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Ein Ort, der alle meine Leben aufbewahrt

Befreit und besorgt, verwirrt und verliebt, euphorisch und enttäuscht: Der Binzer Strand hat schon alles von mir gesehen. Vielleicht komme ich auch deshalb so gern zurück.

Binz. Das ist der Ort, an dem meine Schwester und ich als Kinder mit unserem Badereifen in den Wellen tobten und behaupteten: „Das ist der schönste Strand der Welt.” Wir sagten das mit der Bestimmtheit von Kindern, die noch nicht viele andere Strände kennen, und vielleicht hatten wir trotzdem recht.

Jahre später stand ich an genau diesem Strand und hatte das Gefühl, ich falle – so als wäre da ein Loch im Sand, in das ich hineinstürzte, während der Junge, in den ich verliebt war, mir am Telefon sagte, dass er eigentlich eine Freundin habe. Eigentlich. Als wäre eine Freundin etwas, das man versehentlich besitzt. Er fühle sich, als müsse er zwischen Bienenstich und Streuselkuchen entscheiden, sagte er. Vielleicht stimmen auch die Sorten nicht. Ich weiß noch, es waren zwei Kuchen, die ich beide nicht mag, und ich war einer davon.

Wir weinten stumm und stiegen ins Auto

Binz ist auch der Ort, an den ich kam, um meiner Freundin während ihrer Strahlentherapie beizustehen. Wir trafen uns am Bahnhof, sahen uns in die Augen, weinten stumm, stiegen ins Auto und fuhren zu ihren Eltern nach Hause. Ich glaube, es gibt keine Dusche, die ich so oft mit einem so schlechten Gewissen vollgesandet habe wie die ihrer Mutter.

In Binz habe ich neue Pläne geschmiedet, nachdem ich meinen ersten festen Job gekündigt hatte. Von Binz aus brach ich mit meinem damaligen Mann zu unseren Flitterwochen auf – und stellte am selben Ort ein Jahr nach unserer Trennung fest, dass ich ihn nicht mehr wiedererkannte.

In Binz am Strand hielt ich meinen weinenden Freund in den Armen, nachdem wir im Livestream verfolgt hatten, wie sein Bruder sich zum ersten Mal für die Olympischen Spiele im Beachvolleyball qualifiziert hatte. Am selben Strand war ich immer wieder von meiner eigenen Leistung enttäuscht, weil es mir nicht gelang, das Turnier zu organisieren und gleichzeitig gut zu performen.

„Komm wir kaufen dir einen Schrank”

2019 war ich zum ersten Mal mit David und den Mädels in Binz. Es wurde der Ort, an dem Emma und Hannah das erste Mal allein zu Hause blieben, während wir – über iPad und Babyphone-App mit ihnen verbunden – eine Date Night am Strand ausprobierten. In Binz feierte Emma ihren 13. Geburtstag und bekam eine wunderschöne Radiobotschaft von ihrer Mama, die es trotz Corona noch schaffte, nachzureisen. Vor vier Jahren wurde Binz der Ort, an dem David am Abreisetag zu mir sagte: „Komm, wir kaufen dir jetzt einen Kleiderschrank.“ Danach zogen wir zusammen.

Erst ein Kuss, dann zu Ikea. Der Moment nach der Kleiderschrank-Entscheidung. :)

Am vergangenen Wochenende sind neue Erinnerungen hinzugekommen: Ab jetzt ist Binz auch noch der Ort, an dem ich zum ersten Mal seit meiner Verletzung 2022 wieder ein Ostsee-Turnier spielte, an dem Emma und Hannah mich endlich einmal richtig Beachvolleyball spielen sahen und an dem ich es bei „unserem“ Turnier endlich ins Halbfinale geschafft habe. Es ist der Ort, an dem ich alte und neue Freunde getroffen habe, an dem wir beim Italiener die Rechnung vom falschen Tisch bekamen und vom schicksten Balkon aus die PierSession 2026 beobachtet haben.

Vielleicht ist die Definition vom schönsten Strand der Welt nicht der Sand oder das Meer, sondern dass man immer wiederkommt – und jedes Mal eine andere ist.

PierSession in der Binzer Bucht.
2023 lag ich noch verletzt neben diesen fröhlichen Mädels ohne zu wissen, dass sie drei Jahre später meine Spiel- und Trainingspartnerinnen sein würden.
Balkon-Blick deluxe auf die Strandpromenade und die PierSession 2026.
Kategorie everyday stories.

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