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Plötzlich Waffenruhe zwischen Israel, USA und dem Iran - was denken Israelis?

„Es gibt einen Waffenstillstand für 2 Wochen“, flüstert mir eine Bekannte beim Morgengebet in der Synagoge ins Ohr. „Was? Wirklich?“, flüstere ich zurück.

Es ist Mittwoch Morgen, der letzte Pessach Tag. Heute Nacht saßen wir wieder, wie fast jede Nacht in den letzten 40 Tagen, im Bunker mit den Kindern, es gab Raketenalarm, Explosionen über uns. Wir nutzen an Feiertagen keine Elektrogeräte und wussten deshalb nichts von diesen schockierenden Nachrichten.

Als Mutter und Mensch freue ich mich natürlich sehr. Die Kinder müssen nicht jedes Mal beim Raketenalarm aufschrecken und Angst haben, in den Bunker rennen, hoffen und beten, dass keine Rakete oder Streumunition unser Haus trifft. Das Trauma von zu vielen Kriegen und unzähligen Raketenalarmen der letzten Jahre sitzt sehr tief. Natürlich ist ein Waffenstillstand eine gute Nachricht.

Doch als Israelin geht es mir ähnlich, wie den Duzenden Menschen, mit denen ich an diesem letzten Pessach Tag gesprochen habe. Egal welches Alter, welcher Hintergrund, Beruf, politische Ausrichtung. Alle sagen dasselbe.

„Warum? Das ist doch kontraproduktiv.“ Nicht weil Israelis gerne Kriege führen. Nicht jetzt und nicht früher. Seit 78 Jahren wollen wir nichts anderes, als in Ruhe und Frieden in unserer Heimat leben. Ohne Bedrohung, Angreifer, Terror und Hass. Wir haben es satt, ständig im Bunker zu sitzen, Angst um unsere Verwandten und Freunde beim Militärdienst und im Reservedienst zu haben, um Tote zu trauern, die durch Krieg und Terror ihr Leben verloren haben, unseren Kindern erzählen zu müssen, dass alles wieder gut sein wird, während sie in der Schule regelmäßig Raketenalarm und das Rennen in den Bunker proben, wirtschaftliche Konsequenzen tragen zu müssen.

Wir wollen Frieden! Mehr als alles andere.

Doch wir sind nicht naiv und nicht blöd. Israelis sind in ihrer Mehrheit Realisten. Uns ist sehr bewusst, dass es manchmal einen Krieg benötigt, um die Bedrohung zu beseitigen. Deshalb waren über 80% der Israelis Befürworter dieses Krieges gegen das Regime im Iran. Wir haben über 40 Jahre am eigenen Leib gespürt, was diese Bedrohung bedeutet.

Das iranische Regime hat die Hamas mitfinanziert, die alle zwei Jahre vor dem 7. Oktober mit Tausenden Raketen angegriffen haben, Terroranschläge von Hamas-Terrorzellen aus dem Westjordanland verübt haben und am 7. Oktober ein Massaker in Israel angerichtet haben und auch mit Tausenden Raketen beschossen haben. Das iranische Regime hat die Hezbollah komplett ausgestattet und finanziert, die uns fast täglich seit über zwei Jahren mit Raketen und Drohnen beschießt. Das iranische Regime hat die Houthis… ihr wisst schon. Siehe oben. Dasselbe mit anderen Terrororganisationen, die weltweit Terroranschläge gegen Juden durchführt. Und nicht zu vergessen, die beiden direkten Angriffe auf Israel in 2024 mit hunderten ballistischen Raketen.

Nun haben Israel zusammen mit den USA das iranische Regime angegriffen, um die Bedrohung auszuschalten. Es wurden viele Erfolge erzielt: viele aus der Spitze des Regimes wurden eliminiert, viele Waffenlager und Waffenfabriken zerstört usw. usw. Wir haben dafür mit Angst aber auch mit großer Hoffnung 40 Tage im Bunker gesessen, unser Leben auf Pause gestellt.

Und jetzt? Jetzt, bevor das Regime so geschwächt wird, dass es nicht mehr auf die Beine kommt, bevor die nukleare Bedrohung beendet wird, wird eine Waffenruhe beschlossen? Damit wir in zwei Wochen oder früher oder in einem Jahr wieder mit dem Regime kämpfen müssen?

Genau das ist so frustrierend. Nicht nur, dass uns Europa damit seit 47 Jahren im Stich lässt und es in den letzten 40 Tagen fast nur Kritik gab. Jetzt ist alles komplett ungewiss. Nein, mit dem Regime kann man nicht verhandeln. Es wurde versucht, es hat nichts gebracht. Das Regime wird nicht aufhören, uns auslöschen zu wollen.

Wir sind müde. Müde von den unendlichen Kriegen seit dem 7. Oktober, von dem Trauma, vom Raketenalarm Geheule, von verängstigten Kindern, von so vielem mehr.

Aber genau deshalb waren wir bereit, es nochmal auszuhalten. Damit wir in Frieden leben können. Hoffentlich können es die Iranerinnen und Iraner, die unter dem Regime leiden, auch irgendwann.

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