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Fußball-WM-Schauen

Fußball gilt in Deutschland als generationsübergreifendes Kulturgut und eines der beliebtesten Gemeinschaftserlebnisse. Viele ältere Menschen erinnern sich gerne an große Turniermomente, etwa das „Wunder von Bern“ 1954 oder die Erfolge bei späteren Welt- und Europameisterschaften. Beim gemeinschaftlichen Fernsehen werden diese Erinnerungen lebendig: Menschen unterschiedlichen Alters und Hintergrunds kommen zusammen, um das Spiel zu verfolgen, miteinander zu feiern und sich auszutauschen. Wie eine Aktion während der Fußball-WM 2006 zeigte, „verbinden Fußball … Menschen“ – damals kamen viele Interessierte zusammen, um gemeinsam Spiele zu schauen, Spaß zu haben und Feste zu feiern. Dass dabei ältere Zuschauer besonders emotional reagieren und sich an die eigene Biografie gebunden fühlen, bestätigt sich in der Betreuungspraxis: „Fußball ist mehr als ein Spiel – es ist Erinnerung, Gemeinschaft, Begeisterung“. Diese Eigenschaften machen die Fußball-Weltmeisterschaft zu einer hervorragenden Gelegenheit, Aktivierungsangebote in der Seniorenbetreuung zu gestalten.

Zielsetzung

Folgende Ziele stehen beim gemeinschaftlichen Fußballschauen im Fokus:

Stärkung des Gemeinschaftsgefühls: Gemeinsames Mitfiebern fördert soziale Kontakte und erzeugt ein positives „Wir“-Gefühl. Mehrere Senioren treffen sich gezielt zum Public Viewing; das gemeinsame Jubeln oder Trösten schweißt zusammen.

Biografische Erinnerungen: Viele Bewohner haben in jungen Jahren selbst Fußball gespielt oder große Turniere verfolgt. Durch Fragen wie „Wo waren Sie, als 1954 das Endspiel stattfand?“ oder „Haben Sie früher selbst Fußball gespielt?“ werden lang gespeicherte Erinnerungen aktiviert. Solche Rückblicke an die eigene Lebensgeschichte geben Orientierung und Wärme, auch bei Menschen mit Demenz.

Soziale Teilhabe: Fußballschauen ermöglicht Teilhabe an einem gesellschaftlichen Ereignis – auch von immobilen oder pflegebedürftigen Menschen. Gerade Bewohner mit eingeschränkter Mobilität profitieren von strukturierter Freizeitgestaltung am Bildschirm. Das gemeinsame Ereignis bietet Gesprächsanlässe sowohl mit Mitbewohnern als auch mit dem Betreuungspersonal.

Struktur im Alltag: Spieltermine schaffen einen Rhythmus im Tagesablauf. Ein fester Fernsehabend gibt dem Tag Orientierung und kann als Highlight dienen. Aktivitäten wie Vorbereitung, gemeinsame Kaffeerunde vor dem Spiel oder Ausklang nach dem Abpfiff helfen, den Tag zu gliedern.

Gesprächsanlässe: Sportliche Großereignisse liefern Stoff für Gespräche: Diskussionen über Spielverlauf, Mannschaften oder persönliche Fußball-Erlebnisse bieten Gesprächsimpulse. Auch Anekdoten des Betreuungsteams über frühere Sportereignisse führen zu lebhaften Dialogen. Insgesamt trägt das Fußballschauen dazu bei, Lebensfreude zu vermitteln und Alltagsroutine positiv zu unterbrechen.

Vor- und Nachteile

Gemeinsames Fußballschauen birgt vielfältige Chancen, aber auch Grenzen:

Chancen: Das Erlebnis eines Spiels erzeugt starke Emotionen und Aktivierung. Spiele mitspannenden Szenen erreichen mitunter Demenzkranke, die auf beruhigende Rituale und vertraute Themen ansprechen. Erinnerungen an frühere Erfolge (wie die WM 1954 oder die EM 1972) werden geweckt. Der soziale Aspekt ist groß – Gemeinschaftsfernsehen „verbindet Menschen“, wie das Beispiel im Netzwerk Oberbilk zeigt. Emotionales Mitfiebern steigert kurzfristig das Wohlgefühl und bringt Abwechslung in den Pflegealltag. Positive Erfahrungen bei den Bewohnern können nachhaltig das Lebensgefühl und die Zuversicht stärken.

Grenzen: Nicht alle Bewohner sind an Fußball interessiert oder werden durch lautstarke Spiele begeistert. Einigem Publikum bleibt das Thema fremd oder es empfinden es als übertrieben laut und hektisch. Die Dauer eines Spiels (90 Minuten plus Verlängerung/Elfmeterschießen) kann ermüden. Für Menschen mit Demenz besteht die Gefahr der Überforderung durch schnelle Bildwechsel und laute Jubelszenen: Das normale Fernsehprogramm kann sie „schnell zur Belastung werden“, wenn zu viele Reize auf sie einwirken. Abrupt einsetzende Werbung oder Szenensprünge erschweren das Verstehen des Geschehens. Auch das Risiko körperlicher Belastung darf nicht ignoriert: Bei Personen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen kann aufreibende Spannung das Herz infarktgefährdend beanspruchen. Konflikte zwischen Anhängern verschiedener Mannschaften sind möglich – Streitgespräche sollten moderiert werden. Und nicht zuletzt muss Rücksicht auf Nachtruhe und Lärmschutz genommen werden (insbesondere, wenn Spiele spät abends stattfinden).

Vorbereitung

Eine sorgfältige Vorbereitung ist entscheidend:

Spielauswahl: Wählen Sie Spiele, die für die Gruppe passen. Tipp: Spiele der deutschen Mannschaft oder Endrundenrunden (Viertel-, Halbfinale) interessieren meist mehr. Achten Sie auf die Tageszeit: Für viele Senioren sind Nachmittags- oder frühe Abendspiele ideal (lange Nachtspiele kann ermüden). Prüfen Sie den Kalender rechtzeitig – so können Bewohner aktiv auf den Termin hingeführt werden. Kleinere Gruppen können auch weniger wichtige Spiele gemeinsam schauen, größere Gruppen konzentrieren sich auf Höhepunkte.

Raumgestaltung: Richten Sie den Gemeinschaftsraum gemütlich ein. Stellen Sie das Fernsehen oder einen Beamer so auf, dass alle gut sehen können. Eine Anordnung der Stühle oder Sessel im Halbkreis um den Bildschirm fördert den Gemeinschaftseffekt. Sorgen Sie für ausreichende Beleuchtung (bei Tageslichtspiele) und gute Akustik. Lautsprecher oder eine Musikanlage können Stadiongeräusche übertragen – achten Sie jedoch auf angemessene Lautstärke. Eventuell können Fenster oder Türen geöffnet werden, um den Geräuschpegel auszugleichen. Falls das Public Viewing öffentlich angelegt ist (z.B. Einladung von Angehörigen), besprechen Sie im Zweifelsfall urheberrechtliche Aspekte; für eine geschlossene häusliche Veranstaltung mit nur Bekannten sind in der Regel keine Kostenpflichten zu erwarten.

Technik: Testen Sie vorab die Technik. Fernseher, Satellitenempfang oder Streaming-Dienst müssen funktionieren. Stellen Sie sicher, dass alle benötigten Geräte bereitstehen (z.B. Receiver, Fernbedienung, HDMI-Kabel). Seniorengerechte Geräte erleichtern das Mitverfolgen: Viele Senioren-Fernseher haben große Tasten, einfache Menüs und gut lesbare Schrift. Aktivieren Sie Untertitel, falls notwendig. Für Hörgeschädigte empfiehlt sich ein Kopfhörer-Anschluss oder externe Lautsprecher für klareren Ton. Halten Sie Ersatz-Batterien und gegebenenfalls eine Ersatzfernbedienung griffbereit.

Snacks und Getränke: Leichtes Fingerfood macht das Fernsehen zum Event. Servieren Sie harmlose Snacks (z. B. Obstplatten, Gemüsesticks, Gebäck) und ausreichend Getränke (Wasser, Saft, Tee). Vermeiden Sie zu salzige Chips oder sehr fettige Speisen; geringen Alkoholgehalt oder alkoholfreies Bier können zum Ambiente passen, wenn gesundheitlich vertretbar. Es wird empfohlen, Snack-Abende mit leichter Kost zu gestalten, um das Erlebnis abzurunden. Kleine Häppchen und liebevoll dekorierte Getränke (Farbstrohhalme, kleine Fähnchen am Glas) tragen zur Atmosphäre bei.

Rahmeninformation: Informieren Sie rechtzeitig Bewohner und Pflegepersonal über das Angebot. Ein Aushang oder Gespräch schafft Vorfreude und Klärung: Wer möchte teilnehmen? Gibt es Bewohner, für die der Abend zu anstrengend sein könnte? Dokumentieren Sie Absagen und Besondere Bedürfnisse (z. B. Hörgerät bereitstellen, Rückzugsmöglichkeit).

Rahmen der Veranstaltung

Zur Fußballstimmung gehört auch ein entsprechend gestaltetes Ambiente:

Dekoration und Fanartikel: Schmücken Sie den Raum mit Fußball-Devotionalien. Hängende Flaggen in Nationalfarben, Trikots, Schals und Wimpel schaffen Stadion. Ein Ban(n)er mit Fußballmotiv oder Pappaufsteller kann ein Blickfang sein. In einem Heim in Düsseldorf zum Beispiel drückten Teilnehmer ihre Vorfreude mit Fahnen und ganzseitigen Stadionschnappschüssen aus. Alte Spielpläne oder Fotos von früheren Turniersiegern wecken Erinnerungen (die in Fotobüchern oder Whiteboard-Ausstellungen gezeigt werden können).

Nationalhymne und Fangesänge: Zu Beginn jeder WM-Übertragung erklingt klassisch die Nationalhymne. Spielen Sie kurz vor Spielbeginn die deutsche Hymne ein und singen Sie – wer möchte – mit. Auch Fangesänge oder Stadiongsebrüll können vor und nach dem Spiel (oder nach Toren) abgespielt werden, um die Stimmung zu heben. Bekannte Fußballlieder („Fußball ist unser Leben“, EM-/WM-Songs) oder Schlager aus der Jugendzeit der Bewohner laden zum Mitsingen ein und fördern das Gemeinschaftsgefühl. Gerade vertraute Melodien aktivieren das Langzeitgedächtnis.

Kleidung: Ein gemeinsames Motto kann der Dresscode sein. Ermuntern Sie die Teilnehmer, Trikots oder T-Shirts der Lieblingsmannschaft zu tragen (auch Zeitungspapier als Fähnchen umfunktionieren). Schwarz-Rot-Goldene Accessoires (Hüte, Schals) sind schnell gebastelt und bringen Farbe ins Spiel. Selbstgeschriebene Namensschilder mit dem Vereinslogo oder der Nationalflagge können das Zugehörigkeitsgefühl stärken.

Atmosphäre: Denken Sie auch an die Atmosphäre in den Pausen: Stellen Sie leise Hintergrundmusik (vielleicht ruhigeres aus der Jugendzeit) an, wenn die Kamera in Werbepausen schwenkt. Bieten Sie Kaffeepause und Gebäck während des Spiels an. Ein gemeinsames Getränk zur Halbzeit schafft Ritual: Servieren Sie zum Beispiel Limonade oder heiße Schokolade mit Schlagsahne, während Sie über Halbzeitstatistiken sprechen.

Moderation und Gesprächsanlässe

Die Betreuungsperson übernimmt die Rolle des Moderators:

Erinnerungsfragen: Nutzen Sie biografische Fragen, um die Bewohner aktiv einzubeziehen. Beispiele: „Haben Sie früher selbst Fußball gespielt?“ oder „Erinnern Sie sich noch, wie Sie das Finale 1954 erlebt haben?“. Fragen wie „Waren Sie schon einmal in einem Fußballstadion?“ oder „Welche Mannschaft war Ihre Lieblingsmannschaft?“ regen zum Erzählen an. Diese Impulse knüpfen an persönliche Erfahrungen an und bringen auch zurückgezogene Personen ins Gespräch.

Anekdoten und Geschichten: Erzählen Sie kleine Geschichten zu früheren Weltmeisterschaften, Nationalspielern oder localen Fußballlegenden. Ein Beispiel: „Wussten Sie noch, dass bei der WM 1974 das Spiel von Schalke-Legende Paul Breitner entscheidend war?“ Solche Anekdoten bieten Gesprächsstoff und geben Hintergrund. Ebenso können Pflegende Anekdoten über eigene Fußball-Erlebnisse beitragen („Früher habe ich mitgejubelt, als ___ geschossen hat!“). Das gemeinsame Lachen oder staunende Zuhören fördert die Bindung.

Kommentierende Moderation: Begleiten Sie das Spiel live oder in den Pausen mit Erklärungen. Manche Senioren freuen sich, wenn am Spielfeldrand gelegentliche Daumen hoch gegeben oder Laola-Wellen nachgeahmt werden. Wenn etwas unverständlich wird, kann die Betreuungskraft kurz erklären („Das ist ein Abseitspfiff“). Verwenden Sie einfache, klare Sprache und wiederholen Sie bei Bedarf wichtige Informationen – das unterstützt besonders Menschen mit kognitiven Einschränkungen.

Konversation anregen: Halten Sie nach Spielende eine kleine Gesprächsrunde: „Wie haben Sie das Spiel gefunden?“ oder „Wollen wir danach zusammen über den Ausgang sprechen?“ Bereiten Sie auch Fragen vor wie „Würden Sie gern wieder ein solches Fußballfest erleben?“ – so ermutigen Sie selbst eher stille Teilnehmer zum Äußern. Bei Ablenkung oder Verwirrung können kurze, offene Fragen helfen, die Aufmerksamkeit wieder auf das Gesehene zu lenken.

Zusätzliche Aktivitäten

Ergänzend zum reinen Fernsehen können weitere Angebote eingebaut werden:

Fußball-Tippspiel: Organisieren Sie ein einfaches Tippspiel für die Gruppe – zum Beispiel, welche Mannschaft als Nächstes ein Tor schießt. Jeder Bewohner kann mit einer Markierung (z.B. Klebezettel mit Name) raten. Für kleinere Gruppen kann man ein vereinfachtes EM- oder WM-Tippspiel mit den wichtigsten Begegnungen durchführen. Das schult Orientierung und macht Spaß, vor allem wenn am Ende kleine Preise (z.B. Schokolade) winken.

Quiz und Rätsel: Ein Fußball-Quiz rundet das Angebot ab. Erstellen Sie Fragen wie „Wie viele Tore schoss Gerd Müller bei der WM 1974?“ oder Nationen-Ratespiele („Welche Farben hat die Flagge von …?“). Für Menschen mit Demenz sind vereinfachte Quizfragen (z.B. Bilderrätsel: Welcher Fußball gehört zu welchem Land?) gut geeignet. Auch Kreuzworträtsel oder Buchstabensalate zum Thema Fußball können gemeinsam gelöst werden.

Bastelangebot: Bieten Sie einfache Bastelaktivitäten an, die thematisch passen. Zum Beispiel kann jeder Bewohner kleine Papierfahnen bemalen oder aus Pappe einen Miniatur-Fußball basteln. Schnelle Wimpelketten mit den Farben Schwarz-Rot-Gold oder Vereinsfarben und Wimpel aus Alufolie bringen Abwechslung. Das Basteln fördert die Feinmotorik und gibt ein sichtbares Symbol der Teilnahme mit nach Hause.

Fußballlieder und Musik: Spielen und singen Sie Fußball- und Stimmungslieder, die den Bewohnern vertraut sind. Deutsche Schlager oder Volkslieder aus den 1950er–1970er Jahren wecken oft Erinnerungen. Auch der aktuelle WM-Song („#Fußball ist unsere Leidenschaft“) oder Klassikern wie „Olé, Olé“ können angestimmt werden. Gemeinsames Singen (gegebenenfalls mit Textblatt) unterstützt die soziale Interaktion und hebt die Stimmung.

Bewegungsspiele („Mini-Kicker“): Bei körperlich fitten Bewohnern sorgt etwas Bewegung für zusätzlichen Spaß. Ein „Mini-Kicker“ kann improvisiert werden: Zum Beispiel legen Bewohner in einem Sitzkreis einen weichen Ball auf den Boden und spielen ihn reihum sanft mit dem Fuß (Fußballstaffel). Eine andere Idee ist der „Ball im Karton“: Alle spielen gemeinsam mit einem Softball, den man mit den Füßen in einem großen Karton festhalten muss. Diese Spiele sind einfach, verletzungsarm und machen auch weniger beweglichen Teilnehmern Freude.

Umgang mit herausfordernden Situationen

Bei Gemeinschaftsfernsehen können verschiedene Schwierigkeiten auftreten:

Langeweile oder Desinteresse: Fußball ist nicht für alle interessant. Respektieren Sie Abneigungen: Niemand muss mitfiebern. Bieten Sie parallel leise Alternativen (z.B. anderweitige Beschäftigung im Zimmer oder Ruheraum) an. Bitten Sie Uninteressierte um eine Rückmeldung („Möchten Sie lieber etwas Anderes machen?“), damit sich niemand übergangen fühlt. Legen Sie den Schwerpunkt auf Freiwilligkeit.

Streit um Mannschaften: Unterschiedliche Fan-Präferenzen können zu hitzigen Diskussionen führen. Moderieren Sie in solchen Fällen besonnen. Erinnern Sie an Fairplay: „Wir sitzen hier alle zusammen, egal welche Farben wir mögen!“ Trennen Sie Symbole (z.B. geben Sie rote und weiße Fähnchen aus, damit nicht ein Fan alle Trikots trägt). Bei Eskalationen lenken Sie mit einem Tapetenwechsel ab (z.B. kurze Pause einlegen oder ein Tischkicker-Spiel anbieten). Das Eingreifen dient dazu, Gemeinschaft zu erhalten.

Überforderung durch Lautstärke oder Dauer: Große Spiele sind oft laut und lang. Beobachten Sie die Reaktionen der Bewohner: Anzeichen von Überstimulierung können Unruhe oder Erschöpfung sein. Planen Sie kleine Pausen ein – etwa zum Gespräch über das Gesehene oder zur Erholung – und bieten Sie Wasser an. Verringern Sie bei Bedarf die Lautstärke. Für besonders empfindliche Personen kann ein Bereich mit reduziertem Geräuschpegel (etwa ein Nebenzimmer mit Abspielmöglichkeit) hilfreich sein. Denken Sie daran, die gesetzlich geregelte Nachtruhe einzuhalten; informieren Sie am Besten auch andere Bewohner oder Nachbarn vor dem Fernsehabend.

Emotionale Überforderung: Erregende Spielszenen können physisch belasten. Beobachten Sie Bewohner mit bekannten Herz-Kreislauf-Erkrankungen genau und lassen Sie sie ggf. das Spiel in Ruhe verfolgen. Ggf. kann das Angebot eingeschränkt werden („Chill-Zone“ mit geringer Lautstärke für Herzpatienten). (Studien zeigen, dass emotionales Mitfiebern bei Vorerkrankungen das Herzinfarkt-Risiko erhöhen kann.)

Respekt vor individuellen Grenzen: Manche Menschen mit Demenz können bei schnellen Bildern ängstlich werden. In solchen Fällen hilft ein sanfterer Übergang: Erklären Sie wechselnde Szenen („Jetzt kommt Werbung!“) und lenken Sie ab. Nach dem Spiel sprechen Sie kurz über positive Ereignisse, damit das Erlebte verarbeitet wird.

Inklusion von Menschen mit Demenz oder Sinneseinschränkungen

Damit wirklich alle teilnehmen können, sind Anpassungen nötig:

Demenzsensible Gestaltung: Bei Demenz profitieren Senioren von Vorhersehbarkeit und vertrauten Inhalten. Zeigen Sie das Spiel mit ruhigem Kommentar; vermeiden Sie abrupte Szenenwechsel (z.B. mittels Zeitlupen-Wiederholung wichtiger Tore). Alternativ kann man nur Highlights (ein paar Spielszenen) zeigen oder das Spiel zusammenfassen. Biografieorientierte Bezüge sind sinnvoll: Ältere Zuschauer erinnern sich besser an Szenen, die sie selbst erlebt haben. Halten Sie das Erlebnis insgesamt kurz und überschaubar – manche Dementen reicht 15–30 Minuten Fernsehen, dann eine Pause.

Technische Hilfsmittel: Sorgen Sie für eine seniorengerechte Technik: Einen großen Bildschirm oder Beamer mit klarem Kontrast, damit auch Sehbehinderte alles erkennen können. Aktivieren Sie Untertitel für Schwerhörige. Nutzen Sie Kopfhörer-Anschlüsse oder drahtlose Höranlagen, damit einzelne das Spiel mit angepasster Lautstärke verfolgen können. Manche Senioren-Fernseher verfügen über Funktionen wie „klare Sprache“ (Hintergrundgeräuschunterdrückung) – aktivieren Sie diese, um Sprachverständlichkeit zu erhöhen.

Begleitende Betreuung: Lassen Sie bei Senioren mit Demenz immer eine vertraute Betreuungsperson dabei sein. Diese kann erklären, was gerade passiert, beruhigen oder Gespräche in ruhige Bahnen lenken. Eine vertraute Bezugsperson hilft, das Erlebnis positiv zu gestalten und zu festigen. Ein fester Ritual-Rahmen – z.B. immer zur gleichen Zeit am Nachmittag – kann zusätzlichen Halt geben.

Alternative Einbindung: Für Menschen, die das Spiel optisch/hektisch nicht mitverfolgen können, bieten Sie Alternativen: Sie können mitfiebern, indem sie nur die Geräusche hören oder man sie erlaubt, kommentarlos zuzuhören. Auch „Mini-Aktivitäten“ im Sitzen (z.B. zusammen beim Sitztanz ein Fußballlied singen) ermöglichen Teilhabe. Der Fokus liegt darauf, das Event in dem Rahmen anzubieten, der jedem Teilnehmer entspricht.

Dokumentation und Reflexion

Wie bei jedem Betreuungsangebot sollte auch hier die Durchführung dokumentiert und reflektiert werden. Notieren Sie Datum, Spiel, beteiligte Personen und grobe Beobachtungen (Stimmung, auftretende Probleme, Feedback). Im Betreuungsbericht hält man fest, wie viele Bewohner teilnahmen und welche Erinnerungen oder Gespräche sich ergaben. Anschließend bespricht das Team die Aktion: Welche Elemente kamen gut an? Gab es Überforderungssituationen? Möglicherweise wird entschieden, beim nächsten Mal leiser zu sein, andere Snacks zu wählen oder weniger Marketing einzusetzen. Auf diese Weise wird das Angebot schrittweise verbessert und besser an die Bedürfnisse der Bewohner angepasst.

Tópico Sport, Bewegung & Tanz

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