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Weg mit den guten Vorsätzen, her mit den guten Aussichten.

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#108 #Jahresausblick

Was Du 2026 nicht verpassen darfst

Klimaschutz wird es auch in diesem Jahr nicht einfach haben, so viel ist klar. Wir haben fünf Entwicklungen herausgesucht, die in den nächsten zwölf Monaten entscheidend sein werden.

2026 ist das fünfte Mal, dass wir mit Treibhauspost in ein neues Jahr starten. Und noch nie war es schwieriger für uns, in unsere Klima-Kristallkugel zu gucken.

Was wird wichtig – und läuft trotzdem unter dem Radar? Könnte es überraschende Entwicklungen geben, die wir bisher nicht auf dem Schirm hatten?

Dass die Kristallkugel nur bedingt funktioniert, hat natürlich mit der Weltlage zu tun. Wenn der US-Präsident das Völkerrecht mit Füßen tritt, rechtsextreme Kräfte immer stärker werden und Klimapolitik im großen Stil zurückgedreht wird, relativiert das so einiges.

Darüber zu schreiben, welche Lösungswege wir eigentlich beschreiten müssten, um die ökologischen Krisen in den Griff zu kriegen, fühlt sich manchmal unglaublich utopisch an.

Gleichzeitig wird es immer schwerer, überhaupt übers Klima zu sprechen und dabei nicht die Hoffnung zu verlieren. Die momentane globale Situation macht es einem einfach, in Pessimismus zu verfallen.

Eine Sache wird deshalb in diesem Jahr besonders wichtig sein, da sind wir uns zumindest sicher – und zwar: uns immer wieder daran zu erinnern, dass kein Rückschlag der Welt uns dazu bringen sollte, das Handtuch zu werfen.

Mit diesem Gedanken im Kopf haben wir uns auf die Suche nach Entwicklungen gemacht, die in diesem Jahr besonders wichtig sein werden oder sogar Hoffnung stiften können. Hier sind fünf Dinge, die Du 2026 unbedingt auf dem Schirm haben solltest. 

Trotz eskalierender Temperaturen bekommt das Klima in den Medien nicht mehr, sondern weniger Raum. Wir versuchen, mit Treibhauspost dagegenzuhalten. Dafür ist Dein Support wichtiger denn je.

#1 – Niemand mag Degrowth, aber alle wollen es

Wie wichtig Namen und Labels sind, zeigte vor einigen Jahren eine bemerkenswerte Umfrage (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Darin wurden US-Amerikaner*innen nach dem Essen der Zukunft gefragt. Soll es „vegan“ sein oder doch eher „100 Prozent plant-based“? 

Das ist natürlich beides das Gleiche. Sind die Antworten also in etwa fifty-fifty ausgefallen? Ganz und gar nicht. Vier von fünf Personen kreuzten „100 Prozent plant-based“ an. Es hörte sich für sie nach aktiver, positiver Entscheidung an, „vegan“ eher nach Verzicht und Anstrengung.

Dass bestimmte Begriffe abschrecken können, wissen auch Forscher*innen, die sich mit Degrowth – also einer gerechten Reduzierung von Produktion und Konsum – beschäftigen. Das Wort „Degrowth“ löst bei vielen reflexartige Schnappatmung und Schweißausbrüche aus. Will man wissen, ob Menschen den Maßnahmen, die dahinter stecken, zustimmen würden oder nicht, sollte man das Wort also vielleicht gar nicht erst erwähnen. 

Genau das hat vor kurzem eine Forschungsgruppe um den Professoren Jason Hickel gemacht (sein Buch Less is More können wir sehr empfehlen). Auf Instagram (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) hat die Studie (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) ganz schöne Wellen geschlagen. 

Die Forschenden haben über 5.000 Menschen zu ihrer Zustimmung für eine ökosozialistische Degrowth-Transformation befragt. Statt das Ganze aber auch so zu nennen, haben sie einfach die konkreten Maßnahmen beschrieben, die hinter diesen Triggerworten stecken. Also unter anderem: schädliche, unnötige Produktion verringern, das Finanzsystem demokratisch kontrollieren sowie eine staatliche Jobgarantie schaffen. 

Die Ergebnisse sind ziemlich überraschend und durchaus ermutigend.

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💌 Ausgabe #79: Muss die Wirtschaft fürs Klima schrumpfen?

Obwohl die Teilnehmenden aus den USA und Großbritannien kamen, also aus Hochburgen des Kapitalismus, hat sich eine überwältigende Mehrheit von ihnen für diese Maßnahmen ausgesprochen. In den USA waren es satte 73 Prozent, in Großbritannien sogar 82 Prozent.

Anschließend wurden die Teilnehmenden gefragt, wie sie zu einzelnen Begriffen wie „Ökosozialismus“, „Degrowth“ oder „Grüner Kapitalismus“ stehen, allerdings ohne weitere Erläuterungen. Hier fiel das Ergebnis ebenfalls deutlich aus – aber in die andere Richtung. Die Bezeichnung, die noch am besten wegkam, war die „Wohlstandsökonomie“ oder well-being economy. 

Degrowth ist also alles andere als eine Bullerbü-Träumerei von linken Öko-Vögeln, die uns wieder in die Steinzeit katapultieren wollen, wie es manche Wachstums-Enthusiasten gerne darstellen. Im Gegenteil: Eine überwältigende Mehrheit wünscht sich genau das, wofür Degrowth steht. Nur auf Wahlkampfplakate sollte man das Wort vielleicht lieber nicht schreiben.

#2 – Millionen gegen die AfD

Für uns waren Wahltage früher wie Krimis. Pünktlich um 18 Uhr verfolgten wir gebannt, wie hoch sich die farbigen Balken auftürmten. Heute bekommen wir dabei eher Horrorfilm-Vibes. Wir wissen genau, dass wir jeden Moment erschreckt werden und trotzdem erwischt es uns eiskalt, wenn uns der blaue Balken wie ein Jumpscare ins Gesicht springt.

2026 stehen gleich fünf Landtagswahlen an. Besonders gruselig könnte es in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern werden. In Sachsen-Anhalt strebt die Klimawandel-leugnende und gesichert rechtsextremistische (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) AfD bei der Wahl am 6. September die absolute Mehrheit an. Sie investiert 1,5 Millionen Euro (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) in den Wahlkampf, fast doppelt so viel wie bei der letzten Landtagswahl.  

Ministerpräsident könnte Ulrich Siegmund werden, der TikTok-Posterboy (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) mit dem Charme eines überambitionierten Bezirksligatrainers und den Ideen eines Nationalsozialisten. Siegmund nahm am „Potsdamer Geheimtreffen (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)“ teil und fantasiert im Landtag ganz offen, dass Remigration „das Gebot der Stunde“ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) wäre.

Das klingt verdammt beängstigend. Was aber zuverlässig gegen diese Horrorvibes hilft, ist ein Blick auf die zahlreichen Menschen und Initiativen, die dagegenhalten.

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💌 Ausgabe #97: Warum Rechte so viel Angst vor Empathie haben

Prominentes Beispiel ist die Demokratie-Plattform Campact, die einen „NoAfD-Fonds“ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) eingerichtet hat. Für jeden Wahlkampf-Euro der AfD soll ein Demokratie-Euro eingesammelt werden – am Ende also 1,5 Millionen.

Campact will damit eigene Anti-AfD-Aktionen starten sowie die Vorhaben lokaler Vereine und Initiativen finanzieren: von Haustürgesprächen über Demokratie-Stadtfeste bis hin zu Plakatkampagnen.

Auch die Amadeu Antonio Stiftung (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) fördert lokale Initiativen gegen rechts. Daneben setzen sich viele Stimmen für Aufklärung gegen die AfD ein, darunter #AfDnee (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), Volksverpetzer (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) und unzählige mehr. 

Shoutout

An dieser Stelle wollen wir Dir noch eine starke Stimme gegen Diskriminierung ans Herz legen: die von Raúl Krauthausen. In seinem Newsletter „Sent from my wheelchair“ veröffentlicht er regelmäßig wunderbare Kolumnen und Geschichten zu Inklusion. Unbedingt abonnieren!

#3 – Worüber wir 2026 sprechen werden, aber nicht sollten

Okay, eine Film-Analogie geht noch. Folgende „Klimatechnologie“ liefert nämlich den perfekten Stoff für SciFi-Blockbuster: Die Menschheit versprüht winzige Partikel in der Stratosphäre, um Sonnenlicht zurück ins All zu reflektieren und so die Erderhitzung abzuschwächen. Im Fachjargon spricht man von Solar Geoengineering oder auch Solar Radiation Management.

Die Idee ist aber nicht nur Teil von SciFi-Drehbüchern. Längst wird konkret dazu geforscht. 2024 gab es in den USA sogar erste Feldversuche (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Und auch das ein oder andere Startup will aus der Sonnenstrahlen-Manipulation ein Geschäftsmodell machen.

Eines mit dem extrem dubiosen Namen Stardust Solutions hat erst kürzlich 60 Millionen US-Dollar an Funding eingesammelt, so viel wie noch kein anderes Unternehmen in diesem Bereich. Laut Politico (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) will die Firma bereits im April mit Experimenten beginnen.

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💌 Ausgabe #52: Das Heroin unter den Klima-Technologien

Dabei könnte man meinen, Matrix und Snowpiercer wären Abschreckung genug gewesen. Der Ansatz ist brandgefährlich, nicht zuletzt weil er uns abhängig macht: Sprühen wir regelmäßig Partikel in die Stratosphäre und kühlen so die Atmosphäre künstlich runter, müssten wir das bis in alle Ewigkeit fortführen.

In dem Moment, wo wir damit wieder aufhören, würde sich die Erde in so kurzer Zeit erhitzen, dass weder Menschen noch andere Lebewesen sich daran anpassen könnten.

Trotzdem: Die Erderhitzung ist so dramatisch, dass wir künftig immer mehr über Solar Geoengineering reden werden, darauf würden wir mindestens 60 Millionen wetten. Nur: Wäre es angesichts der potenziell katastrophalen Folgen dieser Technologie nicht besser, ab sofort kein Wort mehr darüber zu verlieren?

Wenn wir uns Zukünfte ausmalen, in der wir die Erderhitzung mit Solar Geoengineering in den Griff bekommen und diese Technologie sogar im Detail erforschen, wird es wahrscheinlicher, dass wir sie auch einsetzen. Eine selbsterfüllende Prophezeiung sozusagen. 

Aber wir sind ja hier zum Glück unter uns. Also: Pssst.

#4 – Städte: 1, Staaten: 0

Nach 30 COPs muss man leider feststellen: Staaten sind nicht besonders gut darin, globalen Klimaschutz umzusetzen. Zoomt man jedoch näher heran – an das, was Städte so machen – gibt es einiges zu feiern (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Viele Städte sind den trägen Staaten um Jahrzehnte voraus.

Zum Beispiel Paris. Die Stadt hat mittlerweile über 1.500 Kilometer Fahrradwege. Das sind rund 600 mehr als noch vor zehn Jahren.

Verkehrspolitik, von der Berlin nur träumen kann, gibt es außerdem in Kolumbiens Hauptstadt Bogotá. Die Stadt durfte bis vor kurzem stolz sein auf die größte E-Bus-Flotte außerhalb Chinas – bis Santiago de Chile ihr mit 2.500 E-Bussen den Rang ablief.

Und in China? Allein in der Metropole Shenzhen fahren über 16.000 elektrisch betriebene Busse herum – knapp fünfmal mehr als in ganz Deutschland (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

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💌 Ausgabe #92: Die 5 entscheidenden To-Dos bis 2050

Vielleicht kennst Du die Städteallianz C40 (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Sie umfasst 97 Städte und knapp eine Milliarde Menschen, die in ihnen leben. Die Städte haben sich in Sachen Klima verbündet und schmieden gemeinsame Pläne, um die Erderhitzung einzudämmen. 

Alle Mitgliedsstädte müssen zum Beispiel verpflichtend einen Klimaschutzplan entwickeln und regelmäßig aktualisieren. Noch bis 2017 hatte nur eine der 97 Städte einen Klimaschutzplan. Mittlerweile sind es fast alle. Das Ergebnis: Ein Großteil dieser Städte senkt die Emissionen deutlich schneller als die Staaten, in denen sie liegen. 

#5 – „Klimaschutz bringt nichts, solange China nichts tut.“ 

Dass dieser Bremser-Spruch jegliche Grundlage verloren hat, ist mittlerweile kein Geheimnis mehr. China ist längst zum Vorreiter geworden, nicht nur bei der Mobilität, sondern auch bei Erneuerbaren Energien. Aber wir sind dann doch immer wieder überrascht, wie krass die Entwicklungen (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) wirklich sind. 

Kleine Schätzfrage: Wie viel mehr Windenergie ging in China im Vergleich zur EU 2024 ans Netz? 

Es war sechs Mal so viel! Auch bei der Solarleistung wird die EU abgehängt: Hier hat China das Vierfache zugebaut. Das Wachstum ist enorm – genauso wie die Dimensionen der einzelnen Solarkraftwerke.

Das größte chinesische hat eine Leistung von 3,5 Gigawatt. Dagegen sind die 650 Megawatt des größten europäischen Solarparks im sächsischen Witznitz ein – bitte festhalten – Witz. 

Jonas Waack, Klimaredakteur der taz, bringt es auf den Punkt (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre): „Gewinnt die Menschheit den Kampf ums Klima, dann wird es Chinas Verdienst gewesen sein.“

Was für ein krasser Twist für das faule „Aber China“-Argument.

Welche Klima-Trends verfolgst Du 2026 noch? Schreib uns gerne an hallo@treibhauspost.com (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre).

An einer kleinen positiven Entwicklung kannst Du sogar aktiv mitwirken, nämlich unserem kritischen, konstruktiven Klimajournalismus.

Auch dieses Jahr werden wir alle zwei Wochen eine Ausgabe schreiben – über die planetaren Krisen, ihre Verursacher und die Lösungen. Kein Trump, kein Milliardär und kein Verlag dieser Welt kann uns daran hindern.

Wir sind von all dem unabhängig – dank Euch. Viele unserer Leser*innen unterstützen unsere Arbeit mit einem monatlichen oder jährlichen Beitrag und sorgen so dafür, dass wir mit diesem Projekt weitermachen können. Machst Du auch mit? 

Der erste Klimasong des Jahres ist die Definition eines Klassikers: Beds are Burning von Midnight Oil (passenderweise vom Album Diesel and Dust). Wir haben den Song bestimmt schon hundertmal gehört, aber nie auf die Lyrics geachtet – bis jetzt.

Out where the river broke
The blood-wood and the desert oak
Holden wrecks and boiling diesels
Steam in forty-five degrees [...]

The time has come
A fact's a fact
It belongs to them
Let's give it back 

How can we dance
When our earth is turning
How do we sleep
While our beds are burning 

Die nächste Ausgabe bekommst Du am 31. Januar.

Bis dahin
Julien & Manuel

PS: Alle Klimasongs dieser Welt sind nichts im Vergleich zu den Soundscapes, den Klanglandschaften der Natur. Manuel hat im Magazin atmo darüber geschrieben (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), wie Korallenriffe und Waldböden klingen – und was wir daraus alles lernen können.

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📖 Zu unserem Buch „Unlearn CO₂ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)“ (Ullstein)

💚 Herzlichen Dank für die Unterstützung an unsere Partnerorganisationen:

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Sujet Gesellschaft

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