Saltar para o conteúdo principal

Wer rettet uns vor den Logistics-„Profis“

Es gibt Schlimmeres als die ICE, Schienen und Verspätung

Oft lese ich in Sozialen Medien Berichte über Zugverspätungen und schlechten Service der Bahn. Man gewinnt den Eindruck, dass der Schienenverkehr pars pro toto für den aktuellen Niedergang der Wirtschaft in der Bundesrepublik Deutschland gilt. Wirklich? Ich denke, es gibt Schlimmeres – Paketdienste. Besonders dreist ist, dass sie für eigene Fehler und willkürliche Namensänderungen nicht einmal Rede und Antwort stehen möchten. Denn ja, heuer muss man damit rechnen, dass der eigene Name auf einem Adressaufkleber eigenmächtig in einen Fantasienamen geändert wird.

 

Vor knapp sieben Wochen meldete sich mein Verlag aus der Schweiz bei mir. „Mein“ Verlag, der Weber Verlag, hat den ursprünglichen Verlag meines Buchs aufgekauft. Eine dort konzipierte Buchreihe mit Biographien  berühmter Personen aus der Feder mehrerer Autoren ist nicht wirklich das Konzept des Verlags. Ergo läuft mein ursprünglicher Verlag als Imprint nun etwas neben der Spur. Sei es drum, acht Jahre nach Publikation der Reihe werden die Lagerbestände vermindert. Überschüssige Bücher werden entweder makuliert oder uns Autorinnen und Autoren angeboten. Für das Archiv wollte ich die schon gern haben. Vielleicht freuen sich später Enkelkinder darüber.

 

Schnell wurden wir uns einig, sofort wurde das Geld für Bücher und Transport mit einer Echtzeitüberweisung entrichtet. Heute geht alles so schnell, oder? Man würde vom deutschen Lager aus über einen deutschen Logistiker versenden, teilte man mir mit. Offenbar ging man davon aus, dass so die Pakete korrekt speditiert werden.

Wenn man Griechenland in Deutschland sucht, wird man nicht fündig

Vor Ende April erwartete ich die Sendung. Acht bis zehn Tage gibt der Dienstleister als Paketlaufzeit an. Zu blöd, dass ich um den 24. April weg von zuhause im Foto-Einsatz war. Aber man hat ja liebe Nachbarn. Wobei, die brauchte ich gar nicht. Denn beim Tracking des Pakets konnte ich miterleben, wie dieses quer durch Deutschland ging. Das deutsche Logistikunternehmen war dort verzweifelt auf der Suche nach „34600 Nea Artaki“ einem Ort auf der Insel Euböa, die laut korrekter Adressierung in Griechenland liegt. Man fand in der gesamten Bundesrepublik keinen Ort, auf den die Adresse zutraf. Das Paket ging Retoure – so wie man mir mitteilte sogar auf Kosten des Verlags. Ansonsten, so hieß es, würde man die Bücher vernichten.

 

Der Verlag startete einen neuen Anlauf mit dem gleichen Dienstleister. Was kann da schon schiefgehen? Man denkt, dass jedem Fehler passieren können und dass sich der Paketdienst nun besonders engagieren sollte. Weit gefehlt.

 

Zunächst hing das Paket tagelang beim Zoll fest. Laut Tracking-Info des Dienstleisters fehlten Angaben. Diese holte beziehungsweise bestätigte sich der Zoll vollkommen unbürokratisch mit einem Anruf bei mir. Damit ist gesichert, dass der Zoll meine Mobilfunknummer und meinen Namen kannte. Der Dienstleister hatte keinerlei Veranlassung gesehen, mich zu kontaktieren. Man teilte mir auch nicht mit, welches Unternehmen in Griechenland das Paket als Subunternehmer übernommen hatte. Auch nicht, unter welcher Sendungsnummer das Paket beim Subunternehmer lief. Zudem hatte man dem Subunternehmer nicht meine Telefonnummer mitgeteilt.

 

All das wäre verkraftbar gewesen, wenn… ja wenn auf dem Paket weiterhin mein Name geblieben wäre. Denn aus Asvestopoulos, wie der Name in der gültigen internationalen Transkription geschrieben wird, wurde Argiropoylos. Der „neue“ Name wurde in einem Mix von Transkriptionsregeln geschrieben, „Argyropoulos“ oder „Argiropoulos“ wäre richtig gewesen – aber „Argiropoylos“ eben nicht. Nun folgte ein weiteres Problem. Paketdienste in Griechenland rufen die Kunden vor der Auslieferung oder bei Unklarheiten an. Das ging im vorliegenden Fall nicht. Ein real existierender, lokal bekannter Argyropoulos vor Ort erwartete kein Paket von einem Schweizer Verlag. Kurz, das Paket sollte erneut zurück an den Absender gehen.

 

In der Zwischenzeit sah ich im Tracking, dass es angeblich fruchtlose Versuche der Anlieferung an meine Adresse gegeben habe. Es half nichts tagtäglich mit förmlich mit dem Ohr an der Grundstückstür zu kleben und Paketdienste abzupassen. Der mir als Subunternehmer bekannte Paketdienst ACS hatte weder einen Asvestopoulos, noch einen Aswestopoulos oder gar meine Telefonnummer für eine Auslieferung im Computer. Die deutsche Trackingnummer war komplett unbekannt. Mehrfache Telefonate halfen da nicht. Ich kontaktierte die mir bekannten Paketdiensten, bei keinem davon ergab sich eine Spur. Mehr als sechs Wochen waren seit dem ersten Versand vergangen. Es sah ernsthaft danach aus, als gäbe es erneut ein Fiasko.

 

Entschlossen, mich nicht abwimmeln zu lassen, suchte ich die lokale ACS-Filiale auf. Wieder wimmelte man mich ab; es gab keine gültige Sendungsnummer, kein Paket auf diesen Namen und keine Speicherung meiner Telefonnummer als Kontakt für irgendeine Sendung. Und als Krönung gab es auch kein Paket mit dem Verlag oder dessen Bücherdienst als Absender.

 

Spätestens an diesem Punkt ist man eigentlich am Ende. Nicht so, wenn die Mitarbeiter vor Ort mitdenken. Nachdem ich die Bedienung mehrerer weiterer Kunden abwarten musste, wurde der Auslieferungsfahrer kontaktiert. „Gibt es ein größeres Paket aus Deutschland oder der Schweiz, das nicht ausgeliefert werden kann?“ Es gab es – für einen Argiropoulos und mit dem deutschen Paketdienst als Absender. Unter diesem Etikett war eine weiteres, überklebtes Etikett. Et voila, darauf stand mein Name, meine Adresse …

 

Haben wir nun ein Ende gut und damit alles gut? Nein. Ich wollte das so nicht auf sich sitzen lassen. Ich kontaktierte das deutsche Paketunternehmen und beschwerte mich. Nach einigen Tagen kam die folgende Antwort:

„Guten Tag Vasilis Asvestopoulos,

vielen Dank für Ihre Nachricht.

Aufgrund des aktuell stark erhöhten E-Mail Aufkommens (sic!) bitten wir die verspätete Bearbeitung Ihres Anliegens zu entschuldigen.

Die E-Mail-Adresse XXXX@XXX-germany.com (Abre numa nova janela) ist ausschließlich für Anfragen von Empfängern in Deutschland vorgesehen. Für Ihr Anliegen wenden Sie sich bitte an:  XXX@acscourier.gr (Abre numa nova janela)

Wir bitten um Ihr Verständnis für diese Vorgehensweise.

Wir wünschen Ihnen einen schönen Tag.

Freundliche Grüße / Best regards

Ihr XXX Service-Team“

Ich habe kein Verständnis. Weder für ein „erhöhtes E-Mail-Aufkommen“, noch für einen grottenschlechten Kundendienst, nicht für die Verweigerung einer Antwort auf eine willkürliche Namensänderung und erst recht nicht für mehr als sechs Wochen Paketlaufzeit ohne korrekte Trackingdaten.

 

Tópico Gemischtes