Einführung: Die basale Stimulation ist ein Konzept, das vor allem in der Pflege und Betreuung von Menschen mit schweren Beeinträchtigungen, zum Beispiel in der Seniorenbetreuung, eingesetzt wird. Es wurde von dem deutschen Arzt und Therapeuten Andreas Fröhlich in den 1970er Jahren entwickelt und basiert auf der Wahrnehmung und den grundlegenden Sinnen des Menschen. Ziel ist es, das körperliche und geistige Wohlbefinden der betreuten Person zu fördern, ihre Kommunikationsfähigkeit zu unterstützen und die Lebensqualität zu steigern.
In der Seniorenbetreuung ist die basale Stimulation besonders wertvoll, da viele ältere Menschen mit Demenz, körperlichen Einschränkungen oder sensorischen Beeinträchtigungen leben. Sie ermöglicht eine tiefe, oft nonverbale Kommunikation und trägt dazu bei, dass sich die betreuten Personen wahrgenommen und verstanden fühlen. Gleichzeitig fördert sie die Sinne und das Körpergefühl und unterstützt die Pflegekraft dabei, eine persönliche und wertschätzende Beziehung zur betreuten Person aufzubauen.
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Zielsetzung der Basalen Stimulation
Die Hauptziele der basalen Stimulation sind:
Förderung der Wahrnehmung: Über gezielte, sinnliche Reize soll die Wahrnehmung der Welt um die betreute Person angeregt werden. Dies geschieht durch Berührung, Bewegung und akustische oder visuelle Stimulation.
Kommunikationsförderung: Viele Senioren, besonders solche mit fortgeschrittenem Alter oder Demenz, können sich verbal nicht mehr ausdrücken. Die basale Stimulation hilft dabei, nonverbale Kommunikationswege zu eröffnen, etwa durch Reaktionen auf Berührungen oder bestimmte Bewegungen.
Steigerung des Wohlbefindens: Indem gezielt auf die Bedürfnisse des Körpers und der Sinne eingegangen wird, kann das allgemeine Wohlbefinden und die Lebensqualität der Senioren erhöht werden.
Erhalt von Selbstständigkeit: Durch die Förderung der Eigenwahrnehmung und die Unterstützung bei einfachen Bewegungsabläufen können Senioren länger selbstständig bleiben und das Gefühl der Selbstbestimmung bewahren.
Vor- und Nachteile der Basalen Stimulation
Vorteile:
Individuelle Anpassung: Die basale Stimulation lässt sich an die jeweiligen Bedürfnisse und Fähigkeiten der betreuten Person anpassen, was sie besonders flexibel macht.
Förderung von Selbstwahrnehmung und -expression: Durch gezielte Stimulation werden nicht nur die Sinne, sondern auch die eigene Körperwahrnehmung und die Ausdrucksmöglichkeiten der Person gefördert.
Fördert Kommunikation: Gerade bei Menschen mit eingeschränkter Sprache oder Gedächtnis ist die basale Stimulation eine Möglichkeit, auf nonverbale Weise in Kontakt zu treten.
Verbesserung des Wohlbefindens: Durch körperliche Nähe, Berührung und angenehme Reize kann die basale Stimulation dabei helfen, stressreduzierend und entspannend zu wirken.
Nachteile:
Überreizung: Bei einer zu intensiven Reizsetzung kann es zu einer Überforderung der betroffenen Person kommen. Die Reize müssen daher stets im individuellen Rahmen bleiben.
Fachliche Qualifikation: Um die Basale Stimulation richtig anzuwenden, ist eine spezielle Schulung notwendig. Ohne fachliche Kompetenz kann es zu Fehlanwendungen kommen, die den gewünschten Effekt verhindern oder sogar negative Reaktionen hervorrufen.
Begrenzte Wirkung bei fortgeschrittener Demenz: In fortgeschrittenen Stadien von Demenz ist es möglich, dass die basale Stimulation ihre Wirkung verliert, da die Wahrnehmungsfähigkeit zu stark eingeschränkt ist.
Anleitung und Umsetzung in der Praxis
Die Umsetzung der basalen Stimulation in der Praxis erfordert zunächst ein genaues Verständnis der Bedürfnisse und Wünsche des jeweiligen Seniorens. Jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf bestimmte Reize, daher ist es wichtig, die Stimulation individuell anzupassen.
Berührung und Körperwahrnehmung:
Material: Weiche Tücher, Massageöl, spezielle Stimmgabeln oder Töne
Umsetzung: Beginnen Sie mit sanften Berührungen, etwa an den Händen oder den Füßen. Die Berührung kann mit einem weichen Tuch oder durch eine sanfte Massage erfolgen. Achten Sie dabei stets auf die Reaktionen der betreuten Person.
Beispiel: Ein ruhiger Moment, in dem die Pflegekraft eine Handmassagen anbietet, kann dazu beitragen, das Vertrauen und die Kommunikation zu fördern. Auch einfache Bewegungsübungen, wie das Anheben der Arme oder das Bewegen der Beine, fördern das Körperbewusstsein.
Bewegung und Mobilisation:
Material: Stützgriffe, weiche Kissen, Unterstützung durch Hilfspersonal
Umsetzung: Durch sanfte Bewegungen können Senioren wieder ein Gefühl für ihren Körper entwickeln. Übungen wie sanftes Hin- und Herwiegen, Dehnübungen oder das vorsichtige Drehen des Oberkörpers unterstützen die Mobilität.
Beispiel: Ein Senior im Sitzen wird mit sanften, rhythmischen Bewegungen an den Armen und Beinen mobilisiert. Dies kann auch in einem Rollstuhl geschehen, indem die betreute Person durch die Bewegung aktiviert wird.
Akustische und visuelle Reize:
Material: Musik, Klangspiele, sanfte Beleuchtung
Umsetzung: Akustische Reize, wie beruhigende Musik oder Naturgeräusche, können dazu beitragen, die Wahrnehmung und das Wohlbefinden zu steigern. Auch visuelle Reize, wie das Zeigen von Bildern aus der Vergangenheit oder das Beobachten von Pflanzen und Tieren, können die Sinne ansprechen.
Beispiel: Durch das Spielen von Musik aus der Jugendzeit der betreuten Person können Erinnerungen und Emotionen geweckt werden. Das Ansehen von Naturbildern oder das Beobachten von Vögeln aus dem Fenster trägt ebenfalls zur Stimulation bei.
Wärme und Kälte:
Material: Wärmflasche, warme Decken, Kältekompressen
Umsetzung: Kälte- und Wärmeanwendungen wirken entspannend oder erfrischend und können gezielt eingesetzt werden, um die Wahrnehmung zu fördern.
Beispiel: Das Anlegen einer Wärmflasche an den Rücken eines Seniors fördert Entspannung. Eine kalte Kompresse kann dagegen bei erhöhter Unruhe oder Aufregung beruhigend wirken.
Praxis-Aktivierungen
Memory-Spiel mit Alltagsgegenständen
Material: Verschiedene Alltagsgegenstände (Löffel, Schlüssel, Stifte, Schmuck), Tablett oder Tisch.
Umsetzung: Zwei gleiche Gegenstände werden verdeckt platziert, Teilnehmer müssen Paare aufdecken.
Praxisbeispiel: Fördert Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Kommunikationsfähigkeit.
Farbige Murmelbahn
Material: Kartons, Papier, Schere, Klebeband, Murmeln.
Umsetzung: Eine Murmelbahn aus Karton bauen, Murmeln rollen lassen und beobachten.
Praxisbeispiel: Anregung der Hand-Auge-Koordination und Freude an Bewegung.
Gemeinsames Strick- oder Häkeltreffen
Material: Wolle, Strick- oder Häkelnadeln.
Umsetzung: Kleine Projekte (Schals, Topflappen) gemeinsam stricken.
Praxisbeispiel: Förderung der Feinmotorik, Geduld und Kommunikation.
Obst- und Gemüse-Raten
Material: Verschiedene Obst- und Gemüsesorten, Augenbinden.
Umsetzung: Teilnehmer tasten oder riechen die Früchte und erraten die Sorte.
Praxisbeispiel: Aktivierung der Sinne und Erinnerungen an Küche und Garten.
Klanginstrumente selber basteln
Material: Leere Dosen, Reis, Nudeln, Klebeband, Löffel.
Umsetzung: Geräuschinstrumente bauen und gemeinsam Musik machen.
Praxisbeispiel: Förderung der auditiven Wahrnehmung und Koordination.
Sinnes-Spaziergang im Garten
Material: Gartenbereich mit unterschiedlichen Oberflächen (Rasen, Kies, Holz), Duftpflanzen.
Umsetzung: Langsamer Spaziergang, dabei Tasten, Riechen, Hören bewusst einbeziehen.
Praxisbeispiel: Ganzkörper-Wahrnehmung und Entspannung fördern.
Geschichtenkiste
Material: Verschiedene Requisiten (Fotos, Alltagsgegenstände, Stofftiere).
Umsetzung: Teilnehmer ziehen einen Gegenstand und erzählen Geschichten oder Erinnerungen dazu.
Praxisbeispiel: Aktivierung von Gedächtnis und Sprache.
Ball-Rollspiel
Material: Weicher Ball oder Gymnastikball.
Umsetzung: Ball über Tisch oder Boden rollen, der Teilnehmer fängt oder rollt zurück.
Praxisbeispiel: Förderung von Beweglichkeit, Reaktionsfähigkeit und sozialer Interaktion.
Fingerfarben-Malaktion
Material: Ungiftige Fingerfarben, Papier, Schutzkleidung.
Umsetzung: Mit Fingern malen, unterschiedliche Farben und Strukturen erleben.
Praxisbeispiel: Kreative Sinneswahrnehmung und Entspannung.
Aromatisches Tuchspiel
Material: Stofftücher, ätherische Öle oder Kräuter.
Umsetzung: Tücher riechen, darüber streichen, gemeinsam Düfte beschreiben.
Praxisbeispiel: Förderung des Geruchssinns und Kommunikation.
Duftrekognitions-Schälchen
Material: Kleine Schälchen, Kräuter (Lavendel, Pfefferminze, Zitrone), Deckel.
Umsetzung: Schälchen befüllen, Deckel kurz lüften lassen. Bewohner riechen nacheinander und benennen oder erinnern.
Praxisbeispiel: Lavendel zur Beruhigung am Nachmittag; bei Unsicherheit ruhige Moderation anbieten.
Hände-Wärmebad
Material: Schüssel, warmes Wasser (37–38 °C), weiches Handtuch, ggf. ein Tropfen Lavendelöl.
Umsetzung: Hände eintauchen, sanfte Bewegungen, Finger einzeln ausstreichen, trocknen.
Praxisbeispiel: Vor dem Schlafen für Entspannung; Temperatur prüfen, nicht zu heiß.
Feder-Streicheln
Material: Weiche Federn (Vogelfeder-Imitate), kleine Tücher.
Umsetzung: Gesicht, Arme oder Hände sanft mit Feder entlangstreichen, Reaktion beobachten.
Praxisbeispiel: Bei Berührungsängsten sehr sanft beginnen; nur bei positiver Reaktion fortführen.
Tastbox mit Naturmaterialien
Material: Undurchsichtige Kiste, Kastanien, Moos, Muscheln, glatte Steine.
Umsetzung: Die Hände hineintauchen, fühlen, Gegenstände beschreiben oder erraten.
Praxisbeispiel: Erinnerungsimpulse („Kennen Sie das vom Strand?“) nutzen.
Klangschalen-Vibration
Material: Kleine Klangschale, Filzschlägel, Unterlage.
Umsetzung: Klangschale neben oder leicht auf dem Körper anschlagen — Vibrationen spürbar machen.
Praxisbeispiel: Bei Bettlägerigen auf dem Oberschenkel platzieren (vorsichtig); kurze Sequenzen.
Geführte Atem-Übung mit Feder
Material: Feder oder kleines Stück Papier.
Umsetzung: Feder auf die Hand legen und Teilnehmer animieren, sie mit sanften Atemzügen zu bewegen.
Praxisbeispiel: Atemrhythmus beobachten; bei Atemproblemen ärztl. Rücksprache.
Barfuß-Sinnesstrecke (Innen)
Material: Kisten mit Sand, Stoff, Moos, Kiesel (gut gereinigt).
Umsetzung: Langsames Gehen über die Oberflächen, Barfuß oder mit Socken möglich.
Praxisbeispiel: Sitzende Variante: mit den Füßen ertasten; bei Sturzrisiko Sitzübung wählen.
Wärme- / Kälte-Impulse
Material: Wärmekissen (Kirschkern), kalte Kompresse, Tuch.
Umsetzung: Kurz erwärmen oder kühlen, auf Handrücken legen — Reaktion beobachten.
Praxisbeispiel: Vorsichtig testen; bei Sensibilitätsstörungen vermeiden.
Sanduhr- oder Rhythmus-Takt
Material: Kleine Sanduhr oder Rhythmusinstrument (Rassel).
Umsetzung: Rhythmus geben, Teilnehmer auffordern, mit der Hand auf den gleichen Takt zu tippen.
Praxisbeispiel: Unterstützt zeitliche Orientierung.
Seifenblasenbeobachtung
Material: Seifenblasenflüssigkeit, Pustestab.
Umsetzung: Blasen erzeugen, die Patienten verfolgen oder mit der Hand berühren lassen.
Praxisbeispiel: Fördert Blickfolge und Feinmotorik; bei COPD in Rücksprache.
Tastbilder / Reliefcollage
Material: Verschiedene Stoffe, Kleber, Karton.
Umsetzung: Stoffe in Formen kleben; Bewohner ertasten lassen und beschreiben.
Praxisbeispiel: Bild als Gesprächsanlass nutzen („Welche Stoffe erinnern Sie an früher?“).
Vibrationstraining (sanft)
Material: Vibrationskissen oder vibrierender Massageball.
Umsetzung: Kurz an der Hand- oder Fußsohle anwenden, Reaktion prüfen.
Praxisbeispiel: Bei Muskelsteifigkeit kurz einsetzen; Nie auf offenen Wunden.
Temperatur- bzw. Textur-Tuchspiel
Material: Verschiedene Tücher (Seide, Baumwolle, Frottee), leicht warm/kühl gehalten.
Umsetzung: Tücher über Unterarm oder Hand streichen, Reaktionen abfragen.
Praxisbeispiel: Bei Empfindlichkeit langsam beginnen.
Geräusch-Erraten mit Alltagsgegenständen
Material: Schlüsselbund, Teebeutel, Papier, Glas.
Umsetzung: Geräusch erzeugen, Teilnehmer raten lassen.
Praxisbeispiel: Stimuliert Erinnerung an Routineaufgaben.
Handmassage mit Pflanzenöl
Material: Mandel- oder Jojobaöl, weiches Tuch.
Umsetzung: Ruhige Massage der Handinnen- und -außenflächen, Finger einzeln dehnen.
Praxisbeispiel: Fördert Durchblutung; Rückmeldung einholen, wenn Schmerzen.
Tastpfad am Tisch
Material: Verschiedene Materialien auf Papierstreifen (Kiesel, Sandpapier, Filz).
Umsetzung: Mit geschlossen Augen den Pfad ertasten und beschreiben.
Praxisbeispiel: Kann sitzend durchgeführt werden; leichte Anleitung geben.
Aromatisches Handtuchspiel
Material: Kleine Handtücher, ätherische Öle (vorsichtig, Lavendel, Zitrone).
Umsetzung: Handtuch riechen und anfassen; Duft benennen, Stimmung diskutieren.
Praxisbeispiel: Allergiecheck vorher; ätherische Öle sparsam.
Federkissen-Streichübungen
Material: Kleine Kissen, unterschiedliche Füllungen (Feder, Baumwolle).
Umsetzung: Kissen drücken, fühlen, Unterschiede beschreiben.
Praxisbeispiel: Fördert Propriozeption; geeignet im Bett.
Visuelle Lichtspiele
Material: Taschenlampe, farbige Folien.
Umsetzung: Lichtkegel über Decke oder Hand bewegen, Blickfolge anregen.
Praxisbeispiel: Ruhige Farben für Entspannung, schnelle Bewegungen zur Aktivierung.
Gezielte Gelenkaktivierung (Passiv/Assistiv)
Material: Keine speziellen Materialien.
Umsetzung: Sanftes Bewegen der Gelenke (Schulter, Handgelenk, Knie) im kleinen Bewegungsumfang.
Praxisbeispiel: Bei Bewegungsarrenheit; vorher Kontraindikationen prüfen.
Orale Stimulation — kalte Löffel
Material: Kalte (nicht eiskalte) Löffel, Tuch.
Umsetzung: Löffel an Lippen oder Zungenspitze halten (nur bei sicherer Schlucklage).
Praxisbeispiel: Vorsicht bei Aspiration; nur nach Rücksprache mit Pflege/Logopädie.
Rhythmische Tuchbewegungen
Material: Leichte Tücher, Musik.
Umsetzung: Tuch in rhythmischer Bewegung über Körper oder Tisch führen; Teilnehmer nachahmen.
Praxisbeispiel: Fördert Koordination und Rhythmusgefühl.
Fußreflex- / Fußsohlen-Massage
Material: Weiches Öl, Handtuch.
Umsetzung: Fußsohle sanft massieren, Druckpunkte beachten.
Praxisbeispiel: Unterstützt Entspannung; bei Ödemen ärztliche Rücksprache.
Hand-Motorik: Perlen auffädeln (groß)
Material: Große Holzperlen, dicke Schnur.
Umsetzung: Perlen auffädeln, Muster legen.
Praxisbeispiel: Fördert Feinmotorik; Sitzend am Tisch durchführen.
Kältereiz mit Handschuh (kalt/warm im Wechsel)
Material: Wärmekissen und kaltes Tuch abwechselnd leicht auflegen.
Umsetzung: Kurz auf Handrücken legen, Reaktion beobachten.
Praxisbeispiel: Stimuliert Sensibilität, aber vorsichtig anwenden.
Sprach- und Klangfolge (nachsprechen)
Material: Kleine Rassel oder Glocke.
Umsetzung: Einfachen Klang- oder Silbenrhythmus vorgemacht, Teilnehmer nachmachen lassen.
Praxisbeispiel: Sprachaktivierung mit kleinem Erfolgserlebnis.
Tast-Memory mit Stoffquadraten
Material: Paare verschiedener Stoffarten, verdeckt auflegen.
Umsetzung: Paare ertasten und finden.
Praxisbeispiel: Gedächtnis und Tastsinn kombinieren.
Balancierübung im Sitzen (Propriozeption)
Material: Kein Material nötig; ggf. Kissen.
Umsetzung: Sitzend leicht aus dem Schwerpunkt nach vorne/hinten verlagern, Balance halten.
Praxisbeispiel: Unterstützt Rumpfstabilität; Hüft-/Rückenprobleme beachten.
Kopfmassage (sanft)
Material: Öl optional, feines Tuch.
Umsetzung: Sanfte kreisende Bewegungen an Schläfen, Stirn und Nacken.
Praxisbeispiel: Beruhigt; bei Kopfschmerzen behutsam.
Verschiedene Mundtexturen (sicher)
Material: Kleine, sichere Nahrungstexturen (weiche Mandeln? — nur wenn sicher).
Umsetzung: Unterschiedliche Texturen schmecken und beschreiben.
Praxisbeispiel: Nur bei sicherer Schluckfähigkeit; Alternative: riechbare Texturen verwenden.
Klanglauf: Geräuscheleiste
Material: Mehrere kleine Instrumente (Rassel, Glocke, Holzklapper).
Umsetzung: Instrument in Reihenfolge anschlagen, Teilnehmer wiederholen oder darauf reagieren.
Praxisbeispiel: Fördert Aufmerksamkeit und Hörwahrnehmung.
Hautdruck-Übung mit Gewichtstäschchen
Material: Kleine, leichtgewichtige Sandsäckchen (aufgewärmt/kalt).
Umsetzung: Leichtes Auflegen auf Oberschenkel oder Bauch als Druckreiz.
Praxisbeispiel: Sicherheitscheck bei Durchblutungsstörungen.
Geräuschspuren erraten (Natur)
Material: Vogelstimmen, Regen- oder Meeresklänge (Aufnahme).
Umsetzung: Geräusch abspielen, Bewohner raten/Erinnerungen wecken.
Praxisbeispiel: Biografiearbeit („Wo haben Sie das zuletzt gehört?“).
Blätterrascheln und Baumriecher
Material: Getrocknete Blätter, kleine Duftproben (Harz).
Umsetzung: Blätter rascheln lassen; Duft beschreiben lassen.
Praxisbeispiel: Naturerinnerungen wecken.
Handtuch-Wickel (Halt & Geborgenheit)
Material: Weiches Handtuch oder kleines Tuch.
Umsetzung: Leichtes Umschlingen von Unterarm oder Hand als Halt.
Praxisbeispiel: Bei Unruhe beruhigend einsetzen.
Lichtschatten-Spiel
Material: Lampe, Hände oder Schablonen.
Umsetzung: Schattenspiele an der Wand, Zuhören und Erraten.
Praxisbeispiel: Ruhige Abendaktivität für visuelle Stimulation.
Kneippsche Wechselberührung (sanft)
Material: Wechsel warm/kalt in kleineren Bereichen (nur bei Gesundheitsfreigabe).
Umsetzung: Hände oder Unterarme kurz warm, dann kühler abreiben.
Praxisbeispiel: Kreislaufanregend, nur nach Absprache.
Ballhalten (leichter Druck)
Material: Weicher Gymnastikball, evtl. auf dem Schoß.
Umsetzung: Ball mit beiden Händen halten, leicht drücken und loslassen.
Praxisbeispiel: Propriozeption und Kraftwahrnehmung.
Sinnes-Spaziergang im Raum (Stationsarbeit)
Material: Verschiedene Stationen: Duft, Tastsäule, Klang.
Umsetzung: Bewohner bewegt sich in Begleitung zu Stationen, an jeder Station Reiz erleben.
Praxisbeispiel: Gruppenaktivität mit Begleitung; Pausen einplanen.
Mundmotorik-Übung mit Strohhalm
Material: Strohhalm, Becher mit Wasser (nur bei sicherer Schlucklage).
Umsetzung: Flüssigkeit langsam durch Strohhalm saugen; Lippen- und Zungenkontrolle fördern.
Praxisbeispiel: Nach logopädischer Freigabe; bei Aspiration vermeiden.
Tast-Säckchen zum Erkennen (haptisch)
Material: Kleine Säckchen mit Reis, Bohnen, Watte gefüllt.
Umsetzung: Säckchen erfühlen und unterscheiden.
Praxisbeispiel: Feinmotorik und Differenzierung trainieren.
Rhythmische Fußstampfung (im Sitzen)
Material: Musik mit klaren Beats.
Umsetzung: Im Takt mit den Füßen aufstampfen oder treten.
Praxisbeispiel: Mobilisiert Kreislauf; bei Thrombose beachten.
Spiegelarbeit (Selbstwahrnehmung)
Material: Handspiegel.
Umsetzung: Gesichtsausdrücke beobachten, Grimassen nachmachen (sanft).
Praxisbeispiel: Hilft Orientierung zu eigener Mimik; bei Verwirrtheit behutsam einsetzen.
Knetübung für Hände
Material: Weiche Knetmasse (therapeutisch)
Umsetzung: Kneten, Formen, Rollen — in sicherer Konsistenz.
Praxisbeispiel: Handkräftigung; bei Arthrose anpassen.
Wattestäbchen- / Pinselberührung
Material: Wattestäbchen, feine Pinsel.
Umsetzung: Leichte Berührungen an Arm oder Hand, Variation in Druck und Geschwindigkeit.
Praxisbeispiel: Sehr feine taktile Anregung bei sensorischer Empfindlichkeit.
Geräusche-Fingerreihenfolge
Material: Pfleger klopft leichte Reihenfolge auf Tisch (z. B. zweimal, einmal), Bewohner reproduziert.
Umsetzung: Rhythmus hören und nachklopfen.
Praxisbeispiel: Kognitive und auditive Übung, langsam steigend schwierig.
Kuscheltier/Handpuppe für Berührung & Dialog
Material: Weiches Stofftier oder Puppe.
Umsetzung: Puppe spricht (Pflegeperson), Bewohner reagiert, streichelt oder antwortet.
Praxisbeispiel: Besonders bei Demenz: emotional beruhigend, stimulierend.
Atem-Visualisierung mit Watte
Material: Kleine Wattekügelchen auf einer glatten Fläche, Bewohner pustet kurz und bewegt Watte.
Umsetzung: Atemkontrolle üben, kleine Bewegungen beobachten.
Praxisbeispiel: Beruhigende Atemübung zum Abschalten.
Gewichtsdecke oder Gewichtskissen (kurz)
Material: Leichte Gewichtskissen (angepasstes Gewicht).
Umsetzung: Kurzes Auflegen auf Ober- oder Unterbauch (nicht auf Brust).
Praxisbeispiel: Geborgenheit vermitteln; bei Atem- oder Herzproblemen ärztl. Zustimmung.
Erinnerungs-Gläser (Multisensorisch)
Material: Einmachgläser mit verschiedenen Inhalten (Sandschicht, Kräuter, Muscheln), Etiketten.
Umsetzung: Bewohner ertasten, riechen, schauen und zu jedem Glas eine Erinnerung erzählen.
Praxisbeispiel: Kombiniert Tastsinn, Geruch und Biografiearbeit.
Kurze Hinweise zur Anwendung und Sicherheit
Beobachten und anpassen: Reaktionen genau beobachten; bei Abwehr, Stress oder Unwohlsein sofort abbrechen.
Ärztliche/therapeutische Rücksprache: Vor allem bei oralen Übungen, starken Temperatureinflüssen, Vibration, Gewichtsdecken oder bei Herzerkrankungen/Thrombosen.
Hygiene: Materialien reinigen, besonders bei oralen oder fußbezogenen Übungen.
Individuelle Anpassung: Viele Übungen sind in Sitz-, Liege- oder Gehvarianten durchführbar — immer an Fähigkeiten anpassen.
Dokumentation: Reaktionen und Vorlieben dokumentieren, damit Aktivitäten individualisiert werden können.