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Cortisol, Spitzen und andere Naturkatastrophen – mein Leben als empfindliches Gesamtkunstwerk

Ich bemühe mich. Aufrichtig, hingebungsvoll, mit einer Disziplin, die an Zirkuskunst grenzt – balancierend auf dem Seil zwischen Selbstfürsorge und alltäglicher Zumutung.

Ich bemühe mich. Ich bin quasi die Marie Curie der Selbstfürsorge: hochkonzentriert, ein Hauch zerbrechlich, aber stets radioaktiv entschlossen, mir selbst nicht im Weg zu stehen. Mein Nervensystem ist nämlich – nennen wir es, wie es ist – ein mimöses Sensibelchen. Eine Art Champagner unter den neuronalen Netzwerken: edel, anspruchsvoll und absolut ungeeignet für ruppigen Alltag, inmitten von hörtechnisch bedingten Barrieren und Problemchen.

Ich hüte meinen Cortisolspiegel wie ein Schatz in fragiler Glasvitrine, denn jedes Zuviel, jeder unnötige Tropfen des allzu menschlichen Stresses, wirkt nicht nur auf die Seele – sondern frisst sich, ungebeten und gnadenlos, in mein Nervenkostüm. Nicht metaphorisch. Nicht bildlich. Sondern neurologisch belegbar.

Cortisol – dieses hormonelle Teufelszeug – zündet Entzündungsfeuerwerke, als wäre es Silvester im limbischen System. Entzündliche Prozesse, in Gang gesetzt durch emotionale Brandherde, graben sich in Gewebe, Nerven, bisweilen sogar in Regionen des Gehirns – still, effizient, unwiederbringlich. Und nein, das ist keine Esoterik. Das ist Biochemie mit Nebenwirkungen: beschädigte Nerven, beleidigte Gehirnregionen und Gewebe, das sich benimmt wie ein Teenager auf WLAN-Entzug.

Und so wird aus einem gereizten Moment ein geplatzter Stromkreis, aus einem schlechten Tag ein verlorenes Areal.

Ich wünschte, Gelassenheit wäre ein rezeptfreies Mittel – eine wohlschmeckende Tinktur mit Langzeitwirkung. Stattdessen muss ich mich täglich neu erinnern, dass nicht jede Spitze, die mir entgegengeschleudert wird, auch in meinem Fleisch landen muss. Dass ich nicht jedes Duell austragen muss, das mir wortreich angeboten wird.

Und doch – Passivaggressivität hat die unangenehme Eigenschaft, sich wie feiner Staub auf allem niederzulassen. Man atmet sie ein, ehe man sie bemerkt, und sie ruiniert nicht selten die kostbare, mühsam aufgebaute Atmosphäre innerer Ruhe.

"Du siehst aber gar nicht krank aus!" – Ja danke, das macht mein Immunsystem auch immer ganz nervös.

"Man kann’s auch übertreiben mit dem Achtsamkeitstrend." – Natürlich. Und man kann auch einfach mal gar nichts wissen und trotzdem laut mitreden. Läuft!

"Hast du heute auch noch was anderes gemacht außer Pause? Ständig ist irgendwas."

- Ach, was ich gemacht habe? Außer Pause?

Nun ja – ich war mal wieder auf Welttournee zwischen Wartezimmer, Therapiestuhl und Selbstbehauptungsbühne. Hab mit entzückender Hingabe versucht, weder umzukippen noch ausfällig zu werden, während mein Körper „Systemfehler“ blinkte.

Pause? Die mache ich höchstens zwischen zwei Rechtfertigungen dafür, warum ich überhaupt noch existiere.

Aber danke der Nachfrage – es wärmt das Herz, so konsequent auf das Funktionieren reduziert zu werden.

Der letzte große Schub hat seine Spuren hinterlassen. Keine Narben, die man mit einem Pflaster überdecken kann, sondern jene tieferen, die sich leise ins System schreiben. Kollateralschäden, wie man sie aus schlecht geplanten Feldzügen kennt: Verlust von Kraft, Gleichgewicht und jenem Grundgefühl, dass man sich auf seinen eigenen Körper verlassen könne.

Somit war der letzte Schub ... sagen wir... unvergesslich. Ein gesundheitlicher Erdrutsch mit Bonusmaterial. Ich hab mich bis heute nicht vollständig davon erholt, aber wer braucht schon Balance, und permanentes Gefühl in den Extremitäten, wenn man auch schwankend, mit Schmerzen durchs Leben schreiten kann?

Und trotzdem: Ich richte mich auf. Immer wieder. Nicht weil ich Heldin sein will – sondern weil ich Träume habe. Weil ich lebe. Weil Pläne nun mal nicht warten, bis das Nervensystem vollständig regeneriert ist.

Ich träume von Pausen im täglichen Korsett aus Pflichten, aus Erwartung, aus Rechtfertigung. Von Räumen, in denen kein Kampf geführt werden muss – weder um Würde noch um Verständnis. Von einem Leben, in dem ich nicht ständig erklären muss, warum Erschöpfung keine Attitüde ist, sondern ein Zustand. Und warum Rückzug keine Kapitulation bedeutet, sondern Selbstschutz in Reinform.

„War doch nicht so gemeint“, höre ich oft – mit einem Schulterzucken, das mir zu sagen scheint, ich solle mich nicht so anstellen. Doch Worte, meine Lieben, sind keine Tischtennisbälle. Sie fliegen selten folgenlos durch den Raum. Manche setzen sich fest. Manchmal nicht sofort. Manchmal als Echo. Doch sie treffen. Nicht immer dramatisch. Aber zielsicher, wie ein gut gezielter Tropfen, der über Monate den Stein höhlt.

Aber keine Sorge – ich lache. Über mich. Über das Leben. Über die Ironie, dass mein Körper schon beim Gedanken an Stress beleidigt reagiert, ich aber gleichzeitig zwei Kinder, einen Hund, ein Haus, chronische Erkrankungen, Reha- und Arzttermine, und viel Papierkram wuppe, bei dem selbst die Büroklammern gelegentlich Burnout-Symptome zeigen.

Ich lache trotzdem. Aus voller Inbrunst und mit Liebe zum Leben.

Denn auch wenn mein System schwächelt – mein Humor bleibt immun. Und während andere den Luxus genießen, ein „Ich bin müde“ als Einladung zur Pause verstanden zu wissen, wird meines gern übersetzt mit: „Du bist faul geworden.“ – was, zugegeben, fast schon wieder lustig ist, wenn man mit Infusionsnadel im Arm und Taubheit im Bein versucht, ein Abendessen zu kochen.

Was bleibt? Haltung. Hoffnung. Und ein Herz, das sich weigert, sich ganz dem Zynismus hinzugeben.

Ich gehe weiter. Mit leichtem Gepäck, so schwer es auch ist. Und mit der leisen Sehnsucht, dass das Leben eines Tages wieder mehr Melodie als Rauschen ist.

Fazit: Ich bin vielleicht nicht immer die Verkörperung von Resilienz, aber ich bin verdammt gut darin, mit Würde unterzugehen – und dabei noch einen guten Witz zu machen.

In diesem Sinne: Bleibt geschmeidig. Ich versuch's auch.

Und Bleibt's xund eure Frau Kruemelkuchen

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