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Meer-Montag #60 - Unterschätzte Intelligenz

Eigentlich wäre dieser Artikel nur für alle Steady-Mitglieder lesbar. Da ich aber grad eine Woche auf der Vogelschutzinsel Greifswalder Oie verbringe und nicht online bin, möchte ich ihn heute für alle zur Verfügung stellen. Während ich diesen Artikel verfasst haben, fiel mir online eine Schlagzeile auf: "Eltern in Sorge - Möwe Kira klaut Schulkindern in Ribnitz ihr Essen”. Und tatsächlich wird hier von einer “Problemmöwe” erzählt. Doch ist sie wirklich das Problem oder sind es eigentlich die Kinder, die in der Vergangenheit das Tier mit ihrem Pausenbrot angelockt haben? Möwe “Kira” hat nämlich gelernt, dass sie die Kinder mit einem lauten Schrei und Flügelgeflatter dazu bringen kann, direkt das ganze Brot fallen zu lassen, sodass sie es sich schnappen kann. Natürlich wird direkt gefordert, dass die intelligente Möwe entfernt wird und dabei fällt mir wieder einmal auf, wie wenig wir oft über das wissen, was direkt vor unserer Haustür lebt. Widmen wir uns heute als den Möwen1!

Ich möchte dich vorher noch einmal an die Vorbestellung des Buches “Ein Leben für den Ozean” - Edition 2 erinnern. Nur, wenn wir das Projekt bis zum 1. Mai finanzieren können, wird dieses Buch realisiert, zu dem ich wieder Illustrationen beisteuern darf. Du kannst es ganz einfach

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Vor Kurzem hat mein 13jähriges Kind bei mir sein erstes Schülerpraktikum gemacht und somit einen Einblick in meine Arbeit als selbstständige Fotografin und Illustratorin bekommen. Ich wollte ihm einmal den gesamten Prozess, wie Kunst entstehen kann, zeigen und so einigten wir uns schon vorher auf ein Thema: Möwen. Wir begannen damit, in Büchern und online zu recherchieren und suchten ganz allgemein nach Informationen. Welche Arten gibt es und welche kommen hier bei uns vor? Was ist typisches Verhalten oder wo gibt es Unterschiede? Welche Besonderheiten hat so eine Möwe und was macht sie spannend? Um unsere Ergebnisse zu vertiefen waren wir außerdem im Naturschutzzentrum in Karlshagen auf Usedom (auf Instagram findet ihr ein Vlog-Video). Dort haben wir während einer Strandführung nicht nur lebende Möwen beobachtet, sondern auch anschließend Exponate im Ausstellungsraum von Nahem betrachtet und gezeichnet. Wieder Zuhause durfte mein Kind dann eine Postkarte gestalten, die wir in den Druck gegeben haben. Einige wenige Exemplare davon findet ihr jetzt im Shop (selbstverständlich wandern die Einnahmen in die Spardose vom Kind). Außerdem haben wir auch nach sehr langer Zeit mal wieder einen Meer-Montag-Podcast aufgenommen, den ihr jetzt hier hören könnt. Weiter unten findet ihr außerdem ein paar Möwen-Infos, die wir euch herausgesucht haben. Wir wünschen euch ganz viel Freude beim Lesen und Anhören. Lasst gern Feedback da, ob ihr euch wieder häufiger solche Podcastaufnahmen wünscht.

PODCAST

Mein Praktikant hat nach unserem Ausflug eine eigene Postkarte entworfen, die ihr nun auch bei mir im Shop findet.



Eine Zeit lang wurden Möwen von Ornithologen größtenteils ignoriert. Vielleicht hat man sie zu oft gesehen oder die Bestimmung der einzelnen Arten in ihrem unterschiedlichen Gefieder war zu komplex. Doch besonders ihre Nähe zum Menschen und ihre geringe Scheu machen es so leicht, sie aus der Nähe genauer zu beobachten.

Lachmöwen

Der Name führt oft zu Verwirrung und sorgt für Diskussionen. Tatsächlich kommt er nicht unbedingt vom Humor der Möwe sondern vielleicht von ihrer Vorliebe an flachen Seen zu nisten, die auch Lachen genannt werden. Trotzdem klingt ihr Ruf für uns natürlich nach einem Lachen. Sie ist eine der häufigsten Möwenarten bei uns und ein enger Kulturfolger. Wenn Traktoren ihren Pflug über die Äcker ziehen, sieht man dahinter häufig Lachmöwen nach Würmern picken. Auch an Stränden oder auf Seebrücken tummeln sie sich, um Pommes und Kekse von Tourist*innen zu erbetteln. Ihre kleinen, runden Knopfaugen sind dabei bestimmt eine große Hilfe und lassen sie äußerst niedlich aussehen. Im Schlichtkleid ist ihr Kopf weiß mit einem kleinen schwarzen Punkt nahe der Ohren. Im Prachtkleid zeigt sie sich mit einer dunkelbrauner Gesichtssmaske und ist damit gut zu erkennen.

Diese Lachmöwe wechselt grad ihr Gefieder, ihre dunkle Gesichtsmaske ist teilweise noch erkennbar.

Silbermöwe

Die Silbermöwe gehört zu den anpassungsfähigsten Seevögeln. Ihr Erfolg beruht auf ihrer kognitiven Flexibilität und sozialen Intelligenz. Besonders auffällig ist ihre opportunistisches Ernährung. Silbermöwen sind keine spezialisierten Jäger, sondern nutzen ein breites Spektrum an Nahrungsquellen, das von Fischen über wirbellose Tiere bis hin zu menschlichen Abfällen reicht. Diese Anpassungsfähigkeit zeigt sich besonders in urbanen Lebensräumen, wo sie gezielt Müllplätze, Fischmärkte oder sogar belebte Fußgängerzonen aufsuchen. Ein faszinierendes Verhalten ist das sogenannte „Drop Feeding“. Dabei lassen Silbermöwen Beutetiere mit harten Schalen, wie Muscheln, aus großer Höhe auf Felsen oder Asphalt fallen, um sie aufzubrechen. Dieses Verhalten ist nicht rein instinktiv, sondern wird durch Beobachtung erlernt und durch Erfahrung verbessert: Möwen verändern gezielt die Fallhöhe und wählen geeignete Untergründe aus, was auf Lernprozesse und Problemlösefähigkeiten hindeutet.

Auch im sozialen Kontext zeigen Silbermöwen komplexe Interaktionen. Sie brüten häufig in Kolonien. Innerhalb dieser Gruppen kommunizieren sie über ein differenziertes Repertoire an Lauten und Körperhaltungen.  Vögel, die in Kolonien brüten, haben ein besonders gutes Gehör. Sobald sie von der Suche nach Nahrung zurück zu ihrem Nest kommen, erkennen sie ihren Partner oder die eigenen Küken anhand der Stimme

Mantelmöwe

Mantelmöwen fallen durch ihren sehr dunklen Rücken und ihre imposante Größe auf. Ihr Flügelspannweite kann bis 165cm betragen. Sie sind nach etwa dreieinhalb Jahren ausgefärbt und tragen bis dahin ein graubraunes Jugendkleid. Damit sind sie oft nur durch ihre Größe von anderen jungen Möwen zu unterscheiden, das gefleckte Federkleid sieht bei vielen Arten sehr ähnlich aus. Sie brüten einzeln, in Kolonien und auch mit anderen Möwenarten zusammen und sind dabei nicht all zu wählerisch, was das Brutgebiet betrifft. Man findet sie auf Felsen, Klippen, auf kiesigen und sogar auf bewachsenen Ufern, an Flussmündungen oder an küstennahen Binnenseen. Ebenso divers ist ihr Speiseplan: Fische, Krebse, Würmer, Muscheln und sogar Säugetiere, Vögel und Eier gehören dazu. Bei sehr geringer Nahrungsverfügbarkeit können sie sogar entengroße Vogel angreifen und fressen. Einige Möwen haben außerdem eine hoch effiziente Methode entwickelt, an Futter zu gelangen. Sie verfolgen allein oder zusammen ein auserwähltes Opfer, das kurz zuvor etwas gefressen hat. Bei der Verfolgung zwingen sie es, den Inhalt des Kropfes, in dem Vögel ihre Nahrung oft nach dem Verschlucken aufbewahren, zu entleeren. Die Verfolger schnappen sich dann die Beute und verschlingen sie selbst.

Die Mantelmöwe (links) ist aufgrund ihrer Größe und des dunklen Rückens gut von den anderen Arten zu unterscheiden.


Im Shop findest du ein Original Silbermöwen-Kunstwerk, das ich mit Passepartout und Echtheitszertifikat versende.

Der Meep-Vogel (über den wir im Podcast reden)

https://www.youtube.com/shorts/47AFfqP9s1s (Si apre in una nuova finestra)



Argomento Meer-Montag

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