FILM-KRITIK (Abre numa nova janela) - [Enthält leichte Spoiler zum Verlauf der Handlung]
Mit The Conjuring – Die Heimsuchung von James Wan ging 2013 ein so effektiver wie emotional packender Horror an den Start, der angeführt von den Charakterdarsteller*innen Vera Farmiga, Patrick Wilson und Lily Taylor Grauen und Gefühl, Action und Drama bestens kombinierte. Der erfolgreiche Film zog ein milliardenschweres Franchise (oder mittlerweile à la Marvel (MCU) (Abre numa nova janela) oder DC Cinematic Universe (DCU) (Abre numa nova janela) Conjuring Universe) nach sich. Mit The Conjuring: Last Rites (dt.: Conjuring 4: Das letzte Kapitel) endet nun laut dem Konzern Warner Bros. und dem Chef des zugehörigen New Line Cinema, Richard Brener, die erste Phase.

Es ist, wenn wir so wollen, das Ende der uns vertrauten Warrens. Ed (Wilson) und Lorraine (Farmiga) sind vielen nicht erst durch das Film-Franchise ein Begriff. Ihre medienwirksamen Ermittlungen von Spuk und Besessenheit sind ebenso allgemein bekannt, wie die Vorwürfe manch einer Verfälschung und nicht zuletzt möglicher sexueller Übergriffe Ed Warrens. Diese werden, wenig überraschend, in den sehr wohlwollenden Filmen nicht thematisiert – nicht zuletzt, weil die 2019 verstorbene Lorraine sich dies vertraglich zusichern ließ. Ergibt Sinn. Darum soll es hier auch nicht gehen. Ebenso wenig darum, was von übernatürlichen Phänomenen, Dämonen, Spuk, Spiegelwelten, etc. pp. zu halten ist. Da mag ein*e Jede*r eine eigene Meinung haben.
Die Frage am Ende ist, ob all dies im Film - wie immer recht frei auf wohl wahren Begebenheiten basierend - funktioniert. Ob wir uns gruseln, mitfühlen und mitfiebern. Die Antwort im vierten von Michael Chaves für das Franchise inszenierten Film ist ein deutliches Jein. Er zeichnete schon für den bei vielen durchgefallenen dritten Teil The Conjuring: The Devil Made Me Do It verantwortlich, den der Autor dieser Zeilen allerdings schätzte, allein schon weil er den Mut hatte, Form und Fokus der Reihe anders zu justieren. Der vierte Film erinnert nun wieder eher an die Teile eins und zwei:
Nach einem stark inszenierten Prolog um das noch junge, Spuk-unerfahrenere Ehepaar Ed (hier: Orion Smith) und Lorraine (noch: Madison Lawlor), das im Jahr 1964 in einem Antiquitätengeschäft auf einen mysteriösen Spiegel trifft, der direkt mal die zu frühe Geburt der Tochter Judy einleitet und die Warrens in die Flucht schlägt. Doch scheint es, als sei dem Paar etwas Dunkles ins Krankenhaus gefolgt. Judy (eigentlich in den 1940er-Jahren geboren) ist zunächst tot, doch dank Licht und Gebet kommt das Kind wie durch ein Wunder (!) zu sich...

...und wird im Jahr 1986, gespielt von Mia Tomlinson, ähnlich ihrer Mutter von Visionen und Erscheinungen geplagt. Etwas, das wir schon mit dem Entdecken von The Nun im zweiten Conjuring-Film erfahren durften. Mama Lorraine allerdings hat Judy einen Reim an die Hand gegeben, um das Böse ungesehen zu machen. Sonnigen Gemüts ist auch Judys Partner Tony (Ben Hardy), der, zum väterlichen Unmut Eds, um deren Hand anzuhalten gedenkt. Hier wird es im von Ian Goldberg, Richard Naing und David Leslie Johnson-McGoldrick geschriebenen Horrorfilm beinahe komödiantisch (Abre numa nova janela).
Parallel dazu lernen wir die achtköpfige Familie Smurl aus Pennsylvania kennen. Deren Tochter Heather (Kíla Lord Cassidy) bekommt zu ihrer Konfirmation von den Großeltern einen wunderbaren Spiegel geschenkt, der uns natürlich bekannt vorkommt. Kaum ausgepackt, geschehen im Haus der Familie die seltsamsten Dinge. Es kracht, blutet, rummst und zieht an Telefonkabeln in dunklen Speisekammern. Das ist teils recht effektiv, auch dank des Schauspiels Cassidys wie auch Beau Gadsdons als deren älterer Schwester Dawn und Rebecca Calders als Mutter Janet Smurl.

Dennoch bleibt das Leid der Familie nicht nur im Vergleich zu den Vorgängerfilmen blass. Es ist ein primär berichtetes Grauen, vieles wird uns gar nicht gezeigt. Ein etwas verschoben wirkendes Editing von Gregory Plotkin und Elliot Greenberg lassen diverse Schockmomente dazu noch reichlich lose implantiert wirken. Wenn es auch durchaus starke, von Eli Born stimmungsvoll gefilmte (Jump) Scares gibt. Dass der Trailer dabei einige der besten Momente vorwegnimmt (Abre numa nova janela), ist allerdings nicht sonderlich hilfreich.
So wechselt sich das Familienleben der Warrens, die nach den Ereignissen des dritten Teils und aufgrund Eds schwachen Herzens nun primär Vorträge halten und ihr Wissen weitergeben, mit dem Smurl-Schrecken ab. Zwar bemüht sich Father Gordon (Steve Coulter) darum, die Warrens in den Fall der heimgesuchten Familie zu involvieren, beißt jedoch vor allem bei Lorraine auf Granit. So dauert es im 135 Minuten langen Conjuring 4 recht lange, bis das Ehepaar in einer schön gefilmten Szene in Pennsylvania ankommt. Zunächst allerdings nur, um Tochter Judy aus dem Haus zu holen, die das Gefühl hat, dort gebraucht zu werden.

An sich ereignen sich da zwei, drei interessante Dinge. Etwa, dass Lorraine Warren den Schutz der eigenen Familie jenem einer „fremden“ vorzieht (verständlich). Dass das Ehepaar erschöpft scheint, wirkt ebenso glaubwürdig wie das Ringen Judys, in Ruhe leben und doch erforschen zu wollen, was mit ihr und um sie herum geschieht. Dass die Ereignisse dieses Falles, der alles beendete, mit den Warrens verbunden sind, ist nicht nur Horror-erfahrenen Zuschauer*innen (Abre numa nova janela) natürlich bewusst.

Umso mehr irritiert es, wie viel Zeit sich der Film im Mittelteil nimmt, um uns im Ungefähren zu lassen, uns von der Notwendigkeit all des Drumherums überzeugen zu wollen, was letztlich nur für unnötige Längen sorgt. Und so – leider – die eine oder andere effektive Grusel-Sequenz, etwa beim Anprobieren eines Brautkleides, schmälert. Die Konsequenzen des vermeintlich Erlebten werden so lange nicht gezogen, bis es im Wumms-Finale nur noch Schlag auf Schlag (Abre numa nova janela), Sprung um Sprung krachen kann. Das sieht gut aus, effizient ist’s allerdings weniger.

So ist dieser (Phasen-)Abschluss, dieses „Sterbesakrament“ zweischneidig, ja wie ein gesprungener Spiegel. Das Setting und der Look sind spitze, die Musik von Benjamin Wallfisch untermalt das Grauen, nervt allerdings mit reichlich Pathos. Was wiederum zum teils sehr kitschigen Film passt. Das Schauspiel überzeugt, wenn auch die Figurenzeichnung der Smurls eher als skizzenhaft bezeichnet werden darf. Für Fans der Reihe – die ich nach wie vor für eine der besten ever halte – ist dieses „Ende“ ein Muss, klar. Dennoch scheint es im Kontext der anderen Filme irgendwie unwürdig. Womit es zum Ausscheiden Father Gordons passt.
AS
PS: The Conjuring soll übrigens als Serie mit einigen neuen Charakteren fortgeführt werden. Denkbar wäre eine Geschichte um Judy. Darstellerin Mia Tomlinson ist im Grunde noch eine Newcomerin und natürlich könnten die Macher*innen eine weit fiktivere Geschichte um sie spinnen.
PPS: Starken und emotional packenden Horror bietet übrigens WEAPONS (Abre numa nova janela).
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Conjuring 4: Das letzte Kapitel ist seit dem 4. September 2025 im Kino zu sehen; Laufzeit ca. 136 Minuten; FSK: 16