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Zwischen Händen und Herzen – über Menschen, die Gebärden lernen

Es gibt sie – jene seltenen, fast mythischen Gestalten, die sich der Mühe unterziehen, die Deutsche Gebärdensprache zu üben. Menschen, die nicht bloß einen Vortrag darüber hören oder eine Fernsehdokumentation goutieren, sondern tatsächlich ihre Hände, Finger und Gesichtsmuskeln in Bewegung setzen, um Vokabeln zu lernen. Anfangs stolpern sie noch unbeholfen durch das semantische Terrain, ihre Gesten wirken kantig, manchmal grotesk – doch sie üben weiter. Nicht aus folkloristischer Neugier oder exotischem Sensationsdrang, sondern aus aufrichtigem Wunsch, mit mir in Kontakt zu bleiben. Besonders dann, wenn ich die Stille wähle, brauche oder in sie zurückgleite, weil akustische Turbulenzen meinen Hörraum kollabieren lassen.

Manchmal sieht es bei den ersten Versuchen aus, als würden sie eine besonders expressive Form von Schattenboxen erfinden – aber im Gegensatz zum Boxring endet hier niemand mit blutiger Nase, sondern mit einem Lächeln.

Und genau in diesen Augenblicken erweisen sie sich als Goldadern im Gestein des Alltags. Sie sind keine rhetorischen „Influencer“, sondern stille Diamanten – selten, unscheinbar, aber von immenser Strahlkraft. Während andere noch darüber diskutieren, ob Gebärdensprache nicht „sooo schwer“ sei, haben diese wenigen längst begriffen, dass Verständigung kein olympischer Zehnkampf ist, sondern ein Akt schlichter Menschlichkeit.

Wer behauptet, DGS sei „unmöglich zu lernen“, hatte wahrscheinlich auch schon Schwierigkeiten, den IKEA-Beipackzettel zu dechiffrieren.

Diese Menschen schenken mir das Gefühl, nicht länger ausschließlich Grenzgängerin zu sein – jene unbequeme Figur, die weder gänzlich zur gehörlosen Community noch zu den Hörenden gehört. Indem sie sich bemühen, öffnen sie nicht nur ihre Hände, sondern auch ihre Herzen. Sie öffnen mir Türen zur rudimentären Kommunikation und schenken mir damit Teilhabe in Momenten, in denen andere längst abgewunken hätten.

Zugegeben, manche Gebärden (vorallem auch meine) wirken anfangs wie ein missglückter Versuch, Spaghetti mit unsichtbaren Stäbchen zu essen – aber selbst dieser unbeholfene Versuch baut mehr Brücken als tausend makellose Smalltalk-Floskeln.

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