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Der Astronaut - Project Hail Mary

Ein junger Mann erwacht aus dem Tiefschlaf in einem Raumschiff, kann sich an nichts erinnern und wird sofort von einem seltsamen Roboterarm bearbeitet, der ihm den Bart abrasieren will. Die Situation ist verstörend und auf eine bizarre Art auch witzig, denn der Raumfahrer wehrt sich gegen die unerwartete Behandlung, wobei er durch den langen Schlaf noch ziemlich eingeschränkt ist in seinen Bewegungen.

Offensichtlich hat er eine lange Reise hinter sich, denn er sieht aus wie der Yeti nach einer durchsoffenen Nacht. Schnell findet er heraus, dass er der einzige Überlebende an Bord ist und dass er sich eindeutig nicht mehr in unserem heimischen Sonnensystem befindet. Die Entdeckung eines fremden Raumschiffs, dass sich ihm nähert, macht die Situation für ihn auch nicht besser…

Die herrlich schrullige Mischung aus Sci-Fi-Drama und leisem Slapstick funktioniert bis in die letzte Ritze, was vor allem dem grandiosen Ryan Gossling zu verdanken ist, der wie immer reichlich hilflos wirkt und doch irgendwie durchkommt. In Rückblenden erfahren wir nach und nach, wie er auf das Schiff kam und warum sich das Schiff so weit von der Erde befindet. Hier bekommen wir dann auch die wunderbar aufspielende Sandra Hüller zu sehen, die gewohnt zurückhaltend agiert aber auch mit einigen Überraschungen aufwartet. Die Frau ist einfach großartig und verleiht dem Film eine gute Portion Ernst und Würde. Hinzu kommt ein einigermaßen bekannter Cast, um alles abzurunden.

Doch am wichtigsten und auch am knuffigsten ist natürlich der zweite Hauptdarsteller: Rocky. Es braucht nicht lange, um sich in den kleinen Kerl zu verlieben, denn dieses herzallerliebste Wesen bezaubert durch seine konsequent naive Art und seine außerirdische Klugheit.

Der Film besticht durch eine wunderschöne Optik und ist gespickt mit Anspielungen und Referenzen zu diversen Sci-Fi-Werken der letzten 60 Jahre - von “Planet der Affen” über “Solaris” bis hin zu “Interstellar”. Wobei er sich natürlich auch immer wieder vor Sylvester Stallones “Rocky” verbeugt, was mitunter sehr komisch wird. Die Szenen im All, allen voran Tau Ceti E, sind für jeden Sci-Fi-Filmfan ein Augenschmauß und allein dafür lohnt sich schon der Gang ins Kino. Auch der Soundtrack kann sich hören lassen, wobei der Score zum Ende hin reichlich aufdreht und die Grenzen das guten Geschmacks sprengt. Die Songauswahl bleibt aber unbestritten cool.

Überhaupt ist das Ende mitunter doch arg kitschig geraten. Ein wenig Zurückhaltung wäre hier wünschenswert gewesen. Das ist alles zu sehr “Hollywood” und stößt dann doch sauer auf. Zudem sind einige Albernheiten dem Ernst der Lage nicht gewachsen, was dem Drama die Wucht nimmt. Hier und da fühlt sich der Film wie ein kindgerecht auf Wohlfühligkeit getrimmtes Werk an, das immer wieder kurz vor dem Kippen steht. Doch insgesamt schafft “Project Hail Mary” den schwierigen Spagat zwischen Weltraumdrama und Jugendfilm mit Comedy-Elementen und kann durchweg unterhalten.

Fazit: Ein großartiger Sci-Fi-Trip mit dem Hang zum Overkill, der zu Herzen geht und auch ein wenig den Verstand anregt.

Amaze, amaze, amaze.

3,7 von 5 Gesangseinlagen