Saltar para o conteúdo principal

Cyborg-Kontokorrent – Ein kleiner Kassensturz am Vormittag

Gestern flanierte ich voller Tatendrang durch die städtische Kulisse, ein wenig zu siegesgewiss, das kreditfinanzierte Konto meiner körperlichen Ressourcen über Gebühr zu strapazieren. Heute nun, pünktlich um acht Uhr früh, flattert die unvermeidliche Quittung ein – säuberlich tabellarisch, dreifach gestempelt, mit juristisch wasserdichter Mehrwertsteuer-Klausel und semantisch glasklarer Randnotiz: „Sie haben überzogen.“

Die Posten sind delikat:

Kognitive Zinslast – in Prozenten gemessenes Nachglühen nächtlicher REM-Verkürzung, fällig sofort.

Neurophysiologische Bearbeitungsgebühr – erhoben von einem pedantischen Nervensystem, das sich wie ein grantiger Bilanzprüfer geriert: überkorrekt, nachtragend, frei von jeder Kulanz.

Energetischer Abschreibungsaufwand – jener feinstoffliche Verlust, der sich nicht in Kalorien, sondern in Entropie verbuchen lässt und mit jedem weiteren Atemzug in Richtung Nennwert tendiert.

Die Währung? Energie, jene flüchtige Ressource zwischen Adenosintriphosphat-Magie und metaphysischer Lebenslust. Sie gleicht einem volatilen Kryptowert: Verheißungsvoll am Vortag, ernüchternd am Folgemorgen. Die Bilanz? Fragil. Jede spontane Bewegung droht, das fragile Gleichgewicht aus Soll- und Haben-Seite endgültig implodieren zu lassen. Ich sag's frei raus : bäh. Punkt.

Und doch – es drängt mich zur Selbstironie: Wie ein hastig promovierter Ökonom der eigenen Vitalstatistik verhandele ich mit mir selbst um ein gnädiges Moratorium. „Ein Zahlungsaufschub vielleicht? Eine symbolische Stundung?“ Mein somatisches Finanzamt reagiert mit einem lakonischen Hüsteln und zieht die Mahngebühr diskret vom Restbestand ab. Ich kenn da wen, der kennt da wen, der könnte bestimmt die wirtschaftliche Berechnung neu gestalten...

Gleichzeitig staune ich über die Eleganz dieses biologischen Buchhaltungssystems. Seine Präzision ist unübertroffen: Keine schwammigen Formulierungen, kein vages „Vielleicht morgen“. Stattdessen ein kategorischer Imperativ des Physischen – frei nach Kant, über den Umweg einer mitochondrialen Hauptversammlung.

Was bleibt? Ein leises Lächeln darüber, dass mein höchstpersönlicher „Cyborg-Kontokorrent“ nicht für den Konkurs, sondern für die Konservierung gedacht ist. Auch wenn sich mein Organismus den Habitus des altgedienten Gläubigers leiht, ist das Ziel doch dasselbe: nachhaltige Liquidität, sprich Lebensfähigkeit, sichern.

Möge der morgige Tag milder kalkulieren – oder mir zumindest ein symbolisches Skonto gewähren. Bis dahin zahle ich artig meine Raten, gieße das Pflänzchen Restenergie mit einem Becher Tee (OK, Liter) und einer Prise Humor und notiere mir ins mentale Haushaltsbuch: „Haushalte klüger mit Dir, denn Deine Konten sind endlich.“

Und wie jeder kluge Ökonom weiß: Eine Bilanz ist erst dann aussagekräftig, wenn man auch die nicht quantifizierbaren Werte – Verbundenheit, Freundschaft, Stille, kleine Pausen – als stille Reserven verbucht. In diesem Sinne: Auf ein tragfähiges Eigenkapital des Seins und ein sanftes Plus auf der Lebenskonto-Seite!

0 comentários

Gostaria de ser o primeiro a escrever um comentário?
Torne-se membro de Frau_Kruemelkuchen, Diana - hört! Oder doch nicht? - e comece a conversa.
Torne-se membro