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Run when nobody’s watching.

Es ist Donnerstag. Und du liest Von Null auf Welt, meinen Newsletter über Startups und Marketing.

Ich war ein paar Tage offline – und hab die Zeit vor allem genutzt, um viel zu lesen.

Zum Beispiel The Bookshop von Evan Friss (Öffnet in neuem Fenster): ein Buch über die Geschichte amerikanischer Buchhandlungen.

Hab ich verschlungen.

Denn ich liebe Buchhandlungen (wer nicht?) und ich versuche, jedes Buch über den Buchhandel zu lesen, das mir unterkommt …

Und wer weiß: Vielleicht eröffne ich irgendwann selbst einen Buchladen. Aber das hat noch Zeit. Jetzt erstmal alkoholfreies Bier (Öffnet in neuem Fenster).

Gerade fertig geworden bin ich mit Haruki Murakamis Buch über das Laufen: What I Talk About When I Talk About Running (Öffnet in neuem Fenster).

Natürlich kein Geheimtipp. Lese ich bereits zum dritten Mal.

Meine Ausgabe hab ich im Keller einer Second-Hand-Buchhandlung gekauft … Als Buchladen-Liebhaber macht mich diese Erinnerung alleine schon glücklich.

Aber was mich wirklich immer wieder zu Murakami und zu diesem Buch zurückbringt, sind seine klugen Gedanken über das Laufen und das Leben. Je älter ich werde, desto mehr kann ich damit anfangen. Und jedes Mal, wenn ich das Buch aufschlage, finde ich neue Passagen, die ich mir anstreiche.

Dieses Mal war es dieser Absatz:

Somerset Maughan once wrote that in each shave lies a philosophy. I couldn't agree more. No matter how mundane some action might appear, keep at it long enough, and it becomes a contemplative, even meditative act.

Woher Murakami das Zitat hat, konnte ich nicht herausfinden. In Maughams Roman The Razor's Edge taucht es jedenfalls nicht auf … auch wenn das thematisch herrlich passend wäre.

Doch egal woher es kommt … Ich hab zustimmend genickt.

Und den Leuchtmarker gezückt.

Dass Gründen ein Marathon sei, steht jede Woche in irgendeinem ChatGPT-generierten LinkedIn-Post.

Kein Wunder. Stimmt ja auch.

Aber mir geht es nicht um Willenskraft oder Leidenschaft oder den berühmten Biss.

Mir geht es um das, was vor dem Marathon passiert.

Die unzähligen, unspektakulären Läufe, die jede*r Marathon-Teilenehmer*in schon seit Monaten oder Jahren vor dem Start hinter sich hat.

Jedes Mal: Schuhe an, Laufsachen an, raus.

Niemand steht dabei an der Strecke.
Es gibt keine Bestätigung, keinen Applaus. Dafür öfter Regen und durchnässte Schuhe.

Aber du läufst trotzdem.
Und wieder.
Und wieder.

Da ist die Parallele, die mich so fasziniert:

  • Du schreibst dieselbe Kaltakquise-Mail zum zwölften Mal, immer noch keine Antwort

  • Du iterierst dieselbe Meta-Anzeige zum neunzehnten Mal

  • Du erklärst dein Produkt zum vierundzwanzigsten Mal jemandem, der vielleicht weder kauft noch investiert.

Aber irgendwann passiert etwas … unbemerkt meistens, still und heimlich.

Die Dinge, die erst nicht funktionieren, dann nerven, dann beides: Irgendwann sind diese Dinge einfach kein Aufwand mehr.
Nicht mehr der Rede wert.

Es sind die Dinge, die „man halt so jeden Tag macht“.

Wenn du bei einer Aufgabe keinen Widerstand mehr spürst, verbrauchst du kaum mehr Energie mehr dafür. Dann kannst du endlich besser darin werden.

Es geht nicht mehr um das Ob. Sondern endlich ums Wie.

Wir Gründerinnen denken oft, Fortschritt müsse man täglich spüren. Dass ein guter Tag einer ist, an dem man etwas Neues gebaut, Großes entschieden, Wichtiges gelernt hat.

Dabei sind die wertvollsten Tage oft die unauffälligsten: diejenigen, an denen man einfach dasselbe noch einmal gemacht hat.

Und diesen Gedanken finde ich so tröstlich: Gründen ist selten spektakulär, und oft schmerzhaft. Aber wenn man wenige Dinge ständig wiederholt und immer ein bisschen besser wird.

Dann wird das Nervige zum Alltäglichen.

Man muss nur lange genug dabei bleiben.

Bis nächste Woche!

Max