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Trülle-Platz? Echt jetzt?

Liebe Politikinteressierte

Bevor wir zum Eingemachten alias Regierungsratswahlen kommen, wollen wir rasch über ein bisher namenloses Plätzli in der Stadt Zürich sprechen. Dieses liegt superzentral bei der Bahnhofstrasse in Richtung Rennweg, und viele von euch werden schon dort vorbeigelaufen sein. Weil in der Nähe des Plätzchens das Haus zur Trülle steht, könnte der Ort bald “Trülle-Platz” heissen.

Der Quartierverein Zürich 1 rechts der Limmat kann es nicht fassen.

Wir können es auch nicht.

Trülle – so nannte man früher einen drehbaren Stangenkäfig, in den Missetäter (oft Diebe oder Ehebrecher) zur öffentlichen Abschreckung eingesperrt und teils auch gedreht wurden.

Aus unserer Sicht ein völlig unpassender Name für einen im 21. Jahrhundert noch namenlosen Platz. Aber bildet euch doch nach der Lektüre unseres Texts ein eigenes Urteil. (Abre numa nova janela)

Wir wären übrigens dafür, dass der Platz nach der Schriftstellerin, Malerin und ehemaligen Prostituierten Dora Koster benannt wird. Sie lebte in der Zürcher Altstadt, also im Kreis 1, wo sich das Plätzli befindet. Koster wurde von der offiziellen Kulturpolitik eher auf Distanz gehalten. Darum wäre eine solche posthume Ehrung eine schöne Sache. Präsidentin der Strassenbenennungskommission ist Stadträtin Karin Rykart (Grüne). Frau Rykart, übernehmen Sie!

Aber jetzt ab zu den Regierungsratswahlen.

Der Termin steht lange fest: Am 4. April 2027 steht ein personeller Umbruch in der siebenköpfigen Exekutive des Kantons bevor. Jacqueline Fehr (SP), Silvia Steiner (Mitte) sowie Carmen Walker Späh (FDP) treten nicht mehr an und auch Ernst Stocker (SVP) will nicht mehr. Und bei Mario Fehr (parteilos) wissen wir es einfach noch nicht.

Insbesondere bei der FDP und bei der Mitte hat man als Aussenstehende den Eindruck, dass die abtretenden Regierungsrätinnen die Parteioberen auf dem falschen Fuss erwischt haben. Wäre es nach alt Stadtrat Filippo Leutenegger gegangen, dem Präsidenten der FDP Kanton Zürich, wären die Freisinnigen lediglich mit einer Einerkandidatur angetreten. Für die FDP sollte es Nationalrat Andri Silberschmidt ganz allein richten. Doch nun wird es doch eine Doppelkandidatur.

Wir fragen uns in unserer Analyse, weshalb sich die Parteien so schwertun, geeignetes Personal aufzubauen. (Abre numa nova janela)

Die AL ihrerseits macht sich gerade für 2027 fit. Nach den Wahlen in der Stadt Zürich war man bei der Kleinpartei enttäuscht und gleichzeitig erleichtert. Zwar holte Stadtratskandidatin und Gemeinderätin Tanja Maag hinter FDP-Gemeinderat Përparim Avdili nur Platz 11. Aber im Gemeinderat blieb die AL dafür mit acht Sitzen stabil. Die Partei konnte sogar mehr Wählerinnen und Wähler für sich mobilisieren, das Gros der Linken scheint sich allerdings aktuell eher zur SP hingezogen zu fühlen.

Also braucht es jetzt neue Energie und offensichtlich eine Pinselrenovation. Statt als Alternative Liste tritt die Kleinpartei jetzt als Alternative Linke auf. “Alternative Linke – der Name benennt, was wir sind”, lässt sich AL-Kantonsrätin und Vorstandsmitglied Nicole Wyss in einem Communiqué zitieren (Abre numa nova janela).

Wir hingegen finden in unserem Kommentar, dass das Problem nie der Name war. Was sich hinter dem Parteikürzel verbirgt, ist zweitrangig. Das Problem der AL ist, dass die einstige Protestpartei nicht mehr aneckt. Wer AL wählt und sich aufregen will, klickt hier (und alle anderen natürlich auch). (Abre numa nova janela)

Wir danken all unseren Unterstützerinnen und Unterstützern.

Lorenz Steinmann und Pascal Turin

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