Friedensnobelpreisträgerin für Drogenkrieg / Es geht nicht um Drogenhandel. / Trump hat 27 Menschen getötet. Warum im Namen eines “Drogenkriegs”? / Nicht nur Trump kann von Duterte lernen.
Vergangenen Freitag wurde María Corina Machado mit dem Friedensnobelpreis geehrt. Aus verschiedenen Gründen wird das als eine seltsame Entscheidung diskutiert, aber eine Problematik geht oft unter. Die Oppositions-Politikerin unterstützt Trumps Drogenkrieg, das heißt die Exekutionen von 27 angeblichen “Drogendealern (Öffnet in neuem Fenster)” auf Booten vor der Küste Venezuelas, indem sie auf Trumps Befehl hin durch Luftanschläge des US-Militärs, um es in aller Deutlichkeit zu sagen: zerfetzt wurden. Trump hat mit den Tötungen (Öffnet in neuem Fenster) geprahlt und realisiert sein Versprechen bereits, diese Drogenkriegsführung fortzusetzen.
Peace Prize Winner Has Supported Trump’s Military Actions in the Caribbean
María Corina Machado, the Venezuelan opposition leader honored by the Nobel committee, has urged President Trump to help oust the ruler of her country, Nicolás Maduro.
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“This is about saving lives,” she told Fox News (Öffnet in neuem Fenster) last month after the United States began bombing suspected drug boats in the Caribbean, “not only Venezuelan lives, but also lives of American people, because as you have said, and we have heard, Maduro is the head of a narco-terrorist structure of cooperation.”
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https://www.nytimes.com/2025/10/10/world/americas/maria-corina-machado-trump-support-maduro.html (Öffnet in neuem Fenster)Dass es hier nicht tatsächlich um ein Stoppen von Drogen geht, wird von den Berichten, die ich auf ihre Analysen und Erklärungen der Ereignisse gescannt habe, teilweise durchaus vermittelt. Aus den vorhandenen Zahlen über die Ströme des illegalen Drogenhandels geht hervor, dass Venezuela für den illegalen US-Import von Fentanyl und anderen illegalisierten psychoaktiven Stoffen relativ irrelevant ist.
Ein angeblicher “Drogenkrieg” funktioniert als Katalysator für die gemeinsamen geopolitischen Ziele von Trump und Machado, wobei alle irgendwie wissen, dass es nicht um Drogen geht und Ausssagen wie diese von Machado vorgeschobener Quatsch sind. Auf Befehl des US-Präsidenten wurden vom US-Militär im Ausland (Stand heute) 27 Menschenleben genommen (zerfetzt), mit denen Trump sich brüstet. “Drogenkriegs”-Unterstützerin Machado bekommt einen Friedensnobelpreis verliehen, während das Töten durch Staatsbefehl ein Fall für den Internationalen Strafgerichtshof wäre (hätten sich die USA nicht vor der Verpflichtung zum Rom-Statut gehütet).
Was ist da los?
Der heutige Beitrag erschien zuerst am 14.10.2025 für die zahlenden Mitglieder (Öffnet in neuem Fenster) des Drogenpolitik Briefings. Dies hier ist die kostenlose, zeitlich verzögerte Veröffentlichung. Dies ist eine überarbeitete Fassung mit den Todeszahlen von heute.
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Ich teile 3 Berichte mich euch, die mir geholfen haben, mir ein besseres Bild der Lage zu verschaffen.
Die 3 Berichte stehen aber auch exemplarisch dafür, was fehlt.
Denn die Analysen enden verlässlich immer wieder bei einem “Drogenkrieg”, der in dieser Situation unverhältnismäßig oder unrechtmäßig sei. Warum gerade diese angeblichen Kriminellen Opfer einer US-Außenpolitik werden und warum dies gerade im Zusammenhang mit Drogen geschen kann, bleibt ungeklärt. Für eine Chance auf Widerstand kann dies aber nicht unaufgeklärt bleiben. Solange die repressive, prohibitive Drogenpolitik, wie sie seit über 50 Jahren ungebrochen intensiv über alle politischen Lager geführt wird, unproblematisiert bleibt, wird Trump im Namen einer “Drogenbekämpfung” weiterhin freie Hand bekommen, Rechtstaat und Institutionen abzubauen und intransparente, gefährliche Akteure wie die CIA zu stärken (Öffnet in neuem Fenster).
Manche Berichte gehen unnötigerweise tiefer auf den Drogenhandel ein, obwohl ja nur Trump und sein Militär (und Machado) behauptet haben, dass es überhaupt um Drogen gehen würde. Darauf darf man nicht hereinfallen!
Die 3 Berichte unten sind zwar Positivbeispiele, aber auch bei diesen fällt auf, dass das Zerschießen von Booten stärker als der Tod der angeblichen Kriminellen kommuniziert wird. Trump ließ innerhalb weniger Wochen auf Befehl von einem ihm trotz zu bezweifelnder Rechtslage gehorchenden Militär 27 Menschen töten und hat dies laut eigenen stolzen Angaben weiter vor. Wer waren diese 27 Menschen? Was bedeutet es, wenn man angeblich oder tatsächlich “kriminell” ist und zum Abschuss freigegeben wird? Wer ist aktuell konkret bedroht und wie könnten diese Personen geschützt werden? Oder will man das, wie die Friedensnobelpreisträgerin Machado, offenbar gar nicht? Wie schützt man Leben, das (im gescheiterten “Drogenkrieg”, siehe nächster Punkt) als “kriminell” gilt?
Trumps Militäraktionen, die nach heutigem Stand 27 Menschen das Leben genommen haben, werden in einigen Berichten geopolitisch eingeordnet und der “Drogenkrieg” als vorgeschoben, unverhältnismäßig oder unrechtmäßig kritisiert. Was Themen rund um Drogen- und Suchtpolitik typischerweise, und auch hier dennoch fehlt, ist eine ebenso komplexe, historische und politische Einordnung. Es ist nicht so, als ob diese Art von Drogenkriegsführung woanders, wo tatsächlich relevante Mengen von Fentanyl geschmuggelt werden, irgendeinen positiven Effekt hätten. Im Gegenteil. Prohibitive, repressive Drogenpolitk führt überall auf der Welt und seit ihren Anfängen vor über 100 Jahren zu vielfältigen und immensen politischen Schäden für alle (Öffnet in neuem Fenster). Eine Einsicht von Entscheidungsträger*innen, die zu konsequentem Handeln führt, lässt global auf sich warten. Solange besitzt ein Präsident wie Trump, der sein Land autokratisieren will, in der Drogenpolitik das ideales Instrument. Solange die Politik der “Drogenbekämpfung” grunsätzlich als legitim, nötig und alternativlos verstanden wird, kann Trump sie für seine geopolitischen Ziele sowie Militarisierung gegen Opposition im Inland und weitere Ziele einsetzen, denn ein eigentlich erwartbarer Widerstand ist verhaltener, wenn es um stigmatisierte Drogen geht. Dieser Effekt wurde für Dutertes “Drogenkrieg” in den Philippinen, von dem Trump in seiner ersten Amtszeit bewundernd gelernt hat, gut untersucht: Die “Drogenbekämpfung” ist zwar etwas heftig, aber wenigstens werde mal richtig gegen “das Drogenproblem” durchgegriffen. Nicht nur Trump kann von Duterte lernen. Es wäre also entscheidend aufzuklären, dass die "Drogenbekämpfung" bereits längst intensiv durchgreift und dass die Lage des Drogengebrauchs und Drogenhandels gerade deswegen so ist wie sie ist. Es braucht endlich die Aufklärung über die gescheiterten Strategien (wenn Schutz der Gesundheit und Vermeiden von Leid das Ziel sind) und das Durchbrechen des Ignorierens von Fachberichten und Handlugsempfehlungen zur Deeskalation der "Drogenbekämpfung” (siehe unter den Forderungen im #MyBrainMyChoice-Aktionsplan (Öffnet in neuem Fenster)oder auch in diesem Überblick (Öffnet in neuem Fenster)).
Das US-amerikanische Filter Magazine ist auf drogenpolitische Themen spezialisiert und liefert tagesaktuelle Einordnungen der Ereignisse, zitiert dabei regelmäßig anerkannte Analyst*innen und bietet Hintergrundwissen. Wie etwa dieser Artikel von Tana Ganeva: “Trump Brags of Lethal US Drug-War Strikes to the United Nations” (Öffnet in neuem Fenster)