
Prag oszilliert zwischen Sakralität und Sinnlichkeit, zwischen barocker Kuppel und Bierschaumkrone – und seine Museumsdichte konkurriert in nahezu promissorischer Weise mit der abundant zelebrierten Wirtshauskultur wie auch mit der traditionsreichen Kaffeehauslandschaft.
Heute jedoch führte mich mein Weg nicht in ein ehrwürdiges Kabinett der Nationalgeschichte, sondern in das ebenso kuriose wie kulturhistorisch exponierte Sex Maschinen Museum
Hier der Link: Sex Maschinen (Si apre in una nuova finestra)Museum
Was zunächst nach frivoler Schau klingt, entpuppt sich als technikhistorisches Panoptikum menschlicher Sehnsucht, Scham und – ja – erstaunlicher Ingenieurskunst.
Weniger ein Ort für Voyeure als vielmehr für jene, die Mechanik lieben, die Konstruktionen analysieren, die mit einer Mischung aus anthropologischer Neugier und selbstironischer Distanz durch Ausstellungsräume flanieren. Man steht vor Apparaturen, deren martialische Ästhetik eher an Folterinstrumente erinnert als an zärtliche Annäherung. Zahnräder, Hebel, Kurbeln – der Homo faber im Dienst der Libido.
Ich war, ich gestehe es, geflasht. Vom Mut früherer Generationen. Vielleicht auch von deren Verzweiflung. Vor allem jedoch vom unerschütterlichen Einfallsreichtum, mit dem Lust technisch operationalisiert wurde.
Besonders eindrücklich: die Ecke zur sogenannten „weiblichen Hysterie“. Jenes medizinisch-gesellschaftliche Narrativ, mit dem weibliche Emotionalität pathologisiert wurde, fand hier eine bildgewaltige Inszenierung. Historische Vibrationsgeräte – einst als therapeutische Instrumente deklariert – legen Zeugnis ab von einer Epoche, in der Medizin, Moral und Macht in eigentümlicher Allianz standen. Man lächelt. Und schluckt zugleich.
Sex sells – das war nie neu.
Lust existierte stets – ob unter Korsett oder Krawatte.
Und die Ideen, beides miteinander zu konvergieren, waren zuweilen flamboyant, bisweilen erratisch, oftmals schlicht genial.
Dieser Museumsbesuch ist keine platte Provokation. Er ist ein kulturhistorischer Spiegel. Ein leiser Hinweis darauf, dass menschliche Kreativität sich selten auf Kathedralenbau oder Philosophie beschränkt.
Mein Fazit?