
Newsletter – dein kreativer Journaling Kurs #18
Schreiben mit der innere Stimme
Intuition vs. Analyse
Einführung
Wir nähern uns nun fast dem Ende des 2. Hauptteils dieses Schreibkurses. Nach den Einführungs-Lektionen folgten einige Einheiten „Schreibmethoden und Formate“, wo es heute um die innere Stimmung und nächste Wochen nochmal um visuelles Journaling gehen soll, bevor ist im Hauptteil III. um den persönlichen Stil und Themenvertiefung gehen soll.
Beim Thema „Schreiben mit der inneren Stimme“ stellt sich vielleicht am Anfang die Frage, warum es wichtig ist, zwischen Intuition und Analyse beim Schreiben zu unterscheiden. Wenn wir im Alltag einfach so vor uns hin denken, ist uns das meistens nicht so bewusst, aber es handelt sich um zwei grundsätzlich verschiedene Arten des Denkens – und jede hat ihre eigene Funktion im Prozess des Schreibens. Wenn man beides vermischt oder auch einfach nicht klar trennt, kann das zu Blockaden und unklaren Texten führen. Warum das so ist? Erkläre ich gleich.
Ziel dieser Lektion soll sein die eigene innere Stimme bewusst wahrnehmen, vielleicht wieder wahrzunehmen und für sich zu nutzen. Wer die Verbindung zu seiner Intuition oder intuitivem Denken verloren hat, dem kann gerade das Schreiben als Methode helfen, hier wieder einen besseren Zugang und vielleicht sogar eine Gewohnheit zu entwickeln, um unser spontanes Gefühlswissen wieder zu einem Teil des Leben zu machen.
2. Die innere Stimme vs. der analytische Verstand im Schreibprozess

Unsere Intuition zeichnet sich durch kreativen Fluss uns Originalität aus. Wir schreiben unter dem Einfluss unserer Intuition spontan und gefühlsgeleitet und empfangen Bilder, Ideen und oft auch Formulierungen aus unserem Unterbewusstsein. Wir schreiben dann nicht, um etwas zu leisten, sondern eher, um und zuzuhören und dieser Vorgang ist eher ein „lassen“ oder „zulassen“. Wir folgen einfach dem, was sich zeigen will, ohne es zu ordnen, zu bewerten oder auch nur analytisch zu verstehen. Schreib einfach weiter, auch wenn es chaotisch, widersprüchlich oder banal wirkt. - Wir haben oft keinerlei Sinn dafür, wie „klug“ unsere Intuition wirklich ist. Mir wird das immer wieder beim Lesen eurer Emails in der Beratung bewusst: Viele von denen enden mit dem Hinweis „Ich hoffe, das war jetzt nicht zu chaotisch und du steigst durch“, weil diese Emails häufig einfach im Fluss aus starken Gefühlen und assoziativ und episodisch runter geschrieben werden. Aber gerade das macht sie für mich als Adressatin so wertvoll, echt, direkt und auf eine ganz besondere Weise stringent. Genau in diesem freien Fluss liegt oft der Zugang zu verdrängten Gefühlen, tiefen Wahrheiten und intuitivem Wissen. Wenn du an dieser Stelle zu analysieren beginnst, kann Folgendes passieren: Du beginnst, dich selbst zu zensieren. In diesem „Ich hoffe, dass war jetzt nicht zu durcheinander“ steckt schon ein erstes Aufmerken unseres kritischen Geistes – die meisten meiner Klientinnen schicken ihre Texte trotzdem ohne jegliches Korrekturlesen, was gut ist. Denn in der Analyse werden Gedanken „zurechtgedacht“, bevor sie überhaupt auftauchen dürfen. In vielen Fällen bleibt dann die Oberfläche schön und irgendwie „glatt“ und „vorzeigbar“, aber du verpasst eben oft auch die Tiefe, die das Journaling eigentlich möglich machen will. Es tut gut, sich an dieser Stelle ganz viel Freiheit zu erlauben und es ist eine nicht unerhebliche Methode für mehr Selbstliebe, wenn wir an dieser Stelle lernen, allem, was in uns ist, erstmal respektvoll Raum zu geben.
Analyse darf es natürlich auch geben, aber die analytische Phase beginnt dann, wenn du dir erstmal ausreichend Raum zum Zuhören und ganz-du-selbst-Sein gegeben hast. DANN darf dein Verstand dazu kommen, um die zu zeigen und zu verstehen, was deine Intuition dir eigentlich zeigen wollte. Bitte bleibe aber auch in diesem Schritt immer tief respektvoll mit dir selbst, denn Analyse im Journaling bedeutet nicht zu kritisieren, sondern zu ordnen, zu erkennen und zu verstehen. „Analyse“ klingt dabei sehr hochtrabend. Du musst nicht mit Marker und Rotstift deinem Text zu Leibe rücken. Ich stelle mir in der Phase der Analyse immer wieder ähnliche Fragen, die mir beim Verstehen meiner eigenen Gedanken helfen und letztlich dazu führen, aus meinem Journal planvoll Dinge abzuleiten. Wer zu früh analytische Ansätze verfolgt, der wird sich zensieren und manchmal gar nicht in der Tief verstehen. Wer die analytische Phase überspringt, für den wird der eigene Journaling Prozess immer etwas Reinigendes und Heilsames haben (Seelenhygiene), aber man kommt doch nicht so gut ins Handeln und Planen und verpasst es, sich weiterzuentwickeln. Ich stelle mir immer ähnliche Reflexionsfragen zu den Texten, die ich intuitiv verfasse:
* Welche Emotionen ziehen sich durch (den Text, die letzten Tage) bzw. wo haben sich Gefühle verändert?
* Welche Themen tauchen immer wieder auf und brauchen vielleicht eine grundlegende „Bearbeitung“?
* Wo gibt es innere Konflikte oder sowas wie „zwei Stimmen“ in mir: Herz vs. Verstand, Angst vs. Sehnsucht?
* Was mache ich jetzt? Welche kleinen Schritte kann ich daraus ableiten?
* Wo ist mir im Prozess des Schreibens etwas ganz neu bewusst geworden?
3. Übungen zur Unterscheidung

Vielleicht helfen dir ähnliche Fragen der Metaebene, vielleicht merkst du im Entwickeln deiner eigenen Schreibroutine, dass der ganz andere Analysefragen auf der Seele brennen. Es ist gut, wenn uns das bewusst ist – vielleicht macht es für dich auch (zumindest am Anfang) Sinn, mit konkreten Analysefragen zu arbeiten, die sich für dich stimmig anfühlen. Aber vielleicht hat es am meisten Sinn, sich an dieser Stelle mal Zeit für eine praktische Übung zu nehmen, denn im Tun werden solche Prozesse oft plastischer und verständlicher. Also nimm dir 5-10 Minuten Zeit für freies Schreiben, vielleicht zu der ganz allgemeinen Fragestellung „Wie geht es mir gerade“. Nimm dir bewusst vor, dass es in den kommenden Minuten nicht um Analyse und Lektorat deiner Schreibe geht. Sollte dieser Impuls trotzdem „hochkommen“, dann beruhige diesen Drang mit einem „Mache ich später“ und lass es weiter fließen: Das darf deinem kritischen Geist „unsinnig“ oder chaotisch erscheinen, genau das ist an dieser Stelle gewünscht und wertvoll. Auch widersprüchliche Empfindungen oder krasse Brüche sind genau an dieser Stelle gefragt. Du hast den Drang, die „übertriebene Formulierung“ durch etwas Sanfteres und Gemäßigteres ersetzen? Mach es nicht. Erst, wenn nichts mehr „fließen“ will, kannst du dich an die analytische Nachbearbeitung machen und versuchen Strukturen und Schwerpunkte festzustellen. Genau hier darfst du auf die „komische Formulierung“, die fast deiner inneren Zensur zum Opfer gefallen wäre, nochmal anschauen und dich fragen: Warum hat deine Intuition dir diese Formulierung „geschenkt“ und warum hattest du den Drang, sie wegzuschieben? Vielleicht versuchst du es für den Anfang mal mit „meinen“ Analysefragen, aber versuche auch ein Gefühl dafür zu entwickeln, welche Analysefragen zu deiner „Schreibe“ passen.
4. Weitere Reflexionsfragen

Du tust dich schwer damit, eigene passende Reflexionsfragen zu finden? Dann möchte ich dir noch ein paar an die Hand geben, die du ausprobieren kannst. Ich selbst finde immer, dass es nicht zu „künstlich“ werden darf. Je kritischer wir mit Analysefragen unserem intuitiven Textbaby zu Leibe rücken, desto stärker verliert sich die Freiheit, einfach zu schreiben. Deswegen ist „Analyse“ sehr down to earth zu verstehen im Sinne von „Oh, das gucke ich mir nochmal genauer an“. Dafür ist es auf der einen Seite natürlich wichtig, zu wissen: Worauf kann ich denn achten? Auf der anderen Seite darf das aber auch nicht zu schematisch werden, immerhin bist du nicht dein eigener Lektor oder deine eigene Lehrerin mit dem Rotstift. Also nutze folgende Analysefragen vielleicht eher so, dass du sie dir überliest, im Hinterkopf behältst und sie dann wie eine Art Bewegungsmelder bei der Analysephase deiner Texte wieder aufleuchten, wenn es was zu erkennen gibt, wo sie sich als nützlich und erhellend erweisen.
Welche Gedanken kamen ungefiltert auf?
Wo hat der analytische Verstand blockiert oder unterstützt? Wo hättest du dich am liebsten zensiert?
Welche Kombination aus Intuition und Analyse könnte in Zukunft hilfreich sein?
Was fühlt sich für mich „roh“, „wahr“ oder irgendwie „ungeschützt“ an?
Wie verändern sich mein Stil und mein Schriftbild abhängig von meinem emotionalen Zustand?
Was möchte ich loslassen? Worüber nochmal intensiver nachdenken?
Inwiefern ist der Text ein Spiegel meiner aktuellen Lebenssituation?
Welche Sätzen (oder Worte) fühlen sich energetisch positiv an und welche ziehen irgendwie eher runter?
5. Praxis-Tipp/Journaling-Ritual

Gerade beim Schreiben zwischen Intuition und Analyse kann es super hilfreich sein, wenn du es dir zur Routine werden lässt. Ansonsten rate ich ja oft: Schreibe, wie es dir gerade in den Sinn kommt, Mixe verschiedene Stile und Methoden und genieße die Abwechslung. Doch gerade beim Gegenüber von Intuition und Analyse lohnt es sich, eine Art Gewohnheit zu entwickeln: Die Gewohnheit von „erstmal ungefiltert drauflos“ und „erst dann den Analyseblick folgen lassen“ darf eine Gewohnheit sein, die du auf sämtliche Methoden, die du in den vergangenen Wochen kennengelernt hast, anwenden kannst.
Ein wichtiger Hinweis: Es gibt hier kein richtig oder falsch – es geht um Wahrnehmung und Verbindung beider Stimmen und darum, sie miteinander ins Gespräch zu bringen. Wenn einem dieser doppelte Zugang in Fleisch und Blut übergegangen ist, braucht man die Analysefragen oft gar nicht mehr und lernt beide Stimmen zu hören und zu berücksichtigen – es kommt zu einem Automatisierungsprozess. Manchmal höre ich nach jahrelanger Erfahrung sogar beide Stimmen gleichzeitig und kann die analytischen Gedanken wahrnehmen, ohne meinen intuitiven Schreibprozess davon beeinflussen zu lassen. Das muss aber nicht das Ziel sein, das Ziel ist zunächst: Deine wichtige Fähigkeit zur Analyse zu nutzen, ohne dir davon den Zugriff auf
6. Die Intuition hervorlocken

Nicht jeder hat, zumal beim Schreiben, gleich einen guten Zugang zu seiner Intuition. Manch eine/r mag sich auch fragen „Habe ich überhaupt eine Stimme der Intuition?“ An dieser Stelle möchte ich Entwarnung geben: Wir alle besitzen ein Unterbewusstsein, auf dass unsere Intuition zugreifen kann. Aber wir haben zum Teil verlernt, auf diese Intuition zuzugreifen. Deswegen möchte ich dir meine liebsten Tipps mitgeben, um deine Schreibintuition zu stärken, zu unterstützen und hervorzulocken:
Schaffe eine Atmosphäre, in der Intuition sich zeigen darf
Schreibe zu Zeiten, in denen du weich bist: früh am Morgen oder spät am Abend, wenn der Verstand noch nicht (oder nicht mehr) so laut ist. Ritualisiere dazu deinen Schreibbeginn: Zünde eine Kerze, nimm einen bestimmten Stift oder immer DIE eine Tasse Tee, damit dein Körper lernt: „Jetzt darf ich loslassen.“ Schreibe außerdem handschriftlich, wann immer es dir möglich ist. Das Schreiben mit der Hand verlangsamt und verbindet stärker mit deiner Innenwelt als Tippen.
Senke die Kontrolle und erhöhe deine Präsenz
Erlaube dir als erstes, nicht zu wissen, worüber du gleich schreiben wirst. Fang doch einfach mal an mit: „Ich weiß gar nicht, was ich heute schreiben will, aber …“ oder „Wenn ich ehrlich bin, spüre ich gerade …“ So umgehst du auf jeden Fall den Druck, „etwas Gutes“ schreiben zu wollen und verbindest dich schon mit dem Einstiegssatz mit deinem Gefühlsleben.
Stell den Timer auf 10 Minuten und schreibe ohne abzusetzen
Hier ist Kontrolle wiederum ein gutes Werkzeug. Schreibe bis zum Timersignal ohne Löschen, ohne Nachdenken und ohne Zurückblättern. Einfach machen bringt deine Schreibhand in einen physischen Flow, dem dein Geist sich anschließen wird. Das trainiert, der inneren Stimme zu folgen, ohne sie zu zensieren.
Nutze Körper und Emotion als Kompass
Generell kannst du üben dich von deinem Körper, deinem Körperbewusstsein und deiner Haltung unterstützen zu lassen. Bevor du schreibst: Schließe die Augen, atme tief ein und frage dich:
„Wo in meinem Körper ist gerade etwas lebendig und was ist das?“ Schreibe von dort aus, aus dem Bauch, der Kehle, dem Herzen. Beginne mit der Schilderung dessen, wie du dich körperlich fühlst, denn erstaunlicherweise öffnet das sehr oft instant die Verbindung zu unserem Innenleben.
Wenn du beim Schreiben Gänsehaut, Tränen oder Spannung spürst: bleib genau da, notiere es und vertrau diesem Prozess deiner „Körperintelligenz“, denn das ist Intuition in Aktion: sie macht sich irgendwo bemerkbar.
Vertraue auf Symbole, Bilder und Sprache jenseits des Verstands
Das mag etwas esoterisch klingen, aber schreib nicht nur Gedanken, sondern auch Bilder, Träume, wiederkehrende Symbole auf. Ich bin manchmal selbst überrascht, wie mir plötzlich ohne viel Nachdenken Bilder durch den Kopf schießen oder Vergleiche. Diese sind oft Botschaften des Unbewussten, die manchmal erst später Sinn ergeben. Du kannst Bilder auch „herbeirufen“, indem du so etwas schreibst wie „Wenn meine Seele mir jetzt etwas zeigen wollte, dann wäre es vermutlich …“ oder „Das Bild, das zu diesem Gefühl passt, wäre …“
Entkopple Ergebnis und Bedeutung
Intuitives Schreiben ist kein Text, der „gut“ sein soll, sondern ein Gespräch mit deinem Inneren.
Wenn dir liebevolle Analyse erst noch schwer fällt und du merkst, dass du zu kritisch mit dir selbst bist, lass den Text eine Weile ruhen und lies ihn dir mit etwas zeitlichem Abstand erst wieder durch.
Mach es dir zur Gewohnheit, nicht alles verstehen zu müssen.Die Intuition liebt Vertrauen, keine Kontrolle.
7. Abschluss und Ausblick
Intuition und Analyse sind ein Supermatch, wenn du lernst, sie miteinander ins Gespräch zu bringen. Wer lernt, mit beiden Stimmen schreiben zu lernen, wird tiefere Erkenntnisse gewinnen, sich selbst besser verstehen lernen und konkrete nächste Schritte leichter planen können. Lass dir dabei Zeit: Mit der Erfahrung von Tagen, Monaten oder Jahren wird dir dieses Miteinander vertraut und schließlich zu einer Art Automatismus werden, den du gar nicht mehr wirklich hinterfragst!
Viel Spaß beim Schreiben und Ausprobieren – und bis nächste Woche
Eure Sina
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