Die ehemalige Wiener MMA-Kämpferin Sarah nimmt den Auftrag als Personal Trainerin für drei Töchter einer wohlhabenden Familie in Jordanien an. Die drei jungen Frauen werden in einem Palast von der Außenwelt abgeschottet und ohne Internet und ständig überwacht wie Gefangene gehalten. Für die selbstbestimmte Kampfsportlerin ist das natürlich ein Kulturschock. Es stellt sich heraus, dass es eine vierte Schwester gibt, die im verbotenen Obergeschoß der Villa misshandelt wird. Als die Schwestern fliehen wollen, bitten sie Sarah um Hilfe.
Mond ist ein österreichisches Thriller-Drama von Kurdwin Ayub aus dem Jahr 2024 und nach Sonne (2022) der zweite Langfilm der kurdisch-österreichischen Regisseurin und Drehbuchautorin. Die Hauptrolle der Kampfsportlerin Sarah ist mit Florentina Holzinger besetzt. Die Choreografin, Regisseurin und Performancekünstlerin gestaltete 2026 den österreichischen Pavillon der 61. Biennale di Venezia und inszenierte auf den Wiener Festwochen ein transgressives “Pfingstspiel”. Ulrich Seidl produzierte Mond.
Der zu großen Teilen englischsprachige Film ist im ultrarealistischen „Alltagsdoku-Stil“ gehalten, wie man ihn von Seidl-Filmen kennt. Das muss man mögen; ein filmischer Sog entsteht dadurch nicht gerade, und man bleibt als Zuschauer distanziert. Dennoch ist das Werk dramaturgisch gelungen und hat ein ernüchterndes Ende. Florentina Holzinger spielt zurückgenommen, schnodderig und mit enormer Präsenz. Entweder spielt sie sich selbst oder sie ist ein lebendiges Kunstwerk - wie so viele geniale Künstlerinnen und Künstler vor ihr.
Mond thematisiert die kulturellen Unterschiede in Geschlechterfragen und schickt mit Florentina Holzinger eine kompromisslose feministische Identifikationsfigur in ein muslimisches Land, in dem das Patriarchat einen regelrechten Krieg gegen Frauen führt. Man wünscht sich so sehr, dass Sarah den widerlichen Brüdern der Familie richtig die Fresse poliert, doch das bleibt leider aus. Der Film bleibt realistisch, gibt aber in seinem offenen Ende mit Sarahs Rückkehr nach Jordanien etwas Hoffnung.
Mond ist natürlich nichts für den gemütlichen Fernsehabend bei Chips und Bier; Freunde von klugen, quallosen Kunstfilmen sollten einen Blick riskieren - Regisseurin, Produzent und Hauptdarstellerin bürgen für ein gelungenes Werk.
https://www.imdb.com/de/title/tt29141179/ (Abre numa nova janela)