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#1 Peter müsste man sein

Liebe Leser:innen,

Sie möchten gerne eine hochbezahlte Position, Einfluss und Macht in einem großen Konzern? Dann habe ich einen genialen Tipp für Sie: Sie sollten Peter heißen, Mitte 50 sein und weiß. Statistisch gesehen haben Sie so nämlich die besten Chancen Vorstandsmitglied in einem im Wiener Börse Index (WBI) gelisteten Unternehmen zu werden. Sie heißen leider nicht Peter? Macht nichts. Wenn Sie Stefan oder Andreas heißen, dann haben Sie immer noch ziemlich gute Aussichten. 

Zusammengerechnet gibt es in Österreich nämlich mehr Vorstände mit den Namen Peter (10), Stefan (7) und Andreas (6) als Frauen in der selben Position insgesamt. Laut dem aktuellen Merit-Report, der im Vorfeld des Internationalen Frauentages am 8. März erschienen ist, sind 164 Vorstandsposten in den untersuchten Unternehmen mit Männern besetzt und nur mickrige 29 mit Frauen. Das entspricht gerade einmal 15 Prozent. “Gemischte Führung bedeutet nicht nur Besetzung, sondern Machtverteilung” schreiben die Autor:innen in der Studie. Doch die Realität folgt sogleich: 33 von 55 im Bericht erfassten Unternehmen haben überhaupt keine Frau im Vorstand sitzen.

Weit verbreitet herrscht der Glaube, dass “das mit der Gleichstellung doch alles längst erreicht ist” und sie (die Frauen) einfach nur “wollen” müssen. Aber egal, wie man es dreht und wendet, der Weg zur Geschlechterparität ist trotz erzielter Fortschritte noch immer weit. Besonders eindringlich beweist das eine weitere Zahl aus der Merit-Erhebung: In den österreichischen börsennotierten Unternehmen gibt es keine einzige weibliche CEO. Null, gar keine. Dass keine einzige es werden wollte, darf man guten Gewissens ausschließen. 

Vielleicht haben sich die Frauen bisher einfach nicht genug angestrengt oder sind nicht genug qualifiziert - auch diesen Einwänden begegnet man in Debatten regelmäßig. Doch dem ist nicht so. Das lässt sich anhand vieler Erhebungen, Studien und Statistiken belegen. Die Probleme sitzen tiefer und sind nicht immer auf den ersten Blick erkennbar.

Frauen sind mittlerweile zum Beispiel immer besser ausgebildet, weisen sogar bessere Universitätsabschlussraten auf als Männer. In den absoluten Top-Jobs landen sie dann aber trotzdem nur in Ausnahmefällen. Daran sind sie nicht selbst schuld, sondern dafür sorgen vor allem fest eingefahrene Strukturen. Männer, die bereits in den mächtigen Positionen sitzen, neigen stark dazu, die Fackel innerhalb abgeschlossener Männernetzwerke an Männer, die ihnen selbst möglichst ähnlich sind, weiterzugeben. Das ist keine Neuigkeit, wird aber auch im aktuellen Merit-Report wieder einmal explizit betont. 

Oben drauf kommen alt bekannte Probleme wie der Karriereknick bei der Familiengründung. Der betrifft de facto weiterhin nur Frauen, weil Männer in Österreich kaum in Karenz gehen. Neun, nur lächerliche neun Tage bleiben Väter im Schnitt beim ersten Kind zuhause. Auf der anderen Geschlechterseite sind es durchschnittlich 418 Tage. Nun kann man hierfür alle möglichen Ursachen suchen und auch finden: Der Gender Pay Gap etwa ist in Österreich besonders ausgeprägt, was dazu führt, dass die besser verdienenden Männer eher im Job und die Frauen beim Kind bleiben. Auch kulturell ist das Land relativ konservativ geprägt. Abgesehen von ein paar Bobo-Bubbles gilt Väterkarenz in der breiten Masse nach wie vor nicht als besonders “cool”. Dass es anders gehen würde, zeigen allerdings (ja, auch hier mal wieder) die skandinavischen Länder. Dort hat die Politik ihre Hausaufgaben gemacht und dafür gesorgt, dass für beide Elternteile Karenzzeiten vorgesehen sind und wer seine nicht nutzt, verliert sie schlichtweg. 

Eine wirklich faire Geschlechterverteilung in den Spitzenjobs gibt es in keinem Land, Österreich steht im internationalen Vergleich aber besonders schlecht da. Und das bedeutet in diesem Fall: tatsächlich am schlechtesten. Mit nur 13,9 Prozent Frauen in den jeweils 40 größten börsennotierten Unternehmen belegt das schöne Alpenland den letzten Platz im Ranking mit vergleichbaren europäischen Ländern und den USA. Am besten fällt die Frauenquote derzeit in Großbritannien aus, dort kommt man in dieser Statistik auf 33,8 Prozent. 

Sieht man sich die Aufsichtsratstatistik an, fällt die Machtverteilung etwas ausgewogener, aber auch nicht gerade prickelnd aus: Von 536 Aufsichtsratmandaten im WBI entfallen 169 auf Frauen, das entspricht 32 Prozent. Und bei weiblichen Aufsichtsratsvorsitzenden kommen die untersuchten Unternehmen derzeit auf 20 Prozent. Eine EU-Regelung schreibt übrigens vor, dass die Frauenquote in Aufsichtsräten in Zukunft zumindest 40 Prozent betragen muss. 

Trotz ernüchternder Zahlen sollten wir aber nicht ganz verzagen. Expert:innen geben jenen, die für mehr Gleichstellung kämpfen, nämlich recht: Unternehmen und Teams funktionieren am besten, wenn sie gemischt sind und ein möglichst diverses Bild abgeben - wenn Frauen, aber zum Beispiel auch Menschen mit Migrationshintergrund, ein Teil von ihnen sind. Wenn Peter also das nächste Mal nicht wieder Peter, sondern zur Abwechslung einmal Magdalena ins Vorstandsteam holen würde, dann wäre das keine gnädige Geste an das andere Geschlecht, sondern eine knallhart vernünftige Business-Entscheidung.

In diesem Sinne, alles Liebe.

Wir sehen uns an der Spitze!


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