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Bastelangebote

Einführung. Kreative Beschäftigungen wie Basteln gehören seit jeher zum Programm in der Seniorenarbeit. Sie fördern nicht nur die Beschäftigung, sondern steigern nachweislich das Wohlbefinden älterer Menschen. So heißt es etwa: „Kreative Begegnungsrunden verbessern die Lebensqualität von Pflegebedürftigen“. Gemeinsames Basteln ermöglicht Seniorinnen und Senioren, sich einander anzunähern und gemeinsam etwas zu gestalten. Eine kreative Beschäftigung füllt nicht nur die Zeit, sondern „fördert auch die geistige und körperliche Gesundheit“. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass regelmäßige kreative Aktivitäten das Wohlbefinden steigern und sogar den altersbedingten Abbau kognitiver Fähigkeiten verlangsamen können. Trotz des Erfolgs wird Basteln insbesondere bei Menschen mit Demenz manchmal unterschätzt. Dabei haben erfahrene Betreuende sehr positive Erfahrungen damit gemacht: „In der Seniorenarbeit hat das Basteln eine lange Tradition… Ich selbst habe sehr positive Erfahrungen mit Basteln mit Senioren und auch mit Menschen mit Demenz sammeln können“. Insgesamt schafft Basteln eine sinnvolle Tätigkeit, fördert Kreativität und soziale Kontakte und trägt so zu einem abwechslungsreichen Alltag bei.

Zielsetzung von Bastelangeboten. Bastelangebote in der Seniorenbetreuung verfolgen vielfältige Ziele. Am wichtigsten ist dabei die Aktivierung und Förderung von körperlichen, geistigen und emotionalen Ressourcen:

  • Fein- und Grobmotorik fördern: Basteln hält Hände und Finger in Bewegung. Das Schneiden, Kleben oder Fädeln trainiert die Feinmotorik. Regelmäßige manuelle Tätigkeit erhält Gelenkigkeit und Muskelkraft.

  • Kognitive Stimulation: Beim Basteln müssen sich Seniorinnen und Senioren konzentrieren, planen und oft Anleitungen folgen. Dies fordert Aufmerksamkeit und Gedächtnisleistung heraus. Einfache Handarbeitsprojekte können so das Gedächtnis trainieren und Problemlösungsfähigkeiten fördern. Damit dient Basteln als spielerisches Gehirntraining.

  • Kreativität und Selbstausdruck: Basteln gibt Raum für Kreativität. Seniorinnen und Senioren können sich künstlerisch ausdrücken und eigene Ideen umsetzen. Das Erfolgserlebnis, ein selbstgefertigtes Objekt in den Händen zu halten, vermittelt ein Gefühl von Produktivität und Zufriedenheit. Jeder kann nach eigenem Geschmack gestalten, wodurch das Selbstwertgefühl steigt: Ein fertiges Bastelwerk stärkt „Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen“. Durch kreatives Arbeiten entsteht zudem oft ein Gefühl von Sinnhaftigkeit und Stolz.

  • Soziale Teilhabe: Basteln verbindet. Gemeinsame Kreativrunden fördern Kommunikation und Austausch. Ältere Menschen können sich dabei unterhalten, sich gegenseitig helfen und so Gemeinschaft erleben. Geübte Regeln wie Basteln mit Freunden oder Mitbewohnern beugen Einsamkeit vor und stärken soziale Bindungen. Gruppenprojekte schaffen ein „Gemeinschaftsgefühl“ und neue Kontakte.

  • Emotionale Entlastung: Basteln wirkt beruhigend und entspannend. Die Aufmerksamkeit richtet sich auf eine positive Tätigkeit, was Stress reduziert und Ängste mindert. Viele Senioren erleben beim kreativen Gestalten Flow-Erlebnisse, die die Stimmung heben. Gerade bei Demenzerkrankten hilft Basteln, Gefühle nonverbal auszudrücken und gelassener zu werden. So kann der Alltag entspannt und freudvoll verlaufen.

  • Biografiearbeit und Erinnerungen: Kreative Aufgaben können an Erinnerungen anknüpfen. Beim Basteln mit Naturmaterialien oder alten Foto-Schablonen kommen oft Erinnerungen aus früheren Lebensphasen hoch. Bastelangebote werden so auch zum biografieorientierten Impuls, der Gespräche über Lebensgeschichte anregt und die Identität stärkt.

  • Alltagsrelevanz: Neben reiner Kreativität kann Basteln auch praktische Ziele haben. Das Verzieren von Schachteln, Gläsern oder Kalendern schafft nützliche Alltagsgegenstände. Zudem vermitteln gelungene Produkte Selbstwirksamkeit: Senioren spüren, „noch etwas leisten zu können“.

Zusammenfassend steigern Bastelangebote Wohlbefinden und soziale Integration der Seniorinnen und Senioren. Die dabei gewonnenen Ressourcen können die Lebensqualität gerade in Pflegeeinrichtungen erheblich verbessern.

Vor- und Nachteile nach Zielgruppen

Basteln wirkt sich für verschiedene Gruppen unterschiedlich aus. Es lohnt sich, Vor- und Nachteile jeweils zu betrachten:

  • Rüstige Senioren: Ältere Menschen mit gutem körperlichem und geistigem Zustand profitieren besonders: Sie können komplexere Techniken erlernen (z. B. Nähen, Stricken, Töpfern) und erleben dadurch viele Erfolgserlebnisse. Bastelaktivitäten halten sie geistig und motorisch fit. Nachteile sind hier eher gering. Manche könnten bei zu anspruchsvollen Projekten über- oder unterfordert sein. Ein allfälliges Ziel sollte daher realistisch sein. Zudem brauchen gut erhaltene Senioren vielleicht stärkere Impulse – deshalb eignen sich abwechslungsreiche, neuartige Materialien oder Themen.

  • Demenziell erkrankte Senioren: Auch für Menschen mit Demenz ist Basteln ein wertvolles Angebot. Es spricht Sinne und Emotionen an, oft auch nonverbal. Soziale Interaktion und Sinneseindrücke fördern das Wohlbefinden. Laut Erfahrungsberichten kann Basteln bei Demenz „eine nonverbale Möglichkeit sein, um sich mit den eigenen Gefühlen auseinanderzusetzen“. Es trainiert Wahrnehmung und Feinmotorik, ohne verbale Höchstleistungen zu erfordern. Auch sie erleben Erfolgserlebnisse und Selbstbestätigung. Allerdings gibt es Herausforderungen: Kognitive Einschränkungen können zu Frust führen, wenn Arbeitsschritte vergessen werden oder Produkte nicht den Vorstellungen entsprechen. Daher sollten die Aufgaben möglichst einfach gehalten werden. Wie der Pflegeprofi empfiehlt, sollte man „keine zu komplizierten oder gefährlichen Aufgaben“ wählen und scharfe Werkzeuge vermeiden. In der Praxis gilt: Materialien mit großen Formen (z. B. dicke Filzstücke statt feiner Perlen) und klare Schritt-für-Schritt-Hilfen wählen. Geduld, eine ruhige Anleitung und ggf. das Übernehmen von Teilen der Arbeit sind nötig. Der Nachteil besteht also hauptsächlich im Betreuungsaufwand und möglichen Frustrationspotential – bei richtiger Anpassung überwiegen jedoch klar die Vorteile.

  • Gemischte Gruppen: Gruppenangebote, die sowohl fitte als auch eingeschränktere Teilnehmende umfassen, sind bereichernd, aber anspruchsvoll zu gestalten. Vorteile sind hier: Unterschiedliche Niveaus können voneinander lernen; leistungsstärkere Senioren helfen mit, weniger Geübten unterstützen sich gegenseitig, und alle profitieren von der bunten Gemeinschaft. Zugleich muss das Angebot sehr flexibel sein. Ein einziges Bastelprojekt sollte sowohl einfachere als auch komplexere Teilaufgaben ermöglichen. Der Nachteil liegt in der Herausforderung für die Leitung: Sie muss Materialien variieren und gegebenenfalls jeden Einzelnen individuell anleiten. Zudem kann es mitunter zu Spannungen kommen, wenn die Leistungsunterschiede groß sind. Gute Planung (z. B. separate Arbeitstische oder Assistenten) und Gruppenteilung können helfen. Insgesamt überwiegt bei gemischten Gruppen der soziale Nutzen, wenn das Angebot passend strukturiert ist.

Praktische Anleitung zur Umsetzung

Vorbereitung und Planung

Eine sorgfältige Vorbereitung ist entscheidend, damit das Basteln störungsfrei verläuft. Zunächst sollten Zielgruppe und Fähigkeiten eingeschätzt werden: Welche körperlichen oder kognitiven Einschränkungen bestehen? Daraus leiten sich die Materialauswahl und der Schwierigkeitsgrad ab. Für Menschen mit eingeschränkter Feinmotorik eignen sich grobe Materialien (breite Pinsel, dicke Fäden, große Perlen). Sicherheitsaspekte sind zentral: Vermeiden Sie scharfe Schneidwerkzeuge oder Feuer (Kerzen, Lötkolben) ohne Aufsicht. Wickeln Sie Kabel sauber weg, sorgen Sie für rutschfeste Unterlagen und nutzen Sie gut ausgeschnittene Filzunterlagen o. Ä. zum Schutz. Gegebenenfalls sind Hilfsmittel wie Scheren mit extra-rundem Griff, Zangen oder Lampen auszuteilen.

Ein weiterer Schritt ist die Materialorganisation. Sammeln Sie rechtzeitig alle notwendigen Utensilien (Kleber, Scheren, Pinsel, Farben, etc.) und sortieren Sie sie übersichtlich. Wie eine erfahrene Betreuungskraft anmerkt: „Eine gute Organisation aller benötigter Materialien [ist] die beste Voraussetzung für störungsfreies Gestalten“. Beispielkarten oder Mustervorlagen können vorher schon vorbereitet und ausgelegt werden. Achten Sie darauf, ausreichend Material für alle Teilnehmer*innen (zum Beispiel mehrere Exemplare gleicher Farbe) bereitzustellen, damit alle gleichzeitig arbeiten können. Legen Sie auch Hilfsmittel wie Feuchttücher, Mülleimer, Ablagen für Kleber und Pinsel griffbereit hin.

Zu Planung gehört zudem der geeignete Ort: Ein heller, gut belüfteter Raum mit ausreichend großem Tisch (oder mehreren Tischen) ist ideal. Stellen Sie Stühle bereit, die Stabilität und Armlehnen bieten. Eine angenehme Raumtemperatur sowie ausreichend Tageslicht oder gute Lampen helfen der Konzentration. Beispielsweise empfiehlt das Demenz-Portal für Aktivierungen allgemein: „Sorgen Sie für eine ruhige Umgebung ohne fremde Stimmen im Hintergrund“. Das reduziert Ablenkungen und Stress.

Auswahl geeigneter Bastelthemen

Die Themenwahl sollte sich an den Interessen der Gruppe und Jahreszeiten oder Anlässen orientieren. Saisonale Deko ist besonders effektiv, weil sie Orientierung und Biografiebezug herstellt. Bunte Frühlingsblumen, Osterdekoration oder Sommermobile motivieren (etwa mit Naturmaterialien). So schlägt ein Fachbeitrag vor, das Basteln als Anlass zum Wechsel der Jahreszeiten zu nutzen: „Nehmen Sie den Wechsel der Jahreszeiten als Anlass, um passende Dekoration zu basteln. […] Beim Basteln [wird] ein Bezug zur Außenwelt hergestellt und zugleich die biografische Erinnerung gefördert“. Beispiele hierfür sind Papierblumen im Frühling oder Fensterbilder mit Ostermotiven.

Auch Alltagsgegenstände und Hilfsmittel bieten thematische Anknüpfungspunkte: Blumenampeln für den Balkon, selbstgestaltete Kissenbezüge, Lesezeichen oder Bilderrahmen mit Foto-Collagen können praktisch nutzbar sein. Solche Projekte verbinden Kreativität mit Nutzen. Handarbeiten wie Stricken oder Häkeln sind für viele Seniorinnen und Senioren vertraut und eignen sich als Bastel-Angebot. Die Themenwahl sollte zudem kulturelle oder lokale Besonderheiten einbeziehen (z. B. regionale Feste wie Oktoberfest, Laternenumzüge, Karneval). Für Menschen mit Demenz und auch für andere Senioren sind einfache Projekte mit Naturmaterialien empfehlenswert: Fensterdekoration aus Laub, Kastanienfiguren oder Adventssterne aus Papier.

Wichtig ist, die Komplexität anzupassen: Während rüstige Senioren vielleicht eine Mandala-Vorlage anmalen oder filigrane Stickarbeiten ausführen, brauchen Demenzkranke eher grobe Basteleien (z. B. mit bunten Stempeln, großem Papier, vorgefertigten Schablonen). Ein Praxisratgeber empfiehlt, „je stärker die motorischen Einschränkungen sind, desto leichter sollte das Material zu bearbeiten sein“. So bleiben alle Teilnehmer motiviert.

Raumgestaltung und Atmosphäre

Die Atmosphäre bei Bastelrunden sollte einladend und entspannt sein. Stellen Sie dekorative Vorlagen, Stoffe oder Naturmaterialien als Anschauung auf. Bunte Farben und genügend Platz schaffen eine fröhliche Stimmung. Ein kleines Nebeneinanderstellen von Getränken, Snacks oder zuckersüßen Bonbons kann den Wohlfühlcharakter erhöhen. Helle, gut lesbare Arbeitsunterlagen (Papier oder Bastelkarton) und rutschfeste Tischdecken tragen zur Sicherheit bei. Achten Sie darauf, störende Geräusche zu minimieren: Auch wenn leise Musik die Kreativität unterstützen kann, sollte sie die Kommunikation nicht überlagern. Allgemein gilt: Ein strukturierter, ruhiger Raum fördert Konzentration. Kerzen oder Akkord-Licht sind nur in Begleitung zu verwenden, ansonsten reichen gut platzierte Lampen. Pflanzen, saisonale Deko und bequeme Sitzpolster sorgen dafür, dass sich alle wohlfühlen.

Durchführung (Einführung, Anleitung, Unterstützung, Nachbereitung)

Eine Bastelrunde beginnt meist mit einer kurzen Einführung: Stellen Sie das Thema und die Materialien vor. Erklären Sie nachvollziehbar die einzelnen Arbeitsschritte – nach Möglichkeit anhand eines Musters oder einer Vorlage. Zeigen Sie selbst einmal vor, bevor alle loslegen. Verwenden Sie eine klare, einfache Sprache und kurze Sätze, besonders bei demenziell Erkrankten. Helfen Sie mit visuellen Hilfen wie großen Bildern oder plastischen Beispielen. Gehen Sie die Schritte Schritt für Schritt durch: Anstatt zu sagen „macht das so wie auf der Karte“, teilen Sie in Unteraufgaben, z. B. erst Formen ausschneiden, dann kleben.

Während des Bastelns steht die Betreuungskraft oder das Pflegepersonal unterstützend zur Seite. Sie geben Ermunterung, lösen Hilfestellungen bei Schwierigkeiten (beispielsweise beim Festhalten oder Schneiden) und loben kleine Fortschritte. Für Demenzpatienten gilt – wie bei anderen Tätigkeiten – der Hinweis: Ambitionierte Ziele sind oft kontraproduktiv. Es ist wichtiger, den kreativen Prozess zu begleiten als auf ein perfektes Endprodukt zu bestehen. Häufiges positives Feedback („Das sieht schon sehr schön aus!“) motiviert weiter. Auch die Pausengestaltung gehört dazu: Bieten Sie zwischendurch eine Kaffeepause an oder kleinere Bewegungsspiele, damit niemand überanstrengt wird.

Nachbereitung: Am Ende sollten alle Werke gezeigt und gewürdigt werden. Richten Sie eine kleine Auslage ein – etwa eine Pinnwand oder Fensterdekoration –, sodass jeder die Ergebnisse bewundern kann. Das stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl. Bitten Sie die Teilnehmenden, ihre Arbeiten zu präsentieren. Ein gemeinsames Aufräumen schließt die Stunde ab; dabei können Sie noch einmal Hintergrundmusik einspielen oder zusammen spülen, um Ordnung zu schaffen. Je nach Setting kann anschließend eine kleine Reflexionsrunde erfolgen, in der die Senioren über ihre Lieblingsfarbe oder -muster sprechen dürfen.

Begleitende Maßnahmen

Ein gut geplantes Bastelangebot wird durch ergänzende Maßnahmen abgerundet. Dazu gehören:

  • Gespräche: Nutzen Sie das Bastelthema als Anlass für Gespräche. Fragen Sie nach Kindheitserinnerungen oder Erlebnissen aus früheren Zeiten, die zum Motiv passen. Eine Methode der Erinnerungspflege ist dabei hilfreich: Stellen Sie Fragen über die Jugend der Teilnehmenden („Wie feierten Sie früher Ostern?“), um das Gedächtnis anzuregen. So wird die Aktivität biografieorientiert. Erinnerungsstücke (alte Fotos, Stoffreste aus Kindertagen) lassen sich in die Bastelidee einbinden und bieten Gesprächsstoff.

  • Musik: Hintergrundmusik kann die Stimmung heben und die Konzentration fördern. Besonders geeignete Titel sind Lieder aus der Jugend der Seniorinnen und Senioren. Wie in der Demenzpflege empfohlen, „sind bekannte Schlager aus der Jugendzeit ideale Stimmungsaufheller“. Beim Basteln leiser Oldies zu spielen kann Erinnerungen wecken und für positive Atmosphäre sorgen. Singen Sie vielleicht gemeinsam ein altes Lieblingslied an oder summen Sie mit – das schafft Gemeinschaftsgefühl. Vermeiden Sie allerdings zu laute oder hektische Musik, die ablenkt oder verfremdet.

  • Körperliches Wohlbefinden: Sorgen Sie dafür, dass alle bequem sitzen und Zugriff auf Getränke haben. Kurze Dehnübungen vor oder nach dem Basteln lockern die Muskeln. Besonders bei langwierigen Arbeiten (z. B. Stricken) sollten regelmäßig kleine Bewegungen eingeplant werden.

  • Biografie-Impulse: Integrieren Sie bei der Materialauswahl möglichst persönliche Komponenten. Zum Beispiel kann eine Seniorin Schablonen aus ihrem Heimatort „gestalten“, oder ein Ehemann bastelt Vogelhäuschen für den Garten, weil er früher gern gebastelt hat. So wird der Bastelvorgang eng mit der Lebensgeschichte verknüpft.

Zusammengefasst dienen diese Begleitelemente dazu, das Basteln nicht nur als Handwerk zu begreifen, sondern als soziale Aktivierung: Gesprächsimpulse und Musik fördern das Gemeinschaftserlebnis und das emotionale Wohlbefinden der Senioren während und nach der Bastelstunde.

Umsetzung in verschiedenen Betreuungskontexten

Die Anforderungen an Bastelangebote variieren je nach Betreuungssetting:

  • Einzelbetreuung (häuslich oder ambulant): In der Einzelbetreuung kann das Basteln individuell angepasst werden. Die Betreuungskraft hat die volle Aufmerksamkeit einer Person und kann auf deren Tempo und Vorlieben eingehen. Für sehr introvertierte oder bewegungseingeschränkte Senioren ist dies ideal. Nachteil: Es fehlt die soziale Dimension einer Gruppe. Dennoch kann das gezielte Eingehen auf persönliche Bedürfnisse (z. B. Herstellung eines Familienfotos in einem Rahmen) motivierend sein. Basteln im häuslichen Umfeld bietet zudem die Möglichkeit, Materialien spontan einzusetzen und die Person in ihrer gewohnten Umgebung kreativ werden zu lassen.

  • Gruppenangebot (Tagespflege, Seniorenheim): In Gruppenkontexten gewinnt Basteln zusätzlich soziale Bedeutung. Mehrere Personen arbeiten zeitgleich am gleichen Projekt (z. B. einem Wandbild oder Fensterbild). Das fördert den Austausch untereinander. Allerdings muss das Projekt so konzipiert sein, dass es allen Teilnehmern gerecht wird. Die Betreuungskräfte sollten den Raum ggf. in Untergruppen einteilen oder Assistenz bereitstellen, damit niemand über- oder unterfordert ist. In stationären Einrichtungen ist Basteln häufig Teil des Wochenprogramms zur Aktivierung. Als fester Termin gibt es dadurch Routine, was vor allem Demenzkranken Sicherheit gibt. In der Tagespflege finden Bastelrunden oft in den Nachmittagsstunden statt und können sogar gemeinsam mit Angehörigen als interaktive Veranstaltung gestaltet werden.

  • Stationäre Pflegeeinrichtungen: Hier sind häufig große Gruppen mit heterogenen Fähigkeiten anzutreffen. Bastelangebote müssen deutlich strukturierter sein. Der Vorteil liegt in der Gemeinschaft: Zusammen können beispielsweise Fenster oder Gemeinschaftsräume dekoriert werden, was für alle ein sichtbares Ergebnis bedeutet. Die Nachbereitung (Ausstellung der Werke) kann hier institutionell organisiert erfolgen. Ein Nachteil ist der erhöhter Organisationsaufwand für das Personal. Trotzdem steigt nachgewiesenermaßen durch solche sozialen Betreuungsangebote das Wohlbefinden der Bewohner deutlich.

  • Tagespflege: Ähnlich wie in stationären Einrichtungen, jedoch kompakter, sind Bastelangebote im Tagespflegebereich. Da die Zeit begrenzter ist (meist einige Stunden pro Tag), sollten die Projekte kürzer geplant werden oder in Teilphasen aufgeteilt. Tagespflegegäste profitieren besonders von der Mischung aus Aktivität und Gemeinschaft.

  • Häusliche Betreuung: In der häuslichen Pflege (z. B. durch Angehörige oder mobile Dienste) sind Bastelrunden oft kleinschrittig und spontan. Eine Einzelperson oder ein Paar kann hier gemütlich basteln. Die Vorteile sind die Vertrautheit und Flexibilität; allerdings fehlt der Austausch mit Gleichaltrigen. Die Umsetzung hängt stark von den häuslichen Möglichkeiten ab (z. B. ausreichend Platz am Küchentisch oder im Wohnzimmer). Mit einfachen Mitteln (Papier, Stoffreste, Naturmaterialien) lässt sich trotzdem kreativ arbeiten.

Generell gilt: Überall, wo Senioren betreut werden, können Bastelangebote zur Anwendung kommen. PPM-online fasst zusammen: „Zusätzliche Betreuungsangebote, wie … Basteln sowie soziale Austauschmöglichkeiten steigern das Wohlbefinden deutlich“. Und weiter: Basteln kann flexibel in stationären, ambulanten und häuslichen Pflegesettings erfolg. Jede Umgebung stellt besondere Anforderungen, bietet aber auch ganz eigene Chancen, die es zu nutzen gilt.

Konkrete Bastelideen (Beispiele)

Hier einige exemplarische Bastelideen zu verschiedenen Anlässen und Jahreszeiten – jeweils mit groben Materiallisten und Anpassungsvorschlägen:

  • Frühling (z. B. Ostern): Papierblumen basteln. Material: buntes Papier (Tonpapier), Schere, Klebestift, ggf. Strohhalme oder Holzstäbchen (für den Stiel), evtl. bunte Knöpfe oder Perlen als Blütenmitte. Anleitung: Einfache Blumenformen vorzeichnen oder mit Schablone ausschneiden und auf Strohhalm kleben. (Ergänzend kann man Zweige aus dem Garten mit Filzsternen oder Papier-Marienkäfern verzieren.) Diese Papierblumen können als Tischdeko oder Fensterbild genutzt werden. Sie sind leicht zu schneiden und geben schnell Erfolgserlebnisse – „Papierblumen zieren schnell Haus und Garten“.

  • Sommer: Selbstgemachte Trinkglasabdeckungen. Material: runde Stoffreste oder Filzkreise, kleine Gummiringe oder Schnur, bunte Knöpfe, Glitzer, Stoffmalfarben. Anleitung: Stoffkreis (Durchmesser etwa 15 cm) dekorieren (aufmalen, bekleben, besticken), in der Mitte Löcher für die Gläser aussparen und Schnur zum Befestigen knoten. So bleiben Insekten fern, und jedes Glas sieht individuell aus. Ebenso möglich sind Windspiele aus Muscheln und Perlen (mit Bindfaden am Holzbogen auffädeln) oder Fensterbilder aus buntem Transparentpapier. Diese nutzen die warme Jahreszeit und schaffen kreative Aufgaben, die im Sommergarten Freude machen.

  • Herbst: Kastanienfiguren basteln. Material: Kastanien oder Eicheln, Zahnstocher, Pfeifenputzer, Filz, Knöpfe oder Wackelaugen, Bastelkleber. Anleitung: Mit den Zahnstochern und Pfeifenputzern Körper und Gliedmaßen an die Kastanien stecken. Aus Filz Augen, Nase oder Umhänge schneiden und aufkleben, Knöpfe als Dekoration. So entstehen Kastanien-Männchen, Eulen oder Igel. Auch Herbstkränze (auf Papptellerringen Laub und Zapfen kleben) oder Blattgirlanden (Lametta, bunte Blätter und Schnur) sind passend. Naturmaterialien im Herbst zu verwenden passt gut zur Jahreszeit und spricht viele Sinne an – Kastanien zum Basteln bieten etwa unterschiedliche Haptik und Geruch. Diese Ideen nutzen direkt „Allerlei mit Kastanien“.

  • Winter/Weihnachten: Christbaumschmuck gestalten. Material: Kunststoffkugeln oder Papierkugeln, Acrylfarbe, Glitzer, Klebe-Pailletten, Satinbänder, Perlen. Anleitung: Kugeln anmalen, bekleben und mit Glitzer bestreuen; Bänder zum Aufhängen anbringen. Alternativ: Sterne und Schneeflocken aus fester Pappe oder Holz ausschneiden und bemalen. Auch Adventskalender basteln: Dazu 24 kleine Umschläge oder Tütchen an einer Leine befestigen und mit Stickern/Markers dekorieren. Besonders für Demenzkranke gibt es einfache Vorlagen (z. B. Papierschlitten als Adventskalender). Das Basteln zu Weihnachten bietet starken biografischen Bezug – Senioren erinnern sich oft an frühere Feste und Familientraditionen.

  • Alltagshelfer: Foto-Collagen oder Memory-Boards. Material: Bilderrahmen (Holz oder Karton), Kopien alter Fotos, Dekopapier, Kleber, ggf. Korkplatte. Anleitung: Fotos und kleine Erinnerungsstücke (Postkarten, kleine Symbole) in den Rahmen kleben oder auf Korkplatte pinnen. So entsteht ein persönliches Bilderalbum zum Aufhängen. Beim Basteln kann gemeinsam über die Fotos gesprochen werden. Auch Notizhalter aus Dosen (alte Blechdose, bemalt und beklebt) oder selbst verzierte Schachteln zum Aufbewahren sind nützlich.

  • Kleine Geschenke: Selbstgemachte Grußkarten. Material: Klappkarten oder fester Karton, Stifte, kleine Deko-Elemente (Sticker, Stoffreste, Glitzer). Anleitung: Karten mit Wunschmotiv (Herzen, Blumen, Sterne) gestalten. Solche Karten zum Geburtstag, Valentinstag oder Muttertag können Senioren beispielsweise an Angehörige verschenken – das schafft Sinnhaftigkeit. Auch Salzteig-Figuren (Salz, Mehl, Wasser, bemalt) eignen sich als Geschenk.

  • Für verschiedene Fähigkeitsstufen: Bei sehr einfachen Bedürfnissen genügen z. B. Fensterbilder. Dazu: Bunte Transparentpapier-Fetzen und Konturen-Schablonen (für Tiere, Blumen) – die Bewohner kleben die Papierstücke innerhalb der Konturen auf. Für etwas geübtere Senioren: Makramee-Armbänder aus Perlen oder einfaches Weben (z. B. Filzstreifen durch einen Papprahmen). Die Idee ist, dass jeder Erfolg haben kann.

Diese Beispiele zeigen nur einen Ausschnitt möglicher Projekte. Grundsätzlich sind der Kreativität kaum Grenzen gesetzt. Bastelangebote sollten dabei an Anlässe (Ostern, Sommerfest, Erntedank, Weihnachten) und an die Fertigkeiten der Teilnehmenden angepasst werden. Materiallisten erleichtern die Planung und geben den Betreuenden Sicherheit, dass nichts fehlt.

Sujet Kreative Beschäftigungen

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