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Snoezelen

Snoezelen ist ein multisensorisches Konzept zur Förderung von Entspannung und Wohlbefinden. Es wurde in den 1980er Jahren in den Niederlanden entwickelt und bezeichnet den Aufenthalt in einer gemütlich eingerichteten, angenehm warmen Umgebung, in der verschiedene Sinnesreize (Licht, Klänge, Düfte etc.) gezielt eingesetzt werden. Der Begriff ist aus den niederländischen Verben snuffelen (schnüffeln, erschnuppern) und doezelen (dösen, schlummern) gebildet. Ursprünglich war Snoezelen als Freizeitangebot für schwerst- und mehrfachbehinderte Menschen konzipiert, doch hat sich das Verfahren inzwischen zu einer weltweit genutzten Entspannungsmethode entwickelt. Inzwischen sind Snoezelen-Räume insbesondere in der stationären Demenzversorgung weit verbreitet. In solchen „Snoezelräumen“ werden durch Lichtprojektionen, Klanginstallationen, Wasser- oder Duft-Elemente gezielt sinnliche Erfahrungen geschaffen, die sowohl stimulieren als auch beruhigen und so ein Gefühl von Geborgenheit fördern sollen.

Zielsetzung

Snoezelen verfolgt mehrere therapeutische und emotionale Ziele. Im Vordergrund steht die Verbesserung des subjektiven Wohlbefindens sowie die Förderung einer entspannten Stimmung. Durch die gesteuerte Sinnesanregung können Stress, Angst und Unruhe reduziert werden, was das Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit stärkt. Gleichzeitig sollen verbliebene Sinneswahrnehmungen aktiviert und neue Wahrnehmungserlebnisse ermöglicht werden. Dies kann die Lebensqualität steigern, indem es den Zugang zu Erinnerungsschichten aus der Biografie öffnet und positive Emotionen weckt. Gerade bei demenziell erkrankten Menschen wird mit Snoezelen angestrebt, Kommunikation zu fördern und den Selbstausdruck zu erleichtern. Die Betroffenen können oft nonverbal wieder aktiv auf ihre Umwelt eingehen (z.B. durch Blickkontakt oder Berührung) und erhalten ein neues Erlebnisgefühl.

Je nach Ausgestaltung wirkt Snoezelen beruhigend oder aktivierend. Eines der Ziele ist die Selbstregulation: die Person lernt, ihre momentane Befindlichkeit wahrzunehmen und gezielt zu steuern. Snoezelnde können so beispielsweise einen bestimmten Tastsinn (z.B. Wärme, Kälte) oder visuellen Reiz (z.B. sanftes Farbspiel) auswählen und damit einen Zustand der Ruhe herstellen. Insgesamt dient das Verfahren der Stressreduktion und Anregung verbliebener Fähigkeiten. In der Literatur werden als Zielsetzungen genannt: „Verbesserung der Lebensqualität, Zugang zu Kommunikationsmöglichkeiten, Erzeugen von Wohlbefinden sowie Erleben von neuen Wahrnehmungsdimensionen“. Auch die Aktivierung positiver Erinnerungen (etwa durch vertraute Musik oder Düfte) ist ein wichtiges Ziel, da angenehme Biografieinhalte den Demenzkranken Orientierung bieten.

Vor- und Nachteile

Vorteile: Snoezelen bietet eine niederschwellige, nicht-medikamentöse Methode zur Beschäftigung und Beruhigung dementer Heimbewohner. Fachlich wird berichtet, dass das kontrollierte Anbieten von Sinnesreizen oftmals kurzfristig zu Beruhigung, besserer Stimmung und erhöhter Aufmerksamkeit führt. Viele Untersuchungen beschreiben positive Effekte wie entspannteres Verhalten, reduzierte Agitation und gesteigerte Kommunikationsbereitschaft bei den Teilnehmenden. Ein weiterer Vorteil ist die Förderung der Selbstwahrnehmung: Die Person lernt, sich auf einen einzelnen Reiz zu konzentrieren, was Überforderung vermeidet. Snoezelen kann zudem als sinnvolle Alltagsbeschäftigung angesehen werden und bietet den Bewohnern abwechslungsreiche Impulse (z.B. vibrierende Kissen, Wassergeräusche, Duftnoten), was das Pflegeangebot bereichert.

Nachteile: Kritisch wird an Snoezelen vor allem die ungeeignete Evidenzlage bemängelt. Wissenschaftliche Übersichten und Leitlinien berichten, dass sich positive Effekte meist nur kurzfristig zeigen; langfristig sind keine stabilen Verbesserungen nachgewiesen. Die methodische Qualität der Studien ist oft schwach, und eine umfassende Kosten-Nutzen-Analyse fehlt. Das bedeutet, dass der tatsächliche Nutzen für alle Patienten nicht gesichert ist. Ein weiterer Nachteil ist die Überreizungsgefahr: Falsch eingesetzte visuelle oder akustische Reize (z.B. blinkende Lichter, laute Musik) können bei Demenzkranken Ängste, Schwindel oder Verwirrung auslösen und unerwünschte Unruhe verstärken. Deshalb muss stets auf ein ausgewogenes Reizniveau (Sensoristasis) geachtet werden.

Die praktische Umsetzung erfordert zudem einen hohen Aufwand. Ein Snoezelenraum oder -wagen muss eingerichtet, gewartet und beaufsichtigt werden. Dies bindet Material, Platz und Zeit des Personals. Ohne spezielle Schulung kann Snoezelen leicht „verkümmern“ (Geräte bleiben ungenutzt, Sitzungen werden selten angeboten). Außerdem müssen mögliche Kontraindikationen beachtet werden: Beispielsweise sollten Personen mit bekannter Epilepsie keine starken visuellen Stroboskopeffekte oder bewegten Muster angeboten bekommen. Weitere mögliche Nebenwirkungen sind Angstreaktionen, Schwindel oder Übelkeit bei unpassender Reizkombination. Insgesamt empfehlen Fachleute, den Nutzen des Snoezel-Angebots regelmäßig zu überprüfen und nur bedarfsorientiert einzusetzen.

Raumgestaltung, Materialien und Sensorik

Ein Snoezelenraum (manchmal auch „Weißer Raum“ genannt) wird bewusst als ruhige Sinnesoase gestaltet. Meist herrscht hier eine gedimmte, einfarbige Umgebung (Wände und Boden beispielsweise in neutralem Weiß oder Pastell). Dies stellt sicher, dass die gezielt eingesetzten Licht- und Farbeffekte gut zur Geltung kommen und nicht durch bunte Muster gestört werden. Der Raum ist mit bequemen Sitz- und Liegegelegenheiten ausgestattet – etwa Sesseln, Liegen, Kissenhaufen oder Schaukeln. Oft findet sich sogar ein Wasserbett, das sanfte Bewegungen mit akustischer Begleitung koppelt. Eine gute Belüftung und barrierefreier Zugang sind wichtig, damit sich alle Bewohner wohl und sicher fühlen. Die Atmosphäre sollte warm und nicht klinisch wirken (weiche Textilien, warme Temperaturoptimum).

Lichtelemente: Eine zentrale Rolle spielen visuelle Reize. Dazu gehören zum Beispiel Wasserblasensäulen mit wechselnden LED-Farben, Leuchtfasern oder faseroptische Gardinen, die ein sanftes Lichtspiel erzeugen. Sternenprojektoren oder Sternenhimmel-Module an der Decke schaffen einen beruhigenden Raum-Effekt. Auch Lavalampen oder farbige, gedämpfte Lampen (Kerzenlicht-Effekt) werden häufig eingesetzt. Wichtig ist, dass die Lichter nicht zu grell blinken, sondern sich langsam ändern.

Klang und Musik: Akustische Elemente runden das Konzept ab. Im Hintergrund kann leise Entspannungsmusik oder Naturklänge (Meeresrauschen, Vogelgezwitscher) laufen. Zusätzlich kommen manuelle Klanggeräte zum Einsatz: Beispielsweise werden Klangschalen, Glocken oder Windspiele genutzt, die beim Berühren harmonische Töne erzeugen. Über ein eingebautes Musikanlagensystem können sanfte Melodien oder Hörbücher abgespielt werden.

Tastsinn und Haptik: Unterschiedliche Texturen bieten haptische Reize. Weiche Kissen, Sitzsäcke oder Matten mit eingearbeiteten Vibrationselementen erlauben es den Bewohnern, verschiedene Flächen zu ertasten und zu liegen oder zu sitzen. Zum Ertasten gibt es beispielsweise Fühlbücher, Plüschtiere, taktile Wandtafeln oder Stoffvorhänge aus verschiedenen Materialien. So kann die Person aktiv mit den Händen erkunden und die Reize spüren.

Duft und Geschmack: Eine Aromaecke mit ätherischen Ölen (z.B. Lavendel, Orange, Zimt) kann für olfaktorische Stimulation sorgen. Diese wird vorsichtig dosiert (Diffuser oder Duftlampe), damit der Raum nur dezent parfümiert ist. Auch frisches Obst zum Riechen oder Schmecken (z.B. der Duft einer Zitrone) wird gelegentlich angeboten. Dabei achtet man auf mögliche Allergien oder Empfindlichkeiten.

Beispiele für Snoezelen-Ausstattung:

  • Visuelle Reize: Wasserblasensäule, farbige Lampen, Lavalampen, Leuchtfasern, Projektoren (Sternenhimmel, Schneekugel-Projektion).

  • Akustische Reize: Entspannungsmusik, Naturklänge (Wald, Meer), Klangschalen, Windspiele, sanfte Glockentöne.

  • Taktile Reize: Weiche Kissen, vibrierende Massagegeräte, Fühlbücher, taktile Matten (mit Sand oder Moos).

  • Olfaktorische Reize: Aromadiffusor mit ätherischen Ölen (z. B. Lavendel, Vanille, Orange).

  • Möblierung: Bequeme Sitz- und Liegeplätze (Sessel, Liegen, Wasserbett) sowie ggf. ruhige, unaufdringliche Dekoration.

  • Sicherheitsaspekte: Rutschfester Boden, gesicherte Kabel, stabile Aufbauten (nichts kann kippen), Feuerschutzmaßnahmen. Kleinteilige oder leicht verschluckbare Objekte sind zu vermeiden. Bei bekannten Risiken (z.B. Epilepsie) werden potenziell auslösende Reize (Stroboskop-Licht, scharfe Gerüche) weggelassen.

Umsetzung in der Praxis

In der Praxis wird Snoezelen meist als ergänzendes Betreuungsangebot eingesetzt. Dabei gibt es verschiedene Vorgehensweisen: In vielen Einrichtungen steht ein fester Snoezelenraum zur Verfügung, den sich Bewohner nach Absprache oder Terminwahl individuell nutzen können. Alternativ existieren Snoezelenwagen – transportable Gerätewagen mit einer Auswahl an Lichteffekten, Lautsprechern und Tastmaterial –, die in normale Zimmer oder Aufenthaltsbereiche geschoben werden können. Dieses mobile Konzept ermöglicht es, auch bettlägerigen oder weniger mobilen Menschen die Methode nahezubringen.

Rollen der Betreuungskraft: Die Betreuungskräfte übernehmen beim Snoezelen primär eine beobachtende und assistierende Rolle. Ihre Aufgabe ist es, die Person auf die Empfindungen vorzubereiten und ihr das Angebot zu ermöglichen, ohne Druck auszuüben. Beispielsweise können sie sanft die Hand der Person führen, einen Farb- oder Klangschalter betätigen oder einen Stoff auf die Haut legen, während sie selbst ruhig daneben sitzen. Sie achten auf nonverbale Signale: Wenn jemand eine Berührung zurückweist oder einen Reiz als unangenehm empfindet, wird dies respektiert und auf den nächsten Moment verschoben. Vor einem Snoezelen-Angebot sollte daher immer geklärt sein, welche Reize die Person mag bzw. nicht mag (z. B. bevorzugte Musikrichtungen, berühmte Lieder aus ihrer Jugend, schöne Duftvorlieben).

Weiterhin planen Betreuungskräfte die Sitzungen: Sie stimmen Inhalte und Dauer des Snoezelen auf den Zustand des Bewohners ab. So kann eine gut vorbereitete Snoezelen-Einheit beispielsweise so ablaufen, dass die Wände dunkel werden (dimmen) und ein sanftes Lichtspiel über eine mobile Lichtquelle läuft, während die Person sich entspannt hinlegt. Anschließend wird vielleicht ruhige Gitarrenmusik abgespielt und ein beruhigendes Duftöl vernebelt. Die Betreuungskraft kann jeweils entscheiden, wie lange sie jeden Reiz einsetzt, um weder Über- noch Unterstimulation zu erzeugen.

Dokumentation und Reflexion: Nach der Snoezelen-Einheit wird dokumentiert, welche Reize gewählt wurden und wie die Reaktion ausgefallen ist. Wurde der Bewohner ruhiger oder nervöser? Hat sich die Mimik entspannt? Solche Beobachtungen fließen in künftige Planungen ein. So lässt sich überprüfen, ob das Angebot einen Nutzen hatte oder angepasst werden muss. Regelmäßige Teambesprechungen im Pflege- und Betreuungsteam helfen, Snoezelen optimal in den Alltag zu integrieren und Erfahrungen auszutauschen.

Beispiele aus der Praxis: In einer demenziellen Wohngruppe kann ein Snoezel-Angebot als wiederkehrende Aktivität eingeführt werden – etwa jeden Dienstag Nach­mittag einen ruhigen Termin. Dabei könnte man zu Beginn gemeinsam sanftes Meeresrauschen abspielen lassen und einen Kakteen-Sand-Vorhang tasten, um Erinnerungen ans Meer zu wecken. In anderen Einrichtungen kombinieren Mitarbeitende Snoezelen mit jahreszeitlichen Themen: Im Winter etwa erleuchten Sternenprojektoren und weihnachtliche Düfte, im Sommer werden fröhliche Vogelgesänge und Sommerblumenduft verwendet. Auch tiergestützte Anwendungen sind möglich: Manchmal bringen Einrichtungen kleine Schoßtier-Hunde mit, die zusammen mit dem Sinnesreizen Ruhe spenden – ein sogenanntes „Snoezelen mit Tieren“.

Herausforderungen: In der Praxis treten auch Probleme auf. Das Vorhandensein eines Snoezelenraums alleine garantiert noch keinen Erfolg. Ohne geschulte Fachkräfte kann das Angebot schnell zur bloßen Aktivität ohne Wirkung werden. Pflegekräfte müssen in Snoezelen-Grundlagen geschult sein, um Risiken zu kennen (z.B. bei Epilepsie, Vorerkrankungen, Angstneigung) und die Sitzungen sinnvoll anzuleiten. Auch die Organisation muss stimmen: Falls nur ein einziger Raum für viele Bewohner zur Verfügung steht, reichen die Termine möglicherweise nicht aus. Deshalb empfiehlt es sich, flexibel zu sein (Nutzung im Gruppenraum oder mobil mit Wagen) und das Konzept bedürfnisorientiert zu gestalten.

Ein weiterer Aspekt ist die Messbarkeit des Erfolgs: Da es keine zuverlässigen Langzeitstudien gibt, ist Snoezelen oft ein „Therapie-Strohhalm“ in Einrichtungen, in denen andere Methoden an ihre Grenzen stoßen. Betreuungskräfte sollten daher regelmäßig überprüfen, ob individuell eine Verbesserung eintritt oder ob andere Angebote notwendig sind. Kritiker mahnen an, Snoezelen nur dann einzusetzen, wenn wirklich eine Chance besteht, dass es einem Bewohner guttut, und es nicht nur deshalb anzubieten, weil die Räumlichkeiten dafür vorhanden sind.

Zusammenfassung: Snoezelen ist ein sinnvolles, aber anspruchsvolles Betreuungsinstrument. Richtig umgesetzt kann es Senioren, insbesondere Demenzkranken, einen Moment der Ruhe und Freude bescheren. Entscheidend ist eine personenorientierte Planung: Der Raum, die Materialien und die begleitende Pflegekraft müssen auf die individuellen Bedürfnisse der Bewohner abgestimmt sein. Nur so erfüllt Snoezelen seinen Zweck, sensorische Wahrnehmung zu fördern, positive Emotionen anzuregen und zur Entspannung beizutragen. Bei Befolgung dieser Grundsätze kann das Snoezelen-Betreuungsangebot die Lebensqualität in der Altenpflege bereichern – wenngleich stets kritisch begleitet und dosiert.

Snoezeln-Aktivierungen für Senioren

Snoezeln ist ein ganzheitlicher Ansatz, der alle Sinne anspricht und in der Altenpflege eingesetzt wird, um Entspannung, Freude und Wohlbefinden zu fördern. Durch sanfte visuelle, auditive, olfaktorische, taktile und gustatorische Reize sowie leichte Bewegung entsteht eine angenehme, individuell anpassbare Umgebung. Dieses interaktive Konzept (aus den niederländischen Worten “snuffelen” – erkunden – und “doezelen” – entspannen – abgeleitet) kann sowohl in Einzel- als auch Gruppensettings genutzt werden.

Visuelle Stimulation (Farben, Licht, Bilder)

Lichtzauber-Raum – Ein abgedunkelter Raum wird mit wechselnd farbigem Licht und indirekter Beleuchtung gestaltet.

Material: LED-Lichterketten, Farbfolien (rot, grün, blau), kleine Projektion (z.B. mit Smartphone oder Diaprojektor), Diffusor oder Duftlampe als Lichtquelle.

Schritte:

  1. Raum abdunkeln (Vorhänge schließen). Lichtquellen mit Farbfolien abdecken oder mehrfarbige LED-Ketten verwenden.

  2. Langsame Farbwechsel einstellen oder per Hand wechseln lassen (z.B. Rot → Blau → Grün). Dabei beobachten, welche Farben am besten gefallen.

  3. Ein ruhiges, sanftes Hintergrundbild projizieren (Natur, Wasser, Blätter) oder Lampenschirme einsetzen.

Praxisbeispiel: In einer Gruppe können Bewohner abwechselnd eine Lichtfolie auswählen und das Leuchtbild bestaunen. Bei Bedarf sanfte Musik oder Meeresrauschen untermalen. (Tipp: Beobachten, ob ein Bewohner auf bestimmte Farben reagiert, und Farben individuell anpassen.)

Kaleidoskop basteln – Ein einfaches Kaleidoskop als optischer Reiz für Farben und Formen.

Material: Leere Pappröhre (z.B. Küchenrolle), buntes Transparentpapier/Glassteine, kleines Plastikspiegeldreieck (basteln oder fertig kaufen), Klebeband.

Schritte:

  1. Pappröhre mit Lichtfolie außen bekleben. Im Inneren das Spiegeldreieck mittig fixieren (spitze zeigt zur Röhre).

  2. Am offenen Ende buntes Transparentpapier oder schillernde Folie anbringen. Obere Öffnung mit farbigen Glassteinchen füllen (in Schutzhülle).

  3. Bewohner hält das Kaleidoskop ans Auge und dreht es langsam: Die Lichtdurchlässigkeit der Folie erzeugt farbenfrohe Muster.

Praxistipp: Diese Aktivität eignet sich gut für Einzelpersonen, kann aber auch in der Gruppe zum Nachschauen weitergereicht werden. Einige Senioren finden es beruhigend, sich auf die bunten Muster zu konzentrieren.

Fotowand oder Diashow – Persönliche Bilder als visueller Anker.

Material: Familienfotos, Bilder aus der Biografie, Landschaftsaufnahmen, Diaprojektor oder Tablet/TV.

Schritte:

  1. Fotos thematisch sortieren (z.B. Familie, Heimat, Natur, Jahreszeiten). Bei Gruppenstunde eine Präsentation vorbereiten.

  2. Bilder an einer Wand oder Wäscheleine aufhängen oder über einen Projektor/Tablet groß zeigen.

  3. Bewohner aktiv einbeziehen: Ein Bild auswählen lassen, kurze Gespräche darüber führen („Wer ist darauf?“).

Praxisbeispiel: Während einer kleinen Gruppenrunde schaut man sich gemeinsam Fotos aus der Jugendzeit an. Der Pflegende spricht die Bewohner direkt an („Erinnern Sie sich an diesen Ort?“). Dies weckt Erinnerungen und fördert die Kommunikation (ansonsten auf einfache Beschreibung der Bilder achten).

Sternenhimmel-Projektor – Schaffung einer entspannenden Deckenprojektion.

Material: Kleines LED-Sternenprojektor-Gerät oder Bauplatte mit LED-Lichtern, ggf. Effektvorrichtung (z.B. Lava-Lampe für Farbwechsel).

Schritte:

  1. Zimmer in eine ruhige Atmosphäre tauchen (Licht dimmen). Projektor auf sicheren Untergrund richten.

  2. Projektor einschalten: Sterne, Planeten oder Muster erscheinen an Decke/Wände. Gegebenenfalls beruhigende Musik oder Meeresrauschen leise dazu abspielen.

  3. Bewohner kann sich auf ein Kissen legen oder bequem sitzen, sich die Projektion ansehen. Der Pflegende benennen Schattenbilder („Da fliegt ein Vogel!“) und gemeinsam entspannt ins Bild „hineinträumen“.

Praxistipp: Besonders wirksam als Einzelstunde vor dem Schlafen oder während einer Ruhephase in Kleingruppe. Einige Bewohner fühlen sich durch die „Weite des Sternenhimmels“ beruhigt und geben sich sanfteren Bewegungen hin.

Wassersäule oder Licht-Wasser-Box – Bewegte Wasserprojektion.

Material: Wassersäule (Bubble Tube) mit farbigen LED-Lichtern oder selbstgemachte „Wasser-Box“: Plexiglas mit Wasser und Glitzer/Gels.

Schritte:

  1. Bei Fertigprodukt Wassersäule aufstellen und leise einschalten (Bläschen erzeugen, sanftes Plätschern).

  2. Für DIY: zwei Plexiglasplatten mit dichtendem Rand verkleben, dazwischen Wasser mit Lebensmittelfarbe, Glitzer und evtl. Metallic-Papier wickeln. Beleuchtung durch LED-Strips von unten. Bewohner zieht Schiffchen oder schwimmende Figuren durchs Wasser.

Praxistipp: Das sanfte Blubbern und die sich im Wasser bewegenden Lichter beruhigen stark ängstliche oder unruhige Bewohner. Kleine Gruppen können sich um das „Mini-Aquarium“ setzen und beobachten. Wichtig ist eine stabile Aufstellung, damit kein Wasser verschüttet wird.

Farbige Seidentücher-Tanz – Visueller Spaß mit bunten Tüchern.

Material: Mehrere leichte Seidentücher in verschiedenen Farben.

Schritte:

  1. Bewohnern im Sitzen je ein buntes Tuch geben. Vorsichtiges Schwingen oder sanftes Fächeln mit dem Tuch anregen.

  2. Mit Musik (z.B. Walzer oder langsame Lieder) verbinden: Der Pflegende hebt Tuch hoch, bewegt es langsam. Bewohner folgt mit Tuchbewegung oder hält es an buntem Himmel.

Praxisbeispiel: In der Gruppe wird ein kleines Tanzspiel daraus: Jeder schwenkt sein Tuch im eigenen Rhythmus. So entsteht ein Farbtanz. Farbassoziationen ansprechen („Rot erinnert an Rosen, Gelb wie die Sonne“), das regt die visuellen Assoziationen an.

Mobile oder Windspiel basteln – Sanft bewegte Farben.

Material: Bunte Pappringe oder leichte Holzfiguren, Schnur, Holzstäbe.

Schritte:

  1. zusammen mit Bewohnern bunte Figuren zuschneiden (Sterne, Blumen) oder bemalen. An Fäden befestigen und an einem Querholz aufhängen.

  2. Mobilésystem über einem Sessel oder an der Decke befestigen. Leichtes Windchen (Ventilator auf niedrig) oder Handbewegungen lassen die Teile sachte schaukeln.

Praxistipp: Achtet darauf, dass sich die Bewohner nicht erschrecken (langsamer Windschub). Gespräche über das Spiel der Figuren vertiefen die visuelle Wahrnehmung („Schauen Sie, wie die Blume sich dreht“).

Auditive Stimulation (Musik, Geräusche)

Gemeinsames Liedersingen – Bekannte Volkslieder oder Lieblingslieder aus der Jugend.

Material: Liedtexte oder Liederbücher, ggf. einfache Musikinstrumente (Rasseln, Triangel).

Schritte:

  1. Vorab Lieblingslieder oder Volkslieder klären (z.B. „Am Brunnen vor dem Tore“). Texte bereitlegen.

  2. Singrunde: Pflegender oder Musiker begleitet mit Gitarre oder Klavier, Senioren summen oder singen mit – je nach Fähigkeit. Instrumente (Rassel, Triangel) können zum Mitmachen gereicht werden.

  3. Zwischen den Liedern kurze Erinnerungsrunden („Wann haben Sie dieses Lied zuletzt gehört?“).

Praxisbeispiel: Singen in der Gruppe fördert den Zusammenhalt. Wenn das Singen zu schwerfällt, kann einfach Zuhören und Mitsummen genügen. Besonders wirksam bei Demenz: Musikwiedererkennung aktiviert bekannte Hirnbereiche.

Rhythmus-Spiele – Mit einfachen Schlaginstrumenten oder Klatschen.

Material: Trommeln, Klanghölzer, Rasseln, oder selbstgemachte Rhythmusinstrumente (belegte Dosen mit Reis).

Schritte:

  1. Jeder Bewohner erhält ein Instrument. Einfache Rhythmen vormachen (z.B. 2× Trommel, 2× Pause).

  2. Bewohner lassen die Instrumente zu aufgedrehter Musik erklingen. Der Pflegende koordiniert ein rundes Mitspielen oder ein Wechselspiel.

  3. Abwechselnd Stillepausen einbauen und auf Geräusche im Raum achten (Hörmemory: wer hört was?).

Praxisbeispiel: Gruppensettings eignen sich gut: Nacheinander „wer spielt ein Solo“ motiviert zum aktiven Mitmachen. Auch einzelne Bewohner können im eigenen Rhythmus trommeln, da ein Schlag jede Tastsinn- und Gehörsinteraktion fördert.

Naturklänge hören – Wald- oder Meeresrauschen.

Material: Aufnahme oder CD mit Naturgeräuschen (Vogelgezwitscher, Wellenrauschen, Wind in Bäumen). Lautsprecher oder Kopfhörer.

Schritte:

  1. Tonquelle auswählen und starten. Der Raum ist ruhig zu halten, evtl. abdunkeln.

  2. Bewohner schließen die Augen, atmen bewusst, bewegen sich sanft nach Rhythmus der Klänge (Wellenbewegung im Sitzen).

  3. Währenddessen spricht der Betreuer leise Bilder an („Hören Sie die Möwen? Stellen Sie sich Strand vor“).

Praxisbeispiel: Sorgt für Entspannung. Kann als Einzelaktivität angeboten werden oder in der Gruppe, um Erinnerungen an Ausflüge ins Freie zu wecken (Biografie-Anknüpfung: „Früher haben Sie doch gern am Meer Urlaub gemacht!“).

Klangmassage – Beruhigende Klangschale oder sanftes Summen.

Material: Klangschale mit Schlägel, bequemer Stuhl oder Sessel.

Schritte:

  1. Bewohner setzt sich bequem, die Klangschale wird auf einer Unterlage vor ihm platziert.

  2. Pflegender schlägt mit dem Schlägel sanft außen an die Schale oder lässt es kreisen. Langanhaltende, harmonische Töne entstehen.

  3. Bewohner kann die Klänge schließen Augen anhören, dabei leichte Handmassage oder Fußmassage erhalten (kombinierte Stimulation).

Praxistipp: Gute Wirkung bei Anspannung oder Unruhe. Der tiefe Ton und das langsame Ausklingen fördern Entspannung. Immer nach Verträglichkeit fragen, da manche Menschen laute Klänge als unangenehm empfinden.

Geräusche-Memory – Alltags- und Naturgeräusche erraten.

Material: Smartphone oder CD-Player mit Audiodateien (Tür schließen, Vogel, Auto, Glocke). Kopfhörer.

Schritte:

  1. Verschiedene kurze Tonaufnahmen bereithalten (Eiswürfelklirren, Vogelgezwitscher, Briefträger-Auto).

  2. Im Wechsel vorspielen, die Bewohner raten lassen, um welches Geräusch es sich handelt. Der Pflegende gibt Tipps.

  3. Über das Geräusch sprechen (z.B. Vogelgezwitscher → Erinnerung an Garten).

Praxisbeispiel: In der Gruppe kann man kleine Preise ausloben („Wer errät es zuerst?“). Guter Gedächtnistrainer, da Zuhören und Erinnern kombiniert werden. Auch allein gut möglich: Kopfhörer bieten konzentrierte Hörerfahrung.

Instrumentenalphabet – Einfache Melodien mit Instrument ausprobieren.

Material: Kleininstrumente (Kastagnetten, Klangstäbe, Trommel).

Schritte:

  1. Bewohner eine vertraute Melodie nennen lassen (wie „Alle Vögel sind schon da“). Pflegender spielt sie langsam auf einem Instrument (oder singt dazu).

  2. Dann darf Bewohner nachmachen (gefordert: rhythmisch mitklatschen oder auf Trommel schlagen, einfache Melodien summen).

  3. Wechseln und erneut ausprobieren mit anderen Liedern.

Praxisbeispiel: Fördert Selbstwirksamkeit: Jeder spürt, dass er/sie ein Instrument bedienen kann. Dieses Wiedererkennen von Musik aus der Vergangenheit löst häufig ein Lächeln oder Mitmachen aus.

Olfaktorische Stimulation (Gerüche, Aromen)

Kräutertöpfchen pflegen – Grüner Duft und Berührung.

Material: Frische Küchenkräuter (Basilikum, Rosmarin, Pfefferminze) in Töpfen, Gießkanne, Lappen.

Schritte:

  1. Gemeinsames Umtopfen oder Bepflanzen kleiner Töpfe mit Erde und Kräuterpflanzen.

  2. Bewohner dürfen Erde fühlen und Blätter sanft reiben (Freisetzung des Aromas). Beim Gießen tief riechen.

  3. Später Kräuter beim Kochen verwenden (Verbund mit Geschmack).

Praxistipp: Kräuter bringen intensiv natürlichen Duft in den Alltag. Auch in Einzelgesprächsform möglich: Bewohner beschreibt Geruch (z.B. Minze erinnert an Sommertag). Aktivieren Sie alle Sinne: Hören (blätterrascheln), Fühlen (Erde) und Sehen (Grün) inklusive.

Gewürz-Ratespiel – Erinnerungen durch Düfte wecken.

Material: Kleine Schälchen mit markanten Gewürzen (Zimtstange, Kaffee, Nelken, Vanille, Zitrus). Geschlossene duftende Dosen oder Beutel.

Schritte:

  1. Schälchen oder Dosen mit einem Lappen abdecken, Bewohner riecht daran.

  2. Raten lassen, was es ist, dann darüber sprechen („Zimt – erinnert an Weihnachten“).

  3. Kombination mit Geschichten: Beim Duft von Kaffee die morgendliche Kaffeemühle nachstellen (Kaffee mahlen oder aufbrühen).

Praxisbeispiel: Oft löst der Geruch sofort Bilder und Erinnerungen aus. Die Übung kann auch abgewandelt werden zu „liebt / mag nicht“-Aussagen, um persönliche Vorlieben kennenzulernen. Das Aktivieren von Geruch (Olfaktorik) beugt Sinnesstumpfheit vor.

Aromatherapie-Massage – Duftende Hand- oder Armmassage.

Material: Duftöl (Lavendel, Zitrone, Rosengeranium), Handtücher, Lotion.

Schritte:

  1. Handtuch in warmem Wasser befeuchten, ggf. Tropfen ätherisches Öl darin einlegen. Über die Hand legen.

  2. Pflegender massiert sanft Hände und Unterarme mit duftender Lotion. Bewohner atmet bewusst ein.

  3. Währenddessen leise beschreiben („Ich massiere nun mit Lavendelöl. Das beruhigt unsere Sinne.“).

Praxisbeispiel: Eine ehrenamtliche Betreuerin berichtet, dass gedämpftes Licht und blühender Lavendel auf dem Tisch auch die Atmosphäre vervollständigen. In Einzelsetting sehr entspannend, fördert Körpergefühl und Wohlbefinden.

Duftkissen gestalten – Sinneswahrnehmung zu Hause.

Material: Kleine Kissen (Baumwolle), verschiedene Düfte (getrocknete Lavendelblüten, Zimtstangen, Rosenblätter, ätherische Öle), Nadel, Faden, Füllwatte.

Schritte:

  1. Bewohner füllt unter Anleitung ein Kissen mit einer Duftkomponente (Lavendel, Kaffee). Gestaltungsidee: Ein kleines Stofftier anfertigen, das duftet.

  2. Gemeinsames Aneinanderreiben der Kissen (Reiben aktiviert Duft). Dabei über den Geruch und Alltagserinnerungen sprechen.

  3. Bewohner nimmt Kissen in den Wohnbereich mit oder legt es auf seinen Sessel/Bett.

Praxisbeispiel: Viele Senioren fühlen sich sicherer, wenn vertraute Gerüche in der Nähe sind. Das selbstgemachte Kissen kann abends vor dem Schlafengehen gerochen werden. Tipp: Ältere Parfums oder Seifendüfte ergeben ebenfalls sehr individuelle Erinnerungskicks.

Duftreise durch die Jahreszeiten – Saisonale Düfte einsetzen.

Material: Frische oder getrocknete Saisonpflanzen (Frühling: Flieder, Minze; Sommer: Rosenblätter; Herbst: Tannenzweige, Zimt; Winter: Nelken, Orangen). Eventuell Duftspray oder Duftkerze passend.

Schritte:

  1. Jeden Monat oder zu Gruppenterminen ein Thema wählen (z.B. Advent, Frühlingserwachen). Kräuter oder Blumen passend arrangieren.

  2. Die Bewohner geben Kräuter oder Tannenzapfen in die Hand und riechen. Beim Duftschwerpunkte kurze Geschichten erzählen (Weihnachtsbäckerei, Frühlingsspaziergang).

  3. Die Büschel als Raumdeko verteilen oder Teelichter mit Aroma zur Hand geben.

Praxistipp: Duftaromen wie Zimt oder Vanille können beim gemeinsamen Plätzchenbacken gekoppelt werden. Die Jahreszeitenwirkung erleichtert Orientierung (Frühling=Neu-Anfang, Herbst=Ernte usw.), erinnert an frühere Jahresabläufe.

Gustatorische Stimulation (Geschmackserlebnisse)

Tee- oder Kaffeespezialitäten-Verkostung – Sinne schulen beim Probieren.

Material: Verschiedene Teesorten (Früchtetee, Kräutertee, Schwarztee), Kaffee (Filterkaffee, Espresso, entkoffeiniert), Tassen, Zucker, Zitrone.

Schritte:

  1. Tablett mit kleinen Tassen verschiedener Getränke bereitstellen. Bewohner riechen am Heißgetränk (ausdampfen lassen).

  2. Jeder probiert in Ruhe, danach notiert oder beschreibt man gemeinsam Geschmackseindrücke (süß, sauer, bitter).

  3. Alternativ bei einzelnen Bewohnern kann die Pflegekraft vorsichtig einen kleinen Schluck geben („Bitte lassen Sie den Geschmack im Mund wirken“).

Praxisbeispiel: Ein Ex-Pilot erklärte einmal beim Duft von Kaffee: „Das nehme ich nie im Flugzeug wahr.“ Solche Kommentare belohnen den Teilnehmer durch persönliche Gesprächsanregung. Beim gemeinsamen Angebot in Gruppe entsteht angenehme Teerunde-Atmosphäre.

Obst-Buffet – Verschiedene Geschmacksrichtungen kombinieren.

Material: Frisches Obst (Äpfel, Birnen, Trauben, Kiwi, Orangen), Joghurt/Dip (Honig, Zimt), scharfes Messer (für Betreuungskräfte).

Schritte:

  1. Obst in mundgerechte Stücke schneiden (zwei Sorten, um Abstöße zu vermeiden) und ansprechend anrichten. Wer kann, schält und schneidet selbst mit Hilfe.

  2. Mit Dips (Honig, Joghurt mit Minze) kombinieren. Bewohner probieren und entscheiden, ob es süß genug ist.

  3. Den Geschmack langsam verinnerlichen, auch dabei über Früchte und deren Herkunft sprechen.

Praxistipp: Bei Demenzpatienten auf selbstständiges Essen achten (ggf. von beiden Seiten füttern lassen). Essen fördert die Mundmotorik und ruft oft frühkindliche Erinnerungen wach („Angeblich schmeckt Essen immer besser, wenn man es selbst vorbereitet hat.“).

Süß–Sauer–Salzig–Bitter-Probe – Geschmackskategorien erleben.

Material: Kleine Kostproben: Zitronenscheibe (sauer), Schokolade/Marzipan (süß), Salzstangen oder Kartoffelchips (salzig), Grapefruit/Schwarzer Kaffee (bitter). Zahnstocher oder Löffel.

Schritte:

  1. Jeweils winzige Portionen verabreichen (z.B. eine halbe Zitronenecke, ein kleines Stück dunkle Schokolade). Bewohner darf langsam auf der Zunge kosten.

  2. Insbesondere bei unbekannten oder starken Geschmäckern sehr vorsichtig vorgehen (bittere Grapefruit). Notfalls verweigert ein Bewohner – das ist in Ordnung.

  3. Gespräche über bevorzugte Geschmäcker führen: „War es zu sauer? Wir können es mit Honig milder machen.“

Praxisbeispiel: Besonders im Demenzbereich kann das „Zitronen-Stupsen“ Lachen und Überraschung auslösen – ein kleines Erfolgserlebnis, wenn jemand sagt: „Oh, das ist aber sauer!“. Nie übereinander hinweg entscheiden, was jemand probieren soll.

Gemeinsames Kräuterbutter-Rezept – Kochen als Gustation.

Material: Frische Kräuter (Schnittlauch, Petersilie), weiche Butter, Knoblauchzehen, Salz/Pfeffer, Schüssel, Messer.

Schritte:

  1. Besprechen, welche Kräuter gerne verwendet werden. Kräuter würfeln oder schreddern lassen (nach Fähigkeiten).

  2. Butter in Schüssel geben, mit Kräutern und Gewürzen vermengen. Bewohner rühren oder stampfen mit Gabel durch (auch ein taktiler Reiz).

  3. Abgeschmeckte Mischung verkosten (auf Brot servieren). Über Geschmack und Textur sprechen.

Praxistipp: Essen aktiv einbinden – etwa mit einem kleinen Picknick-Tisch im Gruppenraum. Durch das Zubereiten wird neben Geruch und Geschmack auch Aktivität und Sozialkontakt geschaffen.

Eiscreme-/Joghurt-Degustation – Kaltes Vergnügen.

Material: Vanilleeis oder Naturjoghurt, verschiedene Toppings (Krokant, Schokostreusel, Zimt, Fruchtkompott), kleine Löffel, Schälchen.

Schritte:

  1. Jeder Bewohner kann ein Basisgläschen (Eis oder Joghurt) bekommen. Nach Wunsch wählt er eines der Toppings aus.

  2. Bei Bedarf einen Löffel in die Hand legen, der Bewohner hält/fühlt zuerst das Schälchen. Langsam probieren lassen.

  3. Danach kann über Kälte- und Süßempfinden gesprochen werden.

Praxistipp: Im Sommer besonders erfrischend, im Winter geht warmer Apfelpunsch oder Kakao auch in diese Kategorie. Wichtig: Auf Klecker-Gefahr achten und langsam füttern, wenn nötig.

Taktile (Haptische) Stimulation (Fühlen, Berührung)

Fühlbox – Ertasten hinter geschlossenen Lidern oder in einer Kiste.

Material: Verschiedene Materialien (Stoffprobe, Nüsse, Kork, Plüschtiere, Sanitärknete). Kiste mit Öffnung.

Schritte:

  1. Bewohner steckt die Hand in eine mit Tüchern verdeckte Kiste oder unter ein Tuch auf dem Tisch.

  2. Unterschiedliche Gegenstände legen (z.B. weicher Pelzstoff, rauher Sandpapier-Kreis, kühler Metall-Löffel). Bewohner beschreibt: weich/hart, kalt/warm, glatt/rau.

  3. Darüber sprechen („Ein Stück Plüsch, erinnert Sie das an das Fell eines Haustiers?“).

Praxisbeispiel: Sehr geeignet bei Unruhe (ruhige Ablenkung). Nach einem harschen Material (Sandpapier) darf ein kuscheliges folgen – so wird das Wohlgefühl stärker empfunden. Tauschen Sie auch Rollen (Betreuer fühlt und beschreibt für Bewohner).

Kirschkern- oder Wärmekissen – Wärme und Druck.

Material: Kirschkernkissen oder fertig gefüllte Wärmekissen; alternativ kleines Wärmetier oder Handtücher.

Schritte:

  1. Kissen nach Anleitung erwärmen (Mikrowelle oder im Wasserbad).

  2. Bewohner das warme Kissen auf den Schoß oder in die Hände nehmen lassen. Die angenehme Wärme und das feste Gewicht beruhigen.

  3. Wechselseitig sanftes Kneten am Kissen oder Druckstellen erproben (z.B. sanft drücken und loslassen).

Praxisbeispiel: Hilfreich bei Schmerzen oder Verspannungen. Kissen können auch an Schulter oder Nacken gelegt werden. Seniorinnen mit fröstelnden Händen fragen gern danach. Integration in Entspannungseinheit möglich (kombinieren mit Atemübung).

Handmassage und Aromapflege – Verbunden mit Pflegeberührung.

Material: Warme Pflegelotion mit angenehmem Duft, Handtuch.

Schritte:

  1. Hände gründlich waschen und abtrocknen. Wärmen Sie die Lotion in den Händen.

  2. Beginnen Sie mit sanften Streichbewegungen über Handrücken und Handfläche, wechseln zu kräftigem Kneten der Fingergrundgelenke.

  3. Lassen Sie den Bewohner spüren, dass warmes Öl die Haut wärmt und entspannt (Taktile + Wärme).

Praxistipp: In vielen Pflegeheimen hat sich die Handmassage als Teil der Basispflege etabliert. Das taktile Element stärkt die Körperwahrnehmung und Bindung. Fragen Sie den Bewohner zwischendurch nach dem Druckgefühl („Ist Ihnen das recht so?“).

Textil-Tapete oder Tast-Parcours – Unterschiedliche Stoffe ertasten.

Material: Quadrate oder Streifen aus Stoffen mit verschiedenen Texturen (Seide, Baumwolle, Filz, Samt, Leder), ggf. festmachen auf Brett oder große Schachtel.

Schritte:

  1. Auf einer Fläche (oder als „Tapete“ an Wand) mehrere Stoffproben befestigen. Bewohner streicht mit der Hand oder den Fingern darüber.

  2. Nacheinander fühlen lassen: Ist der Stoff kalt/glatt oder rau/flauschig? Beim Gefühl erklären („Das ist Leinen – das fühlt sich etwas kühl und rau an“).

  3. Vergleichsspiele: Augen schließen lassen und schätzen lassen, um welchen Stoff es sich handelt.

Praxistipp: Solche Tastwände sind dauerhaft gut positioniert (z.B. neben dem Sessel). Auch als kleines Memory gedacht, fördert die Konzentration. Selbstklebende Stoffmuster oder Reste aus der Nähgruppe sind perfekt geeignet.

Kneten mit Modelliermasse – Aktives Formen und Fühlen.

Material: Spezielle ungiftige Knete (ergonomisch weich), evtl. Ausstechförmchen.

Schritte:

  1. Bewohner erhält ein Stück Knete (vorzugsweise schon vorbereitet). Zeigen, wie man sie ausrollt und Figuren formt (Kugel, Schlange).

  2. Bewohner kann eigene Formen kneten: Ermütigen Sie, an der Knete zu ziehen, zu drücken, sie weichzukneten.

  3. Figuren nach Lust fertigstellen. Über die Form reden („Das ist ja ein großer Ball!“).

Praxistipp: Fördert Feingefühl und Handkraft. Schön sind thematische Aufgaben: Formen für Weihnachten (Stern, Herz für Geburtstag). Klebebilder mit modellierten Formen beklebt, um Erfolg zu sehen.

Tastsäckchen oder Fühlmemory – Erinnerungsobjekte erfühlen.

Material: Kleine Stoffbeutel mit Alltags- oder Biografieobjekten (Goldmünze, Schlüssel, Kamm, Muschel), Memorykarten mit Objekten.

Schritte:

  1. Pflegekraft steckt Hand des Bewohners in das Sack-Chaos (Fühlbeutel enthalten). Bewohner ertastet Gegenstand, beschreibt Größe, Form, Gewicht.

  2. Danach Gegenstand auspacken und zeigen (z.B. alter Autoschlüssel). Erinnerungen besprechen: „So einen hatten Sie früher auch?“

  3. Alternativ: Bilder zum Objekten legen (Memory-Paar: Bild von „Tasse“ – Fühlgegenstand Tasse).

Praxisbeispiel: Reizvoll für Demenzerkrankte: Viele Gegenstände aus der Vergangenheit sind bekannt. Wer Schwierigkeiten hat, kann zumindest sagen „rund“ oder „rau“, was auch Erfolgserlebnis ist.

Barfußpfad (im Raum) – Steinchen, Moos, Kiesel unter den Füßen spüren.

Material: Kleine Teppichstreifen/Matten mit verschiedenen Oberflächen (Kieselsteinmatte, Moosgummi, Holzplättchen), stabiler Handlauf als Stütze.

Schritte:

  1. Alle Matten in einer Reihe auf den Boden legen. Bewohner geht barfuß oder in Socken über den Pfad, hält sich am Handlauf fest.

  2. Fußsohlen registrieren Temperaturempfindungen und Druckpunkte (gleichzeitig taktil und vestibulär).

  3. Danach in Sitzrunde besprechen, wie sich die Füße anfühlten („Die Steine kitzelten ein wenig, das Moos war weich“).

Praxisbeispiel: Fördert sensorische Fußwahrnehmung, regt Kreislauf an. Kann im Sommer draußen mit Wasser kombiniert werden (Wassertretbecken).

Vestibuläre Stimulation (Gleichgewicht, Bewegung)

Schaukelstunde auf dem Sessel – Sanftes Schaukeln.

Material: Ruhige Sessel oder Schaukelstühle, eventuell Tuch (vor dem Oberkörper spannen).

Schritte:

  1. Bewohner setzen sich gerade hin; Pflegender führt langsames Vor- und Zurückwiegen durch (z.B. Hände sanft auf den Rücken legen oder Tuch halten).

  2. Rhythmus kann von ruhiger Musik begleitet werden. Bewohner sollen mit Augen schließen die sanfte Bewegung genießen.

  3. Wechselweise etwas schneller und langsamer wiegen, stets auf Wohlbefinden achten („Ist Ihnen schwindelig?“).

Praxisbeispiel: Beim leichten Schaukeln werden Gleichgewichtsrezeptoren aktiviert ohne zu überfordern. Besonders für ängstliche oder unruhige Senioren sehr wohltuend. Zwei Personen üben gemeinsam Schwingen und fördern so Vertrauen.

Tanz im Sitzen mit Tüchern – Musikalische Bewegung.

Material: Bunte Tücher (leichtes Stoffband), langsame Musik.

Schritte:

  1. Jeder Bewohner bekommt ein Tuch. Der Pflegende spielt ein langsames, bekanntes Tanzlied.

  2. Bewohner bewegt Arme und Oberkörper zum Rhythmus (Wellenbewegungen) und lässt Tuch locker schwingen.

  3. Augen zu oder auf einen Punkt gerichtet (je nach Gleichgewichtssicherheit). Eine Begleitperson kann mitführen, indem sie sanft Hände führt.

Praxisbeispiel: Die Musik (z.B. Walzer) bestimmt die Bewegungen: „Luftballon-Tanz“ oder ähnliches motiviert zur Teilnahme. Während ein Bewohner führt, darf der andere folgen. So ist wenig Sturzrisiko und Bewegung wirkt aktivierend.

Hand- und Armkreisen – Koordinierte Bewegung.

Material: Keine spezielle, evtl. leichte Bälle oder Luftballons.

Schritte:

  1. Bewohner sitzen. Pflegender demonstriert langsame Armkreise (Hände öffnen/schließen). Bewohner folgen.

  2. Varianten: Mit ausgestreckten Armen Kreise zeichnen, Luftballon in Händen halten und Kreisbewegungen simulieren.

  3. Die Kreise können auf Brusthöhe, Schulterhöhe oder mit ausgestreckten Armen (sicheres Halten) gemacht werden.

Praxisbeispiel: Verbessert die Gelenkigkeit und stimuliert Gleichgewicht durch die Kreuzkoordination (linke Hand bewegt sich, während rechter Arm leicht gegensteuert). Kleingruppe kann Wettdrehen der Arme veranstalten – lustig und aktivierend.

Ball- oder Luftballonspiel – Vestibuläres und taktiles Spiel.

Material: Weicher Ball oder aufgeblasener, festgebundener Luftballon.

Schritte:

  1. In der Gruppe wird ein Luftballon (oder Softball) ganz leicht hochgehalten. Jeder stößt oder wirft ihn leicht zur anderen Person.

  2. Wichtig: Niemand darf rennen, es geht nur um sanftes Tippen. Ball kommt langsam zurück.

  3. Variation: Musik an, Ball muss in der Luft bleiben – rhythmisches Mitbewegen.

Praxisbeispiel: Trainiert Reaktion und Koordination (dazwischen wippen). Im Sitzen ebenfalls möglich, nur mit der Hand. Der Pflegende beginnt und macht es einfacher, z.B. Ball sanft vor den Busen schieben, damit der Bewohner sich recken muss, um ihn zu erreichen.

Gyro-Ball oder Vibrationskugel – Neuartiger aktivierende Reiz.

Material: Eine kleine Vibrationskugel oder "Gyro-Ball" (Handkreisler), evtl. Massageball.

Schritte:

  1. Bewohner erhält die Kugel, so dass sie leicht ist. Er dreht sie in der Hand (leichte Vibration spürbar).

  2. Ziel: Die Vibration etwas verstärken (Gyroskop-Effekt erfordert kleine Bewegungen).

  3. Währenddessen kann der Betreuer die stabile Haltung unterstützen oder Fragen stellen.

Praxisbeispiel: Auch wenn es auf den ersten Blick eher taktil aussieht, verlangt die Vibration nach feiner Muskelsteuerung – ein sanfter Reiz für Gleichgewichts- und Körperwahrnehmung. Für technikaffine Bewohner kann man diese Spielerei spannend erklären.

Bewegungswerkstatt (leichte Gymnastik) – Sitzgymnastik mit Rhythmus.

Material: einfache Instrumente oder Bewegungslieder-CD.

Schritte:

  1. Kurzes Aufwärmen im Sitzen: Schultern kreisen, Füße wippen auf der Stelle.

  2. Danach aktivieren von Armen, Beinen synchron zur Musik (z.B. „Arme gehen hoch – und wieder runter“).

  3. Intensität anpassen: keine ruckartigen Bewegungen.

Praxistipp: Oftmals schon eine Hand zu heben (oder beidseitig) aktiviert das Gleichgewichtssystem. Musik und Bewegung zusammen sind besonders motivierend.

Wippstühle oder Schaukelstuhl im Freien – Kombination aus Luft und Bewegung.

Material: Garten-Schaukelstuhl, evtl. Regenschirm oder Sonnenschirm (für draußen).

Schritte:

  1. Bewohner setzt sich in Schaukel- oder Wippstuhl im Garten oder auf dem Balkon (unter Schutz, ruhig).

  2. Langsam schaukeln lassen: entweder selbst hin- und herwippen oder der Pflegende hilft durch Anschieben.

  3. Die Umgebung als Ablenkung nehmen („Sehen Sie die Wolken vorbeiziehen?“), Naturgeräusche (Vögel) mit aufnehmen.

Praxisbeispiel: Außensitzplätze bieten frische Luft und natürliche Stimulation. Bewegung wird hier sehr sanft mit naturnahen Sinneserlebnissen (frische Luft, Vogelgezwitscher) kombiniert.

Mobile oder Windspiel im Zimmer – Visuell-vestibuläres Reizobjekt.

Material: kleines Mobile oder Windspiel (aus [19]).

Schritte:

  1. Mobiles (leicht drehende Gegenstände) über dem Bewohner anbringen.

  2. Bewohner kann es anschauen, während er sich selbst leicht bewegt (z.B. Oberkörper zur Seite drehen).

  3. Alternativ Windspiel vor offener Tür (aber leise bei geschlossenen Fenstern) – leichte Luftzüge bewegen es.

Praxistipp: Im Basal-Stimulations-Konzept werden genau solche Gegenstände empfohlen. Sie wirken sowohl optisch als auch über kleine luftige Bewegungen im Raum beruhigend. Achtung: Keine scharfen, spitzen Materialien verwenden.

Wasser-Entspannung – Sprudelbad oder sanfte Stimulation durch Wasser.

Material: Für bewegte Wirkung: kleines tragbares Sprudelbad, Handtuch.

Schritte:

  1. Bewohner hat etwas Sprudelwasser in Fußwanne stehen (wenn machbar), auf Höhe der Waden.

  2. Füße leicht bewegen lassen (Kreise mit Sprudel). Das angenehme Prickeln wirkt belebend.

  3. Bei Einzelpflege im Bett: feuchte Hände (Wischungen) mit wechselwarmen Tüchern, sanftes Massieren der Beine unter Bettdecke – das stimuliert die Hautrezeptoren.

Praxistipp: Ein warmes Armbad oder Fußbad bringt den Kreislauf in Schwung und gilt als leichtes „Sprudelbad“ für daheim. Schon Berührung mit Wassertüchern oder kühl-warm-Wechselguss (Duschen) stimuliert die vestibulären Rezeptoren sanft.

Jahreszeiten- und Naturthemen

Frühlingsduft-Tisch – Blumen und Vögel.

Material: Frische Frühlingsblumen (Tulpen, Narzissen), Moos oder Zweige, Vogelgezwitscher-CD.

Schritte:

  1. Blumen in Schalen arrangieren, etwas Moos und Zweige dazugeben (auch für haptisches Element).

  2. Bewohner rückt näher, kann an Blumen riechen, Blätter berühren. Dazu leise Vogelgezwitscher im Hintergrund.

  3. Gespräch anregen: „Wo waren Sie zuletzt spazieren im Frühling?“

Praxisbeispiel: Bringt Frühlingserinnerungen ins Zimmer. Das Arrangement kann im Gemeinschaftsraum stehen und über Tage gepflegt werden. Der haptische Reiz (Blütenblätter) motiviert zum Fühlen.

Sommer-Sand- und Meeresambiente – Strandgefühl.

Material: Eimer mit feinem Sand oder Kies, Muscheln, Bilder oder Video von Meer (Projektor), Lagerfeuersound/Möwenschrei.

Schritte:

  1. Bewohner hat Sand im Schoss oder auf Tisch (unter Tuch), darf darin mit Händen graben. Muscheln ertasten.

  2. Projektion einer Meereskulisse erzeugt Optik von Wellen. Geräusche einer Welle imitiert (Auf- und Abrollen der Hände auf Tisch „wellen“).

  3. Gemeinsam „Strandspaziergang“ innerlich durchführen: Tief einatmen (jodelekzentrisch), „Salzluft“ schnuppern.

Praxisbeispiel: Besonders am heißeren Tagen beliebt. Manche Senioren haben früher im Urlaub standen – das Thema weckt starke Emotionen. Achtung: Den Sand nicht in die Augen oder auf Kleidung kippen lassen – trockenes feuchtes Handtuch bereithalten.

Herbstlaub-Sammlung und Kreativarbeit – Anfassen und Basteln.

Material: Getrocknete Blätter, Kastanien, Bastelkleber, dickes Papier.

Schritte:

  1. Bewohner dürfen Blätter unterschiedlicher Bäume ansehen und fühlen (groß, rau, bunt). Mit Kastanien spielen.

  2. Herbstmotive auf Papier legen: Blätter falten/löcher stanzen oder mit Kleber arrangieren (z.B. Tierformen legen).

  3. Über Farben sprechen („Rot, gelb, braun – die Farben des Herbstes“).

Praxisbeispiel: Schafft künstlerische Identifikation. Beim Sammeln entstehen „Wunderkammer“-Dosen. Besonders für Demenz kann es beruhigend wirken, die Form einer Eichel zu ertasten und am Abdruck zu malen (Material- und Erinnerungsspuren verbinden).

Winter-Lichterfest – Wärme und Kerzenschein.

Material: LED-Winter- oder Adventskerzen, Strohsterne, Tannenzweige, Punschduft (Lebkuchen, Orangen).

Schritte:

  1. Zimmer mit dezentem Licht dekorieren (Windlichter, Lichterkette). Bewohner setzen sich dazu.

  2. Punsch oder warmer Tee servieren (Geruch von Zimt). Bewohner darf Tannenzweig anfassen und Tannenzapfen hören (leises Klimpern).

  3. Geschichten erzählen oder Weihnachtslieder summen.

Praxistipp: Für ältere Menschen kann Kerzenlicht starke Emotionen wecken. Achten Sie auf Sicherheit (LED-Kerzen). Ein Bewohner berichtete: „Das erinnert mich an den Weihnachtsmarkt mit meiner Frau.“ Interaktion entsteht ganz von selbst.

Vogelbeobachtung im Garten – Frühling/Sommer erleben.

Material: Futterhaus oder Futterstelle, Vogelstimmen-CD.

Schritte:

  1. Bewohner nahe Fenster setzen, Vogelhäuschen füttern.

  2. Vogelgesang abspielen und auf ähnliche Klänge der echten Vögel achten. Bewohner errät Vogelarten.

  3. Gleichzeitig die Vogelbilder oder -bücher anschauen (Verbindung zur visuellen Stimulation).

Praxisbeispiel: Erzählen vom letzten Camping-Urlaub oder Vogelfreiheit in Kindheit. Durch Füttern hält man auch körperliche Aktivität (Laufen zum Fenster) fest. Beobachtung der Vögel fördert Aufmerksamkeit und soziale Interaktion (wer spricht den Vogelfreund an?).

Pflanzen- und Kräuter-Tour im Garten – Natur erfühlen.

Material: Blumentöpfe im Garten oder Balkon, Wasserkanne, Gartenschere.

Schritte:

  1. Kurzer Rundgang im Garten oder Innenhof: Bewohner darf Pflanzen berühren (Rosenranken, Lavendel, Weiden). Besprechen, wie etwas schmecken würde oder welch Duft es hätte.

  2. Kleine Gieß- oder Schneide-Aktion anleiten (mehr Aktivierung). Pflegekraft führt dabei den Bewohner, der das Gefühl der Erde/Blätter spürt.

  3. Nach der Runde die Hände waschen (Warm-/Kalt-Reiz) und bei einem Schluck Tee die Eindrücke Revue passieren lassen.

Praxisbeispiel: Saisonal angepasst: Im Frühling Tulpenblätter fühlen, im Herbst Kastanien sammeln. Solche Gänge verbinden Bewegung, Haptik, Geruch und Natur – ein echtes Rundum-Erlebnis.

Biografie- und Erinnerungsaktivitäten

Lebensbuch gestalten – Persönliche Geschichte in Bildern.

Material: Fotoalben, Klebestifte, Karton, Stifte, evtl. fertiges Scrapbook.

Schritte:

  1. Bewohner bringt Bilder von sich in verschiedenen Lebensabschnitten mit. Gemeinsam auswählen, was ins Album kommt.

  2. Fotos einkleben, Beschriftungen schreiben oder jemanden diktieren lassen. Dabei Geschichten erzählen: „Hier war Ihr erstes Auto, oder?“

  3. Album fertigstellen, Bewohner darf es später selbst durchblättern oder der Betreuer nimmt es mit ins Zimmer des Bewohners.

Praxisbeispiel: Biografiearbeit aktiviert beide Hemisphären: visuellen Input und Gedächtnis. Wie: Fotowand / Scrapbooking fördern Erinnerung und Gespräch. Oft werden wichtige Details erst beim Erzählen enthüllt, was Stolz und Freude auslöst.

Erinnerungs-Koffer – Ertasten von Lebensartefakten.

Material: Bekannte Alltagsgegenstände aus der früheren Lebenswelt der Person (z.B. Taschenuhr, Miniatur-Düseisen, Familienreliquie), Schnürkiste.

Schritte:

  1. Betreuer legt einen Gegenstand vor den Bewohner, berührt ihn und beschreibt ihm das Objekt (z.B. „Dieser goldene Kamm war damals Mode.“).

  2. Bewohner versucht, im Kopf Verbindungen herzustellen („Ja, so etwas hatte meine Mutter auch!“). Mit Zustimmung Gegenstand auch anfassen lassen.

  3. Weitere Objekte auspacken, über gemeinsam passiertes sprechen.

Praxisbeispiel: Wirkt wie eine Reise in die eigene Vergangenheit. Ein Schneidermeister erzählte zu einem Nadelkissen direkt eine Geschichte aus seiner Lehre. Die haptische Komponente (Metall fühlt sich kalt, Holz warm an) erhöht die Glaubwürdigkeit des Erlebten.

Musikalische Zeitreise – Lieder der Jugendjahre hören.

Material: Sammlung von Schallplatten, CDs oder digitaler Musik aus den 50ern–80ern. Wiedergabe über Radio oder Plattenspieler.

Schritte:

  1. Lieblingslieder erfragen. Dann gemeinsam Musik anspielen. Bewohner schließt Augen, erinnert sich eventuell.

  2. Wenn möglich, Plattenspieler oder CD-Player in die Gruppe integrieren. Selber drehen oder Knöpfe drücken lassen.

  3. Zur Gruppe Fragen stellen: „Aus welchem Jahr ist dieses Lied? Welches Fest haben Sie dazu gefeiert?“

Praxisbeispiel: Alte Schlager lösen oft Singen und Tanzen aus. Die Pflegekraft kann dazu sachte Schunkeln oder Deckenball werfen. Bei Demenz funktioniert Musikgedächtnis überraschend gut und hebt sofort die Stimmung.

Erinnerungs-Parcours (Stationen) – Mobilisierung aller Sinne.

Material: Mehrere Stationen (Zettel mit Fotos, Duftstation (Kaffee), Tastsäcke, Klangschale, Fruchtsaft).

Schritte:

  1. Verschiedene Stationen im Raum aufbauen, die jeweils ein Lebensereignis symbolisieren (z.B. Küchenstation mit Kaffeeröstduft fürs Elternhaus, Musikstation für Berufszeit als Musiker).

  2. Bewohner wird geleitet von Station zu Station. Bei jedem Halt soll er sich an etwas erinnern und es beschreiben.

  3. Am Ende reflektieren, welche Station am stärksten war.

Praxistipp: Für Gruppen überaus spannend: Jede/r kann eigene Station kurz vorstellen. Hilft beim langsamen Aufwärmen, da man sich körperlich bewegt und gezielt über eigene Biografie nachdenkt. Perfekte Mischung aus Basaler Stimulation und Biografiearbeit.

Lebenslinien-Garten – Biografie im Gartenkontext.

Material: Einfache Gartengeräte (Kelle, kleine Gießkanne), „Zeitstrahl“-Aufsteller aus Karton mit Ereignissen (Geburt, Hochzeit, Ruhestand).

Schritte:

  1. Im Garten oder auf Balkon: Bewohner darf symbolisch „seinen Lebensweg“ ablaufen. Auf Station: Geburt („Hier kamen Sie auf die Welt“ – kleiner Schaufelschritt), Schule („Grüner Strauch“), Hochzeit (eine Rose pflanzen), Rente (Ziel im Garten).

  2. Bei jedem Schritt etwas Gießen oder Erde anfassen. Betreuer erläutert das jeweilige Lebenskapitel.

  3. Abschluss: Bewohner setzt sich auf Bank, genießt die Aussicht (Ruhephase).

Praxisbeispiel: Für bewegungsfreudige Senioren und solche mit leichter Demenz geeignet. Verbindet Tastsinn (Erde anfassen), Visuelles (was gepflanzt wurde) und Erzählen von Lebensstationen. Der Garten wirkt beruhigend und gibt realen Halt für die symbolische Reise.

Argomento Kreative Beschäftigungen

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