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»Es ist nicht zu wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist zu viel Zeit, die wir nicht nutzen.« Seneca

Kleines Bild von Marek (Si apre in una nuova finestra)

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Am Pfingstwochenende musste ich an dieses schöne Zitat, des römischen Philosophen Seneca denken und es ließ mich nicht mehr los. Ich beklage mich häufig darüber, dass ich keine Zeit habe. Keine Zeit für das was ich im Leben wirklich will. Keine Zeit für andere Menschen (weil ich ja so viel arbeiten muss). Keine Zeit für mich selbst. Aber das ist Mumpitz.

Zeit ist mystisch: Ein schöner Moment ist im Nu verflogen und der andere, der dir gar nicht gefällt, kann ewig dauern. Dabei haben wir es in der Hand, oder vielmehr im Kopf, wie Momente auf uns wirken. Wie wir sie wahrnehmen. Was wir aus ihnen machen. Es geht darum, wie wir die Zeit nutzen. Ich dachte immer, die Zeit liefe mir davon. Doch am Ende war ich es vielleicht, der der Zeit davon lief.

Ilona meditiert beim Occupy-Camp 2011 in Hamburg. Hier kamen Menschen zusammen, um den Moment anders zu nutzen. Mitten in der Innenstadt, die sonst von Hektik und Anonymität geprägt ist.

Wir können die Zeit wieder verlangsamen, wenn wir es schaffen mehr und mehr im Augenblick zu sein. Ein wichtiger Gedanke, wenn man sich in der Welt engagiert. Zeit vergeht, ja, aber wir haben mehr davon, als wir denken.

Ilona meditiert viel und ich glaube, dass das eine ganz wunderbare Möglichkeit ist, um dem Jetzt, der Gegenwart, mehr Raum zu geben. Normalerweise ist unsere Aufmerksamkeit nämlich auf die Vergangenheit (Warum war das so?) oder die Zukunft (was wird noch kommen?) gerichtet. Grübelnd laufen wir durchs Leben und sind, gar nicht so sehr im Hier und Jetzt verankert. Doch genau das ist in diesen hektischen und unsicheren Zeit umso wichtiger.

Warum wir das Gefühl haben, dass uns die Zeit davon läuft

Unser Gehirn empfängt viel mehr sensorische und digitale Informationen, als wir bewusst verarbeiten können. Und es werden immer mehr. Ein andauernder Wettbewerb um unsere Aufmerksamkeit. Dadurch denken wir fragmentiert — und das wiederum erzeugt das Gefühl, Zeit zu verlieren. Dieses Gefühl nimmt zu, durch permanente Multitasking‑Anforderungen und immer neue Informationen. Die kognitive Kontrolle entgleitet uns, die Zeitwahrnehmung wird beschleunigt, die Aufmerksamkeit zerstreut. Und dazu kommen unsere Routinen, meint der Psychologe Marc Wittmann. Er nennt sie sogar “Zeit-Killer (Si apre in una nuova finestra)”.

So oder so, unsere Wahrnehmung wird flacher, weniger detailliert (wir erinnern uns nur oberflächlich) und das erzeugt das Gefühl der Zeitknappheit, was wiederum den Stress erhöht.

Wir müssen uns viel mehr mit der Zeit beschäftigen, anstatt nur in ihr zu leben

Man könnte meinen, die Zeit sei nicht mehr als ein Strom aus Erlebnissen und Momenten, die wir in unserem Leben durchlaufen. Dabei ist sie doch genau der Brennpunkt, in dem wir das Leben und uns selbst wahrnehmen. Wenn wir das Gefühl haben, sie würde rennen und uns verloren gehen, dann ist das nicht gut für uns. Die Frage ist nicht, wie viel Zeit wir noch haben, sondern wie bewusst wir sie nutzen. Hier fünf Tipps, wie du genau das besser hinbekommst. Mir haben sie sehr geholfen.

5 Wege, um Zeit bewusster wahrzunehmen

  1. Achtsame Morgenroutine
    Beginne den Tag mit 5–10 Minuten Stille, einer Atemübung oder anderen Routine, um den Ton zu setzen. Wir lesen uns zum Beispiel immer eine halbe Stunde aus einem Buch vor und sprechen ein wenig darüber.

  2. Zeitblöcke statt Task‑Switching
    Plane feste, ununterbrochene Arbeitsintervalle ein, um tiefe Konzentration zu ermöglichen. Manche nutzen eine Pomodoro-Uhr (Si apre in una nuova finestra) (mit 25-Minutenblöcken). Finde heraus, welche Zeiteinheiten dir liegen. Vergiss aber nicht Pausen einzulegen.

  3. Digitale Entgiftungspausen
    Schalte deine Benachrichtigungen aus und lege Offline‑Phasen ein, um die Reizüberflutung zu reduzieren. Immer erreichbar zu sein und ständig auf dem Laufenden sein zu müssen, kann jeden Moment zerreißen.

  4. One‑thing‑Prinzip
    Entscheide dich bewusst für eine einzige Priorität pro Zeitraum und schließe diese ab, bevor du zur nächsten übergehst. Behalte den Fokus und vertiefe dich. Beginne immer mit dem, was dir am wichtigsten ist. Auch, wenn es nicht die schönste Aufgabe ist.

  5. Kurze Reflexionsroutinen
    Notiere abends in 2–3 Sätzen, was wichtig war und wofür du Zeit verwendet hast, um deine Wahrnehmung und Steuerung des Tages zu schärfen. Eine Rückschau ist nicht nur erhellend, sondern zeigt dir auch, dass du deinen Tag gelebt hast.

Wir haben alle Zeit der Welt

Auch wenn es überall Probleme und Krisen gibt, oder vielleicht gerade deshalb, ist Entschleunigung besonders wichtig. Und je mehr du in den Moment eintauchst und ihn wirklich wahrnimmst, desto mehr nimmst du auch die Welt und das was in ihr ist und geschieht war. Das steigert die Qualität der Lebenserfahrung und gibt dir ein riesiges Stück Autonomie zurück. Probiere es aus.

Hier noch ein paar Lese-Tipps, wenn du dich noch weiter mit dem Thema beschäftigen möchtest. Und unten wartet noch ein besonderes Angebot auf dich.

Mit rebellischen Grüßen,
Marek

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