Es ist Donnerstag.
Und das ist Von Null auf Welt, mein Startup-Newsletter.
Heute geht es um Allgemeinbildung.
Und um Künstliche Intelligenz.
Los geht’s …
Ihr habt es vielleicht mitbekommen: Bei Wer wird Millionär ist kürzlich eine Lehrerin an der 500-Euro-Frage gescheitert.

Die Frage lautete: „Festgemauert in der Erden steht laut Schiller…"
a) Der Turm
b) Die Farm
c) Der Schirm
d) Die Form
Wie man auf Wikipedia nachlesen kann, war Schiller offensichtlich Glocken-Fan und öfter in einer Gießerei zu Gast (Öffnet in neuem Fenster). Rund zehn Jahre hat er gebraucht, um Das Lied von der Glocke fertig zu stellen.
Das weiß ich natürlich erst, seit ich es für diesen Newsletter nachgelesen habe. Aber im Netz ist in vielen Diskussionen nun die Empörung groß, dass man ausgerechnet dieses Gedicht nicht kenne!?
Ich hab selbst mal in meinem Gehirn gekramt und nur noch ganz vage Erinnerungen daran, dass wir das mal im Deutschunterricht besprochen haben.
Aber ich bin mir ganz und gar nicht sicher, ob ich mich daran in dieser Stress-Situation erinnert hätte und ob ich daher d) als richtige Antwort ausgewählt hätte.
Deswegen hab ich zum einen großes Verständnis, dass man da daneben liegt. Zum anderen, und das ist die spannende Frage:
Muss oder sollte man das überhaupt (noch) wissen?
Und weiter:
Gehört dieses über 200 Jahre alte Gedicht zur Allgemeinbildung?
Und was hat das alles mit Startups und Marketing zu tun?
Zur ersten Frage: Der Bildungsbürger in mir rebelliert beim nächsten Satz, aber wenn ich ehrlich bin: Nein, ich glaube nicht, dass man das (noch) wissen muss … und ich glaube auch nicht, zweite Frage, dass Die Glocke noch zur Allgemeinbildung gehört.
Unsere Welt wird sich in den nächsten Jahren durch künstliche Intelligenz fundamental verändern. Sie tut es bereits.
Man kann nun streiten, ob es die krasseste Veränderung seit dem iPhone oder gar der Entdeckung des Feuers ist.
Aber im Ergebnis: Es wird vollkommen verrückt.
Und don’t get me wrong: Ich bin ein großer Fan und Befürworter so genannter klassischer Bildung.
Ich glaube, dass Musik und Bücher (und nein, nicht nur Fachbücher) und Theater und alles das, was im klassischen Bildungskanon enthalten ist, einen unschätzbaren Wert für uns als Mensch und als Gesellschaft haben.
Aber ich glaube auch, dass wir nicht umhinkommen, Bildung komplett neu zu definieren.
Denn während wir diskutieren, ob eine Kandidatin Schillers Glocke kennen müsste, verändert sich Die Welt um uns herum in einem crazy Tempo.
Wir kommen also gar nicht drumherum, unser Denken zu ändern und uns neue Fragen zu stellen.
Nicht nur: „Was gehört zur Allgemeinbildung?"
Sondern, und das ist des Pudels-Kern (um hier noch mehr Bildungs-Groove rein zu bringen):
„Muss ich selbst überhaupt noch was wissen? Wenn ja, was?"
Und: „Wie arbeite ich mit Systemen zusammen, die schon jetzt oder bald viel klüger sind als ich?"
Und damit kommen wir zu dritten Frage:
Was hat das mit Startups und Marketing zu tun?
Voller Pathos schreibe ich: Alles.
Denn die Beschäftigung mit künstlicher Intelligenz … nicht nur oberflächlich im Chat fürs Korrekturlesen oder den nächsten LinkedIn Post, sondern tiefergehend und ernsthaft …
Das ist nicht einfach nur Weiterbildung.
Das ist nicht nice to have.
Das ist absolute Grundkompetenz.
Das ist Allgemeinbildung.
Das ist ebenbürtig neben Rechnen und Lesen und Schreiben.
Und nochmals: Ich spreche hier nicht von „ChatGPT statt Google nutzen, wenn’s passt“.
Sondern wirklich tief rein gehen und versuchen, zu verstehen, was da unter der Motorhaube passiert und welche Möglichkeiten das bietet.
Das ist anstrengend, I know.
Ich war selbst lange zu bequem und nur an der Wasseroberfläche.
Aber ich hab mir vorgenommen, das drastich zu verändern.
Und nicht wie beim Klarinetten-Unterricht mit 12, wo ich vor lauter Coolness nur das Nötigste getan habe.
Die Glocke als Teil der Allgemeinbildung? Diskutabel.
Die tiefe Beschäftigung mit künstlicher Intelligenz? Die nicht.
Sprechen Sie Claude?
Wenn nicht … vielleicht wäre jetzt ein guter Zeitpunkt, damit anzufangen.
Wer damit wartet, der hat das Glockenläuten nicht gehört.
Bis nächste Woche!
Max