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LöwenPost 43: Die Sino Kolumne

Qwen AI ~ Great Wall Motor ~ Volkskongress
KI-Bild erstellt mit Grok

Während ich in China oft die KI von Meta Sota oder Baidu (DeepSeek-Modell) verwende, wechsle ich ansonsten außerhalb von China bei der Nutzung oder den Querchecks für bessere Ergebnisse zwischen den KI-Bots von DeepSeek, Kimi, Qwen, Perplexity, Grok, ChatGPT, Gemini und Copilot hin und her und bewerte dementsprechend die Qualität der Antworten auf meine Anfragen. Dabei hat sich die KI Qwen von Alibaba in den letzten Wochen bei mir als favorisierte KI-Website (App synchronisiert leider noch nicht die Browsernutzung für die Historie) mit ihren präzisen Antworten trotz längerer Bearbeitungszeit herauskristallisiert. Gerade dieses KI-Modell macht in China derzeit besonders Schlagzeilen. Zunächst brach der Server unter einer Marketingaktion zusammen, wie ich in meinem Taibang-Blog in der Ausgabe Taibang 163 (Si apre in una nuova finestra) berichtet habe. Nun hat überraschend Lin Junyang, der technische Leiter des Qwen-KI-Modellteams bei Alibaba und "Vater" der KI, seinen Rücktritt erklärt. Noch einen Tag vor seiner Kündigung hatte Elon Musk in Bezug auf Qwen auf X gepostet: "Beeindruckende Intelligenzdichte" ("Impressive intelligence density").

(Si apre in una nuova finestra)

Aufgrund des starken Wachstums und diesem Erfolg der KI hat Alibaba dem Bereich eine Umstrukturierung verpasst, womit wohl Lin Junyang nicht einverstanden war. Er war aufgrund seines Führungsstils und seiner Begeisterung für das Produkt eine sehr beliebte Person bei den Mitarbeitern, weshalb seine Kündigung entsprechend starke emotionale Reaktionen und somit Aufmerksamkeit in den Social Media und in der KI-Branche hervorgerufen hat. Es ist aber vor allem ein Zeichen, wie sich die Gesellschaft in China auf KI-Technologie eingestellt hat. Millionen Menschen verfolgen die Entwicklungen voller Interesse und für viele Arbeitnehmer ist die Beschäftigung mit KI zum wichtigen Arbeitsinhalt geworden. Die gestiegene Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit für die Menschen rund um die KI-Entwicklung ist meiner Meinung nach ein Ausdruck der Modernität der chinesischen Gesellschaft. Ich jedenfalls folge Lin Junyang jetzt auf X und bin über den zukünftigen beruflichen Werdegang dieses außergewöhnlich sympathischen und talentierten jungen Mannes gespannt.

Irgendwie drängelt sich der chinesische Autohersteller Great Wall Motor immer wieder in meine LöwenPost. Zuletzt habe ich Geschehnisse rund um das Unternehmen in China in der LöwenPost 18 (Si apre in una nuova finestra) und in der LöwenPost 33 (Si apre in una nuova finestra) kommentiert. Nun sorgt der CEO des Unternehmens Wei Jianjun wieder (gezwungenermaßen) für Schlagzeilen, da er sich vor ein paar Tagen in einem Video für ein Werbeplagiat von GMW offiziell entschuldigt hat. Eine Werbung für das Automodell Wey V9X glich dabei mit identischen dunkelroten Hintergrund, Lichtdarstellung und der Motivpositionierung einem Werbeplakat der Firma Range Rover. Für mich stellt sich die Frage, warum eine solche dreiste Kopieaktion überhaupt durchführbar ist. Wenn man Motive einer Kühlschrankwerbung kopiert, dann hätte das ja noch ein Potential, dass dieser Ideenklau nicht auffällt. Aber direkt in der Autobranche bei der Konkurrenz zu kopieren, ist schon selten dämlich. Als Parodie war wohl diese Kopie auch nicht gedacht, sonst gäbe es jetzt keine Entschuldigung. Es zeigt allerdings die gravierenden Defizite bei GWM im Management auf. Abgesehen davon war GWM, trotz der schwächelnden Elektroautomarke Ora, im vergangenen Jahr mit dem Verkauf seiner Modelle erfolgreich, expandierte kräftig ins Ausland und setzte vor allem mit der Marke Wey im Premium-Segment deutlich mehr Fahrzeuge ab. Man hätte sich also eine eigenständige Werbeidee für sein Flaggschiff-SUV ruhig leisten können.

In den westlichen Medien wird naseweis der Volkskongress in China beispielsweise als "Scheinparlament" (Handelsblatt) bezeichnet. Wenn solche neunmalklugen Journalisten sich einmal wirklich mit der politischen Funktion und den Vorgängen beim Volkskongress in diesen Tagen beschäftigen würden, dann könnten sie eine große Kontroverse beobachten. Die chinesische Regierung hat seit dem letzten Jahr zum neuen Fünfjahresplan die Devise "Investitionen in Menschen" ausgegeben, um sich bei Staatsausgaben statt auf große Infrastruktur- und Industrieinvestitionen auf die Bedürfnisse der Menschen zu konzentrieren. Und diese Zusage haben sich die Abgeordneten nun bei den Sitzungen des Volkskongresses in den letzten Tagen zu eigen gemacht. Denn als die Regierung die Anhebung der Mindestrenten um 2,50 Euro ankündigte, stieß diese Verkündung auf eine heftige Reaktion bei den Delegierten. Das chinesische Rentensystem ist in verschiedene Zahlungssysteme zersplittert, je nach Wohnort in Stadt und Land und je nach beruflicher Tätigkeit in der Wirtschaft oder Verwaltung. Dabei sind die bäuerlichen Renten wesentlich niedriger als die Wirtschafts- und Verwaltungsrenten, was wegen der deutlich niedrigeren Lebenshaltungskosten auf dem Land zunächst fair klingt. Aber bei einem durchschnittlichen Rentenniveau von 25 Euro ist es eben viel zu niedrig, so dass die bäuerlichen Rentner auf dem Land auf finanzielle Hilfe von den Kinder angewiesen sind. Daran ändert auch eine 10%ige Erhöhung nichts. Dazu muss man auch wissen, dass die Diskussionen dahingehen, dass Bauern oftmals in Rentensysteme gar nicht oder nur gering eingezahlt haben, was in China aber (genauso wie bei der Krankenversicherung) generell ein Problem ist, weil viele Menschen in jüngeren Jahren lieber mehr Geld in der eigenen Tasche behalten und gar nicht an die Zukunft denken. Und die meisten Rentner in China erhalten eine Betriebsrente über ihren ehemaligen Arbeitgeber. Dagegen sind die Bauern über solche betrieblichen Renten nicht abgesichert und haben daneben mit vorgeschriebenen Verkaufspreisen für landwirtschaftliche Güter gar nicht die Chance auf ein höheres Einkommen gehabt, was nun der Staat eigentlich in deren Rentenalter anerkennen sollte. Und genau diese lebenslange Leistung der landwirtschaftlichen Beschäftigten sehen viele Abgeordnete nicht ausreichend honoriert. Sie fordern nun lautstark von der Regierung, dass dem Slogan "Investitionen in Menschen" auch Taten folgen müssen. So forderte eine Abgeordnete aus der Provinz Hubei die ländlichen Renten zu verdoppeln, ein Parteifunktionär aus der Provinz Shanxi forderte eine Verdreifachung und rechnet vor, dass die Kosten dieser Erhöhung von fast 30 Milliarden Euro nur 0,83% der Ausgaben des nationalen öffentlichen Haushalts ausmachen und somit keine übermäßige Belastung der öffentlichen Finanzen darstellt, dafür aber einen große Hilfe für die Bevölkerung auf dem Land bedeutet. Eine andere Abgeordnete aus der Provinz Shanxi schloss sich dieser Forderung an. Ein Delegierter aus der Provinz Hunan brachte eine stufenweise Erhöhung innerhalb von fünf Jahren auf 125 Euro ins Spiel, was eine Versechsfachung bedeutet. Ein Parlamentarier aus der Provinz Jiangsu regte ein System an, welches die Renten automatisch an den Verbraucherpreisindex und an das Wachstum des Pro-Kopf-Einkommens koppelt. Unter Wissenschaftler, die sich mit der ländlichen Entwicklung in China beschäftigten, wird schon länger der Ruf nach deutlichen Rentenerhöhungen laut, da der gesellschaftliche Beitrag der Bauern zum rasanten Wirtschaftswachstum in China nicht hoch genug eingeschätzt wird. Wir werden also beobachten, welche Reformmaßnahmen in den kommenden Monaten aus der lebhaften Parlamentsdebatte entspringen werden. Ich selbst bekräftige hier noch einmal, dass eine Rentenerhöhung im Gegensatz zu den geplanten Gutscheinsubventionen eine bessere nachhaltige Wirtschaftspolitik im Sinne der Steigerung der inländischen Nachfrage sein würde. Ich sehe aber vor allem die menschliche Seite dabei, weil die genügsamen und fleißigen Menschen auf dem Land in China würdigere Lebensumstände im Alter verdienen.

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