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Migräne, Hörmine und Hörlibert – ein Orchester der Extreme

Migräne. Schon der Klang des Wortes ist eine Zumutung: wie ein schlecht gelaunter Dirigent, der ein Orchester antreten lässt, um alle Instrumente gleichzeitig falsch zu spielen. Während Hörlibert in solchen Momenten rasch die Notenblätter verliert und im Takt stolpert, geschieht das Unausweichliche: Sprachverstehen bricht ein, Stimmen mutieren zu kreischenden Nebelhörnern, selbst harmlose Töne reißen mich auf wie Glasscherben. Und dann hebt die Schädeldecke ab, als wolle sie allein auf Weltreise gehen – Destination: Nirgendwo. Mein einziger Wunsch: Stille, bitte. Stille, sofort.

Und dann betritt sie die Bühne, gelassen, souverän, mit der Grandezza einer Diva, die keinen Applaus nötig hat: Hörmine. Vollimplantiert, voll konzentriert, voll auf der Höhe der Zumutung. Keine Klangspitzen, keine infernalen Übersteuerungen. Gleichbleibendes Sprachverstehen, ein Fels im Migräneorkan. Die Attacke tobt, ich schwanke – und Hörmine sagt: „Mach du dein Chaos, ich halte den Laden zusammen.“ Meine persönliche Arschretterin im Hochglanzgehäuse.

Das Überraschende daran: Diesmal war es nicht nur mein subjektives Empfinden, nicht bloß ein inneres Schulterklopfen. Es war messbar. Ja, schwarz auf weiß, mit Zahlen, Diagrammen und audiometrischer Autorität. Der Hörtest zeigte: ansprechbar trotz Migräne, kommunikationsfähig im Notfall, konstantes Sprachverstehen selbst unter dem akustischen Beschuss eines Schädelinneren, das gleichzeitig Feuerwehrsirene, Presslufthammer und Dudelsack probt. Ich war überrascht – und das will bei mir etwas heißen.

Natürlich mischten sich auch meine inneren Hausgeister ein: Das Wiesel sprang wild durch die Synapsen, fuchtelte mit Miniatur-Fähnchen und krähte: „Wir sind gerettet, wir sind gerettet!“ – während die Wasserbüffelin stoisch die Stirn runzelte und meinte: „Kind, das ist keine Heldentat, das ist schlicht solide Technik. Hörmine weiß eben, was sie tut.“ Ich, mittendrin, versuchte das Gleichgewicht zu halten zwischen Euphorie und Skepsis, während die Migräne weiter ihre Schlagbohrübungen absolvierte.

Drei Tage Reha, insgesamt neun Tage Kopfdonner, Tage der Erschöpfung – und drei Tage, in denen Hörmine unerschütterlich blieb. Ich gestehe: das Wort „Arschrettung“ wirkt vulgär, aber es trifft die Sache präziser als jede elaborierte Umschreibung. Man darf es sagen, und ich sage es: Hörmine hat mir den Hintern gerettet. Punkt. Und vielleicht liegt genau darin die Pointe: dass Hightech nicht immer in sterile Sprache gepackt werden muss. Manchmal genügt ein schlichtes, leicht respektloses, aber herzergreifend wahres Bekenntnis.

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