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Der falsche Klang der richtigen Technik

Oder: Warum ein zusätzlicher Außenprozessor samt Mikrofon zwar hören lässt, aber nicht immer bei mir ankommen will

Ich teste ihn.

Ganz bewusst.

Mit jener nüchternen Entschlossenheit, die man sich aneignet, wenn man gelernt hat, dass Technik nicht nur Komfort, sondern auch Redundanz bedeutet.

Der Außenprozessor.

Ein Gerät von tadelloser Funktionalität, makelloser Ingenieurslogik und beeindruckender Leistungsfähigkeit. Ein Musterbeispiel audiologischer Rationalität. Er tut, was er soll. Und genau darin liegt das Problem.

Denn kaum ist er aktiv, verändert sich die Welt.

Nicht subtil. Nicht schleichend. Sondern mit der Eleganz eines chirurgischen Schnitts.

Geräusche sind laut.

Nicht nur präsent – laut.

Sie beißen, sie schneiden, sie treten mir näher, als es die Höflichkeit erlauben würde. Sie kommen nicht auf mich zu, sie fallen über mich her. Jeder Laut ein übermotivierter Gast, der den Mantel nicht ablegt, sondern gleich den Raum okkupiert. Und trotzdem ist alles was ich wahrnehme, auf eine seltsame Art und Weise sehr vertraut.

Und während draußen alles in akustischer Hochauflösung eskaliert, geschieht innen etwas Merkwürdiges:

Nichts.

Kein Atem.

Kein leises Knacken des Kiefers.

Kein körperliches Hintergrundrauschen, das sonst wie ein akustisches Boudoir fungiert – intim, vertraut, beruhigend.

Ich höre die Welt.

Aber mich selbst höre ich nicht.

Das ist kein Detail.

Das ist eine ontologische Verschiebung.

Denn ich höre normalerweise mit dem innenliegenden Mikrofon meines vollimplantierten Systems. Dort entsteht Klang nicht an der Peripherie, sondern im Zentrum. Nicht als Besuch, sondern als Bestandteil. Geräusche sind nicht extern adressiert, sondern leiblich eingebettet. Sie sind bei mir, nicht auf mir.

Der Außenprozessor hingegen verlegt den Ursprung des Hörens wieder nach draußen. Der Klang wird importiert. Und mit ihm kehrt eine alte Bekannte zurück: die Distanz.

Plötzlich bin ich nicht mehr Klangkörper, sondern Klangempfängerin.

Nicht Resonanzraum, sondern Projektionsfläche.

Das Ergebnis ist irritierend. Und ja – ich verwende dieses Wort nicht leichtfertig.

Denn Irritation ist hier keine bloße Verunsicherung, sondern ein Wahrnehmungsbruch. Das Hören funktioniert, aber es stimmt nicht. Es ist korrekt – jedoch nicht kohärent. Valide – aber nicht kongruent mit meinem inneren Referenzsystem.

Kurz gesagt:

Es fühlt sich fremd an.

Es fühlt sich nicht gänzlich falsch an, sondern fremd. Seltsam.

Nun ließe sich argumentieren – und man hat es mir bereits argumentiert –, dass genau deshalb Training wichtig sei.

Und das stimmt.

Ich trainiere. Ich wechsle. Ich verbringe Tage mit dem Außenprozessor. Ich sammle Erfahrung, baue Resilienz auf, kultiviere Ambiguitätstoleranz. Für den Notfall. Für Redundanz. Für jene Situationen, in denen man nicht wählen kann. Oder vielleicht doch eine Wahl haben darf?

Ich bin also keineswegs technikavers.

Im Gegenteil: Ich bin eine bekennende Verfechterin funktionaler Vorsorge.

Aber es gibt einen Unterschied zwischen fordern und entfremden.

Training darf anstrengend sein.

Es darf irritieren.

Es darf das Wiesel in mir nervös an der akustischen Tischkante nagen lassen.

Doch wenn mir mein eigener Atem abhandenkommt, wenn mein Körper akustisch unsichtbar wird, wenn das Hören mich aus mir herauskatapultiert, statt mich in mir zu verankern – dann ist das kein Widerstand gegen Fortschritt. Dann ist es ein Hinweis.

Ein leiser, aber insistierender Hinweis meines Nervensystems, dass diese Form des Hörens für mich kein Zuhause ist. Vielleicht ein Gästezimmer. Nutzbar. Zweckmäßig. Aber bitte nicht dauerhaft bewohnt. Es fehlt einfach etwas.

Und so sitze ich da, mit einem technisch einwandfreien System, und denke bei mir – durchaus selbstironisch, aber nicht ohne Ernst:

Man kann alles hören.

Und sich trotzdem kurz verlieren.

Am Ende bleibt kein Urteil, kein Verdikt, keine Ablehnung.

Nur eine präzise Beobachtung:

Hören ist mehr als Schallverarbeitung. Es ist Selbstverortung. Und nicht jede

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