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Licht und Wunder? Jetzt erst recht!

Am Tag, an dem wir die erste Chanukka-Kerze in diesem Jahr anzünden wollten, hörten wir schon morgens vom furchtbaren Terroranschlag in Sydney. Dort wollten Jüdinnen und Juden dasselbe tun wie wir: Am Bondi Beach sollte die erste Kerze der Chanukkia entzündet werden. Hunderte Menschen hatten an der Chabad-Veranstaltung „Chanukah by the Sea“ teilgenommen. Ich bin sicher, dass es dort Sufganiot gab, Musik lief und die Menschen einfach nur feiern wollten. Bis die zwei Terroristen kamen. Am Ende waren 15 der jüdischen Besucher tot – darunter ein 10-jähriges Mädchen, ein 87-jähriger Holocaust-Überlebender und zwei Rabbiner. Dutzende Menschen wurden zum Teil schwer verletzt.

Und das an Chanukka, meinem persönlichen Lieblingsfeiertag im Judentum, dem Feiertag des Lichts. Kurz gesagt feiern wir an Chanukka, dass im 2. Jahrhundert v. Chr. eine kleine, gläubige jüdische Gruppe unter Jehuda dem Makkabäer die übermächtigen Seleukiden besiegte, den Tempel in Jerusalem zurückeroberte und ihn neu weihte – und dass das einzige Öl, das die Griechen zurückgelassen hatten und das eigentlich nur für einen Tag in der Menora reichen sollte, auf wundersame Weise acht Tage lang brannte. Die Idee, Dunkelheit mit Licht zu vertreiben, die Idee eines Wunders – ich finde, es gibt kaum eine schönere Symbolik. Chanukka ist darüber hinaus jedoch auch ein zutiefst zionistischer Feiertag: Er zelebriert jüdische Selbstbestimmung in einer jüdischen Heimat – die sich natürlich im heutigen Israel befindet. Juden, die darum kämpfen, als Juden in Israel leben zu können. In ihrem eigenen Land, ohne Besatzung, ohne Terror.

Spätestens seit dem 7. Oktober wissen wir: Dieser Kampf zieht sich bis in unsere Zeit. Für die jüdische Diaspora ist es jedoch nicht weniger gefährlich, einfach nur jüdisch zu sein. Das zeigt der Anschlag in Australien, das zeigen die Statistiken antisemitischer Gewaltverbrechen von den USA bis Europa. Kurz nach dem Angriff in Australien folgten weitere Attacken auf Chanukka-Feiern in Amsterdam, Kalifornien und New York. Wie kann man da trotzdem mit seinen Kindern im Tel Aviver Wohnzimmer stehen und die Chanukkia entzünden? Und singen? Und Sufganiot essen?

Man kann, weil wir müssen. Jetzt erst recht! Es gibt diese berühmten Bilder von Chanukkiot, die im Warschauer Ghetto leuchten, in Nazi-Deutschland, die Hakenkreuz-Fahnen vor dem Fenster – und seit ein paar Tagen wissen wir, dass auch die „Beautiful Six“, die sechs israelischen Geiseln, die von der Hamas ermordet wurden, im dunkelsten Tunnel unter Gaza Chanukka feierten. Videomaterial, das die israelische Armee in einem Krankenhaus in Khan Junis fand, zeigt, wie Alex Lobanov, Almog Sarusi, Carmel Gat, Eden Yerushalmi, Hersh Goldberg-Polin und Ori Danino zu Chanukka Kerzen anzünden. An dem dunkelsten Ort bringen sie Licht. An dem dunkelsten Ort glauben sie an Wunder. An dem dunkelsten Ort tun sie das, was Juden seit Jahrhunderten tun. Egal wo. Egal wie.

Ich habe diese Chanukkia vor etwa 20 Jahren auf einem Flohmarkt in Berlin gekauft. Danach habe ich sie immer wieder in den Wohnungen deutscher Holocaust-Überlebender gesehen. „Das ist die Chanukkia, die wir damals alle hatten“, erzählten sie mir auf Nachfrage. Jedes Mal, wenn ich die Kerzen anzünde, denke ich deshalb an all die vielen Seelen, deren Licht viel zu früh ausgelöscht wurde.
Ich habe diese Chanukkia vor etwa 20 Jahren auf einem Flohmarkt in Berlin gekauft. Danach habe ich sie immer wieder in den Wohnungen deutscher Holocaust-Überlebender gesehen. „Das ist die Chanukkia, die wir damals alle hatten“, erzählten sie mir auf Nachfrage. Jedes Mal, wenn ich die Kerzen anzünde, denke ich deshalb an all die vielen Seelen, deren Licht viel zu früh ausgelöscht wurde.

Im schönsten Chanukka-Lied heißt es: „Jeder Einzelne ist ein kleines Licht, aber zusammen sind wir eine ewige Flamme“ – und genau das sollten wir uns niemals nehmen lassen. Egal wie groß der Hass ist, egal wie tief die Dunkelheit. Denn am Ende wird das Licht immer stärker sein.

Dieser Artikel erschien auch als Kolumne bei

https://israelzwischenzeilen.com (Si apre in una nuova finestra)

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