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Kaos / Staffel 1 (2024)

In einer alternativen Wirklichkeit, einer Mischung aus US-amerikanischer Popkultur und altgriechischer Kultur regieren die Götter, angeführt von Göttervater Zeus, brutal und despotisch über die Menschen des Inselstaates Kreta. Als eine Prophezeiung bekannt wird, nachdem Zeus von drei Menschen gestürzt werden soll, entspinnt sich die Geschichte von Orpheus und Eurydike in modernem Gewand erneut. Aber auch zahllose Nebenhandlungen und bekannte Gestalten der klassischen Mythologie werden angerissen.

Kaos ist eine britische Fantasy-Comedy-Fernsehserie, die von Charlie Covell für Netflix geschaffen wurde. Die Idee, die Sagen der griechischen Mythologie modernisiert zu erzählen ist zwar nicht neu, kann aber eigentlich nicht langweilig werden. Gerade der Orpheus-Mythos ist der Ursprung vieler moderner Geschichten und berichtet von einem urmenschlichen Verlangen. Kaos hat einige gute Ansätze. Jeff Goldblum spielt den Zeus, als wäre er der Göttervater selbst, ganz großartig ist das. Es kommen einige kluge Sätze vor, die bestens in unsere politisch so zerrüttete Zeit passen. Zum Beispiel sagt Präsident Minos an einer Stelle zum Thema Demokratie und Wahlen: "Die Menschen stimmen nicht für das, was sie benötigen - niemals." Charlie Covell hat hier wirklich eine tolle Idee gehabt. Zeus und die Götter halten ein System der Ablenkung aufrecht, dass die Menschen von ihrer eigenen Emanzipation abhält. Doch dieses Göttersystem wird dekonstruiert und die Herrschaft des göttlichen Patriarchen gerät ins Wanken. Es kommen ein paar durchaus spannende Charaktere vor, wie z.B. Dionysos, dargestellt von Nabhaan Rizwan (neben Pan mein Lieblingsgott in der griechischen Mythologie).

Leider ist die filmische Umsetzung von Georgi Banks-Davies und Runyararo Mapfumo nach meinem Dafürhalten misslungen. Das ist alles so fürchterlich unästhetisch und wirr, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Diesen düster-komödiantischen Magischen Realismus in quietschbunten Farben, gemixt mit viel Sex (oho!) und Mord konnte ich schon in Fantasy-Serien wie American Gods (2017) und Good Omens (2019) nicht ertragen. Die Inszenierung mit gefälliger Popmusik und flotten Oldies, mit teils sehr klischeehaft dargestellten Figuren und einer unterirdischen Dramaturgie ist schrecklich konventionell und anbiedernd. Da wird am Ende einer Episode eine Szene geschnitten, weiter geht es mit der Szene aber erst am Ende der nächsten Episode, nur um dann erneut zu schneiden und dem unsäglichen Cliffhanger-Schwachsinn zu frönen. Was ist das für eine Vorstellung von Dramaturgie? Da werden den Zuschauern lediglich Bröckchen hingeworfen, ständig wird "angeteasert", damit man weiterguckt und dranbleibt. Das ist keine Dramaturgie, das ist Marketing. Und so wird der Plot ab der dritten Folge, wie so oft bei Netflix-Serien, immer wirrer und die Geschichte verliert sich in den obligatorischen Nebenplots, Lebensgeschichten, Rückblenden und dem "Zurückspulen" des bereits Erzählten. Echte Schauwerte vermisst man trotz der vielen Möglichkeiten, die die griechische Mythologie hergibt, misslich. Die Skylla wird nur durch sprudelndes Wasser angedeutet, man sieht sie nicht. Der Minotaurus ist nur ein Mann mit Hörnerhelm und die Medusa trägt zumeist ein Kopftuch. Enttäuschend.

Die acht Folgen von Kaos sind alles in allem eine typische Netflix-Produktion, unschön anzusehen und schwer zu ertragen. Doch auch wenn ich mich ab der fünften Folge durchquälen musste, möchte ich diese Rezension mit etwas Positiven abschließen. Den dreiköpfigen Hund Fortis, einziger echter Schauwert der Serie, fand ich richtig gut.

https://www.imdb.com/de/title/tt8550732/ (Abre numa nova janela)

Tópico Serie