft flexibel sein. Im Rahmen des Erinnerungs-Spielbretts kann etwa so verfahren werden:

Die Teilnehmenden sitzen um den Spieltisch oder im Stuhlkreis, das Spielbrett liegt gut sichtbar in der Mitte. Der Gruppenumfang kann variieren: Das Spiel eignet sich sowohl für Einzelbetreuung als auch für Kleingruppen von 3–6 Personen. In großen Gruppen kann es hilfreich sein, in Teams zu spielen oder mehrere identische Spielbretter aufzubauen.

Beginnen Sie mit einer kurzen Einführung, um das Thema des Spiels zu erklären. Beispiel: „Heute wollen wir zusammen über schöne Erinnerungen aus unserem Leben sprechen. Jedes Mal, wenn Ihr mit Eurer Spielfigur auf einem Bild landet, dürft Ihr über dieses Bild erzählen.“ Es kann motivierend sein, selbst ein Beispiel zu geben oder eine Geschichte vorzulesen.

Würfeln und Ziehen: Die klassische Variante ist, reihum mit dem Würfel zu werfen und die Spielfigur entsprechend viele Felder weiterzusetzen. Wer auf einem Bildfeld landet, liest (oder hört) die Aufgabe und beantwortet sie so gut er kann. Wenn Lesen schwerfällt, kann die Betreuungskraft die Frage vorlesen. Bei Demenzkranken ist es oft hilfreich, auf dem Feld selbststehende einfache Fragen statt mehrzeilige Texte zu nutzen (z. B. „Mein Lieblingsspielzeug als Kind?“).

Aufgaben und Impulse: An jedem Feld können verschiedene Aufgaben stehen: Die häufigsten sind erzählen („Erzählen Sie von Ihrer Kindheit auf dem Land“), beschreiben („Was erkennen Sie auf diesem Foto?“), oder gegenseitig raten („Wer kann zu diesem Foto eine Geschichte erfinden?“). Wer sich unsicher fühlt, kann unterstützend durch Begleitpersonen oder Mitspieler ermutigt werden. Das Ziel ist nicht, korrekte Antworten zu erzwingen, sondern Erinnerungen frei fließen zu lassen.

Regeln vereinfachen: Bei Demenz oder stark eingeschränktem Kurzzeitgedächtnis sollten Würfel und Zahlen vielleicht weggelassen werden. Eine alternative Regel: Jeder spielt nacheinander und zieht einfach weiter, oder die Felder werden der Reihe nach angesprochen. Wichtig ist, dass das Spiel nicht zu kompliziert wird.

Dauer anpassen: Die Sitzungsdauer sollte zur Konzentrationsspanne der Gruppe passen. Bei Demenz empfiehlt sich oft eine kurze Sitzung (15–30 Minuten). Bei wacheren Senioren kann sie auch länger sein. Gegebenenfalls kann das Spiel in zwei Abschnitte geteilt oder als fortlaufendes Angebot jeden Tag ein paar Aufgaben bearbeiten. Kurze, spaßige Aktivitäten hintereinander steigern eher die Motivation.

Variation einbringen: Um die Aufmerksamkeit hoch zu halten, kann man unterschiedlichste Elemente abwechseln. Zum Beispiel: Spielfeldrunde (Würfeln und erzählen) gefolgt von Quizrunde (kleine Fragen mit Ja/Nein-Antworten zur eigenen Lebensgeschichte) oder Spielfeld mit Lied (wo ein kurzes bekanntes Lied gesungen wird, das zur Person passt). Kreative Zusatzideen fördern die Aktivierung: Man kann etwa zu einem Feld eine Duftprobe (Kaffee, Brot) anbieten oder altersgerechte Musik starten, die zur Erinnerung passt.

Dokumentation: Optional können spannende Erinnerungen aufgeschrieben oder fotografiert werden (mit Einverständnis). So entsteht eine Art gemeinsames „Erinnerungs-Album“. Diese Bilder oder Notizen können später als neues Material ins Spiel einfließen oder anderen Mitarbeitenden zeigen, welche Themen die Teilnehmer bewegen.

Anpassung an unterschiedliche Zielgruppen

Das Erinnerungs-Spielbrett lässt sich für verschiedene Zielgruppen und Settings flexibel gestalten:

Kognitiv fitte Senioren: Sie können komplexere Aufgaben meistern. Hier können mehr Textinformationen und anspruchsvollere Fragen eingesetzt werden (z. B. historische Quizfragen oder Rechenaufgaben mit biografischem Bezug). Das Spiel kann größere Gruppen bedienen oder als Wettbewerb (zwei Mannschaften) organisiert werden, um Motivation zu steigern.

Demenzkranke mit leichten kognitiven Einschränkungen: Nutzen Sie einfache, visuelle Hinweise (Fotos, Symbole) und kurze, offene Fragen. Vereinfachen Sie die Spielregeln stark – etwa nur ein Würfelwurf pro Runde und Vorlesen der Aufgaben. Erlauben Sie viel Zeit für Antworten und mehrmalige Erinnerungsstimulation. Achten Sie darauf, keinen Druck aufzubauen: Statt nach der „richtigen“ Erinnerung zu fragen, können auch kreative Fantasiegeschichten basierend auf den Bildern erzählt werden.

Demenzkranke im mittleren bis späten Stadium: Hier kann das Erinnerungs-Spielbrett nur noch als leichter Hinweis dienen. Man wählt wenige, sehr vertraute Motive (etwa Haustiere, Lieblingsblumen, volkstümliche Musik). Oft eignet sich stattdessen ein einfaches Fotobuch oder eine realen Gegenstandssammlung. Manchmal funktioniert es besser, wenn eine Betreuungskraft die Karten zeigt und dazu vorsingt oder duftende Kräuter bereithält, anstatt auf aktives Erzählen zu warten. Das Spielbrett kann so zu einer Art visuellem Reizsammler werden.

Besonders sprachbehinderte oder liegende Personen: Arbeiten Sie hier viel mit Sensorik und nonverbalen Methoden. Ältere, handfeste Gegenstände wie Stofffetzen, Holzspielzeuge oder Metallschmuck können ertastet werden. Jedes Objekt löst dann ein Thema aus („Die Perlenkette hat Sie sehr geschmückt. Fühlen Sie die Perlen, welche Farbe erinnern Sie?“).

Gruppen versus Einzel: In Gruppen ist es wichtig, dass alle Teilnehmenden Einbindungsmöglichkeiten haben. Bei mehr als fünf Personen kann es hilfreich sein, Teams zu bilden oder pro Bild nacheinander kurz erzählen zu lassen, damit niemand zu lange schweigt. In Einzelsituationen kann das Spielbrett sehr ausführlich eingesetzt werden: Dann kann die Betreuungskraft intensiver nachfragen und auf Reaktionen eingehen.

Kulturelle und sprachliche Diversität: Wählen Sie Symbole und Bilder, die den kulturellen Hintergrund der Personen respektieren und ansprechen. Die Aufgaben können in verschiedenen Dialekten oder Fremdsprachen angepasst werden. Beispielsweise könnten Migranten Fragen zu ihrem Herkunftsland erhalten. So fühlt sich jeder eingebunden.

Durch diese Anpassungen kann das Erinnerungs-Spielbrett in ganz unterschiedlichen Zielgruppen zum Einsatz kommen. Wichtig ist stets, dass die Schwierigkeitsstufe dem Teilnehmerniveau entspricht. Ziel ist niemals, Fehler zu korrigieren, sondern die verbleibenden Fähigkeiten anzusprechen und Erfolgserlebnisse zu ermöglichen.

Varianten des Erinnerungs-Spiels

Neben dem klassischen Würfel-Brettspiel gibt es viele Variationsmöglichkeiten:

Memo-Variante mit Biografie-Fotos: Paare aus Fotos und Stichwortkarten werden gemeinsam aufgedeckt. Wer ein passendes Paar findet (z. B. Kindheitsfoto und Kinderspielzeug), erzählt dazu. Die Gemeinsamkeit im Bildpaar dient als Gesprächseinstieg.

Puzzle-Variante: Ein Fotopuzzle (z. B. mit einem Gruppenfoto oder einem Bild aus der Jugend) wird gemeinsam zusammengesetzt. Beim Finden jedes Puzzleteils kann über den abgebildeten Ausschnitt gesprochen werden.

Bingo oder Leiter-Spiel: Auf einem Bingo-Zettel stehen Biografie-Themen (Heimatort, Lieblingskinderspiel, Beruf). Wenn jemand über ein Thema etwas sagen kann, darf er ein Feld markieren. Wer eine Reihe voll hat, „bingo“. Beim Legeklassiker „Leiter“ sind auf jeder Sprosse Fragen oder Aufgaben zu sehen.

Quizduell: Auch ein einfaches Quizspiel mit biografischen Fragen kann integriert werden (z. B. mithilfe eines Tablets oder Fragekarten). Dabei gibt es zwei Teams oder Einzelspieler, und wer zuerst die Erinnerung benennt, erhält einen Punkt.

Erinnerungskreis mit Ball: Ein Stoffball oder Handschmeichler wird geworfen. Wer ihn fängt, antwortet auf eine Erinnerungsfrage. Dies kann zwischendurch als Lockerung zum Spielbrett genutzt werden.

Digitales Spielbrett: Wenn Tablets verfügbar sind, kann man Bilder auf einem Touchscreen sortieren lassen oder eine PowerPoint mit Klickrädern bedienen. Das Prinzip bleibt: Das Programm zeigt abwechselnd Bilder oder Fragen, die Gruppe reagiert.

Je nach Möglichkeit können diese Varianten kombiniert oder nacheinander gespielt werden. Ziel ist Vielfalt, damit die Klientinnen und Klienten immer neue Impulse erhalten.

Umsetzung in der Praxis

Für die erfolgreiche Durchführung sollte das Erinnerungs-Spielbrett gut in den Pflege- oder Betreuungsalltag eingebettet werden:

Raum und Atmosphäre: Wählen Sie einen ruhigen, gut beleuchteten Raum mit angenehmer Stimmung. Sorgen Sie für bequeme Sitzgelegenheiten und einen Tisch in passender Höhe. Bei Bedarf kann dezent leise Musik im Hintergrund laufen (beispielsweise volkstümliche Lieder aus der Jugendzeit).

Ankündigung und Motivation: Bewerben Sie die Aktivität wie ein „Event“. Ein Schild am Türrahmen („Erinnerungsspiele heute um 10 Uhr – alle willkommen!“) weckt Neugier. Durch einleitungsszene können Sie Vorfreude machen, etwa eine alte Melodie im Gang spielen oder ein Erinnerungsstück zeigen. Manchen hilft es, wenn Bekannte oder Angehörige das Spiel ebenfalls ausprobieren und darüber berichten.

Integration in den Alltag: In stationären Einrichtungen kann das Erinnerungs-Spielbrett Teil des Wochenplans sein (z. B. als fester Aktivierungstermin). Die gewonnenen Erkenntnisse aus dem Spiel fließen idealerweise in die Biografiearbeit ein: Notieren Sie sich beispielsweise neue Details zu den Lebensläufen, die bei der Pflegeplanung nützlich sind. So lohnt sich der Einsatz doppelt.

Teamarbeit: Schulung und Abstimmung sind wichtig. Idealerweise arbeiten Pflegekräfte und soziale Betreuung zusammen, wenn das Spiel konzipiert wird. Je mehr Betreuungskräfte die Spielregeln und -materialien kennen, desto flexibler kann man damit umgehen (z. B. kurzfristiges Umschalten auf Einzelbetreuung). Teilen Sie außerdem das Spielbrett mit Kolleg*innen – es kann ja in verschiedenen Gruppen weiter genutzt werden.

Begleitung während des Spiels: Die Rolle der Betreuungskraft ist eher Moderator: Ermuntern Sie alle, einzusteigen, loben Sie erzählte Beiträge und geben Sie ergänzende Hinweise, wenn nötig. Geduld und Empathie sind gefragt. Stört sich jemand an einer Frage, kann man schnell zum nächsten Bild wechseln. Beobachten Sie nonverbal: Ein Lächeln oder Nicken kann zeigen, dass alle mitkommen. Bei Bedarf passen Sie die Geschwindigkeit an – häufiger Nachfragen ist erlaubt.

Dokumentation: Am Ende können die wichtigsten Erinnerungen in einem Erfahrungspaket oder in der Pflegedokumentation festgehalten werden. Angehörige erfahren so, womit sich ihr Familienmitglied aktuell beschäftigt, und das gesamte Team baut Wissen über den Menschen auf.

Reflexion: Manche Einrichtungen vereinbaren nach dem Spiel eine kurze Feedbackrunde – „Wie hat es euch gefallen?“ Die Teilnehmenden bestätigen oft gerne, dass sie sich „mal nützlich“ gefühlt haben. Aus ihrer Rückmeldung lernt man für zukünftige Spiele dazu.

Beispiel: Stationäre Einrichtung

In einer Pflegeeinrichtung könnte das Erinnerungs-Spielbrett folgendermaßen eingesetzt werden: Die Sozialbetreuung plant wöchentlich eine Aktivitätsstunde „Erinnerungsrunde“. Sie stellt ein thematisches Spielbrett (z. B. „Heimat und Feste“) in der Sitzecke auf. Sechs Bewohnerinnen und Bewohner einer Gruppe nehmen mit dem Betreuer oder der Betreuerin Platz. Gemeinsam wird reihum gewürfelt. Landet jemand auf einem Feld, erzählt er etwas dazu – etwa „Das Bild zeigt einen Kirchweihumzug, das hatten wir früher jährlich in meinem Ort. Wie war das bei Ihnen?“. Notfalls erinnert ein Mitspieler an seine Geschichte. Oft kommen dann weitere Erzählungen oder Lieder. Die Betreuenden lenken einfühlsam und lassen genügend Raum für Reaktionen. Diese Aktivität löst bei den Bewohnern sehr positive Stimmung aus: Sie lachen, erinnern sich, tauschen sich untereinander aus. Die Betreuenden vermerken anschließend Erzähltes in den biografischen Unterlagen, da sie dort noch Neues über Lebensstationen erfahren haben.

Fazit

Ein selbst gestaltetes Erinnerungs-Spielbrett ist ein wirkungsvolles Instrument in der Seniorenbetreuung: Es verknüpft kreatives Gestalten mit aktivierender Unterhaltung. Durch die persönliche Note weckt es wertvolle Erinnerungen und Dialoge, stärkt Identität und Selbstvertrauen und bereitet Freude. Bei der praktischen Umsetzung sind Kreativität, Einfühlungsvermögen und Anpassungsfähigkeit der Betreuungskräfte gefragt. Werden Material und Ablauf sorgfältig an die Zielgruppe angepasst, so entpuppt sich das Spielbrett als Bereicherung des Betreuungsalltags – es ermöglicht den Seniorinnen und Senioren ein spielerisches Erinnern, das weit über klassischen Therapie- oder Beschäftigungscharakter hinausgeht.

Sujet Material, Spiele, Bücher

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