Im Jahr 2120 ist der feuchte Traum der Tech-Milliardäre wahrgeworden: die Erde wird beherrscht von fünf großen Konzernen, Menschen können sich zu Cyborgs kybernetisch erweitern lassen und es gibt die "Synths", das sind androide Roboter mit künstlicher Intelligenz. Die neueste Teufelei der Tech-Konzerne sind aber die so genannten Hybride, synthetische Körper mit menschlichem Bewusstsein. Ein Forschungsschiff des Weyland-Yutani-Konzerns, das mehrere parasitäre Alienspezies enthält, stürzt mitten in einer irdischen Privatstadt, die dem gegnerischen Konzern Prodigy Corporation gehört, ab. Nicht nur besteht jetzt eine außerirdische Gefahr für die Menschheit, sondern auch ein Konflikt zwischen den beiden mächtigen Konzernen entbrennt. Eine junge Hybride gerät in den Mittelpunkt der Ereignisse und könnte zum Schlüssel zur Eindämmung der Gefahr werden.
Alien: Earth aus dem Jahr 2025 ist eine US-amerikanische Science-Fiction-Horror-Serie von Noah Hawley, die auf der Alien-Filmreihe basiert und zwei Jahre vor den Ereignissen des Originalfilms Alien - Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt (1979) spielt. In den Hauptrollen sehen wir Sydney Chandler, Timothy Olyphant, Alex Lawther, Samuel Blenkin und Essie Davis.
Die Serie ist gut gemacht, enthält einige interessante Ideen und zeigt uns die Zukunft der menschlichen Gesellschaft, die geprägt ist von Raubtierkapitalismus, Technologiehörigkeit und neuem Faschismus. Diese gruselige Cyberpunk-Welt wird mit dem Alien-Franchise verquickt, was dadurch gänzlich seinen Horror ausgetrieben bekommt. Schauspielerisch sind vor allem Adarsh Gourav und Jonathan Ajayi hervorzuheben, die glaubhaft Hybride mit naivem Kinderbewusstsein spielen. Ansonsten ist hier filmisch von einem hohen aber auch sehr konventionellen Niveau zu sprechen. Alien: Earth ist ein typisches Medienprodukt, was all die ärgerlichen und unschönen Serienstandards erfüllt. Mit den Alien-Filmen hat das Ganze nicht nur in Bezug auf die Machart, sondern vor allem auch inhaltlich nichts zu tun. Warum ist das so?
Auch wenn in manchen der insgesamt acht Folgen einige schöne Reminiszenzen an die alten Filme zu sehen sind, schlägt man sich als Alien-Fan spätestens ab der vierten Folge regelmäßig an den Kopf. Da beginnt nämlich die Hauptprotagonistin über Klickgeräusche mit den Aliens zu kommunizieren. Das Alien war in den Vorgängerfilmen aber vor allem im ersten Teil der Reihe ein Symbol für das absolut Fremde, für das lebensfeindliche Universum an sich. Augen gelten als Spiegel der Seele und genau deshalb hat das Alien keine. Und weil es aus Sicht der Menschen keine Seele und somit auch keine Werte, keine Moral und keine Ethik besitzt, ist es das kalte, kreatürliche und mit menschlichem Geist nicht fassbare Grauen, was in den dunklen Weiten des Alls lauert. Das Universum bleibt unverständlich. Dieses Motiv geht auf H.P. Lovecraft zurück und nennt sich kosmischer Horror. Das absolut Fremde kann man nicht verstehen und demnach auch nicht mit ihm kommunizieren. Alien: Earth bricht mit diesem Grundgedanken der Filmreihe und zerstört damit den Schrecken und somit das gesamte Horrorkonzept des Franchise.
In den Geschichten um das Alien, es gibt ja zahlreiche Spin-Offs, Comics und Computerspiele, ging es stets darum, den Menschen klein aussehen zu lassen. Auch das ist ein Topos des kosmischen Horrors, in dem das Universum nicht nur fremd ist, sondern der Mensch im Gegensatz dazu als winzig klein, unbedeutend und machtlos dargestellt wird. In der Alien-Serie bekommen wir hingegen eine zeitgeistige Cyberpunkgeschichte erzählt, die den Menschen so großkotzig zeigt, wie er zuweilen ist. Das sieht man vor allem in der siebenten Folge gut, als der Augenoktopus arabische Zahlen lesen kann und Begriffe der menschlichen Mathematik versteht. Die Drehbuchschreiber der Serie sind hier von der gleichen wissenschaftsgläubigen Arroganz beseelt, wie sie die Tech-Bro-Transhumanisten an den Tag legen, wenn sie glauben, dass menschliche Konzepte und Begriffe universell im All vorkommen würden. Wo der erste Alien-Film subversiv war, indem er einen Mann gebären ließ und ihn mitsamt der übrigen Menschheit auf einen unbedeutenden Platz im Universum verwies, da stehen in Alien: Earth doch nur wieder die Egos mächtiger Männer, der wissenschaftlich-technologische Größenwahn und die zwischenmenschlichen Beziehungen der Protagonisten im Mittelpunkt. Das ist typische Serienkost mit Rock-Oldies im Abspann und einem unbefriedigenden, weil offenen Ende, was in eine zweite Staffel überleitet. Und deswegen hat dieses Serienprodukt mit dem bisherigen Alien-Franchise und dem kosmischen Horror nichts zu tun.
Warum in aller Götter Namen wurde nicht eine neue Cyberpunkserie geschaffen mit den durchaus interessanten Ideen der Hybriden, dem cuten Augenoktopus und dem Fokus auf Gesellschafts- und Technologiekritik? Stattdessen wird wieder einmal ein beliebtes Franchise böswillig kaputtgemacht.
https://www.imdb.com/de/title/tt13623632/ (Abre numa nova janela)