Liebe Leserinnen und Leser,
heute ist schon Tag Nummer 6 beim Resilienz-Adventskalender für belastende Zeiten. Meine kleine 24-Tage-Challenge soll ein wenig dabei unterstützen, die eigene Resilienz nicht aus dem Blick zu verlieren.
Heute geht es um ein Thema, dass ich sehr spannend finde in dem Kontext: Der Umgang mit Wissen.
Sammel & teile dein Wissen
Wir Menschen haben unterschiedliche Bedürfnisse. Wenn die nicht gestillt werden, belastet uns das dauerhaft. Aus psychologischer Sicht sind das Dinge wie Wohlbefinden oder der Wunsch nach Sicherheit. Es gibt aber auch sogenannte epistemische Bedürfnisse: Unser Wunsch, die Welt und uns zu verstehen. Zu ordnen. Zu wissen, was passiert.
Die Krisen, die wir gerade erleben, wirken sich auch auf dieses Bedürfnis aus. Wir verstehen die Welt plötzlich nicht mehr. Warum andere bestimmte Dinge glauben oder sich nicht mehr für Themen einsetzen, die uns wichtig sind. Wissen hat also auch psychologische Funktionen.
Auch gesellschaftliche Resilienz wächst durch geteiltes Wissen. Wenn Menschen wissen, was in der Welt passiert, können sie besser auf sie reagieren. Durch den Erwerb von Wissen können Menschen fundierte Entscheidungen (Si apre in una nuova finestra) treffen, aus früheren Erfahrungen lernen und neue Fähigkeiten entwickeln – alles entscheidende Komponenten, um besser mit Belastungen und Schwierigkeiten umgehen zu können.
Der Zugang zu Wissen war und ist oft mit gesellschaftlichem Status & Macht verbunden. Durch das Teilen von Wissen können Barrieren abgebaut werden. Wo Informationen offen geteilt werden, entsteht mehr Vertrauen zwischen Menschen.
Es ist daher wenig überraschend, dass autoritäre Akteure immer wieder versuchen, die Weitergabe von Fakten und Wissen zu unterbinden - sei es durch Beschränkungen des Internets, Angriffe auf die Wikipedia, Bedrohungen von Journalist*innen (Si apre in una nuova finestra) oder Propaganda.
🦖 Deine Übung für Heute
Nimm Dir einen Moment Zeit, komme zur Ruhe. Mach Dir vielleicht eine Tasse Tee oder dein Lieblingssnack - und schreibe auf:
🖊️ Suche Dir eine Informationsquelle zu einem Thema, das dich interessiert und lies dazu.
Teile einen interessanten Fakt mit einer Person, für die diese Information spannend sein könnte.
Ich freue mich, wenn Du mir erzählst, was Du dir überlegt hast.
Die Tagesschau berichtet hier (Si apre in una nuova finestra), wie Forschende immer wieder Opfer von Hetzkampagnen werden. Ich habe in dem Bericht auch darüber gesprochen, was ich erlebt habe.
Ich wünsche Dir viel Spaß mit dem Kalender,
Deine
Pia Lamberty
Hintergrund: Was ist ein Resilienz-Adventskalender für belastende Zeiten?
Die Welt ist im Wandel – und das in einer Geschwindigkeit, die viele Menschen überfordert. Gewohnte Sicherheiten brechen weg, die psychischen Belastungen nehmen zu. Verschiedene Studien zeigen, dass globale Krisen erhebliche psychische Auswirkungen haben und viele an ihre Belastungsgrenze bringen.
Viele Menschen fühlen sich aufgrund der Krisenpermanenz und zunehmenden Bedrohungslage machtlos – doch sie sind es nicht. Menschen können die Welt verändern und haben mehr Einflussmöglichkeiten als ihnen bewusst wird. Um sich zu engagieren, benötigt es aber mentale Kapazitäten und Skills, um mit Stress umzugehen. Denn: Wer keine Ressourcen übrig hat, wird sich wahrscheinlich weniger einbringen können.
Anleitung: Wie funktioniert der Adventskalender?
Dieser Adventskalender hat 24 kleine Übungen, damit Du deine Resilienz jeden Tag ein bisschen stärken kannst. Jeden Tag geht es um ein anderes Thema, um besser durch turbulente Zeiten zu navigieren.
Du kannst die Ergebnisse deiner Übungen gerne aufschreiben und immer wieder mal anschauen. Das funktioniert in der Notizen-App in deinem Handy. Oder du bastelst dir ein kleines Resilienz-Tagebuch. Jede Übung dauert nicht mehr als 15 Minuten.
Es ist auch nicht schlimm, wenn Du nicht alles schaffst oder Du Übungen nicht magst. Das Ganze soll dich stärken und kein weiterer Stresspunkt werden.
Wenn Du aktuell in Psychotherapie bist, besprich vorher mit deinem bzw. deiner Therapeut*in, ob Du aktuell solche Übungen machen solltest.
Ist Resilienz nicht nur so ein komischer Internet-Trend?
Jein. Der Begriff wird gerade auf Social Media oder bei manchen Feel-Good-Seiten ganz schön überstrapaziert und oft sehr individualistisch betrachtet. Trotzdem beschreibt er eine reale Fähigkeit: gut mit Belastungen umgehen zu können. Und diese Kompetenz brauchen wir leider gerade recht häufig. Resilienz hat natürlich auch seine Grenzen. Es ist keine Superkraft, die plötzlich alles gut macht. Dennoch ist es wichtig, um belastende Phasen besser zu überstehen.
Falls Du mich noch nicht kennst:
Ich bin Dr. Pia Lamberty und Psychologin. Mein Studium der Psychologie habe ich an der FernUniversität Hagen und der Universität Köln (Schwerpunkt Social Cognition und Medienpsychologie) absolviert. An verschiedenen Universitäten – in Köln, Mainz, Brüssel und Beer Sheva – habe ich mich intensiv mit Verschwörungsglauben beschäftigt. Darüber hinaus habe ich auch zu Erinnerungskultur, Antisemitismus und allgemeinen Vorurteilen geforscht. Wer sich für meine Forschung interessiert, kann gerne bei Google Scholar (Si apre in una nuova finestra) vorbei schauen.
Im Jahr 2020 habe ich gemeinsam mit Katharina Nocun mein erstes Buch veröffentlich - “Fake Facts - Wie Verschwörungstheorien unser Denken bestimmen” -, das in der Coronapandemie zum Bestellter wurde. Ein Jahr später, 2021, erschien dann “True Facts - Was gegen Verschwörungserzählungen wirklich hilft” und 2023 der nächste Besteller: “Gefährlicher Glaube - Die radikale Welt der Esoterik”. Im Jahr 2021 habe ich mit anderen dann CeMAS (Si apre in una nuova finestra)- Center für Monitoring, Analayse und Strategie gegründet und war dort bis Oktober 2025 aktiv.
Promoviert habe ich an der Sozial- und Rechtspsychologie der Universität Mainz - zur Rolle von Verschwörungserzählungen im Kontext von Gesundheitsthemen. Daneben habe ich mich durch die Deutsche Psychologenakademie zur Notfallpsychologin (Si apre in una nuova finestra)weiterbilden lassen.
Mehr über mich findest Du auf meiner neuen Homepage.