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    <title>disrupt!</title>
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    <description>Thoughts, perspectives and ideas on movements ranging from civil disobedience to prepping in solidarity, on the path to systemic change</description>
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    <item>
      <title><![CDATA[GenZ – Proteste und wir haben diese zu unterstützen]]></title>
      <description><![CDATA[Fridays 4 Future, Ende Gelände und Co. waren gestern. Jetzt klopft die Zukunft an und der müssen wir alle jetzt die Türen öffnen und die Bühnen überlassen.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/10773fcc-9207-4e81-8446-213272044f80/uploads/images/ltsyqmrdxq/genz-ludwigsburg-100.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Transparent der GenZ-Proteste: Fick den Staat. No Justice No Peace"/><p>Was auffällt bei den GenZ-Protesten in Deutschland: Ja, Frankreich ist noch weit weg, aber da gibt es auch eine ganz andere Historie von Protest, befeuert von zahlreichen Unterschieden zur Situation in Deutschland. Wenn wir aber mal über das Getöse des Wahnsinns im Rahmen der langsam aufkeimenden Proteste in Deutschland hinwegblicken, gibt es ein paar Dinge, die ins Auge fallen.</p><p><em>Nein zu einer (selbsternannten) Bundesorga</em></p><p>Es gibt zum 1. Mal seit langer Zeit einen sichtbaren Abwehrkampf gegen übergriffige Strukturen, die sich zum „offiziellen Account“ und zur selbsternannten Bundesorga von Protesten erklären, die sich nicht vereinnahmen und einhegen lassen wollen. Das ist ein Hoffnungsschimmer, denn inzwischen sind aufgezwungene Strukturen und wenige sichtbare Sprachrohre eher lähmendes Problem als sinnvolle Hilfe für Proteste. Diese Strukturen dienen der Kontrolle über Proteste, denn das vermeintlich einheitliche Bild, das geschaffen werden soll, um Stärke und Breite zu signalisieren, funktioniert nur, wenn Proteste überall gleich aussehen und wenn die Kommunikation identisch ist. Das wiederum bedingt Regeln, die die Form der Proteste bestimmen („friedlich“), Entsolidarisierungen und das Spalten in gute Demonstrierende und böse Randalierer. Das nimmt Protesten jegliche Schlagkraft, jedes Momentum und es ist die Übernahme von Narrativen zur Kriminalisierung von Protest, wie wir sie bezogen auf angekündigte GenZ – Proteste in Deutschland in unfassbarem Ausmaß gesehen haben. Das birgt nicht nur Gefahren für Menschen, das ist auch der Todesstoß für Proteste und eine entstehende Bewegung. Diese sichtbaren Abwehrkämpfe sind deshalb wichtig und es ist gut, dass sie geführt werden, auch wenn das natürlich die üblichen Rufe von „Spaltung“ hervorruft. In diesem Fall ist diese Spaltung überlebenswichtig und somit Bedingung.</p><p><em>Wo sind denn die Pressesprechis?</em></p><p>Weiterhin fehlen sichtbare Pressesprecher*innen, die die immer gleichen Sprechblasen in Mikrofone abgeben und nichts sagende Pressemitteilungen verschicken. Wer sich Ende Gelände, Widersetzen, das Systemchange – Camp &amp; Co anschaut, trifft dort immer auf die selben 2- 4 Personen in unterschiedlichen Konstellationen und mit wechselnden Partner*innen an der Seite und diese Pressesprecher*innen liefern die immer gleichen Aussagen und Narrative, gepaart mit vermeintlichen Erfolgsmeldungen, die nicht der Realität entsprechen. Im Zuge des 31.10. sind mir keine entsprechenden Videos und Statements aufgefallen und das ist verdammt gut und richtig so, weil es Ausdruck von größerer Eigenständigkeit und Selbstbestimmung zeigt, als es die Klimagerechtigkeitsbewegung von Ende Gelände bis Fridays 4 Future und alle anderen linken Kampagnen unter mehr oder weniger sichtbarem Einfluss der Interventionistischen Linken jemals vorweisen konnten. GenZ – Protesten fehlt DAS EINE Gesicht, es fehlen vorgefertigte Narrative, einheitliches Auftreten und eine übergeordnete Einordnung der Proteste inklusive eines allgemeingültigen Fazits. Wie erfrischend! GenZ lassen bisher Bilder der Proteste und Bilder von Polizeigewalt für sich selbst sprechen und das ist eine gute Entscheidung, zumal eine Einordnung oder gar ein Fazit immer erst am Ende von etwas stehen sollte. GenZ – Proteste sind hoffentlich noch lange nicht am Ende.</p><p><em>Was machen „wir“ jetzt?</em></p><p>Diejenigen von uns, die altersmäßig oder aus anderen Gründen nicht in die Kategorie GenZ fallen, diejenigen von uns, die selbst schon seit Jahren kämpfen, protestieren, Proteste und Kampagnen organisiert haben, sind ebenso wie Eltern, Lehrer*innen und Arbeiter*innen jetzt aufgerufen, diese Proteste zu unterstützen – keine Belehrungen, keine Besserwisserei, keine Einflussnahme oder Übernahme, sondern bedingungslose Unterstützung und Anwesenheit, im Notfall auch als Schutz zwischen Polizeiketten und den Kindern und Jugendlichen. Diese bedingungslose Unterstützung ist das Gebot der Stunde, denn GenZ – Proteste haben das Potential alle unsere Kämpfe zu vereinen. Das Geld, das für Bildung und Schulen fehlt, fehlt aus den selben Gründen, aus denen es für Klimaschutz, bezahlbare Mieten, Gesundheitsfürsorge und ÖPNV fehlt. Die Wehrpflicht ist Ausdruck von Faschisierung, Rechtsruck und Aufrüstung, die nicht nur diejenigen trifft, die zur Musterung und im Notfall an die Front sollen. Wir alle haben Grund, im Protest GenZ zu sein und deshalb sollten wir ihnen helfen, wie auch immer ihre gewählte Form von Protest aussieht und unabhängig davon wie viel Wut sie dabei auf die Straße bringen wollen und wie sie ihrer berechtigten Wut Ausdruck verleihen. Es ist an uns, unsere Erfahrungen zu nutzen, um die Themen immer wieder zu benennen, die im Getöse von Diskursverschiebung und Polizeiknüppeln untergehen. Es ist an uns, Polizeigewalt zu benennen und auf Gewaltdiskussionen durch Übernahme dieser zu reagieren, um die Gewalt des Staates, der Regierung und des Systems aufzuzeigen, statt auf brennende Mülltonnen und kaputte Schaufenster einzugehen. Wer das nicht möchte oder kann, sollte jetzt schweigen. Euer Platz im Rampenlicht ist dann für den Moment einfach vorbei, ebenso wie euer Protest und überholte Formen von Aktivismus. Es ist Zeit, was Neues zu versuchen und GenZ einfach mal machen zu lassen. Das gilt auch für Luisa Neubauer und Co., die keinen Tag verstreichen ließ, um der GenZ “Tipps” mit auf den Weg zu geben. Wer noch immer zu Klimastreiks aufruft, Fridays 4 Future Deutschland federführend international isoliert und zur Vorfeld-Orga für die Grünen gemacht hat, hat keine Tipps für die GenZ, auch wenn man sich laut Geburtsjahr vielleicht noch irgendwie reinschmuggeln kann. Fridays 4 Future, Ende Gelände und Co. waren gestern. Sie hatten ihre Erfolge, Momente und Chancen. Aber jetzt klopft die Zukunft an und der müssen wir alle jetzt die Türen öffnen und die Bühnen überlassen, umso mehr, weil diese Zukunft keinerlei Heilsversprechen mehr birgt und die berechtigte Wut darüber eine Kraft entfesseln kann, die die stetige Verschlechterung vielleicht verlangsamt oder hin und wieder stagnieren lassen kann. Und das ist das Beste, was es zu gewinnen gibt.</p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Tue, 03 Nov 2026 10:23:46 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Was mache ich eigentlich gerade?]]></title>
      <description><![CDATA[Ich muss zugeben, Blogtexte zu schreiben, fällt mir aktuell so schwer wie schon lange nicht mehr und dabei ist das nur ein Symptom meiner Stimmung.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/54b82b88-44d6-4aca-968a-2306bc896d1b/uploads/images/uedtzmtx72/images.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="ein Tisch auf dem mehrere aufgeschlagene Bücher liegen,
Buchstapel links und rechts davon
im Hintergrund ein volles Bücherregal"/><p>Ich muss zugeben, Blogtexte zu schreiben, fällt mir aktuell so schwer wie schon lange nicht mehr und dabei ist das nur ein Symptom meiner ganz grundsätzlichen Demotivation, Frustration und Wut. Wut an sich ist meiner Meinung eine durchaus hilfreiche Emotion, die dafür sorgen kann, dass man in die Gänge kommt, aber die beiden anderen sind das genaue Gegenteil. Es ist natürlich nicht so, dass sich keine Themen aufdrängen, im Gegenteil, von denen gibt es ein Überangebot und ich denke, mir geht es wie vielen von Euch, ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll. Und wenn ich darüber nachdenke, lass ich es frustriert ganz schnell wieder sein, denn welchen Neuigkeitswert kann ich schon hinzufügen? Wo ist ein ANFANGEN im praktischen Sinne ausgerichtet auf eine Lösung bzw. einen Schritt vorwärts gerade überhaupt möglich? Wozu nützt es, sich einmal mehr zu empören und in das Dauergetöse der Empörung einzustimmen? Wozu auch über alle Stöckchen springen, die genau deshalb immer im richtigen Moment geworfen werden? Was bringt es, einmal mehr zu meckern und das ganz besonders in Richtung links, der eigenen Community, wenn ich das seit Jahren schon als einsame*r Rufer*in mache und es kein Ankommen gibt gegen den Weiter-so-Komplex in der gelähmten und dadurch fast ausgeschalteten linken Bewegungslandschaft, die zunehmend nur noch sich selbst und „links-grün-versifften Bürgis“ Alibis zu geben scheint, um sich selbst zu versichern, auf der richtigen Seite zu stehen und zu kämpfen. Es kämpfen nur wenige.</p><p>Die großen und tatsächlichen Gegner hinter all den Stöckchen, den zunehmenden Ungerechtigkeiten, Kriegen, Katastrophen von A wie Antifa-Verfolgung, B wie Big Tech, G wie Genozid und K wie Klimakastrophe, Kollaps und Kapitalismus treten zunehmend nur noch als Schlagworte und sich reimende Bannersprüche auf, aber wir haben noch immer keine Hebel und wir sind nicht auf dem Weg, uns darüber Gedanken zu machen und zu versuchen, uns welche zu bauen.</p><p><em>Das HEAT und die Kollapsbewegung</em></p><p>Ihr findet mich aktuell genau deshalb in keinen Telefonkonferenzen, in keinem Strategiecall und ebenso wenig in einem weiteren Vernetzungscall, der im Endeffekt nur versucht, den kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden, um statt 100 vielleicht mal wieder 500 Menschen zu etwas zu mobilisieren. Kleinster gemeinsamer Nenner ist eine Inklusion vorgaukelnde Umschreibung von Wirkungslosigkeit. Für mich gibt es momentan und vermutlich auch in der nächsten Zukunft nur ein Projekt, das für mich interessant ist, weil es versucht, etwas Neues zu probieren und das ist das HEAT, welches wir im kommenden Jahr hoffentlich umsetzen werden. Somit wird das HEAT auch der Fokus meiner momentan kaum mehr vorhandenen politischen Arbeit sein.</p><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">Abo-Pakete</a></p><p>Ich hatte in den letzten Wochen verschiedene Gespräche mit Journalist*innen zum Thema HEAT, Kollaps und Kollapsbewegung und da kam eine sehr interessante Frage: ist die Kollapsbewegung unpolitisch? Zum einen gibt es sie (noch?) nicht, eine wie auch immer aussehende Kollapsbewegung, denn es fehlen noch mehr Angebote, die Menschen einbinden können und die im besten Fall maximal unterschiedlich sein müssen, so wie es „der Kollaps“ eben auch ist. Es wird sich zeigen, ob und in welcher Form das passiert. Aber zurück zur Frage, nach dem „unpolitisch-Sein“. Der Ansatzpunkt des Journalisten war das Fehlen von Forderungen in der Kollapsbewegung. Nun, das Fehlen von Forderungen ist ja genau ein wesentlicher Punkt von Kollapsbewusstsein und von den Erfahrungen der Menschen, die 2025 das Kollapscamp ins Leben gerufen haben. Forderungen stellen…an wen? Regierung, Politik, Amtsträger*innen…Forderungen stellen ist genau das, was Klimabewegung &amp; Co. seit den frühen 2000er Jahren machen, die Erfolge sind bei ehrlicher Analyse und Reflexion rar gesät. Es geht also genau darum, das nicht mehr zu tun, sondern selbst und mit anderen gemeinsam gewisse Dinge umsetzen zu können, positive Beispiele und Utopien Realität werden zu lassen, die von anderen Menschen an anderen Orten aufgegriffen und ebenfalls umgesetzt werden können. Ganz ohne fordern, bitten und hoffen, dass es irgendwer für uns macht. Sich selbsterfüllende Prophezeiungen schaffen mit einem Schneeballsystem im positivsten aller Sinne. Ist das unpolitisch? Meiner Meinung nach nur, wenn „politisch sein“ bedeutet, von Menschen in Machtpositionen etwas zu erbetteln. „Politisch sein“ sollte aber etwas anderes und viel mehr bedeuten: selbst handlungsfähig zu sein, machen und damit Lebensumstände von Menschen konkret und so direkt wie möglich zum Besseren verändern. „Politisch sein“ muss zuerst von der eigenen Position aus gedacht werden und nicht mit Blick auf andere, die „Politik machen können“. Für mich ist die Kollapsbewegung deshalb durchaus sehr politisch und wenn es sie tatsächlich mal in relevanter Größe gibt, kann sie dann auch wieder politisch in dem Sinne sein, wie es aktuell von zu vielen verstanden und praktiziert wird – mit Blick auf diejenigen, die „politische Machtpositionen“ innehaben. In deren Richtung könnte eine Kollapsbewegung einen Mittelfinger ausstrecken, weil deren Machtposition kleiner wird oder weil sie gezwungen werden, Dinge im größeren Stil aufzugreifen, die Menschen schon von sich aus etabliert haben. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg, Ausgang ungewiss. Aber versuchen muss man es, aufgeben ist keine Option.</p><p><em>Bücher, Bücher, Bücher</em></p><p>Einen irgendwie positiven Nebeneffekt meiner freien Zeit, die ich nicht mehr in stagnierter Bewegungsarbeit verschwende, so lange sich linksradikale Akteur*innen nicht mal mehr selbst ernstnehmen, geschweige denn das Wort radikal, gibt es übrigens auch: lesen und zwar keine Sach- und Fachbücher, keine Klimathemen und Bewegungs-Hopium. Geschichten lesen. In den letzten Wochen habe ich so viele Bücher gelesen, wie schon lange nicht mehr und mehr daraus mitgenommen, als aus allen Telefonkonferenzen der letzten Jahre. Wer mitlesen will, sei herzlich eingeladen, die Finger von politischen Sachbüchern zu lassen und los zu lesen.</p><p>Kazuro Ishiguro „Alles, was wir geben mussten“, Susan E. Hinton „Die Outsider“, Colson Whitehead „Nickelboys“, Tove Ditlevsen „Gesichter“, Osamu Dazai „No longer human“ und Cormac McCarthy „Die Straße“ sind ein paar Beispiele, die einen Unterschied machen. Und wenn sich doch noch mal ein Sachbuch einschleicht, dann seien euch RAF-Biographien, „On a move“, „Die Frauen von Mamak“ oder das aktuell nochmal aufgelegte Buch zur schwedischen „Revolutionären Front“, was zu über 90% aus Interviews mit Mitgliedern besteht und meiner Meinung nach durchaus taugt, die proklamierte linke Meinung über diese Organisation zu hinterfragen, ans Herz gelegt. Wenn das hier in einen Buch-Blog umgewandelt werden soll, bombardiert mich mit Fragen oder Beiträgen zu den erwähnten Büchern ;-)</p><p>Lest mehr Bücher, war schon immer ein guter Tipp. In diesem Sinne schnappe ich mir jetzt John Steinbecks „Früchte des Zorns“ und genieße den Abstand. Ich gebe zu, ich muss wohl aufpassen, dass er nicht zu groß wird, denn sonst wird der Weg zurück ja auch schwerer und angesichts der Zustands der Welt braucht es jede*n Einzelnen in sinnvoller und zielführender politischer Arbeit.</p><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">Unterstützt meine Arbeit</a></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 24 Sep 2026 09:06:27 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Weil wir Angst haben…]]></title>
      <description><![CDATA[Die Position einer radikalen Linken ist nicht zwischen all den NGOs, sie ist nicht händeschüttelnd im Austausch mit Politiker*innen. Sie ist weit links davon.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>…und dafür gibt es meiner Meinung nach auch immer mehr reale Gründe momentan.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/2bd65808-b984-42b0-8c3a-23a3ef8ff6c9/uploads/images/4mddfaq3gs/v_189.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="schwarzer Hintergrund, zwei blaue Augen, weit aufgerissen,
Bild im Comicstil"/><p><em>Aber es gibt ein ABER</em></p><p>Der Punkt, den ich einmal mehr versuchen möchte, mit diesem Text zu machen, geht direkt an die schon lange nicht mehr (praktisch) radikale Linke und an Bewegungen jenseits von NGOs. Die Angst dort hat nämlich ziemlich gravierende Folgen. Natürlich ist die Angst auch und in manchen Bereichen gerade dort keineswegs unbegründet, aber eine radikale Linke ist eigentlich immer in dieser Position und sie selbst sollte in der Lage sein, zu gegebener Zeit bei gewissen Personengruppen oder Gegnern Angst zu erzeugen. Das ist meiner Meinung nach <em>ein</em> Teil von Linksradikalität, ohne den die radikalen Veränderungen, die wir wollen, nicht zu erreichen sind. Wäre das anders, bestünde keine Notwendigkeit von linksradikaler Organisierung, dann würden Demos, Petitionen, Wahlen und Spenden an NGOs ausreichen und die Welt wäre einigermaßen in Ordnung.</p><p><em>Wo ist eine deutsche radikale Linke?</em></p><p>Momentan verbreitet die radikale Linke in Deutschland keinerlei Angst und Schrecken bei denen, die verantwortlich sind für das, was passiert – nicht bei Nazis, nicht bei Konzernen, nicht bei Regierungen, die aktiv Menschen töten an Außengrenzen und in Genoziden und deshalb gehe ich inzwischen so weit zu sagen, es gibt keine radikale Linke in Form von handlungsfähigen Strukturen in Deutschland. Das ist ein Problem, dass auch weit mehr umfasst als die Diskussion um Sabotage oder Militanz. Es ist ein Problem von grundsätzlicher Wirksamkeit, Wirkmacht und Hebeln durch wie auch immer aussehende Optionen innerhalb unseres Repertoires an Aktionsformen und Protestmöglichkeiten. Wir haben nichts davon: keine Wirksamkeit, keine Hebel. Wir haben keine Optionen und kein Repertoire, <em>das wächst, sich verändert</em> (davon lebt es nämlich!) und das es uns ermöglicht, Wirksamkeit und Hebel zu finden, weil wir daraus auswählen und somit ausprobieren können, was wann funktioniert. Das Einzige, was wir dem auf uns einprügelnden System mit all seinen Katastrophen entgegensetzen, sind Narrative und Sprechblasen, die – wie mir ein Blick in diverse Pressemitteilungen unterschiedlicher Akteur*innen der letzten Jahre zeigt – ganze Sätze und Absätze wieder und wieder verwenden und lediglich den Gegner austauschen. Ob fossile Industrie, fossile Lobby, Faschismus, AfD, RWE, IAA oder Tesla – unsere Aussagen jenseits des aktuellen Aktionszieles sind quasi deckungsgleich. Mich erschreckt das, mich macht das wütend und es entmutigt mich in einer Weise, die mir jegliche Motivation raubt, mich überhaupt noch an einer weiteren dieser symbolischen Aktionen zu beteiligen, dafür Risiken in Kauf zu nehmen, die immer größer werden. Es entmutigt mich mehr, als es die Gegenseite samt all ihren Repressionen und Mitteln jemals könnte. Das bedeutet nicht, dass ich nichts mehr tun will oder werde! Es bedeutet aber, dass ich mich in der Gruppe, der ich mich eigentlich zugehörig fühle, in der ich mehr als nur ein politisches Zuhause gefunden habe, eben gerade nicht mehr zuhause, nicht mehr zugehörig und manchmal nicht mal mehr willkommen fühle. Und ich weiß, dass ich damit nicht allein bin. Ich gehe so weit zu sagen, dass das <em>ein</em> gerne verdrängter Grund ist, warum wir stetig weniger werden – die Unzufriedenheit derer, die schon lange dabei sind. Das wiederum bedeutet, wir verlieren nicht nur zahlenmäßig Menschen, wir verlieren Wissen, Fähigkeiten, Analyseskills, taktische Einblicke und unschätzbare Erfahrungen. Das können wir uns nicht mehr leisten, liebe Genoss*innen! Das sollten wir uns nicht mehr leisten! Es kann nicht immer nur darum gehen, Mobi-Potenzial zu vergrößern, auszuschöpfen, neue Menschen in Strukturen einzubinden und zu organisieren, wenn wir dabei die verlieren, die bereits mobilisiert sind und schon mit uns kämpfen und wenn die Strukturen, in die wir Menschen so händeringend und kapazitätenfressend einbinden wollen, am radikalen Ende wirkungslos sind gemessen an den eigenen Ansprüchen. In diesem Fall wird Organisierung zum Problem, welches die Lähmung vergrößert, es wird performative Organisierung, so wie Aktionen teilweise performativer Aktionismus geworden sind.</p><p><em>Was hat das nun alles mit Angst zu tun?</em></p><p>Die radikale Linke hat Angst vor der eigenen DNA, der eigenen Courage und ihrer eigentlichen Aufgabe bzw. Position. Diese Position ist nicht zwischen all den NGOs, sie ist nicht händeschüttelnd im Austausch mit Politiker*innen. Die Position einer radikalen Linken ist links davon und je nachdem, wie dramatisch die jeweilige Situation ist, sehr weit links davon und das gilt für Forderungen und eingesetzte Mittel.</p><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">Abo-Pakete</a></p><p>NGOs und Politiker*innen haben ihre Aufgaben und sie erfüllen diese mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln. Die radikale Linke hat ebenfalls eine Aufgabe und die erfüllt sie nicht, jedenfalls nicht in den Teilen, die großflächig organisiert und relativ breit und sichtbar aufgestellt sind, denn sie bedient sich ausschließlich der Mittel, die auch NGOs und Parteien haben und billigen. Eigenständigkeit? Extrem eingeschränkt und kaum sichtbar, zu oft inzwischen ruhig gestellt durch Menschen, die noch in der privilegierten Position sind, Geld für ihre politische Arbeit zu bekommen – von NGOs und Parteien und die dementsprechend mit deren Agenda die radikale Linke zur zahnlosen Mitspielerin im ganzen Schlamassel machen.</p><p>Wir haben Angst vor Ecken und Kanten, nicht „alle“ mitzunehmen und für „alle“ anschlussfähig zu sein. Wir haben Angst vor Repressionen, ohne zu verstehen, dass wir diese nicht verhindern, indem wir uns selbst aller Mittel berauben und alles versuchen, um nach Regeln der Gegenseite zu spielen. Unsere einzige Idee gegen Repressionen sind legal trainings. Wir bringen uns also bei, welche Regeln gelten, um möglichst nicht gegen diese zu verstoßen oder im Notfall Grauzonen von Anwält*innen ausloten zu lassen. Darin erschöpft sich unsere Anti-Repressionsarbeit in der Regel. Angebote, die darüber hinausgehen wie z.B. mehrtägige Knasttrainings werden in der Breite ignoriert, weil die Tatsache, dass Knast mehr und mehr von uns treffen wird, lieber verdrängt wird. Weitere Angebote können gar nicht entwickelt werden, weil es keinen Anlass gibt darüber nachzudenken, solange sich unsere Mittel und Methoden sowieso nicht verändern. Wir fordern uns selbst nicht heraus, wie wollen wir dann aber „das System“ herausfordern?</p><p>Wir haben außerdem Angst zu scheitern oder Fehler zu machen und deshalb tun wir, was wir immer getan haben, bewegen uns auf bekanntem Terrain, obwohl wir damit inzwischen an unseren eigenen Ansprüchen scheitern, weil die Realität sich im Gegensatz zu uns rasend schnell und dramatisch verändert. Wir passen unsere Ziele und unsere Pressestatements an, downgrading sozusagen, statt vorwärtskommen.</p><p>Wir haben solche Angst, dass wir nicht mehr außerhalb der Box denken können, dass es nicht mal gewollt ist, außerhalb der Box zu denken und kritische Töne anzuschlagen. Ich kann nicht mehr zählen, wie oft ich in Telefonkonferenzen und Strategiecalls abgecancelt wurde mit dem Satz „das ist jetzt nicht der Moment, über den Sinn und die Wirkung unserer Aktionsformen zu sprechen“. Doch, genau jetzt ist der Zeitpunkt, er war schon vor ein paar Jahren, wenn wir ehrlich sind. Die Box, in der wir momentan handeln, ist sehr übersichtlich bestückt: jährliche Kampagnen zu irgendeinem Thema (Rechenzentren werden es 2027 sein) werden bespielt mit angemeldeten Demos, einem Camp im Sommer und symbolischen Blockaden, wenn wir in Aktion gehen. Wir denken und handeln in uns bekannten Strukturen und arbeiten mit uns bekannten Organisierungsformen. Die benötigten Arbeitsgruppen stehen fest, wir suchen Menschen, die die immer gleichen Aufgaben erfüllen. Das ist kein organisches Wachsen und Entstehen. Ob ich mich der Interventionistischen Linken anschließe, Ende Gelände, Widersetzen oder was auch immer als Nächstes ausgerufen wird - ich weiß, wie die Abläufe sind, welche Aufgaben zu erfüllen sind und über welche Ideen für Aktionen geredet wird. Und es langweilt und frustriert mich! Hin und wieder erkennen wir an, dass irgendetwas nicht mehr klappt, aber machen wir dann etwas Neues? Nein! Wir schauen, was woanders funktioniert und kopieren es – die Aufstände der Erde aus Frankreich sind das beste Beispiel dafür und es funktioniert bei uns nicht, aus analysierbaren und nachvollziehbaren Gründen.</p><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">unterstützt meine Arbeit</a></p><p>Die Arbeit am Kollapscamp letztes und am HEAT dieses Jahr war auch deshalb so herausfordernd und spannend, weil es neue Dinge zu tun gab, weil es neue Herausforderungen gab, neue Arbeitsprozesse und wir sind in manchem gescheitert. Wir hatten Angst vorm Scheitern, aber es ist Teil von Weiterentwicklung und Veränderung, also muss man das Risiko eingehen. Beim nächsten Mal wird es anders gemacht und deshalb warten beim nächsten Mal eben auch wieder neue Aufgaben und neue Herausforderungen und damit kommt neue Motivation, um Fortschritte zu machen und nicht wieder dieselben, dafür aber vermutlich neue Fehler. Anders funktioniert es nicht, wenn man nicht feststecken möchte und die radikale Linke in Deutschland steckt fest und zwar bombenfest und in einigen Teilen ist sie selbst dafür verantwortlich. Wir warten auf Perfektion und Sicherheit, ehe wir überhaupt etwas anfangen und ich finde das fragwürdig und problematisch.</p><p><em>Alle Tage SaboTage</em></p><p>Das ist ein Wortspiel, das ich von einem Hoodie geklaut habe, aber da sich in den letzten Tagen einiges in diesem Bereich ereignet hat und weil auch das eine Frage der Angst ist, werde ich es nicht unangesprochen lassen – einmal mehr.</p><p>Ich persönlich habe eine Meinung zu dieser Frage, aber ganz abgesehen von dieser Meinung plädiere ich wieder und wieder dafür anzuerkennen, dass eine radikale Linke darüber reden muss. Zunächst intern – nicht, um eine allgemeingültige Antwort auf die Frage ja oder nein in Stein zu meißeln oder damit alle losziehen und es tun. Aber eine ernstzunehmende radikale Linke muss darüber reden, um einen Umgang mit dem Thema zu finden, dass – wie auch diverse Kollapsszenarien, der Kapitalismus und Repressionen – nicht einfach von selbst verschwinden wird, wenn man nur nicht darüber redet. Wir müssen darüber reden, um eventuell Gesprächskanäle zu öffnen, um nicht Spielball von so oder so stattfindenden Diskussionen und Spekulationen zum Thema zu werden und hoffen zu müssen, dass unsere Pressesprecher*innen bloß nicht auf Sabotageaktionen angesprochen werden. Wir müssen darüber reden, weil es wichtig wäre, klare Aussagen zu Sinn oder Unsinn dieser oder jener Aktion treffen zu können, um im Fall der Fälle die Aufmerksamkeit auf das Thema an sich zu lenken, welches hinter Sabotageaktionen steckt, statt in hilflosen Sprechblasen zu enden, sich zu winden und die eigene Angst vor dem Thema nach außen sichtbar werden zu lassen, weil wir unvorbereitet sind. Nicht zuletzt müssen wir darüber reden, wenn es uns ernst ist mit internationaler Solidarität und antikolonialen Kämpfen. Und ja, gerade jetzt mit den Schlagzeilen und zahlreichen Angriffen auf unterschiedliche Ziele mit unterschiedlicher Motivation und von unterschiedlichen Akteur*innen ist der Moment, um sich dem Thema und damit auch der Realität zu stellen, gerne mit offenem Ausgang, aber zumindest eigenständig, selbstbestimmt und selbstbewusst.</p><p>Eigenständigkeit, Selbstbestimmtheit und Selbstbewusstsein sind übrigens Dinge, die einer radikalen Linken ganz grundsätzlich gut zu Gesicht stehen würden und die eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollten – auch und gerade am Vorabend von Sachsen-Anhalt.</p><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">Abo-Pakete</a></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sat, 05 Sep 2026 17:24:31 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[handeln, statt reden]]></title>
      <description><![CDATA[Ich teile heute die Worte und damit das Anliegen eines guten Freundes, der das Erdbeben in Kolumbien erlebt hat, ebenso wie das vergebliche Warten auf Hilfe für Indigene.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Aufruf zur Unterstützungen indigener Gemeinschaften </p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/079725b5-03b3-4b31-9aa6-59d2a3035021/uploads/images/erw3arbi5w/IMG_0851.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Heute gibt es keinen Text von mir, sondern ich teile die Worte und damit das Anliegen eines guten Freundes, den viele von Euch eventuell auch durch Workshops, Podiumsdiskussionen nd Veranstaltungen auf unterschiedlichen Camps kennen. Juan Pablo war zur Zeit des Erdbebens in Kolumbien, um Familie und Freund*innen zu besuchen. Er hat erlebt, was das Erdbeben für eine Zerstörung angerichtet hat und er hat vor allem sehen müssen, dass Hilfe, sofern sie dann organisiert wurde und eintrifft, in den Städten landet. Einmal mehr sind es indigene Gemeinschaften, die diese Hilfe aus unterschiedlichen Gründen nicht, nicht rechtzeitig und nicht in ausreichendem Maße erreicht. Deshalb wenden sich indigene Gemeinschaften nun an Menschen und Verbündete direkt und bitten darum, dass aus Worten und Solidaritätsbekundungen nun Taten folgen. Es benötigt dringend Spenden direkt an indigene Gemeinschaften, damit diese selbst dringend benötigte Hilfe und entsprechende Güter organisieren können. </p><p>Hier der Aufruf von ONIC - der nationalen Organisation indigener Gemeinschaften mit der Bitte, sich aktiv an der Kampagne zu beteiligen, diese zu teilen, darüber zu reden und ihr Raum in unseren Veranstaltungen zu geben, damit Solidarität in Taten Grenzen überschreitet:</p><p><strong>SOLIDARITY THAT BECOMES ACTION</strong></p><p><em>An urgent appeal from the National Indigenous Organization of Colombia – ONIC to our allies in Europe</em></p><p>From the National Indigenous Organization of Colombia – ONIC, we address the organizations, social movements, collectives, trade unions, communities, and allies across Europe with whom, for years, we have woven paths of solidarity, resistance, and internationalism. Today, more than ever, that bond calls us to stand closer together.</p><p>About two weeks ago, an earthquake of exceptional magnitude struck the country with devastating force, particularly southwestern Colombia, claiming many lives, injuring families, destroying homes, damaging schools, and leaving entire communities facing the uncertainty of having to begin again. Among the affected territories are Indigenous communities, communities that have been deeply impacted, but that have learned through centuries of resistance that when everything seems to collapse, the community always remains standing.</p><p>In response to this situation, ONIC is launching an international crowdfunding campaign to directly support the affected Indigenous communities, helping to meet their most urgent needs, food, water, shelter, and essential supplies, and, as far as our means allow, contributing to the reconstruction of homes, community spaces, and schools.</p><p>That is why today we are making a special appeal to our sisters, brothers, friends, and organized allies within European civil society.</p><p>We invite you, first of all, to support and help mobilize this solidarity campaign, but also to join the joint social media action we will be launching very soon, sharing it through the accounts of your organizations, collectives, and political and social spaces, so that this appeal can cross borders, multiply across different European countries, and reach far beyond what we could achieve alone.</p><p>For us, internationalism has never meant simply recognizing ourselves in the same words. It means recognizing one another in our struggles and standing beside each other when life itself is struck.</p><p>From the perspective of peoples who resist, we know that no border is large enough to separate dignities that walk together. We also know that true solidarity does not watch suffering from afar: it comes closer, organizes, shares, and acts.</p><p>For us, there is no more eloquent gesture of concrete solidarity than one that brings words to life through action.</p><p>Today, we need you. We need this campaign to travel across Europe, from hand to hand, from organization to organization, from people to people. May every contribution, every shared post, and every voice that helps amplify this appeal become a small seed of reconstruction on the other side of the ocean.</p><p>For life.</p><p>For the peoples.</p><p>For the brothers and sisters who today must rebuild their homes, their schools, and their hope.</p><p>National Indigenous Organization of Colombia – ONIC</p><p>Campaign Coordinator: Juan Pablo Gutiérrez</p><p>ONIC International Delegate</p><p><strong>Kampagnenlink</strong></p><p>Hier findet ihr den Link zum <a href="https://whydonate.com/fundraising/solidarity-with-indigenous-communities-after-the-earthquake-in-colombia-">Crowdfunding</a>. Nutzt und verteilt ihn bitte weiträumig und helft mit, Aufmerksamkeit und dadurch dringend benötigte Hilfe für indigene Gemeinschaften in Kolumbien zu generieren. </p><a href="https://whydonate.com/fundraising/solidarity-with-indigenous-communities-after-the-earthquake-in-colombia-">https://whydonate.com/fundraising/solidarity-with-indigenous-communities-after-the-earthquake-in-colombia-</a>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Mon, 24 Aug 2026 07:32:43 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Things we lost in the fire]]></title>
      <description><![CDATA[Ich habe eine ganze Menge in den Flammen dieses Sommers verloren und weil die Lage nicht besser wird, wird das auch alles verloren bleiben, wie im titelgebenden Song.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>…ist ein Song von „Bastille“, geschrieben natürlich nicht auf Grund dieses Sommers, sondern für eine in Trümmern liegende Liebe und deshalb passt er dann doch irgendwie wieder zu diesem Sommer. Ich jedenfalls habe eine ganze Menge in den Flammen dieses Sommers verloren und weil die Lage nicht besser wird (in Gegenteil, hallo Klimakollaps), wird das auch alles verloren bleiben. Dann gibt es natürlich auch die Menschen und andere Lebewesen, die auch ganz greifbar Dinge im Feuer verloren haben bis hin zu ihrem Leben und wir alle haben zu viel für immer verloren.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/071461aa-bd48-482a-913a-d43d3611f01e/uploads/images/h2xz6oi4kf/istockphoto-113494458-612x612.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Flammen"/><p>Die Liste dessen, was mir dieser Sommer genommen hat, ist nicht unbedingt lang, aber sie ist schwerwiegend, für mich. Denn was dieser Sommer im wahrsten Sinne des Wortes für mich verbrannt hat, ist die Freude, Leichtigkeit und Unbeschwertheit von Sommern, die Vorfreude auf den Sommer, vor allem in grauen und kalten Wintermonaten. Kindheitserinnerungen an 8 Wochen Sommerferien (DDR- Kind) geprägt vom Geruch nach Freibad und Chlor, Badeseen und Sonnencreme, Pommes und Eis. Sommer war automatisch verbunden mit positiven Dingen. Sommer war seit 2011 immer auch Ägypten und Ausgrabungen und die Gewissheit, meinen Traumjob tatsächlich auszuüben und mein Glück kaum fassen zu können, zumindest was das angeht.</p><p>Ich gebe zu, dass hat sich in den letzten Jahren schon schrittweise verändert, da kamen schon kaum auszuhaltende Bilder von Waldbränden hinzu, von extrem heißen Tagen und klebrigem Asphalt, der Blasen wirft. Das Ende des Sommers drohte immer den Anfang der nächsten Rodungssaison an, die ihren Schatten voraus warf in die Unbeschwertheit, weil es galt, Vorbereitungen zu treffen und Waldbesetzungen zu unterstützen. Trotzdem war der Sommer in den letzten Jahren immer auch geprägt von dem Gefühl, es weiterhin zu versuchen, mit vielen anderen. Da waren Aktionscamps und Aktionen, da waren noch immer Nächte an Seen und verheißungsvolle Flaggen an vielen Zelten. Dieses Jahr ist anders, aus unterschiedlichen Gründen, einer davon ist der Sommer selbst, der nichts Schönes, Leichtes und Unbeschwertes mehr hat, im Gegenteil. Da ist nur Warten darauf, dass er vorbei ist, Pause macht, dass Regen kommt. Auch die Camps und Aktionen haben ihre Magie verloren, weil (mir) klar ist, dass sie Ausdruck von Hilf- und Ideenlosigkeit sind, gepaart mit Mutlosigkeit und lediglich noch der Versuch, sich eine Phantasiewelt aufrechtzuerhalten, obwohl der Sommer im buchstäblichen Sinne alles, inklusive der Phantasiewelt, wegbrennt. Ich habe jedenfalls keinen Bock mehr auf den Sommer, keine Kraft und keine Nerven mehr dafür und das macht mir eine Wahnsinnsangst, denn der Sommer 2026 ist noch nicht vorbei und natürlich wird der Sommer 2027 wiederkommen. In ein paar Jahren werden wir vermutlich wehmütig auf 2026 zurückblicken, weil dessen Schrecken noch vergleichsweise harmlos waren zu dem, was dann Realität ist. Der Sommer hat mir meinen Rückzugsort genommen und der ist an vielen Orten tatsächlich in Flammen aufgegangen, so dass nur noch Asche zurückgeblieben ist, da wo mal Wald war und das werde ich dem Sommer nie verzeihen.</p><p>Noch „ein paar Tage“ Hitze irgendwie überstehen, indem mich nicht umsehe, den Blick stur nach unten auf den schwarzen Asphalt, bloß keine Bäume sehen, keine Vögel, Insekten… don’t look up als emotionaler und mentaler Selbsterhaltungstrieb und auch der versagt mehr und mehr.</p><p>Und am Ende des Tages, mit flehendem Blick auf die Wettervorhersage, haben es “Bastille” eben doch treffend in einen Song verpackt:</p><p>Things we lost to the flames</p><p>Things we&#39;ll never see again</p><p>All that we have amassed</p><p>Sits before us, shattered into ash</p><p> </p><p>These are the things, the things we lost</p><p>The things we lost in the fire, fire, fire</p><p>These are the things, the things we lost</p><p>The things we lost in the fire, fire, fire</p><p> </p><p>Do you understand that we will never be the same again?</p><p>Do you understand that we will never be the same again?</p><p>The future&#39;s in our hands and we will never be the same again</p><p>The future&#39;s in our hands and we will never be the same again</p><p> </p><p>Schönen Sommer noch.</p><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">Abo-Pakete</a></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 13 Aug 2026 17:32:53 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Am Rande des Nervenzusammenbruchs]]></title>
      <description><![CDATA[Da ich gerade einige Leute mit nur 1 Frage in eine Sinnkrise gestürzt habe, stelle ich diese Frage jetzt auch hier im Blog: Was macht ihr am 6. September? Wie überstehen?]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>…oder eher am Rande des Wahnsinns</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/55db1106-4fd1-4fa7-a4b0-d09d81e4fdb4/uploads/images/sppbgjn4jz/Screenshot_2026-08-07_at_10-44-10_I-Want-You-To-Panic.jpg_%28JPEG-Grafik_330____250_Pixel%29.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Demo-Schild mit roter Schrift: I want you to panic"/><p>Das wird heute eher ein emotionaler Ausbruch, als politische Analyse und Diskussion, aber mir fehlte noch eine Blog-Idee und ehrlicherweise auch die Motivation zum darüber Nachdenken und Schreiben und da ich gerade einige Leute mit nur 1 Frage ebenfalls in eine Sinnkrise gestürzt habe, stelle ich diese Frage jetzt auch hier im Blog: Was macht ihr am 6. September? Wie übersteht ihr diesen Tag?</p><p><em>Die Ausgangslage</em></p><p>Ich bin momentan so angeschlagen, dass ich heulend von Hunde-Runden zurückkomme und schon bevor ich überhaupt aufbreche, ein verzweifeltes Häufchen Elend bin, weil ich nicht weiß, wo ich überhaupt spazieren gehen soll – wegen der Hitze und der Dürre. Meine Verzweiflung dreht sich dabei gar nicht darum, dass es verdammt heiß ist und ich die Hitze meiden will. Ich bin am Ende mit den Nerven, weil ich inzwischen körperliche Schmerzen habe (Phantomschmerzen???), wenn ich sehe, fühle und weiß, was um mich rum alles verdurstet. Jeder Baum mit hängenden Blättern, jedes Stück knochentrockener Waldboden, unser Fluss, der täglich kleiner und weniger wird…ich halte das gerade wirklich kaum mehr aus, mental und emotional, aber es wird inzwischen auch körperlicher Schmerz. Beinahe manisch checke ich die Wettervorhersage mehrfach stündlich auf der Suche nach dem sicheren Versprechen auf Regen und auf Temperaturen, die keine 3 am Anfang haben. Schöne neue Welt. Die linke und linksradikale Tatenlosigkeit und das Schweigen oder aber die Sinnlosigkeit der „Aktionen“ und die Leere der Worthülsen tragen ihren Teil zu meiner Verfassung bei. Ich schwanke zwischen so viel Wut, dass ich nicht weiß, wohin mit mir oder völliger Resignation. Die <a href="http://www.mutualaidheat.de/">HEAT-Absage</a> und einige der Gründe dafür, sowie die Konsequenzen dessen inklusive etwas zu viel Zeit für aufheiternde (Das ist Sarkasmus.) Gedanken machen das Problem nicht kleiner.</p><p><em>…und dann auch noch die Landtagswahl</em></p><p>Und in diesem Zustand fällt mir ausgerechnet heute auf, dass wir weniger als 4 Wochen vor dem 6. September sind, dem Tag der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Ich sehe noch immer nicht den Ruck und das Aufbäumen, doch noch irgendwas (Wildes?) zu versuchen. Da ist nicht mal mehr Hopium, dass es schon irgendwie nochmal gut gehen oder wenigstens nicht so schlimm werden wird. Da ist keine Vorbereitung auf den 7. September jenseits von denen, die in Sachsen-Anhalt dann tatsächlich betroffen sein werden und vor denen ich meinen Hut ziehe. Demos am Wahlabend werden ohne jegliche Radikalität und Militanz (here you have it) nichts als Trauermärsche, angemeldete natürlich, die das Unvermeidliche stumm und mit betretenen Mienen begleiten, denn die (leeren) „Drohungen“, eine AfD-Regierung nicht hinzunehmen, können, werden, wollen wir nicht in Taten umsetzen.</p><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">Abo-Pakete</a></p><p>Wie auch, angesichts des aktuellen Standes von Aktionsformen und des Aktionskonsens und der devoten, alles beherrschenden Zielvorgabe der massenhaften Anschlussfähigkeit. Wie auch, ohne Kreativität und Mut und Vielfalt? Ein Sternmarsch zum Landtag am Tag der Ernennung des neuen Ministerpräsidenten ist dasselbe nur mit anderem Namen. Die <a href="https://taz.de/Umweltschuetzer-Mieterbund-Gewerkschaft/!6202159/">Reaktionen</a> angesichts der aktuellen Ereignisse unter dem Hashtag #Klimakollaps sind das beste <a href="https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/hitze-gipfel-schutz-plan-verbaende-100.html">Beispiel</a> (definiere Fremdschämen). Aber zurück zur Ausgangsfrage und die ist gar nicht gemeint bezogen auf Aktionen, Proteste und große Antworten oder Reaktionen.</p><p><em>Was macht ihr am 6. September?</em></p><p>Ich stelle diese Frage auf einer ganz persönlichen Ebene. Wie verbringt ihr diesen Abend? Wie übersteht ihr Prognosen, Hochrechnungen, Nachrichtenmeldungen und Interviews? Und ganz speziell: wie macht ihr das, die ihr nicht in Leipzig oder Berlin lebt mit linker Szene, Strukturen und Gleichgesinnten? Ich sitze in einer Kleinstadt in Thüringen, die aktuelle Wahlumfrage hier liefert Folgendes:</p><p>Landtagswahl</p><p>AfD 40% (+ 8% seit der letzten LTW),  CDU 22%, Linke 16%, alles andere knapp um die 5%-Hürde</p><p>Bundestagswahl</p><p>AfD 36% (<mark style="background-color: rgb(243, 232, 224); color: inherit">+ 12%</mark> seit der letzten BTW), CDU 23%,  SPD 12%, Linke 9%</p><p>(Es ist 10:00 Uhr morgens und ich überlege, einen Wein zu öffnen…)</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/55db1106-4fd1-4fa7-a4b0-d09d81e4fdb4/uploads/images/wl2uikx4xq/22-280-comic-de.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Comiczeichnung zum Thema &quot;Panik&quot;
Teil eines Gesichts: aufgerissene Augen
Sprechblase: &quot;oh no...NO!&quot;"/><p>Was ich am 6. September mache? Ich werde allein zu Hause sitzen, daran scheitern, mich mit Netflix, einem Buch oder sonst was abzulenken, Wahlprognosen und Hochrechnungen verfolgen, heulend zusammenbrechen und mich in den Schlaf weinen, eventuell betrunken. Vielleicht gibt es wenigstens Telefonate mit 1-2 Leuten im Moment des ersten Schreckens um 18:00 Uhr. Da ich gerade in unsere linke Signal-Gruppe mit 12 Personen (vornehmlich Partei-Linke) dieselbe Frage gestellt habe, könnte es eventuell sein, dass das linke Büro geöffnet sein wird, um sich das gemeinsam anzusehen. Ich glaube nicht, dass das für mich eine wirkliche Alternative sein wird, denn meine Gefühle zu diesen (zu erwartenden Ergebnissen) werden deutlich intensiver sein als Betroffenheit und Pragmatismus, wie ich sie von den Linken hier erwarte. Das wird also kein Ort sein, an dem ich mich aufgehoben und als Teil von einer Gruppe fühlen werde. Außerdem sind wir in Thüringen, das AfD-Büro ist nur 50 m entfernt und es ist die Frage, ob es klug ist, sich im linken Büro aufzuhalten. Ich kann nicht abschätzen, wie sehr hier tatsächlich das Ergebnis aus Sachsen-Anhalt gefeiert werden wird, ob sich die 20+ Montags-Schwurbler*innen vermehren und trommelnd durch die Stadt ziehen werden (am Montag werden sie es spätestens tun) und ob im Vereinssitz unserer extrem-rechten pflichtschlagenden Schülerverbindung ein gemütlicher Abend stattfinden wird. Ich weiß, dass die Blicke, die ich am 7. September von vielen hier auf der Straße ernten werde, Bände sprechen und geprägt sein werden von Hohn, Spott und Vorfreude, auch von Hass befeuert vom Wahlergebnis. Das sind ziemlich düstere Bilder, die ich hier male und das Schlimme ist, dass genau das die Stimmung und die Situation sein wird in vielen Städten und Gegenden jenseits von Großstädten mit linker Szene. So und nicht anders werden viele, die ohne linke Netzwerke und Strukturen ihren Alltag managen müssen, den 6. September verbringen und der ist nur der Auftakt, in manchen Fällen leider auch nur eine weitere Verschärfung der aktuellen Situation. Was also tun an dem Abend, der sicher in Geschichtsbücher eingehen wird und als Ägyptologin weiß ich, wie wichtig es ist, wer Geschichte(n) schreibt und sie erzählt. Was werden unsere Geschichten vom 6. September 2026 sein, die großen und die kleinen?</p><p>Willkommen in der schönen neuen Welt.</p><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">support my work</a></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Fri, 07 Aug 2026 08:50:21 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Ein paar Gedanken zum Organisierungszwang]]></title>
      <description><![CDATA[Erkennt den Unterschied zwischen organisieren + Organisierung. Dann macht es bitte wie ich: geht los, macht was und zwar Neues. Seid unberechenbar, wild und gefährlich.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d2b2bc1d-9f30-40df-93ca-1fba199bd46a/uploads/images/moggcuq3qw/pippi-macht-einen-ausflug-100_640x720.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Pippi Langstrumpf mit ihrem Affen auf der Schulter, nass, vor einem Gewässer, lachend"/><p>In den letzten 2 – 3 Wochen war ich vermutlich etwas ruhiger als sonst, zumindest nach außen. Das lag an verschiedenen Dingen: Patti Smith war unterwegs und hat geholfen, zu lachen und ein paar Batterien wieder aufzuladen. Es lag aber auch an dem (trotzdem gescheiterten) Versuch wenigstens mal ein paar Tage Auszeit zu nehmen und den Kopf frei zu kriegen, der völligen Überforderung (emotional, mental, physisch und psychisch) mit dem Aushalten der Videos und Nachrichten zu Waldbränden, dem Erleben von HITZE in Paris und Rom, dem völlig obsessiven Checken der WetterApp auf der Suche nach dem absolut sicheren Versprechen von Regen, dem Scannen von Horizont und Wald, völlig egal, wo ich gerade war, aus Angst, Rauch zu sehen und somit mehr Bäume und Tiere in Flammen zu wissen und der Trauer, Enttäuschung, Wut und dem Frust angesichts dem Agieren der „radikalen“ Linken und Klimabewegung, die beide in Deutschland kaum noch existieren, von Relevanz ganz zu schweigen. Das ist noch lange nicht alles, aber die Liste ist schier unendlich und ich bin müde, so richtig müde, vor allem im Kopf. Weitermachen ist trotzdem angesagt, denn andernfalls wird das Loch nur dunkler und tiefer und irgendwas gedreht oder erledigt bekommen wir damit auch nicht.</p><p>Was mir, während all dem und auch während der unfassbar wundervollen Momente vor diversen Bühnen, aber ständig durch den Kopf ging, war die Frage, wie sinnvoll der inzwischen in meinen Augen völlig floskelhaft und beliebig gepredigte Organisierungszwang ist.</p><p><em>Organisierung muss, aber…</em></p><p>Klar, Organisierung ist wichtig und unverzichtbar, um Dinge langfristig zu verändern und diese Veränderungen zum Alltag und zur „Normalität“ werden zu lassen. Aber können wir Organisierung auf dem Weg erreichen, auf dem wir es gerade versuchen bzw. erzwingen wollen? Nein! Organisierung entsteht, sie kann nicht „gemacht“ und einfach eingesetzt werden. Gleiches gilt übrigens für die „Revolution“, liebe Genoss*innen 😉</p><p>Weder Organisierung in dauerhaften, stabilen Formen und Strukturen, noch die Revolution ist in einem Moment noch nicht da und steht im nächsten fix und fertig mitten auf der Straße. Wir können nur daran arbeiten, Möglichkeiten, Momente, Situationen und Chancen zu schaffen, die zu Organisierung (und zur Revolution) führen. Strategiecalls, Bewegungscalls, Vernetzungscalls, workshops zur Organisierung, Vorträge über Organisierungsformen….das wird nix und es ist ja nicht so, dass wir das nicht bis zur völligen Sinnlosigkeit und Ermüdung versuchen und erzwingen wollen. Wir haben doch mit Fridays for Future, mit großen Waldbesetzungen der Vergangenheit und auch mit Ende Gelände gesehen, wie Organisierung funktioniert: 1 Mensch tut etwas, völlig ohne unzählige Telefonkonferenzen, ohne Mobi-Präsentationen und vorgefertigte Pressephrasen. 1 Mensch (oder eine Gruppe von Menschen) handelt – sei es nun, dass sich dieser Mensch vor das schwedische Parlament setzt, Menschen Baumhäuser bauen und in Wälder gehen oder Tagebaue stürmen. Es ist das aktive Handeln, das Machen, das zur Organisierung führt und Auswirkungen hat. Dieses Handeln ohne vorgefertigte 5-Jahres-Pläne und Zielvorgaben, ohne Aktionskonsens und das Schielen auf Anschluss ist es, was Menschen mitnimmt, was Gruppen aus Gleichgesinnten bildet und was langfristige Organisierung ganz organisch (hoppla, steckt das eine Wort etwa gar im anderen!?) entstehen lässt.</p><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">Abo - Pakete</a></p><p>Diese Form der Organisierung ist es, die Bestand hat, die zu FFF (FFF Deutschland ist explizit nicht gemeint) und Hambi bleibt werden kann und Auswirkungen hat. Diese Form ist es, die sich verändern kann, wenn sich die äußeren Faktoren verändern. Gerade die Fähigkeit zur Veränderung ist es, die wesentlich ist und die erreichen wir nicht, wenn wir eine Form der Organisierung einsetzen, eine Struktur implementieren und dann darauf warten, dass sich Menschen anschließen und die Aufgaben zum Erhalt dieser Strukturen erledigen. Es braucht zuerst Menschen und die gewinnen wir durch Angebote, die über theoretische Diskussionen und Vorträge mit einer Halbwertzeit von 2 Wochen hinausgehen. Es braucht Menschen, die sich dann selbst eine für sie passende Struktur geben, in dieser gemeinsam arbeiten und sie dadurch wachsen lassen. Gehen wir vor, wie wir es aktuell versuchen – Menschen in irgendwelche Organisierungsmodelle einbinden, immer wieder mit denselben alternativlosen Strukturen (PresseAG, ProzessAG, ÖA, AktionsAG, LogistikAG…) arbeiten und Menschen nur dazu brauchen, diese Strukturen zu erhalten und die Aufgaben zu ihrem Erhalt zu erledigen, geht es nicht mehr um das politische Arbeiten, um echte Ziele und Veränderungen, sondern um das am-Laufen-halten-der-Maschine. Das kann nicht funktionieren, ob wir uns das nun eigestehen wollen oder nicht. Aber wir sehen, dass es nicht mehr funktioniert, jedenfalls wenn wir ehrlich zumindest zu uns selbst sind. Die Zeit, in denen diese Art politischer Arbeit sinnvoll und erfolgreich war, ist vorbei. Time to move on! Wir scheitern mit dem Loslassen vom Alten, sei es bei Organisierungsformen, Aktionsformen oder der Art, wie wir Protest definieren und ausgestalten.</p><p><em>Organisierungszwang verhindert handeln</em></p><p>Wie tief dieses Denken in den überholten Formen schon verwurzelt ist, wie lähmend es ist und wie sehr es dadurch unmöglich ist, etwas zu erreichen, zeigt sich daran, dass Menschen inzwischen ein (neues) Angebot sehen und die erste Frage, die sie stellen, folgende ist: wie sorgen wir als Anbietende danach dafür, dass nicht alles wieder im Sand verläuft. Wie organisieren wir sie als Teilnehmende/Nutzende eines Angebotes langfristig so, dass sie Aufgaben bekommen, die sie erledigen können. Gar nicht! Denn das können wir aus ganz vielen Gründen nicht (und ich will es auch nicht mehr, denn ich mache schon genug Arbeit) – wir wohnen alle woanders, wir haben keine Ahnung von ihren Kapazitäten, Fähigkeiten, von ihrem Leben und somit 0 Ahnung von dem, was für sie (auch in 3 Jahren noch) passt. Warum sollten wir Leute organisieren und ihnen alles vorgeben? Wo ist das selbstständige Denken, das eigenständige Handeln, der Wille selbst zu lernen, etwas zu erreichen und auf die Beine zu stellen, die eigene Kreativität und der Mut? Wir haben uns das selbst aberzogen (in Aktionen laufen wir Fahnen hinterher, ohne zu wissen, wohin es geht). Wir haben uns selbst nur allzu leicht und gerne Eigenständigkeit entziehen lassen, weil es einfacher ist, gesagt zu bekommen, was zu tun ist. Dann ist Scheitern nämlich auch nicht mehr unsere Schuld, dann sind wir nicht verantwortlich, wir gehen kein Risiko des Scheiterns unseres Angebotes ein und wir müssen nicht Monate vorher schon Arbeit etc. investieren, sondern nur darauf warten, dass andere diese Arbeit tun und uns dann Aufgaben erteilen. Anfang der 2000er waren die Hintergründe andere, da war es sinnvoll, als Finger Fahnen zu folgen, aber die Zeiten haben sich verändert, während wir uns weigern das zu tun, mit dramatischen Konsequenzen und mit Menschen, die nach Anweisungen gieren, statt selbst aktiv zu werden und Dinge zu versuchen, zu scheitern, es anders zu versuchen. Ich bin müde. Ich bin frustriert. Ich bin wütend und ich bin traurig. Und ich werde nur noch in seltenen Fällen, Fragen zur Organisierung vorab stellen und versuchen eine Antwort darauf zu geben. Natürlich gibt es diese Fälle, aber sie sind selten und auch dann sollte es lediglich ein Vorschlag für den Anfang sein, der ausreichend Raum lässt, um individuell an unterschiedliche Umstände angepasst zu werden, und zwar von denen, die sich organisieren, nicht von denen, die ein Angebot machen und einen Impuls geben.</p><p>Ich habe in den letzten Wochen Ende Gelände den Rücken gekehrt und ich habe Bock, Risiken einzugehen, dabei natürlich auch mal zu scheitern und es dann eben nochmal und anders zu versuchen. Ich will Dinge lernen, Dinge tun und Angebote schaffen, bei denen andere lernen und Selbstermächtigung erfahren können. Und dann macht es bitte wie ich: geht los, macht was und zwar Neues. Seid unberechenbar, wild und gefährlich.</p><p>P.S. Es gibt einen Unterschied zwischen „organisieren“ und „Organisierung“, der für mich wesentlich ist. Ich plädiere nicht dafür aufzuhören, Dinge zu organisieren. Ich plädiere sehr wohl dafür aufzuhören, bis zum Ende ausgearbeitete Organisierungsvorschläge zu präsentieren und bestehende Organisierungsmodelle auf alles anzuwenden, was wir organisieren wollen. Damit ersticken wir uns und unsere Arbeit.</p><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">unterstützt meine Arbeit</a></p><p> </p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sat, 01 Aug 2026 09:20:39 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Nachrichten aus dem Klimakollaps]]></title>
      <description><![CDATA[Schwitzen ist nicht gleich schwitzen. Ein Vermeiden dieser Hitze, ein Entkommen war nicht möglich & das ist das, was Hitze so brutal und grausam macht. ]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Meine kleine (vermeintliche) Auszeit von Horrormeldungen und täglichen Kollapsupdates war (natürlich) zum Scheitern verurteilt und das mit Ansage und von Anfang an, denn ein (DAS) Merkmal des Kollapses ist, dass er zum ständigen Begleiter wird. Ob im Zug, in Utrecht, Gent oder Paris – der Kollaps in Form von Hitze war immer da und gerade drei Tage in Paris haben mich an den Rand des eigenen Zusammenbruchs gebracht.</p><p><em>Welcome to burning Paris</em></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/ca32f55d-6a06-4ede-b375-eabba1009324/uploads/images/5slmmj4piw/parishitzegg.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="hochauflösendes Satelitenbild von Paris im Hitzestress
fast ausschließlich Variationen von rot"/><p>Wenn die Bahn (nicht die Deutsche Bahn) täglich eine E-Mail schickt, kostenlose Stornierung oder Verschiebung der Reise anbietet und die, die doch verrückt genug sind, in den Zug zu steigen, um nach Paris zu fahren, daran erinnert, Wasser in riesigen Mengen mitzunehmen, ist die Lage offensichtlich ernst. Utrecht und Gent waren heiß, aber diese Städte sind vergleichsweise grün, haben Wasser und massenhaft Radfahrer*innen und das macht unfassbar viel aus. Schwitzen ist nämlich nicht gleich schwitzen.</p><p>Angekommen in Paris wartete eine Wand aus Hitze, wie ich sie selbst in Ägypten, dem Irak oder Jordanien noch nie erlebt habe, obwohl ich dort körperlich gearbeitet habe, während Paris eigentlich Freizeit ist. Ein Vermeiden dieser Hitze, ein Entkommen war nicht möglich und das ist das, was Hitze so brutal und grausam macht. Das ist der Unterschied zwischen nervigem Schwitzen und gefährlichem Hitzekollaps. Der beinhaltet neben extremer körperlicher Belastung auch eine enorme psychische Ausnahmesituation, die die körperlichen Auswirkungen der Hitze im wahrsten Sinne des Wortes zusätzlich befeuert. Rot sehen, wird sprichwörtliche Realität. Ich habe meine Zeit in Paris größtenteils draußen verbracht, weil ich mich schon morgens für einen Platz in der 1. Reihe bei Patti Smith angestellt oder zu Fuß die Stadt erkundet habe und das war sicher mehr als grenzwertig, aber meine eigene Entscheidung. Es war beängstigend, Paris voller Menschen zu sehen, die alle einzeln hintereinander so eng an Hauswänden gelaufen sind, um eventuell hin und wieder etwas Schatten von einem Dachvorsprung oder einer Dachrinne zu bekommen, was natürlich völlig sinnlos und Ausdruck totaler Verzweiflung ist. Aber es ist ein mehr als eindrückliches Bild und auch ich habe mich so bewegt, gehetzt und vor allem auch mit den Nerven am Ende. Geholfen hat das alles nichts, denn die Fassaden, das Glas der (Schau-)Fenster und der schmelzende Asphalt beschießen Dich aus jedem Winkel mit Hitze. Ich habe durch die Sohlen meiner Turnschuhe gefühlt, wie die Hitze eindringt und in mir nach oben steigt. Am 1. Abend stand das Konzert kurz vorm Abbruch, weil die Hitze natürlich auch an einer fast 80jährigen Künstlerin nicht spurlos vorbeigeht und dafür gesorgt hat, dass nachmittags ein Arzt eine Infusion gelegt hat. Inhaltlich sorgte die Hitze dafür, dass die Show noch wütender und politischer wurde, als sie es ohnehin schon ist. Am Tag meiner Abreise hatte ich Glück, weil mein Zug einer der letzten war, der noch rausgekommen ist, ehe zahlreiche Strecken erstmal wegen eines Waldbrandes gesperrt wurden.</p><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">Abo-Pakete</a></p><p><em>P.S. Die Anarchist*innen haben Recht</em>  😉</p><p>Das war also mein Urlaubsbericht…und was machen deutsche linke Bewegungen natürlich auch nach meiner Abwesenheit für eine Woche weiterhin? Nichts! Die – wie hat es ein Genosse so treffend ausgedrückt – Befriedungsmaschine Bewegungsmanagement läuft unbeirrt weiter. Widersetzen z.B. verkündet „Unsere Blockaden waren erfolgreich. Wir machen weiter.“</p><p>Was Wahlkampf in den Abschnitten zwischen all den Wahlen in der Parteipolitik, sind Vernetzungscalls, Strategiediskussionen &amp; Auswertungscalls für Bewegungen. Es geht um Ankündigungen, leere Versprechungen, große Reden und Mobilisierung - an die Wahlurnen oder zur nächsten symbolischen „Massenaktion“. Bewegungsakteur*innen kopieren das System, dass sie stürzen wollten, als sie noch linksradikal sein wollten. Anarchistische Kritik bzw. Analyse von linken Bewegungen trifft mitten ins Schwarze. Während man vor Jahren noch trefflich darüber hat diskutieren können, wo es welche Ausnahmen gibt oder geben könnte, wo sich in diesem Handeln eine gewisse Relevanz und Notwendigkeit wiederfindet, ist diese Analyse jetzt gemessen an der Realität zum Fakt und zur unumstößlichen Tatsache geworden bezogen auf die (3) Akteur*innen, die noch in irgendeiner Weise sichtbar und zahlenmäßig relevant sind. Nach Trauer, Wut und verzweifeltem Bemühen innerhalb dieser Bewegungsakteur*innen etwas anzustoßen, habe ich für meinen Teil aus diesem Wahnsinn (Wiederholung von Aktion X in der Hoffnung auf einen anderen Ausgang dieser Aktion) Konsequenzen gezogen. Meine Kapazitäten jeglicher Art, meine Kraft, Nerven und Emotionen, meine Fähigkeiten, Erfahrungen und mein Wissen fließt nicht mehr in diese Bewegungssimulationen, die sich selbst nicht ernst nehmen und Kritik als persönliche Angriffe verstehen.</p><p>Viel mehr will ich diese Woche gar nicht schreiben. Ich will wenigstens versuchen, ein bisschen „Urlaubsstimmung“ rüber zu retten in die nächste Woche. Da geht es nochmal für drei Tage nach Rom und ich bin mir sicher, den Kollaps treffe ich dort auch, ebenso wie meine Wut und Enttäuschung über das, was von Bewegungen in Deutschland noch übrig ist. Da fällt mir gerade noch was Philosophisches zum Ende ein: vielleicht sollten wir unseren Blickwinkel auf Enttäuschungen ändern und sie positiv sehen. Getäuscht zu werden, ist in der Regel schließlich nichts, was wünschenswert ist und ENTtäuschung somit doch eigentlich irgendwie was Gutes…</p><p>P.S. Patti war großartig</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/ca32f55d-6a06-4ede-b375-eabba1009324/uploads/images/ubdhetqjn7/IMG_20260709_132542.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Patti Smith, live, Utrecht, 8.7.2026"/><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">support my work</a></p><p></p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/ca32f55d-6a06-4ede-b375-eabba1009324/uploads/images/5slmmj4piw/parishitzegg.jpg?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
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      <pubDate>Thu, 16 Jul 2026 08:45:33 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Widersetzen hat geliefert, aber…]]></title>
      <description><![CDATA[Der AfD-Parteitag hat ohne 1 Sekunde Verzögerung begonnen, er wurde nicht verhindert, er wurde nicht gestört. Widersetzen hat geliefert & ist trotzdem wieder gescheitert.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/f7fe7aee-7a6b-467d-9871-ce5a3e4a0ca9/uploads/images/ytszrwn6as/IMG_20260704_095547.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Foto aus Erfurt, rote Antifa-Flagge, Menschen mit Transparent, Rauch"/><p>Der AfD-Parteitag hat ohne 1 Sekunde Verzögerung begonnen, er wurde nicht verhindert, er wurde nicht gestört. Widersetzen hat geliefert und trotzdem muss ich den Text anfangen, wie ich ihn anfange. Ich war in Erfurt. Es hat wehgetan und mir fehlte bis zum Ende nur noch der Wasserwerfer auf meiner Polizeigewalt-Bingokarte. Es hat sich in anderen Momenten aber auch endlich wieder mal sooo gut angefühlt, als wären sie zurück, die großen Tage des zivilen Ungehorsams im Rheinland, im Hambi, im Danni, als wären sie doch nochmal da, die Momente, in denen wir glauben können, dass heute was geht, dass wir gewinnen können, wenigstens diesen 1 Sieg. Aber der Blick auf die diversen Ticker sorgte dann doch wieder für harte Bruchlandungen in der noch härteren und dunklen Realität. Bereits gegen 8:30 sind so viele Nazis in der Messe, dass der Parteitag beschlussfähig ist und pünktlich um 10:00 legen sie los.</p><p><em>Danke Widersetzen &amp; Co.</em></p><p>Ca. 250 Busse aus Deutschland und sogar Österreich, Tausende per Zug, ganz Erfurt voll von Kundgebungen, Demonstrationen und weiteren Angeboten gegen rechts, seit 5 Uhr Menschen in Blockaden, es wird gerannt, gesungen, skandiert, alle Finger haben ihre Blockadeziele erreicht, 8 große Blockaden auf alle Zufahrten zur Messe, kleinere Gruppen, die aufgrund von Polizeigewalt von größeren Fingern abgetrennt wurden, selbstständig unterwegs, um aktiv zu werden. Fotos, Vdeos &amp; Berichte, die für Gänsehaut, Glücksgefühle und Pipi in den Augen sorgen, Erfolgsmeldungen über jede weitere blockierte Straße, große Zubringerdemos von NGOs, Gewerkschaften, Kirchen und anderen bürgerlichen Bündnissen, solidarische Erfurter*innen, die Wasser &amp; Essen in Polizeikessel reichen. Es gab sogar Ausbruchversuche und auch erfolgreiche Ausbrüche aus Polizeikesseln. Es gab wieder einmal Szenen brutaler Polizeigewalt, Räumpanzer, Wasserwerfer, aufgepeitschte Polizeihunde ohne Maulkorb kurz vorm Durchdrehen direkt neben Protestierenden. Erfurt hatte schon zwischen 5:00 und 9:00 alles, was es für Massenaktionen, zivilen Ungehorsam und Demonstrationen braucht, inklusive eines Gerichtsurteils in der Nacht, dass die Versammlungsverbote kippte. Es gab zumindest in Parolen auch hin und wieder eine gewisse Militanz („Bullen[bitte keine Tiernamen] Mörder Lügner“ wird mir für immer in den Ohren klingen).</p><p>Widersetzen hat geliefert, auch endlich mal wieder eine Massenmobilisierung, die ihren Namen verdiente, die erfolgreich war und ohne die ziviler Ungehorsam in dieser Form nicht funktioniert. Mittlere fünfstellige Zahlen wurden erreicht, knapp 20000 waren in Blockaden. Widersetzen hat unser Playbook des massenhaften zivilen Ungehorsams von A – Z durchgespielt, und zwar mit Bravour.</p><p><em>Aber…</em></p><p>Am Ende blieb es eben doch wieder bei symbolischen Akten, bei gesetzten Zeichen, beim alles versucht haben, aber eben doch nicht verhindern können. Ein paar Stunden später, wenn die Augen rot sind und brennen vom Pfefferspray, langsam blaue Flecken sichtbar werden und alles wehtut von der Rennerei, wenn die Beschlüsse des Nazi-Parteitages und Bilder der Nazis wegen langsam nachlassender Euphorie und eines sinkenden Adrenalinspiegels nicht mehr ignoriert werden können, wenn sich bald vermutlich einige Medien und Politiker*innen wie zu erwarten überschlagen, um Chaos und linksextreme Gewalt herbeizuphantsieren… Ein paar Stunden später also ist Widersetzen trotzdem im Kernziel gescheitert und aus den Statements der Pressesprechenden, den tollen Videos mit den Gänsehautbildern kommen doch wieder die bereits üblichen Floskeln, die alles sind, was möglich ist, wenn man eben nicht verkünden kann: der Parteitag hat nicht stattgefunden, der Parteitag konnte erst am Sonntag beginnen.</p><p>Das liegt nicht an Widersetzen. Es liegt an der Polizei und dem Staat, die Nazis schützen. Es liegt an Gewalt. Es liegt daran, dass Staat und Polizei inzwischen gelernt haben, wie ziviler Ungehorsam verpufft. Es liegt auch daran, dass nichts zu blockieren ist, wenn ein Großteil der Nazis nicht mehr anreisen muss oder sie dies so geballt und mit Polizeieskorten so früh tun, dass Blockaden ab 5:00 Uhr bereits ins Leere laufen. Klar, beim nächsten Mal kann versuchen, ab Freitag zu blockieren, ab Donnerstag, 1 Woche vorher…Die Grenzen dessen, sind schnell erreicht.</p><p>Was Staat und Polizei tun, können wir nicht beeinflussen. Wir haben nur uns selbst und unsere Wege des Widerstands und des Protestes und da sollten wir ehrlich sein, vor allem zu uns selbst (endlich): <strong>das Widersetzen gescheitert ist, liegt nicht an Widersetzen und gleichzeitig eben doch</strong>. Es liegt an der Protest- und Aktionsform, von der wir partout nicht lassen wollen, obwohl sie überholt und für das, was notwendig ist und was wir uns selbst immer wieder als Ziele stecken nicht mehr geeignet ist. Leider ist sie das nicht mehr, denn Erfurt hat auch mich in Momenten immer wieder glücklich gemacht, meine alte Liebe zu Bewegungen und massenhaftem zivilem Ungehorsam wieder aufflammen lassen. Es waren aber nur Momente und die wurden nicht (nur) von schubsenden, prügelnden, pfeffernden Cops jäh unterbrochen, sondern von den tatsächlichen Ergebnissen unserer Blockaden und die gab es faktisch nicht.</p><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">unterstützt meine Arbeit</a></p><p><em>Alles also sinnlos?</em></p><p>Mein wütendes, trauriges und enttäuschtes Herz möchte „ja“ schreien in der Hoffnung, vielleicht doch endlich ein paar meiner linksradikalen Genoss*innen aufzuwecken. Aber ich versuche es mit einer etwas ausführlicheren Antwort, einem „nein, aber…“ oder vielleicht wenigstens einem „ja, irgendwie schon, aber…“</p><p>Warum Erfurt nicht umsonst war: weil es Erfurt war, weil es Thüringen war, Höcke-Land mit oft kaum sichtbaren linken Orten und Menschen. Es war nicht umsonst, denn es gab sie, die euphorischen Momente, das gute Gefühl VIELE zu sein, mit vielen nicht nur Schilder zu halten, sondern etwas mehr in die Waagschale zu werfen. Es ist wichtig und elektrisierend, geschlossen vor gepanzerter Gewalt und ihren diversen Ausrüstungsgegenständen zu stehen. Manchmal blitzte in den Augen dieser Roboter in schwarz dann auch kurz nicht nur Hass (JA!) und aufgepeitschtes Adrenalin in Vorfreude dessen, was sie gleich tun dürfen und werden, auf. Manchmal waren da auch Nervosität und die Angst, die Kontrolle über die Situation zu verlieren. Gemeinsame Anreisen, das Sitzen auf Straßen, eingehakt, mal wieder revolutionäre Lieder singen, Essen zu teilen und sich die Zeit zu vertreiben. Das alles ist wichtig, das alles war Erfurt und Widersetzen. Das alles ist aber nicht das, was es sein sollte und was nötig wäre.</p><p>Es war nach dem AfD-Gutachten und vor der Wahl in Sachsen-Anhalt auch nochmal eine gute Gelegenheit für „das Bürgertum“ ihre Demopflichten zu erfüllen und ihr greenwashing zu betreiben, ehe es zurück auf’s Sofa geht, zufrieden mit sich selbst, weil man ja gezeigt hat, dass man gegen Nazis ist. Das muss jetzt wieder reichen.</p><p>Was Erfurt aber nicht war: ein tatsächlich verhinderter oder auch nur verzögerter Parteitag. Das ist das Fazit, was am Ende nicht wegzureden ist und was unter dem Strich zu Buche schlägt.</p><p><em>Nazis haben keine Angst</em></p><p>Weder Scham noch Angst haben (dauerhaft) die Seite gewechselt. Vielleicht schämen sich ein paar mehr Menschen für ein paar Tage und wählen heimlich, still und leise die Nazis, aber sie werden sie wählen und sie werden im Alltag in jeglichen Situationen wieder in rassistische Aussagen verfallen. Da reicht eine lange Schlange an der Supermarktkasse und nach maximal drei Sätzen und 17 Sekunden sagt der*die Erste wieder „sollen sie doch unsere sogenannten ausländischen Mitbürger endlich rauswerfen, damit hier wieder Ordnung herrscht“ und keine*r widerspricht. Die Proteste und all die Veranstaltungen werden zu wenig an der Stimmung in Thüringen und somit erst recht nichts an der im Rest des Landes ändern, ebenso wenig etwas an den Wahlergebnissen. Es wird die Chancen auf ein AfD-Verbot nicht erhöhen. Vielleicht haben ein paar Erfurter*innen den für sie richtigen Flyer in die Hand gedrückt bekommen und machen auch Gebrauch von dem ein oder anderen Angebot. Ob sich viele dauerhaft organisieren als Folge solcher Tage inklusive von Haustürgesprächen im Vorfeld, würde mich wirklich interessieren, denn das ist relevant für den Sinn oder Unsinn und für einen Teil strategischer Überlegungen. Ein Problem von Widersetzen und dem Scheitern am eigenen Ziel wird schon um 10:16 in der Eröffnungsrede von Chrupalla deutlich: es ist einfach, Hohn &amp; Spott in unsere Richtung zu schicken, die wir draußen sitzen und nichts verhindern konnten. Und es werden Drohungen in Mikrofone gekeift von Menschen, die leider vermutlich bald in der Lage sein werden, diese umzusetzen.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/f7fe7aee-7a6b-467d-9871-ce5a3e4a0ca9/uploads/images/rbp75oup4y/IMG_20260704_113721.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Zitat aus der Eröffnungsrede von Chrupalla, AfD-Parteitag Erfurt"/><p>Die Überzeugten (und die sitzen gerade in der Messehalle) schämen sich nicht mehr und sie haben keine Angst. Und sie sind es, die es denen, die schweigen ermöglichen, trotzdem mitzulaufen. Keine unserer aktuellen Protestformen sorgt für Angst bei den Überzeugten und den Lauten. Wir haben keine Hebel, die dafür sorgen, dass sie sich wieder verkriechen. Und erst dann, wenn sich die Überzeugten wieder verkriechen, könnten unsere Mittel, mit Argumenten die vielen, die schweigen, zu überzeugen, zu erreichen oder ins Nachdenken zu bringen, überhaupt greifen. Solange sie die Überzeugten sehen, die an nichts gehindert werden, die laut und erfolgreich ihren Hass verbreiten, in den man sich so bequem einreihen kann, so lange scheitern wir mit Argumenten und Gesprächen.</p><p>Es gilt, die Überzeugten daran zu hindern, weiter der entscheidende Faktor sein zu können, weiter laut, sichtbar und erfolgreich sein zu können. Klar wäre ein AfD-Verbot dafür mehr als hilfreich, aber das wird es nicht geben, also müssen wir uns was anderes ausdenken und trauen, um ein ähnliches Ergebnis zu erzielen und wieder Möglichkeiten für unsere bisherigen Protest- und Aktionsformen zu eröffnen, damit sie wieder wirksam(er) sein können.</p><p><strong>Angst bei einigen muss die Seite wechseln, um viele zu erreichen.</strong> </p><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">unterstützt meine Arbeit</a></p><p>Und während ich mich am Samstag dann aufmache Richtung Kundgebungen, Infoständen, mal was essen und trinken, sehe ich ein Video der Widersetzen-Social-Media-Abteilung, in der die Sprecher*in eines Fingers um 11:00 verkündet, das Blockadeziel erreicht zu haben und dass sie auch jetzt einfach weiter erfolgreich diese Straße blockieren…wen, was oder warum sie da erfolgreich blockieren, wird das Geheimnis von Widersetzen bleiben. Das ist traurig, albern, völlig sinnlos und meine irgendwie noch positiven Vibes implodieren. Besser wird das Ganze auch nicht, wenn die Tatsache, dass der Parteitag läuft dank Hopium dann zwar schade ist und aus der Erkenntnis, dass die Nazis teilweise sogar schon in der Messehalle geschlafen haben (we got outsmarted…), eine Triumphgeschichte wird, die zeigt, wie große ihre Angst vor Widersetzen war, weil sie chancenlos gewesen wären. Das mit der potenziellen und theoretischen Chancenlosigkeit mag zwar sein, aber wir hatten keine Mittel, sie zu zwingen, es zu versuchen. Somit bleibt es bei 0 Punkten für uns. Wenn diese Deutung und Erzählung bereits der Ausblick auf die Auswertung und das Fazit der Erfurt-Proteste ist (und ich befürchte, das ist der Fall), ist bereits jetzt klar, dass es keine wesentlichen Veränderungen und Anpassungen von Taktik und Strategien geben wird, denn wir sind nicht gescheitert. Wir waren so erfolgreich, dass die Nazis schon vor Ort geschlafen haben! Ja, so kann man das sehen…Aber wie verhindern wir, dass sie dort schlafen oder wie schaffen wir es, sie wieder raus zu kriegen, darauf wird diese Verklärung und Verdrängung keine Antworten liefern können. Es bleibt gute Atmosphäre, Momente voller Gänsehaut und wirkungsloser Stärke und vermutlich ein Weiter-so, weil es so schön war und wir keine anderen Ideen haben.</p><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">Abo-Pakete</a></p><p><em>Nachtrag, am Tag danach, weil ich sauer bin</em></p><p>Was mich am Umgang von Widersetzen mit dem, was gestern in Erfurt passiert ist, richtig sauer macht? Alles! Fehlende Ehrlichkeit und keinerlei Fähigkeit, das Offensichtliche auszusprechen. Ein Vorschlag für ein Statement, wie ich es mir wünschen würde: </p><p>„Wir sind gescheitert. Wir haben alles gegeben, grandiose Arbeit gemacht, alle zu ihren Blockadepunkten gebracht, viel Programm in ganz Erfurt auf die Beine gestellt, aber unser Ziel, diesen Parteitag zu verhindern oder wenigstens zu verzögern und effektiv zu stören, haben wir nicht erreicht und das macht uns natürlich wütend, traurig und sauer. Es gab viele Gründe dafür, auf die wir keinen Einfluss hatten (Staat, Polizei…), aber unsere Aktionsform und das Festhalten daran, ist etwas, worüber wir sprechen müssen, und das werden wir auch tun. Danke an alle, die sich heute in Erfurt gegen die Faschisten, gegen Polizei &amp; Staat gestellt haben. An euch lag’s nicht, ihr wart großartig.“</p><p>Das wäre ehrlich. Damit würde ich mich besser fühlen, auch wenn meine Nase noch immer mit den Folgen von Nasenbluten zu tun hat, meine Augen aussehen, als hätte ich 1 Woche lang gefeiert oder geheult und mir alles wehtut. Damit würde ich mich besser fühlen, weil es mir zeigen würde, dass doch endlich eine Erkenntnis angekommen ist, dass Widersetzen bereit ist, ehrlich zu analysieren und weil es somit Aussicht darauf gibt, dass es beim nächsten Mal mit einer anderen Strategie, Taktik &amp; Mitteln einen neuen Versuch startet. Ich würde mich damit besser fühlen, weil es meine Stimmung und meine Emotionen aufnimmt. Die Statements, die aktuell aber gespielt werden (und die werden ab morgen ja nicht plötzlich das Gegenteil verkünden), lassen genau das eben nicht vermuten. Da werden Erfolge konstruiert - „Die Nazis verkriechen sich“ „Die Nazis haben Angst vor uns“ - die so einfach nicht zutreffen. Die Nazis wollten ihren Parteitag ungestört durchführen und dafür haben sie entsprechende Maßnahmen ergriffen, bei denen sie sich auch auf Staat und Cops verlassen konnten und jetzt sitzen sie in der Messehalle und verspotten und bedrohen uns. Die Personalentscheidungen, die Reden und Beschlüsse, die drinnen getroffen werden – heilige Scheiße! Hört hin! Das ist eine Katastrophe, die direkte Gefahr für uns alle bedeutet und es besteht kein Zweifel daran, dass sie das ernst meinen und das sie vermutlich bald in der Lage sein werden, damit anzufangen. DAS ist die Realität. Die ist Scheiße und das fühlt sich beschissen an, das aber nicht zu benennen und es nicht einfach mal wütend rauszuschreien, macht es nicht weniger wahr. </p><p>Wir wollen blockieren und verhindern, wir ergreifen aber nicht entsprechende Maßnahmen und können uns natürlich nicht auf Staat und Polizei verlassen (umso wichtiger sind eigentlich unsere eigenen Maßnahmen, um das zu erreichen). Ich habe auch keine Lösung für unsere Strategie und Taktik, aber ich möchte darüber reden, ehrlich, ergebnisoffen, ohne das bereits vorher alles ausgeschlossen wird, was nicht in den aktuellen Aktionskonsens passt. Ich möchte darüber reden ohne Einmischung einer inzwischen viel zu parteinahen IL, die nur noch an breite Anschlussfähigkeit denkt und an Haustüren klingeln möchte, wie die Partei, die die Richtung linksradikaler Bewegungen vorgibt.</p><p>Erfurt war groß und mit mehr Menschen in Aktion, Blockaden und auf den Straßen als bei den anderen 3 Anläufen vorher und bei allen erdenklichen Mobilisierungen der linken Seite in letzter Zeit. Erfurt hatte trotzdem den bisher geringsten tatsächlichen Effekt, was Störung, Verzögerung oder gar Verhinderung der Nazi-Scheiße angeht, nämlich genau 0. Die hätten sogar früher als geplant anfangen können. Lasst doch diese Wut mal zu, um Himmels Willen! Es sind Menschen, die ihr da verheizt. Die gehen mit bestimmten Erwartungen und mit einer gewissen Zuversicht, mit dem Glauben daran, dass da was möglich ist in Blockaden und sie wissen, dass da Pfefferspray, Schlagstöcke, Wasserwerfer und eventuell juristische Konsequenzen warten. Sie wissen, dass das weh tun kann, vermutlich weh tun wird, sie sind trotzdem bereit es zu tun, weil sie daran glauben &amp; Chancen sehen. Es ist unverantwortlich, die Menschen weiterhin zu mobilisieren, denn die Versprechen, die uns als Teilnehmenden gegeben werden, sind unter den gegebenen Umständen falsch und unhaltbar und langsam sollte das auch allen Organisator*innen klar sein. Jede weitere Mobilisierung mit diesen Versprechen und mit derselben, unveränderten Taktik und Aktionsform ist meiner Meinung nach bewusste Gefährdung von Aktivist*innen. Ihr brennt Menschen aus. </p><p>Als gestern gegen 8:00 die Info zur bereits erreichten Beschlussfähigkeit des Parteitages über die Ticker ging, hätten alle Blockaden beendet werden müssen. Man hätte die Finger zur Messehalle rufen können, um dort zu versuchen, den Abbruch der Nazi-Party zu erzwingen. Alle Finger können im Plenum entscheiden, ob sie das tun oder nicht. Alle Aktivist*innen können entscheiden, ob sie sich der Entscheidung des Fingers anschließen oder mit einem anderen Finger weitermachen. Das wäre eine Entscheidung gewesen, die den Versuch einer Reaktion, einer spontanen Änderung der Taktik zeigt, die Flexibilität eines Bündnisses, einen Plan B zu entwickeln. Das blieb aus. Finger blieben in ihren Blockaden für nichts und haben teilweise Polizeigewalt in Kauf genommen für nichts. Dieses „für nichts“ ist das, was mich so sauer macht. Menschen, die in Blockaden gehen, sind grundsätzlich erstmal bereit, Polizeigewalt in Kauf zu nehmen, denn wir wissen, dass die Chance dafür groß ist. Menschen haben gestern sogar Ausbrüche aus Polizeikesseln versucht, trotz Polizeigewalt. Die Menschen waren bereit, sich für ein Ziel, für den Versuch, etwas zu erreichen, diesem Risiko auszusetzen. Sie haben sich dem aber mehrere Stunden ausgesetzt, obwohl das Ziel auf diesem Wege nicht mehr zu erreichen war. Und jetzt sollen wir feiern, weil wir Erfurt zur antifaschistischen Hauptstadt gemacht haben!? Nein, wir haben keinen Grund zu feiern und ich lebe hier, ich weiß, dass Erfurt keine antifaschistische Hauptstadt ist und all die kleineren Orte hier erst recht nicht. Wacht endlich auf, hört auf mit dem vorher ausgearbeiteten und gelernten Pressesprech in Watte, pink &amp; Glitzer! Seid wütend, kämpferisch und ehrlich mit den Tatsachen. Das schuldet ihr euch selbst und den 17000, die es gestern versucht haben und die großartig waren!</p><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">support me</a></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sat, 04 Jul 2026 15:26:57 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Der Unterschied zwischen verstehen und begreifen]]></title>
      <description><![CDATA[Menschen, die etwas verstehen, leben in einer völlig anderen Realität als die, die etwas begreifen. Der Unterschied zwischen beiden Welten ist riesig + hat Konsequenzen.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/1b1f5006-8994-44a9-bc7c-53265b0e5bfa/uploads/images/2uuwwzkqxh/fpp_small_lustre_wall_texture_product_750x1000.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="schwarzer Hintergrund, schematische Darstellung eines Herzens und eines Gehirns, zwischen beiden ein roter Blitz und die Buchstaben VS"/><p><em>Verstehen</em></p><p>Am Samstag, bei knapp 40° nach beinahe 2 Wochen mit ähnlich hohen Temperaturen, habe ich diesen Unterschied verstanden UND begriffen. Es ist ein gravierender Unterschied. Verstehen bedeutet, etwas zu WISSEN, mit dem Verstand erfassen zu können, rational. Diese Art des Verstehens kann schwerfallen, weil man sich manchmal auch dagegen verwehren möchte. Sie führt natürlich zu Reaktionen – zu Wut, zum Entschluss, etwas tun zu wollen. Das rationale Verstehen sorgt dafür, dass man überlegt, was wie zu tun ist, was die Optionen sein könnten usw.</p><p><em>Begreifen</em></p><p>Das Verstehen im Sinne vom wortwörtlichen Begreifen, mit der Hand, mit dem Körper, mit dem Herz ist etwas ganz anderes. Die Tatsache, die es zu verstehen gilt, muss meiner Meinung nach eine ganz extreme sein, um diesen Schritt vom Verstehen zum Begreifen zu machen. Diese Art des Verstehens sorgt dafür, dass Tatsache XY nicht nur im Kopf ankommt, sondern in einem selbst, in jedem Winkel und jeder Faser des Körpers. Diese Art des Verstehens tut weh, sie verursacht körperliche Schmerzen und körperliche Reaktionen, Emotionen, statt rationale Entscheidungen und Überlegungen.</p><p><em>Etwas ist durchgebrannt</em></p><p>Am Samstag also war es dann bei mir so weit, Verstehen ging über in Begreifen. Natürlich geht es um’s Klima, um den Klimakollaps, in diesem Fall nach den letzten beiden Wochen, die einer Traumatisierung gleichkommen, war es die Hitze, die mich diese Grenze hin zum Begreifen hat überschreiten lassen. Hitze kommt niemals allein, sie kommt mit vielen Konsequenzen, die sicht- und spürbar sind. Hitze und ihre Konsequenzen tun weh, im wahrsten Sinne des Wortes, aber auch auf alle anderen erdenklichen Arten, wenn man hinsieht und mitfühlt und wenn Verstehen mit dem Verstand dazu führt, dass man darüber nachdenkt, was das alles bedeutet, welche Kettenreaktionen dranhängen. Dann gibt es den Moment davor (den des Verstehens) und den danach (den des Begreifens) und der Übergang ist nicht schleichend, sondern brutal. Es macht quasi „klick“, ein Schalter wird umgelegt. Ich glaube, in meinem Fall ist am Samstag tatsächlich irgendwas gebrochen, mit einem lauten Knacks.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/1b1f5006-8994-44a9-bc7c-53265b0e5bfa/uploads/images/yc5j5pjbx6/bafkreiheufrusogmoige5fpzayiidut724l4eghyoewteymzk2yw3bocmm.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="rot, orange, noch mehr rot, utnerschiedliche Schattierungen von rot, in der Mitte des Wort &quot;Kollaps&quot;"/><p>Da wir über Hitze reden, bieten sich natürlich – angesichts der Realität – viele Wortspiele an, die jegliche Ironie und jeglichen Witz verloren haben: meltdown, etwas brennt sich ein, brennende Erkenntnis, das Begreifen hat sich durchgebrannt. Diese Dinge fallen mir jetzt ein, wenn der Verstand dann wieder mitmischt, obwohl er nie wieder allein die Kontrolle in diesem Punkt zurückerlangen wird. Das Begreifen geht nicht wieder weg und überlässt dem Verstehen nicht wieder allein das Feld. Mal sehen, wie die beiden sich arrangieren. Bei der nächsten Hitzewelle wird der Moment, in dem das Begreifen übernimmt, dann vermutlich schneller kommen, vielleicht wird es mit jedem Mal auch etwas weniger schmerzhaft und der persönliche <em>meltdown</em> hält sich zunehmend in Grenzen. Das ist aber kein Grund zur Freude, denn Klimakollaps und Co. bieten noch unzählige solcher Momente, weil es unzählige Katastrophen gibt, die sich aneinanderreihen.</p><p>Der Samstag in meinem Fall war jedenfalls eine Katastrophe und ich habe für eine ganze Weile nur auf der Couch sitzen können, heulend wie der sprichwörtliche Schlosshund. Ich konnte nichts tun, wirklich nichts, abgesehen vom Heulen und sich vor Schmerzen auf der Couch zusammenrollen. Warten – nicht darauf, dass es vorbei ist, sondern darauf, dass sich der Körper irgendwie damit arrangiert und den Verstand wieder einschalten kann. Das hat eine ganze Weile gedauert, ganz vorbei ist das mit dem Heulen noch immer nicht und mein Begreifen tritt dem rationalen Verstehen immer wieder kräftig in den Hintern, wenn mein Hirn mich ermahnt, doch in mal in Ruhe zu überlegen, was man jetzt am sinnvollsten tun könnte, sollte, müsste…Das mit der Ruhe wird nix mehr. Da brennt das Feuer aus Wut und auch Verzweiflung stetig und zu stark und vielleicht ist das auch gut so. Vielleicht ist das auch der Grund, warum es einen Unterschied zwischen Verstehen und Begreifen gibt und warum dieser Unterschied in Emotionen und (auch) in tatsächlichen Schmerzen liegt. Dieser Unterschied ist es eventuell, der dafür sorgt, dass man tatsächlich in die Gänge kommt und das mit einer anderen Entschlossenheit als vorher, dass man bereit ist, mehr zu tun, höhere Risiken in Kauf zu nehmen, radikalere Dinge zuzulassen, entschlossener zu handeln. Ob das „klug“ oder „richtig“ ist, ist dabei eine andere Frage, aber angesichts dessen, was unsere neue Realität ist, sollten klug und richtig vielleicht auch neu definiert werden abseits vom Maßstab und der Definition, die da bisher angelegt wurden…Klug und richtig ist meiner Meinung nach das, was die realistischen Möglichkeiten zu tatsächlichen Veränderungen (im Großen, aber auch im Kleinen) birgt und die braucht es – inzwischen um jeden Preis. Wer mir widersprechen will und wen ein Blick auf eure verdammten Thermometer nicht davon abhält, kann das gerne tun. Ich höre aber nicht mehr zu, weil ich etwas begriffen habe, unter Schmerzen.</p><p><em>That’s it</em></p><p>Ich habe begriffen, dass es das war. Es ist vorbei. Wir haben es versucht. Wir sind gescheitert und es ist jetzt vorbei. Es ist jetzt zu spät, um etwas wieder hinzukriegen. Es ist vorbei. Es wird nicht wieder gut. Die Optionen, die wir – meiner Meinung nach bezogen auf unsere Mittel – aber auch bezogen auf unsere (erreichbaren!) Ziele haben, sind völlig andere, als die Mittel, die wir <em>vorher</em> bereit waren anzuwenden, um unsere bisherigen Ziele zu erreichen. Dazu muss man aber vom Verstehen zum Begreifen kommen und das mit der Verdrängung hinter sich lassen.</p><p>Klimaschutz oder gar -gerechtigkeit mit Demos, angekündigten Massenaktionen, Petitionen, Argumenten… erreichen – nice try, aber vorbei.</p><p>Hitzehilfe [irgendwas anderes, was uns der Klimakollaps noch zeigen wird] mit [irgendeiner radikalen Aktionsform erzwingen] &amp; durch DIY mit solidarischem Preppen ermöglichen, ist das, was jetzt real ist.</p><p>Menschen, die etwas nur verstehen, leben in einer völlig anderen Realität als die, die etwas begreifen. Mit dem „sich betroffen fühlen“ und dem „betroffen sein“ verhält es sich genauso. Das ist mir mit Blick auf Selbstverteidigung und Gewalt zum Schutz von sich selbst und anderen Betroffenen klar geworden. Der Unterschied ist auch in diesem Beispiel ein ganz entscheidender. Dieser Unterschied hat immer Konsequenzen. So lange der EINE Schritt von Punkt A zu Punkt B nicht gemacht wurde, sind alle Überzeugungsversuche zum Scheitern verurteilt. Auch das habe ich schmerzhaft begriffen 😉 Von mir gibt es keine Überzeugungsversuche mehr, kein Ringen um Verständnis und kein Betteln, meine Argumente nachzuvollziehen. Es bringt nichts und ich kann niemandem den Schritt vom Verstehen hin zum Begreifen abnehmen, den müsst ihr selbst machen. See you on the other side, hier gibt’s viel zu tun – Anderes und anders, aber auf jeden Fall viel davon.</p><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">Abo - Pakete</a></p><p> </p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Mon, 29 Jun 2026 08:21:07 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Parlamentarische Opposition – bringt das was?]]></title>
      <description><![CDATA[Parlamentarische Opposition – bringt das was? Ja, wenn man es kann & praktiziert wie die Rechten. Kann Links das und bringt es uns als Linke gerade etwas? Nein.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/2b813443-547f-47e4-8609-8273ae73eec0/uploads/images/45yp47fnmc/106136.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="gelber Hintergrund, schwarze Buchstaben:
Opposition, die
Wortart: Substantiv, feminin

oben rechts das Logo des Duden"/><p>An dieser Frage scheiden sich oft, irgendwie schon „immer“ und immer wieder die Geister, speziell die linken. Die Antwort darauf ist auch für mich immer wieder eine andere, abhängig von der eigenen politischen Positionierung zwischen links und Anarchie und natürlich sehr stark abhängig von der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Realität. </p><p>Läuft gesellschaftlich und politisch (bezogen auf Parteien und Regierung) alles „einigermaßen“, ist man schneller geneigt, der parlamentarischen Opposition ein gewisses Gewicht und Möglichkeiten zur Einflussnahme zuzugestehen, jedenfalls ist der Glaube daran und die Hoffnung darauf leichter zu finden, zu behalten und man kann sich selbst leichter davon überzeugen.</p><p>Läuft gesellschaftlich und politisch aber alles ganz gewaltig schief nach rechts und rechtsextrem, werden wir Zeug*innen von Genozid, Klimakollaps, Ausrottung von Arten, heißen Kriegen um Rohstoffe, Aufrüstungsspiralen, GEAS und Szenen, wie sie sich gerade erst im europäischen Parlament abgespielt haben („Send them back“), stehen wir kurz vor der faschistischen Machtübernahme in mindestens einem Bundesland und haben wir eine Regierung, die diese Machtübernahme zum einen nach allen Kräften fördert und zum anderen irgendwie auch gar nicht mehr so wichtig macht, weil sie selbst bereits rechte, rassistische und faschistische Politik macht - kurz gesagt: befinden wir uns im Sommer 2026 – dann kocht die Frage nach dem Sinn und Unsinn von parlamentarischer Opposition immer wieder hoch, auch (aber nicht nur) entlang von Fragen der Radikalisierung und Militanz. Und dann finde zumindest ich mich zunehmend auf der Seite derjenigen, die abwinken und bereits über den Begriff parlamentarische Opposition nur noch herzlich sarkastisch lachen können.</p><p><em>Rechts macht’s leider vor</em></p><p>Hier muss man aber ganz klar sagen, wie eben diese parlamentarische Opposition funktioniert, zeigt die AfD. Wie sie nicht funktioniert, zeigt die Linke.</p><p>Die Rechten in ihrer Partei sind gut an- und eingebunden und vernetzt was Zivilgesellschaft, fragwürdige Strukturen und Organisationen betrifft (und umgekehrt). Sie sind vereint in ihren Zielen, aber mit jeweils eigenständigen Profilen, was es übrigens auch immer leicht möglich macht, sich als Partei doch mal zu distanzieren, wenn irgendeine Struktur oder Gruppe etwas tut oder sagt, was dann doch mal ein wenig Gegenwind produziert. Leider passiert das mit dem Gegenwind inzwischen kaum noch…So kann aber auch immer wieder getestet werden, wie weit man schon gehen kann, ohne der Partei dadurch zu schaden. Rechte inkl. Partei sind dadurch überall präsent, selbst wenn es die Partei als solche nicht öffentlich und sichtbar ist. Das muss sie aufgrund von engen Verbindungen, Kontakten und Netzwerken auch nicht. Und alles, was sich so nun also im rechten, rechts-extremen und konservativen Sammelbecken ganz munter tummelt, hat einen extrem radikalen und glaubhaft Gewaltbereitschaft vermittelnden Flügel, der diese Gewalt auch gegen Menschen bereits ausgeübt hat. Das ist eine Katastrophe und massiv gefährlich, weil es durch dieses „Komplettpaket“ der AfD eben möglich ist, parlamentarische Opposition so zu betreiben, dass inzwischen die Regierung ihre Politik in die Tat umsetzt und dass sie kurz davor stehen, die Oppositionsbank verlassen zu können Richtung Regierungssessel. Doppelter Punktsieg. Dabei ist wichtig, dass die Partei selbst mit radikalen Forderungen nicht hinter den Berg hält und sich und ihren Überzeugungen trotz interner Streitereien hier und da aber grundsätzlich treu bleibt. Bewegung und Partei rücken gemeinsam stramm nach rechts, da gibt es kein Gezerre, es geschieht Hand in Hand und sich gegenseitig unterstützend. Das Problem für „uns“ ist, dass sich das alles rechts abspielt und wir über Hass, Rassismus, Faschismus und Menschenverachtung reden, über Ausgrenzung und „alles für wenige (Weiße) auf Kosten anderer (finanziell Armer, nicht-Weißer, Queers…). Eine solche Politik, die auf Sündenböcke und Schuldige setzt, ist (leider) grundsätzlich offenbar auch erstmal einfacher als das linke Gegenteil, bei dem es statt um Ausgrenzung um „viel für alle und das in gleichem Maße“ geht. Abgeben und Teilen ist etwas, was offensichtlich schwerer zu vermitteln ist als das Streben nach mehr und eine bloß-nichts-abgeben – Mentalität, die durch das Schüren von (oft völlig irrationaler und unbegründeter) Angst noch verstärkt wird. Fazit: Die AfD kann parlamentarische Opposition leider und zeigt, wie sie als Gesamtpaket mit Bewegung als außerparlamentarischer Opposition gestaltet werden muss, damit sie funktioniert. Man hat sich gemeinsam rechtsradikaler Politik verschrieben und setzt diese auf unterschiedliche Arten aber gemeinsam zielgerichtet und entschlossen um.</p><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">unterstützt meine Arbeit</a></p><p><em>Die Linke scheitert</em></p><p>Die Linke dagegen scheitert an diesem Gesamtpaket und ich finde, sie scheitert auf ganzer Linie. Ein aktueller Artikel in der <a href="https://www.akweb.de/bewegung/fahne-im-wind-linkspartei-organisiert-sozialproteste-und-bietet-sich-zugleich-der-regierung-als-mehrheitsbeschafferin-an/?fbclid=PAdGRzdgSgondleHRuA2FlbQIxMQBzcnRjBmFwcF9pZA81NjcwNjczNDMzNTI0MjcAAadANrROzNGRkeGBtDAKNRnzF3VUhUOKCkdz3weDd4u7wvHeiU5K4_WLmm3WuA_aem_VTCxHc00QxVvK3TImzU42Q">Analyse und Kritik</a> bringt das ziemlich gut auf den Punkt. Die Linke hat die Initiative, Partei und Bewegung besser miteinander zu vernetzen, von Anfang an mehr als widerwillig (und aus den falschen Gründen?) angepackt. Im Nachhinein war meiner Meinung nach das Bestreben immer darauf ausgerichtet, die Bewegung auf Parteilinie zu bringen, durch Bewegung Stimmen und Einfluss auf potentielle Wähler*innen zu gewinnen und die Bewegung für die Partei zu benutzen. Es ging nie darum, der Partei Glaubwürdigkeit, Radikalität und neue Blickwinkel zu verschaffen und mit der Bewegung zu arbeiten. Sei es drum. Einigkeit bestand in diesem Vorhaben an sich von Beginn an sowieso nicht und es kam zu fragwürdigen, unschönen und ganz sicher nicht zielführenden Aktionen beider „Lager“. Inzwischen ist dieser Versuch, unternommen mit einem eigenen, inzwischen aufgelösten Arbeitskreis, kein Thema mehr. Zum Scheitern verurteilt und in manchen Dingen auch eher ungelenk wirkend, war er unter den gegebenen Bedingungen innerhalb der Partei im Prinzip sowieso von Anfang an. Interessanter- und inzwischen bedauerlicherweise sucht „die Bewegung“ in Form verschiedener, teilweise sehr relevanter Akteur*innen diesen Schulterschluss selbst (im Glauben an und dem Streben nach Reform, statt Revolution; scheiß drauf, was auf meinem Transpi steht). Sie findet sich dadurch in einer Doppelrolle wieder von Parteiarbeit, oft mit Parteijob einerseits, vermeintlich linksradikaler Aktivist*in andererseits und opfert dafür leider zu oft zu bereitwillig jegliche Form von Radikalität, lässt sich einhegen und sich zu oft auf Parteilinie bringen, so fragwürdig, inkonsistent und inkonsequent diese hin und wieder ist. Was – abgesehen von radikalen Forderungen mit Biss jenseits des Festhaltens an der imperialistischen Lebensweise – dabei auf der Strecke bleibt, ist Radikalität und Ernsthaftigkeit auch auf der Straße, im Protest. Es gibt nett klingende Parolen und Floskeln, aber keine Hebel zu ihrer Umsetzung und dank eingehegter und gezähmter Bewegung (die inzwischen wie die Partei auf Haustürgespräche selbst im Kontext von ungehorsamen Akteur*innen setzt) auch keinen Mut, diese Hebel zu suchen oder gar zu finden und einzusetzen. </p><p>Die Partei schwächt radikale linke Bewegung und genau das Gegenteil wäre erforderlich. Die so geschwächte und sich freiwillig schwächen lassende Bewegung kann umgekehrt auch keinen Druck ins Parlament mehr erzeugen (was nötig ist, damit parlamentarische Opposition funktioniert), um die Linke in ihrer Rolle der parlamentarischen Opposition zu ergänzen, zu pushen, oder gar vor sich her zu treiben. Die Bewegung hat keinen Biss, keine radikalen Forderungen oder gar Ansätze, diese umzusetzen und sie hat kein glaubhaftes „Drohpotential“ auf ihrer Seite, das sie in die Waagschale werfen könnte, um die Partei zu beeinflussen. Auf linker Seite gehen Bewegung und Partei zwar ebenfalls Hand in Hand – aber dramatischerweise auf die Mitte und die Wirkungslosigkeit zu. Die Angst, Partei schwächt Bewegung, indem sie Menschen aus der Bewegung abzieht (das war einer der Hauptpunkte, die z.B. bei aktiv gesuchten Gesprächen im Rahmen von Carola Racketes Kandidatur für das Europaparlament immer wieder genannt wurde), ist eine völlig unbegründete und nicht zutreffende Befürchtung. Das Gegenteil ist der Fall. Partei schwächt Bewegung, indem Menschen Bewegung und Partei in sich vereinen und so Parteipositionen immer stärker zu Bewegungspositionen werden, in Bewegungen eingreifen und ihnen die Zähne ziehen. </p><p>Es wäre für „die Bewegung“ wichtig, befreiend und meiner Meinung nach deutlich besser, wenn Parteien tatsächlich Menschen aus Bewegungen ziehen würde, weil dadurch der lähmende Einfluss verringert würde, den die Partei inzwischen auf Protest und Bewegung nimmt. Es wäre (gerade in der aktuellen Situation) mehr als hilfreich und dringend notwendig, eine stärkere Trennung zu haben, damit sich jeweils eigene Profile schärfen, Ecken und Kanten gerade auf Bewegungsseite bilden können, um dann, sich gegenseitig unterstützend, aber nicht lähmend, sinnvoll, ausgerichtet auf gemeinsame Ziele, agieren zu können. Die Aufgaben einer Partei und ihre Mittel sind andere als die von Bewegungen. Deshalb gibt es ja auch Beides! </p><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">Abo-Pakete</a></p><p>Im Falle von linker Bewegung und Linkspartei haben wir inzwischen einen krampfhaft erzwungenen Einheitsbrei, der keiner Seite bei der Erfüllung ihrer jeweiligen Aufgaben hilft. Es wurde sich nicht linksradikaler Politik verschrieben, um diese (bzw. in Kompromissform zumindest linke Politik) umzusetzen, sondern einer Politik der Anschlussfähigkeit beinahe überall und nirgends, einer Politik der Belanglosigkeit und Inkonsistenz in vielen Bereichen und einer Politik ohne Hebel. Da ist Unentschlossenheit und Streit überall, der hin und wieder auch daher rührt, dass Bewegung (inkl. Parteijugend) auf Parteilinie gebracht werden soll und sich dann doch manchmal noch Widerstand regt und Widersprüche aufbrechen. Da ist Angst vor Ecken und Kanten, Panik vor Gegenwind und das sofortige Umfallen, wenn dieser (witziger- und traurigerweise zugleich) am schärfsten aus den eigenen Reihen kommt (siehe Pantiano).</p><p>Parlamentarische Opposition – bringt das also was? Ja, wenn man es kann. Die momentan zentralere Frage - und die ist eindeutig zu beantworten – sollte aber lauten: können WIR das und bringt sie UNS was? Nein.</p><p><em>regieren oder nicht regieren</em></p><p>…das ist im Falle der Linken eine weitere Frage und ein weiteres Dilemma, das direkt mit dem Thema des Textes verbunden ist. Wollen Linke Regierungsverantwortung? Dürfen Linke das wollen? Für mich kann ich ganz klar sagen: nicht regieren, wenn andernfalls alle Prinzipien über Bord geworfen werden, um regieren zu können. Denn was bleibt dann, wenn regiert wird? Nichts, was ausreichend links und radikal (böses Wort 😉) wäre, um zu beweisen, dass regieren und Linkspartei eine gute Sache ist. </p><p>Abgesehen von meiner Meinung ist das ist aber grundsätzlich auch eine Frage, die sich um die großen Begriffe von Sozialismus und Kommunismus dreht, jedenfalls wenn man regieren konsequent denkt. Somit landen wir in Sekunden bei den Negativbeispielen des real existierenden Sozialismus in Staatsform, bei Stalin und der DDR. Linke sind dabei fast ausschließlich damit beschäftigt zu versuchen, die Begriffe Sozialismus und Kommunismus so zu definieren, dass diese Negativbeispiele nicht immer wieder gegen uns verwendet werden können. Wir scheitern daran natürlich, denn die Negativbeispiele zu real und wir verlieren uns in theoretischen Diskussionen. Wir haben keine Antwort auf die Frage „wie gestalten wir Sozialismus und Kommunismus ganz konkret?“, ohne zwangsläufig wieder mit diesen historischen Schlaglichtern konfrontiert zu und von der Geschichte eingeholt zu werden. Wir bleiben die Antwort schuldig, wie wir das verhindern wollen, aber wir kommen nicht auf die Idee, diese Begriffe einfach mal für einen Moment beiseite zu legen, eventuell bei 0 zu starten und völlig neue Dinge zu denken, was ja vielleicht eine gute Antwort jenseits belasteter Geschichte und Begriffe ergeben könnte.</p><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">unterstützt meine Arbeit</a></p><p>Unter anderem auch wegen dieser fehlenden Antwort und der Geschichte, ist die Frage von „wollen Linke Regierung oder dürfen Linke das gar nicht wollen?“ meiner Meinung nach solch ein linker Knackpunkt. Wenn wir sie mit <em>ja</em> beantworten, kommt zwangsläufig immer irgendwer mit der Frage nach Sozialismus und Kommunismus, Stalin, der UdSSR und der DDR. Außerdem ist es mehr als relevant im Blick zu behalten, was alles über Bord geworfen wird, um zu regieren und ich verstehe Stimmen, die sagen „zu viel“ (gerade aktuell liefert die Linke Partei gute Beispiele dafür, leider). Die Frage „dürfen wir das überhaupt wollen?“ finde ich ebenfalls eine sehr spannende, auf die ich keine Antwort habe, aber das nur am Rande. Wenn wir mit <em>nein</em> bezogen auf Regierung antworten, führt das aber zum 1. Teil meines Textes. Denn in diesem Fall versagen wir in der Rolle, die dann bleibt und ausgefüllt werden muss, die der parlamentarischen Opposition so richtig. Als Opposition sind Linke aktuell extrem wirkungslos, egal ob im Bund, auf EU-Ebene oder der Straße. Vielleicht halten wir symbolisch linke Positionen in Reden hoch, kriegen genug Unterschriften für eine weitere Petition zusammen, versammeln hier und da 500 Menschen auf den „Es reicht – Demos“ der Linken (Partei), aber das hat quasi 0 Effekt auf verabschiedete Gesetze und das Handeln der Regierung auf Bundes- und EU-Ebene. Vielleicht können wir hier da irgendeinen Begriff erstreiten, eine andere Formulierung, vielleicht gibt es immer mal empörte Berichterstattung über Spahns Masken, aber ist es das, was wir wollen bzw. ist es das, was nötig und irgendeiner Form am Ende des Tages relevant ist und einen Unterschied macht? Diese Frage, gestellt im Sommer 2026, nicht in akademischen Diskursen auf abstrakten Ebenen und die Antwort erfordert das Sehen der Realität und Anerkennung von Fakten. Mir reicht das definitiv nicht und mir ist das ganz sicher nicht genug auch gemessen an dem, was ich an Arbeit, Nerven, Zeit und sonstigen Kapazitäten seit Jahren in politische Arbeit und Aktivismus stecke, i.d.R. unbezahlt und somit verschärfend für die eigene Lebenssituation. Ich habe meinen Traum aufgegeben, meinen Traumjob und das Leben, das ich hatte und auch wenn ich viel gewonnen habe, inklusiver toller Menschen, vermisse ich das „davor“. Ich möchte also definitiv mehr und aktuell sehe ich nicht, wer mir dieses „mehr“ geben kann.</p><p><em>Gebe ich auf?</em></p><p>Ich bin aber nun mal Bewegungsmensch, ich liebe und brauche Bewegungen als den Ort für mein politisches Arbeiten und als Ort für alle möglichen emotionalen Belange. Bewegung gibt Kraft, fängt auf, motiviert, lässt weitermachen, gibt Handlungsoptionen…Aktuell bietet mir diese Bewegung, die natürlich kein einheitliches, fixes Gebilde ist, zunehmend weniger Raum und Möglichkeiten, um meine Bedürfnisse in und mit ihr zu erfüllen. Wir frustrieren uns gegenseitig und halten uns nur noch(?) aus. Da ich aber noch nicht bereit bin, es aufzugeben (dafür ist es mir zu wichtig und es ist zu relevant, ganz abgesehen von mir und meinen Bedürfnissen), werde ich auch weiterhin nerven, ziehen und zerren. Dabei merke ich allerdings auch mehr und mehr wie unerwünscht Kritik ist und dass der Umgang damit Ignoranz, Schweigen, nicht reagieren ist. Das könnt ihr gerne machen, eigentlich bestätigt es aber nur meine Kritikpunkte, denn wenn nicht mal mehr eine Auseinandersetzung und Streitgespräche möglich sind, wenn es kein Ringen um Positionen und Richtungen gibt und andere Meinungen in der Debatte ignoriert oder als „keine*r mehr von uns“ markiert werden, weil offensichtlich einer Seite Argumente fehlen oder die Angst vor Widerspruch und Streit zu groß ist und dadurch das Streben nach Harmonie und Anschlussfähigkeit zur „Gesellschaft“ gestört wird, spricht das nicht für eine radikale, vielfältige, starke und selbstbewusste Linke (und es sorgt auch nicht dafür, dass ich ruhig bin) 😉 . In diesem Sinne auf solidarisches Streiten und Ringen im Sinne von echter linksradikaler Bewegungsarbeit in all ihrer möglichen Vielfalt und Schönheit.</p><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">Abo-Pakete</a></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Mon, 22 Jun 2026 08:00:45 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Nice to meet you @HEAT]]></title>
      <description><![CDATA[Unser 1. HEAT steht bevor: dazu einmal mehr herzliche Einladung an euch. Heute geht es um das, was schon möglich ist + das, was wir dieses Jahr noch nicht leisten können.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/530e7273-0098-4ecd-818e-64889a574a9e/uploads/images/ks5c5ein2c/neon-sign-001-129.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="pinker Neon-Schriftzug: nice to meet you mit einem Herz und einem lachenden Smiley"/><p>Wir, als eine vierköpfige Politgruppe, starten dieses Jahr mit im Kern drei weiteren Menschen ein neues Projekt – unser <a href="https://mutualaidheat.de/">Mutual Aid HEAT</a>. Das ist ein Projekt, dass wir nicht nur einmal veranstalten, sondern auch in den kommenden Jahren anbieten wollen, weil es uns am Herzen liegt, weil wir daran glauben und viel Potential darin sehen. Diese langfristige Ausrichtung bedeutet, dass es im 1. Jahr auch ein bisschen ein Testballon ist, für den wir Feedback brauchen um die Lücken, die es natürlich gibt, zu füllen und zu verbessern, woran wir dieses Jahr vielleicht noch scheitern. Mein Blogtext diese Woche dreht sich deshalb um zwei Dinge: einerseits ist er nochmals eine herzliche Einladung an euch, bei uns dabei zu sein und uns mitzuteilen, wie wir das für euch möglich machen können. Andererseits ist er ein Versuch zu zeigen, was wir bereits für die 1. Auflage möglich machen können und wo Barrieren bestehen bleiben werden.</p><p><em>Was geht, was geht (noch) nicht</em></p><p>Wir sind durch den Ort und die Art der Veranstaltung mit bestimmten Bedingungen konfrontiert. Wir organisieren ein Camp, d.h. am Zelt und entsprechenden Campingbedingungen wird kein Weg vorbeiführen. Es werden nicht alle Wege asphaltiert und/oder eben sein, es wird Bereiche geben, die nur über Stufen zugänglich sind. Aber mit einer Supportperson ist sicher einiges machbar und unser Logistikteam steht bereit, ganz konkret und im Einzelfall zu klären, ob eine Teilnahme für euch z.B. auch mit einem Rollstuhl möglich ist. Wir werden für die An- und Abreise ab/zur der letzten ÖPNV – Haltestelle dafür sorgen können, dass Gepäck und bei Bedarf auch Menschen geshuttled werden können, so dass ihr alle das Camp erreichen könnt.</p><p>Ein Trainingslager, wie wir es im Sinn haben, wird nicht unbedingt mit einem Klimacamp vergleichbar sein. Deshalb ist es nicht für den Familienurlaub mit Kindern geeignet, was auch aus Versicherungsgründen nicht abdeckbar ist. Hunde bitte ebenfalls zu Hause lassen, denn während der Szenarien können Situationen entstehen, in denen Hunde unerwartet reagieren könnten und ich als Hundemensch bin sowieso immer dafür, Tieren unnötigen Stress zu ersparen. Wir setzen auf viele praktische Übungen in kleinen Gruppen und die Szenarien, die am Wochenende das Ganze abrunden, sollen Teilnehmende natürlich bis zu einem gewissen Punkt Stress aussetzen. Wir können Katastrophen nicht simulieren und hoffen, dass wir alle möglichst davon verschont bleiben, aber wir wollen auch lernen, wie es sich unter Stress anfühlt, zu handeln – was funktioniert, was funktioniert nicht, was sind die Schwierigkeiten, die dann aufkommen. Gerade das wird vermutlich ein wichtiger Lerneffekt des Ganzen sein, denn natürlich kann und will ein Training nicht dafür sorgen, dass Menschen perfekt auf alles vorbereitet sind. Es soll Grundlagen vermitteln und Ansatzpunkte, um weiterzuarbeiten, das Wissen zu teilen und gemeinsam an vielen Orten etwas aufzubauen. Auch das ist ein Aspekt, den wir im Blick haben, wenn wir dieses langfristige Projekt starten – es könnten zukünftig Trainings für Menschen mit Vorwissen angeboten werden, ebenso wie andere thematische Schwerpunkte (z.B. Energie- und Wasserversorgung). Das Mutual Aid Heat ist sozusagen work in progress und kein fertiges Endprodukt, das frei von Fehlern und Verbesserungsmöglichkeiten ist.</p><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">unterstützt meine Arbeit</a></p><p>Ein weiterer Punkt, zu dem wir immer wieder Nachfragen bekommen, ist das Thema von Vorkenntnissen – nein, es sind keine erforderlich und auch für das Selbstschutz-Training ist es nicht notwendig, dass Teilnehmende besonders fit und athletisch sind. Ich bin absolut nichts davon und auch ich werde an diesem Training teilnehmen 😉 Es geht uns darum, Menschen Grundlagen zu vermitteln, denn im Falle einer Katastrophe sollen ja möglichst viele Menschen agieren können, um anderen zu helfen und solidarisch die Situation durchstehen zu können.</p><p>Wir werden es schaffen, dass voraussichtlich drei, im besten Fall alle vier Trainings in deutscher und englischer Sprache angeboten werden, so dass wir offen sind für internationale Teilnehmer*innen, von denen sich auch schon einige angemeldet haben. Für mich sowohl aus Sicht des Orga-Teams, als auch mit Blick einer teilnehmenden Person ist der Selbstschutz-Strang ein großer Quell der Freude, und zwar nicht nur was die Trainingsinhalte angeht. Speziell mit diesem Training möchten wir in erster Linie und ganz gezielt queere Menschen ansprechen, die bereits von Gewalt betroffen und bedroht sind und deshalb können wir all gender, flinta* und TIN-Trainingsgruppen anbieten und durch die Trainer*innen sicherstellen, dass entsprechende Bedürfnisse individuell berücksichtigt werden können. Wir wissen, dass auch people of colour und Menschen mit Fluchterfahrungen bereits vielfach bedroht und gewaltbetroffen sind. Wir wären sehr froh, auch dieser Tatsache Rechnung tragen zu können, haben aktuell aber noch keine Trainer*in, um das anzubieten. Wenn ihr jemanden wisst oder euch das selbst vorstellen könnt, meldet euch bei uns. Das gilt auch, wenn ihr an einer entsprechenden Trainingsgruppe interessiert seid. Helft uns gerne, auch das noch umzusetzen.</p><p><em>Emotional Care</em></p><p>Da uns bewusst ist, dass Menschen auf Stress reagieren, gehen wir natürlich nicht leichtfertig in dieses Trainingslager. Im Orga-Team selbst erarbeiten wir ein Konzept, um emotionale Arbeit und Awareness nicht nur von außen durch eine externe Struktur abzudecken, sondern um eingebunden in das Gesamtkonzept sicherzustellen, dass sich Teilnehmer*innen, ebenso wie Trainer*innen und Rollenspielende jederzeit einer bestimmten Situation entziehen können, dass sie Ansprechpersonen finden und mit dem, was so ein Training mit sich bringt, emotional aufgefangen werden. Wir werden mit Rollenspieler*innen arbeiten, die ebenfalls vorbereitet auf das Camp kommen werden und wir werden klare Regeln aufstellen, was die Interaktion von Teilnehmenden und Rollenspielenden im Rahmen der Szenarien angeht, damit es für alle eine positive und sichere Erfahrung wird. Wir lassen uns leiten vom Konzept eines braver – Spaces. Wir tun das, weil es unserem Verständnis nach bereits die namengebende Intention eines HEATs (Hostile Environment Awareness Training) unmöglich macht, safe(r) spaces umzusetzen. (*Einen kleinen Exkurs dazu packe ich ans Ende dieses Textes.)</p><p>Wir planen die Abende ganz bewusst als Möglichkeiten zur Gemeinschaftsbildung, zum Zusammenkommen und zum gemeinsamen Austausch auch über das, was jede*r in ihrem Training erlebt hat. Es wird abends gleichermaßen um Geschichten von Menschen gehen, die Kollaps in unterschiedlichen Formen bereits erlebt und im Kollaps gehandelt haben, aber auch um Vorbereitung auf das Wochenende, damit keine*r einfach so in eine Stresssituation geworfen wird. Es wird bewusst keine Party stattfinden und für den Fall einer Bar (diese Frage ist noch nicht geklärt) wird diese nur weichen Alkohol ausschenken und nur bis 22:00 geöffnet sein. An den Tagen der Szenarien wird die Bar komplett geschlossen bleiben. Der Sonntag dient allein einer ersten Reflexion, dem gemeinsamen „Herauskommen“ aus dieser Erfahrung und auch im Anschluss an das HEAT selbst, werden wir diese Möglichkeit in irgendeiner Form schaffen und ansprechbar sein. Der Ort und die Umgebung selbst bieten Möglichkeiten, auch mal für sich zu sein und etwas Ruhe zu haben, aber wenn ca. 300 Menschen zusammen sind, wird es nicht ohne Lärm, ein gewisses Gewusel und hier und da etwas Hektik gehen.</p><p><em>HEATs for future 😉</em></p><p>Mit Blick auf weitere HEATs in den kommenden Jahren haben wir schon begonnen, uns konkret dem Punkt unserer Leerstellen und dem, was wir dieses Jahr noch nicht möglich machen können zu widmen. Wir gehen in Gespräche mit einer Rassismusberatung, um - angefangen von Sprache über die Gestaltung der Website bis zur Zusammensetzung des Orga-Teams - zugänglicher für people of colour zu werden. Da gibt es einige Aspekte, die wir mit einer überarbeiteten Website schon relativ zeitnah umsetzen werden. Wir holen uns Feedback zum Barriereabbau und den damit zusammenhängenden Bedürfnissen z.B. bezogen auf Menschen mit eingeschränkter Mobilität oder Sehbehinderungen und gehen dafür in Kontakt mit entsprechenden Verbänden. Das alles braucht Zeit und Kontaktaufbau, so dass wir momentan bereits damit beginnen, auch wenn die Umsetzung vermutlich erst ab dem nächsten HEAT möglich sein wird.</p><p><em>Zusammenkommen und lernen</em></p><p>Am Ende möchten wir, dass alle mit einem guten Gefühl und Erfolgserlebnissen nach Hause fahren, mit Bock auf mehr und mit der Sicherheit, etwas gelernt zu haben, was einsetzbar ist für sich selbst, für und mit anderen. Das gilt für die Teilnehmer*innen genauso wie für uns als Orga-Team mit Blick auf die weiteren HEATs. Dieses Jahr gibt es Ausgabe 1 eines völlig neuen Konzepts von Aktivismus und dabei werden wir Fehler machen, Barrieren haben und Lücken nicht füllen können. Nächstes Jahr folgt Ausgabe 2 und die wird auch vom Feedback leben, das ihr uns gebt, im besten Fall natürlich nach einer Woche zusammen in Brandenburg. Deshalb: fühlt euch eingeladen und meldet euch bei uns, wenn ihr Lust habt, dabei zu sein, aber auch, wenn ihr noch unsicher seid, ob es für euch passt. Das finden wir gerne gemeinsam mit euch raus und wir versuchen, so viel wie möglich hinzubekommen, 2026 und in den nächsten Jahren</p><p>*Exkurs:</p><p><em>Was sind braver spaces?</em></p><p>Braver Spaces sind Räume mutigen Lernens, „in denen wir zwar Verletzungen manchmal nicht verhindern können, aber darauf vertrauen können, dass es die Bereitschaft und erprobte Formen dafür gibt, sich kollektiv mit diesen Erfahrungen auseinanderzusetzen“ (Koktis/Thuswald). Solche Räume können den Dialog fördern, insbesondere zu herausfordernden Themen. Um solch einen Raum zu ermöglichen, ermutigen wir Menschen, die teilnehmen und mit uns diese Woche erleben wollen, die folgenden Punkte zu berücksichtigen:</p><p>Jede Person bemüht sich darum, ein Bewusstsein über die eigenen Vorurteile, Annahmen, Intentionen und Voreingenommenheit zu schaffen. Dabei ist die eigene Selbstreflexion besonders wichtig.</p><p>Jede Person behält Offenheit gegenüber Neuem und hat den Willen zuzuhören, zu lernen und zu verstehen.</p><p>Jede Person erkennt die Lebensrealitäten, Stärken und Beiträge der anderen an und wertschätzt sie.</p><p>Jede Person übernimmt Verantwortung für ihr eigenes (Un-)Wissen, Lernen und Handeln.</p><p>Jede Person hinterfragt nur Ansichten – nicht Menschen.</p><p>Jede Person erlebt Situationen unterschiedlich – das bedeutet, jede Person versucht, in „sowohl als auch“ statt „entweder oder“ zu denken.</p><p>Wenn es dennoch zu Verletzungen kommt, möchten wir euch dazu ermutigen, aufeinander zuzugehen, sie anzusprechen und darüber ins Gespräch zu kommen. Dabei erfordert es auch Mut, sich verletzlich zu zeigen und Feedback anzunehmen. Wenn euch das allein nicht möglich ist oder schwerfällt, unterstützten wir euch zusammen mit unserem Awareness-Team gerne dabei.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Kontakt: <a href="http://mutualaidheat.de/">mutualaidheat.de</a> oder <a href="mailto:kontakt@mutualaidheat.de">kontakt@mutualaidheat.de</a></p><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">Abo - Pakete</a></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 17 Jun 2026 13:26:30 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Alles neu macht das HEAT?]]></title>
      <description><![CDATA[Es geht nicht mehr zwangsläufig um das Verhindern von Szenario X, sondern um das Ermöglichen und Erhalten von Handlungsoptionen, wenn Szenario X eintritt. ]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/75342985-7cf0-47ec-8f02-4ec96036c5b1/uploads/images/pmreexyb5h/let%27s-try-something-new-stay-home-poster-design-template-34174ae09e1ac2b21c7b26fb0802a593_screen.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="lila Hintergrund, Schrift: let&#39;s try something new"/><p>Wenn es um unser im September stattfindendes <a href="https://mutualaidheat.de/">Mutual Aid HEAT</a> geht, gibt es einerseits ganz viel zu erzählen, weil wir Dinge neu und anders versuchen und deshalb immer wieder darüber reden. Was es andererseits noch nicht zu erzählen gibt, sind Erfolgsgeschichten und Erlebnisberichte. Der Grund ist derselbe – es ist neu, es ist – wie das erste Kollapscamp 2025 – ein Versuchsballon und im besten Fall ein Auftakt für Weiteres, angepasst, weiterentwickelt und verändert nach dem Ausprobieren – wie es eben das HEAT im Verhältnis zum Kollapscamp ist.</p><p>Mit dem HEAT wollen wir nicht nur die entstehende, aber gerade sehr stagnierende Kollapsbewegung um einen wichtigen Punkt erweitern und mehr Angebote schaffen, die über die emotionale Auseinandersetzung und theoretischen Austausch über Begriffe hinausreichen. Das braucht es, denn in Zeiten von Kollaps sind das Handeln und somit Handlungsfähigkeit die wesentlichen Aspekte, ohne die es keine Bewegung geben kann. Wir wollen ebenfalls einen Punkt setzen in der Diskussion über „Aktivismus“, denn auch wenn es dafür keine einheitliche Checkliste und Definition gibt, sind wir der Meinung, dass wir hier mindestens eine Erweiterung des Spektrums brauchen, weil „Aktivismus“, wie er gerade ist, an Grenzen stößt und deshalb nicht mehr funktioniert. Wir brauchen eine neue Form von Aktivismus und das ist ein wesentlicher Punkt, der hinter der Idee und der Umsetzung des HEAT steckt und der dafür verantwortlich ist, dass wir über mehr als ein Wochenende reden, dass Teilnehmende und Trainer*innen 7 Tage vor Ort sein müssen und dass die Ticketpreise bei 300 – 400 € liegen.</p><p><em>Warum etwas Neues machen?</em></p><p>Aktivismus, wie ihn die meisten von uns praktizieren und kennen, findet am Wochenende statt, mit großer Mobi-Arbeit im Vorfeld und vorgeplanten Aktionen, auf die sich neben uns auch Cops und eventuell bedrohte Konzerne und Firmen vorbereiten. Diese Form hat für mich weiterhin ihre Berechtigung und durchaus eine Relevanz – wenn wir ein paar Dinge ändern. Es braucht ehrlichen Austausch über Sinn und Unsinn, Möglichkeiten und Grenzen von Aktionsformen. Strategiediskussionen sollten auf der Realität basieren, ergebnisoffen sein, was Mittel und Möglichkeiten betrifft. Kommunikation muss aufhören, Luftschlösser in den Hopiumvernebelten Himmel zu schreiben. Solange das nicht passiert, ist der aktuelle Aktivismus für mich größtenteils lediglich noch Aktionismus um seiner selbst willen. Ich bin jederzeit gerne bereit, Infrastruktur und Nazis zu blockieren, weil es sich verdammt nochmal gut anfühlt. Ich möchte das aber nicht mehr tun, wenn wir unsere selbstgesteckten Ziele nicht erreichen können, weil sie von Anfang an unmöglich zu realisieren sind. Komme ich mit in eine Blockade, wenn wir mit 50 Menschen 1 Tag die Panzerproduktion bei Firma X blockieren wollen? Natürlich!Wenn wir mit 3961 Leuten Nazis die Anreise so schwer wie möglich machen und sie gehörig nerven wollen? Jederzeit! (<a href="https://widersetzen.com/erfurt/">Widersetzen, 4.7. Erfurt</a> – den Parteitag können wir vermutlich nicht verhindern, aber ihn zum beschwerlichen Desaster machen.) Denn beides ist möglich, beides sind Erfolgserlebnisse, die wir gemeinsam erreichen können und nach beiden Aktionen nehmen wir eine gewisse Euphorie mit und Bock, das zu wiederholen, statt uns unterkriegen zu lassen. In beiden Fällen können wir ohne Selbstbetrug davon reden, unser Ziel erreicht zu haben.</p><p>Mache ich das, wenn wir den Gaseinstieg oder die Neugründung der Hitlerjugend verhindern wollen? Nein, weil wir nicht über Mittel und Wege reden, die das tatsächlich erreichen oder zumindest wahrscheinlicher machen könnten! Weil wir uns mit solchen Vorgaben selbst verarschen, so lange wir weitermachen wie bisher und daran nur scheitern können, egal wie viel Kraft wir aufwenden und welche Konsequenzen wir eventuell auf uns nehmen. Ich möchte nicht mehr scheitern, nicht mehr für ein Symbolbild von Cops verprügelt werden (denn auch diese Bilder haben inzwischen ihre Wirkung verloren) und nach 1 Jahr Knast keine einzige Nacht mehr hinter Gittern verbringen, wenn es nicht wirklich zählt und Konsequenz von etwas ist, das einen Unterschied gemacht hat! Und ich möchte mich auch im Anschluss an solche Aktionen nicht mehr selbst belügen und das Ganze als Erfolg feiern, obwohl der Gaseinstieg unbeeindruckt weiterläuft, weil die Verzierung einer zukünftigen Baustelle für ein Gaskraftwerk mit Solarpaneelen dieses Gaskraftwerk eben nicht verhindert und weil uns die Hitlerjugend lediglich zwei Stunden verzögert heimsuchen kann.</p><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">support my work</a></p><p>Diese Form von Aktivismus muss meiner Meinung nach ehrlich gemacht werden und die Realität als Ausgangspunkt und Erfolgsmaßstab nehmen, denn dann kommt Sinn und Relevanz zurück. Aktivismus, der dafür kämpft, dass manches besser und vieles vielleicht weniger schlimm wird, ist nötig, heute mehr denn je, denn aufgeben ist für mich weiterhin keine Option. Diese Ansprüche erfüllt ein Großteil der aktuellen Praxis aber leider nicht mehr.</p><p><em>Was ist neu?</em></p><p>Da ich mir aber des Kollaps bewusst bin, in dem wir bereits auf viele große und kleine Arten stecken und dessen Fortschreiten auch nicht mehr zu verhindern sein wird (NEIN, den Knopf oder die Weggabelung, die uns zu einer heilen Welt und dem guten Leben für alle führt, existiert nicht mehr), braucht es mindestens eine weitere Form von Aktivismus. Diese zielt nicht zwangsläufig auf das Verhindern von Szenario X ab, sondern auf das Ermöglichen und Erhalten von Handlungsoptionen, wenn Szenario X eintritt. Das ist die Form, die wir mit dem HEAT umsetzen wollen: Menschen Wissen und Fähigkeiten vermitteln, dass einsetzbar ist. </p><p>Die Vorteile liegen für mich auf der Hand. Wenn das Studium vorbei ist, wir im Job stecken und/oder Familie haben, wird es oft schwer, in Aktionen zu gehen, weil eventuell GESA von unbekannter Dauer droht, vielleicht juristische Konsequenzen oder prügelnde Cops, weil das Risiko stetig wächst und wir immer schwerer abschätzen können, was passiert, wenn wir offen und angekündigt irgendwas blockieren usw. Wir verlieren auch deshalb Menschen, weil eine bestimmte Form von Aktivismus für viele irgendwann nicht mehr passt, nicht mehr möglich ist. Es ist einfacher, sich 1 Woche Urlaub zu nehmen, um ein Training zu besuchen und es ist möglich, dass dort Erlernte im Alltag anzuwenden, an allen 365 Tagen im Jahr und nicht nur an 2 Aktionstagen, zu Hause, ohne Anreise und auch ohne Rüstungsfabrik oder Gaskraftwerk vor der Tür. Diese Form von Aktivismus kann ihren Raum finden in den Gruppen, in denen Menschen bereits engagiert und organisiert sind – ob es die lokale Leserunde, der Verein der Blumenzüchterinnen, die Klima- oder Antifa-Struktur ist. Es braucht keine weiteren Gruppen, die Zeit im Terminkalender erfordern und Menschen, die sie ins Leben rufen und am Laufen halten. Bei drei Treffen im Monat könnt ihr weiter Bücher lesen oder Blumen pflanzen, beim vierten befasst ihr euch mit 1.Hilfe oder Sprechfunk und im Notfall könnt ihr etwas tun und erreicht damit ohne Mobi und Social Media – Kampagne ganz viele Menschen, die euch Bücherwürmer bisher belächelt haben und um nichts in der Welt irgendwas vom Klima hören wollten. Ihr erreicht sie, weil ihr helfen und konkret etwas tun könnt, wenn es nötig wird, weil ihr das entsprechende Wissen habt und Dinge vorher geübt habt.</p><p>Die Realität zwingt uns ebenfalls zu anderem Aktivismus. Denn die Realität mit ihren diversen Kollapsszenarien tritt ein und es bleibt keine Zeit für eine Mobi-Kampagne, Aktionstrainings und Anreisen vom anderen Ende des Landes. Wenn der Strom ausfällt, Nazis durch die Straßen ziehen, queere Menschen bedroht und angegriffen werden, passiert das überall und ständig. Wenn wir reagieren oder gar agieren wollen, können wir das nur, wenn wir bereits vorbereitet sind und direkt handeln können. Wenn ich zu den aktuellen Pogromen in Belfast schaue, hoffe ich, dass es Menschen gibt, die sich schützend vor Häuser stellen, um Angriffe zu verhindern, Menschen, die Leuten raushelfen, wenn es brennt, die sie mit Essen versorgen können usw. Damit das möglich ist, müssen Menschen wissen, wie Schutz und Essensversorgung funktionieren. Wenn ich durch meine Heimatstadt in Thüringen laufe und inzwischen immer mal wieder beschimpft und bedroht werde, MUSS ich wissen, wie Selbstverteidigung funktioniert und wenn ich weiß, dass das nächste Hochwasser nur eine Frage der Zeit ist, würde ich mich zumindest ein wenig besser damit fühlen, wenn ich wüsste, was ich beitragen kann, um im Fall der Fälle nicht im Weg zu stehen, sondern zu helfen. Das alles braucht aber keine Aktionstrainings, es braucht Trainings und Strukturen, wie wir sie im Sinn haben, wenn wir gerade rund um die Uhr versuchen, das Mutual Aid HEAT zu organisieren. Vor dem, was kommt und teilweise bereits IST, schützen uns leider keine Baggerblockaden und keine Solarpaneele auf einer zukünftigen Baustelle mehr (und glaubt mir, ich wünschte, es wäre anders).</p><p>Falls ihr mir in dieser Analyse zustimmt und jetzt Bock habt, mit uns gemeinsam eine neue Form von Aktivismus zu versuchen, meldet euch bei uns und kommt zum <a href="https://mutualaidheat.de/">HEAT</a>. Wir kriegen es nur gemeinsam hin.</p><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">Abo - Pakete</a></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 11 Jun 2026 15:32:34 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Ende Gelände – und jetzt?]]></title>
      <description><![CDATA[Die erneute Massenaktion von Ende Gelände ist nun Geschichte. Die Frage ist, was machen wir jetzt damit? Was machen wir mit Ende Gelände und dem zivilen Ungehorsam?]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Die erneute Massenaktion von Ende Gelände ist nun Geschichte. Die Frage ist, was machen wir jetzt damit? Was machen wir mit Ende Gelände und dem massenhaften zivilen Ungehorsam, der mal das Potential hatte, wirklich etwas zu erreichen?</p><figure><a href="https://flic.kr/ps/33mCMz"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/29de259f-3129-4c96-ba00-7634bb5ac49e/uploads/images/skpfahmvn7/55302839523_941bea7447_c.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Menschen halten ein grünes Banner mit der Aufschrift &quot;Gas ist Gewalt&quot; im Rahmen der Ende Gelände Massenaktion 2026"/></a><figcaption>Foto @EndeGelände, Massenaktion 2026, grüner Finger</figcaption></figure><p><em>Die Fakten</em></p><p>Es sind 5 Finger in Aktion gegangen, ungefähr 1500 Menschen sind dem Aufruf von Ende Gelände gefolgt und haben sich an den Aktionen des zivilen Ungehorsams beteiligt. Zur Großdemo am Samstag liegt die Wahrheit zu den Teilnehmer*innen wohl irgendwo zwischen 3000 – 5000. Es konnte 1 Schicht beim u.a. Panzerstahl produzierenden deutsch-französischen Rüstungsunternehmen KNDS verhindert werden. Beim Pipeline-Hersteller Europipe, einer der weltweit führenden Fertigungsstätten für Großrohre aus Stahl, die für globale Energie- und Wasserstoffinfrastrukturen benötigt werden, konnten für mehrere Stunden Schienen blockiert werden, so dass fertige Produkte nicht abtransportiert werden konnten. Ob bzw. wie viele Züge dadurch verzögert wurden, wäre noch eine Frage, die eine gewisse Relevanz besitzt. Das Betriebsgelände eines Uniper-Kraftwerkes konnte ebenfalls „erobert“ werden und mitgebrachte Solarpanele dienten einer symbolischen Aktion. 2 weitere Finger waren hauptsächlich <em>unterwegs</em> und hatten mit Polizeischikanen zu kämpfen. Der Höhepunkt der Demo am Samstag in Form eines Weltrekords (2000 Menschen formen ein Windrad) ist einfach nur peinlich und sollte verschwiegen, statt gefeiert werden, wenn man auszog, den Kapitalismus zu zerstören.</p><p>Hervorzuheben bleibt, dass es gut gelungen ist, internationale Gäste auf das begleitende Camp einzuladen, die aus 1. Hand berichten konnten, welche Auswirkungen fossile Brennstoffe und Kriege auf ihr Leben und ihre Heimat haben. (Sollte es bei einer Massenaktion zivilen Ungehorsams aber darum gehen?) Es war ebenfalls ermutigend zu sehen, dass andere internationale Akteur*innen Ende Gelände wieder willkommen heißen, dass Greta vor Ort war (auch wenn nicht mal das noch für Schlagzeilen sorgt) und die erklärte Palästina-Solidarität inzwischen auch ganz praktisch immer wieder sichtbar, die entsprechende öffentliche Positionierung also mit Leben gefüllt wird. Es hat funktioniert, Gas und Krieg/Militarisierung zu verknüpfen und somit Verbindungen zwischen Kämpfen für Klimagerechtigkeit, gegen Fossile und die dramatisch voranschreitende Militarisierung aufzuzeigen und herzustellen.</p><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">support my work</a></p><p><em>Ein Fazit</em></p><p>Über diese Massenaktion zu sprechen, bedeutet aber auch, ein realistisches Fazit zu ziehen und die Frage nach dem „und nun?“ durchaus kritisch zu stellen, jenseits von vorbereitetem Pressesprech. Und ich weiß, dass das nicht gern gehört wird, ersparen kann ich es uns aber trotzdem nicht. Ende Gelände hat massiven Aufwand betrieben für diese erneute Massenaktion, ganze AGen mussten wiederbelebt und neu gestartet werden, es gab Mobi-Veranstaltungen, eine Speaker*innen-Tour, Plakate, Flyer, Social Media…Da wurde über Monate großartige Arbeit geleistet. Und es waren 1500 Menschen in Aktion…es waren nur 1500 Menschen in Aktion. Kritik richtet sich definitiv nicht an Ende Gelände und die dort geleistete Arbeit und nicht an die Menschen in Aktion. Kritik richtet sich aber sehr wohl dann an Ende Gelände und uns alle, wenn wir jetzt nicht endlich eine ehrliche und realistische Auseinandersetzung anfangen zum Thema „Aktionsformen, Massenaktion, öffentliche Ankündigung“, wenn wir nicht endlich der Realität Rechnung tragen, dass wir es nicht mehr mit riesigen Tagebauen zu tun haben, die ein so unfassbar relevanter Teil unserer Erfolgsgeschichte mit unserem Aktionsformat waren, wenn wir Dinge weiterhin schön reden, weil die Wahrheit wehtut und anhand der ausgegebenen Slogans zwangsläufig Scheitern bedeutet. Warum tun wir uns das selbst immer wieder an? Nein, wir haben der Regierung nicht deutlich klar gemacht, dass wir ihre Pläne nicht hinnehmen! Wir haben Frau Reiche keinen Angstschweiß auf die Stirn gezaubert! Wir haben keine Drohkulisse aufbauen können, die dafür sorgt, dass Gasausbau und Militarisierung nicht wie geplant weitergehen werden! Wir haben auch nicht die Wiedergeburt einer neuen, starken Klimabewegung gesehen, die aus 1500 oder meinetwegen 5000 Menschen besteht! Es ist nicht so, dass wir all das nicht versucht und nicht ganz viel Kraft dafür aufgebracht haben. Wir haben aber keine Hebel – weder in Form von Menschen noch in Form von Aktionsformen. Wir können so weitermachen. Wir sollten es aber nicht, weil wir dadurch selbst unseren eigenen burnout, aber sicher nicht den der Fossilen vorantreiben. Wir müssen endlich über Hebel reden bzw. über das Fehlen dieser und darüber, wie wir diese schaffen können. Ja, auch über den Preis und die Kosten, die damit vielleicht verbunden sein könnten. Aber es ist ja nicht so, dass wir bei einer nüchternen Kosten-Nutzen-Bilanz momentan schwarze Zahlen schreiben würden…</p><p><em>Wisst ihr noch, damals…?</em></p><p>Ich bin so alt und so lange dabei, dass ich mich noch erinnere, wie es sich anfühlte, als der Ticker nicht hinterher gekommen ist mit dem, was alles passiert ist, mit Fingern und ihrer Dynamik, mit Entwicklungen im Minutentakt, so dass es uns im Presseteam kaum möglich war, Journalist*innen rechtzeitig an alle Orte des Geschehens zu bringen, weil so viel gleichzeitig passierte, weil aus 5 Fingern manchmal 7 oder 8 wurden. Ich kann mich noch erinnern, wie es war, als Polizist*innen auf uns reagierten und überfordert waren, weil sie chancenlos waren, als RWE Vorbereitungen treffen musste, wenn Ende Gelände kam, als Partys in Tagebauen gefeiert wurden, parlamentarische Beobachter*innen erzwingen mussten, dass Wasser und Essen in Blockaden gelassen wurde, als gestoppte Finger spontan neue Aktionsziele angegriffen haben und zu spontanen Blockaden für Cop-Nachschub wurden, als ins Camp zurückkehrende Finger gefeiert wurden und der Weg zurück ein Erlebnis im glückseligen Freudentaumel und Adrenalinrausch war, als tagelang über Ende Gelände berichtet wurde und wir unseren eigenen Mythos geschaffen haben. Es liegt nicht an uns, dass das jetzt nicht mehr so funktioniert, sondern an veränderten Bedingungen von außen. Es liegt aber definitiv an uns, wenn wir uns diesen veränderten Bedingungen nicht anpassen, nicht anpassen wollen und stattdessen so tun, als hätten wir noch 2018. Wir müssen aufhören, unseren eigenen Mythos und uns selbst zu sabotieren, statt Dinge, bei denen das wesentlich sinnvoller wäre 😉</p><p>Also:</p><p>1.       DANKE Ende Gelände!</p><p>2.       Wann und wo treffen wir uns für eine ehrliche Strategie- und Taktikdiskussion, weil <em>smash symbolism</em> momentan unser erkorenes Ziel sein muss, ehe es mit <em>smash capitalism</em> und <em>end fossil fuels</em> auch nur irgendwas werden kann.</p><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">Abo - Pakete</a></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Tue, 02 Jun 2026 08:41:11 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Warum wir über die RAF reden und Solidarität mit Daniela Klette…]]></title>
      <description><![CDATA[Wo ist die viel beschworene Solidarität mit politischen Gefangenen, die eigentlich bedingungsloser Grundpfeiler linker und erst recht linksradikaler Einstellungen ist?]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Warum wir über die RAF reden und Solidarität mit Daniela Klette selbstverständlich sein sollte (Teil 2)</h1><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/83a512b4-fc2c-457a-b5d4-1874d27e3936/uploads/images/nbmft3ia56/waffen-und-millionenbeute-vorwurfe-gegen-daniela-klette.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Daniela Klette bei der Urteilsverkündung"/><p>Ich habe schon einen <a href="https://steady.page/de/disrupt/posts/2fdf480f-df4f-4043-86ab-1d9dcfcbc2d7?utm_campaign=steady_sharing_button">Text mit diesem Titel geschrieben</a> und während ich noch über die Ende Gelände – Massenaktion, die Erkenntnisse und Schlussfolgerungen nachdenke (bzw. darüber, wie ich das formuliere), sehe ich die Notwendigkeit, das Thema Daniela Klette und Solidarität nochmal aufzugreifen. Ende Gelände und die Klimabewegung ist aktuell das schwierigere Thema, deshalb kommt das erst später…morgen… 😉</p><p><em>Prozess 1 und die aktuelle Situation</em></p><p>Das 1. Urteil gegen Daniela Klette ist nun da, 13 Jahre und es passiert weiterhin zu wenig seitens der radikalen Linken, der palästina-solidarischen Bewegung, der Klimabewegung. Dabei sollte oder muss es gar nicht so sehr um das Urteil, um die 13 Jahre an sich gehen, aber um grundsätzliche Solidarität und um die Auseinandersetzung mit den Hintergründen dieses Urteils (von der Auseinandersetzung mit der RAF ganz zu schweigen).</p><p>Wo ist die viel beschworene Solidarität mit politischen Gefangenen, die eigentlich bedingungsloser Grundpfeiler linker und erst recht linksradikaler Einstellungen und Politik ist. Es war und ist bezogen auf Daniela Klette viel zu ruhig, angesichts dessen, was im Rahmen dieses und umso mehr des voraussichtlich folgenden Prozesses im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Tisch liegt. Neben der bloßen Thematisierung des Urteils als eine Nachrichten-Meldung habe ich zwei Texte gefunden, die sich dem Thema annehmen und die ähnliche Töne anschlagen wie ich.</p><p>Text 1 findet sich auf dem <a href="https://blog.interventionistische-linke.org/linke-geschichte/warum-solidaritaetsarbeit-fuer-daniela-klette">IL-Debattenblog</a> und ich gebe zu, das hat mich positiv überrascht, weil ich die IL schon eine Weile nicht mehr als linksradikale Organisierung bezeichne bzw. Kritik daran äußere, was linksradikal im IL-Sinne inzwischen bedeutet. Umso überraschter war ich vom Text, wobei anzumerken bleibt, dass es kein „IL-Text“ ist, der die Position der Interventionistischen Linken als Organisation ausdrückt. Den Personen hinter diesem Text sage ich laut DANKE dafür, denn es werden kritische Punkte angesprochen und ich wäre froh, wenn sich eine tatsächliche Debatte daraus eröffnen würde, woran ich aber meine Zweifel habe.</p><p>Der Text thematisiert die Frage der eher spärlichen öffentlichen Solidaritätsarbeit für Daniela, das laute Schweigen auch und gerade derer, mit denen sich Daniela Klette selbst immer wieder der solidarisiert. Er liefert Gründe, warum Solidarität eigentlich so etwas wie unsere Pflicht sein sollte, denn genau das tragen wir lauthals wie ein Mantra vor uns her. Genau das ist fundamentaler Ansatz und Stützpfeiler von linker und linksradikaler Einstellung und diverse Antifa-Prozesse zeigen, dass es eine entsprechende Praxis gibt.</p><p>Text 2 findet sich bei <a href="http://etos.media/">Etos.Media</a> auf einer Plattform für unabhängigen Journalismus und zeichnet sehr gut nach, wie das staatliche Hufeisen mit welchen Konsequenzen greift und die wirken weit über die aktive Zeit der RAF hinaus.</p><p>Die Frage, warum solidarisch sein und wie sieht das aktuell aus, beantworten die beiden Texte zur Genüge. Die spannendere bzw. relevantere Frage ist: warum braucht es solche Texte überhaupt? Warum fehlt die breite Solidarität mit Daniela Klette?</p><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">Abo-Pakete</a></p><p><em>Die Angst gewinnt</em></p><p>Das aktuelle Urteil von 13 Jahren überrascht nicht. Es musste so fallen, weil es den Weg ebnet für den 2. Prozess und das ist der, auf den es Staat und Staatsanwaltschaft vor allem abgesehen haben. Ein weiterer, eventuell letzter großer RAF – Prozess und ein hohes Urteil aus dem 1. Prozess liefert Argumente für Prozess 2 und alles, was wir dort vorgeführt bekommen werden. Außerdem braucht der Staat die Aufrechterhaltung des Mythos einer gefährlichen linksradikalen oder gar linksextremen Szene und die 3 großen Buchstaben dienen diesem Zweck auch noch nach all den Jahren. Das tun sie übrigens auch, weil es aktuell keine reale Bedrohung oder auch nur die Andeutung einer solchen durch linksradikale oder linksextreme Kontexte gibt.</p><p>Die Angst hat bei linksradikalen Bewegungen bereits gewonnen, und zwar nicht nur die Angst vor Repressionen staatlicher Seite. Die größte Angst linksradikaler Akteur*innen ist die vor eigenen Ecken und Kanten, vor dem nicht-mehr-aufrecht-halten-können der Illusion (und DEM quasi einzigen Ziel unserer politischen Arbeit), Mehrheiten gewinnen, alle überzeugen und mitnehmen zu können. Der Verlust von Anschlussfähigkeit ist das Szenario, was nicht nur unsere Aktionen und unsere Pressestatements bestimmt, sondern was ebenfalls breite Solidaritätsarbeit und öffentliche Solidaritätsbekundungen für Daniela Klette verhindert. Wäre auf dem Camp in Hamm, oder in einem EG-Finger während der Massenaktion am Wochenende ein Transparent mit Bezug zu Daniela Klette aufgetaucht, wäre es der Grund für Notfall-Plena gewesen, weil die Angst vor den 3 großen Buchstaben schwerer wiegt als unsere eigenen Prinzipien und linksradikale Geschichte, sowie eine ehrliche Auseinandersetzung mit dieser. Unsere Solidarität ist leider doch sehr selektiv, zumindest in diesem Fall, weil wir es hier eben hinnehmen und (schlimmer noch) selbst so handhaben, dass keine Differenzierung mehr erfolgt, kein Hinterfragen, keine Unterscheidung zwischen Solidarität mit einer Person und eventuell einigen ihrer politischen Ansichten und trotzdem möglicher und zulässiger Kritik an den Mitteln, die gewählt wurden. Jegliche Vermeidung von und Angst vor Konfrontation ist aber eigentlich der Todesstoß für Bewegungen, die sich linksradikal verortet sehen und das bestehende System überwinden wollen. Wie soll das gehen, wenn nicht mit direkter Konfrontation? Wir werden sehen, ob sich das Verhältnis linksradikaler Akteur*innen zu Daniela Klette ändert, wenn der nächste Prozess kommt. Es wäre wichtig, wenn Solidarität gegen Angst gewinnen würde. Zweifel bleiben.</p><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">support my work</a></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Mon, 01 Jun 2026 08:32:01 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Aktions-Tourismus und Event-Aktivismus]]></title>
      <description><![CDATA[Warum die AfD und rechte Machtübernahme passieren werden und wir auch sonst keine Kämpfe gewinnen – ein paar etwas andere Gründe, zu suchen bei uns selbst. ]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Warum die AfD und rechte Machtübernahme passieren werden und wir auch sonst keine Kämpfe gewinnen – ein paar etwas andere Gründe, zu suchen bei uns selbst.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/72ffc2aa-73c3-43b2-9f13-2ae35ef621ab/uploads/images/wdudqjn2dm/8632401_m.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Ausgehend von weiteren erhellenden Erlebnissen mit „Linken“ und „Antifaschist*innen“ in meiner kleinen Stadt ist es dringend nötig, weiterhin laute und lauter werdende Kritik auch an uns Linken zu üben, denn wir verbocken es gerade so richtig. Davor die Augen zu verschließen, ist eine Option, aber die falsche. Wir haben aktuell so viele Probleme, so viele Kämpfe zu führen und wenn wir dabei immer nur die anderen als die Schuldigen für Niederlagen und Rückschritte ausmachen, verkennen wir unsere eigene Verantwortung an den Dingen, die auch bei uns falsch laufen. Wenn wir also „aufstehen, die Krone richten und weitermachen“ wollen, müssen wir auch sehr genau auf uns selbst schauen und ein paar Dinge anerkennen, um sie (hoffentlich) zu ändern.</p><p><em>Aktions-Tourismus und Event-Aktivismus</em></p><p>Das Konsumieren von Aktionen als Event - das wir wohl gemerkt mit besten Absichten selbst gefördert haben - fällt Akteur*innen inzwischen gehörig auf die Füße. Ob es um antifaschistisches Arbeiten, Antimilitarismus oder Klimathemen geht, spielt keine Rolle. Sobald es um Aktionen geht, die Mobilisierung benötigen, weil die Art der Aktion überhaupt nur eine gewisse Wirkung und (mediale) Wahrnehmbarkeit entfaltet, wenn wir viele sind, stecken wir mittendrin in den Problemen des Event-Aktivismus. Berichte aus z.B. dem Rheinland erzählen immer wieder und immer häufiger Folgendes: inzwischen ist kein Wald- oder Dorfspaziergang mehr möglich, ohne dass innerhalb von Minuten nach der Ankündigung immer dieselben Fragen bei den Organisator*innen ankommen.</p><p>Wird es Shuttles von [ergänzt hier jeden erdenklichen Ort] geben?</p><p>Wo kann man parken? Wie nah kann ich ran fahren?</p><p>Wird es Kaffee und Kuchen geben? Getränke und Sitzgelegenheiten?</p><p>Wann ist der Spaziergang fertig und wo findet dann das gemütliche Beisammensein statt, damit ich direkt dahin kommen kann?</p><p>Klar, man kann grundsätzlich auch fragen, warum überhaupt noch Wald- und Dorfspaziergänge? Nun, der Hambi ist noch bedroht und außerdem Bewegungsgeschichte und die ist immer wichtig. Das gilt auch für Lützi und die Anti-Kohle-Kämpfe an sich. Das Ausmaß der Zerstörung live zu sehen, macht was und ist nicht zu unterschätzen. Menschen brauchen solche Was-um-alles-in-der-Welt-Momente, wenn es darum geht, sie langfristig zu etwas zu mobilisieren, sich zu organisieren und zu engagieren. Sie brauchen solche Eindrücke, damit sie verstehen, warum wir kämpfen müssen gegen den ganzen Scheiß. Nicht zu vergessen die geplante Rheinwasser-Transportleitung, um Seenlandschaften zu phantasieren. Sich das alles mal live anzusehen, ist auch im Sinne von eventuellen Aktionsplanungen und autonomen Kleingruppen-Ideen ratsam. Es gibt inzwischen Wasserschützer*innen-Trainings usw. – mit dem Wissen muss ja etwas passieren, was im besten Fall hoffentlich auch irgendwie wirksam ist und über Petitionen hinausgeht. Es gibt also viele Gründe, warum Ortskenntnisse nicht nur im Rheinland relevant sind für Revolutionär*innen, Aktivist*innen und solche, die es sein/werden wollen.</p><p>Dieser Text dreht sich aber um die oben genannten Fragen und das, was dahintersteckt, nicht nur im Rheinland. Es geht um den Konsum von Aktionen als Events und wir alle wissen ja hoffentlich, dass Konsum eine der Stützen des Endgegners Kapitalismus ist. Und hier sind wir selbst, nach Konsum fragend, ihn einfordernd und die Möglichkeit zum Konsum einer perfekten Aktion quasi zur Bedingung für die Teilnahme an dieser machend. Nein, es handelt sich hier nicht um organisatorische Fragen, sondern um Fragen von Konsument*innen. Organisation wäre es, wenn gefragt würde, wobei kann ich helfen, braucht es noch xy, um diese Aktion möglich, größer, inklusiver…. zu machen usw. Konkret könnte das z.B. so aussehen: ich fahre von A los, über B und F. Wer mitfahren möchte, meldet sich. Ich bringe 10 Klappstühle mit und das, was beim containern zu viel für mich allein ist. Hier als sharepic alle Infos gesammelt zum Teilen: der Spaziergang ist x km lang, eher ebenes Gelände, denkt an Wasser und vielleicht einen kleinen Snack für unterwegs. DAS wäre Organisation. Zu erwarten, dass es organisiert und angeboten wird, ist Konsum!</p><p><em>zu wenige für zu viel</em></p><p>Ob Widersetzen, Kollapscamp oder Ende Gelände, das, was die Handvoll Menschen, die sich verantwortlich immer wieder in den Strukturen hinter diesen glitzernden Namen und größeren Aktionen wiederfinden und das auf die Beine stellen, organisieren und an den Start bringen sollen, übersteigt inzwischen jedes Maß: Anmeldung und Organisation der Aktion an sich reichen schon lange nicht mehr. Mitfahrbörse, Bettenbörse, Awareness, LegalTeam, Gesa-Support, Küfa, Camp, Programm, Party, Mobi jeglicher Art (wie, nur flyer? Zum selbst drucken? Keine Sticker? Macht ihr eine Präsentation?), Ansprechstrukturen lange nach der Aktion, Pressearbeit, parlamentarische Beobachtung, Kinderbetreuung, Aktionstrainings vorher, Barrierefreiheit und safe space und das alles umsonst...Das sind alles extrem wichtige Dinge, darum geht es hier gar nicht. Der Punkt ist, dass allein die Suche nach Menschen, die sich dafür verantwortlich fühlen und es übernehmen, das an den Start zu bringen, inzwischen bereits eine riesige Aufgabe an sich ist und das im Endeffekt zu wenige Menschen zu viele Dinge übernehmen, damit alles irgendwie verfügbar ist. Wenn etwas aus Gründen fehlender Kapazitäten und Menschen nicht organisiert werden kann, wenn etwas nicht perfekt in der Umsetzung ist, hagelt es Kritik, die oft ungerecht ist und von Menschen kommt, die ihrerseits das alles erwarten, aber nichts dazu beitragen. Da ist es dann nichts mehr mit „wir müssen auf unsere Kapazitäten achten, Pausen, so wichtig, Arbeitsteilung, gemeinsame Verantwortungsübernahme, gegenseitige Hilfe und Solidarität, Grenzen setzen und respektieren, Selbstorganisation“. Da zählen nur noch eigene Ansprüche und die Erwartung eines perfekten Events, fix und fertig für den eigenen (kostenlosen) Konsum. Aktionsplanung ist mittlerweile mehr Eventmanagement (unbezahlt in Vollzeit), als politische Arbeit. Das ist ein Problem. Wir haben dieses Problem selbst geschaffen, mit den ursprünglich besten Absichten. The road to hell is paved with good intentions. Wir haben ein Biest geschaffen - Aktions-Tourismus und Event-Aktivismus – und wir bekommen die Geister, die wir riefen nicht mehr zurück in die Flasche. Events und Tourismus dienen der Unterhaltung, nicht der Arbeit, erst recht nicht der politischen. Wie bei den netten Früchten der imperialen Lebensweise (billiges Essen, billige Energie, billigen Urlaub…) gilt inzwischen auch für Aktionen: wenn etwas erstmal selbstverständlich ist und als normal betrachtet wird, wird es nicht mehr wertgeschätzt, sondern erwartet. Dann wird sein Fehlen nicht mehr akzeptiert, sondern kritisiert.</p><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">support my work</a></p><p>Kommen wir da wieder raus? Ja, wenn die zu wenigen aufhören zu versuchen, allen Ansprüchen, Wünschen und Forderungen gerecht zu werden (was sowieso unmöglich ist) und wenn politische Aktionen nicht mehr als Events umgesetzt werden müssen, sondern wieder als Einladungen zur Beteiligung und Gestaltung verstanden werden. Ebenso müssen wir alle selbst aufhören, diese Ansprüche zu stellen und Erwartungen zu formulieren, umso mehr, wenn wir keine entsprechenden Aufgaben zur Erfüllung dieser Dinge übernehmen können. Stattdessen braucht es ehrliche Kommunikation und Transparenz über das, was geht, unter welchen Bedingungen es geht und über das, was NICHT geht, ohne Entschuldigungen, ohne Rechtfertigungsdruck, ohne Schuldgefühle. Es braucht direkte und konkrete Ansprache und Aufforderung zur Selbstorganisation, bei ausreichenden Kapazitäten verbunden mit dem Angebot zu einem Skillshare oder dem Verweis auf Seiten, die entsprechende Dokumente und How to’s bereits sammeln und zur Verfügung stellen, statt schlechtes Gewissen und Entschuldigungen, wenn wir nicht liefern können.</p><p><em>Konsequenzen, die bereits zum Problem geworden sind</em></p><p>Es gibt sie bereits, die Konsequenzen dessen, wir bemerken sie. Wir reagieren aber bisher eben wie oben beschrieben: entschuldigen, schuldig fühlen, doch noch eine Aufgabe mehr übernehmen…Das ist ein Teufelskreis und wir können das ganz sicher nicht gewinnen, denn natürlich greifen zusätzlich all die anderen äußeren Ursachen, die es uns schwer machen, weiterhin so zu tun, als wäre es 2018 oder 2019 und als könnten wir durch Masse und Support der Gesellschaft inkl. der Parteien gewinnen.</p><p>Wir wundern uns, warum trotz immer mehr offensichtlicher Gründe, Demos und Aktionen im Endeffekt zu so wenig langfristiger Organisierung führen, warum Strukturen ihre Arbeit einstellen müssen, Ortsgruppen verschwinden, es sich immer nur um Mobi zum nächsten Event dreht (erinnert mich inzwischen an Wahlkampf von einer Legislaturperiode zur nächsten…), in der Zwischenzeit aber oft keine Arbeit vor Ort erfolgt und es immer dieselben 5 Leute sind, die ausgebrannt alles versuchen, bis wir auch sie an burn out &amp; Co. verlieren. Das passiert auch deshalb, weil wir es Menschen abnehmen, sich selbst zu organisieren, um etwas auf die Beine stellen. Weil wir es tun, als Gesamtpaket. Weil wir Dienstleistungen anbieten und Produkte verkaufen, statt politische Arbeit zu machen.  Weil wir es aufgrund unseres Festhaltens an inzwischen nicht mehr geeigneten und zu wenigen Aktionsformen tun müssen, da ohne viele Teilnehmer*innen die gesamte Aktion (auch medial) völlig verpufft. Weil auch Aktivismus und Protest inzwischen den kapitalistischen Regeln unterliegen: immer mehr, immer höher, immer weiter, wenn es überhaupt noch irgendwie wahrgenommen werden soll. Wahrnehmung steht über Wirksamkeit bzw. wird damit verwechselt – ein fataler Fehler, da inzwischen Wahrnehmung das Risiko an Repression erhöht und es außerdem nicht mehr ausschließlich darum gehen kann, durch die richtigen Argumente, Bilder und Narrative Mehrheiten zu gewinnen in der Hoffnung, dass unsere Forderungen dann schon von irgendwem erfüllt werden (müssen). Been there, done that, failed. Wir haben die Grenzen dessen erreicht, auch wenn es schwer ist, sich das einzugestehen. Statt darüber nachzudenken, wie wir vielleicht doch mal wieder ein paar Menschen oder wenigstens so viele wie beim letzten Mal mobilisieren können, sollten wir überlegen, wie wir Aktionen starten, die tatsächlich wirksam sind und dafür weniger Menschen und Kapazitäten jeglicher Art benötigen. Wir sollten darüber nachdenken, wie wir es schaffen, dabei zu bleiben, ohne auszubrennen und ohne frustriert angesichts der     (Un-)Wirksamkeit all unserer Arbeit selbst aufzugeben.</p><p>Wenn es inzwischen – und damit komme ich auf meine alltäglichen Kleinstadterlebnisse zurück – erforderlich ist, überregional bis hin zu Social Media Plattformen Mobi zu machen, um ein paar Menschen zu überreden, den Info-Stand der Rechten auf dem Marktplatz meiner 20000-Einwohner*innen-Stadt zu stören, läuft so ziemlich alles falsch. Und der Erfolg bleibt trotzdem nach wie vor aus, weil es kurzfristige Reaktionen benötigt, die wiederum eine gewisse grundsätzliche Organisierung erfordern, damit es 20 Menschen gibt, die ich anrufen kann, wenn ich die Nazis sehe und ich sicher sein kann, dass 4 dabei sein werden, die innerhalb von 1 Std. vor Ort sind. Angesichts dessen, was auf uns zukommt, und zwar sehr bald, wird politische Arbeit in Form von Aktionen und Interventionen immer häufiger genauso aussehen müssen – kurzfristig in der Lage sein, etwas zu tun, schnell reagieren zu können. Dazu braucht es Organisierung vorab und Commitment. Es braucht Verantwortungsübernahme und Handlungsfähigkeit auch in kleinen Gruppen und in diesem Zusammenhang Aktionsformate, die mit wenigen Leuten durchführbar sind und eine Wirkung erzielen. Wir werden keine Zeit mehr haben für glitzernde, wochenlange Mobilisierung und wir werden auch nicht überall Menschen haben, die seit Jahren wissen, wie es geht und denen alle anderen dann nur noch hinterlaufen müssen. Die Zahl der Orte, an denen es Aktionen braucht, überrollt uns. Wie oft können wir eine Ende Gelände - Massenaktion oder Widersetzen pro Jahr organisieren? Sicher nicht ansatzweise ausreichend, weil es im Prinzip täglich in 10 Städten Ende Gelände und in 37 weiteren Widersetzen heißen müsste. Das können wir nicht schaffen, erst recht nicht in den Dimensionen, in denen diese Events aktuell stattfinden (müssen).</p><p>Wir müssen mehr Menschen haben, die selbst in der Lage sind, auch im kleinen Kreis zu agieren, weil sie entsprechende Fähigkeiten erlernt haben, weil sie keine Angst davor haben, es nicht perfekt zu machen und weil es keine Erwartungen an ein rundum-sorglos-Paket gibt. Wir müssen Wirksamkeit als Maßstab ansetzen, nicht Masse und (mediale) Wahrnehmung. Das ist etwas, was wir in der Hand haben und da eine Lösung zu finden, sollte oberste Priorität haben, denn in einigen Punkten sind wir uns selbst ein weiterer Stein, der uns im Weg liegt. Solidarisches Preppen meint übrigens auch genau das: Menschen und Strukturen handlungsfähig und selbstständig machen, um schnell agieren und reagieren zu können. Menschen einen Teil ihrer Angst nehmen und ihnen stattdessen die Gewissheit vermitteln, dass weniger sehr oft mehr sein kann, dass es ganz sicher mehr ist, als nichts zu tun in Ermangelung eines vororganisierten Großevents. In diesem Bereich bieten <a href="https://mutualaidheat.de/">solidarisches Preppen und Mutual Aid – Ansätze</a> sehr viel Potential. Es ist an der Zeit, das auszuprobieren auch im Feld des Aktivismus und mit Blick auf Aktionen.</p><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">Abo - Pakete</a></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Tue, 19 May 2026 06:58:22 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Angst essen Seele auf]]></title>
      <description><![CDATA[Die BAG Klima der Linken macht einen offiziellen Mobi-Call für die Ende Gelände Massenaktion. Aber radikaler ziviler Ungehorsam oder gar Sabotage geht nicht mit Parteien.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Die Bundesarbeitsgemeinschaft Klima der Linken (Partei) macht einen offiziellen Mobi-Call für die <a href="https://www.ende-gelaende.org/aktion-2026/#main">Massenaktion von Ende Gelände</a>. Meine erste instinktive Reaktion darauf war Wut und Traurigkeit, Kopfschütteln und völlige Verständnislosigkeit. Ich habe mich zusammengerissen und in Ruhe darüber nachgedacht, ehe ich laut schimpfe - weil ich Ende Gelände liebe und noch immer Gänsehaut und Pipi in den Augen habe, wenn ich an unsere Massenaktionen früher zurückdenke, weil ich auch völlig elektrifiziert war von der Aussicht auf eine neue, auch wenn ich inzwischen realistisch über deren Möglichkeiten und Grenzen denke. Das Nachdenken hat aber zum selben Ergebnis geführt: Wut und Traurigkeit, Kopfschütteln und völlige Verständnislosigkeit. Deshalb schimpfe ich jetzt (schon wieder) laut.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/f3edbbda-52ea-4ac3-8759-740390a461d2/uploads/images/42i55brtm4/Resilienz-Angst.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Schattenspiel vor einer Wand, an dieser entsteht ein Monster"/><p><em>Warum das der Todesstoß für diese Aktion ist</em></p><p>Wenn eine Akteurin, die sich zivilen Ungehorsam auf die Fahnen schreibt, den Kapitalismus und das System zu Fall bringen möchte (was schwer genug ist), sich dazu nach jahrelangem Ringen auch ganz vorsichtig so etwas wie Sabotage in den Aktionskonsens schreibt (umschrieben und vorsichtig formuliert natürlich, damit es nicht auffällt), bei der Mobi für eine alles-oder-nichts-Massenaktion (bezogen auf die Relevanz der Akteurin selbst), Mobicalls einer Partei im Repertoire hat, ist das meiner Meinung nach eine eklatante Fehlentscheidung. Eine Partei (auch die Linke) ist keine Partnerin, wenn es um Systemsturz und die Abschaffung des Kapitalismus geht. Eine Partei ist System per Definition und auch die Linke ist zu sehr in den Früchten unserer imperialen Lebensweise gefangen (wie wir alle), dass es keinen ernsthaften Kampf gegen genau diese gibt. Imperialismus und Kapitalismus sind aber 2 Seiten derselben Medaille. Es mag natürlich sein, dass auch in der Linken viele Menschen sind, die durchaus zu radikalen Aktionen bereit sind, aber die sollten ihren Weg zur Aktion ohne die Partei finden und tun das sicher auch. Es gibt im Vorfeld von Demos regelmäßig Diskussionen darüber, wie mit Parteisymbolen umzugehen ist, was oft dazu führt, dass darum gebeten wird, auf solche zu verzichten. Und jetzt macht eine Partei einen Mobi-Call und wird somit irgendwie auch aktiver Teil dieser Aktion, die dadurch schon vorab jeglichen Biss verliert. <strong>(You can still prove me wrong, Ende Gelände 😉Please do it!)</strong></p><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">Abo - Pakete</a></p><p>Eine Partei kann und wird niemals ihre Bereitschaft und Zustimmung zu Sabotage-Aktionen geben, sie wird diese niemals verteidigen oder Argumente hinter einer solchen laut und öffentlich vertreten. Eine Partei kann und wird niemals schweigen oder gar aktiv solidarisch sein, wenn im Rahmen einer Aktion, zu der sie mobilisiert hat, etwas passiert, was zu Gegenwind aus „der Gesellschaft“ führt, zu Kontroversen, zu Diskussionen über „Gewalt“ usw. Das hat nichts mit der Linken zu tun oder mit den Personen, die Parteimitglied sind und an einer entsprechenden Aktion teilnehmen, sondern mit der Institution „Partei“ an sich. Parteien sind Teil einer Regierung (auch Oppositionsparteien) und Regierungen an sich sind nicht nur Ausdruck von Klassen und Klassenverhältnissen. Sie SIND es. Parteien wollen keine Revolution, keinen Systemsturz, sondern Reformation des Systems. Andernfalls würden sie sich durch ihre Arbeit und ihr Hinwirken auf einen Sturz des Systems ja selbst abschaffen. Ehe ich jetzt zu sehr in den Anarchismus abbiege, der zunehmend mein Herz und meinen Kopf gewinnt, mal zurück zum Problem bezogen auf Ende Gelände.</p><p><em>Ende Gelände und die Probleme unserer Massenaktion</em></p><p>Jenseits von Parteien hat sich Ende Gelände eine Mammutaufgabe gestellt – eine Massenaktion gegen in vielen Teilen noch nicht real existierende und somit nicht physisch angreifbare Gasinfrastruktur. Ende Gelände war genial, weil wir riesige, nicht zu schützende Tagebaue als Angriffspunkte hatten. Wir konnten unsere Aktion ankündigen, Zeit und Ort nennen und es war dem Gegner trotzdem nicht möglich zu verhindern, dass wir unser Ziel erreichen. Das war ein nicht zu unterschätzender, wenn nicht sogar DER Erfolgsfaktor von Ende Gelände und unseren Massenaktionen. Tagebaue haben wir aber jetzt nicht mehr, wenn es um Gasinfrastruktur geht. Wir haben grüne Wiesen als potenzielle Standorte von Gaskraftwerken, eventuell ein paar Rohre, die mal Pipelines werden sollen und Abnehmer von Gas bzw. daraus gewonnener Energie. Wir haben ein Wochenende als Aktionszeitraum, was geschlossene Fabriktore bedeutet. Wir haben uns also sowieso von Anfang an eine kaum lösbare Aufgabe gestellt, auch weil die Frage nach anderen Aktionsformen aus verschiedenen (durchaus zu kritisierenden) Gründen nach wie vor unbeantwortet bleibt und auch Ende Gelände im Weiter-so feststeckt. Die Gefahr, dass es lediglich eine weitere symbolische Aktion wird, ist gegeben und sie ist nicht gering. Es sollte aber mehr dabei rauskommen, aus Respekt für die, die im Hintergrund organisieren, mobilisieren, alle Kraft in das Gelingen stecken und aus Respekt auch vor denen, die dabei sind, Anreisen, Strapazen und eventuell auch Repressionen auf sich nehmen.</p><p>Jenseits von Militanz und Sabotage ist die Entscheidung für eine Massenaktion ebenfalls eine, die inzwischen, unter den gegebenen Umständen unsere Möglichkeiten beschneidet, denn Massenaktionen 2026 sind zahlenmäßig nicht mehr mit Massenaktionen 2019 zu vergleichen. Es ist durchaus zu hinterfragen, ob 50 Leute, die unangekündigt einfach mal 3 Tage hintereinander und dann wieder 7 Wochen nicht auf Schienen auftauchen, um z.B. Waffenlieferungen zu blockieren, nicht inzwischen wesentlich effektivere Formen des Protestes mit weniger Ressourcenverbrauch auf unserer Seite sind, mit denen tatsächlich zumindest noch Nadelstiche in den Panzer des Systems zu setzen sind.</p><p><em>Wenn Massenaktion, dann mit der richtigen Zielsetzung</em></p><p>Auch das ist ein hausgemachtes Problem und es treibt mich um. Es geht um die eigene Erwartung und unsere Kommunikation zum Thema.</p><p>„Wir verhindern den Gasausbau“  „Wir stoppen den Gaseinstieg“</p><p>Das werden wir nicht und wir wissen das! Das können wir gar nicht schaffen, denn im Prinzip ist der Einstieg und Ausbau schon in vollem Gang. Warum also solche Slogans, die uns selbst zwangsläufig scheitern lassen und uns genau mit diesem Scheitern eigentlich schon im Vorfeld konfrontieren. Warum tun wir uns das an? Es gibt durchaus, auch aus Sicht nervender und kritischer Menschen wie mir Dinge, die noch immer für Massenaktionen sprechen! Warum kommunizieren wir das also nicht ehrlich, statt uns Slogans des Unmöglichen auf die Fahnen zu schreiben? Gemeinsam in Aktion gehen, statt allein zu Hause Frust zu schieben, Spannung, Spiel und Schokolade, sportliche Gruppenaktivitäten, die anderen olympischen Spiele mit Rennen, Klettern, Ketten bilden, Banner-Tauziehen, die Polizei beschäftigen, Polizeiketten umfließen und dadurch kleine Moment der Freude und der Erfolge erzeugen, Lebenszeichen senden, autonome Kleingruppen schützen, indem wir die Aufmerksamkeit auf uns ziehen und ihnen Zeit verschaffen…das alles können Massenaktionen auch heute noch. Das alles macht schon auch mächtig Spaß und ist wichtig. Das alles können Ziele einer Massenaktion sein, die erreichbar, sinnvoll und vor allem ehrlich sind.</p><p><em>Autonome Kleingruppen und ZU+</em></p><p>Wir sollten viel mehr den Fokus darauf richten, dass sich autonome Kleingruppen ermutigt fühlen, Teil dieser Massenaktion zu werden (was übrigens auch mal ein Grund war, DISRUPT ins Leben zu rufen) und unsere Floskel von ZU+ in die Tat umzusetzen, statt durch öffentliche Partei-Zusammenarbeit genau das Gegenteil zu erreichen. Akteur*innen des zivilen Ungehorsams arbeiten nicht mit Parteien zusammen. Ich erinnere mich noch an Bündnistreffen, da wurden Anfragen der Grünen Jugend für Grußworte auf ihren Parteitagen abgelehnt, weil es eben nicht geht. Das war zu einer Zeit, als Lützerath noch nicht im Tagebau verschwunden war, als Habeck und Co. in Regierungsbeteiligung noch nicht alles verraten hatten, was es an Grünen Idealen gab, inklusive der hoffnungsvollen Klimabewegung. Das kommt mir inzwischen wie Erinnerungen aus lang vergangenen Tagen vor. Natürlich gab es Gespräche mit Parteien, aber auf kleiner Bühne und um unsere Positionen einzubringen und das DAGEGEN, NICHT MIT UNS zu verdeutlichen, um parlamentarische Beobachtung zu organisieren, nicht um Mobi für uns zu machen und somit einen gewissen Einfluss auf die Aktion zu nehmen. Wir haben früher sogar bei NGOs gezuckt, wenn diese genau das tun wollten – uns bremsen, weil sie sonst keine Busanreisen zur großen begleitenden Demo organisieren würden. Und jetzt macht eine Partei einen Mobi-Call für Ende Gelände. Aktivist*innen sind inzwischen von allen Seiten unter Beschuss. Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass die Politik Bürger*innen vor allem als Passivist*innen und Pazifist*innen braucht, die innerhalb des Systems, eingehegt in Parteien und Wahlperioden in aller Konformität Aufgaben wahrnehmen. Auch unter diesem Gesichtspunkt sollte Zivilgesellschaft und explizit ungehorsame Akteur*innen gegen das System arbeiten, statt sich mit diesem zu verbünden und das letzte bisschen Souveränität freiwillig auf- und abzugeben. Die Angst vor einer „Spaltung der Gesellschaft“ (hat irgendwer den Eindruck, diese Gesellschaft ist und wird nicht schon längst brutal gespalten?), vor Kontroversen und Gegenwind ist selbst in Bewegungen inzwischen offensichtlich größer als die Angst vor Klimakollaps und Nazis an der Macht. Anders lässt sich diese zunehmende Selbstaufgabe für mich nicht erklären und die geht weit über Ende Gelände und den Mobi-Call der Linken hinaus. Es gibt fast nur noch die Hoffnung auf Widerstand, wie es auch seitens <a href="https://www.freitag.de/autoren/sebastian-baehr/ulrich-schneider-wie-lange-wollen-wir-warten-bis-wir-auf-die-strasse-gehen">Ulrich Schneiders im Freitag</a> zu lesen ist. Es ist wie Warten auf Godot. In Samuel Becketts Theaterstück kommt Godot niemals. Wladimir und Estragon, die beiden Protagonisten warten das gesamte Stück über auf eine Person namens Godot, die sie kaum kennen. Er erscheint jedoch nie. Ein Junge kommt in beiden Akten und überbringt die Nachricht, dass Godot heute nicht kommt, aber „ganz sicher morgen“. Der Zyklus der Verzweiflung nimmt seinen logischen Verlauf. Das Stück wiederholt sich, und die Figuren bleiben in ihrem existenziellen Warten gefangen, wobei auch die Frage offenbleibt, wer oder was Godot überhaupt ist. Nun, was ist denn eigentlich „der Widerstand“? Wann kommt er? Wer bringt ihn? Wie sieht er aus? Ich bin davon überzeugt, dass „der Widerstand“ nicht mit Parteibuch kommt, aber da gehen die Meinungen offensichtlich auseinander.</p><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">unterstützt meine Arbeit</a></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Tue, 12 May 2026 14:58:59 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Alle raus zum 1. Mai?]]></title>
      <description><![CDATA[Alle raus zum 1. Mai? Zum ersten Mal wollte ich nicht Teil dieser Show sein. Die Revolution muss auf mich warten an diesem 1.Mai, so wie ich auf sie an 364 Tagen im Jahr.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Spätestens seitdem ich in einer Kleinstadt in Thüringen wohne, habe ich ganz oft mehr als wehmütig in Richtung Leipzig oder Berlin geschaut, eigentlich in Richtung jeder einigermaßen linken Großstadt, weil es dort ständig irgendwelche Demos und Aktionen gibt, während ich mit ganz viel Arbeit 10 Leute finde, die hin und wieder mal die Montagsdeppen ärgern und eine #FreeMaja-Soli-Demo trotz Mobiversuchen in die umliegenden Orte ganze 21 Menschen auf den Plan ruft. Der Mythos von abendlichen Spontis mit Schlauchschal, Pyro im Dunkeln oder gar hin und wieder mal einer brennenden Mülltonne hat Sehnsucht geweckt und mich zu Hause auf dem Sofa manchmal echt traurig gemacht.</p><a href="https://www.google.com/url?sa=t&amp;source=web&amp;rct=j&amp;url=https%3A%2F%2Fwww.journal-frankfurt.de%2Fjournal_news%2Fpolitik-10%2FFrankfurter-Innenstadt-Tausende-bei-Revolutionaerer-1-Mai-Demo-43846.html&amp;ved=0CBkQjhxqFwoTCMjn7JC5mJQDFQAAAAAdAAAAABAF&amp;opi=89978449"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/44ab35b2-3d4c-4398-b0dc-15b7fefbc3b7/uploads/images/y3f4ruiegj/43846.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Demozug von vorne fotografiert, rotes Banner &quot;Es lebe der revolutionäre 1. Mai&quot;, Menschen in schwarz und rote Flaggen"/></a><p>Das galt natürlich auch - und mit Blick auf die „revolutionäre 1.Mai“-Demo in Berlin - ganz besonders für diesen „Kampftag der Arbeiter*innen.“ Wir leben inzwischen ja nun auch in Zeiten, in denen Kampf wirklich angesagt sein sollte, von einer Revolution ganz zu schweigen. Wenigstens ein bisschen mehr Ernsthaftigkeit für unsere eigenen Begriffe, Slogans und Aufrufe sollte mensch doch endlich erwarten können. Wer das tut, wird aber bitter enttäuscht. Ob es an mir liegt und meiner inzwischen nicht mehr funktionierenden Hopiumpfeife, der kaputten rosa-roten Brille oder meinem teilweise schon beißenden Zynismus, sei dahingestellt. Fakt ist, ich kann und möchte die Realität eines viel zu großen Teils linksradikaler Praxis nicht mehr schönreden.</p><p><em>Linksradikale Perfomance</em></p><p>Demo- und Protestaufrufe lassen mich kopfschüttelnd zurück, die Berichterstattung (wohl gemerkt unsere eigene) über diese „Ereignisse“ machen mich sauer. Wir verarschen uns selbst und mir scheint, wir wollen auch nichts anderes mehr, als unsere eigenen Lügen von riesigen Mobilisierungserfolgen und pseudorevolutionären Events glauben. Ich schaue noch immer mehr als wehmütig und mit einer großen Sehnsucht raus einer meiner Kleinstadt. Aber ich schaue nicht mehr nach Leipzig oder Berlin. Ich schaue z.B. nach Peru, Chile, Mexiko, Nepal, Tschechien, vielleicht noch Frankreich und viel zu oft in der Zeit zurück, als Proteste noch Proteste und keine Aktionen waren. Dabei verliere ich die Konsequenzen und den Preis, den Menschen dafür zahlen müssen nicht aus den Augen. Mein Blick und meine Sehnsucht richten sich aber auf die Ernsthaftigkeit, den unbedingten Willen zu und den Glauben an Protest und seine Wirksamkeit. Ernsthaftigkeit und Wirksamkeit, beides fehlt in deutscher linksradikaler Praxis völlig, während der Preis trotzdem stetig steigt, egal, was wir uns einreden wollen. Ja, ich bin frustriert und dabei bin ich durchaus hin und wieder zu haben für Protest und Aktion um der Aktion Willen, um ein Gemeinschaftsgefühl zu zelebrieren und kurzfristig kleine Erfolge erringen. Das brauchen wir. Das tut gut. Daran ist nichts auszusetzen. Aber wenn das alles ist, reicht es eben nicht. Es reicht mir nicht. Demos und Aktionen sind angekündigte Shows, inszeniert, um sich selbst zu feiern und denen, die es noch glauben wollen, Revolution und Radikalität vorzuspielen, wenn im besten Fall Rauchtöpfe im Rhythmus dröhnender Punkmusik gezündet werden und Front- und Seitenbanner vom Klassenkampf träumen. Reicht euch das wirklich? Ist es das, wozu unser Kampfeswillen und Anspruch verkommen sind und geben wir uns damit tatsächlich zufrieden?</p><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">unterstützt meine Arbeit</a></p><p><em>Es geht auch anders</em></p><p>Es gibt sie und ich glaube sogar, die Zahl wächst: die Zahl kleiner, tatsächlich wütender, kraftvoller Ein- und Angriffe und von Sabotageaktionen. Die retten natürlich nicht Welt, weil es noch immer zu wenige sind, aber immerhin meinen sie es ernst und sorgen für tatsächlich disruptive Eingriffe und Unberechenbarkeit. Solche Aktionen haben tatsächlich allen Grund, sich vor Repressionen schützen zu müssen, aber problematisch für ihre Sichtbarkeit ist noch ein anderer Punkt: hinter diesen Dingen stehen keine (vermeintlich) „linksradikalen“ Akteur*innen mit Kampagnen und einer PresseAG, die für entsprechende Sichtbarkeit sorgen. Im Gegenteil! Oft werden solche Aktionen auch im linksradikalen Kontext nicht mal aufgegriffen und verbreitet, um ihre Sichtbarkeit zu erhöhen oder die Argumente hinter Sabotageaktionen usw. zu vermitteln. Es herrscht Schweigen, da linksradikale Akteur*innen gezähmt wurden von Aktionskonsens, eigenen Kadern, die auf NGO-Jobs sitzen und dem über allen stehenden Streben nach „Mehrheiten“ und gesellschaftlicher Akzeptanz. Konformität für Masse hat im aktuellen Zustand linksradikaler Performance schon längst gesiegt über Ecken und Kanten für Wirksamkeit und dabei sollte es genau andersrum sein. Linksradikale Aktionen, die diesem Anspruch gerecht werden, führen bezogen auf ihre Wahrnehmung ein Schattendasein auf <a href="https://de.indymedia.org/">indymedia</a>, <a href="https://www.anarchistischefoderation.de/">Seiten wie die der anarchistischen Förderation</a> &amp; Co. und gehen dadurch allzu oft unter. Zumindest daran können wir alle etwas ändern: haltet Augen und Ohren offen, teilt entsprechende Beiträge, statt zum xten-Mal z.B. IL-Beiträge, die kaum noch mehr enthalten als „man sollte, könnte, müsste“. Sorgt für Sichtbarkeit, diskutiert (gerne auch kritisch) entsprechende Aktionen und Beiträge, statt auf Floskeln und Worthülsen reinzufallen, die überall präsent sind.</p><p>Manchmal kommt ein bestimmtes Gefühl vor den entsprechenden Handlungen, manchmal braucht es auch erst dieses bestimmte Gefühl. Und wenn wir Handlungen nicht erzwingen können, können wir aber helfen, ein Gefühl entstehen zu lassen, ein Knistern, damit der Funke überspringt. Dafür braucht es Sichtbarkeit für die oben erwähnten kleinen, wütenden Aktionen, für disruptive Eingriffe und alles, was nicht in einen allgemeingültigen Konsens gezwängt ist, was ausbricht aus dem konformen Einheitsbrei der sogenannten Linksradikalität. Diese Aufgabe sollte für uns alle eine lösbare sein.</p><p>Und um nun zum Ende nochmal auf die Überschrift zurückzukommen: Alle raus zum 1. Mai? Für mich dieses Jahr nicht und die fehlende Möglichkeit einer Demo in meiner Kleinstadt ist nur 1 Grund dafür. Zum ersten Mal hatte ich dieses Jahr keine Sehnsucht nach Berlin, Leipzig oder sonst einer Stadt mit Demo. Zum ersten Mal wollte ich nicht Teil dieser Show sein und zum ersten Mal war es für mich völlig in Ordnung, stattdessen mit dem Hund einen extra langen Spaziergang zu machen. Die Revolution muss auf mich warten an diesem 1. Mai, weil ich an allen anderen 364 Tagen eines Jahres auch auf sie warten muss, vergeblich.</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/44ab35b2-3d4c-4398-b0dc-15b7fefbc3b7/uploads/images/x2wvk7fri5/IMG20260501132301.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="blauer Himmel, Wald, Aussicht"/><figcaption>Alle raus zum 1. Mai? Ja, mit dem Hund in den Wald, statt zur Demo-Show mit Anmeldung und Aktionskonsens</figcaption></figure><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">Abo-Pakete</a></p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/44ab35b2-3d4c-4398-b0dc-15b7fefbc3b7/uploads/images/y3f4ruiegj/43846.jpg?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
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      <pubDate>Fri, 01 May 2026 15:57:53 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Linke Diskurse aus der Hölle]]></title>
      <description><![CDATA[Ich habe keine Lust mehr. Wirklich nicht! Wir brauchen eine Sprache, die Dinge klar benennt, die kraftvoll ist und uns ein Gefühl von Stärke vermittelt.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>In der Politik, gemacht von Parteien und Regierungen, geht es im Kollaps nicht mehr um Lösungen, sondern um das Finden von Schuldigen und Sündenböcken. Das ist so, weil viele Probleme inzwischen unlösbar sind (Klimakollaps, Biodiversitätsverlust), einige Dinge definitiv passieren werden und wir uns darauf einstellen müssen, diese dann zurück zu kämpfen (faschistische Machtübernahme) oder weil Lösungen Mittel und Maßnahmen erfordern, die ziemlich radikal und nicht umsonst zu haben sind. All das wird verschärft durch Feigheit zur ehrlichen Kommunikation. Wenn die Antwort auf das Einfordern von Kommunikation, die auf Fakten und der Realität basiert lautet, „das ist kommunikativ schwer vermittelbar“, dann wundert es nicht, dass wir uns in einem völlig belanglosen Raum des Blablabla befinden, überfüllt mit Phrasen, Platzhaltern, Worthülsen und inhaltlosen Aussagen.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/e7737c06-4acd-4ca9-8be1-94599d358e05/uploads/images/7oebfbtsvo/blablabla.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="buntes Bild im Comic-Stil
ein Gesicht im Profil, geöffneter Mund und eine Sprechblase &quot;bla bla bla&quot;"/><p>In zivilgesellschaftlicher politischer Arbeit und in Bewegungen stoßen wir auf exakt dieselben Situationen und es erfolgen leider identische Reaktionen.  Es dreht sich ebenso alles um das Anklagen und Benennen eines Schuldigen (die Lobbys, die REICHEN, Frau Reiche…) verbunden mit dem unrealistischen und nicht haltbaren Heilsversprechen, dass alles anders ist, wenn diese*r Schuldige nicht mehr da ist. We should know better, shouldn’t we? Und es geht ebenso viel zu oft in erster Linie darum, bloß niemanden zu überfordern, vor den Kopf zu stoßen, „kommunikativ schwer vermittelbare“ Tatsachen zu verschweigen oder sie wenigstens in so eine dichte Hopeium-Wolke zu verpacken, dass es niemandem auffällt.</p><p>Während wir Linken und Linksradikalen im Falle der Politik genervt und anklagend auf dieses Verhalten reagieren, werden wir sauer, wenn wir selbst diesbezüglich kritisiert werden. Diejenigen unter uns, die trotzdem lautstark darauf hinweisen, die Gegenargumente liefern und die grundsätzlich etwas mehr Mut und Druck auf linksradikaler Seite einfordern, erfahren oft nicht mehr viel von Solidarität und noch viel weniger die Bereitschaft zu ehrlichen Diskussionen im Sinne der Sache. Es fühlt sich hin und wieder schon recht einsam an in der eigenen Bubble, wenn man auch dort als zu viel, zu anstrengend, spaltend, unsolidarisch, zu viel dieses und zu wenig jenes kategorisiert wird. Aber ganz abgesehen von persönlichen Empfindungen lähmt sich die radikale Linke selbst und das in einer Situation, in der unsere Position extrem geschwächt ist und sich auch keine Besserung abzeichnet, im Gegenteil.</p><p><em>Wann sind wir so mutlos und ängstlich geworden?</em></p><p>Wir verweisen immer wieder auf Merz und die CDU samt ihrer Absicht, die AfD inhaltlich zu stellen und ihre Wahlergebnisse zu halbieren. Wie das läuft, sehen wir alle und wir kommentieren es alle. Aber wir tun dasselbe und nur weil wir das nicht hören wollen, ändert sich nichts an den entsprechenden Tatsachen. Wir wollen „Mehrheiten“ auf unserer Seite, geschaffen durch Appelle und Pappschilder. Wir wollen ein kaputtes System reformieren, im besten Falle noch von innen heraus durch Parteieintritte oder gar gleich eine neue, eigene Partei. Wir wollen Kampagnen und mit Argumenten &amp; Fakten überzeugen, während wir uns selbst aber von Argumenten und Fakten (Mehrheiten sind nicht der Schlüssel, Hebel sind es; um Linksradikalität ist es schlecht bestellt; wir verhindern Repressionen nicht, indem wir nichts tun und nach Regeln spielen…) auch nicht überzeugen lassen. Wir reden von Rojava als leuchtendes Beispiel und wollen von indigenen Kämpfen lernen, während wir bei der Gewaltfrage regelmäßig schon mit einer ehrlichen Analyse der real existierenden und durch/für uns ausgeübten Gewalt scheitern und Schnappatmung bekommen, wenn über Selbstverteidigung geredet wird.</p><p>So lange wir Kritiker*innen in den eigenen Reihen wie Gegner*innen behandeln und dem Weiter-so frönen mit der nächsten Kampagne, der nächsten großen Demo, der nächsten sinnlosen Stellungnahme zu irgendwas, so lange wird unsere eigene Position stetig weiter Richtung Bedeutungslosigkeit driften, denn wieso sollte uns irgendwer ernst nehmen, wenn wir das selbst nicht tun? Wir sind mittlerweile in Teilen unsere eigene Zensurbehörde, Repressionsinstanz und unser eigener erhobener Zeigefinger. Unsere Aktionen sind zu oft perfomativ und unsere Reaktionen auf Kritik aus den eigenen Reihen sind Reflexe im Sinne der „Mitte der Gesellschaft“ und ihrer Institutionen, die wir doch eigentlich kritisieren oder sogar „angreifen“ wollen.</p><p>Beispiele für entsprechende linke Endlosdiskurse aus der Hölle gibt es viele: unsere imperialistische Lebensweise, die nichts mit internationaler Solidarität zu tun hat und in der sich ganz viele Einzelthemen verbergen, ist eine davon, ebenso wie das Thema von Sabotage und Aktionsformen. Ich bin müde und ich möchte heute trotzdem nochmal eine der Diskussionen aufmachen, die mich besonders auf die Palme bringt: die Gewaltfrage. Keine Sorge, ich tue das, weil ich im Zuge der Vorbereitung unseres Trainingsstranges zum kollektiven Selbstschutz für unser <a href="https://steady.page/de/disrupt/posts/69c27ec0-e96a-46f0-aab5-811641de99e7?utm_campaign=steady_sharing_button">Mutual Aid HEAT</a> vor Kurzem ein sehr interessantes Gespräch zum Thema geführt habe, das mich ausnahmsweise nicht genervt und frustriert hat, sondern mir an einem Wort gezeigt hat, was das Problem mit vorsichtiger und auf Teufel komm raus defensiver Kommunikation ist.</p><p>Dazu vorab, weil ich darüber wirklich nicht mehr diskutieren möchte und werde:</p><p>1. Gewaltfreiheit ist eine Illusion und Militanz ist notwendiges Mittel, welches nicht ausnahmslos und von allen genutzt werden kann und muss, welches aber in unseren Strukturen und Aktionen glaubhaft und überzeugend verankert werden muss.</p><p>2. Sicherheit ist eine Illusion, die in direkter Abhängigkeit von Privilegien immer nur bis zu einem bestimmten Punkt aufrechterhalten werden kann und die i.d.R. auf Kosten anderer geht.</p><p>3. Untätigkeit und das Spielen nach allen Regeln ist kein Schutz vor Repression.</p><p><em>Deeskalation vs. Kontrollverlust</em></p><p>Im Zuge der Organisierung eines Trainings für „kollektiven Selbstschutz“ ziehen wir regelmäßig einen Anwalt zu Rate, um unsere Kommunikation mit ihm abzustimmen und wir berücksichtigen immer wieder Feedback aus allen möglichen Richtungen zu diesem Thema. Das hat unterschiedliche Gründe und wir sind da auch in keiner Weise beratungsresistent. Was aber auffällt ist, dass unser Anwalt und die Menschen, die dabei sein werden und die deshalb aus verschiedenen Gründen ein echtes  und nachvollziehbar hohes Sicherheitsbedürfnis bei diesem Thema haben, uns oft weitaus weniger einbremsen, als es unsere links(radikale) Community gerne tun möchte.</p><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">unterstütze meine Arbeit</a></p><p>Ein Hauptfokus bei diesem Training wird selbstverständlich darauf liegen, nicht in Situationen zu kommen, in denen wir physisch auf Gewalt reagieren und mit dieser umgehen müssen. Letzte Woche habe ich dazu schon <a href="https://steady.page/de/disrupt/posts/681fbaf0-531a-48c6-9ecc-5c9e291a3318?utm_campaign=steady_sharing_button">etwas ausführlicher geschrieben</a>. Wir haben bisher in der Kommunikation zum HEAT immer wieder das Wort Deeskalation benutzt. Jetzt wurde ich von Menschen, die Teile des Trainings anbieten und aktuell erarbeiten, darauf hingewiesen, dass diese Kommunikation problematisch und irreführend ist. Warum? Weil es Situationen geben kann, in denen Deeskalation im Sinne von Defensive keine Lösung ist. Im Gegenteil! Entsprechendes Verhalten kann das Problem an sich ebenso vergrößern, wie es die tatsächlichen Risiken für Menschen in bestimmten Situationen erhöhen kann. Wir erreichen also unter Umständen durch Deeskalation genau das Gegenteil von dem, was wir wollen. Das geschieht auch, weil das ausschließlich defensive Denken im Sinne von Deeskalation dazu führt, dass wir uns nichts aneignen, was hilft, wenn Plan A nicht funktioniert. Wir stehen im Falle der nicht zu vermeidenden Eskalation ungeschützt und unvorbereitet da. Es sollte vielmehr darum gehen, die Kontrolle in einer Situation zu behalten bzw. zu erlangen – und das sagen Menschen, die entsprechende Trainings anbieten, um direkte Konfrontationen möglichst zu vermeiden. Wichtig ist, dass wir auch bei dieser Formulierung im Falle unseres Trainings weiterhin von Trainingsinhalten reden, die physische Gegengewalt als letztes Mittel betrachten und zunächst darauf abzielen, dass es nicht zu Angriffen kommt. Es geht also nicht um andere Inhalte, sondern lediglich um eine andere Formulierung und doch ändert diese Formulierung durchaus einiges bezogen auf die Erwartungshaltung dessen, was da kommt und was wir mit dem Training erreichen möchten. Für mich verdeutlicht diese Änderung der Kommunikation hin zu einer passenden Formulierung die Ernsthaftigkeit, die wir mit diesem Training verfolgen und den sehr realen Beweggrund, der speziell Tadzio Müller und mich antreibt, die Idee der Pink Panthers in Angriff zu nehmen. Diese Formulierung sorgt dafür, dass ich viel weniger erklärende Worte brauche, wenn ich mit potenziellen Interessent*innen rede und sowohl sie als auch ich sehr schnell einschätzen können, ob es passt. Sie sorgt dafür, dass ich das Gefühl habe, von Anfang die „richtigen“ Personen anzusprechen, die nicht nur aus der Ferne betroffen und solidarisch sind, sondern direkt und real mit Gewalt konfrontierte Menschen, die sich selbst etwas sicherer fühlen möchten und anderen in dieser Situation ebenfalls mehr Sicherheit geben möchten. Diese Menschen stehen deshalb auch an einem ganz anderen Punkt, was ihre Bereitschaft zum Erlernen bestimmter Dinge und eine realistische Risikoeinschätzung betrifft. Sie wissen, worum es geht, worauf es ankommt und warum sie dabei sein wollen. Klare Kommunikation sorgt also für Klarheit auf allen Seiten, für das Vermeiden von Missverständnissen und es spart für alle eigene, durchaus knappe Kapazitäten.</p><p><em>Und jenseits vom HEAT?</em></p><p>Wie sieht es unabhängig von kommunikativen Elementen im Zusammenhang mit unserem Training bezüglich Deeskalation vs. Kontrolle aus? Gibt es reale Effekte, je nachdem ob wir von Deeskalation oder Kontrolle reden und entsprechend handeln? Die gibt es durchaus. Ich muss mich nur in meinem Alltag in einer thüringischen Kleinstadt umschauen, wo ich seit Monaten versuche, antifaschistische Strukturen wenigstens in Grundzügen zu organisieren. Es gibt nur 1 Gegenargument, wenn ich mal wieder darauf hinweise, dass jeden Montag ca. 30 Rechte begleitet von Trommeln das Deutschlandlied in allen Strophen zum Besten geben, dass wir seit 2 Monaten nun auch eine pflichtschlagende, extrem rechte <strong>Schüler</strong>verbindung mit eigenem Haus vor Ort haben („Inhaltlich beruft sich die neue Verbindung auf die Ideale der frühen burschenschaftlichen Bewegung sowie auf den „ungeteilten deutschen Kulturraum, zum volkstumsbezogenen Vaterlandsbegriff und die damit verbundene Verantwortung für Volk und Nation in einem Europa der Vaterländer“) oder wenn wir inzwischen mit Hilfe von Antifa-Recherchestrukturen versuchen zu klären, was an einem Aufruf zur „Kristallnacht in <em>Name meiner Stadt</em>“ im Juli tatsächlich dran ist, der speziell Dönerläden, das Linke Büro und Barbershops als Ziel benennt.</p><p>Das „Gegenargument“, was ich zwei Jahre lang gehört habe: wir sollten deeskalierend agieren, wir sind zu wenige, bloß nicht auffallen. Das Ergebnis dieser Deeskalation?</p><p>Wir sind nicht mehr geworden, im Gegenteil. Wir verlieren selbst im Stickern. Bei den Nazis laufen inzwischen auch Kinder und Jugendliche mit. An Montagabenden ist die Innenstadt noch leerer als sonst, weil Beschimpfungen, Beleidigungen und Drohungen andernfalls das Ergebnis sind. Obwohl noch kein Wahlkampf ist, steht die AfD jeden Dienstag (Markttag) den ganzen Tag zwischen Verkaufsständen für Wurst, Obst, Gemüse, Backwaren und Haushaltwaren auf dem Marktplatz und verbreitet das braune Gift. Das Linke Büro wird regelmäßig beschmiert und Scheiben werden eingeschmissen. Nun also die Schülerverbindung, die aktiv auf Schüler, Berufsschüler und Studenten der Fachhochschule im 30 km entfernten Schmalkalden zugeht. Die ortsansässige Polizeischule bietet vermutlich auch einiges an Potential. Und als aktuellen Höhepunkt jetzt die Warnung vor einer geplanten Kristallnacht. Läuft also super mit der Deeskalation! Ich sehe hier täglich, wie fatal dieses Agieren ist, denn es sorgt nicht für mehr Sicherheit und auch nicht wenigstens für kein stetig höheres Risiko. Das Gegenteil ist der Fall. Das Risiko wächst, die Verbreitung des ganzen rechten und faschistischen Dünnschisses steigt, das Stadtbild und die Atmosphäre wirken durch entsprechende Sticker, Graffitis und mehr Deutschlandfahnen immer rechter. Jede Kritik, jede Gegenwehr wird inzwischen immer aggressiver beantwortet. Hier findet Zersetzung in jeder Beziehung statt. Hier haben wir die Kontrolle verloren mit jedem Montag, an dem sie ungestört laufen, trommeln und singen konnten, mit jedem AfD-Stand, der ungestört das Stadtbild prägen konnte, mit jeder Aktion, die nicht stattgefunden hat, mit jedem Sticker, der nicht geklebt bzw. nicht entfernt wurde, mit jeder Flagge, die ungestört hängen bleibt, mit jedem Widerspruch, der in der Schlange an der Supermarktkasse nicht erfolgt ist. Die Kontrolle wiederzuerlangen ist nun eine Herkulesaufgabe, für die wir tatsächlich zu wenige sind. Die Kontrolle wiederzuerlangen, kostet Kraft, Zeit und ganz viel Arbeit und wir fangen damit an aus einer Position der (in Teilen selbstverschuldeten) Schwäche und des Kontrollverlustes. Wir müssen diese Arbeit nun tun, wo die AfD in Wahlumfragen kontinuierlich zulegt und kaum noch abzuhalten sein wird von der Machtübernahme durch nicht irgendwen, sondern durch Höcke. Diese Arbeit findet jetzt für die, die sie tun, unter erhöhtem Risiko statt. Getan werden muss sie ja trotzdem, irgendwie.</p><p>Erschreckenderweise nehmen einige, für meinen Geschmack zu viele, die Situation noch immer nicht ernst. Die Reaktion heute auf die aktuelle Umfrage „wenn heute Landtagswahl in Thüringen wäre“ war Folgende: „wir müssen alles auf ein AfD-Verbot setzen, denn überzeugen können wir die nicht alle.“ Die AfD liegt bei 39%, die aktuellen Regierungsparteien kommen zusammen auf 37%.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/e7737c06-4acd-4ca9-8be1-94599d358e05/uploads/images/3lq5hagjfm/a2b7504d-b93c-400c-9d3f-bc4352340783.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Graphik &quot;Sonntagsfrage Landtagswahl Thüringen&quot;
Graphiken und entsprechende Prozentzahlen zu den einzelnen Parteien"/><p>An diesem Punkt habe ich kurz die Kontrolle verloren. Ich habe keine Lust mehr.</p><p><em>Die (linksradikale) Angst vor Worten</em></p><p>Diese Angst vor Worten, wenn es um linke Praxis geht und die zu oft und zwangsläufig zu einer Feigheit in Aktionen und Handlungen, zu Schweigen oder performativem Aktivismus führt, ist inzwischen eine Pandemie: benutzt nicht Kollaps! Sagt nicht Sabotage! Redet nicht von Gewalt! Ihr könnt doch nicht Genozid sagen! Apartheit und Israel dürfen nicht in einem Atemzug gesagt werden! ACAB – bloß nicht! Eskalation sollte nicht ohne De- als Vorsilbe existieren. Wir sollten nicht von Feindbildern und Gegnern sprechen…</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/e7737c06-4acd-4ca9-8be1-94599d358e05/uploads/images/cg76gj6zar/ausflippen.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Tennisspieler zerstört den Schläger"/><p>Ich habe keine Lust mehr. Wirklich nicht! Wir brauchen (auch) eine Sprache, die Dinge klar benennt, die kraftvoll ist und (zuerst auch mal uns selbst) ein Gefühl von Stärke vermittelt. Damit ist noch nichts gewonnen, aber wir haben in vielen Bereichen jegliche Kontrolle verloren und diese wiederzuerlangen, wird nicht flüsternd funktionieren und auch nicht mit Worten, die keinerlei Gewicht haben.</p><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">unterstützt meine Arbeit</a></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 22 Apr 2026 20:06:02 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[I have a dream: Pink Panthers]]></title>
      <description><![CDATA[Eine der Ursprungsideen, die zum Kollapscamp geführt hat und die uns auch dieses Jahr zum Mutual Aid H.EA.T. motiviert hat, ist unser Traum von Pink Panthers. ]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Wie viele von Euch schon wissen, die hier regelmäßig mitlesen, ist der Traum von den “Pink Panthers” einer, der Tadzio Müller und mich antreibt, der auch eine der Grundideen hinter dem Kollapscamp war und wesentlicher Motivator für das <a href="https://steady.page/de/disrupt/posts/69c27ec0-e96a-46f0-aab5-811641de99e7?utm_campaign=steady_sharing_button">Mutual Aid H.E.A.T.</a> dieses Jahr ist. Wir sind gespannt, wie viele Schritte wir Ende September machen können, um diesem Traum in welcher Form auch immer ein Stückchen näherzukommen.</p><p><em>Historischer Hintergrund</em></p><p>Inspiriert ist unsere Idee von der Black Panthers Party und der Pink Panthers Patrol (oft kurz Pink Panthers genannt). Dabei handelte es sich um eine zivile Patrouillengruppe, die in den 1970ern von Mitgliedern der <em>Queer Nation</em> in New York City gegründet wurde. Sie entstand als Reaktion auf eine Zunahme von LGQBTI*-feindlicher Gewalt im West Village von Manhattan. Die Gruppe wurde gegründet, um queere Menschen im öffentlichen Raum zu schützen und präventiv gegen Angriffe vorzugehen, inspiriert von den Guardian Angels. Die Mitglieder patrouillierten durch queere Viertel, um Präsenz zu zeigen und im Ernstfall einzugreifen, was als Form des queeren Selbstschutzes und Widerstands verstanden wurde. Die Pink Panthers Patrol steht damit in der Tradition queer-feministischer Selbstverteidigung, die darauf abzielt, den öffentlichen Raum für LGQBTI*-Personen sicherer zu machen. Der Name ist eine Anspielung auf den „Rosaroten Panther“ (Pink Panther), wobei das „rosa“ Dreieck historisch mit queerer Verfolgung verbunden ist und in diesem Zusammenhang nicht mit den Juwelendieben zu verwechseln ist. </p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/681fbaf0-531a-48c6-9ecc-5c9e291a3318/uploads/images/yezbea2wow/images.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Pink Panthers Patrol Logo
rosa Dreieck, schwarze Pfote eines Panthers"/><figcaption>Logo der Pink Panthers Patrol</figcaption></figure><p>Das Schutz für uns an immer mehr Orten nach wie vor und leider wieder verstärkt nötig ist, wird kaum jemand bezweifeln und das wir für diesen Schutz auch und zunehmend selbst sorgen müssen bzw. sollten, zeigt sich in mehr als <a href="https://www.lsvd.de/de/ct/2445-Queerfeindliche-Gewalt">1 entsprechenden Schlagzeile </a>täglich. Aktuell sind aufgrund der bevorstehenden Pride-Saison wieder mehr und mehr CSD - Organisator*innen teilweise sehr verzweifelt auf der Suche nach Menschen, die helfen können, CSDs zu schützen. In immer mehr Orten sollen und werden im Sinne von “jetzt erst recht” CSDs stattfinden und das sorgt eben auch dafür, das die alle potenziell gefährdet sind und somit Schutz benötigen. Es fehlt an allen Ecken und Enden an entsprechenden Strukturen und Menschen in auch nur ansatzweise ausreichender Zahl. Wir möchten helfen, daran etwas zu ändern, weil wir selbst direkt betroffen sind.</p><p><em>Was also tun?</em></p><p>Thematisch verankert ist diese Idee und das, was wir uns bis September dazu überlegen werden im Themenstrang, der sich mit dem kollektiven Selbstschutz beschäftigt. Wie schon mehrfach erklärt, geht es dabei nicht ausschließlich und nicht in 1. Linie darum, Angriffen auch physisch etwas entgegensetzen zu können. Darum wird und muss es auch gehen, weil es im Ernstfall einfach zwingend nötig sein kann, sich selbst verteidigen und schützen zu können. Nur dann bin ich nämlich auch in der Lage, anderen zu helfen.</p><p>Es wird aber ebenso in einem Schwerpunkt darum gehen, gar nicht erst in eine Situation zu kommen, in der mensch diese Entscheidung treffen und entsprechend handeln muss. Die beste Verteidigung und der beste Schutz besteht nun einmal darin, gar nicht erst angegriffen zu werden. Unter den aktuellen Umständen sind wir leider aus zu vielen Gründen immer weniger in der Lage, uns darauf verlassen zu können, dass wir nicht mit solchen Situationen konfrontiert werden und das andere (Staat, Polizei, Gesetze, Menschen, die sehen, was passiert…) uns schützen. Wir müssen also Wege finden, selbst dafür zu sorgen, dass wir nicht oder selten(er) tatsächlich in diese Situationen kommen und uns im schlimmsten Fall selbst daraus befreien können. Um das zu erreichen, gibt es unterschiedliche Möglichkeiten: immer in der Überzahl sein - kaum umsetzbar. Potenziell gefährliche Situationen meiden - ebenfalls kaum umsetzbar, weil es davon zu viele gibt und diese mit Zuschreibungen zu marginalisierten Gruppen beinahe exponentiell zunehmen (weiblich, queer, trans, nicht weiß, zu viel dies und zu wenig das…). Potenziell gefährliche Situationen zu meiden bedeutet, das eigene Leben völlig einzuschränken: keine Demos mehr, keine Party, keine Dates, kein Kino, keine Spaziergänge und schon gar nicht nach Einbruch der Dunkelheit, kein Schwimmbad - die Liste kann bis ins Unendliche fortgesetzt werden. Neben der Vorbereitung auf potenzielle Gefahren und im schlimmsten Fall Angriffe/körperliche Übergriffe, inklusive der Fähigkeiten sich selbst bis zu einem gewissen Grand verteidigen zu können, ohne Kampfsportprofi zu sein und der realistischen Einschätzung von möglichen Risiken, um diese so gut es geht zu minimieren, bleibt die “Abschreckung”, das Ausstrahlen von Selbstsicherheit, der Ruf, der vorauseilt, das Auftreten und das optische Erscheinungsbild.</p><p>Alle diese Punkte sind Teil der Ideen und Trainings, die wir für den Bereich “kollektiver Selbstschutz” im Rahmen des HEAT mitdenken und bei denen wir versuchen, sie mit Leben und konkreten Angeboten zu füllen. Das tun wir mit besonderem Fokus auf queere und trans*-Personen und wir tun dies bereits in der inhaltlichen Ausgestaltung des Trainings, bei der Auswahl der Trainer*innen und der Menschen, die teilnehmen. Mindestens 5 von 6 Menschen, die sich mit diesem Training und der Ausgestaltung befassen, sind schwul, queer, non-binär, trans* und das zeigt Wirkung bezogen auf die Inhalte und diejenigen, die als Teilnehmende dabei sein wollen. Dieser Trainingsstrang wird nicht (nur) <em>für</em> queere Menschen gestaltet, sondern <em>von</em> ihnen und ich bin sehr zuversichtlich, dass mensch ihm das auch ansehen wird - in jeder Beziehung.</p><p>Hier kommt jetzt auch ihr, liebe Leser*innen, ins Spiel. Wir haben ein paar kreative und toll-verrückte Ideen, die ich hier natürlich nicht alle verraten werde - wo bleibt denn sonst der Spaß und die Überraschung für den September? Außerdem sind Ideen auch dazu da, wieder verworfen und von anderen ersetzt zu werden. Aber bei der Umsetzung einer dieser bunten Ideen könnt ihr helfen.</p><p><em>Get creative and inspire us</em></p><p>Wie oben bereits erwähnt, ist der Auftritt und die Außenwirkung die “halbe Miete”, wenn es um Schutzkonzepte geht und so beschäftigt uns momentan u.a. der Gedanke von “war paint”, was natürlich auch aus Sicherheitsaspekten keine Idee ist, die zu schnell verworfen werden sollte.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/681fbaf0-531a-48c6-9ecc-5c9e291a3318/uploads/images/5bjbqehcs3/Screenshot_2026-04-15_231640.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Gesicht eines Mannes, dunkles Haar
Gesicht bemalt: rot, weiß, rot, diagonale Streifen"/><p>Wenn ihr also Ideen habt, her damit. Es gibt ein paar Vorgaben:</p><ul><li><p>das Gesicht muss komplett bedeckt sein</p></li><li><p>Farben: pink, silber, schwarz</p></li><li><p>Es muss einfach zu machen sein, ohne das es einen Make-up-Artist braucht</p></li></ul><p>Tobt euch aus und schickt uns gerne Vorschläge:</p><p><a href="mailto:kontakt@mutualaidheat.de">kontakt@mutualaidheat.de</a></p><p>Wir sind gespannt und wer weiß, vielleicht schminken wir im September ;-)</p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 16 Apr 2026 07:02:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Stop talking about revolution]]></title>
      <description><![CDATA[I no longer want to use the term, nor do I want to see it in left-wing or radical left-wing contexts, unless the actions actually live up to the word. ]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>I no longer want to use the term, nor do I want to see it in left-wing or radical left-wing contexts, unless the actions actually live up to the word. I have no doubt that a revolution is needed. But I do have doubts that we are on the brink of one…</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a65a483d-62c8-4544-a39a-2ec85748c05d/uploads/images/ehmjojh3lj/pngtree-people-crowd-protest-strike-demonstration-revolution-vector-illustration-png-image_4672232.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><em>Words are sometimes just words, and that simply isn’t enough</em></p><p>The inflationary use of this term alone will not – surprisingly, for many – lead to a revolution. One cannot talk a revolution into existence any more than one can talk about the end of capitalism, class struggle or systemic change. A revolution happens through actions that accumulate, triggering chain reactions and, yes, escalation. Nor is a revolution ‘made’; it can be ignited and, from that point on, is an event that develops and gains momentum. It should be steered. It should be prepared for by recognising when ‘the moment’ has arrived, by having a clear goal and intermediate steps in mind, contingency plans and, above all, staying power and determination. But it certainly cannot be talked into existence, all the less so when the use of the word ‘revolution’ is the only thing that comes to mind for potential revolutionaries.</p><p>For ages this week, I couldn’t find a hook, an idea, or – above all – the motivation to write a blog post, because of the whale, the world, and simply too much of everything. But then someone sent me this link: <a href="https://neuegeneration.com/revolutiondays/">Revolution Days of the New Generation</a> – “Revolution Days are the interplay of building, getting involved and community – that’s what defines the New Generation.” For a while, all that remained was <em>breathing</em>, then the question “laugh or cry”, is it me or is it the others, and is this still diversity of tactics (which is undoubtedly needed)?</p><p><em>Breathing</em> <em>is still there. Anger is too. And tiredness.</em></p><p>No, dear New Generation, revolution is not the interplay of building, intervening and community! According to the <a href="https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/politiklexikon/18147/revolution/">Political Lexicon</a>, revolution is defined as follows: [Latin] <strong>Revolution denotes a rapid, radical (usually violent) change in existing (political, social, economic) conditions.</strong> If one is sympathetic to your approach, one reads this definition a little further: “Political revolutions generally aim at the removal of the existing political leaders and the creation of fundamentally new institutions, accompanied by a change in leadership and power. The aim of these deliberately brought about, far-reaching changes is to eliminate existing problems and power structures through a political fresh start, and to replace them with something radically new (e.g. new power structures, new elites, new ownership arrangements, a new [constitutional] order, etc.)”. At best, your approach aims to establish something radically new (new power structures, property relations, etc.) following the elimination of the old. So, at best, you are seeking an answer to a question that all of us who dream of the end of capitalism, a system change and a revolution hear time and again: ‘And then? What do you actually want?’ You are looking for a possible answer to the ‘afterwards’ – following (in time) a revolution. However, you do not provide a revolution, nor certainly any ways to spark one. Similarly, one might critically question whether merely replacing one power structure with another, or transferring ownership from the current elites to the many/others, is right, sensible, or whether it might not also become problematic again in the long term, etc. But let’s leave that aside for now. Nor is this about the New Generation as a singular problem. It is about the erosion, weakening and devaluation of words that are actually very meaningful and powerful, and which are just as necessary today, perhaps more than ever. As these words are weakened and devalued, history and stories are similarly devalued, stripped of their meaning, their importance and their function. And we – as left-wingers and radical leftists, as those who so desperately need this history and these stories to find new (old?) ways of acting and to add new chapters to history and stories ourselves – are doing this in an almost inflationary manner. We are disempowering and weakening ourselves at a time when we are already in a position of weakness due to a variety of external influences.</p><p><em>History and stories</em></p><p>We need history to see how certain goals have been achieved in the past, so that, in the best-case scenario, they can be achieved again; to see where problems lurk, what dangers exist, what has worked and what has not. We need history to learn from successes and mistakes, and thus to repeat the former and avoid the latter.</p><p>We need stories, particularly those that do not serve ‘merely’ as entertainment, for precisely the same reasons. Incidentally, ‘in the past’ such a clear distinction between history and stories was neither present nor possible, as stories were not told solely for the sake of entertainment. Stories have often served to create and record history, and to pass on accounts of events. They have served to convey values, concepts of right and wrong, good and evil, and to highlight possibilities. Stories have recounted events, discoveries, struggles, victors and vanquished, revolutions and revolutionaries. (Those with a religious context and background are a different matter.)</p><p>A first major shift in the motivation behind the telling of history (and stories) occurred when people settled down and laid claim to territories, which in turn gave rise to influence and thus power. Stories were then increasingly told to create the impression of legitimacy for one’s own possessions and claims to power, and to consolidate these claims and positions. History increasingly became the stories of the victors; the truth was increasingly left by the wayside or became a matter of interpretation.</p><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">support my work</a></p><p>When we tell stories today using grand words, they often lack the crucial element – particularly for political storytelling – of a real, current context and actual events, and they lack the promise of hope and possibilities based on realistic assumptions. In our stories, revolutions now exist only as references to events that took place some time ago – events in which none of us, nor our contemporaries, were truly involved. Sometimes we don’t even have stories anymore, just the word on a banner or woven into a rhyming protest slogan.</p><p>Wait a minute, some of you who read my texts regularly might be thinking. Did she just say ‘hope’, and in a positive sense at that? Yes, I did – with the necessary and essential caveat of realistic assumptions. I’m well aware of the positive effects of hope and the prospect of success and improvement. These effects do work and are a good thing, provided the promised successes and improvements are realistic and achievable through our own efforts. Revolution, however – given the current situation (zero leverage and impact, etc.) and our approach (appealing and non-violent at all costs) – is not.</p><p><em>Hope used to be better too</em></p><p>So where is the difference between the hope in the stories and history of days gone and the ‘hopium’ of today? Well, for one thing, there were far fewer of the almost all-encompassing and interconnected catastrophes we face today. Hoping that these could be resolved or contained was more justified and realistic than it is today. On the other hand, there were still so many unknown corners and so much that was unknown in itself that the belief in and hope for a saviour appearing from somewhere was nowhere near as unrealistically absurd as it is today, when we as humanity – particularly in the guise of the ‘powerful’ – have already shown our true colours so often that there is scarcely any reason for great hope. For a long time, many stories were accounts of actual events from one’s own era, certainly embellished, but their protagonists had very real counterparts; great stories unfolded within one’s own reality, and the consequences of history, due to their temporal proximity, influenced one’s daily life.</p><p>Storytelling is an art, but it also has real-world relevance, and we should bear this in mind more strongly. As part of our <a href="https://steady.page/de/disrupt/posts/69c27ec0-e96a-46f0-aab5-811641de99e7?utm_campaign=steady_sharing_button">Mutual Aid HEAT</a> in September, we will deliberately integrate this into the programme and each evening hear stories and history from one of our four thematic areas, told by people who were or are involved. And because stories are important, we should stop dressing up bullshit and empty platitudes as stories intended to sell us false hope.</p><p><em>Overtaken by the right</em></p><p>Incidentally, the right has unfortunately overtaken us in this area too. They are able to link their own success stories to their grand rhetoric. ‘Gender madness’ is increasingly being met with actual laws that undermine the rights of trans*people. With the reform of the Common European Asylum System (CEAS), a repatriation programme negotiated with the Taliban, and more money and power for Frontex, etc., remigration has already become a very real prospect. ‘Traditional family values’ are reflected in Stone Age abortion laws, and when Trump talks about ‘reducing Iran to rubble and ashes’, no one doubts that he can and will do so.</p><p>What about what our banners proclaim? Climate justice now? Not really. No borders, no nation? Unattainable. Smash [you name it] isn’t going down too well either. United we fight? Not a chance. Stop the gas? Please, Ende Gelaende mass action – let’s make it happen! To ensure this doesn’t just fizzle out in words, our actions must match the words a bit more closely. They must restore weight and meaning to words, so that we can once again tell our own stories and shape our history – stories and history we have witnessed, actively influenced, and whose consequences and victories we can see before our eyes. From this, we can then gladly draw confidence and hope once more, but hope that is anchored in reality and can be shaped by us.</p><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">support my work</a></p><p></p><p></p><p></p><p><br/></p><p><br/></p><p></p><p></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[English]]></category>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/a65a483d-62c8-4544-a39a-2ec85748c05d/uploads/images/ehmjojh3lj/pngtree-people-crowd-protest-strike-demonstration-revolution-vector-illustration-png-image_4672232.png?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
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      <pubDate>Sat, 04 Apr 2026 09:38:21 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Hört auf, von Revolution zu sprechen]]></title>
      <description><![CDATA[Ich möchte den Begriff nicht mehr verwenden und in linken und linksradikalen Kontexten nicht mehr sehen, es sei denn, die Praxis entspricht dem Wort. ]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/9a914f8f-00b6-470c-8cd8-975aaeb879fc/uploads/images/dyv75psmuj/pngtree-people-crowd-protest-strike-demonstration-revolution-vector-illustration-png-image_4672232.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="stilisierte Demo-Szene, schwarze Personen und Fahnen vor weißem Hintergrund, erhobene Fäuste"/><p>Ich möchte den Begriff nicht mehr verwenden und in linken und linksradikalen Kontexten nicht mehr sehen, es sei denn, die Praxis entspricht dem Wort. Zweifel daran, dass eine Revolution benötigt wird, habe ich nicht. Aber Zweifel daran, dass wir kurz davor sind…</p><p><em>Worte sind manchmal nur Worte und dann eben nicht genug</em></p><p>Die inflationäre Verwendung dieses Begriffs alleine wird – für viele offensichtlich überraschenderweise – nicht dazu führen, dass es zu einer Revolution kommt. Eine Revolution kann Mensch ebenso wenig herbeireden, wie das Ende des Kapitalismus, Klassenkampf und Systemchange. Eine Revolution entsteht durch Taten, die sich summieren, Kettenreaktionen und ja, Eskalation hervorrufen. Eine Revolution wird auch nicht „gemacht“, sie kann entfacht werden und ist ab diesem Punkt ein Ereignis, das sich entwickelt und aus einem Momentum Dynamik gewinnt. Sie sollte gelenkt werden. Sie sollte vorbereitet werden, indem man erkennt, wann „der Moment“ gekommen ist, indem man ein Ziel samt Zwischenschritten vor Augen hat, Notfallpläne und auf jeden Fall einen langen Atem. Sie kann aber ganz sicher nicht herbeigeredet werden, umso weniger, wenn die Verwendung des Wortes „Revolution“ das Einzige ist, was potenziellen Revolutionä*innen einfällt.</p><p>Ich habe diese Woche lange keinen Aufhänger, keine Idee und vor allem keine Motivation für einen Blogtext gefunden, weil Wal, Welt und von vielem zu viel. Aber dann schickte mir jemand diesen Link: <a href="https://neuegeneration.com/revolutiondays/">Revolution Days der Neuen Generation</a> <em>– „die Revolution Days sind das Zusammenspiel aus Aufbauen, Einmischen und Gemeinschaft – das, was die Neue Generation ausmacht.“ </em>Eine Weile blieb nur <em>atmen</em>, dann die Frage „lachen oder weinen“, bin ich es oder sind es die anderen und ist das noch diversity of tactics (die es zweifelsohne braucht)?</p><p><em>Atmen ist noch immer. Wut ist auch. Und Müdigkeit.</em></p><p>Nein, liebe Neue Generation, Revolution ist nicht das Zusammenspiel von Aufbauen, Einmischen und Gemeinschaft! Laut <a href="https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/politiklexikon/18147/revolution/">Politiklexikon</a> definiert sich Revolution wie folgt: [lat.] <strong>Revolution bezeichnet eine schnelle, radikale (i. d. R. gewaltsame) Veränderung der gegebenen (politischen, sozialen, ökonomischen) Bedingungen.</strong> Steht man eurem Ansatz wohlwollend gegenüber, liest man diese Definition noch etwas weiter: Politische Revolutionen zielen i. d. R. auf die Beseitigung der bisherigen politischen Führer und die Schaffung grundsätzlich neuer Institutionen, verbunden mit einem Führungs- und Machtwechsel. Ziel der bewusst herbeigeführten, tiefgreifenden Veränderungen ist es, mit einem politischen Neuanfang die bisherigen Probleme und Machtstrukturen zu beseitigen und radikal Neues an ihre Stelle zu setzen (z. B. neue Machtstrukturen, neue Eliten, neue Eigentumsverhältnisse, eine neue [Verfassungs-]Ordnung etc.).</p><p>Im besten Fall zielt euer Ansatz auf das Setzen von etwas radikal Neuem (neue Machtstrukturen, Eigentumsverhältnisse usw.) nach der Beseitigung des Alten. Ihr sucht also im besten Fall nach <em>einer</em> Antwort auf eine Frage, die wir alle, die wir vom Ende des Kapitalismus, einem Systemchange und einer Revolution träumen, immer wieder hören: „Und dann? Was wollt ihr denn?“ Ihr sucht nach einer möglichen Antwort auf das „Danach“ – nach (zeitlich) einer Revolution. Ihr liefert aber keine Revolution und sicher auch keine Wege, um diese zu entfachen. Ebenso kann man kritisch hinterfragen, ob das bloße Ersetzen der einen Machtstruktur durch eine andere, die Übertragung von Eigentum von aktuellen Eliten auf viele/andere richtig, sinnvoll, langfristig nicht auch wieder problematisch und nichts als ein weiter-so ist usw. Aber lassen wir das hier.</p><p>Es geht auch nicht um die Neue Generation als singuläres Problem. Es geht um die Aushöhlung, Schwächung und Entwertung von Worten, die eigentlich sehr bedeutungsvoll und stark sind und die es genauso braucht, heute vielleicht mehr denn je. Mit der Schwächung und Entwertung dieser Worte wird gleichermaßen Geschichte (im historischen Sinne) und werden Geschichten entwertet, ihrer Bedeutung, ihrer Wichtigkeit und ihrer Funktion beraubt. Und das tun wir, als Linke und Linksradikale, als diejenigen, die diese Geschichte und Geschichten so dringend brauchen, um neue (alte?) Praxis zu finden und der Geschichte und den Geschichten neue Kapitel hinzuzufügen selbst, in geradezu inflationärer Weise. Wir entmachten und schwächen uns selbst in einer Zeit, in der wir durch vielfältige äußere Einflüsse bereits in einer Position der Schwäche sind.</p><p><em>Geschichte und Geschichten</em></p><p>Wir brauchen Geschichte, um zu sehen, wie bestimmte Ziele schon mal erreicht wurden, somit im besten Fall wieder erreicht werden können, wo Probleme lauern, welche Gefahren es gibt, was funktioniert hat und was nicht. Wir brauchen Geschichte, um von Erfolgen und aus Fehlern zu lernen und somit das eine zu wiederholen und das andere zu vermeiden. Geschichten, gerade solche, die nicht „nur“ der Unterhaltung dienen, brauchen wir im Prinzip aus genau denselben Gründen. „Früher“ war eine so deutliche Trennung von Geschichte und Geschichten übrigens weder vorhanden noch möglich, da Geschichten nicht nur um der Unterhaltung Willen erzählt wurden. Geschichten dienten häufig dem Schaffen und Berichten von Geschichte, dem Weitergeben von Ereignissen. Sie dienten dem Vermitteln von Werten, von richtig und falsch, Gut und Böse und dem Aufzeigen von Möglichkeiten. Geschichten erzählten dabei von Ereignissen, Entdeckungen, von Kämpfen, Siegern und Verlierern, von Revolutionen und Revolutionär:innen. (Solche mit religiösem Kontext und Hintergrund sind eine andere Sache.)</p><p>Ein erster großer Bruch bezüglich der Motivation hinter dem Erzählen von Geschichte(n) erfolgte, als Menschen sesshaft wurden und Gebiete beanspruchten, aus denen sich wiederum Einfluss und somit Macht ergaben. Dann erzählte man Geschichten zunehmend, um den Eindruck von Legitimität des eigenen Besitzes und Machtanspruchs zu generieren und um diese Ansprüche und Positionen zu festigen. Geschichte wurde mehr und mehr zu Geschichten der Sieger, die Wahrheit blieb vermehrt auf der Strecke bzw. war eine Frage der Interpretation.</p><p>Wenn wir heute Geschichten mit großen Worten erzählen, fehlt ihnen oft ebenfalls das – vor allem für das politische Geschichtenerzählen - entscheidende Element von realem aktuellem Hintergrund, von tatsächlichen Ereignissen und es fehlt ihnen das auf realistischen Annahmen basierende Versprechen von Hoffnung und Möglichkeiten. Revolutionen in unseren Geschichten existieren nur noch als Verweise auf die (beinahe mythisch anmutenden) Ereignisse vor mehr oder weniger langer Zeit, an denen niemand von uns und unseren Zeitgenoss:innen wirklich beteiligt war. Manchmal haben wir nicht mal mehr Geschichten, sondern nur das Wort auf einem Transparent oder eingebaut in einen gereimten Demo-Spruch.</p><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">Abo - Pakete</a></p><p>Moment, werden einige jetzt denken, die meine Texte regelmäßig lesen. Hat sie da gerade Hoffnung gesagt und das noch dazu in positiver Bedeutung? Ja, das habe ich – mit dem vorangestellten und zwingend erforderlichem Zusatz von realistischen Annahmen. Ich weiß durchaus um die positiven Effekte von Hoffnung und der Aussicht auf Erfolge und Verbesserungen. Diese Effekte greifen auch und sind eine gute Sache, sofern die in Aussicht gestellten Erfolge und Verbesserungen realistisch und durch unser Zutun erreichbar sind. Revolution ist es – angesichts der aktuellen Situation (0 Hebel usw.) und unserer Praxis (appellativ und um jeden Preis <em>GEWALTFREI</em>) nicht. </p><p><em>Auch Hoffnung war früher besser</em> 😉</p><p>Was unterscheidet also die Hoffnung in den Geschichten und der Geschichte vergangener Tage vom Hopium heute? Nun, zum einen gab es noch weitaus weniger der beinahe allumfassenden und miteinander vernetzten Katastrophen, denen wir heute gegenüberstehen. Zu hoffen, dass sich diese lösen oder eindämmen lassen, war berechtigter und realistischer als heutzutage. Zum anderen gab es noch so viele unbekannte Ecken und so viel Unbekanntes an sich, dass der Glaube an und die Hoffnung auf eine Retter:in, die von irgendwo auftaucht, nicht annähernd so unrealistisch absurd war, wie es das heute ist, wo wir als Menschheit, gerade in Gestalt der „Mächtigen“ unser wahres Gesicht schon so oft gezeigt haben, dass kaum Grund zu großer Hoffnung besteht. Lange Zeit waren viele Geschichten Berichte von tatsächlichen Ereignissen der eigenen Zeit, sicher ausgeschmückt, aber ihre Protagonist:innen hatten durchaus reale Versionen, große Geschichten spielten sich in der eigenen Realität ab, die Folgen von Geschichte hatten aufgrund der zeitlichen Nähe Einfluss auf den eigenen Alltag.</p><p>Das Geschichtenerzählen ist eine Kunst, es besitzt aber auch eine tatsächliche Relevanz und das sollten wir uns verstärkt vor Augen halten. Im Rahmen unseres <a href="https://steady.page/de/disrupt/posts/69c27ec0-e96a-46f0-aab5-811641de99e7?utm_campaign=steady_sharing_button">Mutual Aid HEAT</a> im September werden wir das ganz bewusst ins Programm integrieren und jeden Abend Geschichte (im doppelten Wortsinn) aus jeweils einem unserer vier Themenbereiche hören, erzählt von Menschen, die dabei waren oder sind. Und weil Geschichten wichtig sind, sollten wir aufhören, Bullshit-und-Worthülsen-Bingo als Geschichten zu verkleiden, die uns ernsthaft Hoffnung verkaufen sollen.</p><p><em>Rechts überholt</em></p><p>Rechte haben uns übrigens leider auch in diesem Bereich überholt. Sie können eigene Erfolgsgeschichten mit ihren großen Worten verknüpfen. Dem „Genderwahnsinn“ stehen mehr und mehr reale Gesetze gegenüber, die Rechte von Trans*personen zunichtemachen. Remigration wurde mit der Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS), einem Rückführungsprogramm ausgehandelt mit den Taliban, mehr Geld und Macht für Frontex usw. inzwischen bereits ziemlich real. „Der Osten macht’s“ könnte im Herbst Tatsache werden. „Traditionelle Familienwerte“ spiegeln sich in Abtreibungsgesetzen aus der Steinzeit wider und wenn Trump davon redet, den Iran „in Schutt und Asche zu legen“, zweifelt niemand daran, dass er das kann und tun wird.</p><p>Was ist mit dem, was unsere Banner verkünden? Klimaschutz jetzt? Eher nicht so. No border, no nation? Da passiert gerade eher das Gegenteil. Nationen und Grenzen werden brutal verteidigt und ausgedehnt. Smash [you name it] läuft auch eher schlecht. United we fight? Fehlanzeige. Gas stoppen? Bitte, Ende Gelände Massenaktion – lasst uns liefern! Damit das nicht nur in Worten verpufft, müssen unsere Aktionen den Worten etwas mehr entsprechen. Sie müssen Worten wieder Gewicht und Bedeutung verleihen, damit wir wieder eigene Geschichte(n) erzählen und machen können, die wir miterlebt, aktiv beeinflusst haben und deren Folgen und Siege wir vor Augen haben. Daraus können wir dann sehr gerne wieder Zuversicht und Hoffnung ziehen, die dann aber eben in der Realität verankert und durch uns selbst beeinflussbar ist.</p><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">unterstütze meine Arbeit</a></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sat, 04 Apr 2026 09:14:32 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Feuer dem Patriarchat und Raum der Wut]]></title>
      <description><![CDATA[Das wird ein wütender rant, wäre es kein Text, würde ich den mit ganz vielen Frage- und Ausrufezeichen in ein Mikro schreien. ]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/64dc5341-4939-40e8-a0c6-cbbcbce4cecb/uploads/images/fem5h6qa4r/1069.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Das wird ein wütender rant, wäre es kein Text, würde ich den mit ganz vielen Frage- und Ausrufezeichen in ein Mikro schreien. Es ist keine Strategiediskussion, kein Debattenbeitrag, es ist und bleibt ein wütender rant, der ein paar Dinge „vor den Latz knallen“ möchte, der Fragen und Mittelfinger ohne Punkt, Komma und Zwischenüberschriften in den Raum wirft um ihrer selbst willen, wohl wissend, dass er keine Antworten liefert und diese auch nicht wirklich erwartet, weil es sie nicht gibt, schon gar nicht kurzfristig und direkt umsetzbar. Eine Triggerwarnung sei vorangestellt, dieser Text thematisiert und benennt Gewalt gegen Frauen.</p><p>Es ist ein wütender Text geschuldet der letzten Woche, der „Fall Collien Fernandez“ als Auslöser, fortgeführt in Überlegungen zum Sinn und Zweck oder besser gesagt dem Nutzen und den Erfolgsaussichten meiner laufenden Verhaltenstherapie – warum soll ich eigentlich mein Verhalten ändern, um mich besser in die Schei*e einzufügen, statt dass mal alle mithelfen, die Schei*e zu ändern, damit sie besser zu uns passt?!</p><p>Aber fangen wir am Anfang an bzw. am aktuellen Aufhänger, denn der Anfang liegt inzwischen in so weiter Entfernung wie ein potenzielles Ende. Diese Woche ist es also Collien Fernandez, die es schafft, das Schweigen zu Gewalt gegen Frauen zu brechen und es in die Scheinwerfer zu ziehen. Das gelingt ihr nach Jahren öffentlichem Kampf zum Thema inklusive einer Doku. Es gelingt ihr, als der Name des Täters, des Mannes genannt wird, der ein C- D- oder F-Promi ist. Es gelingt also nicht durch das Thema „Gewalt gegen Frauen“, es gelingt durch die Benennung des Mannes. Allein das reicht aus – und das sollte es nicht nur für mich und andere Frauen – damit ich eigentlich alles in Flammen aufgehen sehen möchte. Ich möchte die ganze patriarchale Schei*e in Brand setzen und sie bis auf die Grundmauern niederbrennen sehen. Gleiches gilt auch für die kapitalistische Schei*e, die enger Verbündeter, Urheber von und/oder Bedingung für Patriarchat &amp; Co. [insert alles, was weg muss] ist. Bleiben wir heute aber mal beim Patriarchat, bei der Gewalt gegen Frauen. Seitdem Collien Fernandez in der öffentlichen Wahrnehmung gelandet ist, schwingt wieder einmal eine Schwere, Wut und Müdigkeit in jedem Gespräch zu egal welchem Thema mit einer Frau mit, die greifbar ist und es ist klar, woher die kommt. Es braucht keine Nachfrage und keine Erklärung. Es ist uns (Frauen) allen klar. Es ist immer so, wenn alltägliche Gewalt gegen Frauen ein Echo in der Öffentlichkeit und in den Medien findet. Es ist so, weil wir alle Betroffene sind, weil wir wissen, der nächste Fall passiert gerade in diesem Moment jenseits der öffentlichen Wahrnehmung und weil wir wissen, es werden noch ganz viele Fälle im Licht der Öffentlichkeit und abseits davon passieren, ohne dass sich irgendetwas Grundsätzliches ändert und Frauen endlich sicher sind. Es wird alles nur noch dramatischer, wenn zum Fakt „ich bin eine Frau“ noch irgendeine Marginalisierung, eine Schublade hinzukommt, die per se schon mal nichts Gutes bedeutet: queer, non-binär, trans, migrantisch, obdachlos, körperlich beeinträchtigt, (Lohn-)arbeitslos, chronisch krank, alt…</p><p>Ich sehe die Auswirkungen und die Scham dieses verfluchten Systems Patriarchat überall, wir Frauen sehen sie überall, im Alltag, in der sogenannten Normalität. Das macht uns wütend, es macht Angst, es schüchtert ein, es lässt verzweifeln, es macht betroffen, es macht hilflos. Aber wir sehen sie, immer. Ich sehe sie, immer. Ich sehe sie im Verhalten meiner Mutter, wenn sie beinahe flüsternd und relativierend Jahrzehnte später von einem Vorfall mit meinem Großvater, ihrem Schwiegervater, erzählt und vom erst kürzlich erfolgten übergriffigen Verhalten eines Nachbarn. Davon hat sie mir übrigens nur sehr ungern und erst 2-3 Wochen später erzählt, weil „Du gehst dann immer gleich los und machst was“ – ja, verdammt nochmal! Was soll ich denn sonst tun? Natürlich muss da etwas getan werden, natürlich muss der Täter zur Rede gestellt werden, wenigstens das! Nein, es ist nicht der Moment zu überlegen, wer das dann alles mitkriegt und „was die Leute denken“. Kaum etwas ist wahrer als der Satz „Die Scham muss die Seite wechseln“! Ich sehe es in den verklärten Rückblicken nach dem Tod meines Vaters, wo alle Konflikte auf einmal keine Rolle mehr spielen. Und es macht mich so wütend, weil ich diesen verklärten Blick nicht habe und mich schuldig fühle, weil ich nicht „richtig“ trauere oder noch immer auch seine Fehler anspreche.</p><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">Abo - Pakete</a></p><p>Ich sehe die Auswirkungen und die Scham bei mir, wenn ich nichts sage zum Verhalten des Sohnes einer befreundeten Familie. Ich habe nichts gesagt, als er getan hat, was er getan hat und mich das Klingeln des Lieferdienstes aus dieser extrem unangenehmen Situation herausgeholt hat und ich sage auch jetzt nichts bei den Lobgesängen auf ihn nach seinem plötzlichen Tod. Ich schweige und atme und schlucke die Wut hinunter. Ich sehe bzw. fühle, was es noch immer mit mir macht, nur an das falsche und bedrängende Verhalten eines Genossen vor ein paar Jahren zu denken. An eine sehr toxische Ex - Beziehung, die in einer Schwangerschaft und Adoption endete. Ich erlebe Gewalt gegen Frauen, gegen mich, jedes Mal, wenn Fremde einen Rempler auf überfüllten Bahnhöfen zum Anlass nehmen, mich Fotze, Bitch oder sonst etwas zu nennen. Ich erinnere mich an Kommentare in der Schule zu meinem Gewicht, an Daniel, der trotz eines NEIN vor meiner Tür stand, von meinen Eltern abgewimmelt werden musste und wo ich am Ende die Böse war, weil ich mich weiteren Gesprächen nach meinem NEIN entzogen habe. Ich denke an Nico, den Polizisten, der, unterstützt von zwei seiner Kollegen, an Weihnachten auf der Mission war, seine Ex (meine Nachbarin und Freundin) zu erschießen und mich gleich mit, weil er mich für ihren Neuen (bewusst so gegendert) hielt, nachdem er schon dafür gesorgt hat, dass wir selbst in der Wohnung meiner Mutter Weihnachten mir runter gelassenen Jalousien verbracht haben.</p><p>Wir erleben Gewalt gegen uns mit jedem „Süße“, „Kleine“, „ich erklär Dir das jetzt mal“ eines Mannes. Ich denke an viel zu viele Freundinnen und ihre viel zu vielen Erlebnisse, an ihre viel zu vielfältigen Gewalterfahrungen, an die Auswirkungen für sie ganz persönlich und oft für uns alle, wenn Freundeskreise und Politgruppen implodieren, wenn wir als Betroffene es sind, die damit umgehen und Unterstützungsgruppen für uns selbst starten, Ansprechgruppen für Fälle sexualisierter Gewalt in unseren Politstrukturen starten und diese bis heute am Leben halten. Das es das z.B. bei Ende Gelände gibt, liegt an einem Fall in meiner Ortsgruppe in Würzburg und es war die Betroffene, die mit uns, ihren Freundinnen und Genossinnen diese Struktur gestartet hat und sich gleichzeitig dem Thema transformative Gerechtigkeit angenommen hat mit der Etablierung einer Supportstruktur auch für den Täter. Das alles ist normal und das alles sollte nicht normal sein!</p><p>Gewalt ist es übrigens auch, wenn ein älterer Herr mich an der Kasse mit den Worten „gehen sie ruhig vor, junger Mann“ anspricht und auf meine scherzhafte und freundlich vorgebrachte Antwort „Ich bin zwar kein junger Mann, aber Danke“ mit einer flammenden Rede reagiert, die thematisiert, wie Frauen auszusehen haben.</p><p>Knast – an sich natürlich schon Verkörperung und Inbegriff von Gewalt – wird für Frauen nochmal verschärft, wenn es nachts oft männliche Beamte sind, die mit freilaufenden Drogenhunden auf den Gängen Kontrollen laufen und dann eben ohne Vorwarnung die Zelle betreten, sollte der Hund reagieren. Es wird katastrophaler für Frauen, wenn im Knast keine Auswahl an Ärzt:innen zur Verfügung steht und Frau auch im Fall einer psychischen Krise oder bei gynäkologischen Untersuchungen einem Mann vorgeführt wird. Und auch bei Hofgängen gibt es nicht zwingend Schutz vor den Augen und verbalen Übergriffen der männlichen Inhaftierten, die zwar durch Zaun und Stacheldraht abgegrenzt sind, aber durchaus jeden Schritt beobachten und kommentieren können.</p><p>Gewalt gegen uns Frauen ist für uns immer präsent, immer real und jederzeit möglich, in x Formen und jede davon ist eine Gefahr. Sie fängt nicht erst an mit dem Schlüssel in der Hand, Blicken über die Schulter, dem Hören auf Schritte und ständiger Alarmbereitschaft auf dem Weg nach Hause, sobald es dunkel ist, sondern mit Pfiffen, Blicken, Bemerkungen und Witzen und dem lauten Schweigen dazu. Sie geht weiter mit dem alltäglichen Hinweis an Freundinnen „meld Dich, wenn Du zu Hause bist“ und mit zu vielen Abenden und Gesprächen über traumatisierende Erlebnisse im Freundinnenkreis, völlig egal, ob die gerade erst passiert sind oder schon lange zurückliegen. Irgendwann brechen sie durch und dann sind es auch wieder Frauen, für die die Arbeit auf ganz vielen Ebenen anfängt.</p><p>Und während ich heute meine Therapiesitzung in Angriff genommen habe, war ich völlig überfordert mit der Frage „wie geht es Ihnen heute?“. Beschissen lautete die Antwort und das obwohl ich dieses Mal nicht akut und aktuell selbst Betroffene war und es mir deshalb ja eigentlich irgendwie gut geht, gut gehen sollte, das aber eben doch nicht der Fall ist, weil ich eben doch schon zu oft und jeden Tag direkt und persönlich Betroffene bin vom „großen Thema“ Patriarchat und Gewalt gegen Frauen und das lässt sich nicht (weg)therapieren, dagegen hilft kein imaginärer sicherer Ort, kein Tagebuch, keine Strategie und kein erlerntes Verhalten . Und verdammt nochmal warum bin ich es denn, die sich Tipps und Tricks antrainiert, um mein Verhalten dem Alltag anzupassen und mit dem Alltag besser klarzukommen, wenn der verdammte Alltag und die Normalität das Problem ist!?</p><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">Abo - Pakete</a></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Tue, 24 Mar 2026 16:32:10 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Step by Step durchs Zukunftstrainingslager…in EINEM Spaziergang]]></title>
      <description><![CDATA[Zukunftstrainingslager wird Mutual Aid HEAT: gemeinsan handeln lernen.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Step by Step durchs Mutual Aid H.E.A.T.…in EINEM Spaziergang</h1><p>Zwei der Themenbereiche, die wir uns für das Zukunftstrainingslager auf unser Programm geschrieben haben, habe ich euch schon näher vorgestellt. Jetzt haben wir ein paar wesentliche Hürden genommen, deshalb gibt es heute ein rundum-Info-Sorglos-Paket zu unseren Plänen für den September. Bevor ihr das alles in Ruhe lesen könnt, geht aber schon mal ein riesiges Dankeschön raus an die Menschen, die mit uns an der Umsetzung arbeiten. Tadzio Müller und ich sind vielleicht die lautesten und sichtbarsten Personen in diesem Zusammenhang, aber ohne Till und Thomas, die viele von euch vielleicht schon vom Kollapscamp 2025 kennen, würden wir das nicht hinkriegen. Und weil das mit uns so gut funktioniert, werden wir auch langfristig als politische Gruppe „Foundation“ zusammenarbeiten. Es gibt da durchaus noch ein paar mehr Ideen rund um Kollaps und solidarisches Preppen, die auf ihre Umsetzung warten und wir haben richtig Lust, das gemeinsam in Angriff zu nehmen. Was unser aktuelles Projekt angeht, sind natürlich noch andere Menschen beteiligt und wir sind extrem dankbar dafür. Wir haben jetzt einerseits eine richtig tolle Crew, die den Szenario-Elementen Schwung gibt, denn die sind natürlich wesentlicher Teil unserer Idee und wir können jetzt sagen: Trainings und Szenarien werden eine richtig runde Sache. Deshalb haben wir nun eine passende Bezeichnung gefunden:</p><p><em>Zukunftstrainingslager wird Mutual Aid HEAT</em></p><p>Andererseits kommen wir mit den Inhalten der Trainings ebenfalls gut voran, weil Menschen involviert sind, die Bock haben, ihr Wissen in die Ausgestaltung dieses neuen Formats einzubringen. Wir sehen dabei spannende Entwicklungen: die Inhalte in allen vier Bereichen sehen inzwischen völlig anders aus, als wir uns das zu Beginn gedacht haben. Das macht uns aktuell in der Planung neben viel Arbeit sehr viel Spaß und den Teilnehmenden dann hoffentlich im September. Jetzt aber genug der Vorrede. Viel Spaß beim Lesen 😊</p><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">Abo-Pakete</a></p><p><em>Mutual Aid HEAT: gemeinsam handeln lernen</em></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/69c27ec0-e96a-46f0-aab5-811641de99e7/uploads/images/boxoc7uvtn/Untitled-design-7.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Hintergrund: türkis
2 Hände (blau), die einander gereicht werden
Schriftzug: we need each other"/><p>Stellt Euch vor, es ist Katastrophe: Internet und Telefon fallen aus, Verunsicherung macht sich breit. Stellt Euch vor, Ihr seid bei einem CSD oder in einer Geflüchtetenunterkunft, und plötzlich steht ein Haufen Nazis vor Euch. Stellt Euch vor, dass ganze viele krank werden und keine Ärztin kommt, weil die medizinische Versorgung zusammengebrochen ist. Oder stellt Euch vor, dass die Nahrungsmittellogistik kriselt und es auf einmal nicht mehr genug zu essen gibt. Stellt Euch vor, dass um Euch herum die Normalität kollabiert, dass Menschen beginnen, sich isoliert und ängstlich zu fühlen. Was braucht Ihr dann, um euch sicher zu fühlen? Was macht euch unsicher und wie könnt ihr dafür sorgen, dass ihr handlungsfähig(er) seid?</p><p>Wenn ihr in solchen Situationen vorbereitet seid, eine ganze Reihe von Notfallskills trainiert und gemeinsam ausprobiert habt, Euch und Anderen in der Katastrophe praktisch helfen könnt, wären das sicher wesentliche Punkte, die euch ein besseres Gefühl geben würden. Um das zu ermöglichen, laden wir Euch zu einem einwöchigen Intensivkurs ein: eine Mischung aus Trainingslager und dem Eintauchen in eine fiktive Welt, in denen wir das gemeinsam Gelernte live durchspielen. Wir befinden uns im &quot;Mutual Aid HEAT&quot; (HEAT: hostile environment awareness training). Vier Tage Training in der fiktiven Welt, zwei Tage das Gelernte in Szenarien durchspielen, danach gemeinsam die Erfahrung reflektieren, dazwischen Bewegungsgeschichte lernen, miteinander Zeit verbringen, um - zentral für &quot;solidarisches Preppen&quot; - Beziehungen aufzubauen.</p><p><strong>Wann &amp; wo?</strong></p><p>Sonntag, 20.9. bis Sonntag, 27.9, Alte Hölle/Brandenburg.</p><p>Ankunft am Sonntagnachmittag, Beginn ist am Sonntagabend mit einem gemeinsamen Plenum.</p><p>Ab Montagmorgen starten die Trainings und Szenarien.</p><p>Abreise erfolgt ab Sonntagmittag.</p><p><strong>Warum?</strong></p><p>Wir wollen mit diesem Event dem Ziel näherkommen, in Katastrophen praktisch und emotional handlungsfähige Strukturen zu schaffen. Dafür braucht es neue Formate, die mehr in die Tiefe gehen. Dieses Event ist der Versuch, eine neue Art des Aktivismus zu lernen. Eine, die weiß, dass im Kollaps mehr Risiken auf uns zukommen, dass es mehr und andere Vorbereitung und Ausbildung braucht als im Kampagnenaktivismus der vergangenen Jahrzehnte.</p><p><strong>Wer?</strong></p><p>Wir planen ein Event für diejenigen, die die Bedrohung durch Kollaps und Autoritarismus so ernst nehmen wie wir; die wissen, dass wir uns jetzt auf Klimakatastrophen, auf autoritäre Machtübernahmen, auf Systemzusammenbrüche vorbereiten müssen, nicht erst in ein paar Jahren und für die, die wissen, dass sich für eine Zukunft mit zunehmenden Katastrophen vorbereiten bedeutet, jetzt Zeit und Ressourcen in diese Vorbereitung zu investieren. Wir wollen, dass aus diesem Event praktische Organisierung entsteht, weshalb es auch kein “offenes” Event ist. Stattdessen werden wir schon im Vorfeld des Camps mit potenziellen Teilnehmenden kommunizieren und einen Auswahlprozess organisieren. Wir freuen uns besonders über Kollektive und Gruppen, die teilnehmen wollen oder “Delegierte” schicken, um das Gelernte und Erlebte, dann in ihrer Stadt, ihrem Umfeld umzusetzen und zu nutzen.</p><p><strong>Wie viele?</strong></p><p>Wir gehen von 150 - 200 Teilnehmenden aus, im Schnitt 50 pro “Trainingsstrang”. Da wir wahrscheinlich nur begrenzt an institutionelle Fördergelder heranzukommen, werden wir Teilnehmer*innenbeiträge erheben müssen, können aber auch versprechen, dass keine Teilnahme daran scheitern soll, dass mensch keine Kohle hat. Ohne praktische Solidarität keine solidarische Kollapsbewegung.</p><p><strong>Was?</strong></p><p>Das Zukunftstrainingslager wird in vier Trainingsstränge (Kommunikation; Kollektiver Selbstschutz; Versorgung und Logistik; Medizinischer und emotionaler Support) aufgeteilt sein. Jede*r Teilnehmer*in meldet sich für nur einen dieser Trainingsstränge an und ist den kompletten Zeitraum vor Ort - wir wollen uns fokussieren und in die Tiefe gehen:</p><p><em>Training Nr. 1: Kommunikation: Was tun, wenn Telefon, Internet und Strom ausfallen?</em></p><p>Anfang des Jahres fiel in Teilen Berlins nicht nur der Strom aus, und vielen blieb die Wärme weg – in den vom großen Stromausfall betroffenen Bezirken konnte auch niemand mehr telefonieren. Telekommunikation ist in unserer Gesellschaft absolut zentral für gesellschaftliche Teilhabe im Allgemeinen, aber auch für die Organisierung jederlei Demo, Party, jedes Dates und jeder Familienfeier. Und wir sehen in autoritären Regimen, dass Kontrolle über Internet und Kommunikation zentrale Mittel sind, um Widerstand zu neutralisieren oder kleinzuhalten. Was also, wenn alle Telekommunikation plötzlich ausfällt?</p><p>Auf solche Szenarien wollen wir uns vorbereiten: wir wollen miteinander lernen, in Notfallsituationen effektiv und solidarisch miteinander kommunizieren zu können, ob live und in Person, per Sprechfunk, Radiosender oder mit einem “Lora/Meshtastic”-Netzwerk. Wir planen ein viertägiges Intensivtraining zu Kommunikation in der Katastrophe, denn ohne Kommunikation kann es keine solidarischen Netzwerke in Katastrophen geben.</p><p><em>Training Nr. 2: Kollektiver Selbstschutz: was tun, wenn wir angegriffen werden?</em></p><p>Alltägliche Attacken auf migrantisierte und trans Menschen, auf Frauen und Queers, auf Menschen mit Behinderung; organisierte Anschläge auf Geflüchtetenunterkünfte, Naziangriffe auf CSD, militanter Antifeminismus als politisches Projekt: die faschistische Gewaltkatastrophe ist keine Zukunftsmusik, sie betrifft jetzt schon massiv und steigend eine immer größere Anzahl marginalisierter Communities. Und: ob die Polizei “uns” dabei schützt, darüber steht zumindest ein großes Fragezeichen. Für manche ist die Polizei selbst eine der größten Quellen von Gefahr und körperlicher Gewalt. Was also tun, wenn wir angegriffen werden und niemand anderes uns verteidigt?</p><p>Um selbstwirksame Antworten auf diese Fragen zu entwickeln, planen wir ein Training zum Thema “Kollektiver Selbstschutz”. Natürlich ist die beste Strategie immer die, die potenzielle Gegner*innen von Angriffen abschreckt, aber sollte das nicht funktionieren, werden wir auch lernen, uns selbst gegen Menschen zu verteidigen, die uns mit oder ohne Waffen angreifen; wie wir uns zusammen bewegen müssen, um Gruppen wie z.B. Demos sicherer zu machen und wie wir uns für und in solchen Notfällen organisieren können.</p><p><em>Training Nr. 3: Versorgung und Logistik: Was tun, wenn&#39;s nichts mehr zu essen gibt?</em></p><p>Die Supermärkte sind zu, weil Stromausfall, die Lieferketten funktionieren nicht mehr, weil Transportkollaps, oder, oder, oder. Das Essen bleibt weg: was tun? Wie fangen wir an, die Versorgung unserer Nachbar*innenschaft, unserer “Community” sicherzustellen? Wie bauen wir solidarische Logistik-Netzwerke auf, die in so einer Situation in der Lage sind, sich und andere mit Nahrungsmitteln zu versorgen?</p><p>Um uns auf so eine Situation vorzubereiten, planen wir ein viertägiges Intensivtraining zum Thema “Nahrungsmittelversorgung und -Logistik”. Was ein bisschen schwerfällig klingt ist, halten wir für zentrales Wissen in einer von Kollapsdynamiken bestimmten Zukunft: wer weiß, wo es was zu essen gibt, wer Menschen mit Essen versorgen kann, stellt den Kern einer Gemeinschaft dar. Wir wollen anfangen zu lernen, diesen Kern im Notfall bilden zu können und vom landwirtschaftlichen System über Transport und Logistik bis zu “wie und was koche ich für Großgruppen?” lernen, einander auch in der Katastrophe mit gutem Essen zu versorgen.</p><p><em>Training Nr. 4: Medizinischer und emotionaler Support</em></p><p>In einer Zukunft voller Kürzungen, Katastrophen und Kollaps ist es unrealistisch, davon auszugehen, dass immer und sofort medizinische und psychologische Notfallversorgung da ist. Wir selbst sind vielleicht noch nicht unmittelbar betroffen, aber für viele Menschen existiert diese schon heute nicht mehr. Egal ob Hitzewelle, Flutkatastrophe oder Naziangriff, es ist nie falsch, zu wissen, wie wir selbst Anderen helfen können, die verletzt, bewusstlos oder traumatisiert sind, zumindest bis professionelle Hilfe vor Ort ist. Wer weiß, was im Notfall zu tun und was zu lassen ist und was mit den vorhandenen Ressourcen umsetzbar ist, ist Angriffen und anderen Katastrophen nicht länger hilflos ausgeliefert.</p><p>Um uns auf solche Situationen vorzubereiten, planen wir ein viertägiges Intensivtraining zum Thema NECAM - Notfallversorgung, Emotional Care &amp; Alltags-Medizin (unsere Großeltern wussten nicht zufällig von Sachen wie “Wadenwickeln” etc.). Aber es wird nicht nur um das Erlernen “technischer” Fähigkeiten gehen. Wir wollen lernen, wie wir in Notfallsituationen miteinander umgehen, wie wir uns gemeinsam bewegen, wie wir Situationen überblicken und etablierten Notfallstrukturen nicht im Weg sind, sondern helfen, bis sie übernehmen können. Wer schon mal bei Demos Demosanis erlebt hat: das sind unsere Vorbilder.</p><p><em>Gemeinsamer Höhepunkt: Mutual Aid HEAT</em></p><p>In einem praxisnahen Training, das in einer fiktiven Welt stattfindet, erhältst du die einzigartige Gelegenheit, aus dem Alltag auszubrechen, Training und Aktivismus neu zu erleben! Dieses Training bietet die Möglichkeit, in einem sicheren Rahmen Handlungen auszuprobieren, Emotionen zu verarbeiten und von Menschen begleitet zu werden. Kennen wir nicht alle das Phänomen, dass wir in einem Training waren, etwas Neues gelernt haben und sobald wir es anwenden sollen, das Gelernte nicht mehr abrufbar ist?</p><p>Standard-HEAT-Trainings gehen immer wieder aus einer Szene heraus, bauen kurze Rollenspiele ein und machen theoretisches Wissen in kurzen Abständen erfahrbar. Wir werden eine Welt schaffen, in der ihr als Teilnehmer*innen von Anfang an immer weiter mit dabei seid. Wiederkehrende Charaktere und Szenarien, die aufeinander aufbauen, machen erlebbar, was es heißt, handlungsfähig in einer Storyline zu sein. Weil Deine Entscheidungen und Dein Verhalten mit Dir und Deiner Gruppe nicht nach jeder Szene enden, schaffen wir ein Miteinander, in dem ein Bewusstsein dafür geschaffen werden kann, langfristig solidarisch miteinander in der Krise umzugehen, sich zu organisieren und über das Theoretische hinaus solidarisch zu bleiben.</p><p>Neben Teilnehmer*innen brauchen wir auch Menschen die bereit sind, bestimmte Rollen im Rahmen unserer Trainings zu übernehmen und die bei der Koordination der Rollenspieler*innen helfen. Du hast bereits Erfahrungen als Rollenspieler*in gesammelt, möchtest Menschen in ihrem Lernprozess begleiten und eine fiktive Welt mit Leben füllen? Dann melde Dich gerne bei uns. Wir sind noch auf der Suche nach Menschen, die sich vorstellen können, Teams von 3-5 Rollenspielern zu koordinieren (Raum Halten, Übungen anleiten, Theater pädagogische Übungen etc.) und nach Rollenspieler*innen die einen oder mehrere Charakter tiefer ausarbeiten wollen.</p><p><strong>Solltet Ihr Interesse haben, als Teilnehmer*in am Start zu sein, schickt eine E-Mail an folgende Adresse:</strong></p><p><a href="mailto:kontakt@mutualaidheat.de"><strong>kontakt@mutualaidheat.de</strong></a></p><p><strong>Für Menschen, die</strong> <strong>als Rollenspieler*in oder Rollenspieler*innen Koordinator*in dabei sein möchten, gibt es diese Adresse:</strong></p><p><a href="mailto:szenario@mutualaidheat.de"><strong>szenario@mutualaidheat.de</strong></a></p><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">unterstützt meine Arbeit</a></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Tue, 17 Mar 2026 16:46:43 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Der betörende Glanz der Dummheit (Esther Vilar)]]></title>
      <description><![CDATA[Dummheit zeichnet sich dann nicht durch mangelndes Wissen aus, sondern durch fehlende Kreativität, Humorlosigkeit, Gefühlskälte und Rücksichtslosigkeit & sie hat Erfolg.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/40d4d141-93ba-452a-bc82-4b2e51a8f1e2/uploads/images/3wvrafbve6/lesireneodissea.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="antike Vase, Sirenen und Odysseus, schwarzer Untergrund, Figuren ausgelassen (nicht schwarz bemalt)"/><figcaption>Odysseus und die Sirenen (Vasenbild, ca. 475–450 v. Chr.)</figcaption></figure><p>Esther Vilar hat ein Buch geschrieben, das genau diesen Titel trägt und als ich den gelesen habe, traf er für mich den Nagel auf den Kopf. Dieser Titel liefert eine Zustandsbeschreibung – für das Offensichtliche in Form des Agierens der Reichen und Mächtigen in Konzernzentralen, der Politiker:innen und Regierungen. Er tut dies aber gleichermaßen für das Verhalten der sogenannten „Mitte der Gesellschaft“, die sich im besten Fall immer mal kurzfristig empört (oft über die falschen Dinge), in der Regel schweigend mitläuft, sich einlullen lässt vom – genau – betörenden Glanz der Dummheit oder immer häufiger selbst keifend fordert, was inzwischen längst nicht mehr erst die AfD an der Macht braucht, um umgesetzt werden.</p><p>Die griechische Mythologie berichtet uns ebenfalls schon von einem solchen Phänomen in Form der Sirenen, die vorbeifahrende Schiffe durch wunderschönen Gesang und – je nach Überlieferung – betörendes Äußeres anlockten und die Besatzung töteten. Auch in diesem Fall musste der jeweilige Held, allen voran Odysseus, kreativ werden, um nicht in diese Falle zu tappen. Verlockungen, eingesetzt und genutzt, um Unheil zu bringen, sind also keine neuen Phänomene. Aber sie halten sich und ziehen sich durch bis in die Gegenwart, wo sie nicht mehr zwangsläufig als Mythen wahrgenommen werden in Form von Vasenbildern und Heldengeschichten, sondern sich als Tatsachen tarnen.</p><p><em>Eine neue Definition von „Dummheit“</em></p><p>„Dummheit“, meint Esther Vilar, muss im Zeitalter von Computer, riesigen Rechenzentren und KI anders definiert werden als jemals zuvor. Angesichts der Leistungsfähigkeit und des rasanten Ausbaus der elektronischen Albträume spricht sie sich dafür aus, Intelligenz als Zusammenspiel von Phantasie und Sensibilität zu verstehen. Dummheit zeichnet sich dann nicht durch mangelndes Wissen, fehlende Rechengewandtheit oder Auffassungsgabe aus, sondern durch fehlende Kreativität, Humorlosigkeit, Gefühlskälte und Rücksichtslosigkeit. Doch obwohl sich niemand mit derlei Eigenschaften schmücken würde, erscheint diese Art von „Dummheit“ geradezu Voraussetzung für gesellschaftlichen und politischen Aufstieg. Ihr Glanz betört. Und sie findet sich eben nicht nur bei den Herrschenden, was meiner Meinung nach auch die weitaus größere Gefahr und das wirklich Besorgniserregende ist. Herrschende und Mächtige sind immer eine Minderheit, sie sind in der Unterzahl, was mit den richtigen Ideen, Kreativität und Entschlossenheit inklusive der Macht der Vielen immer Optionen lässt. Aber die Massen außerhalb der zahlenmäßig kleinen Eliten stellen uns vor die wirklichen Probleme, weil diese Massen (die sogenannte Mitte der Gesellschaft) eben zunehmend kein Faktor auf unserer Seite der diversen Kämpfe mehr sind, im Gegenteil. Sie sind Teil des Problems, egal ob wir von imperialistischer Lebensweise und Arbeiter:innen des globalen Nordens reden, von denen, die Antifaschismus auf ihr Demoschild schreiben, aber bedingungslosen Gewaltverzicht predigen und Nazis mit Sonnenschein und Liebe begegnen wollen oder von AfD – Wähler:innen.</p><p><em>Es fehlt nicht an Wissen</em></p><p>Während die Vorherrschaft von Mittelmaß (irgendwie auch ein Synonym für Realpolitik a là Grün mit all den Kompromissen auf Kosten der Marginalisierten und des Planeten und für die viel beschworene Verhältnismäßigkeit der Mittel) und Selbstbezogenheit (als direkte und gewollte Konsequenz von Kapitalismus und Vereinzelung) in Politik und Gesellschaft um sich greift, zeigt sich, dass nicht mangelndes Wissen und fehlende Informationen zu Katastrophen und katastrophalen Entscheidungen führen. Im Gegenteil! Wir Klimaaktivst:innen und Antifas können uns vor Studien, wissenschaftlichen Abhandlungen, Theorien (die zu oft inzwischen leider oft bereits praktische Realität geworden sind), Argumenten, Graphiken, Statistiken und sogar Gerichtsurteilen kaum retten. Selbst die Realität legt mittlerweile täglich live und in Farbe Zeugnis für uns ab. Trotzdem werden bewusst und konsequent katastrophale Entscheidungen getroffen und in Gesetze und Abkommen gegossen – Wehrpflicht, Waffenlieferungen (Sch*iß auf Völkermorde), Heizungsgesetz, GEAS, Mercosur, Verbrenner, Sozialabbau, Grundsicherung, Abbau von Gleichstellung und Schutz für LGQBTI*, um nur einige der Verbrechen zu benennen, die die deutsche Regierung (mit) zu verantworten hat. Intelligenz hat laut Esther Vilar nämlich weniger mit Wissensanhäufung, sondern vielmehr mit Phantasie und Sensibilität zu tun und ich denke, da liegt sie richtig. Doch diese Form von Intelligenz wird in unserer gesellschaftlichen Struktur nicht gefördert, denn Erfolg hat zu oft, wer gnadenlos den eigenen Egoismus vorantreibt, (im wahrsten Sinne) über Leichen geht und sich dann noch für einen Gutmenschen hält, wenn er seinen Ruhm und erworbenen Reichtum bei Spendengalas, zur besten Sendezeit und auf roten Teppichen zur Schau trägt. Andere zelebrieren inzwischen auch bereits völlig schamfrei ihre Macht und geben sich keinerlei Mühe mehr, ihre Absichten zu kaschieren.</p><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">unterstütze meine Arbeit</a></p><p><em>Wissen ist Macht und Macht ist Wissen</em></p><p>Wissen ist zwar noch immer Macht – aber eben eher das Wissen darüber, wie es möglich ist, ohne nennenswerte Konsequenzen davonzukommen mit dem, was man aus Eigeninteresse (Macht, Profit) tut, obwohl viele dadurch zu Schaden kommen. Wissen, wie man sich in Szene setzt und den eigenen Bullshit verkauft. Macht, die auf diesen Fundamenten gebaut ist, wird umso problematischer, weil Macht – wie Liebknecht schon sagte – immer auch Wissen ist und sich ein Teufelskreis ergibt, der sehr schwer zu durchbrechen ist. Als Ägyptologin weiß ich, dass es in der Regel die Sieger und Mächtigen sind, die die Geschichte im wahrsten Sinne des Wortes schreiben und somit „Wissen“ schaffen, auf dass wir auch Jahrhunderte oder Jahrtausende später noch zugreifen, aus dem wir lernen und Schlüsse ziehen. Durchaus auch fatale und falsche Schlüsse, weil Wissen, das von Mächtigen und Siegern hinterlassen wird, eben oft keine neutralen Fakten, sondern Geschichten zum eigenen Vorteil sind.</p><p>So hat sicher kein Pharao, auch nicht der große Ramses II. jemals an vorderster Front gekämpft, die Feinde Ägyptens mit einer Hand am Schopfe gepackt, um sie mit der anderen Hand alle auf einen Streich erschlagen.</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/40d4d141-93ba-452a-bc82-4b2e51a8f1e2/uploads/images/idskldvi3n/pharao-erschlaegt-feinde.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Tempel, Ägypten, Hieroglyphen und Bilder
Motiv: Pharao erschlägt Feinde, übergroßer Pharao packt mit 1 Hand Feinde und erschlägt sie mit der anderen Hand, in der er eine Keule schwingt"/><figcaption>Tempel von Medinet Habu, Theben-West, Neues Reich, 20. Dynastie</figcaption></figure><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/40d4d141-93ba-452a-bc82-4b2e51a8f1e2/uploads/images/vih35t3uka/Tempel_von_Abu_Simbel__Saeulenhalle__Relief_links_vom_Eingang__Ramses_II_beim_Erschlagen_der_Feinde__Caroline_Stadlmann_2019IMG_1896.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="das selbe Motiv wie beim oberen Bild, hier ist Ramses II. beim Erschlagend er Feinde zu sehen"/><figcaption>Ramses II., Abu Simbel</figcaption></figure><p>Dieses Motiv wurde zu einer Chiffre, zu einer mythischen Erzählung mit einem Zweck: Demonstration der eigenen Stärke gegenüber den Gegnern Ägyptens, Verdeutlichung und Legitimierung der eigenen Größe und Übermacht, im Einklang mit und dank Unterstützung durch die Götter und - nicht zu unterschätzen - die Vermittlung eines Sicherheitsgefühls an das eigene Volk, was ein erheblicher Faktor für die persönliche Sicherheit und den Machterhalt des Herrschers war. Geschichten so zu erzählen und sich selbst entsprechend zu präsentieren, dass die „Massen“ (ob innerhalb des eigenen Landes oder außerhalb davon) nur allzu gerne bereit waren, sich darauf einzulassen, sich davon beeinflussen zu lassen, war schon immer ein Schlüsselfaktor zu Machterhalt und -ausbau. Ob man dabei auf Furcht und Einschüchterung durch glaubhafte Drohungen und Demonstrationen der eigenen Stärke oder auf Blendung durch Reichtum und Ruhm setzt, bleibt der jeweiligen Situation überlassen. Beides wirkt, heute mehr denn je.</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/40d4d141-93ba-452a-bc82-4b2e51a8f1e2/uploads/images/dj7kpguf4j/chons-gibt-pharao-ankh.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Hieroglyphen und Bilder, Tempel, Ägypten
Der Gott Chons hält Pharao Sethos I. die Zeichen für Leben (ankh) und Stärke (was) an den Mund. Die linke Hand des Gottes ruht schützend am Hinterkopf des Pharaos"/><figcaption>Tempel von Abydos, 19. Dynastie, Neues Reich</figcaption></figure><p>Heute gibt es solche Chiffren ebenfalls, vermutlich mehr denn jemals zuvor. Eine immer wieder gern genutzte ist die vom „verdienten, erarbeiteten Reichtum“, die einen ähnlichen Zweck erfüllt wie die der starken, mutigen Pharaonen: ich bin besonders, ich bin im Recht, mir steht zu, was ich habe, und ich habe es durch Fleiß, Stärke, Ausdauer… erhalten, die &quot;Dir“ offensichtlich fehlt. Wie die Menschen im Alten Ägypten wissen auch wir es eigentlich (vermutlich und hoffentlich) besser, aber trotzdem hält sich diese Erzählung, diese Wahrheit und sie wird immer wieder aufgerufen, um Kritik abzuwehren und als Neid zu diffamieren.</p><p>Der grüne Kapitalismus, die Energiewende, nie wieder ist jetzt – das sind alles als Tatsachen präsentierte Geschichten, die den öffentlichen Diskurs wider besseres Wissen prägen, Mächtige mächtiger und Reiche reicher machen und die wir zu oft nur zu gerne glauben (wollen). Wir lassen uns damit für dumm verkaufen, einlullen von einem falschen Gefühl, dass alles schon seine Richtigkeit hat, manches einfach so ist, quasi Gott gegeben wie ein Pharao. Je nach Bedarf schlucken wir auch jedwede Konsequenz aus diesem „Wissen“: entweder ist es unsere Schuld, dass wir nicht auch finanziell reich sind (weil zu faul, zu schwach) oder es liegt nicht in unserer Verantwortung, etwas zu verändern und es ist somit definitiv nicht unsere Schuld (siehe z.B. die Diskussion über die vermeintliche Allmacht des Lobbyismus). Und wir lassen uns damit ebenfalls ein Gefühl trügerischer Sicherheit vermitteln durch den Glauben, dass „andere“ schon wissen, was richtig ist, was zu tun ist und es für uns in unserem Interesse erledigen werden. Wir geraten so nur immer tiefer in die Probleme und Katastrophen.  Vielfältige Kollapsszenarien nehmen Fahrt auf und wir haben keinerlei Hebel dagegen. Im Gegenteil. Je schlimmer, unsicherer und unbequemer es wird, desto leichter lassen sich viele einfangen von Sirenen und desto dankbarer sind wir für das vermittelte Sicherheitsgefühl, egal wie trügerisch es ist. Es wird Verantwortung abgegeben, statt Gegenmacht zu organisieren.</p><p><em>Phantasie und Sensibilität</em></p><p>Die Phantasie im Nutzen für den eigenen Vorteil scheint keine Grenzen zu kennen, Sensibilität kommt in diesem Rahmen nicht vor. Aber auf unserer Seite, der Seite derjenigen, die noch immer nicht bereit sind, dem betörenden Glanz der Dummheit nachzugeben, die noch kämpfen – gegen das eine (Faschismus, Kapitalismus, Imperialismus) und für das andere (Gerechtigkeit, Gegenmacht) – dort mangelt es nicht an Sensibilität und Mitgefühl, an einem Gemeinschaftssinn. Aber es mangelt leider zunehmend an Phantasie und viel beschworener Kreativität und das ist ein weiterer Stein, der uns im Wege liegt, hin zu einer „besseren Welt“. Sensibilität und Mitgefühl machen uns dabei heftig zu schaffen und zu viele von uns ringen mit Depressionen, Burn Out -Symptomen und der Frage, wie die Miete bezahlt werden soll. Auch deshalb braucht es Kreativität und Phantasie, um im besten Fall etwas schonender mit uns und unseren Ressourcen umzugehen, während all der unterschiedlichen Kämpfe, die nicht im Sprint zu gewinnen sind, sondern auf einen Marathon hinauslaufen. Und es braucht sie, um mal wieder wirklich etwas zu gewinnen, um anzufangen, echte Gegenmacht aufzubauen und um weg zu kommen, von symbolischen Erfolgen, die eher eine Momentaufnahme des Gegenhaltens sind als eine Endlosserie mit wöchentlich neuen Folgen samt Happy Ends. Es braucht kreative Ideen, Menschen mit Phantasie und den Mut von uns allen, diesen Menschen und ihren Ideen Raum zu lassen, sie zu unterstützen und mitzumachen. Es gibt nichts mehr zu gewinnen ohne Risiko und um uns dem betörenden Glanz der Dummheit in all seiner Vielfältigkeit entgegenzustellen, müssen wir Risiken auf uns nehmen, kreativen Ideen zu folgen und keine Phantasie von Anfang an als unmöglich zu framen, sofern wir bereit sind, Neues zuzulassen, auszuprobieren und mehr Risiken auf uns zu nehmen. Mit unseren Slogans sind wir da schon viel weiter als mit unserer Praxis, denn gelebte Utopien fordern wir auf vielen Transparenten, bisher bleiben diese Forderungen aber aufgrund mangelnder Protest- und Aktionsintelligenz oft nur leere Phrasen. Dass wir genau die eigentlich besitzen, haben z.B. Castor schottern und Ende Gelände bewiesen, als diese neuen, kreativen Protestformen auf den Plan getreten sind.  Zeit, dass einmal mehr zu machen – Neues ins Spiel zu bringen, angepasst an die aktuelle Situation, die sich drastisch verändert hat im Vergleich zu den beginnenden 2000er Jahren. Massenaktions-Revival von Ende Gelände? Direkte Aktionen gegen Militarisierung? Zukunftstrainingslager? Antifaschismus, der den Namen wieder verdient? Von mir aus auch weiterhin Kampagnen für Konzernenteignungen und Schulstreiks gegen Wehrpflicht. Es gibt aktuell so viel Raum für kreative Aktionen und phantasievollen Protest wie es Themen gibt, die genau das erforderlich machen. Wir müssen und sollten uns aber endlich trauen und dabei ehrlich die Risiken benennen. Das nicht zu tun, wäre alles andere als eine kluge Entscheidung.</p><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">Abo - Pakete</a></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Tue, 10 Mar 2026 07:23:14 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Es braucht nicht mehr Hoffnung, sondern mehr Mut – ein emotionaler…]]></title>
      <description><![CDATA[Es ist an der Zeit, Hoffnung durch Mut und Ehrlichkeit wieder entstehen zu lassen. Es gibt keinen Weg, sich ohne Risiken für etwas einzusetzen.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Es braucht nicht mehr Hoffnung, sondern mehr Mut – ein emotionaler Wutausbruch</h1><p>Ich habe mich diese Woche wieder sehr schwergetan, einen Text zu schreiben. Das lag nicht daran, dass nicht genug passiert und dass die Themen fehlen. Es lag daran, dass es zu viele Themen gibt (Gaza, Westbank, Iran, Merz, Imperialismus, Gejammer der Privilegierten…) und das ich völlig überfordert bin (mental, emotional, rational), diese auch nur ansatzweise zu ver-/bearbeiten oder auszuhalten, Gedanken zu Ende zu bringen und logisch-konstruierte Texte zu schreiben, die irgendeinen Punkt machen, während alles in mir eigentlich nur schreit, tobt und ausrastet und ich das gerne im wahrsten Sinne des Wortes rausschreien möchte. Mit dem Schreiben dieses Textes habe ich mich dann genau dazu entschieden, weil…</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/5f2dbb2c-bdbe-4c94-87b6-a8e80b2ae08d/uploads/images/wyird7bowq/istockphoto-1338553142-612x612.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Zeichnung im Comic-Stil, Figur, vor lauter Wut Dampt aus den Ohren kommt"/><p>Dieses Gefühl des „ich explodiere gleich“, was ausgelöst wird durch all die verschiedenen Kollapsszenarien, die sich live und in Farbe vor uns entfalten und der Ohnmacht, mit der ich ihnen gegenüberstehe, wird aber verstärkt durch Schlagzeilen, Nachrichten und Texte wie diese hier, die ich exemplarisch nutze.</p><p>Luisa Neubauer:</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/5f2dbb2c-bdbe-4c94-87b6-a8e80b2ae08d/uploads/images/hhokkyytu7/bafkreihl5jdl4jdoxf3vw3se7bxp6vrqptb5io22zrvvip426u3pnwdxp4.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Porträt von Luisa Neubauer, daneben ein Zitat: Ich wünschte mir...2026 würden mehr Menschen den Vögeln zuhören, dem Wind in den Bäumen."/><p>Fridays for Future Berlin:</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/5f2dbb2c-bdbe-4c94-87b6-a8e80b2ae08d/uploads/images/7cymz2nj7j/FFF.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Screenshot von FFF Berlin: In Berlin haben wir spontan mit hunderten Leuten vor dem Kanzleramt klargemacht: wir lassen diesen Angriff auf Energiewende und Klimaziele nicht zu! Darunter Fotos von der Demo."/><p>Ihr lasst es nicht zu? Es ist aber schon geschehen! Was genau tut ihr also nun?</p><p>Und zu guter Letzt Raphael Thelen:</p><p><em>„Wir stellen Gewaltfreiheit in den Mittelpunkt unseres Tuns, denn sie ist die wahrhaft radikale Haltung: Der Gewalt nicht mit Gewalt begegnen, sondern mit Schönheit und Liebe.“</em></p><p>Ja, mich greift der Nazi an und ich antworte mit Sonnenschein und Liebe! Diese privilegierte Sicht kotzt mich an. Euer Sitzen auf dem moralisch hohen Ross kotzt mich an. Es ist kein Wunder, dass unseren Bewegungen die Türen nicht von migrantischen Menschen, Indigenen und anderweitig marginalisierten Menschen eingerannt werden. Genau diese Arroganz der Privilegien und der moralische Zeigefinger der „absoluten Gewaltfreiheit“ (die eine Illusion ist) stehen dem entgegen. Solche Aussagen sind meiner Meinung nach inzwischen sogar gefährlich, denn sie bringen Menschen in Situationen, in denen sie nicht vorbereitet sind auf die Realität und deren Gewalt in unzähligen Varianten.</p><p><em>„Um das in politische Wirksamkeit zu übersetzen, braucht es viele, viele Menschen, die auf die Straße gehen.“</em></p><p>Hatten wir schon. Erfolge? Kohlepäckchen, Grüne in Regierungen und trotzdem Lützi weg, Danni weg, unzählige neue Polizeiaufgabengesetze, unendlich mehr Gewalt und Strafverfolgung nach §129, Nazis so gut wie in Regierungsverantwortung, bewaffnete Fascho-Gruppen, mehr Autobahnen, GEAS und ganz aktuell eine Studie, die zeigt, dass immer mehr Menschen rechtsradikalen Ideen sehr offen gegenüberstehen…</p><p><em>„Zusätzlich müssen wir anfangen, unsere eigenen Institutionen aufzubauen – Parlamente, in denen nicht das Recht des Stärkeren gilt, sondern Verständnis, Ausgleich und Kooperation im Mittelpunkt stehen. Bürgerräte sind solche Orte, und sie produzieren so radikale Ergebnisse, weil die meisten Menschen pro-sozial eingestellt sind, und diese Einstellung dann hervorkommen und wirksam werden kann.“</em></p><p>Eigene Parlamente, die woher ihren Einfluss bekommen und wann und wie genau die bestehenden Parlamente ablösen, gewaltfrei natürlich!? Wie setzt ihr die radikalen Ergebnisse eurer eigenen Institutionen um, nachdem ihr vorm Bundestag gezeltet und „radikale Beschlüsse“ gefasst habt? Das ist eine ganz ernst gemeinte Frage, denn ich würde mich freuen, wenn der Feenstaub wirken würde und es funktioniert, noch dazu in angemessenem Zeitrahmen.</p><p><em>„Drittens reicht es nicht, draußen auf der Straße an den Toren der Macht zu rütteln.“</em></p><p>Ihr rüttelt nicht, ihr bettelt.</p><p><em>„Wir müssen rein in das System. Das funktioniert, indem wir entweder massenhaft die Linkspartei und die Grünen dahingehend lobbyieren, dass sie einen Systems Change-Ansatz verfolgen, oder aber wir gründen eine eigene Partei.“</em></p><p>Are you f*cking kidding me?</p><p>Wir brauchen nicht mehr Hoffnung und luftleere Versprechen! Wir brauchen Mut! Und mutig ist es nicht, die ewig gleichen Phrasen zu dreschen von der Systemveränderung von innen, dem xten Versuch Richtung Partei &amp; Parlament. Piraten, Klimaliste, Grüne, Linke….been there, done that, funktioniert nicht und vor knapp 3 Jahren habe ich auch noch nicht geglaubt, dass Parteieintritte und der Weg durch die parlamentarischen Institutionen Verlust an handelnden Aktivist:innen bedeutet. Aber es ist genau das, denn wir alle haben nur begrenzt Kraft, Zeit und Nerven. Aber ja, lass ne eigene Partei gründen, die dann natürlich in absehbarer Zeit in der Position ist, irgendwas zu tun! Mit Mut hat es nichts zu tun, die ausgetretenen Pfade noch weiter zu benutzen, sondern mit Ideenlosigkeit, Angst und Lügen! Sich selbst belügen, was das eine ist und letztendlich eine persönliche Entscheidung. Aber es ist auch ein Belügen von all den Menschen, die mit solchen Texten und Appellen zu irgendetwas bewegt werden sollen (oder in wesentlich mehr Fällen vermutlich tatenlos bleiben, weil es schon jemand richten wird). Es sind diese Menschen, die sich dann in Parteien den Hintern aufreißen und NICHTS erreichen werden. Das sind Menschen, die grundsätzlich bereit sind, etwas zu tun und sie werden verheizt in einem sinnlosen Unsinn! Sie werden verheizt in Parteien, in den immer wieder selben Aktionen, die ihre selbst gesteckten Ziele eben nicht erreichen (können), siehe „wir verhindern die Neugründung der AfD-Jugend.“ Sie werden der Polizei und oft auch juristischen Konsequenzen quasi zum Fraß vorgeworfen! Das ist eine fahrlässige Gefährdung von Aktivist:innen und es ist an der Zeit, das auch endlich zu benennen! Polizeigewalt ist eine Katastrophe, Polizeigewalt traumatisiert, juristische Konsequenzen können Dein Leben auf lange Sicht komplett belasten und verändern. All das kommt aber inzwischen nicht mehr überraschend. Wir wissen, dass es passiert und wir mobilisieren Menschen trotzdem immer wieder genau in diese Situationen, obwohl wir ebenfalls wissen, dass wir die gewünschten Ziele damit nicht erreichen.</p><p>Mich macht das nur noch wütend! Hört auf damit, Menschen für nichts und wieder nichts zu verheizen! Hört auf mit all dem Gefasel von Hoffnung, Vogelgezwitscher und Bäumen. Die Vogelpopulationen sinken, Bäume werden gerodet und viele sehen im Enrstfall eben doch größtenteils tatenlos zu, sonst wären bei Räumungen und Rodungen die Zahlen derer, die sich dagegenstellen größer. Ich war im Laufe der letzten Rodungssaison bei zwei Räumungen und Rodungen vor Ort, wurde re-traumatisiert und habe viel zu wenige Menschen gesehen, die etwas getan haben, um weiterhin den Vögeln und den Wind in Bäumen lauschen zu können.</p><p>Es gibt sie doch, die Parteien, die NGOs, die Menschen, die auf Großdemos gehen. Es ist gut, dass es das alles gibt. Aber es ist notwendig, Aktivist:innen nicht länger in diesen Kreis eingliedern zu wollen mit Heilsversprechen, die nicht erfüllbar sind. Lasst Aktivist:innen vielfältig radikal radikale Gegenmacht aufbauen und diese liegt eben nicht auf den ausgetretenen Pfaden. Lasst Menschen selbst entscheiden, ob sie mit Sonnenschein und Liebe auf Gewalt reagiern oder doch lieber einen queeren Selbstverteisigungskurs besuchen. Lasst Menschen eigene autonome Aktionen machen, die nicht in einen Aktionskonsens gepresst werden. Lasst Menschen sich vorbereiten auf das, was von ihnen persönlich als Gefahr wahrgenommen wird – sei es den Ausfall von Kommunikation, den Verlust des Zugangs zu Medikamenten, Gewalt durch Nazis oder was auch immer sonst auf uns zukommt. Es müssen nicht alle diese Entscheidungen treffen, aber ich habe es satt, dass Menschen, die sich für bestimmte Dinge entscheiden, angegriffen und inzwischen oft auch diffamiert und teilweise beinahe zwanghaft in Diskussionen gezogen werden über Gewaltfreiheit, Parteieintritte usw. Es gibt tatsächliche viele Wege für viele unterschiedliche Menschen und wir sollten frei entscheiden, welchen Weg wir wann gehen, ohne uns schuldig fühlen zu müssen und aus den eigenen Reihen angegriffen zu werden.</p><p>Ich sage all das nicht und ignoriere die potenziellen Risiken. Aber ich sage es in dem Bewusstsein, dass die Risiken inzwischen überall vorhanden sind, denn es wird mit absolut unverhältnismäßigen Mitteln gegen uns agiert und reagiert. Wir haben kaum mehr Einfluss darauf und es ist (inzwischen) absurd, Menschen in großer Zahl für Demos und im Endeffekt wirkungslose Blockaden dem Risiko von Haft und Polizeigewalt auszusetzen. Die Bilder wirken nicht mehr, weil sie schon zu oft zu sehen waren. Das ist erschreckend, aber es ist eine Tatsache, von der selbst schreckliche Bilder aus Kriegen und Völkermorden keine Ausnahme mehr bilden. Es gibt einen Gewöhnungseffekt, der auch bei Grausamkeit und Gewalt eintritt.</p><p>Menschen, die sich entschließen, andere Wege zu gehen und damit bewusst entsprechende Risiken einzugehen, sind sich dieser in der Regel weitaus mehr bewusst und sie sind oft wesentlich besser vorbereitet und abgesichert als Menschen, die auf Demos gehen oder Wahlkampfstände von Parteien betreuen. Wenn Risiken offen kommuniziert werden, kann ich entsprechend handeln und eine Entscheidung treffen, die auf Wissen basiert. Wenn mir aber gesagt wird, dass Risiken nicht vorhanden sind, wenn ich nach gewissen Regeln spiele, ist das unter aktuellen Gesichtspunkten eine Lüge, die Menschen im schlimmsten Fall gefährdet.</p><p>Ich finde, es ist an der Zeit, Hoffnung durch Mut und Ehrlichkeit wieder entstehen zu lassen, statt sie reflexartig herbeireden zu wollen mit Phrasen und unhaltbaren Versprechungen. Es gibt keinen Weg, sich ohne Risiken für etwas einzusetzen. Wir müssen es schaffen, dass sich das inzwischen beinahe unvermeidbare Risiko wenigstens wieder lohnt, weil wir etwas erreichen können. Von diesem Zustand sind wir meilenweit entfernt.</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 05 Mar 2026 18:14:38 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Step by Step through the “future training camp”]]></title>
      <description><![CDATA[The seven horsemen of the apocalypse are rampaging, and honestly, I think there must be more than that, given the scale and number of apocalypses. But let's move away…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>The seven horsemen of the apocalypse are rampaging, and honestly, I think there must be more than that, given the scale and number of apocalypses. But let&#39;s move away from philosophical considerations and take a closer look at the four topics we have come up with for our (first) ‘future training camp’. These focal points are, first and foremost, our intuitive answer to the question: what is needed if xy happens? What immediately comes to mind? These are therefore areas that cover basic needs and are not specific to a particular collapse scenario.</p><p>Communication</p><p>Food supply &amp; logistics</p><p>First aid/trauma support</p><p>Protection &amp; collective defence</p><p>In the coming weeks, I will take a closer look at each of the four topics in turn to get you even more excited about our idea and take you along on the journey to September: why these topics, what are we doing with them and why. This is probably not the last word on the matter, and it is certainly not the only way to tackle things. But it is our idea and our offer to implement what we consider important and, above all, to take action, to engage in activism and activity (the term fits better in my opinion) of a different kind.</p><p><em>Acceptance is followed by action</em></p><p>The importance of this is illustrated by a message from a chat group of people who are aware of the collapse, which often drives me personally to the brink of madness (and vice versa, I&#39;m sure), because this kind of engagement with the topic of ‘collapse’ is not (or no longer) mine. In the course of organising and then implementing our ‘future training camp’, I would like to find people with whom I can work on my way of dealing with the topic of collapse: away from talking and arguing, from remaining stuck in feelings and inaction until everything is perfect and well thought out, and towards trying things out. This may and will include failure and mistakes, but it is still a step forward, because then things will be done differently next time. You learn from mistakes, not from inactivity in order to avoid making them.</p><p>I am quoting part of this message here to illustrate that the next steps and offers are urgently needed: ‘I&#39;ve actually been in a collapse activism crisis for two years, as I also lack the imagination to see how solidarity-based prepping can be implemented in concrete terms. We have managed to open up a space for solidarity-based collapse politics and are quite good at connecting with people emotionally, but after that we just tread water.’</p><p>Well, this news resonates with me on so many levels, but probably not in the way it was intended. I can&#39;t address all the points, but I would like to comment on a few. What collapse activism? Facing the problem, acknowledging it and processing it emotionally is an important first step, but it is not activism. There is no collapse activism in any organised form that goes beyond local or regional initiatives (and there are quite a few of those, which is great, and some of them are also involved in planning and organising our training camp). How could there be, when the topic, or rather the naming of it and its introduction into public discourse, has only been taking place outside of very narrow circles for a little over a year? So the crisis, like the feeling of treading water, has more to do with how we deal with the issue ourselves, or rather where we stand: are we still in the process of realising and acknowledging collapse, of processing it emotionally, or are we ready for the next steps? It is now up to all of us to offer and develop activism/activity. We lack the imagination to implement solidarity-based prepping? Well, that may be true for some, but certainly not for everyone. There are ideas for implementation and for moving forward with solidarity-based prepping.</p><p>The ‘Future Training Camp’ is one of them. In an international context, there are numerous exciting projects already being implemented, such as power-out weekends, which make you go through a weekend without electricity. We are in contact with some of these projects and their organisers to learn from their experiences and integrate them into our scenarios. The same applies to projects in Germany that were launched after the Collapse Camp 2025. In some cities, for example, there are now collectives that have already organised communication away from Wi-Fi after people took part in radio workshops at the camp. That&#39;s amazing, and that&#39;s exactly what needs to happen in a variety of ways, both geographically and thematically. That&#39;s exactly what it&#39;s all about for us as the organising team at Solidarity Prepping, and that&#39;s where our idea comes in.</p><p><em>Step 1: Let&#39;s communicate</em></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/1d7528b6-f7a9-4c7e-82e2-1f1d8f6f4f0b/uploads/images/vokowll2mi/Kommunikation_4-Seiten_AdobeStock_193974067-scaled.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>To quote Simon &amp; Garfunkel: People talking without speaking, people hearing without listening... that&#39;s something that should be avoided in a collapse, for obvious reasons. So we will be addressing the topic of communication, among other things.</p><p>Why? Because it is important in any collapse scenario and is also at the very beginning of any assistance – whether it is climate-related natural disasters, the consequences of fascism (see ICE, deportations, Nazi attacks on shelters, CSDs...) or collapse scenarios that supposedly affect only a few (lack of medication, apartments that are too hot and no place to cool down). In all these examples and many more, the common denominator is the need for communication, without which no response to the respective collapse and no help can be provided. I would like to refer once again to the power outage in Berlin at the end of the year: no electricity, no communication that is always available everywhere. People had to come up with something, from places to charge their mobile phones to talk to family and friends to ways to obtain and disseminate official information about offers of help and contact points. Communication during a collapse imposes certain conditions, because at that moment it is not about communication for its own sake, but about the targeted, rapid dissemination of information in different directions.</p><p>What information is relevant, who needs to receive it, how do we pass it on, even if the usual communication channels are overloaded or down? These are all questions we are considering as we work with a few people to create the programme that awaits participants from Monday to Thursday and is designed to teach them things they can then use and try out on Saturday and Sunday in interaction with other people and topics. People who experience, learn, practise, try things out and make mistakes with us during this week should take all of this with them and work with it, using it not only for themselves but also for others, so that we can gradually move closer to the goal of creating structures that are capable of action. We will learn the basics of communication, communication chains and hierarchies, secure communication beyond encryption &amp; co., and we will probably learn about and try out three technical options with their requirements, advantages and disadvantages: voice radio, Lora Meshtastic &amp; radio as means of one-way communication.</p><p>What is required, how does it function, can it be constructed independently, what about range and costs, which option is appropriate in which circumstances, what are the limitations... these are all questions that participants will engage with intensively over four days and for which they should receive as many helpful answers as possible. To ensure that this is meaningful and provides real added value for everyone, the number of participants will probably be somewhere between 20 and 50 people, which also applies to the other topics. This is not about excluding people, but about really teaching them, YOU, something, giving everyone the chance to touch things, try things out, and it&#39;s about building personal connections in four days, forming a community. If our concept works, it will always be possible to empower 20 to 50 people and thereby create a network.</p><p>Let&#39;s get started, and next time we&#39;ll continue with supplies and logistics.</p><p></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[English]]></category>
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      <pubDate>Sun, 01 Mar 2026 09:42:31 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Step by step through the “future training camp”]]></title>
      <description><![CDATA[Today I want to tell you more about another aspect of our training - food supply and logistics. What do we want to learn within four days?]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Preparations are underway, interest is high, and we have lots of work. We are learning a lot in the process and meeting wonderful people who don&#39;t hesitate or procrastinate but want to roll up their sleeves and implement smart ideas with us. It&#39;s fun to organise the training camp because with every call, things become clearer and we can now imagine what meaningful training might look like for all four training strands, what content is needed and how it can be put together over the weekend with various scenarios happening. Today, I&#39;m going to introduce you to the second of our four topics for which we are currently designing training content.</p><p><em>Supply and logistics</em></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/1fdf270a-a37e-4a7f-bea6-9fdb33a2030c/uploads/images/zaoef2wndm/istockphoto-1420171466-612x612.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>It&#39;s about supply (of food) and the logistics without which this would not be possible. The question during the design and development of this training strand is: how do I provide people with food in an emergency – where do I get it from, how do I transport it and how do I prepare it? Behind these three fundamental and obvious questions lie countless others, which is why this training is not entirely straightforward. Originally, the idea was to deal with the aspects of food &amp; supplies and transport separately, each in a separate training strand.</p><p>But we quickly realised that food supply in emergency situations does not work without transport and logistics, and that in this case, learning about growing XY or sustainable seeds is pointless. That&#39;s why two training strands became one, and even though this increased the complexity, more detailed planning is slowly taking shape. We have people from Arbeitgemeinschaft baeuerliche Landwirtschaft AbL (a union for rural agriculture, connected to La Via Campesina), networks of solidarity-based agriculture, the Cargobike Bubble and Solibus e.V. (a group supporting activists with busses to get where they need to be) on board. Currently, the focus is on integrating Küfa structures (solidarity kitchens) that not only cook but also offer training for participants, and together we are working on something amazing. We also try to integrate groups such as <a href="https://www.soli-bus.org/">Solibus e.V</a>. and a solidarity kitchen not just as service providers for our camp but understanding them for what they are: political actors who can and want to be involved in our political work, its planning and design.</p><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">support my work</a></p><p><em>What&#39;s it all about?</em></p><p>Participants will train for four days, knowing that during the weekend they will be responsible for providing food for the camp under stressful conditions, with a variety of scenarios (= surprises) happening. This does not involve three courses and a dessert, but rather good food that will feed a large number of people.</p><p>Where do I get food, what can I offer in return, how do I get everything from A to B, what and how do I prepare it, and how do I distribute it? What if more people show up unexpectedly, the power goes out, the cargo bikes have a flat tyre, the parking space for the fully loaded bus is tiny, or the planned route is no longer passable? We&#39;ll see what comes of it and what ends up on our plates.</p><p>Practising something like this means, above all, recognising everything that needs to be considered when solutions have to be found quickly. It&#39;s about understanding contexts and practising working creatively with what is initially accessible due to geographical proximity. It is important to know where to go and what to look for in an emergency, and how to communicate with people across (ideological) divides, because we cannot assume that we will always find supportive organic farmers and community-supported agriculture structures who will provide us with food without hesitation and perhaps even without anything in return, in order to care for those affected during an emergency. So we need good arguments, calm communication and consideration of what we might be able to offer in return. At the beginning, we didn&#39;t realise that all of this would end up in a training course that is ‘only’ about food, and it illustrates exactly what we have noticed time and again since we started working on the content of all four topics: the obvious often looks different than we initially thought.</p><p><em>Who do we want to address?</em></p><p>In principle, such training can be helpful for everyone – for those who are already involved in (emergency) care, who are organised in solidarity kitchens or networks of solidarity-based agriculture, as well as for anti-fascists, neighbourhood assistance groups and climate activists who are considering where and how to get involved in their neighbourhood when flooding occurs or when there is a fundamental need to provide food to marginalised communities.</p><p>In all cases, organisation, knowledge of local conditions and the ability to respond to them are required. It does no harm to be a little better prepared so that we can act when the worst comes to the worst.</p><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">support my work</a></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[English]]></category>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/1fdf270a-a37e-4a7f-bea6-9fdb33a2030c/uploads/images/zaoef2wndm/istockphoto-1420171466-612x612.jpg?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
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      <pubDate>Sun, 01 Mar 2026 09:15:18 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Step by Step durchs Zukunftstrainingslager]]></title>
      <description><![CDATA[Heute ein paar mehr Infos zum komplexen Trainigsstrang Versorgung & Logistik, der spannender ist, als es zunächst den Anschein hatte.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Die Vorbereitung läuft, das Interesse ist da und wir haben alle Hände voll zu tun. Wir lernen dabei viel dazu und wir lernen großartige Menschen kennen, die nicht lange zögern und zaudern, sondern mit uns anpacken und kluge Ideen umsetzen wollen. Es macht Spaß, das Zukunftstrainingslager zu organisieren, weil mit jedem Call Dinge klarer werden und wir uns inzwischen bei allen vier Trainingssträngen vorstellen können, wie ein sinnvolles Training aussehen kann, welche Inhalte es dazu braucht und wie sich das am Wochenende zusammenfügen lässt. Ich werde euch heute das zweite unserer vier Themen vorstellen, zu dem wir gerade Trainingsinhalte designen.</p><p><em>Versorgung und Logistik</em></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/8e76a460-7f66-4336-9576-3c5c7e15796f/uploads/images/tgnsha3gkr/istockphoto-1420171466-612x612.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Zeichnungen verschiedener Cargobike-Typen mit unterschiedlichen Personen, die unterschiedliche Sachen, Menschen und Tiere transportieren."/><p>Es geht um die Versorgung (mit Nahrungsmitteln) und die Logistik, ohne die das nicht möglich ist. Die Frage während der Ausgestaltung und Entwicklung dieses Trainingsstrangs ist: wie versorge ich im Notfall Menschen mit Essen - woher bekomme ich das, wie transportiere ich es und wie bereite ich es zu. Hinter diesen drei gundsätzlichen und offensichtlichen Fragen stecken unzählige weitere, weshalb dieses Training auch nicht ganz einfach ist. Ursprünglich war die Idee, den Aspekt von Lebensmitteln &amp; Versorgung, sowie den Transport getrennt, jeweils in einem Trainingsstrang zu behandeln. Aber uns wurde schnell klar, dass Lebensmittelversorgung in Notfallsituationen nicht ohne Transport und Logistik funktioniert und das es für diesen Fall nichts bringt, etwas über den Anbau von XY oder nachhaltiges Saatgut zu lernen. Deshalb wurde aus zwei Trainingssträngen einer und auch wenn die Komplexität dadurch erhöht wurde, nimmt die genauere Planung langsam Formen an. Wir haben Menschen aus der AbL, SoLaWi - Netzwerken, der Cargobike - Bubble und den Solibus am Start, aktuell geht es darum, Küfa - Strukturen einzubinden, die nicht nur kochen, sondern Küfa - Training für die Teilnehmenden anbieten und gemeinsam arbeiten wir da gerade an einer ziemlich runden Sache. Es geht auch darum, Strukturen wie den <a href="https://www.soli-bus.org/">Solibus e.V. </a>und eine Küfa nicht nur als Dienstleister:innen für unser Camp zu buchen, sondern sie als das zu verstehen, was sie sind: politische Akteur:innen, die eingebunden werden können und wollen in unsere politische Arbeit, die Planung und Gestaltung dieser.</p><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">unterstütze meine Arbeit</a></p><p><em>Worum geht’s?</em></p><p>Die Teilnehmenden werden vier Tage trainieren mit dem Wissen, während des Wochenendes voller unterschiedlicher größerer und kleinerer Szenarien (= Überraschungen) und somit unter Stress dafür verantwortlich zu sein, das Camp mit Essen zu versorgen - dabei geht es nicht um drei Gänge und ein Dessert, sondern um gutes Essen, das viele Menschen satt macht.</p><p>Woher bekomme ich Lebensmittel, was kann ich ggf. als Gegenleistung anbieten, wie bekomme ich alles von A nach B, was und wie bereite ich diese dann zu und wie verteile ich sie? Was ist, wenn unerwartet mehr Menschen auftauchen, der Strom ausfällt oder die Cargobikes einen Platten haben, die Parklücke für den voll beladenen Bus winzig oder die geplante Route nicht mehr fahrbar ist? Wir werden sehen, was dabei herauskommt und was am Ende dann auf unseren Tellern landet.</p><p>So etwas zu üben bedeutet vor allem auch zu erkennen, was alles mitzudenken ist, wenn schnell Lösungen gefunden werden müssen. Es geht um das Verstehen von Zusammenhängen und um eine gewisse Übung darin, kreativ mit dem, was zunächst mal durch räumliche Nähe zugänglich ist, zu arbeiten. Es geht darum zu wissen, wohin und wonach ich im Notfall zuerst schauen muss und wie ich mit Menschen auch über (ideologische) Gräben hinweg kommuniziere, denn wir können sicher nicht davon ausgehen, immer und überall auf solidarische Bio-Landwirt:innen und SoLaWi-Strukturen zu stoßen, die uns ohne zu zögern und vielleicht sogar ohne Gegenleistung Lebensmittel überlassen, um Betroffene während eines Notfalls zu versorgen. Es braucht also gute Argumente, ruhige Kommunikation und Überlegungen zu Gegenleistungen, die wir eventuell anbieten können. Dass all das in einem Training landen würde, bei dem es “nur” um’s Essen geht, hatten wir anfangs nicht auf dem Schirm und es verdeutlicht genau das, was uns immer wieder auffällt, seitdem wir mit der inhatlichen Ausgestaltung aller vier Themenfelder angefangen haben: das Offensichtliche sieht oft anders aus, als zunächst gedacht.</p><p><em>Wen wollen wir ansprechen?</em></p><p>Hilfreich kann solch ein Training im Prinzip für alle sein - für die, die sich bereits mit (Notfall-)Versorgung beschäftigen, die in Küfa- oder SoLaWi-Strukturen organisiert sind, ebenso für Antifas, Nachbarschaftshilfen und Klimaaktivist:innen, die überlegen, wo und wie sie sich in ihrer Nachbarschaft engagieren, wenn entweder eine Überschwemmung kommt oder aber grundsätzlich der Bedarf besteht, marginalisierte Communities mit Essen zu versorgen. In allen Fällen braucht es Organisation, Wissen um und Reaktion auf die örtlichen Gegebenheiten. Darauf etwas besser vorbereitet zu sein, schadet nicht, damit wir im Fall der Fälle handeln können.</p><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">unterstütze meine Arbeit</a></p><p></p><p></p><p></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 01 Mar 2026 08:48:15 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[To be or not to be]]></title>
      <description><![CDATA[We don't have to win everything with this action, but we can lose everything. The time for purely symbolic actions is over, otherwise it's game over for Ende Gelaende.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>This week, a text about something that has been on my mind since the announcement of the mass action by Ende Gelaende. First things first: I am very happy that Ende Gelaende is once again doing what made it big and important – being loud and hopefully, as disobedient as possible. But I still can&#39;t silence the BUT in my head. I wanted to make it easy for myself, suppress the voice in my head and devote myself to another topic from the future training camp, but making it easy for myself doesn&#39;t help, especially when the world looks the way it does right now. And personally, I&#39;ve always been bad at making things easy for myself, with all the consequences that entails. We all know how things currently stand when it comes to action on the major left-wing issues: climate activism is often a shadow of its former self, appealing and ineffective or disobedient, but then often only symbolically. Antifas are ‘under fire’ and the fight against capitalism and militarisation is meeting with a similar fate as climate activists, although there are certainly positive exceptions in this area who do not shy away from militancy. And that is precisely what makes the difference between symbolic and, at least to a certain extent, effective.</p><p><em>Will it be the End of the Road?</em></p><p>When we honestly consider the situation, I can only come to one conclusion regarding the mass action of Ende Gelaende: it is now all or nothing for Ende Gelaende as well. Not in terms of the prospect of turning everything around for the better with a mass action, but in terms of its own future and relevance. This fills me with sadness, fear and concern, because Ende Gelaende is player that changed everything for me and that is always very close to my heart. I know I can be annoying at times, critical and demanding. But, dear comrades, I do it with and out of a great deal of love for Ende Gelaende. Enough sweet talk, back to the seriousness of the situation – and that applies to Ende Gelaende and the planned mass action as well.</p><p><em>The glory of the past</em></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/6c30d9c5-e93b-4ec7-94ee-a8291c28ffde/uploads/images/v5tnkvavpe/49157493357_4f519c2368_c.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="EG mass action
digger and activists in a open pit mine"/><p>Ende Gelaende has gained standing through its actions in the Rhineland and Lusatia, through spectacular images and through the force with which it has succeeded in building up a certain counterforce for a while. Ende Gelaende became an actor that was taken seriously, that stood for something and that seemed capable of really getting serious and achieving something. Ende Gelaende made civil disobedience and climate activism extremely sexy, and Ende Gelaende ensured that activists were fairly safe from repression, partly because large parts of ‘society’ understood us, our goals and our actions, and somehow also supported us. Ende Gelaende has built a reputation that we still benefit from today, because the reactions within the activist scene that the announcement of a mass action has provoked speak volumes: people are excited, they are blocking the date in their calendars, local groups are experiencing an influx of new members, new local groups are being formed, a noticeable dynamic is emerging... But all this also means a lot of work for the people in the background. Working groups need to be restarted, planning and coordination need to be done, too few people are working on too many projects, and the expectations of all those who have been eagerly awaiting the announcement of ‘Ende Gelaende once again’ are high. The excitement is palpable, and it feels great.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/6c30d9c5-e93b-4ec7-94ee-a8291c28ffde/uploads/images/vd2dtt6lkx/49157274671_cb23ab6b79_c.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="EG activists struggling with police in front of a digger"/><p>So what is my problem?</p><p>All the work behind a mass campaign that people are now taking on once again because they have hope in this campaign, because they are mobilising themselves to come and help, etc., will certainly not bear the fruits of the really big campaigns in the Rhineland, when open-cast mines were virtually flooded by thousands, police lines were broken through and excavators were occupied. This will not be possible because fossil fuel infrastructure in the form of gas infrastructure no longer offers the options that open-cast mines did. Gas-fired power stations are often still in the planning/approval phase; they are not huge, unprotected, open holes in the middle of the landscape. Gas infrastructure often consists of green fields that are destined to become construction sites, pipes that are still lying undeveloped somewhere, and even those who use gas to produce other crap are legitimate targets of protest, but they are also more difficult to target than coal excavators. For various reasons, our potential for mass mobilisation is also no longer what it was in the days of the great forest occupations and actions in the Rhineland mining area. We know this, and yet we are organising a mass action because we know and feel that it is necessary and right, and because we need it for ourselves.</p><p>The feeling of being able to achieve something together with many others, of being virtually invincible in the moment when a finger breaks through barriers and police cordons, of stopping something that is actually overwhelmingly powerful – that is, as everyone who was there will confirm - one of the best and most wonderful feelings ever. We long for it.</p><p>So if this mass action becomes a blockade in front of closed factory gates at the weekend, or if it remains limited to symbolic visits to (potential) construction sites, many people will have worked very hard without really achieving anything, without allowing us all to feel this euphoria, even if only for a moment, and the myth of Ende Gelaende will no longer be sustainable. Even a myth must be nurtured; it must repeatedly flash and become visible, showing where it comes from and why it still lives on. The task for Ende Gelaende with this mass action is therefore precisely that – to breathe life back into the myth and make it clear, both internally for us and externally for everyone else, that we are still here, that we are fighting for relevance and that we are capable of achieving something that goes beyond symbolic politics. The mass action must relight the fire if we want to continue to attack and fight in the coming years.</p><p>We don&#39;t have to win everything with this action, but we can lose everything. The time for purely symbolic actions is over, otherwise it&#39;s game over for Ende Gelaende.</p><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">support my work</a></p><p>In conversations with others who have been involved for a long time (and are tired), I notice that many have similar thoughts, that I am not the only one who is aware of the significance of this action. We also know that, given the measures now being taken by the state and the police against activists, these are completely disproportionate to the forms of protest and what the actions actually achieve. With every action, we expose ourselves to a variety of dangers to our physical and mental integrity, to our freedom. Of course, we must not turn a blind eye to this, because we want to take action with many others and we bear responsibility for those who respond to the call for mass action. We must also be prepared for the fact that the mere announcement of a mass action will set in motion processes on the opposing side that respond to the myth of Ende Gelaende and not to reality!</p><p>Ende Gelaende is not only facing a mass action and all the preparation and tasks that this entails. We are facing much more than that, and I wish us the courage to face up to it and, despite everything and now more than ever, to live up to this call once again, to rekindle the fire with a powerful, surprising mass action that gives the middle finger to business as usual, because it makes a difference and because we show that we will not be controlled, intimidated or discouraged. We have always been at our best when it was about more than symbolic politics, when we took ourselves and our form of action seriously and made ourselves serious. Ende Gelaende has always been very emotional, and I am not prepared to give that up.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/6c30d9c5-e93b-4ec7-94ee-a8291c28ffde/uploads/images/pjpze6jreg/49157495472_f98afd537d_c.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="activists sharing a quiet moment in an open coal pit mine
EG mass action"/><p>Let&#39;s go, let’s shut shit down. In 50 years&#39; time, Ende Gelaende should still give us goosebumps and cause a certain amount of fear on the other side, because it&#39;s clear to everyone that something big, relevant and important is coming. Let&#39;s fight back, by all means.</p><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">support my work</a></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[English]]></category>
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      <pubDate>Sat, 21 Feb 2026 13:12:15 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[To be or not to be]]></title>
      <description><![CDATA[Seit der Ankündigung der Ende Gelände Massenaktion schwirrt mir etwas im Kopf rum: Wir müssen mit dieser Aktion nicht alles gewinnen, aber wir können ganz viel verlieren.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Diese Woche ein Text zu etwas, was mir seit der Ankündigung der Massenaktion von Ende Gelände im Kopf rumschwirrt. Das Wichtigste zu Beginn: ich freue mich sehr, dass Ende Gelände wieder groß und laut und hoffentlich maximal ungehorsam tut, was Ende Gelände groß und wichtig gemacht hat. Das ABER kriege ich trotzdem nicht zum Schweigen gebracht in meinem Kopf. Ich wollte es mir einfach machen, die Stimme im Kopf verdrängen und mich einem weiteren Themenfeld des Zukunftstrainingslagers widmen, aber es sich einfach machen, hilft nicht, schon gar nicht, wenn die Welt aussieht, wie sie es aktuell tut. Und mir ganz persönlich ist es schon immer schlecht gelungen, es mir einfach zu machen, mit allen Konsequenzen, die das mit sich bringt. Wir wissen alle, wie es aktuell steht, was Aktionen zu den großen linken Themen betrifft: Klimaaktivismus ist oft nur noch ein Schatten seiner selbst, appellativ und wirkungslos oder ungehorsam, aber dann oft nur symbolisch. Antifas sind „unter Beschuss“ und Kämpfe gegen Kapitalismus und Militarisierung trifft in der Breite ein ähnliches Schicksal wie Klimaaktvist:innen, wobei es in diesem Bereich durchaus positive Ausreißer gibt, die sich nicht vor Militanz scheuen. Und genau das macht eben den Unterschied zwischen symbolisch oder zumindest in gewissem Rahmen wirkungsvoll.</p><p><em>Ende Gelände oder eben nicht</em></p><p>Wenn wir uns das ehrlich vor Augen führen, komme ich bezüglich der Massenaktion von Ende Gelände nur zu einem Schluss: es geht jetzt auch für Ende Gelände um alles oder nichts. Nicht bezogen auf die Aussicht mit einer Massenaktion nun alles zum Guten zu wenden, aber bezogen auf die eigene Zukunft und Relevanz. Das erfüllt mich etwas mit Trauer, Angst und Sorge, denn Ende Gelände ist die Akteur:in, die für mich alles verändert hat und die mir immer ganz besonders am Herzen liegt. Ich weiß, ich nerve manchmal, bin kritisch und fordere etwas, was natürlich nicht leichtfertig zu tun ist. Aber, liebe Genoss:innen, ich tue es mit und aus ganz viel Liebe für Ende Gelände. Genug Süßholz geraspelt, zurück zum Ernst der Lage – und genau das gilt eben auch für Ende Gelände und die geplante Massenaktion.</p><p><em>The Glory of the past</em></p><a href="https://www.flickr.com/photos/133937251@N05/"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/9cbbef41-434f-4c43-bdfb-869767b60ff2/uploads/images/mhwu2urv24/49157493357_4f519c2368_c.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="EG Massenaktion Lausitz
Aktivist:innen im Tagebau vor einem Bagger"/></a><p>Ende Gelände hat sich durch die Aktionen im Rheinland und in der Lausitz, durch spektakuläre Bilder und durch die Wucht, mit der es gelungen ist, für eine Weile eine gewisse Gegenmacht aufzubauen, ein Standing erarbeitet. Ende Gelände wurde zu einer Akteur:in, die man ernst genommen hat, die für etwas stand und die in der Lage schien, wirklich ernst zu machen, etwas zu erreichen. Ende Gelände hat zivilen Ungehorsam und Klimaaktivismus extrem sexy gemacht und Ende Gelände hat dafür gesorgt, dass Aktivist:innen recht sicher vor Repressionen waren, auch, weil große Teile „der Gesellschaft“ uns, unsere Ziele und Aktionen verstanden und irgendwie auch unterstützt haben. Ende Gelände hat sich einen Ruf erschaffen, von dem wir bis heute zehren, denn die Reaktionen innerhalb der aktivistischen Szene, die die Ankündigung einer Massenaktion hervor gerufen haben, sprechen Bände: Menschen freuen sich, blocken sich den Termin, Ortsgruppen erleben Zulauf, es entstehen neue Ortsgruppen, es entsteht eine spürbare Dynamik…Das alles bedeutet aber auch sehr viel Arbeit für die Menschen im Hintergrund, AGen müssen wieder angeschoben werden, Planungen und Koordination müssen laufen, zu wenige Menschen arbeiten wieder an zu vielen Baustellen und die Erwartungen all derer, die die Ankündigung von „einmal mehr Ende Gelände“ herbei gesehnt haben, sind hoch. Das Kribbeln ist spürbar und das fühlt sich großartig an.</p><a href="https://www.flickr.com/photos/133937251@N05/"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/9cbbef41-434f-4c43-bdfb-869767b60ff2/uploads/images/qeeyin5iya/49157274671_cb23ab6b79_c.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="EG Massenaktion Lausitz
Bagger, Aktivist:innen ringen mit Cops um ein Banner."/></a><p><em>Was ist nun mein Problem?</em></p><p>All die Arbeit hinter einer Massenaktion, die Menschen jetzt noch einmal auf sich nehmen, weil sie Hoffnung in diese Aktion setzen, weil sie sich mobilisieren lassen zu kommen, zu helfen usw., wird sicher nicht die Früchte der ganz großen Aktionen im Rheinland tragen, als Tausende Tagebaue quasi fluteten, Polizeiketten durchbrachen und Bagger besetzten. Das wird nicht möglich sein, weil fossile Infrastruktur in Form von Gas nicht mehr die Optionen bietet, die Tagebaue geboten haben. Gaskraftwerke sind oft noch in der Planungs-/Genehmigungsphase, sie sind keine riesigen, nicht zu schützenden, offenen Löcher mitten in der Landschaft. Gasinfrastruktur sind oft grüne Wiesen, die mal Baustelle werden sollen, Rohre, die irgendwo noch unverbaut liegen und auch diejenigen, die das Gas benutzen, um andere Scheiße zu produzieren, sind legitime Ziele von Protest, aber eben auch schwieriger zu bespielen als Kohlebagger. Unser Potential zur Massenmobilisierung ist aus unterschiedlichen Gründen ebenfalls nicht mehr das, was es zu Zeiten der großen Waldbesetzungen und Aktionen im Rheinischen Revier war. Wir wissen das und wir organisieren trotzdem eine Massenaktion, weil wir wissen und fühlen, dass es notwendig und richtig ist und weil wir es auch für uns selbst brauchen. Das Gefühl mit vielen etwas schaffen zu können, für den Moment des Durchbruchs eines Fingers durch Hindernisse und Polizeiketten quasi unbesiegbar zu sein, etwas zu stoppen, was eigentlich übermächtig ist, das ist – wie mir jede:r, die dabei war, bestätigen wird – eines der besten und schönsten Gefühle überhaupt. Wir sehnen uns danach.</p><p>Wird diese Massenaktion also eine Blockade vor geschlossenen Werkstoren am Wochenende oder bleibt es bei symbolischen Besuchen auf (potentiellen) Baustellen, haben viele Menschen ganz viel gearbeitet, ohne wirklich etwas zu erreichen, ohne - wenn auch nur für einen Moment – diese Euphorie für uns alle spürbar werden zu lassen und der Mythos Ende Gelände wird nicht mehr länger zu halten sein. Auch ein Mythos muss gepflegt werden, es muss immer wieder aufblitzen und sichtbar werden, woher er kommt und warum er noch immer lebt. Die Aufgabe für Ende Gelände mit dieser Massenaktion ist also genau das – den Mythos wieder mit Leben erfüllen und deutlich machen, für uns nach innen und für alle anderen nach außen, dass wir noch da sind, dass wir uns Relevanz erkämpfen und dass wir es schaffen, etwas zu bewirken, was über Symbolpolitik hinausgeht. Die Massenaktion muss das Feuer wieder entfachen, wenn wir auch in den kommenden Jahren angreifen und kämpfen wollen. Wir müssen mit dieser Aktion nicht alles gewinnen, aber wir können alles verlieren. Die Zeit von ausschließlich symbolischen Aktionen ist vorbei, sonst ist es vorbei mit Ende Gelände.</p><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">support my work</a></p><p>In Gesprächen mit anderen, die schon lange dabei (und müde) sind merke ich, dass sich viele solche Gedanken machen, dass die Bedeutung dieser Aktion nicht nur mir bewusst ist. Dabei wissen wir auch, dass angesichts dessen, was inzwischen von staatlicher und polizeilicher Seite gegen Aktivist:innen aufgefahren wird, in keinerlei Verhältnis mehr steht, zu den Protestformen und dem, was Aktionen tatsächlich erreichen. Wir setzen uns mit jeder Aktion einer vielfältigen Gefahr aus für unsere körperliche und psychische Unversehrtheit, für unsere Freiheit. Dem gegenüber dürfen wir natürlich nicht die Augen verschließen, denn wir wollen mit vielen in Aktion gehen und wir tragen Verantwortung für die, die dem Aufruf zur Massenaktion folgen. Wir müssen uns auch darauf vorbereiten, dass allein die Ankündigung einer Massenaktion auf der gegnerischen Seite Abläufe in Bewegung setzen wird, die auf den Mythos Ende Gelände reagieren und nicht auf die Realität!</p><p>Ende Gelände steht nicht nur vor einer Massenaktion und dem, was das an Vorbereitung und Aufgaben eben so mit sich bringt. Wir stehen vor sehr viel mehr und ich wünsche uns den Mut, uns dem bewusst zu stellen und trotz allem und jetzt erst recht, diesem Ruf einmal mehr gerecht zu werden, das Feuer wieder zu entfachen durch eine schlagkräftige, überraschende Massenaktion, die den Mittelfinger ausstreckt gegen Weiter so &amp; Co, weil sie einen Unterschied macht und weil wir zeigen, dass wir uns nicht kontrollieren, einschüchtern und entmutigen lassen. Wir waren immer dann am besten, wenn es um mehr ging, als Symbolpolitik, wenn wir uns selbst und unsere Aktionsform ernst genommen und ernst gemacht haben. Ende Gelände war dabei immer ganz viel Emotion und ich bin nicht bereit, das aufzugeben.</p><a href="https://www.flickr.com/photos/133937251@N05/"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/9cbbef41-434f-4c43-bdfb-869767b60ff2/uploads/images/awohtfhqiz/49157495472_f98afd537d_c.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Aktivist:innen im Tagebau, arm im Arm, im Hintergrund ein Bagger
EG Massenaktion Lausitz"/></a><p>Auf geht’s, ab geht’s, Ende Gelände soll noch in 50 Jahren für Gänsehaut bei uns und eine gewisse Furcht auf der Gegenseite sorgen, weil allen klar ist, hier kommt was Großes, Relevantes und Wichtiges. Let’s fight back, by all means.</p><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">support my work</a></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sat, 21 Feb 2026 12:35:02 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Step by Step durch’s Zukunftstrainingslager]]></title>
      <description><![CDATA[Was braucht es, wenn xy passiert? Woran denke ich dann sofort? Es sind Bereiche, die grundsätzliche Bedürfnisse abdecken.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Die 7 Reiter der Apokalypse wüten und ehrlicherweise glaube ich, es müssen mehr sein angesichts des Ausmaßes und der Zahl der Apokalypsen. Aber weg von philosophischen Betrachtungen, hin zu einer etwas genaueren Vorstellungen der vier Themenfelder, die wir uns für unser (erstes) „Zukunftstrainingslager“ überlegt haben. Diese Schwerpunkte sind zunächst einmal unsere intuitive Antwort auf die Frage: was braucht es, wenn xy passiert? Woran denke ich dann sofort? Es sind somit Bereiche, die grundsätzliche Bedürfnisse abdecken und nicht spezifisch für ein bestimmtes Kollapsszenario sind.</p><p>Kommunikation</p><p>Versorgung mit Lebensmitteln &amp; Logistik</p><p>Erste Hilfe/ Trauma Support</p><p>Schutz &amp; kollektive Verteidigung</p><p>In den kommenden Wochen werde ich die vier nacheinander etwas näher beleuchten, um Euch noch mehr Bock auf unsere Idee zu machen und ein Stück weit mitzunehmen auf die Reise bis zum September: warum diese Themen und was machen wir warum damit. Das ist vermutlich nicht der Weisheit letzter Schluss und es ist sicher nicht der einzige Weg, Dinge anzupacken. Aber es ist unsere Idee und unser Angebot, um umzusetzen, was uns wichtig erscheint und vor allem um ins Handeln, um in Aktivismus und Aktivität (der Begriff passt teilweise besser meiner Meinung nach) einer anderen Art zu kommen.</p><p><em>Nach der Akzeptanz kommt Aktivität</em></p><p>Bezeichnend dafür, wie wichtig das ist, ist eine Nachricht aus einer Chatgruppe von kollapsbewussten Menschen, die mich ganz persönlich oft an den Rand des Wahnsinns treibt (andersrum ist es sicher genauso), weil diese Art Auseinandersetzung mit dem Thema „Kollaps“ aktuell nicht (mehr) meine ist. Ich möchte – auch im Zuge der Organisierung und dann in der Umsetzung unseres „Zukunftstrainingslagers“ Menschen finden, mit denen ich meine Art des Umgangs mit dem Thema Kollaps leben und vor allem bearbeiten kann: weg vom Reden und Auseinandersetzen, vom Verharren im Fühlen und dem nicht-Handeln, ehe alles perfekt und bedacht ist, hin zum Ausprobieren. Darin können und werden Scheitern und Fehler inbegriffen sein, was aber dennoch ein Schritt vorwärts ist, denn dann wird es beim nächsten Mal anders gemacht. Aus Fehlern lernt man, nicht aus der Inaktivität, um bloß keine zu machen.</p><pre><code>Wenn ihr meine politische Arbeit unterstützen wollt, 
schaut gerne bei den Abo - Optionen vorbei. </code></pre><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">Abo - Pakete</a></p><p>Ich zitiere hier einen Teil dieser Nachricht, um zu verdeutlichen, dass die nächsten Schritte und Angebote dringend benötigt werden: „Ich bin eigentlich seit 2 Jahren in einer Kollapsaktivismuskrise, da mir auch die Fantasie fehlt, wie sich solidarisches Preppen nun konkret umsetzen lässt. Wir haben es geschafft, einen Raum für solidarische Kollapspolitik zu öffnen und können Menschen ganz gut emotional abholen, aber danach treten wir nur noch auf der Stelle.“</p><p>Nun, diese Nachricht holt mich auf extrem vielen Ebenen ab, aber vermutlich anders, als beabsichtigt. Auf alle Punkte kann ich gar nicht eingehen, aber ein paar möchte ich kommentieren. Welcher Kollapsaktivismus? Sich dem Problem zu stellen, es anzuerkennen und emotional zu bearbeiten, ist ein erster, wichtiger Schritt, aber kein Aktivismus. In irgendeiner organisierten Form, die über lokale oder regionale Initiativen hinausgeht (und davon gibt es einige, was großartig ist und die in Teilen auch involviert sind in die Planung und Organisierung unseres Trainingslagers), gibt es keinen <em>Kollapsaktivismus</em>. Wie auch, wenn das Thema bzw. die Benennung und das in-den-öffentlichen-Diskurs-einbringen erst seit gut einem Jahr außerhalb ganz enger Kreise überhaupt stattfindet. Die Krise liegt also wie das Gefühl des auf-der-Stelle-tretens eher am eigenen Umgang mit dem Thema bzw. ist der Tatsache geschuldet, wo man selbst steht: geht es noch um das Realisieren und Anerkennen von Kollaps, um das Verarbeiten samt emotionalen Prozessen oder ist man bereit für die nächsten Schritte. Es ist jetzt an uns allen, Aktivismus/Aktivität anzubieten und zu entwickeln. Es fehlt die Fantasie zur Umsetzung von solidarischem Preppen und wir treten auf der Stelle? Nun, das mag auf einige zutreffen, aber sicher nicht auf alle. Es gibt Ideen zur Umsetzung und zum Vorwärtsgehen beim solidarischen Preppen. Das „Zukunftstrainingslager“ ist eine davon. Im internationalen Kontext gibt es zahlreiche spannende Projekte, die bereits umgesetzt werden, z.B. power-out-Wochenenden bei denen es darum geht, ohne Strom klarzukommen. Mit einigen dieser Projekte bzw. deren Organisator:innen sind wir im Austausch, um von deren Erfahrungen zu lernen und diese in unsere Szenarien zu integrieren. Gleiches gilt für Projekte in Deutschland, die nach dem Kollapscamp 2025 gestartet wurden. Es gibt in einigen Städten z.B. inzwischen Kollektive, die Kommunikation abseits von WLAN bereits organisiert haben, nachdem Menschen an Funkworkshops beim Camp teilgenommen haben. Das ist WOW und genau das muss ganz vielfältig passieren, sowohl geographisch als auch thematisch. Genau darum geht es für uns als Orga – Team beim solidarischen Preppen und genau da setzt unsere Idee an.</p><p><em>Step 1: Lasst uns kommunizieren</em></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/2b2f2de8-327a-4cc6-8c74-326a50c8531f/uploads/images/e4jupdbczu/Kommunikation_4-Seiten_AdobeStock_193974067-scaled.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Skizze, 2 Strichmenschen, die mit 2 Dosen und einer Schnur &quot;telefonieren&quot;"/><p>Um es mit Simon &amp; Garfunkel zu sagen: People talking without speaking, people hearing without listening…das ist etwas, was spätestens im Kollaps vermieden werden sollte, aus offensichtlichen Gründen. Wir werden uns also u.a. mit dem Thema der Kommunikation befassen. Warum? Weil es in jeglichem Kollapsszenario wichtig ist und dabei auch ganz am Anfang jeglicher Hilfe steht – ob es um klimabedingte Naturkatastrophen geht, um das, was der Faschismus mit sich bringt (siehe ICE, Abschiebungen, Nazi – Angriffe auf Unterkünfte, CSDs…) oder um Kollapsszenarien, die vermeintlich Wenige betreffen (Medikamente fehlen, Wohnung zu heiß und kein Ort zur Kühlung). In all diesen Beispielen und x weiteren ist die Notwendigkeit von Kommunikation der gemeinsame Nenner, ohne den keine Reaktion auf den jeweiligen Kollaps und keine Hilfe erfolgen kann. Ganz aktuell möchte ich einmal mehr auf den Stromausfall in Berlin am Jahresende verweisen: kein Strom, keine Kommunikation, die immer und überall zur Verfügung steht. Die Menschen mussten sich etwas einfallen lassen, angefangen von Orten, um ihre Handys zu laden, um mit Familie und Freund:innen zu reden bis hin zu Möglichkeiten, offizielle Informationen zu Hilfsangeboten und Anlaufstellen zu erhalten und zu verbreiten. Kommunikation im Kollaps stellt dabei einige Bedingungen, denn es geht in dem Moment nicht um Kommunikation um ihrer selbst willen, sondern um gezielte, zügige Weitergabe von Informationen in unterschiedliche Richtungen. Welche Informationen sind relevant, wer muss diese erhalten, wie geben wir sie weiter, ggf. auch dann, wenn die üblichen Kommunikationswege überlastet oder ausgefallen sind. All das sind Fragen, die wir einbeziehen, wenn wir aktuell mit ein paar Menschen das Programm erstellen, welches von Montag bis Donnerstag auf die Teilnehmer:innen wartet und das Dinge vermitteln soll, die am Samstag und Sonntag jeweils im Zusammenspiel mit den anderen Menschen und Themen genutzt und ausprobiert werden sollen. Menschen, die diese Woche mit uns gemeinsam erleben, lernen, üben, ausprobieren, Fehler machen…sollen all das mitnehmen und damit arbeiten, es nutzen, nicht nur für sich, sondern für andere, damit wir dem Ziel von handlungsfähigen Strukturen schrittweise näherkommen. Wir werden Grundlagen der Kommunikation lernen, Kommunikationsketten und -hierarchien, sichere Kommunikation jenseits von Verschlüsselung &amp; Co. und wir werden vermutlich drei technische Optionen mit ihren Voraussetzungen, Vor- und Nachteilen kennenlernen und ausprobieren: Sprechfunk, Lora Meshtastic &amp; Radio als Mittel der one-way-Kommunikation. Was braucht es, wie funktioniert es, kann man es wie selbst bauen, was ist mit Reichweite und Kosten, welche Option ist wann sinnvoll, was sind die Grenzen…das alles sind Fragen, die die Teilnehmer:innen vier Tage lang intensiv beschäftigen werden und auf die sie möglichst viele und hilfreiche Antworten bekommen sollen. Damit das sinnvoll und mit echtem Mehrwert für alle passieren kann, wird die Zahl der Teilnehmer:innen vermutlich irgendwo zwischen 20 – 50 Menschen liegen, was auch für die anderen Themenstränge gilt. Dabei geht es nicht um den Ausschluss von Menschen, sondern darum, ihnen, EUCH wirklich etwas zu vermitteln, allen die Chance zu geben, Dinge anzufassen, auszuprobieren und es geht darum in vier Tagen persönliche Verbindungen aufzubauen, eine Gemeinschaft zu bilden. Wenn unser Konzept funktioniert, wird es so immer wieder möglich sein, 20 – 50 Menschen handlungsfähig zu machen und dadurch ein Netzwerk zu schaffen.</p><p>Let’s get it started und weiter geht’s beim nächsten Mal mit Versorgung und Logistik.</p><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">Abo - Pakete</a></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Tue, 10 Feb 2026 07:31:52 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Maja’s verdict]]></title>
      <description><![CDATA[As I start writing this text, the anxious wait for the verdict begins, Maya is led to the court chained, which is always hard to bear.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>This week I actually wanted to write another text about the future training camp and start telling you a bit more about the individual thematic areas. But Epstein – documents and Maya’s verdict are preventing me from doing so, because my head is too full of anger, worries and incomprehension. So next week there will be a text about the content of our camp. Today, I would like to express something from all the anger and emotional distress that – expressed in this clarity – does not come easily to me, probably also does not always have a sensible structure and consistent form, and which will probably once again offend many people. But today is a time for emotions and tears.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/586b9145-9eb7-4dab-aba2-a91a67627526/uploads/images/3dkl2fwpui/maja-t-verurteilt-100_768x432.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><em>Maja’s verdict is also our failure</em></p><p>As I start writing this text, the anxious wait for the verdict begins, Maya is led to the court chained, which is always hard to bear. Almost at the same moment as I see these images from Hungary, I read a freshly delivered letter from Maya from the prison and the uncertainty, fear, helplessness, anger and overload with the situation is tangible and almost unbearable, in Maya’s words (‘I am afraid.’) and in me this morning at 11:30. Everything in me screams a question that I cannot find an answer to: what now? What do we do now?</p><p>Maya’s verdict is not only an expression of the right-wing turn, the rise of fascism and it is not only the ‘guilt’ and responsibility of the system, the politicians, the judge, the prosecutor, the Hungarian and German governments. Of course it is all of this, without doubt and it is therefore only another proof of how urgently necessary it is to protest, to act and to resist! But the verdict is also our own failure on the left and the far left! No, I do not want to imply that it is wrong to use counter-violence against Nazis, that it is wrong to attack them in the truest sense of the word, as well as in various ways, which do not necessarily only mean physical attacks. I want to point out how important and relevant this is, how unavoidable it is. I want to point out how unprepared we are in this regard and how important it is that people know how to do this, what it takes – skills, research, knowledge, protection options, opportunities to exchange ideas in safe spaces, to learn, to organise, to weigh up what to do or perhaps what to leave undone.</p><p>I wonder, if we want to provide protection, when we will finally link the points between, for example, civil disobedience and anti-fascism: we talk about all of this in the context of disobedient mass actions. We develop strategies for our safety, we know that many of us can make a difference in terms of safety. We have markers allowing us to decide whether to stop something or not, we weigh up the pros and cons, we do action training. We communicate with people on the ground in advance, ask for their assessment, work with them, etc. When will we also transfer all this knowledge, this approach and way of working to anti-fascist protest and anti-fascist actions?</p><p><em>Do we want protests or successes against Nazis?</em></p><p>Anti-fascists and left-wing radicals must finally answer a question honestly: how do you see anti-fascist work and anti-fascist practice? What do we do in the face of trained young Nazi gangs (<a href="https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/neonazis-jugend-radikalisierung-gewalt-100.html">youth radicalisation</a>), burning shelters (right-wing crimes) and organised attacks on queer people, such as in <a href="https://taz.de/Queerfeindliche-Gewalt-in-Deutschland/!6145888/">Neukölln</a>? Those who call for #FreeMaja and #FreeAllAntifas should know that this also means that we are not prepared for this and that it is not possible to talk about peaceful protests in the next sentence and reject all violence. There is a contradiction here. Not addressing this contradiction because you are afraid of the answer and the consequences is not something that will help Maja and all the other anti-fascists. The same contradiction is evident in the reactions to the ICE terror. #ICEout!? How do you want to achieve this and what are the consequences of an honest answer?</p><p>Left-wing radical failure is precisely the avoidance of an honest answer, because then there is no corresponding action, so that there are neither successes against Nazis or ICE nor protection for people like Maja. An honest answer can also be to reject violence. Then the discussion and consideration must start from that point, what to do in the sense of effectiveness, and it is still necessary to accept that other people make other decisions. In my opinion, we must still (even more!) show them practical solidarity, because it is these people who make it possible for many of us to renounce violence. There must be joint arrangements, organisation, precautions and protective measures to ensure that everyone is as well protected as possible and that different forms of protest are taken into account. There must be exchanges that may also make it possible to reject ideas and not carry out actions.</p><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">support my work</a></p><p><em>Too much we have not done</em></p><p>There are too many unresolved questions, too much that we have not done, that we have refused to do and to include in strategic discussions. We have not done it, and in spite of all our denial, we knew that sooner or later some of us would have to pay the price. Maja and other anti-fascists who are in prison, are on trial or have gone underground are paying this price, as are those who are not only threatened by the resurgent fascism and the Nazis, but are already being directly attacked and are directly affected. The anti-fascists in Budapest are also paying this price. Some of them have published a very <a href="https://knack.news/15321?fbclid=PAZXh0bgNhZW0CMTEAc3J0YwZhcHBfaWQPNTY3MDY3MzQzMzUyNDI3AAGncVPkGWslQHb_os4kHosrdeizM2idojJdr3K_RiuzL7e84CoYoJ5TVYO5DPg_aem_XD4yjL5XRgwrOaBYnsmgZw">critical text</a> on the actions for the Day of Honour and are still standing in solidarity with Maja, providing accommodation for people who are accompanying the trial in Budapest etc. We share responsibility for this, also because we no longer courageously and radically shape and influence the narrative and thus the public discourse on anti-fascist work. The criminalisation of anti-fascism begins in public discourse, in words, language and formulations, and not only with laws and prosecutions. We share responsibility for this because we leave it to a few to do everything: to counter Nazis, to actively protect people, to ensure our own safety and to communicate what is necessary and what has been done and why. This had to fail, and that is why Maja’s verdict, as well as Lina’s and Hanna’s, and the trials in the context of Antifa Ost and Budapest Complex are also our collective failure, from which I do not exclude myself. For too many of us, the support for Maja and the others only began when they were imprisoned. Too little, and too late, above all.</p><p>The verdict has now been reached: 8 years for Maja, intensified custody and security requirements. Maja’s defence lawyer does not think the chances of Maja being transferred to Germany quickly are very high. The short-term relief that it is not 24 years is gone within a few minutes. 8 years! During my 1-year imprisonment in Bavaria, I have learned how long a day can be, how much an entire year can affect one’s life, how small a cell actually becomes at night and how alone one can be behind the walls, bars and barbed wire, despite letters, lawyers and solidarity. 8 years! And again, we can do nothing. Maja will spend these years behind closed steel doors, with bars in front of the windows and a field of vision that no longer allows a view of the horizon because there are walls in front of it. Maja will be happy about visits and curse them, because visits in prison have consequences that one is left with afterwards. 8 years that do not only affect Maja directly. Today is a nightmare, and as a result of this nightmare, I would like to see us change something for Maja and the other anti-fascists who are affected now, so that this won’t happen to others while we make anti-fascism great and successful again.</p><p><em>Those who fight fascism cannot rely on the state</em></p><p>Well, let’s finally stop asking the state to do something, to appeal to it, to demand action from it and we should finally stop playing by his rules even at the protests after the announcement of the verdict. Antifa is hard work – we should finally accept it and do this work, also in the interests of those who are already affected. #ThankyouAntifa and expressions of solidarity are not enough, they never have been. Anti-fascism means protecting others and protecting ourselves, and this can only be done together. Today, with this verdict, anti-fascism means despair, grief, anger and fear for us who see ourselves as anti-fascists. This has to change.</p><p>Today, like many others, I am angry, sad and desperate, and today is one of those days when it all seems almost unbearable, so I am getting dressed and going out onto the streets on this day X, because at least for today there is nothing else left to do.</p><p><a href="https://www.basc.news/kein-letztes-wort-majas-rede-zum-prozessende/?fbclid=PAZXh0bgNhZW0CMTEAc3J0YwZhcHBfaWQPNTY3MDY3MzQzMzUyNDI3AAGnmArkRkOJXKvv2JLziZSCDWacRYZ2T4p7NiDE6kkP0ZA3mb5cExORW6szWXw_aem_TZkdAZhRN99KPcGHufIu4Q">Maja’s statement shortly before the verdict was announced</a></p><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">join in</a></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[English]]></category>
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      <pubDate>Wed, 04 Feb 2026 17:47:03 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Majas Urteil]]></title>
      <description><![CDATA[Während ich mit diesem Text anfange, beginnt das bange Warten auf das Urteil, Maja wird angekettet ins Gericht geführt und es ist kaum zu ertragen.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Diese Woche wollte ich eigentlich einen weiteren Text zum Zukunftstrainingslager schreiben und anfangen, euch etwas mehr über die einzelnen thematischen Schwerpunkte zu erzählen. Aber Epstein – Dokumente und Majas Urteil hindern mich daran, weil ich den Kopf zu voll von Wut, Sorgen und Unverständnis habe. Deshalb gibt es nächste Woche den Text zu den Inhalten unseres Camps. Heute möchte ich aus aller Wut und emotionalen Betroffenheit heraus etwas formulieren, was mir – in dieser Deutlichkeit ausgedrückt – nicht leichtfällt, vermutlich auch nicht immer sinnvoll strukturiert und konsistent aufgebaut ist und was vermutlich einmal mehr viele vor den Kopf stoßen wird. Heute ist aber Zeit für Emotionen und für Tränen.</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/33cbfd66-7f14-4d87-9583-d2d7234478ae/uploads/images/ft4oreukkq/maja-t-verurteilt-100_768x432.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Maja T. im Gerichtssaal, Blick nach oben gerichtet, in Hintergrund ein Polizist
Foto: https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/maja-t-urteil-budapest-100.html"/><figcaption>Foto: ZDF</figcaption></figure><p><em>Majas Urteil ist auch unser Versagen</em></p><p>Während ich mit diesem Text anfange, beginnt das bange Warten auf das Urteil, Maja wird angekettet ins Gericht geführt, was immer kaum zu ertragen ist. Beinahe im selben Moment, wie ich diese Bilder aus Ungarn sehe, lese ich einen frisch zugestellten Brief Majas aus dem Knast und die Unsicherheit, Angst, Hilflosigkeit, Wut und Überforderung mit der Situation ist greifbar und kaum auszuhalten, in Majas Worten („Ich habe Angst.“) und in mir, heute Morgen um 11:30 ebenso wie jetzt, um 18:oo. Alles in mir schreit eine Frage, auf die ich keine Antwort finde: was jetzt? Was tun wir jetzt?</p><p>Majas Urteil ist nicht nur Ausdruck des Rechtsrucks, der Faschisierung und es nicht nur die „Schuld“ und Verantwortung des Systems, der Politiker:innen, des Richters, des Staatsanwaltes, der ungarischen und deutschen Regierung. Das alles ist es ohne Zweifel und es ist deshalb nur ein weiterer Beleg dafür, wie dringend notwendig es ist, zu protestieren, zu handeln und dagegenzuhalten! Das Urteil ist aber auch unser eigenes linkes und linksradikales Versagen und das ist ein beschissenes Gefühl! Nein, ich möchte nicht darauf hinaus, dass es falsch ist, sich gegenüber Nazis einer Gegengewalt zu bedienen, dass es falsch ist, sie im wahrsten Sinne des Wortes anzugreifen, auf vielfältige Art, die nicht zwangsläufig ausschließlich körperliche Angriffe meint. Ich möchte darauf hinaus, wie wichtig und relevant das ist, wie unumgänglich. Ich möchte darauf hinaus, wie unvorbereitet wir diesbezüglich sind und wie wichtig es ist, dass Menschen wissen, wie das geht, was es dazu braucht – Fähigkeiten, Recherche, Wissen, Schutzoptionen, Möglichkeiten, sich in sicheren Räumen auszutauschen, zu lernen, zu organisieren, abzuwägen, was man tun oder vielleicht doch besser lassen sollte.</p><p>Wollen wir Schutz bieten, frage ich mich, wann wir endlich die Punkte zwischen z.B. zivilem Ungehorsam und Antifaschismus tatsächlich verknüpfen: bei ungehorsamen Massenaktionen reden wir über all das. Wir erarbeiten Sicherheitskonzepte, wir wissen, dass Masse einen Unterschied machen kann auch bezogen auf Sicherheit. Wir haben Marker, anhand derer wir entscheiden, etwas zu stoppen und nicht zu machen, wir wägen ab, wir machen Aktionstrainings. Wir kommunizieren vorab mit Menschen vor Ort, fragen nach deren Einschätzung, arbeiten mit ihnen zusammen usw. Wann übertragen wir all dieses Wissen und diese Herangehens- bzw. Arbeitsweise auch auf antifaschistischen Protest und antifaschistische Aktionen?</p><pre><code>Wenn ihr meine Arbeit unterstützen möchtet, 
schaut bei den Abos vorbei</code></pre><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">Abo - Pakete</a></p><p><em>Wollen wir Protest oder Erfolge gegen Nazis?</em></p><p>Antifaschist:innen und Linksradikale müssen endlich ehrlich eine Frage beantworten: wie stellt ihr euch Antifa-Arbeit und antifaschistische Praxis vor? Was tun wir angesichts von trainierten Jungnazi-Banden (<a href="https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/neonazis-jugend-radikalisierung-gewalt-100.html">Jugend-Radikalisierung</a>), brennenden Unterkünften (<a href="https://mediendienst-integration.de/rassismus-und-antisemitismus/rassistische-straftaten/angriffe-auf-fluechtlinge-und-fluechtlingsunterkuenfte/">rechte Straftaten</a>)  und organisierten Angriffen auf queere Menschen wie z.B. <a href="https://taz.de/Queerfeindliche-Gewalt-in-Deutschland/!6145888/">in Neukölln</a> ? Wer #FreeMaja und #FreeAllAntifas fordert, sollte wissen, was das eben auch bedeutet, dass wir darauf nicht vorbereitet sind und dass es eben nicht sein kann, im nächsten Satz von friedlichen Protesten zu reden und jegliche Gewalt abzulehnen. Hier besteht ein Widerspruch. Diesen nicht zu thematisieren, weil man Angst vor einer Antwort und den Konsequenzen hat, ist nichts, was Maja und all den anderen Antifaschist:innen hilft. Derselbe Widerspruch zeigt sich bei den Reaktionen auf den ICE – Terror. #ICEout!? Wie möchtet ihr das erreichen und was sind die Konsequenzen, wenn ihr ehrlich antwortet?</p><p>Linksradikales Versagen ist nämlich genau die Vermeidung einer ehrlichen Antwort, weil es dann auch nicht zu entsprechendem Handeln kommt, so dass es weder Erfolge gegen Nazis oder ICE noch beim Schutz für Menschen wie Maja gibt. Eine ehrliche Antwort kann es auch sein, Gewalt abzulehnen. Dann muss von dem Punkt aus diskutiert und überlegt werden, was zu tun ist im Sinne eine Wirksamkeit und es ist trotzdem zu akzeptieren, dass andere Menschen andere Entscheidungen treffen. Diesen Menschen muss meiner Meinung nach trotzdem PRAKTISCH solidarisch zur Seite gestanden werden, denn sie sind es, die es vielen von uns ermöglichen, auf Gewalt zu verzichten. Es muss gemeinsame Absprachen, Organisation, Vorsichts- und Schutzmaßnahmen geben, um alle möglichst gut zu schützen und unterschiedlichen Protestformen Rechnung zu tragen.  Es muss Austausch geben, der es unter Umständen eben auch ermöglicht, dass Ideen verworfen und Aktionen nicht ausgeführt werden.</p><p><em>Zu vieles nicht getan</em></p><p>Das alles sind zu viele ungeklärte Fragen, zu viel, was wir nicht getan haben, was wir verweigert haben zu tun und einzubeziehen in strategische Diskussionen. Wir haben es nicht getan und eigentlich wussten wir bei aller Verdrängung, dass früher oder später einige von uns dafür den Preis zahlen müssen. Maja und weitere Antifas die inhaftiert sind, gerade vor Gericht stehen oder untergetaucht sind, zahlen diesen Preis gerade ebenso wie diejenigen, die vom wiedererstarkten Faschismus und von Nazis nicht nur bedroht sind, sondern bereits direkt angegriffen werden und unmittelbar betroffen sind. Auch Budapester Antifas zahlen ihn. Einige von ihnen haben einen durchaus <a href="https://knack.news/15321?fbclid=PAZXh0bgNhZW0CMTEAc3J0YwZhcHBfaWQPNTY3MDY3MzQzMzUyNDI3AAGncVPkGWslQHb_os4kHosrdeizM2idojJdr3K_RiuzL7e84CoYoJ5TVYO5DPg_aem_XD4yjL5XRgwrOaBYnsmgZw">kritischen Text</a> zu den Aktionen zum Tag der Ehre veröffentlicht und stehen trotzdem solidarisch an Majas Seite, gewähren Unterkunft für Menschen, die den Prozess vor Ort begleiten usw. </p><p>Wir tragen eine Mitverantwortung, auch weil wir Narrative und somit öffentliche Diskurse zu antifaschistischer Arbeit nicht mehr mutig und radikal prägen und gestalten. Kriminalisierung von Antifaschismus beginnt in öffentlichen Diskursen, in Worten, Sprache und Formulierungen, nicht erst mit Gesetzen, Anklagen und Urteilen. Wir tragen eine Mitverantwortung, weil wir es wenigen überlassen, alles zu tun: Nazis etwas entgegenzusetzen, Menschen aktiv zu schützen, für die eigene Sicherheit zu sorgen und zu kommunizieren, was warum nötig ist und getan wurde. Das musste scheitern und deshalb sind Majas Urteil, ebenso wie Linas und Hannas und die Prozesse im Rahmen von Antifa Ost und Budapest – Komplex auch unser kollektives Versagen, aus dem ich mich nicht ausschließe. Für zu viele von uns hat die Unterstützung von Maja und den anderen erst begonnen, als sie inhaftiert wurden. Zu wenig, vor allem zu spät.</p><p>Inzwischen ist das Urteil da: 8 Jahre unter verschärften Haft- und Sicherheitsbedingungen für Maja, die Chancen einer schnellen Überführung nach Deutschland schätzt Majas Verteidiger nicht sehr hoch ein. Kurzfristige Erleichterung darüber, dass es keine 24 Jahre sind, verfliegt innerhalb von wenigen Minuten. 8 Jahre! Ich habe während meiner 1jährigen Haftzeit in Bayern erfahren, wie lang ein Tag sein kann, wie groß die Auswirkungen eines Jahres auf das ganze Leben sind, wie klein eine Zelle nachts tatsächlich wird und wie allein man trotz Briefen, Anwalt und Solidarität hinter den Mauern, Gittern und dem Stacheldraht eben doch ist. 8 Jahre! Und schon wieder können wir nichts mehr tun. Maja wird diese Jahre hinter verschlossenen Stahltüren verbringen, mit Gittern vor den Fenstern und einem Blickfeld, das keinen Horizont mehr zulässt, weil Mauern davorstehen. Maja wird sich über Besuche freuen und sie verfluchen, weil Besuche in Haft Auswirkungen haben, mit denen man danach wieder allein ist. 8 Jahre, die nicht nur Maja direkt betreffen. Der heutige Tag ist ein Albtraum und als Folge dieses Albtraums würde ich mir wünschen, dass wir etwas ändern, für Maja und die anderen Antifas, die jetzt betroffen sind, damit es möglichst keine:n mehr erwischt, während wir Antifaschismus wirksam und praktisch werden lassen.</p><p><em>Wer gegen den Faschismus kämpft, kann sich auf den Staat nicht verlassen</em></p><p>Dann sollten wir endlich aufhören, den Staat zu bitten, zu appellieren, etwas von ihm zu fordern, Handeln zu erwarten, nach seinen Regeln zu spielen selbst bei Solidemos zur Urteilsverkündung. Antifa ist Handarbeit – wir sollten sie endlich annehmen und erledigen diese Arbeit, auch im Interesse derjenigen, auf die das bereits zutrifft. #DankeAntifa und Solidaritätsbekundungen reichen nicht, das haben sie noch nie.  Antifaschismus bedeutet Schutz für andere und Schutz für uns selbst und das geht nur gemeinsam. Heute, durch dieses Urteil bedeutet Antifaschismus Verzweiflung, Trauer, Wut und Angst für uns, die wir uns als Antifaschist:innen verstehen. Das darf nicht so bleiben.</p><p>Während ich heute wie viele andere wütend, traurig und verzweifelt bin und während auch heute einer dieser Tage ist, an denen das alles kaum aushaltbar scheint, ziehe ich mich jetzt an und gehe raus auf die Straße an diesem Tag X, weil zumindest für heute nichts anderes mehr bleibt.</p><p><a href="https://www.basc.news/kein-letztes-wort-majas-rede-zum-prozessende/?fbclid=PAZXh0bgNhZW0CMTEAc3J0YwZhcHBfaWQPNTY3MDY3MzQzMzUyNDI3AAGnmArkRkOJXKvv2JLziZSCDWacRYZ2T4p7NiDE6kkP0ZA3mb5cExORW6szWXw_aem_TZkdAZhRN99KPcGHufIu4Q">Majas Statement kurz vor der Urteilsverkündung</a></p><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">Blog abonieren</a></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 04 Feb 2026 16:49:38 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[It is the time of monsters and in late summer we work with our]]></title>
      <description><![CDATA[“The old world is dying, the new is not yet born: it is the time of monsters” and we start working with our monster this summer.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d4f7372c-0f7f-4a20-8804-b379c60d7e5a/uploads/images/cwq6mfbclb/IMG_20260125_150002.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="cover of an LP, REM &quot;Monster&quot;
orange, with a black, blurry head of a bear"/><p>“The old world is dying, the new is not yet born: it is the time of monsters”, Gramsci wrote in his prison notebooks to analyse the cultural and political hegemony in times of upheaval. He describes a transitional period full of uncertainty, in which the old order no longer works and the new has not yet been born. To this day, or more so today than ever before, the sentence is used to describe crises such as ecological, social or political transformation processes in which old certainties no longer apply.</p><p>I think that today we can no longer talk about crises, but about collapse, diverse and brutal. It is undisputed that old certainties no longer apply and that we are under pressure to make a decision and to act, if we are to be honest. This text will be about the as-yet-unnamed Collapse-LARP-scenario-training-exercise-camp, which Tadzio Müller and I are organising this year together with a few other people. In Gramsci’s understanding, we as a <em>collapse movement</em> with different directions and approaches are also part of this monster, just as we are with our idea for another camp. The unfinished in the interim periods, which must be worked on, which must be experimented with in order to become something finished or to contribute to transformation processes. In the original idea, this text should have been much more about our nameless project than it will be now. Don’t worry, you’ll get all the information you need, but while I’m sitting at home, listening to REM’s “Monster” on the turntable and (not for the first time) getting overrun and feeling just as overwhelmed by what the unfiltered and uninterrupted news feeds in social media and the news from friends and comrades deliver to my doorstep, I realise that this text will look a bit different from what I had originally planned. That it has to look different – also because our idea has emerged from exactly what is happening in a real high-speed hellish cycle and because every headline shows how relevant this idea is.</p><p><em>So what is it about?</em></p><p>We are organising an intensive one-week course on solidarity collapse and disaster preparation. It will be about practice and probably also about radical personal history in the evenings, told by those who have experienced it, to remind us of the diverse practice that we do not have to reinvent.</p><p>Between 21st and 27th of September, four-day training sessions will take place in probably four thematic areas: supply and logistics, communication, trauma response and first aid, and self-defence and protection. After a day of rest to get to know each other better, to let things sink in, to rest, to chat... on the weekend, we will focus on the joint practical implementation of what we have learned in scenarios, LARP- elements and role-playing games. We will probably see what is still not working in the interaction or is particularly difficult, and that is precisely one of the desired reflection and learning effects of the whole thing, in addition to skills in the individual areas.</p><p>Even if the name is not yet clear, the why is and for us it is the only logical next step.</p><p>The Collapse Camp 2025 was a huge success. For us, it was also a risk at the beginning, almost a political bet, that in August, more than 800 people would want to participate, even though at the beginning of the previous autumn, when we started organising the whole thing, there was not much to suggest that this would happen. The bet was won and the Collapse Camp has ensured that collapse is on the agenda, has brought people closer to the topic and has opened the space that can now be filled. There will also be a Collapse Camp in 2026 to continue what we have started, which is very exciting for us.</p><p>However, what some of us already noticed during the 2025 camp, is that despite all the success, there is a but: to really get closer to our goal of being practically capable of acting in the event of a catastrophe, other formats that go deeper are needed. People who approach the topic of collapse, who understand that it is necessary to do something and who want to do something cannot make decisive progress by only sniffing around the topic every year and gaining initial insights. Our event is an attempt to focus and an experiment to not only open a new topic, but to learn a new form of activism. One who knows that the collapse will bring more risks, that it will require more preparation and training than, for example, a classic action of civil disobedience. We are once again starting a political bet.</p><pre><code>If you want to support my work, 
click the button below</code></pre><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">support me</a></p><p><em>Preparation and participants</em></p><p>We are moving away from a camp just for a weekend, as well as from the idea of an open camp, with this bet. We are also changing the preparation. We are developing the structure and content of the four-day training and the weekend with those who have the knowledge that needs to be conveyed, and not through the usual calls for content. We are starting from scratch and giving responsibility to those who have the knowledge and the ability to convey it. The selection of participants is also an important part of the organisational process in this attempt, as we want to ask and involve people and structures that might benefit from the relevant knowledge as early as possible, and for whom the knowledge will hopefully be relevant and useful, beyond the benefit for the individual person. We have a huge amount of work ahead of us and we have not yet won the bet. But we are looking forward to it, because it feels good and right to not only think in this direction, but to go in this direction, also because it is not intended as a one-off event if it works. We want to offer people two further options in addition to the collapse camp: the opportunity to become part of structures that are capable of taking action and actually provide structures in the medium term that can help when collapse scenarios occur. Either way, we have to build them, and fortunately, we see many similar ideas and offers from a wide range of directions that are working on this, and that is important in view of the need and necessity.</p><p><em>A few more thoughts on the collapse movement</em></p><p>Our approach will also be criticised this time – too long, too practical, too much of this, too little of that. That’s okay, because this camp cannot and should not be for “everyone”, and it cannot be done any other way. Our idea also once again challenges and brings to light fault lines that we believe exist and should exist. Fault lines along certain questions and along one’s own = very personal situation that kind of turns into an either-or situation, but which can simply coexist as facts under the umbrella of the collapse movement (and alongside the climate movement 😉), because there are options in the movement for both the either and the or. These fault lines can and need to be endured, because different directions, approaches and changes in one’s own positions are actually logical and expected, simply because we do not have a predefined narrow definition of collapse and because collapse can look different for everyone and can occur at different times.</p><p>Personally, I have noticed in the last few days – in the course of discussions about ICE terror and murders and the reactions to it, while waiting in agony and anxiously looking at the news from Budapest to Maja, at a very shocking reaction of a supposedly collapse-aware person to the news about the cancellation of subsidies for HIV medication, at what the calls to DEFEND Rojava and to head there mean to me – that there is a difference between feeling affected and being affected, and that this difference is often decisive for which side of the fault line one positions oneself. I AM affected by ICE terror, even though I am not a BIPoC person and do not live in Minneapolis, because I know that we are not safe from such conditions here and because people (including myself), with whom I still block open-pit mines and occupy forests today, could also get hit by a bullet. I AM affected by what is happening in Rojava, because Rojava stands for something bigger. I AM affected by the trial against Maja because I know the family, because I am in contact with Maja, because I am non-binary and ANTIFA. I AM affected when medicines are no longer available to everyone, even if I do not need them, because friends are terrified to get into this situation. I AM affected because I am assigned to groups that are already exposed to real attacks beyond marginalisation and its consequences. I AM affected because I too am attacked and because friends, family and comrades are attacked. I do not feel affected while my privileges, group assignments and abilities to (also mentally and emotionally) distance myself still give me the option of not being affected. I AM affected, which is why I am entering into our political wager, which is why I want to become capable of acting in certain areas and create structures that are in other areas. This is also why I am pushing certain fault lines. In an emergency, these help to know who needs which help and who can provide it. It is completely understandable and okay that not everyone shares this affectedness. Those who are not queer see attacks on queer people as something terrible, but not as attacks on themselves, and this also logically results in different reactions and positions.</p><p>Our camp this year is the camp for people who are affected. It is not a matter of devaluing and excluding others, but rather an attempt to empower ourselves out of our own situation, and I am looking forward to seeing how we will approach and use this week together, how it feels to do something for ourselves and our own community in order to change our situation ourselves. I think that one of the essential points when it comes to creating something together with allies is the need to first gain clarity about where and for what allies with what knowledge and skills are needed, where we ourselves reach our limits at which supporters can take over. This is how functioning networks can be built. The Collapse-LARP-scenario-training- exercise-camp is our offer to you who are affected.</p><p>For all your questions, suggestions for names 😉 and if you or your group are interested in participating, please contact us at <a href="mailto:scully@systemausfall.org">scully@systemausfall.org</a>. We are now in working mode and in the next few weeks and months there will be more texts about the LARP-scenario-training-exercise-camp, and at some point the thing will also have a name, I promise.</p><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">support me</a></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[English]]></category>
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      <pubDate>Tue, 27 Jan 2026 10:34:50 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Es ist die Zeit der Monster und im Spätsommer arbeiten wir mit…]]></title>
      <description><![CDATA[Dieser Text wird sich um das noch namenlose KollapsLARP-Szenario-Trainingslager-Übungscamp drehen, welches Tadzio Müller und ich dieses Jahr organiseren.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Es ist die Zeit der Monster und im Spätsommer arbeiten wir mit unserem</h1><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/0433ad7d-4903-40a2-97e5-47a839c44805/uploads/images/kpi32gtsvg/IMG_20260125_150002.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Plattencover, orange, verschwommen in schwarz ein Bärenkopf
R.E.M. Monster"/><p>„Die alte Welt liegt im Sterben, die neue ist noch nicht geboren: Es ist die Zeit der Monster“, notierte Gramsci in seinen Gefängnisheften, um die kulturelle und politische Hegemonie in Umbruchzeiten zu analysieren. Er bezeichnet damit eine Zwischenzeit voller Unsicherheit, in der das Alte nicht mehr funktioniert und das Neue noch nicht geboren ist. Bis heute oder heute mehr denn je wird der Satz genutzt, um Krisen wie ökologische, soziale oder politische Transformationsprozesse zu beschreiben, in denen alte Gewissheiten nicht mehr gelten.</p><p>Ich denke, heute dürfen wir nicht mehr von Krisen reden, sondern von Kollaps, vielfältig und brutal. Unbestritten ist, dass alte Gewissheiten keine Gültigkeit mehr haben und das wir bei ehrlicher Betrachtung in Zugzwang sind – uns zu entscheiden und etwas zu tun. Dieser Text wird sich um das noch namenlose KollapsLARP-Szenario-Trainingslager-Übungscamp drehen, welches Tadzio Müller und ich zusammen mit einigen anderen Personen dieses Jahr organisieren. In Gramscis Verständnis sind auch wir als <em>Kollapsbewegung</em> mit unterschiedlichen Richtungen und Ansätzen, ebenso wie wir mit unserer Idee<em> </em>eines dieser Monster. Das Unfertige in Zwischenzeiten, mit dem gearbeitet werden muss, mit dem ausprobiert werden muss, um etwas Fertiges zu werden bzw. um etwas beizutragen zu Transformationsprozessen. Dieser Text sollte sich in der ursprünglichen Idee eigentlich noch viel mehr um unser namenloses Vorhaben drehen, als er es jetzt tun wird. Keine Angst, you’ll get all the information you need, aber während ich zu Hause sitze, REMs „Monster“ auf dem Plattenteller und (nicht zum ersten Mal) überrollt werde und mich auch genauso fühle von dem, was mir Nachrichten, News – Feeds in den sozialen Medien und Nachrichten von Freund:innen und Genoss:innen ungefiltert und ununterbrochen ins Haus liefern, wird mir klar, dass dieser Text doch etwas anders aussehen wird als gedacht. Dass er anders aussehen muss – auch weil unsere Idee aus genau dem, was sich in einem realen Highspeed-Teufelskreis abspielt, entstanden ist und weil jede Schlagzeile zeigt, wie relevant diese Idee ist.</p><p><em>Worum geht es also?</em></p><p>Wir organisieren einen einwöchigen Intensivkurs in solidarischer Kollaps- und Katastrophenvorbereitung. Es wird um Praxis gehen und abends vermutlich auch etwas um die eigene radikale Geschichte, nähergebracht von denen, die sie erlebt haben, um uns zu erinnern an die vielfältige Praxis, die wir nicht neu erfinden müssen.</p><p>Zwischen dem 21. Und 27.9. werden viertägige Trainings in vermutlich vier Themenbereichen stattfinden: Versorgung und Logistik, Kommunikation, Trauma – Response und 1. Hilfe sowie Selbstverteidigung und Schutz. Nach einem Tag Pause zum besseren Kennenlernen, sacken lassen, ausruhen, quatschen…wird es am Wochenende um die gemeinsame praktische Umsetzung des Gelernten in Szenarien, LARP-Anteilen und Rollenspielen gehen. Dabei werden wir vermutlich sehen, was im Zusammenspiel alles noch nicht funktioniert oder besonders schwierig ist, und genau das ist neben Skills zu den einzelnen Themen ein gewünschter Reflexions- und Lerneffekt des Ganzen. Auch wenn uns der Name noch nicht klar ist, das Warum ist umso klarer und es ist für uns der einzige logische nächste Schritt.</p><p>Das Kollapscamp 2025 war ein riesiger Erfolg. Es war für uns zu Beginn auch Risiko, quasi eine politische Wette, dass im August 800+ Menschen daran teilnehmen wollen, auch wenn im Herbst des Vorjahres, als wir anfingen, das Ganze zu organisieren, nicht viel darauf hindeuten würde. Die Wette ging auf und das Kollapscamp hat dafür gesorgt, Kollaps auf die Agenda zu setzen, Menschen an das Thema heranzuführen und den Raum zu öffnen, der nun gefüllt werden kann. Es wird auch 2026 wieder ein Kollapscamp geben, um das Begonnene fortzusetzen, was uns sehr freut.</p><p>Was einige von uns aber schon während dem Camp 2025 festgestellt haben, beinhaltet bei allem Erfolg auch ein Aber: um unserem Ziel, praktisch handlungsfähig in der Katastrophe zu sein, wirklich näherzukommen, braucht es definitiv auch andere Formate, die mehr in die Tiefe gehen. Menschen, die sich dem Thema Kollaps nähern, die verstehen, dass es nötig ist, etwas zu tun und die etwas tun wollen, können nicht entscheidend weiterkommen, indem sie jedes Jahr wieder nur an Themen schnuppern und erste Einblicke gewinnen. Unser Event ist der Versuch zu fokussieren und ein Experiment nicht nur ein neues Thema aufzumachen, sondern eine neue Art des Aktivismus zu lernen. Eine die weiß, dass im Kollaps mehr Risiken auf uns zukommen, dass es mehr Vorbereitung und Ausbildung braucht als zum Beispiel bei einer klassischen Aktion von zivilem Ungehorsam. Wir starten einmal mehr eine politische Wette.</p><hr aria-hidden="true"/><pre><code>Wenn ihr meine Arbeit unterstützen möchtet, 
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Wir haben einen riesigen Haufen Arbeit vor uns und wir haben die Wette noch lange nicht gewonnen. Aber wir freuen uns darauf, denn es fühlt sich gut und richtig an, in diese Richtung nicht nur zu denken, sondern zu gehen, auch weil es nicht als einmaliges Event gedacht ist, wenn es funktioniert. Wir wollen Menschen neben dem Kollapscamp zwei weiterführende Optionen ermöglichen: selbst Teil von Strukturen werden zu können, die handlungsfähig sind und mittelfristig tatsächlich Strukturen zur Verfügung stellen, die helfen können, wenn Kollapsszenarien eintreten. So oder so, wir müssen sie aufbauen und neben unserer Idee sehen wir zum Glück viele ähnliche Ideen und Angebote aus ganz unterschiedlichen Richtungen, die daran arbeiten und das ist wichtig gemessen am Bedarf und der Notwendigkeit.</p><p><em>Noch ein paar Gedanken zur Kollapsbewegung</em></p><p>Wir werden mit unserem Ansatz auch dieses Mal auf Kritik stoßen – zu lang, zu praktisch, zu viel dies, zu wenig das. Das ist ok, denn dieses Camp kann und soll nicht für „alle“ sein, anders ist es auch nicht zu machen. Unsere Idee fordert ebenso einmal mehr Bruchlinien heraus und bringt sie zutage, die unserer Meinung nach bestehen und bestehen dürfen. Bruchlinien entlang bestimmter Fragen und entlang des eigenen = ganz persönlichen Selbstverständnisses die zwar irgendwie eine entweder-oder-Situation darstellen, die aber dann einfach als Tatsachen nebeneinander unter dem Dach einer Kollapsbewegung (und neben einer Klimabewegung 😉) stehen können, weil es sowohl für das entweder als auch für das oder Optionen in der Bewegung gibt. Diese Bruchlinien muss man aushalten, ohne gleich „Spaaaltung“ zu schreien, denn unterschiedliche Richtungen, Ansätze und Veränderungen in eigenen Positionen sind eigentlich schon allein deshalb logisch und erwartbar, weil wir keine vorgegebene enge Kollapsdefinition haben und weil Kollaps für jede:n anders aussehen und zu unterschiedlichen Zeitpunkten eintreten kann.</p><p>Ich ganz persönlich habe verstärkt in den letzten Tagen – im Zuge der Diskussionen um ICE-Terror und -Morde und die Reaktionen darauf, beim quälenden Warten und bangen Blicken nach Budapest zu Maja, bei einer sehr schockierenden Reaktion einer vermeintlich kollapsbewussten Person auf die Nachricht über die Streichung von Zuschüssen für HIV-Medikamente, bei dem, was die Aufrufe, Rojava zu VERTEIDIGEN und dorthin aufzubrechen mit mir machen – bemerkt, dass es einen Unterschied gibt zwischen sich betroffen fühlen und betroffen sein und das dieser Unterschied oft ausschlaggebend dafür ist, auf welcher Seite der Bruchlinie man sich positioniert. Ich BIN betroffen vom ICE-Terror, auch wenn ich keine BIPoC-Person bin und nicht in Minneapolis lebe, weil ich weiß, dass wir hier nicht in Sicherheit vor solchen Zuständen sind und weil sich dann Menschen (inkl. mir selbst), mit denen ich heute noch Tagebaue blockiere und Wälder besetze, auch eine Kugel einfangen könnten. Ich BIN betroffen von dem, was in Rojava passiert, weil Rojava für etwas Größeres steht. Ich BIN betroffen vom Prozess gegen Maja, weil ich die Familie kenne, weil ich mit Maja in Kontakt bin, weil ich non-binär und ANTIFA bin. Ich BIN betroffen, wenn Medikamente nicht mehr für alle zur Verfügung stehen, auch wenn ich sie nicht benötige, weil Freund:innen deswegen Angst haben. Ich BIN betroffen, weil ich Gruppen zugeordnet werde, die bereits realen Angriffen jenseits von Marginalisierung und deren Konsequenzen ausgesetzt sind. Ich BIN betroffen, weil auch ich angegriffen werde und weil Freund:innen, Familie und Genoss:innen angegriffen werden. Ich fühle mich nicht betroffen, während mir Privilegien, Gruppenzuweisungen und Fähigkeiten, sich (auch mental und emotional) abzugrenzen noch die Option geben, nicht betroffen zu sein. Ich BIN betroffen, deshalb steige ich ein in unsere politische Wette, deshalb möchte ich in bestimmten Bereichen handlungsfähig werden und Strukturen schaffen, die das in anderen sind. Auch deshalb forciere ich bestimmte Bruchlinien. Die helfen im Notfall nämlich zu wissen, wer welche Hilfe benötigt und wer diese leisten kann. Es ist dabei vollkommen nachvollziehbar und in Ordnung, dass nicht jede:r diese Betroffenheit teilt. Wer nicht queer ist, sieht Angriffe auf queere Personen als etwas Furchtbares, aber nicht als Angriffe auf sich selbst und daraus ergeben sich in logischer Konsequenz auch andere Reaktionen und Positionen.</p><p>Unser Camp für dieses Jahr ist das Camp für Menschen, die betroffen sind. Es ist keine Abwertung und Ausgrenzung anderer, sondern der Versuch einer Selbstermächtigung aus unserer eigenen Situation heraus und ich freue mich darauf zu erleben, wie wir diese Woche gemeinsam angehen und nutzen werden, wie es sich anfühlt, für sich selbst und die eigene Community etwas zu tun, um unsere Lage selbst zu verändern. Ein wesentlicher Punkt, wenn es darum geht, gemeinsam mit Verbündeten etwas zu schaffen, ist meiner Meinung nach die Notwendigkeit zunächst Klarheit zu bekommen, wo und wofür es Verbündete mit welchem Wissen und Fähigkeiten braucht, wo stoßen wir selbst an Grenzen, an denen Unterstützer:innen ansetzen können. So lassen sich funktionierende Netzwerke aufbauen. Das KollapsLARP-Szenario-Trainingslager-Übungscamp ist Ende September unser Angebot an euch, die ihr betroffen seid.</p><p>Für alle eure Fragen, Namensvorschläge 😉 und wenn ihr/eure Gruppe Interesse habt, dabei zu sein, meldet euch gerne unter <a href="mailto:scully@systemausfall.org">scully@systemausfall.org</a>. Wir sind jetzt im Arbeitsmodus und in den nächsten Wochen und Monaten wird es immer wieder Texte rund um das LARP-Szenario-Trainingslager-Übungscamp geben und irgendwann hat das Ding auch einen Namen, versprochen.</p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/disrupt/about">Abo - Pakete</a></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Tue, 27 Jan 2026 07:54:37 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Has the climate movement become radicalised?]]></title>
      <description><![CDATA[Spoiler: no. Should it? Yes. Radicalisation means countering the rightward shift and the fascist seizure of power with a leftward shift.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Spoiler: no.</p><p>Should it? Yes.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/07ac62ab-2e74-4481-9db1-94a0f06881b0/uploads/images/fo5l7vtlvi/radikalisiert-euch-sticker.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>In the turmoil surrounding the events of the power outage in Berlin and the question of who was responsible, a journalist asked me exactly this question: are so called “Vulkan-groups” or sabotage actions themselves a sign of the radicalisation of the climate movement? No, it’s the exact opposite, was my answer to that, and because the topic and a few more thoughts on it are also a good way to draw a connection to what Tadzio Müller and I want to organise in September, this blog post will deal with it in a bit more detail.</p><p><em>The climate movement has not become radicalised</em></p><p>One of my main criticisms of the climate movement, as well as the critical examination of our forms of action, the sense and nonsense of certain ways to take action and the question of the purpose, usefulness and sense of actions themselves, is precisely this: the question of radicalisation. However, the climate movement alone is not the only one that needs to be included in this discussion, but the radical left in general. I have written two longer texts on this in the last two weeks. In Germany, there is no longer an organised, truly radical left and there is no radicalised climate movement. There are causes and reasons for this and it is merely a statement at this point, not a value judgment. What we see are individual people and smaller groups that radicalise themselves and do indeed sometimes take action. However, this has nothing to do with a fundamentally different organisation or orientation of “the movement” and “the radical left” in general but is probably often due to very individual emotions such as anger and a feeling of powerlessness and ineffectiveness. It is good and right that this is happening and before we talk about the radicalisation of a movement, it is necessary to be clear about this: more and more people who have been active in activism for years feel exactly this way and neither the climate movement nor the radical left as a space for our organisation and activism are taking this into account.</p><p>Often, structures (for very understandable reasons) are not even willing to acknowledge and address this. Not to mention creating spaces and integrating them into strategic considerations. Here, fear prevails – including, and unfortunately above all, the fear of one’s own courage and history. Some actors are trying, also because it has been recognised that we risk losing long-standing activists – due to trauma, burnout, and frustration over the constant repetition of what has not been successful. We cautiously call it civil disobedience+, find creative formulations in the annually updated versions of our action consensus, and at least try to agree that in the event of a crisis, there will be no disassociation. That was a start, happened two or three years ago, without this start having had a lasting or significant impact on our actions.</p><p>Even worse: these two or three years have created catastrophic realities at high speed and governments, and “societies” have taken paths that would probably make even the worst fears of many of us seem like a children’s birthday party. The need for radicalisation has not become smaller, but more urgent and necessary for the survival of a serious climate justice movement and a radical left. </p><p><em>Radicalisation is a prerequisite for the survival of the climate movement</em></p><p>We can turn it around as much as we like, we can deny it, be frustrated and sad about it, and we can also carry on as before. The honest conclusion that we have failed to achieve our goals of coal phase-out, fossil fuel phase-out and never-again- fascism is unavoidable, even though we have tried everything and even briefly fallen for the illusion of a majority. At the moment, the climate movement isn’t a relevant player in the public perception. There are also no levers on our side to gain any form of political influence, whether in parliaments or out in the streets. Anti-fascism is openly attacked and actively fought with all means at their disposal, and left-wing issues are ridiculed as utopian, sometimes even by us, sarcastically, but with the corresponding lack of confidence, bitterness and despair.</p><p>There are only a few points where we are noticed and seen as a relevant or at least potential threat, and the reaction is brutal in these cases: militant anti-fascism, solidarity with Palestine and, in connection with this, opposition to militarisation and armament. Yes, the brutal reaction to this intimidates – that is exactly what it is meant to do. But it also shows where we have (could have) leverage and where/with what means we are perceived as a threat to the existing system. Isn’t that what we as radical leftists want, if we take our slogans, our posters, ourselves and our history seriously? To bring the existing system to its knees and to shake it to its foundations? Well, then the reactions show us where and how we should start. Nobody said that it would be easy and without risk. We have been telling ourselves this for a long time and would like to continue to do so – absolutely understandable, because who wants to feel afraid and have to weigh up risks beyond a “we could end up in a kettle and the GESA”- scenario, which can also be a traumatic experience. But if we don’t face this and change our form of political work, then this is it for the climate movement and the like. We are no longer relevant, we are no longer perceived, and we can no longer make ourselves visible, remind people of our existence or take any lasting steps towards our big goals. How are we supposed to win over new people who are willing to invest their time and other resources to organise themselves on a long-term basis? Increasingly, we are no longer able to keep the people who have already organised themselves in our structures! We are not losing these people because their political views have changed, but because they see that we ourselves are light years away from achieving our minimum goals, without analysing this and adapting ourselves and our practice accordingly.</p><p>In my opinion, a radicalisation on a broad basis is the only way if the climate movement and the like want to continue and not just for their own entertainment and for symbolic politics. A broad radicalisation does not mean “blindly sabotaging to the point of stupidity”. Radicalisation means losing the fear of those who decide to take action, to create spaces, to define basic rules, to enable strategically clever actions and therefore to have clear options to quickly and clearly distance ourselves from actions that contradict this. Radicalisation means countering the rightward shift and the fascist seizure of power with a leftward shift. Just as society almost automatically shifts to the right because the far right is leading the way, the centre would only shift to the left if the far left were to take the lead. Reality shows us the way, it shows us what is needed. It shows it on the wrong side, the far right, which is increasingly making its utopias a reality, whether in parliaments and laws, at demonstrations, in attacks on the left and left-wing spaces, or in youth clubs and neighbourhood aid. Far-left utopias are invisible and, if they are real at all, are only real in very small contexts and within narrow limits. Radicalisation is much more than militancy and violence – but we also must stop denying that both are an absolutely necessary part of it. Not more, but also not less. Radicalisation enables new security structures for us, as well as the creation of spaces for practical neighbourhood organising, to provide people with food, hot meals, clothing, medicines and help with their homework (not just in the event of disasters). All of this is radical, but it also needs to be fought for and defended. The idea of neighbourhood organising needs to move beyond conversations such as “it would be nice if... let’s have some door-to-door conversations to see if others feel the same way” and to get things done. A radicalisation of the climate movement and the left-wing radicals means moving towards getting things done, away from dreaming, wishing and talking about it.</p><p><em> Direct action gets the goods</em></p><p>…is a universally valid sentence that left-wing radicals and activists must adopt in the context of actions and beyond. Fewer online conferences and strategy meetings, more practice, more practical experimentation and implementation than talking about it until it becomes impossible to achieve perfection. Left-wing radicalism and left-wing issues must no longer only take place in symbolic actions and after large mobilisations in one place. Left-wing radicalism must become everyday life, as is the case with right-wing extremism and fascism. All this is not possible without militancy and, in my opinion, also without sabotage. A radicalised movement itself offers corresponding niches and options for people who want to deal with these means, while others can focus on other issues. But the question of violence and militancy is one that, for security reasons too, the left can no longer ignore and keep hiding behind unicorns. If we succeed in making left-wing utopias a reality to any extent, we need protection. Housing projects, community centres, women’s shelters, soup kitchens, cold-weather buses, as the last few weeks have shown us, CSDs... all this is no longer just hypothetically exposed to attacks, all this needs protection and, in an emergency, protection structures that intervene when all precautionary measures have failed to prevent the Nazi attack. Who do you think should do this? There is a shortage of people and, even more, of organised structures that can do this and as long as such people and structures are labelled as violent, pushed away and separated from us, we are unprepared and defenceless in dangerous situations. People who do not shy away from the topic of militancy and violence do not do so for fun or because they enjoy violence, but out of necessity and solidarity. A fundamental radicalisation of a diverse movement ensures that those people are no longer marginalised and always on the verge of being left alone in the course of indignation and outrage.</p><p> <em>Martin Luther King would only have been half as good without Malcolm X</em></p><p>A radicalisation also (but not only) in the sense of militancy and sabotage of climate movements and the like makes it possible to think about security and protection concepts that go beyond avoiding anything that might be a nuisance. As long as there is no need for such protection, we will not come up with measures that provide it. It opens new strategic and tactical horizons that do not even require the necessary implementation of militant actions by some. As with football (my guilty pleasure), even if I always want to pass the ball because that’s what I enjoy and what is easy for me, the opposing defence has to buy me off to be able to pull off a run play at any time. This makes us unpredictable and prevents our passes from being intercepted every time because all the receivers are covered twice and three times over.</p><p>Radicalisation also is a major step to actually involving and collaborating with BIPoC- groups beyond tokenism, because only then an honest exchange about strategies and possibilities can succeed. I think the climate movement still being an academic white movement, even after all these years, after much criticism and many adaptions, is also due to the question of militancy and violence. The total defensive attitude and denial of militancy often exclude experienced BIPoC.</p><p>Finally, radicalisation can prevent something like what happened in Berlin at the end of last year, because we would have spaces for exchanging dos and don’ts, as well as communication channels, because we could analyse and adapt. Individual actions can be integrated into a larger whole, which would influence visibility and impact. It would be possible to shape narratives, set topics and influence public discussions, and to achieve more with our usual forms of action again, because there would be a credible threat scenario for other escalation stages in the background. It is always important to understand that the radicalisation of a movement is not the same as militancy for everyone, but rather the possibility for some, which finally enables all of us to take steps and have room for manoeuvre again.</p><p>One example that I think is very apt and topical are once again the Black Panthers and what they are doing in Minneapolis and elsewhere. So here’s a tip and a request: learn about what the Black Panther Party for Self Defence is doing! Listen to what they say! Look at how they present themselves and act! Get an impression of what they organise in their communities and try to deny the role that militancy in the sense of relevant knowledge and external impact has in this. The actual use of violence is not the crucial point. However, their successes in various areas of community work speak for themselves and for their strategy. I would also like to recommend the following text, which I have already shared a few times on social media: <a href="https://de.crimethinc.com/2025/01/28/its-safer-in-the-front-taking-the-offensive-against-tyranny">It’s safer in the front</a>, published on a platform that is always worth reading in general. This text takes the pressure off me to engage in a discussion about militancy that is mainly driven by fear, and I quote as follows:</p><p>“For members of affected, marginalised groups who are targeted by violence of any kind, the first impulse is often to retreat, to hide. But when it comes to individual and collective self-preservation, it may be wiser to act decisively at the outset, while it is still possible to influence the course of events. Even if this turns out badly, it may be better to bring the conflict to a head immediately, before the opponent gains power. This strategy at least has the advantage of not allowing one to lull oneself into a false sense of security while the threat grows. It does not always work, but sometimes it is safer to engage radically at the forefront.”</p><p>To conclude today, I can only say once again: anyone who has not yet been affected by violence does not owe this to a “not so bad reality”, a “non-violent, inclusive society” or to the functioning protection by laws and the relevant actors, but to their own privileges and, in some cases, to those who already practise counter-violence and protection. To reject and deny militancy and violence from this perspective is exclusive, selfish and arrogant, and certainly not something that protects others from violence. On the contrary! By excluding affected people and outsourcing “legal violence” to the police and others, you become an offender yourself and the risk for those affected and marginalised increases.</p><p><em>Radicalisation beyond actions and militancy</em></p><p>Aside from the struggle for activism, actions and a realistic approach to the issue of violence, radicalisation has many other aspects, as mentioned above, and it does not only affect the climate movement and the radical left. All of us who organise and engage in political and activist work must radicalise our approach to political work and activism. The fundamental risk increases, whether we want it to or not, whether we contribute to it through escalation or not. Not everyone is always and in every form able to do this, but some have already noticed that event-activism and the mere consumption of actions in the capitalist sense no longer work. Let us radicalise our practice in terms of actions and protest, let us focus on solidarity structures and forms of mutual aid, and let us also radicalise the way we prepare for them. Phone conferences will no longer be enough, camps on a weekend will not be the only form that can remain. We must learn things intensively and implement them permanently, without neglecting the idea of protection. Annika Brockschmidt has just published a <a href="https://taz.de/Ein-Jahr-Trump/!6146612/">TAZ article</a> on the ICE-terror and its consequences, which also makes it clear that “In neighbourhood groups, solidarity is being organised against authoritarian terror. Those who stand up for their fellow human beings risk a lot...” For exactly this reason, we need to radically rethink activism, commitment and preparation for it. If I can be reported, arrested, beaten up or even shot at for blocking a street or distributing food, then the solution is no longer weekend camps with panel discussions about the influence of lobbies on the current situation, nor are openly announced mass actions. In times of collapse, we need a new kind of activism, and we need to learn it. One that is aware of the fact that in the collapse even more risks will come our way and that this will require more preparation, intensive learning and practice than it was the case, for example, for a classic Ende Gelaende action. This is the direction in which Tadzio Mueller and I are heading for the late summer of 2026. We&#39;ll tell you more about this next week. As Tadzio Mueller put it today, it&#39;s about robust preparation, and this is just as relevant for climate activists, the collapse movement, and antifascists as it is for a wide range of activities: transport, logistics, communication, first aid, supplies, and security, to name just a few. This robust preparation also includes militancy in the form of self-defense and protection for what it is – a necessity and sometimes even a condition for everything else. We must overcome our fear of strong language and corresponding practices, also to realize that often, the credible option of escalation is enough to finally achieve something again using other means.</p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[English]]></category>
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      <pubDate>Tue, 20 Jan 2026 20:43:15 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Hat sich die Klimabewegung radikalisiert?]]></title>
      <description><![CDATA[Spoiler: nein. Sollte sie das tun? Ja. Radikalisierung bedeutet, dem Rechtsruck und der faschistischen Machtergreifung einen Linksruck entgegenzusetzen.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Spoiler: nein.</p><p>Sollte sie das tun? Ja.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/e712674d-d61b-4da2-afc3-c4ef9905668c/uploads/images/f3hcchrc3q/radikalisiert-euch-sticker.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Im Tumult um die Ereignisse rund um den Stromausfall in Berlin und die Frage des Verantwortlichen hat mir eine Journalistin genau diese Frage gestellt: sind Vulkangruppen bzw. Sabotageaktionen an sich ein Zeichen für eine erfolgte Radikalisierung der Klimabewegung? Das genaue Gegenteil ist der Fall, war meine Antwort darauf und weil sich das Thema und ein paar mehr Gedanken dazu auch prima eignen, um wieder den Bogen zu schlagen zu dem, was Tadzio Müller und ich dieses Jahr für den September organisieren wollen, wird sich dieser Blogtext etwas ausführlicher damit befassen. Ganz am Anfang sollten wir verstehen, dass Radikalisierung nicht nur Militanz und eine veränderte Einstellung zur Frage der Gewalt bedeutet. Radikalisierung ist nicht gleich mehr Gewalt! Radikalisierung in meinem Verständnis hat viele Aspekte, aber selbst wenn wir sie nur auf die Diskussion um Militanz und Sabotage reduzieren, eröffnet sie gleichermaßen viele Möglichkeiten in allen anderen Aspekten von Bewegung und Aktivismus.</p><p><em>Die Klimabewegung hat sich nicht radikalisiert</em></p><p>Einer meiner großen Kritikpunkte an der Klimabewegung, ebenso wie die kritische Auseinandersetzung mit unseren Aktionen, dem Sinn und Unsinn von bestimmten Aktionsformen und der Frage nach dem Nutzen und der Sinnhaftigkeit von Aktionen an sich dreht sich im Kern genau um das: um die Frage der Radikalisierung. Einschließen in diese Diskussion muss man aber nicht die Klimabewegung allein, sondern die radikale Linke als „Ganzes“. Dazu habe ich in den letzten beiden Wochen zwei längere Texte geschrieben. In Deutschland gibt es keine organisierte tatsächlich <em>radikale</em> Linke mehr und es gibt keine radikalisierte Klimabewegung. Das hat Ursachen und Gründe und ist an dieser Stelle lediglich eine Feststellung, keine Wertung. Was es gibt, sind einzelne Menschen und kleinere Gruppen, die sich radikalisieren und die durchaus immer mal in Aktion treten. Das hat aber nichts mit einer grundsätzlich anderen Organisierung oder Ausrichtung „der Bewegung“ und „der radikalen Linken“ an sich zu tun, sondern ist vermutlich oft ganz individuellen Emotionen wie Wut und einem Gefühl der Ohnmacht und Wirkungslosigkeit geschuldet. Es ist gut und richtig, dass das passiert und bevor wir über die Radikalisierung einer Bewegung sprechen, ist es notwendig, dass uns Folgendes klar ist: immer mehr Menschen, die seit Jahren im Aktivismus unterwegs sind, fühlen genau das. Die Realität radikalisiert sich und verlangt uns eigentlich genau das ab. Aber weder Klimabewegung noch radikale Linke als Raum unserer Organisierung und unseres Aktivismus tragen dem Rechnung. Oft sind Strukturen (aus durchaus aus nachvollziehbaren Gründen) nicht mal bereit, das anzuerkennen und zu thematisieren. Vom Schaffen von Räumen und dem Einbinden in strategische Überlegungen ganz zu schweigen. Hier gewinnt die Angst – auch und zuallererst leider die Angst vor der eigenen Courage und der eigenen Geschichte. Einige Akteur:innen versuchen es, auch weil erkannt wurde, dass wir Gefahr laufen, langjährige Aktivist:innen zu verlieren – an Traumata und Burnout, aber ebenso an Frust über stetige Wiederholung dessen, was nicht erfolgreich war. Wir nennen es vorsichtig ZU+, finden kreative Formulierungen in den jährlich aktualisierten Versionen des Aktionskonsens und versuchen uns wenigstens darauf zu einigen, dass im Fall der Fälle keine Entsolidarisierung erfolgt. Das war ein Anfang, aber auch der liegt nun schon wieder zwei – drei Jahre zurück, ohne dass sich dieser Anfang nachhaltig oder deutlich in unseren Aktionen niedergeschlagen hat. Hinzu kommt, dass diese zwei – drei Jahre katastrophale Realitäten in Highspeed geschaffen haben und Regierungen samt „Gesellschaften“ und „bürgerlichen Mitten“ Wege eingeschlagen haben, die vermutlich bei vielen von uns selbst die schlimmsten Befürchtungen wie einen Kindergeburtstag erscheinen lassen. Die Notwendigkeit einer Radikalisierung wurde dadurch nicht kleiner, sondern dringender, größer und notwendig für den Fortbestand von ernstzunehmender Klimagerechtigkeitsbewegung und radikaler Linken.</p><p><em>Eine Radikalisierung ist Bedingung für das Weiterleben von Klimabewegung &amp; Co.</em></p><p>Wir können es drehen und wenden, wie wir wollen, wir können es leugnen, darüber frustriert und traurig sein und wir können auch weitermachen wie bisher. Am ehrlichen Fazit „wir sind an unseren Zielen von Kohleausstieg über raus aus den Fossilen bis nie wieder Faschismus&quot; gescheitert, obwohl wir alles versucht haben und auch kurzzeitig der Illusion einer Mehrheit verfallen sind. Aktuell spielt die Klimabewegung keine reale Rolle in der Außenwahrnehmung. Es gibt ebenfalls keinerlei Hebel auf unserer Seite, um irgendeine Form von politischer Einflussnahme sei es in Parlamenten als außerhalb davon, zu gewinnen. Antifaschismus wird offen angegriffen und aktiv mit allen Mitteln bekämpft, linke Themen werden als Utopien belächelt, teilweise auch bereits von uns selbst, sarkastisch, aber mit entsprechender Mutlosigkeit, Verbitterung und Verzweiflung.</p><p>Es gibt nur wenige Punkte, an denen wir wahrgenommen und als irgendeine relevante oder zumindest potenzielle Gefahr gesehen werden und dort wird mit aller Brutalität reagiert: militanter Antifaschismus, Palästinasolidarität und damit in Zusammenhang stehend Einsatz gegen Militarisierung und Rüstung. Ja, die brutale Reaktion darauf schüchtert ein – genau das soll sie ja auch. Sie zeigt aber eben auch, wo wir Hebel haben (könnten) und wo/mit welchen eingesetzten Mitteln wir als Bedrohung für das bestehende System wahrgenommen werden. Ist es nicht das, was wir als radikale Linke wollen, wenn wir unsere Parolen, Transpis, uns selbst und unsere Geschichte ernst nehmen? Das bestehende System ins Wanken bringen und aus den Angeln heben? Nun, dann zeigen uns die Reaktionen, wo und wie wir da ansetzen sollten. Es hat ja niemand gesagt, dass es einfach ist und ohne Risiko. Das haben wir uns selbst lange eingeredet und würden es gerne auch weiterhin tun – absolut verständlich, denn wer möchte schon Angst empfinden und Risikoabwägungen jenseits von „wir könnten in einem Kessel und der GESA landen“ hören, was ja durchaus auch schon traumatische Erlebnisse mit sich bringen kann.</p><p>Stellen wir uns dem aber nicht und ändern unsere Form der politischen Arbeit, war es das mit Klimabewegung und Co. Wir spielen keine Rolle mehr, werden nicht wahrgenommen und können uns selbst nicht mehr sichtbar machen, ins Gedächtnis rufen oder irgendeinen dauerhaften Schritt Richtung unserer großen Ziele gehen. Wie soll es uns denn dann noch gelingen, neue Menschen zu gewinnen, die Zeit und andere Kapazitäten einbringen, um sich dauerhaft zu organisieren? Wir können in zunehmendem Maße nicht mehr die Leute halten, die sich schon in unseren Strukturen organisiert hatten! Diese Menschen verlieren wir nicht, weil sich ihre politische Einstellung ändert, sondern weil sie sehen, dass wir selbst vom Erreichen von Minimalzielen Lichtjahre entfernt sind, ohne das entsprechend zu analysieren und dementsprechend uns selbst und unsere Praxis anzupassen. Eine Radikalisierung auf breiter Basis ist meiner Meinung nach der einzige Weg, wenn Klimabewegung und Co. weitermachen wollen und das nicht nur zum eigenen Zeitvertreib und für Symbolpolitik. Eine breite Radikalisierung bedeutet dabei nicht, „blind bis zur Dummheit“ Sabotage zu betreiben und Gewalt einzusetzen. Radikalisierung bedeutet die Angst vor denen zu verlieren, die sich dazu entschließen. Es bedeutet, den Gegenwind nicht zu scheuen und Räume zu schaffen, um Grundregeln zu definieren, strategisch kluges Handeln zu ermöglichen und somit auch klare Optionen zu haben, sich von Aktionen, die dem widersprechen schnell und eindeutig zu distanzieren. Radikalisierung bedeutet, dem Rechtsruck und der faschistischen Machtergreifung einen Linksruck entgegenzusetzen. So wie die Gesellschaft inzwischen stetig und automatisch nach rechts rückt, weil Rechtsextreme vorangehen, würde die Mitte nur nach links rücken, wenn Linksradikale vorangehen. Die Realität zeigt uns doch eigentlich den Weg, das, was es braucht. Sie zeigt es auf der falschen, der rechtsextremen Seite, die ihre Utopien inzwischen zunehmend real werden lässt und auslebt, sei es in Parlamenten und Gesetzen, auf Demos, in Angriffen auf Linke und linke Räume oder aber in Jugendtreffs und Nachbarschaftshilfe. Linksradikale Utopien sind unsichtbar und wenn überhaupt nur in sehr kleinen Kontexten und engen Grenzen real, (er-)lebbar. Radikalisierung ist dabei viel mehr als Militanz und Gewalt – wir müssen aber auch aufhören, zu leugnen, dass beides durchaus notwendiger Teil davon ist. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Radikalisierung ermöglicht neue Sicherheitsstrukturen auch für uns selbst, ebenso wie das Schaffen von Räumen für praktisches nachbarschaftliches Organising, um Menschen (nicht nur in Katastrophenfällen) z.B. mit Essen, warmen Mahlzeiten, Kleidung, Medikamenten und Hilfe bei den Hausaufgaben zu versorgen. All das ist inzwischen radikal, all das muss aber erkämpft und auch verteidigt werden und das Reden von Nachbarschaftsorgansing muss den Status von Gesprächen rund um „wäre schön, wenn…lass uns da mal Haustürgespräche führen, ob andere das auch so sehen“ verlassen und zum Machen kommen. Eine Radikalisierung von Klimabewegung und Linksradikalen bedeutet: hin zum Machen, rein in die vielfältige Praxis, weg vom Träumen, Wünschen und Zerreden.</p><pre><code>Ihr mögt meine Texte? 
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Aber eine radikalisierte Bewegung an sich bietet entsprechende Nischen, Optionen und Schutz für Menschen, die sich mit diesen Mitteln auseinandersetzen wollen, während sich andere eben anderen Themen widmen. Die Frage nach Gewalt und Militanz ist jedenfalls eine, die auch aus Sicherheitsgründen eine von der Sorte ist, vor der sich Linke nicht mehr zwischen Einhörnern und Hopiumpfeifen verstecken können bzw. dürfen. Wenn es uns gelingt, linke Utopien in welchem Umfang auch immer real werden zu lassen, brauchen diese Schutz. Wohnprojekte, Stadtteilzentren, Frauenhäuser, Suppenküchen, Kältebusse wie uns die letzten Wochen bewiesen haben, Orte, an denen Bezahlkarten getauscht werden, CSDs…all das ist nicht mehr nur hypothetisch Angriffen ausgesetzt und all das braucht Schutz und im Ernstfall eben auch Schutzstrukturen, die eingreifen, wenn alle Vorsichtsmaßnahmen den Naziangriff nicht verhindern konnten. Wer soll das eurer Meinung nach tun? Es fehlt an Menschen und erst recht an organisierten Strukturen, die das können und wenn solche Menschen und Strukturen dann durch das Verhalten vieler Linker, ganz zu schweigen von dem der bürgerlichen Mitte, zur Gewaltfrage vor den Kopf gestoßen werden, steht ihr in gefährlichen Situationen unvorbereitet und schutzlos da. Menschen, die sich dem Thema der Militanz und Gewalt nicht verschließen, tun das nicht aus Spaß und Freude an Gewalt, sondern aus Notwendigkeit und Solidarität. Eine grundsätzliche Radikalisierung einer vielfältigen Bewegung sorgt dafür, dass solche Menschen nicht mehr am Rand stehen, immer kurz davor im Zuge von Entrüstung und Empörung allein gelassen zu werden.</p><p><em>Martin Luther King wäre ohne Malcom X nur halb so gut</em></p><p>Eine Radikalisierung auch (aber nicht nur) im Sinne von Militanz und Sabotage von Klimabewegung &amp; Co. ermöglicht es über Sicherheit und Schutzkonzepte nachzudenken, die über Vermeidung von allem, was stört hinausgehen. So lange keine Notwendigkeit für entsprechenden Schutz besteht, werden uns auch keine Maßnahmen einfallen, die diesen gewähren. Sie führt zu neuen strategischen und taktischen Horizonten, die nicht mal die zwingende Umsetzung von militanten Aktionsformen durch Einige erfordern. Wie beim Football (my guilty pleasure) gilt: auch wenn ich immer Passspielzüge machen möchte, weil die großartig sind und mir leichtfallen, muss mir die gegnerische Verteidigung abkaufen, dass ich jederzeit auch einen Laufspielzug auspacken kann. Dadurch werden wir unberechenbar und verhindern, dass unsere Pässe immer direkt abgefangen werden, weil alle Passempfänger doppelt und dreifach gedeckt sind. Radikalisierung öffnet unsere Strukturen erst für tatsächliche Einbindung und Zusammenarbeit mit BIPoC – Gruppen über Tokenism hinaus, weil oft erst dann ehrlicher Austausch über Strategien und Möglichkeiten gelingen kann. Dass die Klimabewegung eine akademische weiße ist, auch nach all den Jahren, nach viel Kritik und vielem, was verändert wurde, liegt meiner Meinung nach auch an der Frage von Militanz und Gewalt. Durch das totale Abwehrverhalten und Verleugnen schließen wir gerade erfahrene BIPoCs sehr oft aus. Radikalisierung kann so etwas wie Berlin am Ende letzten Jahres verhindern, weil wir Räume zum Austausch über dos und don‘ts sowie Gesprächskanäle hätten, weil wir analysieren und anpassen könnten. Einzelaktionen können eingebunden sein in ein Großes und Ganzes, was Sichtbarkeit und Wirkung beeinflussen würde. Es wäre möglich, Narrative mitzugestalten, Themen zu setzen und öffentliche Diskussionen zu beeinflussen und mit unseren üblichen Aktionsformen wieder mehr erreichen zu können, weil es im Hintergrund eine glaubwürdige Drohkulisse für andere Eskalationsstufen gibt. Dabei ist immer wichtig zu verstehen, dass die Radikalisierung einer Bewegung nicht gleichzusetzen ist mit Militanz für alle, sondern es um die Möglichkeit durch einige geht, die aber allen endlich wieder Schritte und Handlungsspielräume nach vorne ermöglicht.</p><p>Ein meiner Meinung sehr gut passendes und aktuelles Beispiel sind einmal mehr die Black Panthers und das, was sie gerade u.a. in Minneapolis tun. Deshalb ein Tipp und eine Bitte: informiert euch über das, was die Black Panther Party for Self Defence tut! Hört zu, was und wie sie sich äußern und positionieren! Schaut euch an, wie sie auftreten und agieren! Gewinnt einen Eindruck von dem, was sie in ihren Communities organisieren und versucht zu leugnen, welche Rolle dabei Militanz im Sinne von entsprechendem Wissen und entsprechender Außenwirkung spielt. Die tatsächliche Anwendung von Gewalt ist gar nicht der springende Punkt. Ihre Erfolge in Bereichen von vielfältiger Communityarbeit sprechen aber für sich und ihre Strategie. Ebenso sei euch folgender Text ans Herz gelegt, den ich auf Social Media schon ein paar Mal geteilt habe: <a href="https://de.crimethinc.com/2025/01/28/its-safer-in-the-front-taking-the-offensive-against-tyranny">It&#39;s safer in the front</a>, veröffentlicht auf einer Plattform, die ganz grundsätzlich immer lesenswert ist. Dieser Text nimmt es mir ab, mich einmal mehr mit einer vornehmlich von Angst geleiteten Argumentation auseinanderzusetzen, wenn es um Militanz geht und ich zitiere hier wie folgt:</p><p>„Für Mitglieder von betroffenen, marginalisierten Gruppen, die ins Visier von Gewalt jeglicher Form geraten, besteht der erste Impuls oft darin, sich zurückzuziehen, sich zu verstecken. Doch wenn es um die individuelle und kollektive Selbsterhaltung geht, kann es klüger sein, zu Beginn entschlossen zu handeln, solange es noch möglich ist, den Lauf der Dinge zu beeinflussen. Selbst wenn dies schlecht ausgeht, kann es besser sein, den Konflikt sofort auf die Spitze zu treiben, bevor der Gegner an Macht gewinnt. Diese Strategie hat zumindest den Vorteil, dass man sich nicht in falscher Sicherheit wiegt, während die Bedrohung zunimmt. Das funktioniert nicht immer, aber manchmal ist es sicherer, sich an vorderster Front radikal zu engagieren.“</p><p>Für heute abschließend kann ich nur einmal mehr sagen: wer bisher noch nicht von Gewalt betroffen ist, hat das nicht einer „doch gar nicht so schlimmen Realität“, einer „gewaltfreien, inklusiven Gesellschaft“ oder funktionierendem Schutz durch Gesetze und entsprechende Aktuer:innen zu verdanken, sondern den eigenen Privilegien und teilweise auch denen, die Gegengewalt und Schutz praktizieren. Militanz und Gewalt aus dieser Perspektive heraus abzulehnen und zu verleugnen, ist eine exklusive, egoistische und arrogante und ganz sicher keine, die andere vor Gewalt schützt. Im Gegenteil! Durch das Ausgrenzen betroffener Menschen und das Auslagern von „legaler Gewalt“ auf Polizei &amp; Co. wird man selbst zur Täter:in und das Risiko für Betroffene und Marginalisierte steigt.</p><p> <em>Radikalisierung jenseits von Aktionen und Militanz</em></p><p>Ganz abgesehen vom Ringen um Aktionsformen und einen realistischen Ansatz in der Gewaltfrage hat Radikalisierung wie oben schon erwähnt viele weitere Aspekte und sie betrifft nicht nur die Klimabewegung und radikale Linke. Wir alle, die wir uns politisch und aktivistisch organisieren und engagieren, müssen uns in unserem Herangehen an politische Arbeit und Aktivismus radikalisieren. Das grundsätzliche Risiko steigt, ob wir das wollen oder nicht, ob wir durch Eskalation dazu beitragen oder nicht. Nicht allen ist das immer und in jeder Form möglich, aber der eine und die andere haben schon bemerkt, dass Event-Aktivismus und das bloße Konsumieren von Aktionen ganz im kapitalistischen Sinne nicht mehr funktionieren. Radikalisieren wir unsere Praxis bezogen auf Aktionsformen und Protest, setzen wir auf solidarische Strukturen und Formen von mutual aid müssen wir auch die Art und Weise radikalisieren, wie wir uns darauf vorbereiten. Telefonkonferenzen werden nicht mehr ausreichen, Camps an einem verlängerten Wochenende werden nicht die einzige Form bleiben können. Wir müssen Dinge intensiv lernen und dauerhaft umsetzen, ohne dabei den Gedanken von Schutz zu vernachlässigen.</p><p>Annika Brockschmidt hat ganz frisch einen <a href="https://taz.de/Ein-Jahr-Trump/!6146612/">TAZ - Artikel</a> zum ICE – Terror und den Folgen verfasst, der u.a. auch das deutlich macht: „In Nachbarschafts-Gruppen formiert sich Solidarität gegen autoritären Terror. Diejenigen, die für ihre Mitmenschen einstehen, riskieren viel...&quot;. Aus genau diesem Grund müssen wir Aktivismus, Engagement und die Vorbereitung darauf radikal neu denken. Wenn ich angezeigt, verhaftet, verprügelt oder tatsächlich sogar erschossen werden kann, weil ich eine Straße blockiere oder Essen verteile, dann liegt die Lösung nicht mehr in Wochenend-Camps mit Podiumsdiskussionen über den Einfluss von Lobbys auf die aktuelle Lage und auch nicht in offen angekündigten Massenaktionen. In Kollapszeiten braucht es gleichzeitig eine neue Art des Aktivismus und die gilt es zu lernen. Eine, die weiß, dass im Kollaps noch mehr Risiken auf uns zukommen und dass es damit verbunden mehr Vorbereitung, intensives Lernen und Übung braucht, als das zum Beispiel für eine klassische Ende Gelände-Aktion der Fall war oder für im besten Fall radikalisierte neue Aktionen einer Akteurin nötig ist. In diese Richtung geht das, was Tadzio Müller und ich für den Spätsommer 2026 planen. Dazu werden wir euch in der kommenden Woche mehr erzählen. Es muss um, wie es Tadzio Müller heute ausgedrückt hat, robuste Vorbereitung gehen und die ist für Klimas, Kollapsbewegung und Antifas als Personengruppen ebenso relevant wie für eine große Bandbreite an Betätigungsfeldern: Transport, Logistik, Kommunikation, 1.Hilfe, Versorgung und Sicherheit, um nur einige zu nennen. Diese robuste Vorbereitung umfasst auch Militanz in Form von Selbstverteidigung und Schutz als das, was es ist – eine Notwendigkeit und Bedingung für vieles andere. Wir müssen die Angst vor starken Begriffen und entsprechender Praxis verlieren, auch um feststellen zu können, dass oft vielleicht auch schon die glaubhafte Option zur Eskalation ausreicht, um mit anderen Mitteln endlich wieder etwas bewirken zu können.</p><pre><code>Aboniert meinen Blog kostenlos oder 
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      <pubDate>Tue, 20 Jan 2026 17:40:34 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[The radical left no longer deserves the name it bears]]></title>
      <description><![CDATA[This text is long and will be continued next week, because there is a lot at stake: an analysis and assessment, criticism of a left-wing institution and the means we…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d53ea9ab-3c10-419e-bd19-a3c5b9c0daf6/uploads/images/6q2au4vtcd/df189a61-991d-41a9-90af-a344b7624285_w488_r1.778_fpx50_fpy52.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Demonstrant am Boden, überall Polizist:innen, von denen nur Beine, Stiefel und die Gürtel mit Waffen etc. zu sehen sind"/><p>This text is long and will be continued next week, because there is a lot at stake: an analysis and assessment, criticism of a left-wing institution and the means we use. It is not an easy text, but I cannot avoid it. Because...</p><p><em>In life, you make your choices not out of fear, but despite your fears</em></p><p>That&#39;s how it should be, in the full knowledge that this is not always easy or successful at the first attempt. But especially for groups that identify with the radical left, this MUST apply, now more than ever. Unfortunately, the reality is very different for too many of these structures. Too many supposedly radical leftists are currently making decisions out of fear and are therefore not doing what would be necessary to have any chance of relevance and change in the face of the current dramatic global situation with the shift to the right and the comeback of fascism within the people and governments, in the face of climate catastrophe and all the collapse scenarios. This does not apply to all structures, and certainly not to all individuals who describe themselves as radical leftists. I also see signs of life and things giving me courage, whether it&#39;s groups showing solidarity with Palestine Actions, the fight against militarisation, Ende Gelaende and other actors in the climate justice movement, Antifa, autonomous small groups – I see fire, anger and the will to regain their edge without first and foremost looking to ‘the masses’. This text, or rather this criticism, is harsh, and I know that I will face opposition, but I see myself caught up and trapped in these processes and in this criticism, and it makes me angry, sad, and too often hopeless. It paralyses me, and I want to break free from this paralysis, true to the motto of fighting to the end, but fighting with the prospect of success, rather than fighting for the sake of fighting, already knowing that continuing as before in the circus of action will achieve nothing but symbolic politics. Criticism, even harsh criticism, must be possible; it is not personal and it is due to concern for radical left-wing activists who wear themselves out, despair of their own standards or conform to the tragedy of social and political reality. Criticism is not an attack; criticism does not mean that we become opponents, even if many (will) turn it into exactly that. But that says more about you than about me, my intentions and my criticism.</p><p><em>The problem of leverage</em></p><p>Within the radical left, there are hardly any radical demands that go beyond slogans and banner slogans, and when supposedly relevant demands (Tax the Rich, Eat the Rich...) are expressed in a party political context, this is done in the knowledge that they are not in a position to implement them and will have to be judged accordingly. The same now often applies to actions by activist groups: ‘We will stop the re-establishment of the AfD Youth’ is the current example – we don&#39;t have that, and it was clear that we wouldn&#39;t be able to achieve it.</p><p>It was clear because – and we know this too – we have no leverage, neither in parliament nor on the streets. All this is therefore not wrong or pointless, but it must not be everything. The lack of leverage etc., is of course also due to the ‘overall shit’ – bans on demonstrations, escalating police violence against people who take action, charges, prison sentences, the completely indiscriminate use of terrorism laws and investigations in the context of ‘forming criminal organisations’, ever more extensive powers of surveillance and control, work bans... the list is almost endless. Nevertheless, it is important to be visible, to literally stand in the way, to be active and at least try to resist.</p><p>My criticism is different: the radical left is no longer even attempting to find levers that work, to fight for them, to enforce them, to argue for them. The only lever the radical left has sought in recent years has been that of alliances, connectivity, majorities, and mass approval. There were a few moments when this search seemed to show signs of success, when we believed we could now pull the lever. These moments vanished into thin air with the coal package, with Danni and with Luetzerath. Nevertheless, the radical left continues and does not have the courage to finally let go of this ineffective lever and become aware of other levers. They do exist, but they do not go hand in hand with the desire to be loved by everyone, to convince everyone and to take everyone with us. There are levers that can force things to happen, that can at least get us moving forward again, but we don&#39;t even look for them; we deny them out of fear of reactions, headwinds, criticism and everything else that is already hitting us (in the truest sense of the word). Yet levers are actually tools for achieving something when not everyone is on board, dear radical left.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d53ea9ab-3c10-419e-bd19-a3c5b9c0daf6/uploads/images/ztijfdzo2n/hebel-6.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="ein großer Stein, 1 kleiner Stein, 1 Hebel wird angesetzt, 1 Mensch am Hebel versucht, den großen Stein zu bewegen, Karrikatur/Skizze"/><p><em>The problem of analysis</em></p><p>In addition to a lack of leverage, part of our crisis is an erroneous/incomplete analysis of the current situation and the failure to respond, adapt and change accordingly. The problem of accepting collapse, even among left-wing actors, is also still an issue and exacerbates our powerlessness. In the last weeks of the old year, I realised how big it actually is. When the current problems of the radical left are recognised, they are dismissed as the ‘usual ups and downs’ that are typical of movements, no cause for concern... NO, things are not as they always have been. Just a few examples: the climate catastrophe is rolling at full speed, ‘Antifa’ has been declared a terrorist organisation in several countries, an armed mob called ICE is grabbing people in the open street, Trump is kidnapping the president of a sovereign country after attacking it and openly saying that ‘we’ will now rule there for the time being, sea rescue is a criminal offence, Antifa members are being illegally extradited to fascist countries and not brought back, there is talk of using mines at the EU&#39;s external borders, and the Afghan embassy in Germany is officially staffed by the Taliban... Do you call that ‘business as usual’? Whether you want to call it collapse or not, it does not change the fact that we are in the midst of changes that are so big, far-reaching, rapid and diverse that they go far beyond ‘the usual’ and there is no end in sight; some upheavals are irreversible. The crisis of the radical left is embedded in these facts, whether you like it or not, and that is why this crisis of the radical left cannot be analysed within the framework of the ups and downs typical of movements. It is an extraordinary crisis, and denial only exacerbates it. When it comes to collapse and the collapse movement, it is like many things, including climate activism and even people who describe themselves as collapse-conscious. Yes, even ‘collapsists’ want to repress it and do so. We are the ducks in the pond with duckweed. We break the surface, but without constant movement, the plants immediately close it again. I have decided to be a kicking duck 😉, even if many of you prefer to give up kicking, settle into the status quo and go with the flow.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d53ea9ab-3c10-419e-bd19-a3c5b9c0daf6/uploads/images/fftuhhj2zc/w1200_h630_x1250_y703_1137806626_istock_Anski-a89fad14a41b1084.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="2 Enten auf einem Teich, der von Wasserlinsen bedeckt ist"/><p><em>We want (climate) activism? Then let&#39;s do it differently – the problem of practice</em></p><p>But – and this is something that the last calls of the old year also showed me – our problems start way earlier, long before the question of accepting collapse. They start with the discussion about the usefulness of actions, forms of action and their design, about alliances (at any price) or autonomous small groups. If we want to continue with hopium in the form of civil disobedience and (climate) activism, then let&#39;s at least change or expand our practice. So don&#39;t jump over the collapse hurdle for my sake – fine! But then discuss the design of forms of action with me. Don&#39;t keep talking about ‘colourful, diverse and creative forms of action with which we express our protest’; have the courage to actually make them possible and/or implement them yourself. When radical left-wing activists talk about door-to-door canvassing as a form of action, I no longer know what we want to achieve. In a recent speech, Greta Thunberg asked some very good and important questions that we should all be asking ourselves and finding answers to: &quot;What happens if we don&#39;t accept that? What happens if we fight back?&quot; At best, it is high time to find out, dear radical left. At worst, it is already too late because we are too sluggish and, like everyone else, actively part of a society that represses reality.</p><p><em>The problem with failure</em></p><p>We must also understand that mobilisation is not the same as organisation. Nowadays, mobilisation is often even used to demobilise us. We go to large demonstrations, and that&#39;s good. We make combative speeches, and that&#39;s good. But we don&#39;t do anything. That is demobilisation, and it is intentional. We operate within a certain framework, there is great jubilation, democracy is alive and well, and then too many people go home patting themselves on the back. This behaviour is exacerbated by the undeniable crisis of the radical left and our structures and groups. Because attachment to structures, even if it is achieved through mobilisation in some cases, is far from being (‘meaningful’) organisation if these structures lack radical and revolutionary thinking with corresponding paths, ideas, courage and appropriate levers. This is where my criticism and my truly anguished cry come in, because I know how much work goes into preparing, mobilising and keeping groups going. But to be honest, this work too often fizzles out into nothingness. Doesn&#39;t that make you furious? Doesn&#39;t it make you sad? Aren&#39;t you tired of it too?</p><p>It is in the nature of things (and understandable) that organisations cannot admit that they have failed. Of course, they do not fail right from the start. But when the factors and circumstances within which they operate change, and when these changes are not taken into account and do not lead to a change in their own analyses, approaches and practices, then organisations fail. Denying this fact is understandable, because our structures do not, of course, arise overnight. It is a process, a lot of work, which ties up capacities and resources and is designed for the long term. It is about long-term funding, in some cases jobs, alliances and cooperation, and planning. Admitting failure means an organisation is questioning its own existence. The problems can be illustrated using the example of the largest and most important radical left-wing organisation, the Interventionist Left.</p><p><em>The problem using the example of the Interventionist Left</em></p><p>The IL can be classified as part of the post-autonomous spectrum, but before I go into that, it is worth taking a look at the name itself: Interventionist Left. What does ‘intervene’ actually mean? This term describes an attitude or policy that involves targeted interference or intervention in existing processes, systems or matters of third parties in order to control, change or influence them. So far, so good. How is interventionism going at the moment? My conclusion is rather sobering, and for me, the IL&#39;s post-autonomist approach has failed in and around the current political situation. To explain this, a brief historical overview is necessary. Post-autonomist groups such as the IL have their roots in the classic autonomist scene, but there are differences. Among other things, they criticise the strict hostility of the autonomists towards organisation and strive for alliances within and outside the radical left-wing spectrum. With the principle of ‘civil disobedience’, the Interventionist Left &amp; Co. have attempted to mediate between radical and more bourgeois actors and, through broad consensus, ultimately to get parties and governments to take appropriate action. There have been successes, some progress has been made, or at least things have started to move. One of the most successful and, fortunately, still vibrant structures to emerge from the IL milieu is Ende Gelaende, where the spirit of disobedience and radicalism is currently most alive. Ende Gelaende has already emancipated itself in some respects and will hopefully continue to pursue this path radically.</p><p>The goal, which was appropriate and sensible at the time when post-autonomous structures were emerging, was to overcome social isolation in closed scenes of autonomous groups. Even though scepticism towards formal organisational structures continues to prevail, post-autonomists are characterised by supra-regional network-like structures, some of which also extend to other (European) countries. New paths are being taken through a commitment to and continuity of the organisation. A strong orientation towards public opinion cannot be denied, and the attention of the press is indispensable for the chosen form of action, civil disobedience. This is linked to the pursuit of alliances with actors who do not necessarily belong to one&#39;s own bubble, as well as the resulting imperative to focus one&#39;s own activities on good and broad opportunities for communicability and high connectivity. As one of the major post-autonomous structures of the present day, the IL significantly influences public perception of left-wing radicalism through its participation in major protest events. It is designed for short-term tactical alliances and long-term strategic alliance work. In addition to its radical left-wing networks, it has close ties to the Rosa Luxemburg Foundation, trade unions, NGOs and the Left Party, which is also the employer of some of its comrades. The IL, representing other, smaller post-autonomous actors, propagates an extra-parliamentary left that aims at self-empowerment and challenges the state&#39;s monopoly on violence in its actions because it questions the legitimacy of its own politics rather than their legality, without necessarily competing with the parliamentary left. At the time, this was a sensible attempt and approach. But now times have changed dramatically, and unfortunately the path taken by the IL and others does not take this into account, which is why we are stuck in ineffectiveness. If this is not to become irrelevance, something must happen.</p><p>Thomas Seibert, an important voice in the IL, locates it with its practice of civil disobedience in the ‘radical currents of the majority left’ and identifies the ‘minority left revolt’ as its antithesis, as it harbours the danger of ‘fundamentalist violence’ that speaks out ‘against society – not in favour of another society’. The IL ‘warns the majority left’, however, and is therefore the raised index finger, which, especially now in the midst of collapse, a shift to the right and fascism, achieves just as much as a raised finger – nothing. If the radical left sees its function as warning, it proves the correctness of my headline all by itself. But even aside from that, there is a lot in Seibert&#39;s assessment that, on closer inspection, is certainly open to criticism, which makes me angry the more I think about it. But that&#39;s not the point here.</p><p>It is undisputed that the chosen form of protest, above all occupation and blockade actions through civil disobedience, sought from the outset to explicitly distance itself from autonomous militancy. It is about the non-violent breach of a legal norm in reference to a higher, mostly constitutional right, such as human rights or moral principles. Civil disobedience, however, can and must be understood in a radical sense, as Robin Celikates repeatedly makes clear, according to whom civil disobedience itself is an expression of a political practice ‘whose goal and function is to keep the dialectic of constituent and constituted power in motion or to restart it, the shutdown of which is pursued by the state, if not intentionally, then at least incidentally.’ For Celikates, civil disobedience is ‘deliberately unlawful and principled collective protest action pursued with the political aim of changing, preventing or enforcing certain laws, measures or institutions.’ In the context of the discussion about the legitimacy of civil disobedience in climate protests, Celikates said: ‘Properly understood, civil disobedience in a democracy cannot be reduced to purely systemic protest.’ Wow! And further: &quot;To assume that civil disobedience only pushes for minor corrections or reforms here and there, while accepting the system as a whole, misses its historical and contemporary role and its potential for democratic transformation. The transformative power of disobedience is much more fundamental, without calling into question its democratic legitimacy. This can be clearly seen in the relevant historical examples, which are still considered paradigms of civil disobedience today. The US civil rights movement – as it is identified today, in particular with the thinking and actions of Martin Luther King, Jr. – stands for the discourse and practice of civil disobedience, but at the same time was extremely radical, especially in its objectives. It was about much more than a minor change to this or that law: it was about a fundamental transformation of US society, namely its political, economic and cultural constitution. This shows that one cannot simply say: the protest calls for a change of system, so it is not civil disobedience. This is particularly true when the crisis to which the disobedience is responding is of such a fundamental nature.&quot; This makes me wonder: where do we see this kind of civil disobedience today? In my opinion, it is not confined to campaigns and a consensus on action, but more on that in the next section.</p><p>We see and practise civil disobedience in a form that, from a radical left-wing, autonomous perspective, is fundamentally flawed from the outset because its use goes hand in hand with a fundamental affirmation of the prevailing legal and social order. This is again done with an eye to external perception, because practices that can be framed as civil disobedience in this form are considered an effective means of promoting ‘strategic alliances for a politics of breaking with capitalism and radicalising self-empowerment in action,’ as they are much easier to gain acceptance for outside the radical left than for clear practices of violence. This path was therefore taken; it was right and important at the time, and it has brought us a long way forward. With adjustments, it can still take us further within certain limits or at least ensure that we do not lose any more ground (without a fight). However, it is now imperative to draw an honest conclusion and – more importantly – to venture an honest outlook, including a sober, realistic analysis, to reinterpret civil disobedience in the spirit of Celikates, and to criticise the current form, as well as the IL, which only allows this one form.</p><p><em>Criticism and its justification and accuracy</em></p><p>People who do this repeatedly express criticism, for example, regarding the organisational and content-related development of the IL, which has stalled. Resignations from local groups indicate that there is dissatisfaction with the results of the post-autonomy concept and its implementation. Former comrades-in-arms criticise that too much emphasis is placed on reforming the existing system, thereby stabilising it, instead of working to overcome it with more than just words. This debate (reform vs. revolution) is one that has accompanied radical left-wing structures that see themselves in opposition to the system since the 19th century. According to critics, activities such as supporting the ‘Deutsche Wohnen &amp; Co. enteignen’ campaign promote the adaptation and “containment” of radical left-wing activists rather than pushing for a break with ‘the system’. This is a criticism that we as radical leftists have already expressed ourselves when, in the context of the climate justice movement, there were repeatedly individuals who went on to hold party positions and seats in parliament. Now we ourselves are affected by this criticism and it becomes more difficult to accept it 😉 We react with resistance and defence, because dishing it out is much easier than taking it. ​However, this does not diminish the relevance and justification of this criticism.</p><p>After all, critics are increasingly struggling with the practice of protest, because disobedience has now become ritualised. ​The framework for this is a left-wing set of rules with an action consensus, which the IL and affiliated structures also stand for. ​Whether it&#39;s the end of the road or resistance - everything is controlled to the maximum to be connectable, to keep the consequences manageable, etc. This is understandable and of course it must always be about protecting activists and our structures as best as possible! ​However, there must be more protective measures than just acting in such a way that nobody has a problem with us, we only cause minimal disruption and our actions do not produce any (permanent or at least lasting) results. ​We have no solutions and no ideas for this, but if we don&#39;t think about it, we won&#39;t find them. ​In this context, an honest analysis also includes the fact that, despite minimal effects, we are no longer protected from state violence of any kind. We are trapped in our own rules and a paralysing consensus of action, an ordering factor that sets and manages rules and ultimately contributes to pacification. ​&quot;Civil society exists to pacify antagonistic conflicts. ​We are now part of this civil society,&quot; as it is already said in a brochure entitled &quot;The IL runs the risk of having become history&quot;. ​To a certain extent, however, a radical left must also stand alongside civil society, alongside majority-left positions, if it wants to be an alternative and to point this out. ​&quot;Alongside&quot; must not be confused with &quot;opposite/on the other side&quot;, even if it is often framed in the same way in order to stir up fear in one&#39;s own ranks and to prevent radicalism.</p><p>The IL has now become for the Left (and the majority Left) what Fridays for Future is for the Greens – a preliminary stage, legitimation and alibi. ​However, the IL is more intellectual, more solid, older and more established than the students and young people at FFF, who often organised and engaged politically for the first time ever. ​And that is precisely why the IL is much more to be criticised for its current actions, for its voluntary incorporation into this tacit agreement of paralysis and balance, for its contribution to maintaining the status quo. ​The IL, with all its experience, should know better and should want more. ​The radical left itself should want more. ​It is time to prove that this is the case and that it can still do it or do it again. ​If our struggles become rituals that only serve our own self-deception, then things will become bleak, then there will be more appearance than reality, but certainly no radicalism.</p><p><em>In the face of all the problems - now what?</em></p><p>The IL continues to be important and is needed as a large left-wing structure in which people can organize themselves. Their campaign work and their broad connectivity continue to have their benefits, although in my opinion within a limited framework, as long as there is no radical change in strategy and tactics. I actually don&#39;t see them coming, so we have to be careful and/or talk about the fact that the IL no longer determines and defines what is radical left in a de facto monopoly position, whether internally or externally. We need alternatives. There is a need for emancipated groups and structures that are not fenced in the IL circle and that independently and consistently define their form of radicalism on a wide range of topics and focal points. From Ende Gelaende to Widersetzen - the names are different, but the forms of action are identical, and they are defined by an almost identical consensus of action, coined by the IL. The radical left must break up this to regain relevance. For as long as IL = left-wing radicalism in Germany, there is no left-wing radicalism in Germany. If we want to finally implement the phrase of the action consensus of colourful, creative protest, if we want to take ourselves seriously again and be taken seriously, we first need a colourful, diverse and creative breadth of structures, large and small groups and actors who can (can) act independently of the IL and rediscover and conquer the big wide world of left–wing radicalism.</p><p>Autonomy is needed instead of or at least in addition to post-autonomy. It does not always have to and should not always be called either or, be it in the case of forms of organization, the ideological framework, the forms of action and their design, or the topics that leftists and left-wing radicals take up. There is a lot going on and a lot is needed instead of an (over)powerful actor, who exercises power of definition. Then perhaps it would also be possible to minimize the numerous inner-left conflicts in which, in addition to our own dilemma and the now unmanageable number of tasks and problems, we would still rub ourselves up, disperse and distinguish ourselves from each other.</p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[English]]></category>
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      <pubDate>Thu, 15 Jan 2026 14:34:21 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[On the independence of the climate movement and the collapse movement]]></title>
      <description><![CDATA[We are all caught up in pigeonholing and the desire for clear classifications. This is evident, among other things, in the discussion and the recurring question: Is the…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>We are all caught up in pigeonholing and the desire for clear classifications. This is evident, among other things, in the discussion and the recurring question: Is the collapse movement part of the climate movement? In our reflections after Collapse Camp 1 and in the course of slowly beginning to concretely think about and plan what we intend to do with CollapseLARP in 2026, there was also some time and the need to think about this more intensively.</p><p><em>The collapse movement is not the climate movement, and that&#39;s a good thing</em></p><p>For me, it is clear that the collapse movement is not part of the climate justice movement, nor can or should it be. To describe the relationship between these two aspects or directions, the term ‘strategic partnership’ comes to mind, because overlaps, thematic (and personal) interconnections, but above all meaningful cooperation and mutual benefit are obvious.</p><p><em>What about the climate justice movement?</em></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/e9f57ac8-94ac-47c0-b045-d8d9744e5cf2/uploads/images/saqtqfqjd4/grube3.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Bild einer Massenaktion von Ende Gelände, Tagebau mit einem Kohlebagger im Hintergrund, Menschen in weißen Maleranzügen stürmen den Tagebau"/><p>The only part of the climate justice movement that, in my opinion, really makes sense and is necessary under the current circumstances is the disobedient, activist part, which must do everything in its power, using a variety of means ranging from civil disobedience to sabotage, to continue fighting fossil fuels as well as blind militarisation and arms mania, preparations for war and the facilitation of genocide. For me, the key word here is ‘blind’, because I cannot and will not ignore geopolitical realities, and therefore defence options are certainly relevant to me in a discussion about a radical left-wing position on the issue, which I believe still needs to be held. However, I do not wish to hold that discussion here and now. It is obvious that the expansion of fossil fuel infrastructure of any kind, mining projects, the transformation of car factories into tank factories, the construction of new Rheinmetall branches, etc., can and must be opposed by the climate justice movement and directly attacked, prevented, disrupted, delayed and made more expensive by disruptive actions. The fight against capitalism, even if it is to be green washed, is just as much a top priority as the fight against rampant fascism. It takes actions, blockades, (autonomous) small groups and a great deal of creativity to produce maximum output in line with our requirements. The tasks and forms of action for a relevant, strong climate justice movement are therefore clear. In order to be able to act in this sense, training, knowledge transfer and, from time to time, overarching strategy discussions are needed to plan and coordinate joint action. In the broadest sense, a climate justice movement makes demands, even if it has to stop formulating them in an appealing manner directed at party politics, governments and parliaments. The demands are clear, but we take implementation into our own hands by exerting pressure to enforce implementation, on a small scale and, in the best case, on a large scale.</p><p><em>Orientation of a collapse movement</em></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/e9f57ac8-94ac-47c0-b045-d8d9744e5cf2/uploads/images/pz7eyt5yye/IMG20250826125637.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="schwarzer Tshirt mit blauem Aufdruck einer Welle und dem Schriftzug &quot;It&#39;s just collapse, darling&quot;"/><p>However, all of this differs significantly from what I and others who initiated the collapse movement and organised the first Collapse Camp understand by the term “collapse movement”. For us, this movement is very practically oriented. It is about taking action so that powerlessness and dependence on others (in the form of the state, state institutions, agencies and resources) can be minimised and so that we can actively do something long before the above-mentioned state actors are even responsible. We want to become capable of acting ourselves and give others this opportunity as well: to gradually reach a point where we can help ourselves and others (within a certain framework) so that together we can achieve something, even and especially beyond the obvious catastrophic events that will occur on a limited scale in terms of time and location (e.g. forest fires, floods). We are not making demands; we want to learn for ourselves in order to act. Nor are there any demands that a collapse movement as a whole can make. Because collapse, as we understand it, is multifaceted and varies from person to person. Collapse can be the fear of being attacked by Nazis on the way home from a demonstration, or the fear of no longer being able to obtain necessary medication or being stuck in a hot attic flat. Collapse is the fear of not being able to afford food until the end of the month because money is running out, or of not being able to reach family and friends when the internet and mobile phone networks are down. Demands that combine all this and much more are very difficult to formulate if one wants to be more specific than ‘capitalism must go’, which, incidentally, should not be a demand but common sense 😉 Unlike the climate justice movement, a collapse movement is therefore a movement without overarching, clear demands. And even though we are also concerned with education, knowledge transfer and training, the focus of all this is obviously different. To be able to treat wounds, I don&#39;t need to practise how blockades work, and in order to get medication in an emergency, legal training on ID refusal is of no help to me.</p><p><em>Sometimes together</em></p><p>Of course, there are common points of contact, opportunities for cooperation, skills and knowledge that interlock and from which we both benefit in a symbiotic interaction. The more successful the climate justice movement becomes again, the better for the collapse scenarios that are ‘available for selection,’ because even in the context of solidarity-based preparedness, it makes a difference whether we are talking about climate catastrophe at level 76 or 17 and fascism at level 45 or 9.</p><p>Furthermore, we must not underestimate the existing knowledge on the part of the climate justice movement: mobilising large numbers of people in a short period of time, access to and knowledge of infrastructure from A for afternoon tea to B for buses to Z for tents. All of this is important and relevant in disaster scenarios of all kinds. Thus, we are definitely partners and not competitors.</p><p><em>Please, no uniformity</em></p><p>However, we must be very careful not to lump everything together, because that would be fatal for both sides, and in my opinion, it would even be the death knell for the collapse movement (in Germany), which is just beginning to emerge.</p><p>The climate justice movement is in crisis for reasons that are well known. At the moment, I am very happy to see how it is coming back to life and how, in the wake of Palestine solidarity, we are finally regaining our edge. This is an important process and should be given space and time. It is important to welcome new people from other struggles, to forge connections, to strengthen previously neglected aspects (above all anti-colonial ones) and to find activist ways to make our presence felt through actions. At the same time, the climate justice movement is finally becoming bolder again, which is evident in its actions. The motto here is: keep up the good work! Incidentally, the issue of repression should not be neglected. Climate activists are massively exposed to it. It would be disastrous to immediately bring an emerging collapse movement fully into the focus of the repressive authorities. I think that will happen soon enough.</p><p>The collapse movement is not yet a ‘movement’ in the true sense of the word, but rather a growing, yet completely undefined and indefinable, fluctuating space of people with different ideas, starting points, interests and goals. Perhaps something is emerging here that could one day become a movement. This is always a fragile and delicate process, because so much is open and possible, so many different things collide, have to find their place, etc. This also requires space and time so that (as happened with the climate justice movement) different spaces, fields of activity, focal points, etc. can form. In addition, the collapse movement is not an activist movement in the true sense of the word.</p><p>If one attempts (for whatever reason) to assign labels too early and define one thing as part of another, natural (and important) processes are disrupted and suppressed. The emerging collapse movement is also still too small and too ‘weak’ (in the sense of being undefined, ambiguous and lacking any stable structures) to be able to assert itself as something independent within the climate justice movement.</p><p>There is no reason or necessity (apart from the hoped-for ego boost and the search for new relevance by some failed climate movement leaders) to think of the climate and collapse movements as one movement, let alone to force them to be one. It is perfectly fine and entirely sensible to allow both to exist and have their own raison d&#39;être, because then both can benefit. </p><p>Each of us is free to become active and get involved on both sides. There are more than enough needs and reasons for both climate activism and solidarity-based prepping.</p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[English]]></category>
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      <pubDate>Thu, 15 Jan 2026 09:55:01 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Die radikale Linke, die wieder eine werden muss]]></title>
      <description><![CDATA[Ein grundsätzlicher und sehr genervter Wutausbruch, weil ich vor lauter Gedanken und Emotionen zu bestimmten Themen manchmal gar nicht mehr weiß wohin mit mir.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Mein Text kommt einen Tag zu spät und eigentlich sollte er auch etwas anders aussehen, all in on Sabotage um ehrlich zu sein aus gegebenem Anlass der Aktion in Berlin. Jetzt wird es doch nochmal viel mehr ein grundsätzlicher und zugegebenermaßen sehr genervter Wutausbruch, weil ich vor lauter Gedanken und Emotionen zu bestimmten Themen manchmal gar nicht mehr weiß wohin mit mir. Sabotage ist allerdings eines dieser Themen, deshalb lege ich damit los.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/6041b1eb-5fb1-4f81-ae79-2be21873f13d/uploads/images/y4dq4hflcc/mutend.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="mütend (Adj.)
in einer schwer zu ertragenden Mischung aus Erschöpfung und Wut befindlich"/><p><em>Finden wir mutige Aktionsformen, bitte!</em></p><p>Es kann schließlich der radikalen Linken nicht ernsthaft so viel Verdrängung gelingen, dass uns – wenn vielleicht auch nur insgeheim – nicht klar ist, dass es einerseits radikale Linke gibt, die bereits über Sabotage nachdenken oder diese eventuell sogar praktizieren und dass es andererseits richtig, wichtig und sinnvoll ist, eine ernsthafte Diskussionspraxis auf unterschiedlichen Ebenen zum Thema in Angriff zu nehmen, was ja nicht sofort und undifferenziert gleichbedeutend ist mit einem lauten „Ja“ zur Frage der Aufnahme in den Kanon der Aktionsformen.</p><p>Warum aber drüber reden? Hier heute nur die Kurzform, denn ich habe mich schon so oft zum Thema geäußert, dass es kaum noch neu ist.</p><p>Wir haben keine, wirklich KEINE Hebel, um mit der seit Jahren von uns genutzten einzigen Aktionsform, die diesen Namen verdient, dem zivilen Ungehorsam, etwas zu erreichen, was von Dauer ist und zu echten, radikalen Veränderungen auf übergeordneten Ebenen geführt hätte. Es gibt keine Gesetze, die radikale Dinge umsetzen: Tempolimit, anderes Wirtschaftssystem, Ende der Fossilen, angemessene Besteuerung von Überreichen, Zerschlagung &amp; Enteignung von Konzernen, Ende von Rüstungsdeals und Waffenlieferungen, nicht mal, wenn damit ein Genozid verübt wird, Einhaltung von Menschenrechten, offene Grenzen, legale Fluchtwege…die Liste dessen, was nötig wäre, um „Smash Capitalism“ und dem „guten Leben für alle“ näherzukommen, ist beinahe endlos und nichts davon haben wir erreicht. Wir haben es versucht. Wir haben es wirklich versucht und der Preis war und ist ein hoher: alles und noch mehr an Kapazitäten, die wir hatten bezogen auf Zeit, Kraft, Nerven, emotionaler Unversehrtheit und unseren Körpern haben wir auf diese Weise eingesetzt. Alles an Fakten, Wissen und Argumenten, um zu überzeugen. Wir haben Lebensentwürfe gekippt bis zum Punkt, an dem es kein Zurück mehr gibt, Jobs verloren, Freund:innen, Beziehungen. Wir haben mit Haftzeiten und Prozessen bezahlt, Traumata und physischen Verletzungen. Wir hatten so etwas wie Mehrheiten und Hoffnung. Das alles ist bewusst in Zeitformen der Vergangenheit geschrieben.</p><p>In der Gegenwart kann ich meine eigene Situation schildern und ich weiß, dass es nicht nur mir so geht: ich bin in Therapie wegen posttraumatischen Belastungsstörungen, war 1 Jahr im Knast, habe keinen Job, der bezahlt wird, arbeite aber 50+ Stunden in der Woche, zu meinem Traumjob gibt es kein Zurück, Freund:innen und Wahl - Familie sind zu 99,56% gleichzeitig auch radikale Linke, weil ich Menschen, die nicht mit mir auf Bäumen sitzen oder hinter Barrikaden stehen nur noch schwer aushalten kann, um ehrlich zu sein und sie mich auch, mein Onkel wählt AfD aus Überzeugung und meine  Cousine ist Höcke-Fan, ansonsten gilt, „ja, alles schlimm, aber was soll man denn machen und denk doch mal an Deine Zukunft, wie soll das weitergehen!?“ Ich denke an meine Zukunft und sie macht mir Angst. Ich habe keine Antworten, die ansatzweise positiv sind, also muss und werde ich weiterkämpfen – meine Art der Verdrängung 😉Seid gerne ehrlich zu euch selbst bei der eigenen Bestandsaufnahme der Gegenwart.</p><p>Nehmen wir uns nun noch die Zukunft vor. Weitermachen? Ja, für mich optionslos! So wie bisher? Sicher nicht. Das Zitat „Die reinste Form des Wahnsinns ist es, immer wieder dasselbe zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten“ wurde schon oft zitiert – weil es auf die radikale Linke zutrifft und ironischerweise fängt schon bei diesem Zitat das Problem des verdammten Patriarchats an, was wir ja u.a. auch abschaffen wollen…Obwohl es fest mit Einstein verbunden ist, gibt es keine Belege dafür, dass er es gesagt hat. Die tatsächliche Quelle ist Rita Mae Browns Roman &quot;Sudden Death&quot; aus dem Jahr 1983, in dem es von der Figur Jane Fulton benutzt wird. Abgesehen von der männlichen Vereinnahmung dieses klugen Satzes, bringt es dieser aber auf den Punkt, denn er beschreibt die Absurdität, durch unveränderte Handlungen eine Veränderung zu erwarten. „Wir sind alle wahnsinnig“ gewinnt für die radikale Linke so eine weitere Bedeutung und das sage ich mit allem Sarkasmus, den ich noch aufbringen kann, weil ich mir der Realität und des Wahrheitsgehaltes dieses Zitates bezogen auf unser Verhalten und Agieren sehr bewusst bin.</p><p><em>Spice up our protest</em></p><p>Ich plädiere also vehement dafür, den üblichen Demos und unserem zivilen Ungehorsam in Form von Blockaden mehr hinzuzufügen, die viel beschworenen, nur selten wirklich umgesetzten bunten und kreativen Protestformen. Spice up, our protest sozusagen. Was genau, wann und in welcher Form, darüber muss geredet werden, dafür sollten gerne auch Grenzen und Richtlinien gesetzt werden – welche es in der alten Anti-Atombewegung übrigens schon gab, ebenso wie bei Kämpfen gegen genmanipulierte Lebensmittel, als entsprechende Felder mit vernünftigem Saatgut aufgewertet wurden. Das Wort mit S schreckt viele auf und ab und es gibt dafür natürlich Gründe. Wir sollten in diesem Zusammenhang auch nicht – um das Zitat eines offensichtlich klugen und wortgewitzten Menschen zu stehlen (Grüße gehen raus an meinen Telefonjoker des Morgens 😉) mutig bis zur Dummheit sein, aber Sabotage fängt ja auch nicht erst bei Brandanschlägen auf Stromversorgung an. Sabotageaktionen sind Teil nicht zu leugnender linksradikaler Geschichte und einiger unserer lange zurückliegenden Erfolge. Der Guardian nutzt diese Bezeichnung z.B. ganz aktuell auch für die Demos vor ICE – Hotels, die unfassbar und ununterbrochen viel Lärm machen, um diesen Staatsterroristen buchstäblich den Schlaf zu rauben. Schottern war Sabotage. Angriffe auf Baustellen und noch nicht benutztes Baumaterial sind es ebenso. Schienenblockaden, um Nazis die Anreise zu irgendwas zu versauen, fällt in diese Kategorie, das Einbringen von Wasserlinsen in Megabassins, wie es von unseren französischen Genoss:innen bereits praktiziert wurde. Demos, die nicht angemeldet sind oder nicht nach den Regeln spielen, können es ebenfalls sein, denn sie sabotieren die Ordnung und den Rahmen, der uns gnädiger Weise eingeräumt wird, um ohne Störung (und somit ohne Wirkung) zu protestieren…es gibt so viele Optionen und wir verweigern sie uns oft. Auch durch dieses totale Ausblenden und Leugnen unserer eigenen Geschichte und verweigerter Auseinandersetzung mit dem Thema kommt es im Endeffekt zu Sabotageaktionen, die fragwürdig sind, die mit Fehlern behaftet sind und die in dieser Form besser nicht stattgefunden hätten.</p><p>Fakt ist: unser Aktionskonsens (es gibt eigentlich nur einen, den IL-geprägten und der wird überall genutzt), unsere braven Anmeldungen von Demos, das Melden von Ordner:innen, die die Staats- und Polizeigegebene Ordnung durchsetzen, angekündigte Massenaktionen an Wochenenden – wir sind Teil des Systems, das wir laut unserer Transparente und Slogans eigentlich ändern und/oder abschaffen wollen und wir fügen uns dem oft freiwillig ein. Es wird immer mehr Menschen geben, die ausbrechen wollen und es auch tun, denn die Zeiten sind dunkel. Wir sollten die gerade noch vorhandene Chance nutzen und uns mit dem Thema auseinandersetzen, um selbst agieren, statt nur reagieren zu können, um uns eine gewisse Deutungshoheit zu sichern und um dem Ganzen ggf. einen von uns so geliebten und manchmal allzu fetischhaft benötigten Aktionskonsens geben zu können.</p><p><em>Was ist eigentlich Gewalt und wann?</em></p><p>In diesem Zusammenhang gleich das nächste, nicht weniger frustrierende Thema, welches in der radikalen Linken und in unserem Ringen mit der „bürgerlichen Mitte der Gesellschaft“ immer wieder aufkommt und an dem die Heuchelei der Mitte, die eigene Widersprüchlichkeit und das aus Angst und im Streben nach unbegrenzter Anschlussfähigkeit selbst verursachte linke Dilemma sichtbar wird: die Frage nach Gewalt. Auch das versuche ich hier nicht ausufern zu lassen, aber in einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Zustand der radikalen Linken kann es nicht ausgelassen werden. Zur Frage der Gewalt lassen sich ganze Bücher schreiben und vor der Frage nach der „eigenen Gewaltanwendung“ selbst, darf Folgendes nicht ungesagt bleiben: das Beharren auf Gewaltfreiheit ist ein Absurdum, Gewaltfreiheit ist eine Utopie. Es ist eine extrem privilegierte Sichtweise, die sich nur wenige noch leisten können oder überhaupt jemals leisten konnten und es ist Selbstbetrug, denn wir alle wenden täglich Gewalt an (was ist eigentlich alles „Gewalt“?) bzw. lassen diese in unserem Namen anwenden (das nennt sich imperiale Lebensweise und dazu komme ich noch). Konzentrieren wir uns aus gegebenem Anlass der diversen Antifa- und Budapestkomplex-Verfahren und dem, was mit Menschen von Palestine Action passiert, aber hier auf die Frage der direkten Gewaltanwendung – vornehmlich, aber nicht zwingendermaßen ausschließlich (auch Sabotage ist Gewalt) gegen Nazis und Faschisten. Ist es legitim, Menschen einzusperren und zu verurteilen für Angriffe auf Nazis, die am Tag der Ehre in SS – Uniformen durch Budapest marschieren? Ist es legitim, dass Nazi-Läden zu Zielscheiben werden oder Rüstungsfirmen, die mindestens einen Genozid ermöglichen? Mit Blick auf Klimakollaps und Faschisierung wachsen meiner Meinung nach erstens die Gründe und Legitimation für Gewaltanwendung unsererseits, was ich einfach völlig wertungsfrei feststelle. Zweitens ist unbestritten, dass die Gewalt, die gegen uns und auch in unserem Namen gegen andere ausgeübt wird, in diesen Situationen bereits jetzt exponentiell in Zahl und Brutalität zunimmt. Drittens - das haben die Beschuldigten eines aktuellen Antifa-Protestes in einem veröffentlichten Statement sehr treffend auf den Punkt gebracht - gibt es auch bei dieser Frage eine Geschichte, derer wir uns bewusst werden sollten: &quot;Auch wenn gewaltvoller Widerstand gegen Nazis heute von vielen moralisch abgelehnt wird, kann seine historische Bedeutung nicht geleugnet werden&quot;.</p><p>Ob wir es nun Gegengewalt oder Selbstverteidigung nennen, um uns besser zu fühlen oder Rechtfertigungsargumentationen führen zu können oder es einfach beim Begriff der Gewalt selbst belassen, ist für die Auseinandersetzung mit dem Thema an sich in meinen Augen zunächst egal, denn auch bei einer anderen Benennung warten Fallstricke: Selbstverteidigung ist ok? Wann fängt diese eurer Meinung nach an? Dürfen Nazis beim Tag der Ehre attackiert werden, ehe sie direkt und unmittelbar versuchen, mich anzugreifen? Gilt das auch in einer thüringischen Kleinstadt? Fakt ist, wir (einige von uns) werden Gewalt anwenden müssen und das ist keine Entscheidung, bei der uns ab einem gewissen Punkt eine große Wahl bleibt und die wir treffen, weil wir es MÖCHTEN. Es ist zwangsläufige Notwendigkeit und we better deal with it now.</p><p><em>Braucht es eine Kollapsethik? Eine was!?</em></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/6041b1eb-5fb1-4f81-ae79-2be21873f13d/uploads/images/rjz5mwvbcu/teaser-ethik_start.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="blauer Hintergrund, davor verschiedene Wegweiser, die u.a. beschriftet sind mit &quot;Ethik&quot;, &quot;Werte&quot;, &quot;Dilemma&quot;, &quot;Moral&quot;, &quot;richtig&quot;, &quot;falsch&quot;, &quot;Wahl&quot;
alle zeigen in unterschiedliche Richtungen"/><p>In Zeiten von Kollaps ist es angeraten, sich von der prä-Kollapsethik zu verabschieden. Die, gegen die wir uns stellen, haben das übrigens schon lange getan, in kleinen, schleichenden Schritten zunächst, inzwischen aber – Coming Out der Arschlochgesellschaft (<a href="https://steady.page/en/friedlichesabotage/posts/b74f62c4-3ce2-486b-9d00-80cf60ef94fb">Friedliche Sabotage: Arschlochgesellschaft</a>) – völlig ungeniert und hemmungslos. Erspart mir also bitte Empörung und moralische Entrüstung, denn wenn ich so etwas sage, tue ich das nicht mit Freude und Begeisterung, sondern geschuldet der Anerkennung von Tatsachen und Realität (ICE, Migrationspolitik, Gaza, Maja…). In Kollapszeiten braucht es vielleicht auch eine Kollapsethik, definieren müssen wir die noch und vielleicht können wir uns in Einzelaspekten des Lebens irgendwann wieder eine post-Kollapsethik leisten, die zu den Werten einer prä-Kollapszeit zurückkehrt, aktuell ist das in meinen Augen immer seltener noch eine realistische Option. Das geht Hand in Hand mit der Frage, ob wir weiterhin kontrollierte und kontrollierbare Opposition sein wollen, ob wir uns einfrieden lassen und hilfloser Antifaschismus in Form von Prüfdemos für ein AfD-Verbot alles ist, was wir in die Waagschale werfen wollen, können und sollten. Um es klar zu sagen: ich bin für ein AfD-Verbot, weil es natürlich einen Unterschied macht, ob Nazis und Faschisten in Regierungen sitzen, Ämter und Funktionen innehaben und Zugriff auf nützliche Ressourcen jeglicher Form haben, ob sie für die sogenannten Konservativen wählbar sind, solange die noch feige sind und sich mit dieser Wahloption hinter dem Deckmantel einer „demokratischen Wahl“ verstecken können. Ein AfD-Verbot allein löst aber das Problem mit den Nazis und Faschisten im Alltag und auf den Straßen nicht. Es macht den Alltag von BIPoCs, queeren, muslimischen und anderweitig marginalisierten Menschen, ebenso wie den von Flintas* etwas sicherer, aber nicht sicher.</p><p><em>Lass mal reden</em></p><p>Wie beim Thema der Sabotage braucht es auch bei der Gewaltfrage eine ehrliche Auseinandersetzung, schon allein um aus der Endlosschleife von Empörung, realitätsfremder totaler Verweigerung und Ablehnung herauszukommen und stattdessen immer wieder bewusste Entscheidungen diesbezüglich treffen zu können. Bewusst entscheiden bedeutet, Entscheidungen nicht automatisch und reflexartig, sondern achtsam, selbstreflektiert und im Einklang mit den eigenen Werten und Zielen zu treffen, indem man sich Zeit nimmt, Emotionen ebenso wie Tatsachen und unterschiedliche Lebensrealitäten wahrnimmt, Optionen abwägt und akzeptiert, dass Perfektion selten ist, aber Handeln Weiterentwicklung ermöglicht, statt sich in Unentschlossenheit zu verlieren. Es geht darum, Klarheit zu schaffen und die eigene Selbstwirksamkeit zu stärken.  Bei beiden zugegebenermaßen großen und schwierigen Themen sind wir weit davon entfernt, ehrlich gegenüber uns selbst zu sein und bewusste realitätsbezogene Entscheidungen zu treffen bzw. solche von Menschen mit anderen Lebensrealitäten zu akzeptieren.</p><p><em>Wir sind (auch) nicht (uneingeschränkt und per Definition) die Guten</em></p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/6041b1eb-5fb1-4f81-ae79-2be21873f13d/uploads/images/u5neokuwsx/einsturz-einer-mulldeponie-auf-den-philippinen.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Bild der eingestürzten Mülldeponie auf den Philippen, die Todesopfer gefordert hat"/><figcaption>Schlagzeilen, die nur der Imperialismus und Kapitalismus produzieren kann: Eine eingestürzte Mülldeponie auf den Philippinen fordert Todesopfer (Foto aus dem Tagesspiegel)</figcaption></figure><p>Zum Abschluss kann ich es nicht lassen, uns allen nochmal laut und deutlich zu sagen: wir sind alle Teil der imperialen Lebensweise und wir alle üben dadurch ständig Gewalt aus. Die Organisierung von Arbeiter:innen des globalen Nordens scheitert zwangsläufig am Imperialismus bzw. muss daran scheitern, wenn wir uns eigentlich Antiimperialismus auf unsere Fahnen schreiben. Sie muss daran so lange scheitern, bis die Organisierung von Arbeiter:innen im globalen Norden und Kämpfe um soziale Gerechtigkeit nicht mehr mit nationaler Brille an der Frage von Lebenshaltungskosten erfolgen. Warum? Nun, was ist denn Imperialismus: das Streben eines Staates, seinen Macht- und Einflussbereich über die eigenen Grenzen hinaus auszudehnen, oft durch die Unterwerfung und Ausbeutung anderer Länder und den Menschen dort. Die Ausbeutung kann politischer, wirtschaftlicher, ideologischer und kultureller Art sein. Wirtschaftliche Aspekte wie die Sicherung von Rohstoffen und Absatzmärkten für eigene Produkte und Investitionsmöglichkeiten, sowie politische &amp; militärische (Erhöhung des Prestiges und der Macht, strategische Stützpunkte, Wettlauf um Territorien, um anderen Mächten zuvorzukommen) sind sicher die führenden Gründe für entsprechendes Verhalten. Ideologische lassen sicher aber auch nicht verleugnen, allen voran der Glaube an die eigene Überlegenheit (Rassismus, Nationalismus). Imperialismus dient ebenfalls der Ablenkung von innenpolitischen Problemen durch außenpolitische Erfolge, was Trump gerade sehr gut demonstriert. Imperialismus fängt aber nicht erst bei Tyrannen wie Trump und Regierungen wie der von Merz an, die Rohstoffdeals abschließen oder sich den Zugriff auf diese eben anderweitig sichern. Imperialismus ist mehr als Aufrüstung, Militarisierung, Minenprojekte großer Konzerne, Beschlagnahmung von Booten auf offener See oder Staatsstreiche durch Entführung des Präsidenten eines anderen Landes. Imperialismus ist auch unser Konsum und unsere Lebensweise, in deren Namen das alles nämlich auch geschieht. Und nein, werter Johannes Thiel vom Jacobin – Magazin, Konsum und Lebensstil lassen sich nicht einfach ausklammern bei der Problemanalyse des Imperialismus, denn Produktion lässt sich nicht trennen vom Konsum, es sei denn man hat halt Kapitalismus nicht verstanden…der Markt regelt das…Angebot und Nachfrage…Was wird denn produziert? Wofür wird produziert, wenn nicht für den Konsum und wer konsumiert? Das es unbequem wird, sich damit auseinanderzusetzen, liegt nicht an der falschen Problemanalyse von Klimaaktivist:innen, sondern an der Verdrängung von Tatsachen, dem unbedingt-finden-wollen von anderen, <em>die Schuld sind </em>(nur die bösen Lobbyist:innen), um sich nicht mit der eigenen Verantwortung auseinandersetzen zu müssen. Solange es nicht auch der Konsum ist, bei dem das Problem liegt, sondern nur die Produktion, so lange funktioniert in den Köpfen von Menschen wie Herrn Thiel nämlich das Märchen vom grünen Kapitalismus: E-Autos retten die Welt, es findet eine Energiewende statt, weil wir mehr davon aus Wind und Solar gewinnen und wenn Dinge „gut“ produziert werden, können wir sie ohne schlechtes Gewissen und Einschränkungen einfach auch weiter konsumieren. Ich kann es nicht mehr hören und ich bin solche Debatten so unfassbar leid, weil sie so sinnlos und mit Fakten und Argumenten nicht zu gewinnen sind. Wie bei politischen Entscheidungen gilt: es mangelt nicht am Wissen, an Beweisen, an Studien…es fehlt am Willen zur Einsicht und zur Umsetzung und am Mut zur Ehrlichkeit. I’m done with that, denn es ist nur noch lästige Zeitverschwendung im Weiter-so. Natürlich lösen wir das Problem nicht durch Änderung des Konsumverhaltens von Einzelnen. Aber da, wo der Konsum <em>ein </em>relevantes Thema in der Analyse wird – in dem Moment, wenn wir darüber reden sollten, was wir alles einfordern, um es möglichst billig zu konsumieren - da trauen sich auch Linke nicht mit Ehrlichkeit ran. Das, was wir wollen (das gute Leben für alle), bedeutet weniger für viele (Achtung, die böse Verzichtsdebatte). Es bedeutet eine Abkehr der Bemessung von Lebensqualität an Konsumgütern (Medikamente, Lebensmittel usw. sind hier selbstverständlich nicht gemeint) und es bedarf eines Blickes über Ländergrenzen hinaus. Das gute Leben für alle bedeutet nicht, bezahlbare E-Autos für alle (in unserem Fall deutschen) Arbeiter:innen und alle drei Jahre eine günstige Flugreise bei einer Fluggesellschaft mit Carbon Offsets in Naturschutzreservate, die wir dann per Rad durchqueren und bei denen wir zur Schau gestellten indigenen Menschen ein paar Euros für die zu Souveniren gemachten Handwerksprodukte zahlen.</p><p>Ich bin durch, auch mit diesem Text und in den nächsten Wochen gibt es endlich wieder mehr zum solidarischen Preppen und zu dem, was ein Teil der letztjährigen Kollapscamp – Orga 2026 vorhat, versprochen! Ich freue mich drauf, musste nur erst gedanklich und emotional ein wenig ausmisten und Dampf ablassen 😉</p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 14 Jan 2026 15:49:34 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Die radikale Linke verdient den Namen nicht mehr, den sie trägt]]></title>
      <description><![CDATA[Es geht um einiges: um eine Analyse und Bestandsaufnahme, um Kritik an einer linken Institution und den Mitteln, die wir nutzen. Es ist kein einfacher Text, aber...]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d53ea9ab-3c10-419e-bd19-a3c5b9c0daf6/uploads/images/6q2au4vtcd/df189a61-991d-41a9-90af-a344b7624285_w488_r1.778_fpx50_fpy52.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Demonstrant am Boden, überall Polizist:innen, von denen nur Beine, Stiefel und die Gürtel mit Waffen etc. zu sehen sind"/><p>Dieser Text ist lang und er wird nächste Woche eine logische Fortsetzung finden, denn es geht um einiges: um eine Analyse und Bestandsaufnahme, um Kritik an einer linken Institution und den Mitteln, die wir nutzen. Es ist kein einfacher Text, aber ich komme auch nicht drum rum. Denn…</p><p><em>Im Leben triffst du Deine Wahl nicht aus Furcht, sondern obwohl Du Dich fürchtest</em></p><p>So sollte es sein, im vollen Bewusstsein, dass dies nicht immer einfach ist oder im ersten Anlauf gelingt. Aber gerade für Gruppen, die sich der radikalen Linken zuordnen, MUSS das gelten, jetzt erst recht. Die Realität sieht leider bezogen auf zu viele dieser besagten Strukturen ganz anders aus. Zu viele vermeintlich radikale Linke treffen Entscheidungen aktuell aus Furcht und tun deshalb nicht das, was nötig wäre, um angesichts der aktuellen weltweit dramatischen Situation mit Rechtsruck und Faschisierung der Bevölkerung und der Regierungen, angesichts von Klimakatastrophe und all den Kollapsszenarien irgendeine Chance auf Relevanz und Veränderung zu haben. Das trifft nicht auf alle Strukturen zu, erst recht nicht auf alle Einzelpersonen, die sich als radikal links bezeichnen. Ich sehe auch Lebenszeichen und Dinge, die Mut machen, sei es bei palästinasolidarischen Gruppen und ihren Aktionen, Kämpfen gegen Militarisierung, bei Ende Gelände und anderen Akteur:innen aus dem Klimagerechtigkeitsumfeld, bei Antifas, autonomen Kleingruppen – da sehe ich Feuer, Wut und den Willen, sich wieder Ecken und Kanten zu geben, ohne zuerst und einzig auf „die Massen“ zu blicken. Dieser Text bzw. diese Kritik ist eine harte und ich weiß, dass ich mir Gegenwind einhandeln werde, aber ich selbst sehe mich in diesen Abläufen und in der Kritik gefangen und eingeschlossen und es macht mich wütend, traurig, zu oft hoffnungslos. Es lähmt mich und ich möchte raus aus der Lähmung, getreu dem Motto lieber kämpfend untergehen, aber kämpfend mit der Aussicht auf Erfolge, statt kämpfend um des Kämpfens Willen, bereits wissend, dass das Weiter-so im Aktionszirkus nichts bringt außer Symbolpolitik. Kritik, auch deutliche, muss möglich sein, sie ist nicht persönlich und sie ist der Sorge um linksradikale Akteur:innen geschuldet, die sich selbst aufreiben, an den eigenen Ansprüchen verzweifeln oder sich einfügen in das Trauerspiel der gesellschaftlichen und politischen Realität. Kritik ist kein Angriff, Kritik bedeutet nicht, dass wir zu Gegner: innen werden, auch wenn viele genau das daraus machen (werden). Das sagt aber eben mehr über euch aus als über mich, meine Absichten und meine Kritik.</p><p><em>Das Problem der Hebel</em></p><p>Es gibt innerhalb der radikalen Linken kaum radikale Forderungen, die über Parolen &amp; Transpisprüche hinausgehen und wenn vermeintlich entsprechende Forderungen (Tax the Rich, Eat the Rich…) in parteipolitischem Rahmen geäußert werden, geschieht das in dem Wissen, eh nicht in der Position zu sein, diese umsetzen zu können und sich dementsprechend daran messen lassen zu müssen. Ähnliches gilt inzwischen oft auch für Aktionen von aktivistischen Gruppen: „Wir stoppen die Neugründung der AfD – Jugend“ ist das aktuelle Beispiel – das haben wir nicht und es war klar, dass wir das nicht schaffen würden. </p><p>Es war klar, weil – und auch wir wissen das eigentlich - wir keine Hebel haben, weder im Parlament noch auf der Straße. Das alles ist deshalb nicht falsch und sinnlos, es darf aber nicht alles sein. Fehlende Hebel usw. sind natürlich auch der „Gesamtscheiße“ geschuldet – Demoverbote, eskalierende Polizeigewalt gegen Menschen, die handeln, Anklagen, Haftstrafen, das völlig wahllose Einsetzen von Terrorparagraphen und Ermittlungen im Rahmen der „Bildung krimineller Vereinigungen“, immer massivere Befugnisse zur Überwachung und Kontrolle, Arbeitsverbote…die Liste ist beinahe unendlich. Trotzdem ist es wichtig, sichtbar zu sein, sich im wahrsten Sinne des Wortes in den Weg zu stellen, aktiv zu sein und wenigstens zu versuchen, Widerstand zu leisten. Meine Kritik ist eine andere: von der radikalen Linken wird nicht mal mehr versucht, wieder funktionierende Hebel zu finden, diese zu erkämpfen, zu erzwingen, zu erstreiten. Den einzigen Hebel, den die radikale Linke in den letzten Jahren suchte, war der von Bündnissen, Anschlussfähigkeit, Mehrheiten, Zustimmung bei den Massen. Es gab ein paar Momente, in denen diese Suche vermeintlich Erfolge zu zeigen schien, in denen wir glaubten, den Hebel jetzt auch umlegen zu können. Diese Momente sind spätestens mit dem Kohlepäckchen, mit dem Danni und mit Lützerath in Schall und Rauch aufgegangen. Trotzdem macht die radikale Linke weiter und hat nicht den Mut, diesen nicht funktionierenden Hebel endlich loszulassen und sich anderer Hebel bewusst zu werden. Es gibt sie, sie gehen aber eben nicht einher mit dem Wunsch, von allen geliebt zu werden, alle überzeugen und mitnehmen zu können. Es gibt Hebel, die Dinge erzwingen können, die uns zumindest wieder in Vorwärtsbewegungen bringen können, aber wir suchen sie nicht mal, wir verleugnen sie aus Furcht vor den Reaktionen, vor Gegenwind, Kritik und all dem, was doch sowieso schon auf uns einschlägt (im wahrsten Sinne des Wortes). Dabei sind Hebel eigentlich Werkzeuge, um etwas zu erreichen, wenn eben gerade nicht alle mitziehen, liebe radikale Linke.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d53ea9ab-3c10-419e-bd19-a3c5b9c0daf6/uploads/images/ztijfdzo2n/hebel-6.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="ein großer Stein, 1 kleiner Stein, 1 Hebel wird angesetzt, 1 Mensch am Hebel versucht, den großen Stein zu bewegen, Karrikatur/Skizze"/><p><em>Das Problem der Analyse</em></p><p>Neben fehlenden Hebeln ist eine fehler-/lückenhafte Analyse der aktuellen Situation bzw. das Ausbleiben von entsprechenden Reaktionen, Anpassungen und Veränderungen auf diese, Teil unserer Krise. Das Problem der Kollapsakzeptanz auch bei linken Akteur:innen ist ebenso noch immer eines und es verschärft unsere Ohnmacht. In den letzten Wochen des alten Jahres ist mir bewusst geworden, wie groß es tatsächlich ist. Wenn die aktuellen Probleme der radikalen Linken erkannt werden, werden sie abgetan als das „übliche Auf und Ab“, das typisch ist für Bewegungen, kein Grund zur Sorge…NEIN, es ist eben nicht alles wie immer. Nur ein paar Beispiele: Klimakatastrophe rollt in voller Geschwindigkeit, „die Antifa“ ist in mehreren Ländern zur Terrororganisation erklärt worden, ein bewaffneter Mob namens ICE greift sich Menschen auf offener Straße, Trump entführt den Präsidenten eines souveränen Landes, nachdem er dieses angegriffen hat und sagt ganz offen, dass „wir“ jetzt dort erstmal regieren werden, Seenotrettung ist strafbar, Antifas werden rechtswidrig in faschistische Länder ausgeliefert und nicht zurückgeholt, an Außengrenzen der EU wird über den Einsatz von Minen geredet, in der Botschaft Afghanistans in Deutschland sitzen ganz offiziell Taliban….Nennt ihr das ein „übliches Auf &amp; Ab“!? Ob ihr es Kollaps nennen wollt oder nicht, ändert nichts an der Tatsache, dass wir in Veränderungen stecken, die so groß, weitreichend, schnell und divers sind, dass es weit über „das Übliche“ hinausgeht und es ist kein Ende abzusehen, einige Umbrüche sind nicht mehr umkehrbar. In diese Tatsachen ist die Krise der radikalen Linken eingebunden, ob ihr es wollt oder nicht und deshalb ist diese Krise der radikalen Linken eben auch nicht im Rahmen des bewegungstypischen Aufs und Abs zu analysieren. Es ist eine außergewöhnliche Krise und Leugnung verschärft sie. Beim Thema Kollaps und Kollapsbewegung ist es wie bei vielen Dingen, u.a. auch beim Klimaaktivismus und selbst bei Menschen, die sich als kollapsbewusst bezeichnen. Ja, auch „Kollapsis“ wollen verdrängen und tun es. Wir sind die Enten im Teich mit Wasserlinsen. Wir brechen die Oberfläche auf, aber ohne stetiges bewegen, verschließen die Pflanzen sie sofort wieder. Ich habe mich entschieden, strampelnde Ente zu sein 😉, auch wenn viele von Euch lieber das Strampeln aufgeben, sich im Status quo einrichten und treiben lassen (und ich kann es verstehen).</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d53ea9ab-3c10-419e-bd19-a3c5b9c0daf6/uploads/images/fftuhhj2zc/w1200_h630_x1250_y703_1137806626_istock_Anski-a89fad14a41b1084.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="2 Enten auf einem Teich, der von Wasserlinsen bedeckt ist"/><p><em>Wir wollen (Klima-)Aktivismus? Dann aber anders – das Problem der Praxis</em></p><p>Aber - und auch das haben mir die letzten Telefonkonferenzen des alten Jahres gezeigt – unsere Probleme setzen schon früher an, weit vor der Frage der Kollapsakzeptanz. Sie setzen an bei der Diskussion um die Sinnhaftigkeit von Aktionen, Aktionsformen und ihrer Ausgestaltung, um Bündnisse (um jeden Preis) oder autonome Kleingruppen. Wenn wir weiter Hopium in Form von zivilem Ungehorsam und (Klima-)Aktivismus wollen, dann ändern bzw. erweitern wir wenigstens die Praxis. Springt also meinetwegen nicht über die Kollapshürde – fein! Dann diskutiert aber mit mir über die Ausgestaltung von Aktionsformen. Redet nicht immer wieder von „bunten, vielfältigen und kreativen Aktionsformen, mit denen wir unserem Protest Ausdruck verleihen“, habt den Mut dazu, diese tatsächlich zu ermöglichen und/oder selbst umzusetzen. Wenn linksradikale Akteur:innen über Haustürgespräche im Konzept einer Aktion reden, weiß ich nicht mehr, was wir eigentlich noch erreichen wollen. Greta Thunberg hat in einer Rede vor Kurzem sehr gute und wesentliche Fragen gestellt, die wir alle uns stellen und auf die wir Antworten finden sollten: „What happens if we don‘t accept that? What happens if we fight back?“ Es ist im besten Fall höchste Zeit, das herauszufinden, liebe radikale Linke. Im schlechtesten Fall ist es bereits zu spät, weil wir zu träge sind und wie alle anderen aktiver Teil der Verdrängungsgesellschaft.</p><p><em>Das Problem mit dem Scheitern</em></p><p>Wir müssen außerdem verstehen, dass Mobilisierung nicht gleichzusetzen ist mit Organisierung. Inzwischen wird Mobilisierung oft sogar genutzt, um uns zu demobilisieren. Wir gehen zu großen Demos und gut. Wir halten kämpferische Reden und gut. Wir tun aber nichts. Das ist Demobilisierung und sie ist gewollt. Wir bewegen uns in einem bestimmten Rahmen, großer Jubel, die Demokratie ist lebendig und dann gehen noch immer zu viele schulterklopfend nach Hause. Verschärft wird dieses Agieren durch die nicht zu leugnende Krise der radikalen Linken und unserer Strukturen und Gruppen. Denn das Binden an Strukturen, selbst wenn es durch Mobi in einigen Fällen geschafft wird, ist noch lange keine („sinnvolle“) Organisierung, wenn diesen Strukturen der radikale und revolutionäre Gedanke mit entsprechenden Pfaden, Ideen, dem Mut und entsprechenden Hebeln dahin fehlt. Hier setzt meine Kritik und mein wirklich gequälter Aufschrei an, denn ich weiß, wie viel Arbeit in Vorbereitung, Mobi und dem „am-Laufen-halten“ von Gruppen hängt. Diese Arbeit verpufft inzwischen aber ehrlicherweise zu oft im Nirgendwo. Macht euch das nicht auch rasend vor Wut? Macht es euch nicht traurig? Seid ihr nicht auch müde?</p><p>Es liegt in der Natur der Sache (und es ist nachzuvollziehen), dass Organisationen nicht anerkennen können, dass sie gescheitert sind. Natürlich scheitern sie nicht von Anfang an. Aber wenn sich die Faktoren und Umstände ändern, innerhalb derer sie agieren und wenn diese Veränderungen nicht berücksichtigt werden, nicht zu einer Änderung der eigenen Analysen, Ansätze und Praxis führen, dann scheitern Organisationen. Das Bestreiten dieser Tatsache ist nachvollziehbar, denn unsere Strukturen entstehen natürlich nicht über Nacht. Es ist ein Prozess, viel Arbeit, der Kapazitäten und Ressourcen bindet, der auf Langfristigkeit angelegt ist. Es geht um langfristige Fördergelder, teilweise um Jobs, um Bündnisse und Kooperationen, um Planungen. Gesteht man ein Scheitern ein, stellt sich eine Organisation somit selbst in Frage. Am Beispiel der größten und wichtigsten linksradikalen Organisation, der Interventionistischen Linken, lassen sich die Probleme exemplarisch nachzeichnen.</p><p><em>Das Problem am Beispiel der Interventionistischen Linken</em></p><p>Die IL lässt sich dem postautonomen Spektrum zuordnen, bevor ich darauf aber etwas eingehe, lohnt sich ganz einfach ein Blick auf den Namen selbst: interventionistische Linke. Was meint eigentlich „intervenieren“? Dieser Begriff beschreibt eine Haltung oder Politik, die gezieltes Einmischen oder Eingreifen in bestehende Vorgänge, Systeme oder Angelegenheiten Dritter bedeutet, um sie zu steuern, zu verändern oder zu beeinflussen. So weit so gut. Wie läuft das aktuell so mit dem Intervenieren? Mein Fazit fällt da eher ernüchternd aus und für mich ist der postautonome Ansatz der IL in und an der aktuellen politischen Lage gescheitert. Um das auszuführen, geht es nicht ganz ohne einen kleinen geschichtlichen Abriss. Ihre Wurzeln haben die postautonomen Gruppierungen wie die IL in der klassischen autonomen Szene, grenzen sich in Teilen jedoch von dieser ab. Sie kritisieren unter anderem die strikte Organisationsfeindlichkeit der Autonomen und streben nach Bündnissen innerhalb und außerhalb des linksradikalen Spektrums. Mit dem Prinzip des „zivilen Ungehorsams“ haben Interventionistische Linke &amp; Co. versucht, zwischen radikalen und eher bürgerlichen Akteur:innen zu vermitteln und durch breite Zustimmung letzten Endes Parteien und Regierungen zu entsprechendem Handeln zu bringen. Es gab Erfolge, einiges ging vorwärts oder kam zumindest in Bewegung. Eine der erfolgreichsten und zum Glück nach wie vor noch lebendigen Strukturen, die dem IL – Umfeld entwachsen ist, ist Ende Gelände und dort regt sich der ungehorsame und radikale Lebensgeist aktuell noch am meisten. Ende Gelände hat sich in Teilen bereits emanzipiert und wird diesen Weg hoffentlich radikal weiterverfolgen.</p><p>Ziel, und das war zur Zeit der Entstehung postautonomer Strukturen richtig und sinnvoll, war die gesellschaftliche Isolation in abgeschlossenen Szenen von autonomen Gruppen zu überwinden. Auch wenn eine Skepsis gegenüber formalen Organisationsstrukturen weiterhin prägend ist, zeichnen sich Postautonome durch überregionale netzwerkartige Strukturen aus, die teilweise auch ins (europäische) Ausland ausgreifen. Es werden neue Wege eingeschlagen durch eine Verbindlichkeit und Kontinuität der Organisation. Eine starke Orientierung auf die öffentliche Meinung ist nicht zu leugnen und die Aufmerksamkeit der Presse ist für die gewählte Aktionsform, den zivilen Ungehorsam, unabdingbar. Damit verbunden ist das Streben nach Bündnissen mit Akteur:innen, die nicht unbedingt der eigenen Blase angehören, sowie die dadurch zwingende Ausrichtung der eigenen Aktivitäten auf gute und breite Möglichkeiten der Vermittelbarkeit und hoher Anschlussfähigkeit. Die IL, als eine der großen postautonomen Strukturen der Gegenwart, bestimmt durch ihre Mitwirkung an Protestgroßereignissen die öffentliche Wahrnehmung linker Radikalität deutlich mit. Sie ist auf kurzfristige taktische Bündnisse und langfristige, strategische Bündnisarbeit ausgelegt. Es gibt neben der linksradikalen Vernetzung enge Verbindungen zur Rosa-Luxemburg-Stiftung, zu Gewerkschaften und NGOs und zur Partei Die Linke, die für einige Genoss:innen  auch Arbeitgeber ist. Die IL, stellvertretend für andere, aber kleinere postautonome Akteur:innen, propagiert eine außerparlamentarische Linke, die auf Selbstermächtigung zielt und die in ihren Aktionen das staatliche Gewaltmonopol in Frage stellt, weil sie nicht nach der Legalität, sondern der Legitimität der eigenen Politik fragt, ohne zwingend mit der parlamentarischen Linken zu konkurrieren. Das war zu seiner Zeit ein sinnvoller Versuch und Weg. Aber jetzt haben sich die Zeiten dramatisch geändert, der Weg der IL und anderer trägt dem leider keinerlei Rechnung und deshalb stecken wir fest in Wirkungslosigkeit. Wenn daraus nicht Bedeutungslosigkeit werden soll, muss etwas passieren.</p><p>Thomas Seibert, eine wichtige Stimme der IL, verortet diese mit ihrer Praxis des zivilen Ungehorsams in den „radikalen Strömungen der Mehrheitslinken“, macht die „minderheitslinke Revolte“ als Gegenpol aus, da diese die Gefahr „fundamentalistischer Gewalt“ berge, welche sich „gegen die Gesellschaft – nicht zugunsten einer anderen Gesellschaft“ ausspreche. Die IL „mahne jedoch die Mehrheitslinke“, ist also der erhobene Zeigefinger und bringt, gerade jetzt im Kollaps samt Rechtsruck und Faschisierung auch genauso viel wie ein erhobener Finger - nichts. Wenn die radikale Linke ihre Funktion im Mahnen sieht, beweist sie die Richtigkeit meiner Überschrift ganz von selbst. Aber auch abgesehen davon ist in dieser Einordnung von Seibert viel drin, was bei genauerer Betrachtung durchaus zu kritisieren ist, was mich inzwischen sauer macht, je mehr ich darüber nachdenke. Aber darum geht es hier nicht.</p><p>Es ist unbestritten, dass sich die gewählte Protestpraxis, allem voran Besetzungs- und Blockadeaktionen durch zivilen Ungehorsam von Beginn an auch explizit von autonomer Militanz abgrenzen wollten. Es geht um den gewaltfreien Bruch einer gesetzlichen Norm unter Berufung auf ein höheres, zumeist auch verfassungsmäßiges Recht wie etwa die Menschenrechte oder aber moralische Prinzipien. Der zivile Ungehorsam darf und muss dabei aber durchaus radikal verstanden werden, wie Robin Celikates immer wieder deutlich macht, demzufolge ziviler Ungehorsam selbst Ausdruck einer politischen Praxis ist, „der das Ziel und die Funktion hat, die Dialektik von konstituierender und konstituierter Macht in Gang zu halten oder von Neuem in Gang zu setzen, deren Stilllegung von staatlicher Seite, wenn nicht absichtlich, dann doch nebenbei betrieben wird.“ Für Celikates ist ziviler Ungehorsam ein „absichtlich rechtswidriges und prinzipienbasiertes kollektives Protesthandeln, mit dem das politische Ziel verfolgt wird, bestimmte Gesetze, Maßnahmen oder Institutionen zu verändern, zu verhindern oder zu forcieren.“ Im Rahmen der Diskussion um die Legitimität von zivilem Ungehorsam im Rahmen von Klimaprotesten sagte Celikates: <strong>„Richtig verstanden ist ziviler Ungehorsam in einer Demokratie nicht auf rein systemimmanenten Protest reduzierbar.“</strong> Oha! Und weiter: „Anzunehmen, ziviler Ungehorsam dränge nur auf kleine Korrekturen oder Reformen hier und da, während das System als Ganzes akzeptiert werde, geht an seiner historischen und gegenwärtigen Rolle und an seinem demokratischen Transformationspotential vorbei. Die transformative Kraft des Ungehorsams ist viel grundlegender, ohne dass damit seine demokratische Legitimität in Frage steht. Das kann man sich schon an den einschlägigen historischen Beispielen klarmachen, die auch heute noch als Paradigmen des zivilen Ungehorsams gelten. Die US-amerikanische Bürgerrechtsbewegung – wie sie heute insbesondere mit dem Denken und Handeln von Martin Luther King, Jr. identifiziert wird – steht für Diskurs und Praxis des zivilen Ungehorsams, war aber zugleich äußerst radikal, gerade auch in ihrer Zielsetzung. Ihr ging es um deutlich mehr als eine kleine Änderung allein dieses oder jenes Gesetzes: Es ging um einen grundlegenden Wandel der US-amerikanischen Gesellschaft, nämlich ihrer politischen, ökonomischen und kulturellen Verfasstheit. Daran sieht man zunächst, dass man nicht einfach sagen kann: Der Protest fordert einen Systemwandel, also handelt es nicht um zivilen Ungehorsam. Das gilt insbesondere dann, wenn die Krise, auf die der Ungehorsam reagiert, von so grundlegender Art ist.“ Da frage ich mich doch: wo sehen wir diese Art des zivilen Ungehorsams heute? Eingepfercht in Kampagnen und einen Aktionskonsens meiner Meinung nach nicht, dazu im nächsten Abschnitt noch mehr.</p><p>Wir sehen und betreiben zivilen Ungehorsam in einer Form, dem aus linksradikaler, autonomer Perspektive von Beginn das Manko anhaftet, dass seine Verwendung mit einer grundsätzlichen Bejahung der herrschenden Rechts- und Gesellschaftsordnung einhergeht. Das geschieht wieder mit Blick auf die Außenwahrnehmung, denn gerade Praktiken, die sich als ziviler Ungehorsam in dieser Form framen lassen, gelten als wirksames Mittel in „strategischen Bündnissen für eine Politik des Bruchs mit dem Kapitalismus und der radikalisierenden Selbstermächtigung in der Aktion“ zu werben, ist doch für sie außerhalb der radikalen Linken deutlich einfacher Akzeptanz zu erzielen als für eindeutige Gewaltpraxen. Dieser Weg wurde also gegangen, er war zu seiner Zeit richtig und wichtig und er hat uns ein gutes Stück vorwärtsgebracht, mit Anpassungen kann er uns auch noch immer in gewissem Rahmen weiterbringen oder zumindest dafür sorgen, dass wir keinen weiteren Boden (kampflos) verlieren. Dafür ist es jetzt aber zwingend notwendig, ein ehrliches Fazit zu ziehen und – viel wichtiger – einen ehrlichen Ausblick samt nüchterner, realistischer Analyse zu wagen, zivilen Ungehorsam wieder im Sinne von Celikates auszulegen und die aktuelle Form, ebenso wie die IL, die nur diese eine Form zulässt, zu kritisieren.</p><p><em>Kritik und ihre Berechtigung und Richtigkeit</em></p><p>Menschen, die das tun, äußern immer wieder Kritik z.B. bezogen auf die organisatorische und inhaltliche Entwicklung der IL, die ins Stocken geraten ist. Austritte aus Ortsgruppen verweisen darauf, dass mit der Bilanz des Konzeptes Postautonomie und seiner Umsetzung gehadert wird. Ehemalige Mitstreiter:innen kritisieren, dass sich zu sehr der Reformierung des bestehenden Systems verschrieben und es damit stabilisiert wird, anstatt auf dessen Überwindung mit mehr als Worten hinzuarbeiten. Diese Debatte (Reform vs. Revolution) ist eine, die radikal linke Strukturen, welche sich in Opposition zum System sehen, seit dem 19. Jahrhundert begleitet. Aktivitäten wie z.B. die Unterstützung der Kampagne „Deutsche Wohnen &amp; Co. enteignen“ fördern laut Kritiker:innen eher die Anpassung und „Einhegung“ von linksradikalen Aktivist:innen als dass sie den Bruch mit „dem System“ vorantreiben. Das ist ein Kritikpunkt, den wir als linksradikale selbst schon geäußert haben, als es im Rahmen der Klimagerechtigkeitsbewegung immer wieder einzelne Personen gab, die den Weg in Parteifunktionen und Parlamente gegangen sind. Jetzt sind wir selbst von dieser Kritik betroffen und da wird es schon schwieriger, es anzunehmen 😉 Wir reagieren mit Widerstand und Abwehr, denn Austeilen ist wesentlich einfacher als einstecken. Die Relevanz und Berechtigung dieser Kritik werden dadurch aber nicht gemindert.</p><p>Schließlich hadern die Kritiker:innen gleichermaßen zunehmend mit der Protestpraxis, denn der Ungehorsam ist inzwischen ritualisiert. Den Rahmen dafür stellt ein linkes Regelwerk mit einem Aktionskonsens, für den auch die IL und angeschlossene Strukturen stehen. Ob Ende Gelände oder Widersetzen - alles ist maximal kontrolliert, um anschlussfähig zu sein, um die Konsequenzen überschaubar zu halten usw. Das ist verständlich und natürlich muss es immer darum gehen, Aktivist:innen und unsere Strukturen so gut es geht zu schützen! Es muss aber mehr Schutzmaßnahmen geben, als nur so zu agieren, dass niemand ein Problem mit uns hat, wir nur minimal stören und unsere Aktionen keine (dauerhaften oder wenigstens eine Weile anhaltenden) Ergebnisse liefern. Wir haben dafür keine Lösungen und keine Ideen, aber wenn wir nicht darüber nachdenken, finden wir die auch nicht. Zur ehrlichen Analyse gehört in diesem Zusammenhang auch, dass wir trotz minimalen Wirkungen nicht mehr geschützt sind vor staatlicher Gewalt jeder Form. Wir sind gefangen in unseren eigenen Regeln und einem lähmenden Aktionskonsens ein Ordnungsfaktor, der Regeln setzt und verwaltet und letztlich zum Befrieden beiträgt. „Zur Befriedung antagonistischer Konflikte gibt es die Zivilgesellschaft. Wir sind inzwischen Teil dieser Zivilgesellschaft“ heißt es nicht umsonst bereits in einer Broschüre mit dem Titel „Die IL läuft Gefahr, Geschichte geworden zu sein“. Eine radikale Linke muss zu einem gewissen Grad aber eben auch neben der Zivilgesellschaft, neben mehrheitslinken Positionen stehen, wenn sie Alternative sein und solche aufzeigen will. Neben darf dabei nicht verwechselt werden mit gegenüber/auf der Gegenseite, auch wenn es oft genauso geframt wird, um damit Angst in den eigenen Reihen zu schüren und Radikalität zu unterbinden.</p><p>Die IL ist inzwischen für die Linke (&amp; die Mehrheitslinken) das, was Fridays for Future für die Grünen ist – Vorstufe, Legitimation und Alibi. Dabei ist die IL aber intellektueller, gefestigter, älter und etablierter als die Schüler:innen und Jugendlichen bei FFF, die sich oft zum ersten Mal überhaupt politisch organisierten und engagierten. Und genau deshalb ist die IL auch viel stärker zu kritisieren für ihr aktuelles Agieren, für das freiwillige Eingliedern in dieses stillschweigende Abkommen der Lähmung und Balance, für den Beitrag zur Aufrechterhaltung des Status Quo. Die IL mit all ihrer Erfahrung sollte es besser wissen und sie sollte mehr wollen. Die radikale Linke an sich sollte mehr wollen. Es ist an der Zeit zu beweisen, dass dem so ist und dass sie es noch oder wieder kann. Wenn unsere Kämpfe zu Ritualen werden, die nur noch dem eigenen Selbstbetrug dienen, dann wird es wirklich zappenduster, dann ist mehr Schein als Sein, aber sicher keine Radikalität.</p><p><em>Angesichts aller Probleme - was nun?</em></p><p>Die IL ist weiterhin wichtig und wird gebraucht als EINE große linke Struktur, in der sich Menschen organisieren können. Ihre Kampagnenarbeit und ihre breite Anschlussfähigkeit haben weiterhin ihren Nutzen, wenn auch meiner Meinung nach in einem begrenzten Rahmen, solange keine radikale Änderung der Strategie und Taktiken erfolgt. Die sehe ich tatsächlich nicht kommen, so dass wir also aufpassen und/oder darüber reden müssen, dass die IL nicht mehr in einer de-facto-Monopolstellung bestimmt und definiert, was linksradikal ist, sei es nach innen oder außen. Es braucht Alternativen. Es braucht emanzipierte Gruppen und Strukturen, die nicht eingezäunt sind im IL – Dunstkreis und die eigenständig und konsequent ihre Form der Radikalität zu einer großen Bandbreite von Themen und Schwerpunkten definieren. Von Ende Gelände bis Widersetzen – die Namen sind unterschiedlich, aber die Aktionsformen sind identisch und sie sind definiert durch einen beinahe identischen Aktionskonsens, geprägt von der IL. Das muss die radikale Linke aufbrechen, um Relevanz zurückzugewinnen. So lange gilt IL = Linksradikalismus in Deutschland, solange gibt es keinen Linksradikalismus in Deutschland. Wenn wir die Floskel des Aktionskonsens von buntem, kreativem Protest endlich mal umsetzen wollen, wenn wir uns selbst wieder ernstnehmen und ernstgenommen werden wollen, brauchen wir zuerst eine bunte, diverse und kreative Breite an Strukturen, großen und kleinen Gruppen und Akteur:innen, die IL – unabhängig agieren (können) und die große weite Welt des Linksradikalismus wiederentdecken und erobern. Es braucht Autonomie statt oder zumindest neben der Postautonomie und vielleicht schließt sich so auch dieser „linke Kreis“ 😉 Es muss und sollte nicht immer entweder oder heißen, sei es bei Organisierungsformen, dem ideologischen Grundgerüst, den Aktionsformen und ihrer Ausgestaltung oder den Themen, denen sich Linke und Linksradikale annehmen. Es geht Vieles und es braucht Vieles statt einer (über-)mächtigen Akteur:in, die Definitionsmacht ausübt. Dann würden sich vielleicht auch die zahlreichen inner-linken Konflikte minimieren lassen, in denen wir uns zusätzlich zum eigenen Dilemma und der inzwischen unüberschaubaren Zahl von Aufgaben und Problemen noch aufreiben, zerstreiten und voneinander abgrenzen.</p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Tue, 06 Jan 2026 10:54:17 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Wer vom Kapitalismus nicht reden will, soll auch zum Faschismus die…]]></title>
      <description><![CDATA[Irgendwie außer der Reihe und irgendwie zur Überbrückung bis zum nächsten „regulären Blogtext“ Anfang des Jahres, hier noch einer zum Jahresende...]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Wer vom Kapitalismus nicht reden will, soll auch zum Faschismus die Klappe halten</h1><p>Irgendwie außer der Reihe und irgendwie zur Überbrückung bis zum nächsten „regulären Blogtext“ Anfang des Jahres, für den es schon ein Thema und viele Stichpunkte gibt und der sich in den letzten Tagen auch bereits in Social Media-Posts angekündigt hat, gibt es jetzt noch einen Text, der ziemlich spontan entsteht (und der, wie mir am Ende klar wurde, doch auch schon etwas in die Richtung dessen geht, was im nächsten Text dann kommt 😉).</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/3d23e416-c60f-4e87-8dce-e27512445cc3/uploads/images/jyy42jjm6f/49168180003_ede1f0b008_o-1.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><figcaption>Klimaschutz heißt Antifa...und Antifa heißt Klimaschutz</figcaption></figure><p><em>Warum das und warum zu diesem Thema? </em></p><p>Nun, es ist ein wichtiges, es ploppt immer wieder in meinem Kopf auf, weil ich recht häufig kopfschüttelnd (und wütend und traurig und ratlos und vieles mehr) zurückbleibe, wenn ich mich mit linken Themen, der radikalen Linken und deren Herangehensweise an bestimmte Themen befasse. Ein EG – Genosse hat sich vor ein paar Wochen außerdem einen Text zu obiger Überschrift gewünscht 😉 Here we go, auch in der Hoffnung, dass besagter Genosse nicht zu schockiert ist, weil was ganz anderes erwartet wurde. Nun, so ist das mit mir, es kann immer anders kommen als gedacht und Regeln, Schubladen und Unauffälligkeit sind inzwischen (auch dank meiner geliebten linksradikalen Strukturen) nicht mehr meins.</p><p><em>AfD-Verbot und was noch?</em></p><p>Ich sehe momentan wieder verstärkt Bilder und Aussagen zum Thema „AfD – Verbot jetzt“, sozusagen unter dem Framing von „all I want for Christmas“. Ja, finde ich gut, halte ich für notwendig und richtig, ABER liebe Antifas, liebe radikale Linke, das kann es nicht sein. Das ist <strong>ein</strong> Punkt, aber keine auch nur ansatzweise erschöpfende antifaschistische Arbeit oder gar Lösung des Nazi-Problems, der Faschisierung und des Rechtsrucks. Eine viel wesentlichere Aufgabe von revolutionären Antifaschist:innen, die uns außerdem zugleich von bürgerlichen Nazigegner:innen unterscheidet, ist das Aufdecken der sozialen Probleme des Faschismus, seines Hintergrunds und (einer) seiner Funktion(en). Der Faschismus verfolgt u.a. das Ziel, abhängig arbeitende Menschen stumm und dadurch zu Mittäter:innen und Mitläufer:innen (ja, diese Bezeichnungen kennen wir alle) zu machen, denn faschistische Ideologie ist eingebettet in kapitalistische und auch der Kapitalismus braucht uns schweigend, mitmachend, mehr erwirtschaftend, damit die Maschine läuft und einige immer mehr bekommen, ob sich dahinter nun Geld und/oder Macht und Einfluss verbirgt. Angst, Spaltung und Systeme von Bestrafungen, Szenarien drohenden Verlustes irgendwelcher materieller Errungenschaften, mit denen uns der Kapitalismus alle versorgt, sind Mittel, Menschen zum Verstummen zu bringen und sie werden alle angewandt.</p><p><em>Klassenkampf ist nicht</em></p><p>Wir reden wieder vermehrt vom Klassenkampf. Ihr wisst, dass ich den nicht sehe in unserem Teil der Welt, weil Arbeiter:innen inzwischen eben sehr gut eingebunden sind ins kapitalistische System. Was ich sehe, ist eine neoliberale Restauration der Klassenherrschaft, die von der beherrschten Klasse nicht bekämpft, nicht wahrgenommen wird, da sie im Wirtschaftssystem eingepflegt ist und es verteidigt. Das möchte die eigentlich beherrschte Klasse so nicht wahrhaben und ihr “Widerstand” beschränkt sich darauf, die negativen Auswirkungen auf „die anderen“ zu übertragen (Neokolonialismus) oder „die anderen“ dafür verantwortlich zu machen: Migrant:innen, Menschen auf der Flucht, Menschen ohne Job, anderer Religion…da ist er, der Faschismus und Rassismus. Antifaschismus geht also nicht ohne Kapitalismuskritik bzw. politisches Arbeiten und kämpfen auch gegen diesen „Endgegner“. Wer das ausblendet oder verneint, wer zwar auf einer Demo ein Schild mit „f*ck AfD“ vor sich herträgt, aber Strukturen wie Ende Gelände oder Rheinmetall entwaffnen verteufelt, wenn die „Kapitalismus bekämpfen“ und „Systemchange“ fordern, gibt sich zwar revolutionär, ist jedoch zunehmend systemkonform oder gar affirmativ (zustimmend, bejahend). Das ist geläuterter und neutralisierter Antifaschismus, der den Namen nicht mehr verdient. Faschismus hat eine soziale Funktion, er ist nicht losgelöst von (Kapital-) Interessen und anderen Ideologien, die sich gegenseitig bedingen, verstärken, die gemeinsam ihre größte Brutalität entfalten, weil sie gemeinsam gedacht und etabliert sind.</p><p><em>Wehret dem Hufeisen</em></p><p>Wer das Hufeisen der Mächtigen und ihrer Organe mitwirft, wer links und rechts, Linksradikale und Rechtsextremist:innen, Rauchtöpfe, brennende Mülltonnen und Angriffe auf Geflüchtetenunterkünfte oder queere Menschen gleichsetzt und wer im Sinne von Totalitarismustheorie propagiert, dass nur der freie Markt eine Garantie gegen den Faschismus bietet, weil dessen eigentliche Wurzel im Sozialismus und Kommunismus liegen, ist alles andere als antifaschistisch. Solche Argumentationen finden sich u.a. bei Walter Lippmann in Werken wie &quot;The Good Society&quot; (Die gute Gesellschaft): „Kommunismus und Faschismus gleichen sich nicht nur in der totalitären Regierungsform, sie stimmen in ihren Bestrebungen und Zielen überein“. Diese vermeintlich antifaschistische Argumentation ist riesiger Bullshit und sie führt direkt zum neoliberalen Kapitalismus als eine Form des Kapitalismus, die den Staat aus der Wirtschaft zurückdrängt, um den freien Markt, Wettbewerb und Privatisierung zu fördern und somit Effizienz und Wachstum zu steigern. Diese Wirtschaftspolitik strebt nach Deregulierung, niedrigen Steuern und weniger Sozialleistungen, glaubt an die Selbstregulierung der Märkte und geht Hand in Hand mit zunehmender sozialer Ungleichheit, einem Wegfall von Mitteln für soziale Projekte, Sozialabbau im großen Stil usw. Diese Politik sehen wir überall, sie wird gefordert und umgesetzt von rechten Parteien und Regierungen, die kaum noch nachkommen darin, sich selbst zu überbieten mit ihrer Menschenverachtung und sie ist Ausdruck des gesellschaftlichen Rechtsrucks.</p><p>Wer also divers agierenden sozialen Protestbewegungen den Vorwurf der verkürzten oder strukturell antisemitischen Kapitalismuskritik entgegenschleudert, hat Antifaschismus und marxistische Theorie nicht verstanden. Dazu gibt es einen lesenswerten Beitrag im bereits 2014 veröffentlichten Sammelband „Antifa heißt Luftangriff“ (Witt-Stahl, Sommer sind Herausgeber:innen), den zu lesen es sich lohnt.</p><p><em>unterschiedliche Ausprägungen, 1 zugrundeliegendes Problem</em></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/3d23e416-c60f-4e87-8dce-e27512445cc3/uploads/images/lxyrk72sdl/Fight_Racism_Fight_Imperialism_-_Anti-Trump_protesters_start_to_gather_in_Londons_Trafalgar_Square._32399171626-scaled-1.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Ein weiteres Problem wird deutlich, wenn sich Antifaschismus gegen Antimilitarismus und Akteur:innen wie Rheinmetall entwaffnen richtet. Hier zeigt sich, dass inzwischen zu oft Antifaschismus imperialistische Kriege verteidigt, die zu antifaschistischen Kriegen des zivilisierten Westens verklärt werden – gegen „die anderen“, gegen einen „barbarischen Islam“, gegen Freiheitskämpfe unterdrückter Gruppen, auch gegen Palästinasolidarität, wenn der Holocaust ideologisch instrumentalisiert wird. Ich bin durchaus nicht naiv und keine Verfechterin einer absoluten, unrealistischen Friedenspolitik, die geopolitische Entwicklungen außer Acht lässt. Auch ich suche noch nach einer „vernünftigen, richtigen“ Position zu diesem Themenfeld. Dass die aber nicht im aktuellen Aufrüstungs- und Militarisierungswahn und der ausgerufenen Kriegstüchtigkeit samt neuerlicher Wehrpflicht liegt, ist mir vollkommen klar, auch weil es dabei nicht wirklich um Frieden oder Friedenssicherung geht, sondern um wirtschaftliche Interessen und Macht.</p><p><em>Ein Problem des Antifaschismus</em></p><p>Faschismus ist keine Meinung, jedoch oft auch nicht mehr „so richtig ein Verbrechen“, da er kaum mehr strafrechtliche Konsequenzen hat. Er ist in Parlamenten, in der Sprache, im Alltag angekommen und er ist eine Form bürgerlicher Herrschaft, die sich dann eben auch ausdrückt im Vorgehen gegen die, die sich antikapitalistisch engagieren. Dass die politisch-ökonomischen Bedingungen des Faschismus heutzutage zu wenige interessieren bzw. von zu wenigen diese Verbindungen gesehen und die Bedingungen angegriffen werden, ist dramatisch. In der Konsequenz erschöpft sich Antifaschismus für einen Teil der Bewegung und für einen Großteil der „Mitte der Gesellschaft“ darin, ein AfD-Verbot zu fordern und auf Demos gegen Nazis zu gehen – das Ziel für Bündnisarbeit laute: Hauptsache breit und anschlussfähig. Solche Bündnisse gegen Naziaufmärsche sind keineswegs falsch oder unwichtig – aber wenn sie sich für viele darin erschöpfen, sind sie eben auch nicht mehr als ein Kampf gegen Windmühlen, weil sie nicht die politisch-ökonomischen Wurzeln des Faschismus angreifen und somit die Bedingungen aufrechterhalten, die ihn immer wieder hervorbringen (können). Die hier notwendige Kritik ist dabei in Teilen dieselbe, die ich auch immer wieder an bestimmte Akteur:innen und Aktionsformen im Rahmen der Klimagerechtigkeitsbewegung richte. Es fehlt der Mut, es fehlt das furchtlose Überschreiten von Grenzen, es fehlen Ecken und Kanten und damit fehlen auch echte, dauerhafte Erfolge, die über Symbolpolitik hinausgehen. Wenn die erste Frage bei Überlegungen zu Aktionen und Strategien nicht lautet: „Wie erreichen wir Ziel X oder Y“, sondern immer umgehend der Zusatz „…ohne [beliebige NGO, Presse, <em>Gesellschaft </em>einfügen] zu verärgern?“, dann haben sich alle Überlegungen schon selbst jeglicher Relevanz beraubt, weil keine Ergebnisse erzielt werden (können) und wir, wenn das durch Einzelne doch geschieht, all unsere Kapazitäten aufwenden müssen, um Entsolidarisierungen zu vermeiden, statt die Genoss:innen zu schützen und zu unterstützen. Das alles, weil wir aus Angst agieren, als echte Gegenmacht wahrgenommen zu werden, obwohl wir so oft davon reden, dass wir genau diese auf vielfältige Weise schaffen müssen. DNA linksradikaler Politik ebenso wie die von Antifaschimus war es immer, Gegner:innen und Widerstände klar zu benennen und diese zu bekämpfen, Umstände zu verändern, zu stürzen und das geht nicht immer und nicht ausschließlich mit Samthandschuhen und konform mit der Mehrheit, die – und hier liegt der Knackpunkt – Umstände und Systeme nicht nur mitträgt, sondern in ihnen aufgegangen ist. Hier ist es egal, ob wir über das Nutzen bestimmter Begriffe (Kollaps, Verzicht, Militanz…) oder über kreative, vielfältige Aktionsformen reden und uns beidem verweigern. Das engt uns ein und verhindert ein Vorwärtskommen. Die „freiwillige Integration“ – sei es von radikalen Linken und Antifaschist:innen ist eine Katastrophe, ist sie doch auch stets die bevorzugte Option des Kapitals und des Faschismus, denn wer sich freiwillig den Herrschaftsprinzipien des Kapitals, ebenso wie denen des Faschismus unterwirft, lässt sich einfacher beherrschen und setzt deren Prinzipien um. Der antifaschistische Kampf kann und darf sich nicht vom Kampf gegen die Herrschaft des Kapitals und gegen die Kapitalinteressen lösen, wenn er nicht zum zahnlosen Kater werden soll.</p><p><em>Was nun?</em></p><p>Eine antifaschistische Linke muss somit, will sie nicht selbst zum Teil des Problems werden, das Kernanliegen haben, die Ursachen für Krieg, Armut, Ungerechtigkeit und Hunger und die Herrschaftsinteressen an genau diesen Dingen schonungslos offenlegen und bekämpfen. Sie muss ihre Aufmerksamkeit ebenso auf den im Gang befindlichen Aufbau des autoritären Staates und seine stetig wachsenden Befugnisse und Überwachungsmethoden richten, wie auf die Militarisierungsspirale, den unfassbaren Energiebedarf dahinter und die Fragen von Klimagerechtigkeit. In einem Deutschland, das Gefahr läuft, womöglich zu einem Prototyp des modernen Faschismus zu werden, ist eine Antifa, die sich auf ein AfD-Verbot beschränkt eine, die wesentliche Aspekte und viele weitere notwendige Aufgaben vernachlässigt und deshalb keine ernsthafte Gegner:in ist.</p><p>Die (radikale) Linke als Gesamtsubjekt muss sich in einigen Bereichen aus der eigenen Sprach- und Hilflosigkeit befreien, z.B. auch wenn es um die politische Einordnung des Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU) und die Rolle der staatlichen Behörden bei seinem Entstehen, Ausrüsten und Gewährenlassen geht. Anstatt Islamismus und Faschismus gleichzusetzen (beides menschenverachtend, falsch und nicht zu akzeptieren, aber in Ursachen, Hintergründen und „Umsetzung“ unterschiedlich), um sich damit mit den westlich imperialistischen Mächten zu verbünden, während angesichts der Verstrickung von Staat und NSU in letzter Konsequenz in eine Schockstarre verfallen und nur sporadisch per Slogan („der NSU war nicht zu dritt“) auf die Problematik und die noch immer nicht erfolgte Offenlegung oder Aufarbeitung hingewiesen oder ausschließlich und ausgerechnet von staatlichen Institutionen konsequentes Vorgehen gefordert wird, müssen radikale Linke  dafür sorgen, dass „andere abtauchen müssen und nicht wir“, wie in einem Beitrag aus dem oben bereits erwähnten Buch gefordert wird. Während Maja und andere Antifaschist:innen im Knast leiden, frönen Nazis und Faschisten ihrem menschenverachtenden Weltbild inzwischen ohne Angst in aller Öffentlichkeit. Das darf nichts sein, womit wir uns abfinden oder das uns resignieren lässt.</p><p>Auf ein vermeintlich breites antifaschistisches von der „ganzen Gesellschaft“ getragenes Bündnis gegen Nazis sollten wir uns dabei in letzter Konsequenz nicht verlassen (und ich glaube, das haben viele inzwischen schon verstanden bzw. schwant es uns). Das gilt umso mehr, wenn zugunsten einer solchen Allianz, Kritik an der Gesellschaft und somit auch an der Bourgeoisie (Angehörige der herrschenden Klasse innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft) unter den Tisch fallen gelassen wird und weil sich die bürgerliche Gesellschaft zu oft nur symbolisch an dieser Allianz beteiligt, über die Teilnahme an Großdemos nicht hinauskommt und im Ernstfall nur zu bereitwillig die Hufeisentheorie teilt.</p><p>Beschränkt sich linksradikale, antifaschistische Arbeit nur auf ein Symptom (z.B. auf eine faschistische Partei) und erhebt diese zum permanenten und einzigen Hauptfeind, wird die Ursache verharmlost oder gar ignoriert. Stattdessen müssen die diversen gefährlichen Auswirkungen der kapitalistischen Gesellschaft im Rahmen einer umfassenden Strategie behandelt werden, was letztlich auf eine komplette gesellschaftliche Umwälzung hinausläuft, auf einen Systemchange und die Überwindung des Kapitalismus.</p><p>Wie beim Kampf um Klimagerechtigkeit, sofern wir ihn nicht aufgeben wollen, gilt auch für Teile des Antifaschismus, dass ein „weiter so“ fatal ist und wir uns – gerade angesichts der aktuellen bescheidenen Lage in beiden Feldern – deutlich mehr Mut zulegen können und müssen, auch weil wir nicht die Kapazitäten haben, für Großdemos und Massenmobilisierung jeden Tag und in jeder Stadt – und genau das wäre u.a. eigentlich angeraten, wenn wir die Realität ernst nehmen.</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 21 Dec 2025 18:34:12 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Unlearn Klima - Aktivismus oder: Hände, sprecht für mich]]></title>
      <description><![CDATA[Ein emotionaler Appell, durch Aktionen und Taten auszudrücken und umzusetzen, wofür einem inzwischen die Worte fehlen bzw. wofür diese einfach zu schwach sind. ]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Vor ein paar Tagen bin ich über dieses Zitat gestolpert, das sich in Shakespeares „Julius Cäsar“ findet. Ich bin weder Shakespeare – Expert:in, noch möchte ich in Interpretationen von Klassikern einsteigen. Dieses Zitat fasst allerdings sehr viel zusammen, was mir seit langem bezogen auf die zahlreichen und teilweise sehr zähen und/oder emotional aufgeladenen Diskussionen um Sinn oder Unsinn von Aktivismus und dieser oder jener Aktionsform durch den Kopf geht.</p><p><em>Life is a comic strip</em></p><p>Es beschreibt auch die Stimmung, in der ich inzwischen zunehmend im rassistischen, frauen- und queerfeindlichen, faschistischen Alltag unterwegs bin. Der Wunsch oder Gedanke, meine Hände sprechen zu lassen, erweckt comic-artige Bilder vor meinem geistigen Auge, die mir helfen, das ein oder andere Mal dann doch nochmal tief durchzuatmen 😉, statt mich in Diskussionen wiederzufinden, die zu nichts führen, weil Argumente heute zu oft nicht mehr die Grundlage von Auseinandersetzungen bilden und nicht mehr zwingend relevant für deren Ausgang sind.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/8fdf52b8-4113-47d7-94c8-dbce08560f66/uploads/images/ut5nef4vtx/einschnurender-mann-der-frau-115881076.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Bild im Comic-Stil, Frau würgt einen Mann"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/8fdf52b8-4113-47d7-94c8-dbce08560f66/uploads/images/e3m5ukfkec/prugel.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Bild im Comic - Stil, Mann im Superhelden - Outfit schlägt eine andere Person, Schriftzug: &quot;Pow!&quot;"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/8fdf52b8-4113-47d7-94c8-dbce08560f66/uploads/images/bvsrn7ehyt/boom.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Bild im Zeichentrick - Stil, Maus lehnt an einem Stapel von Dynamit und raucht"/><p>Jenseits aller Interpretationen und Comic - Assoziationen ist dieser Satz „Hände sprecht für mich“ vor allem eins: ein emotionaler Appell, durch Aktionen und Taten auszudrücken und umzusetzen, wofür einem inzwischen die Worte fehlen bzw. wofür diese einfach zu schwach sind.</p><p><em>Frust und Appell nach Jahren von Klimaaktivismus</em></p><p>„Hände, sprecht für mich“ ist sicher etwas, was Resonanz findet bei einigen von uns, die in den letzten Jahren auf Bäumen gesessen und Tagebaue blockiert haben, die sich Nazis auf Fackelmärschen und der Staatsgewalt bei Abschiebungen in den Weg gestellt haben und die zunehmend Ohnmacht, Wut und Verzweiflung fühlen – in dem Moment selbst oder aber danach, wenn es gilt, ganz nüchtern und gemessen an den eigentlich ausgegebenen Zielen, ein Fazit zu ziehen und bei Überlegungen für die nächste Aktion. „Hände, sprecht für mich“ ist in langwierigen Strategie- und Vernetzungskonferenzen, in Diskussionen über einen Aktionskonsens, über Anschlussfähigkeit und die potenziellen Reaktionen von NGOs oder „der Gesellschaft“ etwas, was ich inzwischen immer öfter laut hinausschreien möchte, umformuliert als Aufforderung: „Leute, lasst die Hände sprechen“! Ich bleibe ganz bewusst bei den Händen und sage nicht „Fäuste“, denn Hände können sehr viel mehr tun, wenn sie nicht ständig geballt sind 😉</p><p><em>Auf zu neuen alten Ufern</em></p><p>Wenn ich „unlearn Klima – Aktivismus“ schreibe, geht es genau darum. Die meisten von uns, die sich unter dem Label „Aktivist:in“ wiederfinden, sind mit einer bestimmten Form von Aktivismus „groß und aktiv geworden“: Demos, Proteste und friedlicher ziviler Ungehorsam. Wir haben Schilder gehalten, Transparente gemalt, Lücken in Polizeiketten und Absperrungen gesucht, uns auf Straßen, Bäume und vor Werkseinfahrten gesetzt und dabei das Potential unserer Hände sträflich vernachlässigt. Wir sind zu einer Zeit eingestiegen, als viele der Kämpfe, die uns den Weg geebnet haben, bereits sehr viel Vorarbeit geleistet hatten, ungesehen und unbemerkt - oft auch von uns! Diese Vorarbeit, diese Kämpfe, die vor den unseren und zahlreich an anderen Orten dieser Welt geführt wurden, waren oft eine andere Form von Aktivismus, die nicht ausschließlich friedlich waren und mehr Material als Pappschilder umfassten. Im Ergebnis hat u.a. diese Vorarbeit aber dazu geführt, dass (weiße) Klimaaktivist:innen in Europa eine Weile beinahe geliebt wurden, dass es Lücken in Polizeiketten gab, dass wir offen und auf großer Bühne agieren konnten und in letzter Konsequenz ein Stück weit unantastbar waren, uns zumindest so gefühlt haben. Schon da haben wir oft unsere Privilegien vergessen und die Tatsache, dass es anderswo und für andere Menschen diesen „Moment der Glückseligkeit“ nie gegeben hat.</p><p>Was wir aber verstehen müssen: diese Zeiten sind nun auch für uns vorbei und wir merken, wissen, fühlen und erleben das bereits, angesichts der sich überschlagenden Repressionsspirale, die uns auf ganz vielfältige Arten mehr und mehr erwischt. Jetzt ist es an der Zeit, den Aktivismus, den wir gelernt und angewandt haben, ein Stück weit wieder zu verlernen und uns neue bzw. andere Formen anzueignen. Wir müssen lernen, mit unseren Aktionsformen nicht brav zu sein, sondern störend und mehr, unbeliebt – als Aktivist:innen an sich, jenseits der Aktionsform, die wir wählen, sind wir das inzwischen sowieso – egal, ob es um Klimaaktivismus oder Antifaschismus geht. Unsere Aktionsformen müssen und können das somit widerspiegeln. Denn trotz allem sind wir noch immer privilegiert!</p><p><em>unmask society</em></p><p>Der von uns bisher angewandte Aktivismus hatte einen wesentlichen Erfolg, auch wenn das nicht das erwünschte Ergebnis war. Zusammen mit den realen Konsequenzen dessen, wogegen wir uns so vehement gestemmt haben, mit den auch bei uns nun sichtbaren Katastrophenszenarien des eskalierenden Klimakollapses und der Machtergreifung des Faschismus haben wir „die Gesellschaft“ und „die Politik“ demaskiert. Wir haben Appeasement – Politik bekommen, die wir selbst in unserer Euphorie eine Weile verwechselt haben mit realen Erfolgen, mit dem Willen zu echten Veränderungen seitens derer, an die wir uns gewandt haben. Wir sahen uns auf dem Weg in die richtige Richtung, die wir vorgegeben hatten. Aber wir lagen falsch (bereits/spätestens das Kohlepäckchen hätte es uns allen eigentlich hinreichend beweisen müssen) und das ist inzwischen für alle sichtbar. Die Masken sind gefallen. Die derer, die werbewirksam unsere Bühnen genutzt haben ebenso wie die derjenigen, die sich zu Hoch - Zeiten der Hambi – Besetzung und Fridays for Future – Welle zurückgehalten haben in ihren Reaktionen auf uns: Inzwischen wird nicht mal mehr versucht den Eindruck zu erwecken, das Klimaschutz, Antifaschismus und Fragen (sozialer) Gerechtigkeit irgendeine Relevanz für diejenigen haben, die politische Entscheidungen treffen und auch die Repressionsorgane allen voran die Polizei und Bürger:innen in Autos tun inzwischen völlig schamfrei und hemmungslos das, was sie schon immer gerne tun wollten und agieren mit Gewalt gegen uns.</p><p> <em>Handlungsoptionen für das Jetzt</em></p><p>Wenn wir uns in Bezug auf diese Tatsachen einig sind, haben wir nun die ein oder andere Option:</p><p>1.       Wir gehen damit um. Das ist etwas, was sich im Feld des solidarischen Preppens für mich wiederfindet. Wir erkennen die Realität an und suchen nach Wegen, in diversen Kollapsszenarien gemeinsam handlungsfähig zu werden, statt völlig unterzugehen.</p><p>2.       Wir zeigen Realitäten auf, legen den Finger immer wieder mitten rein in die Wunde, damit zumindest niemand sagen kann, nichts gewusst zu haben und wir behalten die üblichen, oft in der Außenwirkung nur noch symbolischen Aktionsformen bei. (Diese haben auch eine Innenwirkung auf uns und unsere Strukturen, die meiner Meinung durchaus eine nicht zu unterschätzende Relevanz besitzt und einige der „alten“ Aktionsformen somit auch weiterhin ein Stück weit legitimiert. Das ist aber nicht Thema dieses Textes.). Option 2 ist in gewissem Maße und in bestimmten, engen Grenzen ok und legitim. Ihr Verfallsdatum kommt allerdings immer schneller näher. Es wird vermutlich trotzdem die Option sein, die für die meisten aus den unterschiedlichsten Gründen die machbarste Form von Aktivismus ist und bleiben wird. Sie wird allerdings auch kaum zu Veränderungen führen. Wenn man der ein oder anderen Studie (und sichtbaren Tatsachen) glaubt, wird sie sogar dazu führen, dass es für Menschen, die darüber hinaus handeln, immer schwieriger und gefährlicher wird und das „die Gesellschaft“ immer stärker mit Ignoranz, Verdrängung und Abwehr auf uns reagiert.</p><p>3.       Wir schalten gewisse Faktoren und Dinge tatsächlich endlich aus und meinen das, was wir immer als Ziele ausgeben tatsächlich ernst. Kein ganz einfaches, kein risikoarmes und auch kein kurzfristiges Unterfangen, aber trotzdem eines für das ich immer wieder eine Lanze brechen werde und „Hände sprecht für mich“ sagt in diesem Zusammenhang genau das aus: ausdrücken und umsetzen, woran Worte inzwischen scheitern und schon längst zu schwach sind angesichts der Realität als Gegner:in.</p><p>Option 3 ist keine für alle. Sie ist das Gegenteil von offen und auf großer Bühne agieren. Sie erfordert ebenso eine neue, andere Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Bisher haben wir immer viel Wert auf Bilder gelegt, auch auf solche, die zeigen, welche Reaktionen wir hervorrufen, wie die Polizei mit uns umgeht. Das war ein richtiger Ansatz, weil diese Bilder lange in die Mitte der Gesellschaft hinein zu unseren Gunsten gewirkt haben, weil sie Empörung, Wut, Solidarität und Unterstützung ausgelöst haben. Das tun sie aber nicht mehr: die letzte Generation hat das bereits gezeigt, auch Gießen reiht sich da ein. Die Masken sind gefallen und entsprechende Bilder lösen immer weniger der oben genannten Reaktionen aus. Sie werden ungeniert hingenommen, teilweise gefeiert und der Täter-Opfer-Umkehr sind kaum noch Grenzen gesetzt.</p><p>Pressearbeit wie bisher begleitet also Option 2: jedes Bild sorgt aktuell dafür, die Masken noch schamloser in die Tonne zu kloppen und die Demaskierung noch sichtbarer zu machen. Sie hilft uns aber nicht mehr und bietet keinen Schutz mehr für uns. Dass die Schutzfunktion nicht mehr gegeben ist, sehen wir nicht nur bezogen auf unsere Aktionen, sondern in weitaus drastischerem Maße z.B. auch an den Bildern aus der Westbank. Dort sind internationale Aktivist:innen im Rahmen der Olivenernte vor Ort. Als „Schutzschilde“ sollen sie durch das Sichtbarmachen von Übergriffen für etwas mehr Sicherheit für die Palästinenser:innen sorgen, die sich während der Ernte Angriffen von Siedlern und Armee ausgesetzt sehen. Dieses Jahr ist die Zahl der Angriffe so hoch wie nie und es spielt keine Rolle, ob internationale Aktivist:innen das live streamen. Sie selbst werden ebenfalls attackiert. Die sozialen Medien sind voll mit entsprechenden Videos, Konsequenzen hat das keine, einen Aufschrei habe ich nirgendwo vernommen.</p><p>Die erzeugten Bilder unserer Aktionen, als auch die aus der Westbank sind vielleicht irgendwann in historischen Kontexten einer Post – Kollaps – Gesellschaft und Ethik wieder relevant, sollte es den Post – Kollaps jemals geben. Aktuell führen sie nicht mehr zu einer Veränderung der Realität und haben keinen Einfluss auf das, was eben trotzdem passiert. Auch das solidarische Preppen wird aus verschiedenen Gründen eine veränderte Öffentlichkeitsarbeiten mit sich bringen, allen voran weil wir keine typischen Aktionsbilder liefern können.</p><p>All das berücksichtigend müssen und sollten wir neue oder besser gesagt andere, bisher von uns nicht/kaum genutzte Aktionsformen somit ebenso erlernen, wie eine andere Form der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in diesem Zusammenhang. Die Beispiele, die wir nur zu gerne beschwören, wenn wir über den Erfolg sozialer Bewegungen reden, wenn wir zivilen Ungehorsam rechtfertigen und wenn wir ehrfürchtig auf indigene Kämpfe verweisen, sollten wir endlich in vollem Umfang anerkennen, uns zum Vorbild nehmen und den unrealistischen, von uns eingefügten falschen Filter des unbedingt friedlichen Protestes entfernen.</p><p>Uns wird keine Appeasement – Politik mehr entgegengebracht, somit sollten und müssen auch wir das nicht mehr tun und wir können unsere Hände für uns sprechen lassen, auf vielfältige Art und Weise. </p><p><em>Ein Blick zurück</em></p><p>Hier lassen sich übrigens wieder historische Kontexte aufmachen und ein Blick ins Alte Ägypten ist möglich. Hände waren schon immer einerseits ein Symbol für Handlungen und Taten und gleichzeitig natürlich auch reales „Werkzeug“, um Handlungen und Taten zu vollbringen. Im Rahmen meiner Doktorarbeit zu Folter- und Bestrafungsmethoden und damit verbunden einer meiner letzten Ausgrabungen ehe ich in den Hambi stolperte und seitdem in einer Endlosschleife des R.E.M. – Songs „It’s the end oft he world as we know it“ feststecke, haben wir Sensationelles gefunden.</p><p>12 rechte Hände wurden in einem Palast der Hyksoszeit (ca. 1640-1530 v. Chr.) in Tell el-Dab&#39;a (Avaris) im nordöstlichen Nildelta entdeckt. Sie stammen von 11 männlichen und einer wahrscheinlich weiblichen Person im jungen Erwachsenenalter. Die Untersuchungen zeigen, dass die Hände vermutlich nach dem Tod der Personen abgetrennt und anschließend sauber präpariert und rituell im Vorhof des Thronsaals eines Hyksosherrschers deponiert wurden.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/8fdf52b8-4113-47d7-94c8-dbce08560f66/uploads/images/7e3osrtoiq/Hande.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Foto von einer Ausgrabung 2011 in Tell el-Daba, eine skelettierte Hand, handfläche nach unten, Finger gespreizt"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/8fdf52b8-4113-47d7-94c8-dbce08560f66/uploads/images/dadznwrnhj/csm_orea_bietak_abb11_f941efd0bb.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Bild der Ausgrabung in Tell el-Daba, Übersichtsfoto, Hände und Keramik in einer Grube"/><p>Das Abhacken der rechten Hand ist in vielen Kulturen und zu vielen Zeiten ein Akt der Bestrafung und Machtdemonstration. Es finden sich in Gräbern hoher Militärs oder auf Tempelwänden Darstellungen, in denen dem Pharao die abgeschlagenen Hände der besiegten Feinde präsentiert werden. Es sind stereotype Szenen der Kriegssymbolik, die große Haufen menschlicher Hände zeigen. (Beschreibungen und Übersetzungen finden sich in den Bildbeschreibungen.)</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/8fdf52b8-4113-47d7-94c8-dbce08560f66/uploads/images/ig7g62dgwj/avarishands7selket.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/8fdf52b8-4113-47d7-94c8-dbce08560f66/uploads/images/uhuiexn6ic/haende-ramses-iii.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Totentempel Ramses III., Medinet Habu, Szene des &quot;Hände sammelns, ein Schreiber hält die Anzahl fest"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/8fdf52b8-4113-47d7-94c8-dbce08560f66/uploads/images/7h325ex3co/handinschrift.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Inschrift aus dem Felsengrab des Soldaten Ahmose in El - Kab: &quot;Da macht ich Beute, eine [abgeschlagene] Hand. Man meldete es dem königlichen Berichterstatter. Man gab mir das Gold der Tapferkeit.&quot;"/><p>Bei unseren Ausgrabungen 2011 in der ehemaligen Hyksos-Hauptstadt Tell el-Dab’a ist unser Grabungsteam zum ersten Mal tatsächlich auf 12 abgetrennte rechte Hände gestoßen, verteilt auf drei Gruben im Vorhof des Thronsaals. Die Hände waren mit weit gespreizten Fingern und meist mit der Handfläche nach unten vergraben worden.</p><p>Umfangreiche Untersuchungen im Labor für prähistorische Anthropologie des Deutschen Archäologischen Institutes konnten zeigen, dass die Hände vermutlich nach dem Tod und noch auf dem Schlachtfeld abgehakt wurden. Anschließend hat man sie sauber präpariert und von Resten des Unterarms befreit. Dies erfolgte mir größter Sorgfalt ohne Schäden an den Handknochen selbst zu verursachen. Für die rituelle Bestattung im Palast wurden die Finger weit gespreizt.</p><p>Höchstwahrscheinlich wurden die Hände als Kriegstrophäen im Rahmen einer öffentlichen Zeremonie dem Pharao präsentiert und anschließend vergraben. Da die körperliche Unversehrtheit in der altägyptischen Sicht des Jenseits überlebenswichtig war, fügt die Verstümmelung des Opfers den offensichtlichen Gründen (Beweis für Erfolge auf dem Schlachtfeld, die zu direkter Belohnung führten und der Tötung oder zumindest der Verstümmelung der Feinde, die selbst im Falle des Überlebens nicht mehr in der Lage waren, Waffen zu benutzen) noch eine tiefere Dimension hinzu.</p><p><em>Wohin führt uns das alles?</em></p><p>Ich plädiere nun aber keineswegs dafür, zum Abschlagen von Händen überzugehen 😉.</p><p>Ich führe das an, weil ich einerseits nun mal Ägyptologin bin und es mehr vermisse, als ich in Worte fassen kann (wie bezeichnend 😉). Andererseits zeigen sowohl historische Kontexte als auch das Shakespeare – Zitat ganz deutlich, welche Relevanz tatsächliches Handeln, das Agieren mit Händen besitzt und deshalb sollten auch wir uns das nicht nehmen lassen oder uns selbst verwehren. Das gilt für Klimaaktivismus, wenn wir ihn denn nicht aufgeben wollen, ebenso für Antifaschismus und auch für diejenigen unter uns, die sich der Kollapsbewegung zugehörig fühlen. Für mich war vom Moment an als die Idee eines Kollapscamps im Raum stand, der wesentliche Antrieb der, dass ich mir die Hände schmutzig machen wollte, ich wollte etwas tun, ganz praktisch und das gilt auch weiterhin für alle anderen Formen meiner politischen Arbeit: Klimaaktivismus, queerer Selbstschutz, Antifaschismus.</p><p>Wie genau sich das in den einzelnen Fällen realisieren lässt, muss auch ich noch lernen und ausarbeiten, darauf gibt es nicht die eine und finale Antwort. Aber angesichts der aktuellen sehr dunklen Zeiten ist es das, was mich weiterhin noch motiviert und antreibt und was dafür sorgt, dass ich nach all den Rückschlägen und dem Scheitern weitermache: Hände, sprecht für mich, denn mit Worten stoße ich zunehmend an Grenzen, an meine eigenen, aber auch an die tatsächlichen Grenzen der Machbarkeit, die uns die aktuelle (politische) Realität vorgibt. Und um Grenzen einzureißen, braucht es…genau, Hände, keine Worte.</p><p> </p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Tue, 09 Dec 2025 08:09:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Knast ist Kollaps: Der Entzug aller Freiheit und Individualität]]></title>
      <description><![CDATA[Haft ist genau das – Kollaps durch völligen Kontrollverlust, den Entzug aller Freiheit und Individualität. Er endet nicht mit der Entlassung.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Haft ist genau das – Kollaps durch völligen Kontrollverlust, den Entzug aller Freiheit und Individualität. Das beginnt bei einheitlicher Kleidung, dem Zuweisen einer Nummer und der Tatsache, nicht über den eigenen Tagesablauf bestimmen zu können. Haft bedeutet in 1. Linie Verwahrung und das mit möglichst wenig Aufwand.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/b35a1a99-efe5-4cee-b790-fdabd19b993a/uploads/images/2mthdprnmy/IMG_20251203_165457.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Wenn ich Vorträge zum Thema halte, wenn mich Menschen darauf ansprechen, im Brief - Austausch mit Maja – immer und immer wieder kommen dieselben Fragen: was macht man den ganzen Tag? Wie übersteht man den Tag? Gibt es so etwas wie eine „sinnvolle“ Gestaltung des Tagesablaufs?</p><p>Die ehrlichen, kurzen Antworten: nichts, nicht gut, nein. Es hilft auch nichts, das nicht genauso deutlich zu sagen.</p><p>Knast ist Eintönigkeit, Fremdbestimmung und durchhalten und das ist hart. Meine Idee nach meinem Jahr in einer JVA war es eigentlich, einzelne Texte zu verschiedenen Schwerpunkten zu schreiben, um Infos zu liefern, wie der Alltag aussieht, was Menschen erwartet, wenn sie eine Haftstrafe antreten müssen. Damit bin ich noch nicht sehr weit gekommen, weil es einerseits nicht leicht ist, sich immer wieder damit auseinanderzusetzen, weil es triggert und weil es andererseits so vieles gibt, dass ich gar nicht genau weiß, wo ich anfangen soll, ohne mich wieder hinter Gittern zu verlieren.</p><p><em>Haft endet nicht mit der Entlassung</em></p><p>Ich merke aber auch, dass das Thema an Relevanz gewinnt, weil die Repressionen immer massiver werden und ich bin entsetzt, wie viele Menschen inzwischen Bedarf an Vorträgen und Informationen haben, nicht nur aus reinem Interesse, sondern weil sie wissen, dass sie ganz real mit dieser Situation konfrontiert werden. Deshalb heute also ein weiterer Text zum Thema Haft, der versuchen soll, ein paar Punkte anzureißen und zu verdeutlichen, dass Haft nicht mit der Entlassung endet.</p><p>Das trifft zum einen natürlich auf die psychischen und emotionalen Auswirkungen zu, ohne die niemand aus einer Haft herauskommt und die am Tag der Entlassung nicht mit einer großen Party enden. Das gilt aber zum anderen auch für Dinge, die bewusst darauf ausgelegt sind, Menschen auch nach der Haftzeit noch deutlich zu machen, wer am längeren Hebel sitzt und das es in Zukunft dann doch besser wäre, nach den Regeln zu spielen. Ein solcher Faktor ist die Tatsache, dass die Meldeadresse ganz automatisch von Behördenseite geändert wird. Auch wenn man es schafft, die Wohnung oder das WG – Zimmer zu behalten, erfolgt durch die Justizbehörden die offizielle Ab- und Ummeldung in die JVA beim zuständigen Einwohnermeldeamt. Somit haben alle möglichen Stellen Zugriff auf diese Information oder werden automatisch davon in Kenntnis gesetzt. Es bedeutet für die betroffene Person aber auch, nach der Entlassung ebenfalls den Schritt zur Meldebehörde gehen zu müssen, sich dort persönlich quasi zu outen und sich wieder in der eigenen Wohnung/WG anzumelden mit den entsprechenden Unterlagen, inklusive des Entlassungsscheins.</p><p>Gleiches gilt für die Krankenkasse. Tritt man eine Haftstrafe an, wird man über die JVA krankenversichert, die eigene Mitgliedschaft in einer normalen Krankenkasse ruht und muss nach der Entlassung wieder aktiviert werden. Auch das bedeutet, ich muss nach der Entlassung bei meiner Krankenkasse anrufen und mein Anliegen schildern, mich wieder anmelden. Auf Arbeitsamt und Jobcenter trifft das gleichermaßen zu. Das alles sind Mechanismen der Scham und Schuld und das im öffentlichen Raum. Ebenso zur Verunsicherung trägt es bei, dass man angewiesen wird, den sogenannten Entlassungsschein 6 Wochen nach der erfolgten Entlassung bei sich zu tragen, weil es „eine Weile dauern kann, bis die Information der Entlassung in allen Systemen hinterlegt und angekommen ist“ und man im schlimmsten Fall bei einer Kontrolle der Personalien Alarm auslösen könnte.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/b35a1a99-efe5-4cee-b790-fdabd19b993a/uploads/images/zdqckyjafk/Entlassungsschein.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><em>Supportstrukturen sind überlebenswichtig</em></p><p>Der Kollaps der Haftstrafe selbst zieht sich somit weit über persönliche Verarbeitung des Traumas hinaus in das wiedererlangte Leben in Freiheit. Menschen werden stigmatisiert und es ist niemals möglich, alle Optionen dieser Stigmatisierung über Supportstrukturen abzudecken, egal wie gut diese sind. Ich selbst habe nach einem Jahr in Haft rückblickend beinahe ein weiteres Jahr gebraucht, um wieder zu mir selbst zu finden, wieder in Strukturen angekommen zu sein und mich wieder aktiv an politischer Arbeit zu beteiligen. Das lag nicht an den Menschen und Strukturen, im Gegenteil! Es lag an mir und den Folgen von einem Jahr erzwungener Vollbremsung, die langfristige Konsequenzen hat. Ich habe mich nach einem Jahr gezwungen und bin zum System Change Camp gefahren und das war der Moment, der mich eigentlich erst wirklich aus dem Knast geholt hat. Die Entlassung selbst hat das nicht getan. Der Moment, wenn man plötzlich wieder vor den Mauern steht und die Tore sich hinter einem schließen, war ebenso surreal wie der Moment der Inhaftierung selbst: unwirklich und still. Was ich gelernt habe aus dieser Kollapserfahrung ist etwas, das mich jetzt, 3 Jahre später, Teil der Kollapsbewegung hat werden lassen und das Anteil daran hat, dass ich solidarisches Preppen für extrem wichtig halte. Netzwerke, Strukturen und persönliche Beziehungen sind entscheidend. Sie können den Kollaps nicht zwingend verhindern und im Kollaps gibt es Phasen, in denen diese Netzwerke und Beziehungen unterschiedlich gut helfen können, aber das sie helfen, steht außer Frage. Je breiter und vielfältiger diese Netzwerke sind, in die wir eingebunden sind, je mehr Beziehungen wir zu Menschen pflegen, die alle ganz unterschiedliche Dinge zu einem Netzwerk beisteuern, desto besser.</p><p>Knast ist Kollaps auf vielen Ebenen: Ernährung, Bewegungsfreiheit, Kontaktoptionen, ärztliche Versorgung, Verfügbarkeit von benötigten Medikamenten sind die, die am offensichtlichsten sind. Ebenso gravierend ist es, nicht mehr das tragen zu können, worin man sich wohlfühlt, Nähe zu Menschen aufgezwungen zu bekommen, mit denen man nicht zusammen sein will, keinen Rückzugsort zu haben vor Lautstärke und Konflikten, keinerlei Privatsphäre. Knast ist Dauerkonfrontation mit multiplen Kollapsszenarien.</p><p>Welche Netzwerke und Beziehungen helfen in einem solchen Fall? Alle! Der Anwalt, die Rote Hilfe, die Menschen, die Briefe schreiben (und Verständnis dafür haben, dass Antworten manchmal dauern und nicht so einfach sind), diejenigen, die Pflanzen in der Wohnung gießen, die ihre Adresse und ihr Telefon zur Verfügung stellen, um Gruppentelefonate zu ermöglichen, ohne dass alle ihre Daten preisgeben müssen, aber auch die, die nach Angehörigen und engen Bezugspersonen schauen. </p><p><em>Kollaps hat unterschiedlichen Phasen</em></p><p>Wichtig ist und das haben wir im Rahmen des Kollapscamps auch von Betroffenen anderer Kollapsszenarien oft gehört: mit dem Ende des einzelnen Kollapsereignisses endet der Kollaps nicht. So wie das auf den Zeitpunkt der Haftentlassung zutrifft, gilt das ebenfalls für Betroffene von z.B. Flutkatastrophen. Auch wenn das Wasser weg und das Haus leer gepumpt ist, sind die Menschen weiterhin mit dem Kollaps konfrontiert und es benötigt dann andere Elemente aus einem solidarischen Netzwerk als während der Überflutung selbst.</p><p>Deshalb ist das Feld des solidarischen Preppens auch ein extrem breites, welches für beinahe alles Raum bietet und kaum etwas ausschließt. Aus diesem Grund ist es in unser aller Interesse, dass es viele verschiedene Kollapscamps gibt, die unterschiedliche Schwerpunkte setzen und das Thema aus wechselnden Blickwinkeln in Angriff nehmen. Im Prinzip gibt es beim aktuellen Status einer sich findenden Kollapsbewegung und der Realität, samt ihrer großen und kleinen Katastrophen nur einen Fehler: nichts tun und stehen bleiben, sich verlieren in Strategie- und Begriffsdiskussionen und erst anfangen wollen, wenn alles zu 1000% perfekt ist. Diesen Punkt werden wir niemals erreichen, aber mit dem Warten darauf, verlieren wir wertvolle Zeit. Befassen wir uns mit solidarischem Preppen gibt es je nach Zeithorizont unendlich viele Möglichkeiten der Vorbereitung und dadurch viele Optionen, Einfluss auf die Schwere eines Kollapsszenarios bzw. auf dessen Konsequenzen für unseren Alltag zu nehmen. Man kann sich auf einen Katastrophenfall vorbereiten, um dirket und kurzfristig handlungsfähig im Akutfall zu sein und man kann sich auf die Zeit danach vorbereiten, die ganz andere und langfristige Herausforderungen mit sich bringt.</p><p><em>Knasttraining ist solidarisches Preppen</em></p><p>Um den Bogen zum Ausgangspunkt des Textes wieder zu schlagen: Knast ist ein Kollaps, der leider immer mehr Menschen droht und wir müssen ehrlich sein und sagen, dass die “legal trainings”, die in aktivistischen Kontexten schon lange Standard sind, nicht immer allen Schutz gewähren und dies verhindern können. Dazu dreht sich die Repressionsspirale in zu absurde Höhen und dazu greifen völlig überzogene Repressionen auch an immer früheren Punkten. Was daraus folgt und somit auch Teil des solidarischen Preppens wird, ist die Notwendigkeit, sich auf Knast so gut es eben möglich ist, vorzubereiten. Es gibt erste Schritte in diese Richtung, es werden Vorträge und workshops angeboten, aber auch intensivere Trainings, die Teilnehmer:innen mit bestimmten Szenarien konfrontieren, die manchmal auch Angehörige und Freund:innen einbeziehen, ebenso wie Psycholog:innen und Anwält:innen. Gerade für Menschen, die sich an Aktionen und Protesten beteiligen, die sich antifaschistisch engagieren, wachsen die Risiken und wir alle sollten deshalb das persönliche Kollapsszenario einer Haftstrafe bewusst mitdenken.</p><p> </p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 03 Dec 2025 18:12:54 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Hieroglyphen und Monumente für die Kollapsbewegung]]></title>
      <description><![CDATA[Ohne Sichtbarkeit funktioniert weder die Erzählung von Macht noch die von Ereignissen und das ist eine Erkenntnis, die sehr früh existierte & entsprechend benutzt wurde.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Als ich vor kurzem in Paris war und zwischen Konzert 1 und Anstellen für Konzert 2 mit Archäolog:innen – Blick einfach mal durch die Stadt gelaufen bin, ist mir wieder extrem bewusst geworden, wie beeindruckend Machtsymbole bis heute noch in Szene gesetzt sind und was das mit mir als Betrachter:in macht. Pure Größe, die Architektur selbst und strategisch kluge Positionierung, die auch bei späteren Bau- und Wachstumsphasen der Stadt berücksichtigt wurde, vermitteln noch heute ein Gefühl von Größe, Stärke, Macht und Erfolg. Es wird noch Jahrhunderte, manchmal Jahrtausende später eine Geschichte erzählt, die bis heute greifbar ist und nach wie vor ihre Wirkung auf die Betrachter:in nicht verfehlt. Das gilt für viele Städte und selbst wenn von gewissen Orten nur noch Ruinen in Ausgrabungsstätten übrig sind, wird das spürbar. Paris kann etwas besonders gut: Sichtachsen, wahnsinnig beeindruckende Sichtachsen durch breite Straßen, teilweise beinahe Stonehenge -esque Züge durch die auf- oder untergehende Sonne.</p><p>Ohne Sichtbarkeit funktioniert weder die Erzählung von Macht noch die von Ereignissen und das ist eine Erkenntnis, die sehr früh existierte und entsprechend benutzt wurde. Die Macht von Erzählungen und Bauwerken geht dabei weit über „die Geschichte wird vom Sieger gemacht“ hinaus. Das stimmt natürlich, aber bereits weit vor Kämpfen mit Siegern und Verlierern, werden Orte und Schrift benutzt, um Wege zu Siegen und Machtstellungen zu ebnen.</p><p><em>Hieroglyphen und ihre Wirkung und Funktion</em></p><p>Die Hieroglyphen waren ursprünglich keine schriftliche Umsetzung von Sprache im eigentlichen Sinne. Hieroglyphen sind ein bildhaftes Schriftsystem, dazu gedacht mit Werkzeugen in Stein gehauen zu werden, um auf Monumenten weithin sichtbar zu sein – als Kommunikation mit den Göttern, aufgeladen mit magischer und ritueller Macht, als Hymnen auf Taten der Pharaonen und anderer Personen mit hohem Status und Amt und als Abschreckung für Feinde, die sich pharaonischem Herrschaftsgebiet näherten. Monumente mit Hieroglyphen schufen Mythen, die ihren Teil zur Macht und der bis heute anhaltenden Faszination dieser Hochkultur beigetragen haben und sie tun es noch heute, auch wenn man eine derjenigen ist, die sie lesen können und damit immer wieder Menschen in Erstaunen versetzt. Sie tun es noch heute, wenn man Teil einer Ausgrabung ist und plötzlich im Sand Schriftzeichen erkennt und das ganze Team über Tage elektrisiert ist, um endlich zu sehen, was da im Sand verborgen liegt.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/541dba4a-7c2e-4d3c-ac99-0487165497bd/uploads/images/uxndejtjvf/P4140093.JPG?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Grabung Tell Basta, Herbst 2013"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/541dba4a-7c2e-4d3c-ac99-0487165497bd/uploads/images/nzboxlxjjg/P4140102.JPG?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/541dba4a-7c2e-4d3c-ac99-0487165497bd/uploads/images/ottfpmotst/DSCF2876.JPG?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Ramses II. flankiert von 2 Gau - Göttern, Tell Basta, Herbst 2013"/><p>Schrift und Monumente sorgen aber nicht nur dafür, dass die Geschichte einer Hochkultur erzählt wird, sie sind oft auch Teil des Entstehens einer Hochkultur, weil durch Schrift und Monumente Mythen und Geschichte geschaffen werden, die gerade zu Beginn größer sind als der eigentliche tatsächliche Status einer aufstrebenden Macht und im weiteren Verlauf dann unentbehrlich für den Machterhalt werden. Erst mit wachsendem Einfluss, Territorium und Macht wurde Schrift für andere Dinge benutzt und benötigt – für die Verwaltung, den Handel, Kommunikation mit anderen Herrschern usw. und dann entwickelten sich mit dem Hieratischen und später dem Demotischen sozusagen alltagstaugliche Schriften aus Vereinfachungen der in Stein gemeißelten Hieroglyphen, die weiterhin für die oben genannten und eigentlich implizierten Zwecke verwendet wurden. Es ist ebenso bezeichnend, dass ein wesentlicher Faktor, der hilft den Zeitpunkt festzumachen, an dem das Alte Ägypten seinen Zenit überschritten hatte, ebenfalls wieder die Hieroglyphen sind. Als eine Schrift, die immer schon Eliten, Herrschern, Priestern und hohen Beamten vorbehalten war, ist in später Zeit deutlich sichtbar, dass immer weniger Menschen innerhalb der Eliten in der Lage waren, Hieroglyphen zu lesen und zu schreiben. Es gibt immer mehr der sogenannten Scheinhieroglyphen, die keinerlei Sinn ergeben und nur noch optisch Hieroglyphen darstellen. Das sie trotzdem benutzt wurden, ebenfalls weiterhin auf Monumenten und Gräbern in großer Zahl verwendet wurden, macht deutlich, wie wichtig die bloße Sichtbarkeit ist: allein der optische Eindruck dieser Zeichen reicht aus, um sie und diejenigen, die sie nutzen, mächtig und wirkungsvoll erscheinen zu lassen – mein Grab ist geschützt, Feinde werden eingeschüchtert durch den Anblick der Symbole. Sichtbarkeit war relevanter als Inhalt.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/541dba4a-7c2e-4d3c-ac99-0487165497bd/uploads/images/r3ftq3rgqv/Unbekannt_-_Hieratic_Egyptian_script_from_the_Book_of_the_Dead_-_(MeisterDrucke-1207443).jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Hieratischer Text auf Papyrus"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/541dba4a-7c2e-4d3c-ac99-0487165497bd/uploads/images/5uxfoa72n6/demotisch.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="demotischer Text auf Papyrus"/><p><em>Was hat das mit der Kollapsbewegung zu tun?</em></p><p>Ehe jetzt die Ägyptologin mit mir durchgeht und ich diesen Text ins Demotische übersetze oder in Stein meißele, hier mein eigentlicher Punkt: Wir, als sich findende Kollapsbewegung, sind darauf angewiesen, sichtbar zu sein. Wir können keine Städte bauen, Monumente und Denkmäler errichten oder eine neue Sprache/Schrift erfinden, aber wir müssen uns zur Verfügung stehende Mittel nutzen, um wahrgenommen zu werden und uns gerade jetzt in der Aufbau- und Findungsphase größer und relevanter zu machen, als wir das aktuell sind 😉Warum? Nun, weil wir uns ja alle in Bewegungen organisieren, um etwas zu erreichen und zu verändern – je mehr Menschen, desto besser die Chancen und größer die potenziell möglichen Veränderungen. Wir wollen Narrative setzen, Diskurse mitgestalten, Gelder aus Fördertöpfen für Projekte erhalten, im Gespräch bleiben, wahrgenommen werden. All das bedarf Sichtbarkeit. Wie sorgen wir dafür, dass wir gesehen werden? Das diesjährige Kollapscamp ist bisher der sichtbare und physisch greifbare Ort, der für die größte Sichtbarkeit gesorgt hat, als 1. großer und nach außen wirkender Kumulationspunkt, der von vielen als Start einer Bewegung interpretiert wurde und wird. Es gab und gibt Kollapscafes und einzelne workshops, deren Außenwirkung aber bei weitem nicht so groß war, wie die des Camps. Und genau dafür war das Kollapscamp auch gedacht – Startschuss und Impulsgeber für eine eventuell entstehende Bewegung, Tür- und Raumöffner im strategischen Feld linker, zivilgesellschaftlicher Organisierung. Bis zum nächsten Camp, das 2026 eventuell kommt und ein bis zwei anderen Projekten, an denen u.a. ich gerade mitarbeite, dauert es aber noch eine Weile und in dieser Zeit ist deshalb eine weitere wichtige Aufgabe, die vor uns liegt, die Sichtbarkeit der Kollapsbewegung aufrechtzuerhalten. </p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/541dba4a-7c2e-4d3c-ac99-0487165497bd/uploads/images/jskug3g34o/IMG20250826140538.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Aufbau Kollapscamp, Hinweisschilder, Wegweiser"/><p><em>Wie schaffen wir Sichtbarkeit?</em></p><p>In diesem Sinne müssen wir uns Gedanken machen, wie das möglich ist und welche Mittel uns zur Verfügung stehen. Es gibt Blogs wie meinen und den von Tadzio Müller, es gibt immer noch Anfragen für Interviews im Nachgang des Kollapscamps, es gibt Veranstaltungen, an denen immer wieder auch Menschen aus der Kollapsbewegung teilnehmen, es gibt viele sehr gute Gespräche oft auch in internationalen Kontexten, die zu Projekten und Zusammenarbeiten führen und die ich aktuell immer als sehr bereichernd und empowernd empfinde. Aber – um mit der Ägyptologie und Archäologie zu sprechen – es braucht auch Hieroglyphen und Monumente, umso mehr, wenn wir nicht nur im Gespräch bleiben wollen, sondern als relevant, spannend und im besten Sinne anziehend wahrgenommen werden wollen, was uns die Arbeit im besten Falle erleichtern kann. Damit uns ein Ruf vorauseilt, brauchen wir Sichtbarkeit und Geschichten.</p><p>Dieser Text ist somit eine Einladung, eure Geschichten sichtbar zu machen und eure Projekte vorzustellen. Wir haben im Zuge der Programmarbeit für das diesjährige Kollapscamp überraschend positive Erfahrungen gemacht. Es gibt mehr Projekte, die im Kleinen bereits das tun, was wir uns von Anfang an für eine Kollapsbewegung ausgemalt haben, als wir erwartet haben. Es gibt ganz viele Menschen, die im Prinzip nur darauf gewartet haben, endlich angesprochen und gefragt zu werden, um durch ihr Wissen und ihre Fähigkeiten dann ganz wesentlich zum Erfolg des Kollapscamps beizutragen. Diese Projekte und Menschen decken ganz unterschiedliche Bereiche ab und es sind oft Erfolgsgeschichten, die kaum jemand kennt, weil Sichtbarkeit fehlt, weil die einzelne Geschichte nicht erzählt wird und viele Einzelgeschichten nicht Teil der großen Geschichte einer Kollapsbewegung sind. Das zu ändern, ist ein Teil der Arbeit und Aufgabe für uns alle. </p><p><em>Von der Klimabewegung lernen</em></p><p>Hier lässt sich auch von der Klimabewegung lernen. Wir haben dort erlebt und gezeigt, wie wichtig Sichtbarkeit und tatsächliche Orte sind, um das Bild zu gestalten, welches wir nach außen transportieren, um unsere Utopien erlebbar und vermittelbar zu machen: geldfreie Räume, hierarchiearme Orte, Zusammenleben in Gemeinschaften jenseits von Familie und binären Vorstellungen etc. Im Hambacher Forst, dem Danni und in Lützerath konnten wir das einerseits selbst erleben, viel lernen und mitnehmen für die nächsten Kämpfe, aber – und das ist mindestens so wichtig – auch Menschen außerhalb unserer Strukturen hatten dazu die Chance und dadurch ist ganz viel Positives passiert. Waldspaziergänge wurden zu Zeiten der Hambi – Besetzung etabliert, um Anwohner:innen und Besucher:innen einzubinden, Ängste und Vorurteile abzubauen und sie mit dieser Geschichte, dem Erlebten wieder in „ihre Blase“ zu schicken, um dort weiterzuwirken. Unter anderem das Fehlen solcher Orte (Monumente) ist aktuell ein Problem für die Klimabewegung, weil es dann schwerer ist, Geschichten zu erzählen. Und es ist ein Grund, warum gerade richtig viel Vorfreude zu spüren ist, wenn Ende Gelände eine Massenaktion für 2026 ankündigt. Massenaktionen und Bilder erzählen Geschichten nach innen und nach außen. Wir brauchen diese, weil es uns ein gutes Gefühl gibt und weil wir dadurch Hieroglyphen in Monumente meißeln, die eine Botschaft nach außen transportieren. Meine und Tadzios Kritikpunkte lasse ich jetzt aus, weil es diesem Text hier um etwas anderes geht.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/541dba4a-7c2e-4d3c-ac99-0487165497bd/uploads/images/q575ecxyrq/DSC00211.JPG?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Baumhausdorf Oak Town Hambi, 2019"/><p>Ich werde deshalb weiterhin über die Kollapsbewegung reden, über Ideen und Projekte für 2026, über solidarisches Preppen, kritische Fragen stellen usw. – nicht, weil meine Sichtbarkeit der relevante Punkt ist, sondern die einer entstehenden Bewegung, die momentan keinen „großen Ort“ hat, sondern nur viele kleine und vereinzelte. Wenn wir die Zeit bis zum nächsten Camp und den anderen Projekten nutzen, um als Bewegung sichtbar zu bleiben und es in der ganzen Breite überhaupt erstmal zu werden, ist das wesentlicher Teil einer Erfolgsgeschichte, die wir sicher alle gerne mitschreiben möchten.</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Tue, 25 Nov 2025 15:48:25 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Kollapsbewegung – was nun? Fragen ohne Antworten…]]></title>
      <description><![CDATA[Was, wenn die Katastrophe zum Dauerzustand wird und wir mit Handlungsunfähigkeit aufgrund eines ethischen und moralischen Dilemmas konfrontiert werden? ]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Kollapsbewegung – was nun? Fragen, auf die wir noch keine Antwort haben, aber finden müssen</h1><p>Es gibt sie jetzt, „die Kollapsbewegung“, die sich selbst noch nicht vollständig definieren und alle Fragen beantworten kann. Im Nachgang des Kollapscamps hatte ich viele Gespräche mit ganz unterschiedlichen Menschen und Intentionen rund um’s Camp, die nächsten Schritte und den Begriff der Kollapsbewegung ganz grundsätzlich. Das war und ist spannend, denn es zeigt einerseits die Dynamik, die in diesem Thema steckt und das wir zur richtigen Zeit mit dem richtigen Thema und einem guten Angebot richtig erfolgreich um die Ecke gekommen sind. Andererseits liegen jetzt ganz viele Möglichkeiten (und Aufgaben) vor uns, aktiv zu werden und diese sich gerade findende Bewegung auszugestalten, was für mich einer der ausschlaggebenden Punkte war, mich auf Kollaps und Kollapsbewegung einzulassen und dieses Feld zu einem der beiden Schwerpunkte meiner politischen Arbeit zu machen: shut shit down and get shit done!</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/03594e1b-a4a7-4e1e-9ce1-688e18f4747c/uploads/images/26ktg3yrfw/w-fragen-grafik-heise-regioconcept.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="post-its in verschiedenen Farben mit W - Fragen auf weißem Hintergrund"/><p><em>offene Fragen</em></p><p>Viele der angesprochenen Gespräche enden mit Fragen, auf die es noch keine Antwort gibt und noch nicht geben kann, weil die Kollapsbewegung dazu noch viel zu jung und zu klein ist. Es gibt keinen riesigen theoretischen Überbau, der es ermöglicht, sich in Interpretationen, Diskussionen und Auslegungen diverser Strategien zu verlieren und es gibt noch keine Daten, die es benötigt, um auf die ein oder andere Frage konkret und fundiert antworten zu können. Mir drängt sich dabei ganz besonders die Verteilungsfrage auf, auf die ich gleich noch ausführlicher eingehen werde. Ebenso spannend und unbeantwortet ist bis jetzt aber auch die nach dem Faktor Zeit, die mir am Dienstag (u.a. deshalb kommt der Blogtext auch zu spät) im Rahmen von <a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/about">Tadzio Müllers</a> Diskussion mit Uli Brand <a href="https://www.oekom.de/buch/kapitalismus-am-limit-9783987260650">(Kapitalismus am Limit)</a> in Jena und dem anschließenden Abendessen bewusst gestellt wurde. Bisher zeigt sich, dass Menschen in Katastrophensituationen zusammenrücken und in der Regel glücklicherweise einander helfen. Die Flutkatastrophen in Valencia und dem Ahrtal können da als aktuelle Beispiele genannt werden, ebenso die Organisierungen, die in amerikanischen Städten entstehen, in denen ICE wütet und wo sehr kreative Mittel und Wege gefunden werden, um Gemeinschaften zu schützen.</p><p><em>Wenn die Katastrophe Dauerzustand wird</em></p><p>Diese positiven Erfahrungen, die nach Katastrophen zu beobachten und auch empirisch zu belegen sind, sind natürlich ein wesentlicher Antrieb für uns alle, die wir uns mit solidarischem Preppen befassen. Wir gehen von der Grundannahme aus, dass Beziehungen und Netzwerke uns besser schützen und durch diverse Kollapsszenarien helfen als Vorräte, weil Menschen in Notfällen solidarisch agieren und sich gegenseitig unterstützen. Deshalb fangen wir an unterschiedlichen Ecken momentan an, Mittel und Wege zu finden, um genau das in die Tat umsetzen zu können: den Aufbau handlungsfähiger, solidarischer Strukturen, konkrete praktische Arbeit, die vielen helfen kann. Wir können aber die Frage nach dem Faktor Zeit nicht beantworten: wie lange hält diese Solidarität an? Was passiert, wenn im Kollaps die Katastrophe auf ganz unterschiedliche große und kleine Arten zum Dauerzustand wird?</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/03594e1b-a4a7-4e1e-9ce1-688e18f4747c/uploads/images/5z32lwpdwi/parts-257161_1920-1024x768.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Ortsschild, gelb, in schwarzer Schrift steht im oberen Teil &quot;share&quot;, im unteren &quot;not to share&quot; mit einem roten Strich diagonal durchgestrichen"/><p>Wird oder ehrlicherweise <em>wann</em> wird der Punkt kommen, an dem aus Solidarität dann eben doch wieder Konkurrenzkampf wird und was dann? Ganz zentral in diesem Zusammenhang wird die Verteilungsfrage, die mich schon lange beschäftigt, weil sie eine wesentliche Frage (nicht nur) für die Kollapsbewegung werden wird und weil ich weiß, dass wir sie momentan weder beantworten können noch wollen, denn das bedeutet, dass wir uns aktiv damit auseinandersetzen müssen, was kein einfaches Unterfangen ist. Verteilungsfragen sind schon jetzt überall präsent: Wohnraum, Arzttermine, Medikamente und das bereits sprichwörtliche Klopapier zu Pandemiezeiten. Krankenhäuser beschäftigen sich nicht erst seit Corona mit dem Thema der Triage, der Einteilung der Verletzten (bei einer Katastrophe) nach der Schwere der Verletzungen.</p><p><em>Wie vermeiden wir Handlungsunfähigkeit?</em></p><p>Im fortschreitenden Kollaps werden Verteilungsfragen in Zahl und Dringlichkeit zunehmen und Verteilungskämpfe werden nicht ausbleiben. Das gilt im Kleinen und mit Blick auf Einzelpersonen, das gilt aber ebenso im großen Kontext von häufiger auftretenden Katastrophenszenarien und der Machtübernahme der Nazis. Wir müssen uns mit dieser Frage ernsthaft auseinandersetzen, denn wir als Linke, Linksradikale und Linksextreme stehen vor einem Dilemma von Ethik &amp; Moral angesichts von Verteilungsfragen, auch und verstärkt im Kollaps. Wir wissen das, genau deshalb führen wir keine ernsthaften und ehrlichen Diskussionen zum Thema. Faschismus macht es den Menschen in dieser Beziehung sehr viel leichter, da Ethik und Moral von Anfang an nicht im Wege stehen, sondern sozusagen per Definition keine Rolle spielen. Wir Linke haben diesen „Luxus“ nicht und sind gezwungen in die entsprechende Auseinandersetzung mit uns selbst und miteinander zu gehen. Wenn Utopien der Kollapsbewegung nicht scheitern sollen, wenn solidarisches Preppen nicht zu früh an seinen Grenzen zerbrechen soll, müssen wir u.a. Antworten finden auf dieses Dilemma. Gelingt uns das nicht, werden wir keinen Umgang finden mit der Handlungsunfähigkeit, mit der wir durch ethische und moralische Fragen konfrontiert werden.</p><p>Denn nichts anderes als Handlungsunfähigkeit droht, wenn wir uns in Utopien flüchten und unangenehme Fragen verdrängen und unbeantwortet lassen. Gibt es im Falle von Kollaps so etwas wie falsche oder falsch verstandene Ethik und Moral? Wo enden Ethik und Moral im solidarischen Umgang mit Kollaps, wo beginnt die Lösung von Verteilungsfragen und wo der entsprechende Kampf? Mit welchen Mitteln wollen, müssen und dürfen wir diesen führen? Wo liegen Grenzen von solidarischer Krisenvorsoge und solidarischem Handeln im Katastrophenfall? Welche Kompromisse sind wir bereit einzugehen und welche nicht?</p><p>Ich habe darauf keine Antworten und ich weiß, dass das Finden solcher schwer und unbequem wird. Ich weiß auch, dass wir noch etwas Zeit haben, um diese Antworten zu finden, weil wir nach wie vor in einer sehr privilegierten Position sind. Es gibt aber Regionen und Menschen, die diese Privilegien schon lange nicht mehr haben, teilweise nie hatten und es gehört zur Ehrlichkeit auch dazu anzuerkennen, dass wir, um diese Menschen zu finden, inzwischen immer häufiger auch nur noch wenig über unseren eigenen Tellerrand hinausschauen müssen. Je besser wir das Ziel des solidarischen Preppens erreichen, je mehr handlungsfähige Netzwerke und Strukturen es also gibt, desto mehr Zeit können wir uns „erkaufen“, um uns diesen Fragen in aller Konsequenz zu stellen, ehe Antworten da sein müssen. Auch deshalb muss meine Ecke der Kollapsbewegung eine sein, die jetzt ins Handeln kommt und dabei ganz praktisch agiert, statt sich im Ringen um theoretische Überbauten und Begriffsdefinitionen zu verlieren.</p><p><em>Funktionieren Utopien als Dauerzustand?</em></p><p>Was machen wir mit dem Nazi von nebenan, dem Typen in der Nachbarschaft, der seine Freundin schlägt und demjenigen, die mir als queerer Person heute nicht mal die Frage nach Uhrzeit beantwortet, übermorgen aber eventuell meine Hilfe braucht?</p><p>Die Kollapsbewegung wie so viele andere, die sich im linken Spektrum verorten und die für das „gute Leben für alle“ kämpfen, arbeitet immer mit Utopien – einer neuen und besseren Form von Zusammenleben, die sich erfolgreich außerhalb kapitalistischer, rassistischer und faschistischer Zwänge behaupten können. Temporär gelingt es, einzelne Orte in gelebte Utopien zu verwandeln – der Hambi, Danni, Lützerath, Klima- und Aktionscamps sind Beispiele dafür, jedoch zeitlich und räumlich sehr eng begrenzt und das ist meiner Meinung nach auch der Grund, warum es funktioniert hat. Werden diese Utopien zum Dauerzustand, werden sie somit mit einem Alltag im Kollaps und mit mehr Menschen konfrontiert als es Infrastruktur etc. zulassen, stehen sie vor den oben bereits aufgeführten Fragen der Verteilung und diese können sie bisher nicht lösen, mussten sie auch noch nicht. Die sowohl von <a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/f2a94a1b-96bd-4dba-b83e-58073fec013e">Tadzio Müller</a> als auch von <a href="https://steady.page/de/disrupt/posts/27bca2f1-f5ff-4e3e-a81d-165ade651835">mir</a> in einem unserer Blogbeiträge angerissene Frage nach der Exklusion in linken Strukturen bewegte sich bereits in diese Richtung. Doch im Ernstfall stellt sich die Frage eben nicht nur, wenn es um Zugang zu unseren Strukturen und Veranstaltungen geht. Sie stellt sich, wenn es um die Verteilung von begrenzten Ressourcen im wortwörtlichen Notfall geht. Wer wird von der SoLaWi versorgt, wer bekommt einen Platz in einem Hitzeschutzraum, wessen Keller wird zuerst ausgepumpt, welcher CSD kann geschützt werden und wen versorgen wir mit der Gemeinschaftssolaranlage? An Ressourcenknappheit wird auch solidarisches Preppen und Kollapsbewegung nichts ändern (können), im besten Fall haben wir einen gewissen Einfluss darauf, wann sie spürbar und dadurch zum Problem wird und uns eine Antwort auf die verdrängte Frage abverlangt.</p><p><em>Kollapsakzeptanz ist erst der Anfang</em></p><p>Es gibt bereits einige zaghafte Diskussionen rund um das Thema, aber diese flüchten sich in Utopien und weigern sich geradezu, bis zum Ende zu denken. Sie setzen u.a. an bei Verwaltungsakten wie Mitgliedschaften bei SoLaWis, der nötigen Größe einer SoLaWi, der Beteiligung an Entscheidungsprozessen zu Fragen der Verteilung und der Hoffnung, einfach indigenes Wissen bei uns anzuwenden.</p><p>Was dabei unter anderem völlig außen vor bleibt:</p><p>1.       Es gibt keine auch nur ansatzweise ausreichenden solidarischen Landwirtschaftsprojekte.</p><p>2.       SoLaWi und dann? Was ist mit Verarbeitung und Transport und entsprechenden Strukturen, Räumen, Maschinen, Fachleuten?</p><p>3.       Was ist mit allem, was außer Gemüse noch benötigt wird, und das meine ich nicht nur bezogen auf Ernährung?</p><p>4.       Was ist mit Schutz und Verteidigung, spätestens dann, wenn die Frage nach der Verteilung gar nicht mehr (verbal) gestellt wird, geschweige denn die demokratisch errungenen Antworten noch irgendwen interessieren?</p><p>Was ich damit sagen will, ist Folgendes: Solidarisches Preppen ist keine Wunderwaffe und wir werden damit an Grenzen stoßen, die vermutlich auch früher erreicht sind, als wir uns das selbst eingestehen wollen. Aber wir müssen uns diesen Fragen und Herausforderungen ehrlich stellen und wir müssen zügig anfangen, Dinge in die Hand zu nehmen und zu machen, statt uns in theoretischen Diskussionen zu verlieren. Es bringt nichts, über Verwaltungsakte zu reden, wenn es noch nichts gibt, was verwaltet werden kann. Es bringt gleichermaßen nichts, sich utopisch auf indigenes Wissen als Heilsbringer zu fokussieren, wenn die Umstände, denen wir gegenüberstehen, nicht mit der Situation von indigenen Menschen zu vergleichen sind und in vielen Dingen auch niemals vergleichbar sein werden. Es ist ebenfalls in letzter Konsequenz Verdrängung und Selbsttäuschung, nicht über Schutz und Verteidigung reden zu wollen aus einem linken Pazifismus heraus, der einfach schon immer einer war, den sich nur privilegierte Menschen in einer gewissen Arroganz leisten konnten. Indigene Menschen nach ihrem know-how zu fragen und dabei nicht anzuerkennen, dass dieses know-how oft auch bewaffnete Strukturen und Militanz beinhaltet, ist genau diese Verdrängung, Arroganz und Inkonsequenz, die nicht zu Lösungen führt.</p><p>Dieser Text soll keinesfalls pessimistisch sein oder von der dunkelsten aller Optionen ausgehen, im Gegenteil. Er soll 2 Dinge zeigen: Kollapsakzeptanz ist wichtig, aber keineswegs das Ende der Arbeit und diese Arbeit wird nicht unbedingt leichter, nur weil wir Realitäten akzeptieren und von (einer Form) falscher Hoffnung losgekommen sind. Er soll außerdem klar machen, dass es im Umgang mit all den verschiedenen potenziellen Kollapsszenarien einiges zu tun und zu bedenken gibt und Zeit dabei auf ganz unterschiedliche Art ein entscheidender Faktor ist. Mit dem Kollapsbewußtsein fängt die Arbeit also erst an. Damit wir diese erfolgreich in Angriff nehmen können, ist es in unserem Kontext aber umso notwendiger mit realistischen Annahmen, Zielen und Plänen zu agieren. Verdrängung, Verweigerung und Utopien führen mit Blick auf Kollapsszenarien nicht nur zu enttäuschten Hoffnungen, aus der die nächste Dosis Hopium wieder heraushilft. Am Ende von Verdrängung &amp; Co. können hier unmittelbar Konsequenzen und Fakten warten, die nicht mehr zu ändern oder zu ignorieren sind.</p><p>Je weiter wir mit solidarischem Preppen kommen wollen, desto früher muss meiner Meinung nach die praktische Umsetzung beginnen. Das gilt umso mehr, weil wir selbstverständlich auch mit Ideen und Umsetzungen scheitern werden - try, error, try again, darum werden wir nicht herumkommen. Anpacken ist für mich also das „Gebot der Stunde“ - in der Breite, um schnell möglichst viele Menschen zu erreichen, gleichzeitig aber auch konsequent zugespitzt auf zunächst wenige, die Wissen und Fähigkeiten erlernen, um handeln zu können und anderen ihr Wissen weiterzugeben.</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sat, 22 Nov 2025 08:45:22 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Kollaps ist ein wiederkehrender Aspekt in der Geschichte]]></title>
      <description><![CDATA[Dominostein nach Dominostein einer stabilen Gesellschaft fällt, so dass Hochkulturen stürzen, Imperien fallen und das nicht nur lokal und zeitlich eng begrenzt.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Als Ägyptologin war ich einer der glücklichsten Menschen überhaupt – lebe Deinen Traum, war genau das, was ich hinbekommen hatte. Dann kam aber alles anders und Ägyptologie, erst recht, um den Lebensunterhalt damit zu verdienen, ist so unerreichbar wie die 1,5° - Grenze. Trotzdem kann das Wissen aus mehreren Jahren Studium und Ausgrabungen hilfreich sein, um zu versuchen, Kollaps und dessen Konsequenzen zu veranschaulichen. Vielen ist inzwischen klar, dass zu vieles in falsche Richtungen läuft, es entsteht gerade eine Kollapsbewegung, bei der ich speziell den Aspekt des solidarischen Preppens im Sinne von Netzwerk- und Strukturaufbau wesentlich finde. Gleichzeitig erreichen die Verdrängung und der Abwehrkampf gegen die Realität täglich neue absurde Höhepunkte und auch bei denen, die verstanden haben, dass einiges bereits kollabiert, habe ich immer wieder den Eindruck, dass die Ausmaße dessen noch nicht angekommen sind bzw. auch hier eine Verdrängung einsetzt.</p><p><em>Das Alte Reich und sein Ende als Folge von Dürren und ihren multiplen Konsequenzen</em></p><p>In diesem Zusammenhang ist mir immer wieder eines der beeindruckendsten Reliefs eingefallen, die die Zeit überdauert haben. Am Aufweg zur Pyramide von Unas in Saqqara, einem Pharao des Alten Reiches, wurde ein Relief gefunden, das hungernde, ausgezehrte und zusammengesunkene Menschen zeigt, inklusive einem Kind, das um Essen bittet. Das ist eine ungewöhnliche Wahl für Reliefs königlicher Bestattungen, die in der Regel von Heldentaten des Pharaos, seinen Interaktion mit Göttern berichten und Ausblicke auf sein Leben im Jenseits als Gott unter Göttern zeigen.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/416d183e-7e17-4263-bad7-90a608b1eab6/uploads/images/kt55rjppmx/hungernde-beduinen-sakkara.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="hungernde Menschen auf einem Relief im Zusammenhang mit Pyramode des Unas, einem Pharao des Alten Reiches, Saqqara"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/416d183e-7e17-4263-bad7-90a608b1eab6/uploads/images/6v26g27nnn/51954402384_97fd34e062_k.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="weiterer Teil des oben genannten Reliefs, das auch ein Kind zeigt, welches um Essen bittet"/><p>Auch im Felsengrab des Anch-Tifi, eines hohen Beamten (heute würden wir ihn warlord nennen) der sogenannten 1. Zwischenzeit, die sich an den Zerfall des Alten Reiches anschloss, finden sich untypische Inschriften: „Ganz Oberägypten kam vor Hunger um, sodass die Menschen schließlich ihre Kinder aßen“, heißt es in einem Abschnitt dieser Überlieferung, an die sich dann überschwängliche Lobpreisungen über das eigene Handeln in dieser Zeit anschließen.</p><p>1996 wurde im Norden des Landes, fernab der Pyramiden und im Nil-Delta gelegen, bei Ausgrabungen von Prof. Donald Redford eine Grabstätte aus dem Alten Reich entdeckt, die ebenfalls ins immer deutlich sichtbarere Bild passt: fast 9.000 Körper konnten hier ausgegraben werden, die mit einfachen Schilfmatten bedeckt und teilweise so dicht gestapelt worden waren, dass man „darüber stolpern konnte“. Seltsam an diesem Fund ist aber nicht nur die Zahl der toten Körper, sondern die Tatsache, dass scheinbar gänzlich auf den zu dieser Zeit sehr ausgeprägten Totenkult verzichtet wurde, bei dem es u.a. um eine exakte Ausrichtung und Positionierung der Leichen ging. Sie alle mussten in etwa zur gleichen Zeit gestorben sein und die Grabbeigaben, die in Miniaturform Dinge darstellten, an denen es den Verstorbenen im Jenseits möglichst nicht mangeln sollte, zeugen von einer materiell sehr armen Siedlung. Politische Unruhen allein können zu dieser Zeit kaum derart apokalyptische Ausmaße annehmen.</p><p>Unas regierte im 24. Jahrhundert v. Chr. als Pharao der 5. Dynastie, kurz vor dem Zusammenbruch des Alten Reiches unter Pepi II. in der 6. Dynastie. Eine Dezentralisierung der Verwaltungsstrukturen mit über das Land verteilten Verwaltern stellte regionale Zentren her, die mit schwindendem Einfluss und wackelnder Macht der letzten Pharaonen des Alten Reiches stetig an Bedeutung gewannen. Die Zentralregierung verlor nach Kriegszügen gegen Libyen, Nubien und Palästina immer mehr an Einfluss und sah sich zudem verstärkt Angriffen von außen ausgesetzt, wie solchen von innen, weil das Wanken des Giganten nicht unbemerkt blieb. Forschungen deuten darauf hin, dass Klimaveränderungen mit ausbleibenden Nilhochwassern, zum Niedergang des Alten Reiches beigetragen haben, wofür auch die nahezu gleichzeitigen Umbrüche in Sumer und der Indus-Kultur sprechen.</p><p><em>Nilüberschwemmungen und ihr Ausbleiben</em></p><p>Die jährlichen Überschwemmungen des Nils machten die Ufer des Flusses zur „Kornkammer Nordafrikas“ und formten den Wohlstand des Alten Reichs. Doch in dieser Zuverlässigkeit und der damit verbundenen Abhängigkeit steckte auch die Gefahr: Bleibt die Nilschwemme aus (dies zu verhindern, war Hauptaufgabe des Pharaos), dann gibt es auch kein fruchtbares Land. Die Wüste gewinnt die Oberhand, Ernten bleiben aus und die rasch gestiegene Bevölkerungszahl (logische Folge einer langen, stabilen Phase einer zentralisierten Hochkultur) sorgt für eine Katastrophe. Eine Säule in Kairo, die noch zur Zeit der Araber in Ägypten den Wasserstand des Nils dokumentierte, zeigt teils stark schwankende Wasserhöhen über Jahre und Jahrzehnte hinweg. Von einer echten Regelmäßigkeit konnte also kaum mehr die Rede sein, etwa jede fünfte Nilflut fiel sogar extrem schwach aus. Doch das allein provoziert noch keine landesweite Hungersnot. Das Ausmaß muss erheblich größer gewesen sein. Die unwirtliche Wüste Ägyptens ist ein gutes Beispiel hierfür. Noch vor 7.000 Jahren wuchsen hier Akazien und Gräser, es gab Grundwasser und Säugetiere. Heute ist sie einer der unbewohnbarsten Orte der Welt. Die Antwort lieferte am Ende eine Tropfsteinhöhle im benachbarten Israel, die einmalige Daten über die klimatischen Veränderungen bot. Ein 4200 Jahre alter Stalaktit erzählte im Massenspektrometer davon, dass zu dieser Zeit die Niederschlagsmenge gut 20% niedriger war als üblich. Dadurch ergibt sich die bis jetzt dramatischste und rasanteste Klimaveränderung der letzten 5.000 Jahre, wobei durch Geologen festgestellt werden konnte, dass diese Veränderung nicht nur lokaler Natur war, sondern diverse Regionen umfasste und sich als zeitliche und geographische Aneinanderreihung von extremen Dürren nachvollziehen lässt. Das Klima geriet außer Kontrolle und Ägypten wurde Zeuge und Opfer dieser Klimaverschiebung, dessen sind sich viele Wissenschaftler:innen inzwischen einig. Viele Menschen bauten zur damaligen Zeit nicht mehr selbst an, sondern erhielten laut antiker Lohnlisten inzwischen Nahrung als Lohn für ihre Arbeit, auch das eine Folge von Zentralisierung von Macht, Herrschaftsstrukturen und Spezialisierung. Bleiben Felder trocken und Ernten aus, bricht die Versorgung und Verteilung rasant zusammen und Menschen, die auf Bezahlung mit Lebensmitteln angewiesen sind, haben keine Option mehr, sich selbst zu ernähren. Ausgrabungen aus dieser Zeit zeigen, dass die Toten kaum mehr bestattet wurden – äußerst unüblich für diese Zeit und Zeugnis dafür, dass die Bevölkerung nicht nur machtlos gegenüber den Auswirkungen der Klimakatastrophe war, sondern auch, dass katastrophale Konsequenzen schnell und mit Vehemenz eintraten. Viele Leichen deuten außerdem darauf hin, dass sie ermordet wurden, sei es als Folge von Kämpfen oder bewusst getroffenen Entscheidungen, über deren Hintergründe und zugrundeliegenden Kriterien es kaum gesicherte Erkenntnisse gibt. Die Umsetzung zeigt allerdings ein deutliches Bild in Form von Kopfverletzungen durch stumpfe Gewalt und auch die betroffenen Menschen bzw. Gruppen sprechen eine deutliche Sprache. Zahlreiche Ausgrabungsstätten zeigen ein Bild, das Redford als „Massaker“ bezeichnet. Ein Volk, das den Tod so sehr ehrt und ein Weiterleben im Jenseits als gegeben betrachtet, dessen irdisches Leben Voraussetzungen für ein möglichst gut versorgtes Dasein nach dem Tod schaffen muss und deren Bestattungsrituale die Auferstehung und Versorgung der Toten im Jenseits sichern sollen, würde nicht leichtfertig oder grundlos auf seine Rituale verzichten.</p><p>Ein weiterer Beleg für Dürrekatastrophen ist der Bahr Yusuf, ein Fluss, der vom Nil abzweigt und einen kleinen See speist, der zur Nilschwemme stets an Fläche gewann. Untersuchungen der Sedimente des Grunds sollten Aufschluss darüber geben, wie sehr der Wasserpegel damals tatsächlich schwankte, doch zur Überraschung aller fanden sich rein gar keine Ablagerungen aus dieser Zeit des Umbruchs in Ägypten. Einzige logische Schlussfolgerung: der See muss komplett ausgetrocknet gewesen sein, was nur möglich ist, wenn der Wasserstand des Nils derart niedrig war, dass der See nicht mehr mit Wasser gespeist werden konnte.</p><p>Wissenschaftler:innen aus unterschiedlichen Bereichen benennen in diesem Zusammenhang heute das sogenannte 4,2-Kilojahr-Ereignis (kurz: 4,2 ka <strong>B</strong>efore <strong>P</strong>resent, 1 Kilojahr = 1000 Jahre). So wird seit seiner Identifizierung/Benennung 1950 ein Klimaereignis bzw. der Zusammenhang mehrerer Klimaereignisse (Abfolge abrupt einsetzender Trockenphasen in unterschiedlichen Regionen) bezeichnet, die im 23. Jahrhundert v. Chr. (4200 Jahre vor 1950) aufgetreten sind. In verschiedenen Regionen vor allem der Nordhemisphäre wurden für diesen Zeitraum Hinweise auf Phasen einer Abkühlung und ungewöhnlicher Trockenheit gefunden. Nach zahlreichen Hypothesen über die Auswirkungen des 4,2-ka-BP-Ereignisses auf die damals bestehenden Kulturen dürfte es einer der folgenreichsten Klimaeinschnitte des Holozäns gewesen sein.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/416d183e-7e17-4263-bad7-90a608b1eab6/uploads/images/ypeb3f2gk6/4_2_kilojahr.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Abbildung einer Karte mit Fundorten und Nachweisen klimatischer Veränderungen ca. 4200 Jahre vor Chr., Stichwort: 4,2 ka BP"/><p>Es setzte gegen 2250 v. Chr. ein und dauerte während des gesamten 22. Jahrhundert v. Chr. an. Der Zusammenbruch des Alten Reichs in Ägypten, welches über 500 Jahre Bestand hatte, sowie des Akkadischen Reichs in Mesopotamien sind wahrscheinlich von ihm ausgelöst und maßgeblich beeinflusst worden. Die Indus-Kultur reagierte auf die langanhaltende Dürre mit einer Verlagerung ihrer Siedlungen nach Südosten. Das Alte Reich erlebte eine Reihe außergewöhnlich niedriger Nilfluten. In diese Zeit von Klima- und Umweltveränderungen fallen häufigere Angriffe auf das Reich im Norden, politische Unruhen bis hin zum Zusammenbruch der zentralen Regierungsgewalt. Hungersnöte, soziale Wirren und gesellschaftliche Auflösungserscheinungen waren die Folge. Großprojekte wie der Pyramidenbau kamen zum Erliegen. Die bereits erwähnte Pyramide des Unas ist trotz über 30 Jahren Regierungszeit die kleinste der altdynastischen Pyramiden, zurückzuführen auf Ressourcenknappheit bei Mensch und Material verbunden mit wachsender Instabilität des Reiches, was sich in inneren und äußeren Konflikten wiederspiegelte, die nochmal Ressourcen aller Art gebunden haben.</p><p>Die Ursache für die verminderten Nilfluten ist wahrscheinlich in einer Südverschiebung des ostafrikanischen Monsuns zu suchen. Sedimentfrachten aus dem Weißen Nil, der durch saisonale Änderungen der Windrichtung in der Region (Monsun) geprägt ist, was zu entsprechenden Regen- und Trockenzeiten führt, gingen in diesem Zeitraum zurück. Ein damit verbundener Rückgang der Vegetation könnte als Rückkopplung die Dürren noch verstärkt haben.</p><p>Erst nach 40 Jahren konnte in einigen Gauen (Verwaltungsbezirke des Alten Ägyptens) die alte Ordnung wiederhergestellt werden. Es sollte knapp 200 Jahre dauern, ehe die Wiedervereinigung Ägyptens unter einem Herrscher gelungen ist.</p><p><em>Schlussfolgerungen für heute</em></p><p>Warum das alles jetzt in dieser Ausführlichkeit? Weil es ein Beispiel ist, das zeigt, über welch langen Zeitraum klimatische Veränderungen in nur 1 Ausprägung (Dürren) katastrophale Auswirkungen haben und wie Dominostein nach Dominostein einer stabilen Gesellschaft fällt, so dass Hochkulturen stürzen, Imperien fallen und das nicht nur lokal und zeitlich eng begrenzt. Gesellschaftsumbrüche waren die Folge, die die Geschichte der Welt und der sogenannten Zivilisation prägen und nachhaltig verändert haben.</p><p>Heute sind die Konsequenzen und Kettenreaktionen klimatischer Veränderungen kaum vorstellbar: die Veränderungen sind um einiges gewaltiger, es gibt viel mehr Betroffene, viel engere Verzahnungen und Abhängigkeiten (siehe Lieferketten), viel mehr und enger aufgestellte Dominosteine und nicht zuletzt höllische Mittel, um die zwangsläufig ausbrechenden Kämpfe zu führen, potenzieren das, was passiert, wenn Systeme kollabieren und das werden sie auf unterschiedliche Weisen, denn wir stehen nicht „nur“ vor klimatischen Zusammenbrüchen in Form von Dürren, sondern vor multiplen größeren und kleineren Brüchen, die selbst zu Dominosteinen in Kettenreaktionen werden.</p><p><em>Kollapsbewegung aufgepasst</em></p><p>Es ist also einerseits wirklich nötig, sich mit dem Kollaps auseinanderzusetzen und andererseits realistische Annahmen darüber anzustellen, was mit solidarischem Preppen möglich ist, denn natürlich sind die Mittel und Möglichkeiten begrenzt, sofern man Wunder und Weltrettung erwartet. Was aber ein ebenso wesentlicher Punkt der kollapsbewussten Auseinandersetzung mit solidarischem Preppen ist, ist die Ehrlichkeit darüber, was nötig werden kann, wenn bestimmte Szenarien eintreten. Auch hier warten nochmal unbequeme Wahrheiten auf uns, vor denen wir nicht die Augen verschließen sollten und vor denen uns allzu utopische Wunschvorstellungen von solidarischen, sich selbst versorgenden Gemeinschaften nicht schützen werden. Eine Kollapsbewegung, die sich in Utopien flüchtet, wird selbst zum Teil der Verdrängungsgesellschaft. Kollapsbewegung fängt für mich da an, wo es um realistische Annahmen und entsprechende Handlungsoptionen geht, um Wissen und Netzwerke, die ganz praktisch verankert sind und bei denen überlegtes, zielgerichtetes Handeln im Vordergrund steht, um für viele so viel wie möglich besser oder auch nur weniger schlimm zu machen. Eine Kollapsbewegung hört für mich da auf, wo utopische Träumereien und fehlender Mut für ehrliche Auseinandersetzungen mit ethischen und moralischen Fragen Handeln im Kollaps unmöglich machen.</p><p>Kollaps in unterschiedlichen Formen hat es immer gegeben und doch bewegen wir uns heute auf unbekanntem Terrain angesichts der Vielzahl der Szenarien, der sowohl Gleichzeitigkeit als auch stetigen Abfolge dieser und der damit verbundenen Kettenreaktionen. Wir stehen nicht nur vor Dürren, wir stehen vor Überflutungen und der Machtergreifung des Faschismus auf globaler Ebene, vor einem Biodiversitätsverlust, der noch größtenteils ignoriert wird, obwohl die Konsequenzen mindestens so massiv wie die der Klimakatastrophe sind. Wir müssen uns vor Augen führen und dazu die Geschichte heranziehen, was Kollaps bedeutet, dass dieser nie ein singuläres Ereignis ist und die Skala dabei an das Heute anpassen. Verhindern ist in Einzelfällen eventuell möglich, vielleicht auch nur das Verzögern oder Abschwächen, ebenso das Zurückkämpfen aus manch dunklen Ecken. Dazu muss aber der strategische Raum bewusst geöffnet und genutzt werden, den Kollapsszenarien bieten. Dieser Raum ist groß und bietet einiges an Möglichkeiten, was Motivation sein sollte, sich diesen Raum zu nehmen, Taubenschach sein zu lassen und Symptomen der Verdrängungsgesellschaft wie der aktuell laufenden COP30 endlich jegliche Legitimation und Aufmerksamkeit zu entziehen. Ein Blick in die Geschichte lehrt uns nämlich auch, dass Konferenzen, sofern sie überhaupt Konsequenzen hatten und nicht nur Absichten auf Papier festhielten, lediglich dafür sorgten, dass über Menschen entschieden wird, die nicht Teil dieser Konferenzen waren: Sieger entscheiden über Verlierer, Reiche über Arme und Regierungen über Länder und deren Bewohner:innen. Selbermachen ist noch immer die beste Option und darum sollte es erst recht im Kollaps gehen.</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Tue, 11 Nov 2025 16:55:40 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Kolonialismus und koloniale Kontinuitäten sind Kriegsursachen von…]]></title>
      <description><![CDATA[Teil 2: Sudan Heute ein Blick in den Sudan, die Bilder und Berichte, die es in die sozialen Medien schaffen, sind kaum zu ertragen. ]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Kolonialismus und koloniale Kontinuitäten sind Kriegsursachen von heute</h1><p>Teil 2: Sudan</p><p>Heute ein Blick in den Sudan, die Bilder und Berichte, die es in die sozialen Medien schaffen, sind kaum zu ertragen. Dieser Text könnte ebenso eingeleitet werden wie der zur Demokratischen Republik Kongo letzte Woche. Es geht um Macht, Einfluss und Geld in einer seit Jahrhunderten ausgebeuteten Region, die gezeichnet ist von der Instabilität, der Zerrissenheit und den Katastrophen, die Kolonialismus und Kapitalismus verursacht haben und weiterhin verursachen. Dass, was im Sudan geschieht, ist kein Bürgerkrieg an sich, sondern ebenfalls einer, der weiterhin befeuert und ursprünglich ausgelöst wurde durch geopolitische Machtinteressen von Ländern, Regierungen und Konzernen des globalen Nordens, die eine weitere Region des afrikanischen Kontinents untereinander aufgeteilt und als Spielball eigener Interessen benutzt haben und dies bis heute tun. Rassismus sorgt dafür, dass das Interesse und der Aufschrei gering bleiben und sich keiner der noch immer involvierten Verantwortlichen mit eben dieser Verantwortung, Schuld oder gar Wiedergutmachung befassen muss. Maximal sehen wir Betroffenheit, die aber auszuhalten ist, wenn die Auseinandersetzung mit dem eigenen Anteil an dem, was war und dem was ist nicht geführt wird.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/bdaa8ca4-f681-44a7-924b-bec6acd06f44/uploads/images/zaeglcjdum/Sudan.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="sudanesische Frau mit einem Kleinkind sitzt inmitten einer kargen Landschaft neben 2 Koffern"/><p><em>Was zieht das Interesse internationaler Akteur:innen auf sich?</em></p><p>Fangen wir auch beim Sudan mit einem Blick auf die Rohstoffe an, die der Kapitalismus zum Zwecke der Selbsterhaltung verschlingt. Im Sudan gibt es Gold, Erdöl, soganntes Gummi arabicum, welches aus Akazien gewonnen wird, Eisen, Chrom, Mangan, Gips, Uran, Silber, Erze und nicht zuletzt fruchtbares Land. Kolonialmacht war Großbritannien.</p><p>Erklärungsansätze aus unterschiedlichen Blickwinkeln gibt es wie überall verschiedene. Sie alle sind zutreffend und relevant, um aufzuzeigen, was Kolonialismus verursacht hat und wie koloniale Macht- und Ausbeutungsstrukturen bis heute Ursache für Kämpfe, Grausamkeiten und einen Völkermord sind.</p><p><em>Machtinteressen</em></p><p>Der machtbasierte Erklärungsansatz nimmt den Kampf um politische Macht und Einfluss ins Zentrum seiner Analyse.</p><p>Die Kolonialzeit im Sudan endete (vermeintlich) am 1. Januar 1956, als die Republik Sudan ihre Unabhängigkeit von Großbritannien erlangte. Bis dahin war das Gebiet als „Anglo-Ägyptischer Sudan“ eine britische Kolonie und stand unter britischer Besetzung. Seit 1956 wurde der Sudan die meiste Zeit von nach Militärputschen an die Macht gekommenen, stetig wechselnden Regierungen beherrscht, nachdem ursprüngliche Strukturen durch Kolonialherrschaft und ihre damit verbundenen aufgezwungenen und künstlich implementierten Verwaltungsapparate zerstört und somit nicht mehr wirksam und handlungsfähig waren. Zwangsläufig und in logischer Konsequenz der plötzlichen „Freiheit“ entstehen Konflikte um Einflussgebiete, Vorherrschaft und Macht, so dass auch der Sudan seit der formellen Unabhängigkeit geprägt ist von Kriegen, Kämpfen, Unruhen und Militärregierungen. Bürger:innen kämpften und protestierten immer wieder gegen Diktatur und Militärherrschaft, sowie verübte Menschenrechtsverletzungen im Sudan, woraufhin der langjährige Machthaber al-Bashir mit Repressionen und Gewalt reagierte. Mehr als eine Fußnote in der Geschichte des (vermeintlich) unabhängigen Sudans ist dabei der sogenannte Darfur-Krieg, der zwischen 2003 und 2020 unablässig anhielt und bei dem Rebellen gegen die Marginalisierung der nicht arabischstämmigen Bevölkerungsgruppen aufbegehrten. Präsident al-Baschir schlug die Aufstände blutig nieder und kooperierte hierbei auch mit den Dschandschawid-Milizen, die heute einen signifikanten Teil der Rapid Support Forces (RSF) ausmachen. Bei den Kämpfen zwischen verschiedenen Rebellengruppen in der Region kamen fast 400.000 Menschen ums Leben und über 2,5 Millionen wurden vertrieben.  Darüber hinaus kam es zu schweren militärischen Auseinandersetzungen im Süden des Landes, die im Jahr 2011 schließlich in der Abspaltung des Südsudan mündeten. Dabei, ebenso wie bei all den anderen Konflikten, hatten auch Industrienationen und Konzerne ihre Hände im Spiel, die in eigener Konkurrenz um Macht, Profite, Einfluss und Zugriff auf Ressourcen des Sudan zueinander stehen. Nach dem Sturz al-Bashirs 2019, nach 30jähriger Militärherrschaft, konkurrierten natürlich umgehend verschiedene Gruppen mit unterschiedlichen Zielen um einen Platz in der neuen politischen Ordnung. Wie an vielen anderen Beispielen nachzuvollziehen, löst die bloße Absetzung eines Diktators niemals die Probleme eines Landes und seiner Bevölkerung.</p><p>Es kam, wie es kommen musste. 2021 folgt der nächste Militärputsch und bringt General Abdel Fattah al-Burhan an die Macht. Dieser wollte die Interessen und die Vorherrschaft des Militärs (Sudan Armed Forces SAF) sichern. Auf internationalen Druck hin versprach er, den Weg für eine zivile Regierung freizumachen und Wahlen im Jahr 2023 durchzuführen. Der politische Einfluss der Übergangsregierung blieb jedoch durch den Einfluss des Militärs begrenzt, und der Nationale Souveräne Rat unter al-Burhan und Hemedti (Mohammed Hamdan Daglo) behielt u.a. die Kompetenz für Sicherheitsfragen im Land. Hemedti wird noch eine weitaus zentralere Rolle in der aktuellen Geschichte einnehmen.</p><p>Die tiefgreifenden politischen und wirtschaftlichen Probleme des Sudans als Folge der Kolonialherrschaft können all die Kämpfe und Machtwechsel natürlich nicht lösen, im Gegenteil. Wachsende Instabilität, Zersplitterung und politische Gewalt sind die Folge, während der Kampf um Rohstoffe und Ressourcen auch von außen weitergeführt wird, verschiedene Länder auf der Suche nach Zugriff auf Ressourcen und mehr vom Kuchen jeweils unterschiedliche Kräfte innerhalb des Sudan unterstützen, hochrüsten und so für die Fortsetzung und Ausweitung der Kämpfe sorgen. Spannungen zwischen den rivalisierenden Militärführern, General Abdel Fattah Burhan (SAF), der als das De-facto-Staatsoberhaupt angesehen wird und dem Kommandeur der RSF, General Daglo, besser bekannt als Hemeti, nehmen zu. Sie sind jeweils Vorsitzender und Stellvertreter des Souveränen Rates. Die (para-)militärischen Kräfte unter ihrem Anführer Hemeti streben nach Machterhalt bzw. Machtzuwachs. Sie wollen Kontrolle über das Land sowie den Zugang zu finanziellen Ressourcen in Form von Bodenschätzen wie Gold und Mineralien sichern und so wirtschaftlichen Einfluss ausüben. Durch den Machterhalt wollen sie sich zudem vor juristischer Verfolgung ihrer verübten Menschenrechtsverletzungen, teilweise noch aus der Zeit des Darfur-Kriegs, schützen, als SAF und RSF noch Verbündete waren. Die aktuellen kriegerischen Auseinandersetzungen markieren letztlich einen Zusammenbruch des heiklen post – kolonialen Machtgefüges im Sudan, welches sich seit der Absetzung des ehemaligen Staatsoberhaupts Omar al-Bashir im April 2019 zwischen al-Burhan und Hemeti entwickelt hat und nun in einem schweren Kampf um die Vorherrschaft im Sudan gipfelt. </p><p>Die Entwicklung der Beziehungsdynamik im Sudan ist besonders hervorzuheben: Hemeti wurde einst von al-Bashir unterstützt und für dessen Machterhalt eingesetzt, bis Hemeti ihn aufgrund eigener Machtinteressen und der breiten Protestbewegungen 2019 den Rücken kehrte und al-Bashir durch den Militärputsch abgesetzt wurde. Auch al-Burhan, welcher nach einem erneuten Putsch, dieses Mal gegen die Übergangsregierung, als Machthaber eingesetzt wurde, gilt als Ziehsohn al-Bashirs. Nun spielt sich im Sudan ein erneuter Machtkampf ab, dieses Mal zwischen den ehemaligen Verbündeten. Beide, al-Burhan und Hemeti, hatten nach dem Militärputsch im Jahr 2019 Kompetenzen für Sicherheitsfragen erhalten.</p><p>Im Vorfeld der aktuellen Kämpfe gab es im Zuge des auf internationaler Ebene unterstützten Rahmenabkommens für eine zivile Regierung Streit über die Frage, wie die RSF in die sudanesische Armee integriert werden sollte und wer die Führung des neu konsolidierten Militärs übernehmen würde. Nach Ausbruch der Kämpfe teilte das sudanesische Außenministerium mit, dass al-Burhan nun die Auflösung der RSF anordnet und die Milizenkämpfer als Aufständische einordnet. Diese Ereignisse spiegeln zumindest oberflächlich betrachtet den Machtkampf um Positionen und die Kommandostruktur zwischen al-Burhan und Hemeti wider.</p><p><em>Ein ethnisch und geographisch gespaltenes Land</em></p><p>Der kulturelle Erklärungsansatz eignet sich dazu zu zeigen, was hinter dem Machtkampf steckt, denn er blickt auf die ethnische und geographische Spaltung im Sudan, die direkte Folge und Erbe der Kolonialherrschaft ist. Ethnische und geographische Spaltungen führen dazu, dass Macht und Kämpfe um Macht immer auch unter ethnischen Gesichtspunkten und mit Blick auf das Verhältnis zu einer künstlichen Grenze geführt werden. So geht es um „meine Leute“ und „die anderen“, „wir hier“ und „die dort“. Unterscheidungsmerkmale sind vermeintliche Eigenschaften, Religion, das äußere Erscheinungsbild und die Tatsache, ob mensch links oder rechts einer imaginären Linie gezogen von Kolonialmächten lebt, nicht länger bessere Antworten auf Probleme und richtige Lösungsansätze im Interesse aller. Unterdrückung und Rache werden somit essenzieller Bestandteil von Machtwechseln, damit verbundenen und sich anschließenden Kämpfen und Gräueltaten.</p><p>Unter al-Bashir wurden nicht-muslimische Minderheiten im Sudan massiv unterdrückt und in der Macht- und Ressourcenverteilung benachteiligt, etwa durch eingeschränkten Zugang zu politischen Ämtern. Außerdem wurden in dem Anfang der 2000er-Jahre durchgeführten Friedensprozess zwischen Nord- und Südsudan einige Regionen von der damit verbundenen Neuverteilung von Ressourcen und Macht ausgeschlossen. Dies führte zu mehreren Kriegen, darunter zum Bürgerkrieg in Darfur im Jahr 2003 zwischen Regierungstruppen und Rebellengruppen sowie zum Bürgerkrieg zwischen der Zentralregierung und der südsudanesischen Volksbefreiungsbewegung, welcher im Jahr 2011 in der Unabhängigkeit des Südsudans endete. Gleichzeitig brachen in den Regionen Südkordofan und Blauer Nil (Grenzregion zum Südsudan) Kämpfe aus, welche durch das Friedensabkommen (2020) mit Unterzeichnung der sudanesischen Übergangsregierung weitestgehend beigelegt werden konnten. Die Konflikte beinhalten somit auch immer strittige Fragen darüber, wer an Friedensgesprächen teilnehmen darf und politische Anerkennung erfährt. Die regionale, ethnische oder interessensspezifische Fragmentierung der Bevölkerung und der kämpfenden Akteure samt ihrer jeweiligen internationalen Verbündeten mit eigenen Interessen erschwert die Beilegung.</p><p><em>Wirtschaft am Boden</em></p><p>Die Komplexität der Situation im Sudan (nicht nur dort) wird noch sichtbarer, wenn wir noch einen Blick auf den ökonomischen Erklärungsansatz werfen, der Ressourcenknappheit und strukturelle Ungleichheit aufzeigt.</p><p>Die wirtschaftliche Lage im Sudan ist aus diversen Gründen sehr fragil. Kolonialzeit ist gleichbedeutend mit Ausbeutung, dem Abzug von Ressourcen und somit der Umverteilung von Reichtum weg von den Menschen des Sudan hin zur Kolonialmacht. Kriege und Konflikte sind nicht geeignet, die Wirtschaft zu stabilisieren, zumal gegensätzliche Interessen aufeinanderprallen und nach wie vor internationale Konzerne mit Hilfe der jeweiligen Regierungen eingreifen, die Stabilisierung und damit verbundene Maßnahmen nur unter dem Gesichtspunkt der Sicherung des eigenen Rohstoffzugriffs sehen, nicht aber im Interesse des Landes und seiner Menschen selbst. Nach der Machtübernahme durch das Militär setzten internationale Geldgeber:innen das sudanesische Entschuldungsprogramm aus. Geld in Form von Investitionen und Krediten wird zu einer weiteren Waffe in einem Krieg, abgefeuert von denen außerhalb des Sudan, die Geld immer nur im eigenen Interesse und geknüpft an von ihnen diktierte Bedingungen geben. Können oder wollen diese Bedingungen z.B. aufgrund von Machtwechseln und eskalierenden Konflikten nicht mehr erfüllt werden, versiegen Finanzströme und wohlklingende whitewashing – Programme („Entschuldungsprogramm“) werden, einmal ausgesetzt, zum Bumerang für die Bevölkerung. Die Sudanes:innen leiden unter hohen Preisen aufgrund extremer Inflation, Versorgungsengpässen bei Lebensmitteln und Medikamenten sowie Extremwetterereignissen und dramatischen Dürreperioden im Zuge des Klimakollapses, dessen Haupttreiber ebenfalls nicht im Sudan sitzen, aber dessen Rohstoffe nur allzu gerne nutzen, um die Klimakatastrophe (auch im Sudan) weiter eskalieren zu lassen. Dies alles führt zu extremer Armut und lebensbedrohlichen Situationen, was die Unzufriedenheit und Proteste in der Zivilbevölkerung, aber ebenso die Ausweglosigkeit für die Menschen verstärkt. Zudem bestehen im Sudan große strukturelle Herausforderungen wie desolate Infrastrukturen, ein niedriges Bildungsniveau und unzureichende Grundversorgungsleistungen, was die humanitäre Situation weiter anspannt. Die Interessen der politischen Eliten des Landes richten sich nach wie vor am Zugang zu Ressourcen sowie an der Kontrolle über Rohstoffe aus, um Eigeninteressen auf dem geopolitischen Schachbrett des Kapitalismus zu verfolgen. Ehemals proklamierte politische Ziele und das Wohlergehen der Bevölkerung spielen dabei nur sehr untergeordnete Rollen. Einnahmen aus Rohstoffverkäufen, der Vergabe von Lizenzen für Minenprojekte usw., erzielt auf internationalen Märkten, werden vorwiegend in Waffen und militärische Ausrüstung investiert, die ebenfalls wieder aus Industrieländern und den Konzernen des globalen Nordens kommen, während sie innerhalb des Sudan die Zerstörung und eskalierenden Kriege füttern, aber nicht die Menschen ernähren. Das Militär hat inzwischen auch eine große wirtschaftliche Macht im Sudan selbst, da es zentrale einheimische Unternehmen besitzt und diese durch die Besetzung politischer Ämter von Steuern befreien kann.</p><p><em>Konsequenzen</em></p><p>All diese Punkte vertieften politische Spaltungen, verstärken Korruption und erschweren die Beteiligung breiter Bevölkerungsgruppen an politischen Prozessen. Die Zahlen derer, die in Nachbarländer geflohen sind oder als Binnenflüchtlinge durch den Sudan ziehen, gehen in die Millionen. Rund 14 Millionen Menschen sind von der Gewalt vertrieben worden, knapp vier Millionen von ihnen in Nachbarländer. Dreißig Millionen Menschen – fast zwei Drittel der Bevölkerung – sind auf humanitäre Hilfe angewiesen, fünf Millionen Kinder sowie schwangere und stillende Frauen stark unterernährt, knapp zwei Millionen akut vom Hungertod bedroht. Die Zahl der Todesopfer wird auf über 150.000 geschätzt. Der humanitäre Hilfsplan der Vereinten Nationen veranschlagte für dieses Jahr 4,2 Milliarden US-Dollar, doch im ersten Halbjahr hat der Fonds noch nicht einmal ein Viertel der Summe erhalten. Menschenrechtsverletzungen, Armut, eine humanitäre Notlage unvorstellbarer Dramatik, Frauen und Kinder, die sich Vergewaltigungen als Waffe dieses Krieges ausgesetzt sehen und die Zerstörung ziviler Infrastruktur gefährden die inzwischen längst nicht mehr gesicherte Grundversorgung der Bevölkerung weiter. Die geographische Lage des Sudan birgt die Gefahr der Destabilisierung der gesamten Region am Horn von Afrika.</p><p><em>Internationale Akteur:innen mit Blut an den Händen</em></p><p>Die Zahl der Länder und Regierungen, die in Sudan aktiv sind, ist nicht zu unterschätzen und die „üblichen Verdächtigen“ fehlen dabei nicht.</p><p>Unterstützung der sudanesischen Armee SAF erfolgt durch Ägypten, welches ein strategisches Interesse an der nilbasierten Wasserversorgung und der innenpolitischen Stabilität Sudans hat. Der Iran und die Türkei unterstützen die Armee ebenfalls mindestens mit Waffenlieferungen. Die Türkei ist außerdem Rivale der Vereinigten Arabischen Emirate und unterstützt somit auch aus diesen machtpolitischen Überlegungen heraus die sudanesische Armee. Russland unterhielt lange eine strategische Beziehung zu beiden Seiten, hat Interesse an Rohstoffen und einem Marinestützpunkt in Port Sudan. Gespräche darüber, sowie neue Wirtschaftsabkommen haben dafür gesorgt, dass die Unterstützung aktuell wieder verstärkt auf die Seite der sudanesischen Armee wechselte. Chinas Beziehungen mit dem Sudan orientieren sich an der muslimisch-arabischen Welt, basieren aber auch auf der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit und politischen Nähe zu Russland.</p><p>Auf Seiten der Rapid Support Forces (RSF) treten die Vereinigten Arabischen Emirate in Erscheinung. Sie liefern Hightech-Waffen, insbesondere im Austausch für Gold. Der Tschad, die Zentralafrikanische Republik, Libyen und Südsudan haben eigene militärische Interessen in der Region und agieren teilweise auch im Auftrag der Emirate. Äthiopien steht aufgrund seiner eigenen Konkurrenz zu Ägypten um Wasserressourcen des Nils auf Seiten der RSF. Kenia gilt als Umschlagplatz für die von den Emiraten gelieferte Militärausrüstung. Im Februar fand in der kenianischen Hauptstadt Nairobi die Gründungsversammlung des politischen Arms der RSF statt.</p><p>Die Rolle der USA im Sudan hat sich im Laufe der Zeit von der Unterstützung des Friedensprozesses und humanitärer Hilfe zu Sanktionen gegen verantwortliche Akteur:innen für den Völkermord gewandelt, wobei die geopolitischen Interessen, insbesondere bezogen auf die Kontrolle der Ölvorkommen im Südsudan, eine Rolle spielen. Die USA sind außerdem daran interessiert, Öl-Pipelines zu unterstützen, die ihre Abhängigkeit von anderen Ländern verringern könnten. Gerade unter Trump gewinnt ein anderer Aspekt an Bedeutung: Abschiebungen von Menschen aus den USA in Drittländer (in diesem Fall in den Sudan) sind inzwischen ebenfalls Teil des diplomatischen Prozesses. Besonders verheerend ist die Rolle der USA unter Trump auch aufgrund ihrer bisher geleisteten Zahlungen für internationale Hilfsorganisationen und das Welternährungsprogramm. Diese wurden massiv zurückgefahren und in vielen Fällen komplett eingestellt. Inzwischen stellte die amerikanische Entwicklungsbehörde USAID ihre Arbeit offiziell ein. US-Außenminister Rubio sagte, die Ära der Ineffizienz sei vorbei. Hilfsprogramme fürs Ausland, die mit der Regierungspolitik übereinstimmten und amerikanische Interessen förderten, würden nun von seinem Haus verwaltet.</p><p><em>Deutschlands Rolle</em></p><p>Die Bundesrepublik trägt sowohl eine historische Verantwortung für den Bürgerkrieg im Sudan als auch eine aktuelle als strategischer Partner des Hauptkriegstreibers.</p><p>Die Bilder von deutschen Waffen inmitten der zerstörten Hauptstadt Khartum stehen geradezu symbolhaft für die wichtige Rolle der Bundesrepublik bei der Militarisierung des Sudans während des Kalten Krieges, der in der nordostafrikanischen Region als heißer Krieg ausgetragen wurde. Dabei kamen mehrere Faktoren zusammen. Zunächst wollte es der Zufall, dass der Sudan seine Unabhängigkeit am 1. Januar 1956 erlangte und damit nur wenige Tage nach Ausrufung der sogenannten Hallstein-Doktrin in Bonn. Die Adenauer-Regierung wollte mit dieser Doktrin die diplomatische Anerkennung der DDR durch jene neuen Staaten verhindern, die gerade ihre Unabhängigkeit vom Kolonialismus erlangten. Der Sudan wurde zum ersten Testfall der neuen Strategie und besaß als „Hinterhof“ Ägyptens überdies auch geostrategische Bedeutung. Bezeichnenderweise war es der Bundesnachrichtendienst, der noch 1957 eine erste Kooperation mit dem sudanesischen Innenministerium einging und kurz darauf einen legalen Sitz in Khartum errichtete. Der erste BND-Resident, Erich Olbrück, hatte sein Spionagehandwerk noch im Reichssicherheitshauptamt gelernt. Nach dem Zweiten Weltkrieg verdingte sich der ehemalige SS-Obersturmbannführer, wie viele andere Alt-Nazis, in Ägypten und kam dort etwa auch in Kontakt zu Adolf Eichmanns Deportationsfachmann Alois Brunner. Olbrück organisierte für die sudanesischen Partner Ausbildungsprogramme und lieferte Abhörtechnik für die Überwachung der DDR-Handelsvertretung. Das BND-Engagement lief über dreißig Jahre lang und bildete den Kern für den Aufbau des sudanesischen „Sicherheitsapparates“, der seither vor allem Unsicherheit verbreitet. Olbrück sorgte laut CIA-Akten außerdem dafür, dass das Bundesverteidigungs-ministerium unter Franz Josef Strauß nach dem SAF-Putsch von 1958 zum wichtigsten Rüstungslieferanten des Militärregimes avancierte. Es begann mit dem Bau einer Munitionsfabrik bei Khartum durch die bundeseigene Firma Fritz-Werner, die auch in Ländern wie Iran, Kolumbien, Myanmar (damals Birma) und Nigeria Arsenale errichtete. Kurz nach dem Bau der Berliner Mauer erhielten die SAF ein Rekordpaket an Ausrüstungs- und Ausbildungshilfen im Umfang von 120 Millionen DM. Dabei ging es vor allem um große Mengen an G3-Gewehren und MG1-Maschinengewehren, sowie um die Lieferung eines kompletten Fuhrparks mit über 1000 LKWs. Strauß gab intern die Losung aus, den Sudan als regionales Bollwerk gegen Einflüsse aus dem sowjetisch geführten Ostblock aufzubauen.</p><p>Direkte deutsche Rüstungsexporte in den Sudan selbst gibt es zwar seit dreißig Jahren nicht mehr, doch dafür umso mehr Waffenexporte in die Golfstaaten, die derzeit ihren eigenen Stellvertreterkrieg im Sudan führen.</p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sat, 08 Nov 2025 19:57:35 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Möchte ich auch für (und mit) Arschlöcher(n) die Welt retten?]]></title>
      <description><![CDATA[Wer hat sich noch nicht bei dem Gedanken ertappt, dass man dem prügelnden Cop und dem Nazi alles, aber bloß nichts Gutes + schon gar nicht die „Rettung der Welt" wünscht]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/27bca2f1-f5ff-4e3e-a81d-165ade651835/uploads/images/gishu35wt7/Stop.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="roter Kreis, mittitg mit einer roten Linie auf weißem Untergrund, in der Mitte eine erhobene Hand in schwarz auf der &quot;Stop&quot; steht"/><p>Ganz ehrlich, wer von uns, die sich in aktivistischen Kontexten wiederfindet, die Repressionen erfahren hat, vielleicht auch Gewalt, die Beschimpfungen über sich hat ergehen lassen, deren kompletter Lebensentwurf nicht mehr existent ist und die das Gefühl des Scheiterns kennt, die weiß, wie es sich anfühlt, alles gegeben zu haben, was möglich war und doch am Ende wieder gefallene Bäume, zerstörte Träume und Hoffnungen aushalten muss, während man am nächsten Ort, in der nächsten Aktion von vorne anfangen muss im Bewusstsein, das Ende ja eigentlich schon zu kennen – wer von uns hat sich die Frage, die heute die Überschrift bildet, nicht schon mal in der ein oder anderen Form gestellt? Wer hat sich noch nicht bei dem Gedanken ertappt, dass man dem prügelnden Cop, dem nicht bremsenden Autofahrer, dem marschierenden Nazi, dem RWE – Baggerfahrer und dem Mann mit der Kettensäge alles, aber bloß nichts Gutes und schon gar nicht die „Rettung der (auch seiner) Welt“ wünscht? Ich kenne das jedenfalls nur zu gut und ich fühle mich dann immer „ertappt“ und schuldig. Werde ich jetzt auch zum Arschloch? Gewinnt die Arschlochgesellschaft, weil sie mich nun doch kriegt? MUSS ich nicht besser sein, immerhin verorte ich mich schließlich auf der richtigen und guten Seite. Andererseits: wieviel Scheiße soll/muss ich deshalb aushalten, ohne emotional und psychisch irgendwann ans Limit zu kommen und nicht mehr in der Lage und/oder willens zu sein, alles hinzunehmen und weiterzumachen? Wann dürfen auch „wir“ als die Guten mal wütend sein und böse? Natürlich kann mensch hier in philosophische Diskussionen abbiegen über Gut und Böse, Moral und Ethik, richtig oder falsch, schwarz oder weiß. Darum soll es in diesem Text aber gar nicht in 1. Linie gehen. Es gibt auch keinen Punkt, den ich machen will oder kann, sondern es geht um ein paar persönliche, emotionale Einblicke, weil ich glaube, damit nicht allein zu sein, zumindest hoffe ich, damit nicht allein zu sein😉.</p><p><em>Handlungen sind entscheidend</em></p><p>Im Prinzip bin ich der Überzeugung, dass es völlig in Ordnung ist, sich bei solchen Gedanken zu erwischen, sie zu denken und entsprechend zu fühlen, denn es ist menschlich und nachvollziehbar. Wichtig ist, dass sie nicht unsere Handlungen und unser Verhalten prägen und bestimmen, denn genau da liegt für mich der Unterschied zu den tatsächlichen Arschlöchern auf der anderen, der falschen Seite der Geschichte. Diese entscheiden sich (inzwischen bereits auch völlig ohne Hemmungen und Scham), gegen bestimmte Menschen und Gruppen zu handeln, diese von uns als Gesellschaft/Gemeinschaft an sich zu trennen und sie in den Fokus von Schuld und Verantwortlichkeit zu rücken, um dann rücksichtslos gegen sie vorzugehen. Wir sehen das bereits an unzähligen Beispielen: Menschen mit Fluchterfahrungen, finanziell Arme, Menschen mit krankheitsbedingten Einschränkungen, Queers… Exklusion ist inzwischen DAS Mittel der Politik und oft auch der Justiz einer Arschlochgesellschaft und das geht weit über meine/unsere Wut und Gedanken hinaus. Ich werde mich weiterhin auf Bäume setzen, Tagebaue blockieren und alle möglichen meiner Kapazitäten in die Kollapsbewegung stecken, weil der Aspekt des solidarischen Preppens meiner Meinung nach ein wichtiger, richtiger und konsequent logischer nächster Schritt ist, auch und gerade für Klimaaktivist:innen, ohne sich für das eine und gegen das andere entscheiden zu müssen. Ich möchte weiterhin die Welt retten und dabei mache ich mir keine Gedanken, wem das zugutekommt, denn es ist quasi ein universelles Ziel, etwas ganz Grundsätzliches. Die Rettung der Welt ist vermutlich nicht möglich, aber wie ich schon meinem Uniprofessor vor ein paar Jahren auf diese Anmerkung hin gesagt habe: das ist kein Grund, es nicht zu versuchen. Die Welt kann man vielleicht nicht mehr im Großen retten, aber in vielen kleinen Welten und die Chance, grundsätzlich viel für viele besser oder weniger schlimm zu machen, sollten wir nutzen.</p><p><em>Ein Problem linker Räume</em></p><p>Die Frage, ob ich die Welt auch für (oder gar mit) Arschlöcher(n) retten will, geht bei genauerer Überlegung in die Richtung des Textes, den Tadzio Müller letzte Woche in seinem <a href="https://steady.page/en/friedlichesabotage/posts/f2a94a1b-96bd-4dba-b83e-58073fec013e?utm_campaign=steady_sharing_button">Blog</a> veröffentlicht hat und der sich dem Thema der Exklusion aus linken Räumen und denen der gerade entstehenden Kollapsbewegung widmet: wen wollen wir in unseren Räumen, mit wem wollen wir politisch arbeiten und etwas aufbauen? Wollen wir bestimmte Menschen nicht ansprechen? Dürfen wir sie gar aktiv ausschließen? Und wenn ja, wo und wann ist die Grenze, die wir in diesem Zusammenhang ziehen?</p><p>Die Fragen sind nachvollziehbar und berechtigt, ganz besonders im Falle einer sich gerade erst selbst findenden Kollapsbewegung, umso mehr, weil diese Bewegung die typische linke Klimablase durchbrochen hat. Es steht für mich außer Frage, dass Tadzio Müller mit seiner Analyse zur Anziehungskraft von rechten Räumen richtig liegt. Auch <a href="https://www.freitag.de/autoren/jaugstein/philipp-ruch-wir-muessen-die-anziehung-verstehen-faschismus-ist-pure-energie">Philipp Ruch</a> vom Freitag argumentiert aktuell in diese Richtung. Es geht nicht darum, dass die Themen und Gedanken neu sind oder das irgendetwas es rechtfertigen oder nachvollziehbar machen würde, solche Einstellungen zu entwickeln und zu teilen. Diese Einstellungen sind nicht neu, sie waren immer da. Was sich geändert hat, ist die Offenheit, mit der diese zur Schau getragen, geteilt und verbreitet werden. Da gibt es keine Angst oder Scham mehr, da ist jede Menge Selbstbewusstsein, was ebenso Teil der Anziehungskraft ist, wie die (vermeintliche) Offenheit rechter Räume. Der kleinste gemeinsame Nenner oder bloße Neugier reichen aus, um sich diesen Räumen zu nähern, offene Türen zu finden und bleiben zu können. So funktioniert die stetige Radikalisierung dann ganz von allein und schrittweise. Im Gegensatz dazu, und auch wenn wir das nicht gerne hören wollen, haben linke Räume Hürden, die offenen Türen grundsätzlich entgegenstehen und die wir oft selbst gar nicht mehr als solche wahrnehmen. Seien es Regeln für Plena, notwendige Vertrauensbrücken, um überhaupt erst in einen Raum zu kommen, die (Nicht-) Verwendung bestimmter Begriffe, Bezeichnungen, die außerhalb linker Strukturen kaum jemand kennt und nicht zuletzt die vermeintlich einfachen Antworten und Lösungen von rechts, die Diskussionen und Konsensentscheidungen links gegenüberstehen. Das fängt teilweise schon bei dem Begriff Küfa an oder dem plötzlichen „Wedeln“, um Zustimmung zu signalisieren. Für uns kaum nachvollziehbar, sind das Dinge, die Menschen zu „Außenstehenden“ machen, ohne dass es bewusst oder gar mit böser Absicht erfolgt. Auch das war ein Lerneffekt aus dem Kollapscamp und dem Orga – Prozess des Ganzen. Linke Räume sind (wenn auch aus richtigen, guten und nachvollziehbaren Gründen) oft weniger offen, als wir uns das wünschen oder eingestehen und das ist ein Problem, welches uns gerade in den letzten Jahren auch bezüglich unserem Mobi – Potential aufgefallen ist. Wir stecken oft in unserer Blase fest und trotz aller Bemühungen gelingt es uns kaum, diese zu verlassen.</p><p>Rechte Räume scheinen da wesentlich leichter zugänglich. Zu allem Überfluss kommt angesichts der aktuellen politischen Situation hinzu, dass es oft gar keine expliziten „Räume“ sind bzw. es diese gar nicht braucht. Es ist der Alltag selbst, der sich leider viel zu oft als rechter Raum präsentiert: die Schlange an der Supermarktkasse, das Gespräch mit dem Nachbarn über den Gartenzaun hinweg, das Wartezimmer…all das sind Situationen, die ich inzwischen häufig als rechten Raum wahrnehme. Das bedeutet, es gibt keinerlei Hürden oder Barrieren, um rechte Gedanken zu teilen und damit völlig ungefiltert Menschen zu erreichen. Fallen diese Aussagen auf fruchtbaren Boden, steht einer unmittelbaren Kontaktaufnahme, einer Fortführung des Gespräches und im schlimmsten Fall auch der Einladung zu intensiverem Austausch absolut nichts im Wege. Sogar für den Fall das solche Gespräche und Aussagen eine Gegenreaktion hervorrufen, steht man als diejenige, die dem widersprechen möchte, schon vor dem ersten Problem: ich muss mich outen. Ich muss mich in eine Situation begeben, die mich sichtbar, im schlimmsten Fall angreifbar und identifizierbar macht. Dabei sollte man sich auch überlegen, wie groß der tatsächliche Nutzen eines geäußerten Widerspruchs ist. Er macht das, was gesagt wurde, nicht ungesagt und befeuert unter Umständen eine Diskussion, die nur noch Raum für mehr Nazi – Propaganda schafft. Der Alltag ist rechter Raum, er umgibt uns und wir bewegen uns fast ständig in diesem, völlig barrierefrei, im wahrsten Sinne des Wortes.</p><p>Möchte ich linke Räume aufsuchen, bedeutet es genau das: ich muss suchen und zu einem bestimmten Ort gehen. Ich muss eine linke Struktur in meiner Nähe finden, zu einem Plenum, einer Diskussion, einem OAT (hallo Hürden: offener Antifa – Tresen) etc. gehen. Gibt es all das nicht, wird es noch schwieriger und die Hürden noch höher. Das in Kombination mit den oben genannten Beispielen, die die Teilnahme an, das Sein und Bleiben in linken Räumen erschweren, besteht kein Zweifel mehr daran, dass wir hier ein großes Problem haben. Somit ist es durchaus angebracht, sich damit genauer auseinanderzusetzen und die Frage „was mache ich mit Arschlöchern?“ ganz bewusst zu stellen. </p><p><em>Ausschluss oder Toleranz?</em></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/27bca2f1-f5ff-4e3e-a81d-165ade651835/uploads/images/4eutercdca/this.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="bildliche Darstellung der Begriffe Exklusion, Separation, Integration und Inklusion mit verschieden farbigen Vierecken, die entsprechend angeordnet sind."/><p>Dabei plädiere ich keineswegs dafür im Sinne der Anschlussfähigkeit alle Hürden fallen zu lassen, im Gegenteil. Wie bereits oben erwähnt, haben diese Hürden Gründe und Legitimation, Sicherheitsaspekte seien hier nur als ein Beispiel genannt. Angesichts des Raumes, der von rechts inzwischen völlig automatisch eingenommen wird, gilt es vielleicht umso mehr, gerade im Rahmen von Bewegungsräumen deutliche Abgrenzungen vorzunehmen und durchzusetzen, uns eigene RECHTS – freie Räume bewusst zu schaffen und zu verteidigen. Abgesehen davon haben mich Jahre im Klimaaktivismus gelehrt, dass Anschlussfähigkeit einen Preis hat, der meiner Meinung nach teilweise zu hoch war und ist, zumal auch hohe Anschlussfähigkeit und vermeintliche Mehrheiten nicht automatisch zu den gewünschten Ergebnissen führen (Stichwort: Kohlepäckchen), weil Machtdynamiken, Arschlöcher und Kapitalismus nicht mit bedacht werden. Wir dürfen und sollten also sehr genau überlegen, wie offen wir unsere Räume gestalten wollen, mit wem wir die Welt retten oder wenigstens verbessern wollen und <strong>können </strong>(was übrigens ein sehr relevanter Faktor ist). Diese Fragen muss eine Kollapsbewegung meiner Meinung nach jedoch (zum Glück?) nicht sofort, vielleicht noch nicht mal mittelfristig beantworten. Da wir quasi ganz automatisch vom Grundsatz her eine linke politische Ausrichtung verfolgen, was zu einem Großteil in den Menschen und Strukturen begründet liegt, die an der Entstehung beteiligt waren, sich darin wiederfinden und engagieren, ist auch die Personengruppe bereits angelegt, die sich von uns angesprochen fühlt. Außerdem geht es inhatlich um Solidarität, auch das ist etwas, was bestimmte Personen scheuen wie der Teufel das Weihwasser. Wir werden (noch eine ganze Weile) nicht diejenigen anziehen, die uns in Versuchung führen werden, über bewussten Ausschluss und strikte Regeln etc. nachzudenken, weil unsere roten Linien bewusst, gewollt und aus Überzeugung überrannt werden. Diese Menschen haben bereits ihre Nische (und den öffentlichen Raum) und auch keinerlei Interesse daran, mit anderen für andere etwas aufzubauen und anzupacken. Wahrscheinlich müssen also ein paar von uns etwas mehr Geduld und Toleranz, sowie eine nicht sofort ausschließende, strafende Fehlerkultur erlernen, um denen, die nicht von Anfang an all unsere Codes und Regeln kennen und beachten, die nicht sofort alles zu Tausend Prozent richtig machen, die Chance zu geben, mit uns zu lernen, Dinge, Wissen und Fähigkeiten zu entwickeln und dadurch ausreichend offen für all diejenigen zu bleiben, die mit uns wollen und mit denen wir können. Es wird uns vielleicht nicht auf Dauer erspart bleiben, aktiv über Exklusion nachzudenken und Antworten zu finden, aber für den Moment ist es in Ordnung, erstmal zu sehen, was passiert und uns selbst immer wieder daran zu erinnern, was solidarisches Preppen für uns bedeutet: gemeinsam so gut wie möglich durch die kommenden Krisen, weil es nicht Vorräte sind, die uns retten und helfen, sondern Beziehungen und die sind niemals so ganz einfach und konfliktfrei. Mit Blick auf diejenigen unter uns die weiterhin (und gerne verstärkt) dem radikalen Aktivismus die Treue halten, sei aber nochmals auf die Notwendigkeit und Richtigkeit bestimmter hoher Hürden verwiesen. Angesichts von Repressionen aller Art und geschuldet den Erfahrungen mit Anschlussfähigkeit um jeden Preis, würde ich hier sogar für teilweise noch deutlich massivere Barrieren unter dem Blickwinkel von Vorsichtsmaßnahmen plädieren. Wenn das alles Früchte trägt und wir im besten Fall tatsächlich die Welt retten, sind wir vermutlich alle so sehr und verdientermaßen mit Feiern beschäftigt, mit dem guten Leben für alle, dass die Frage, für wen wir sie nun AUCH gerettet haben, keine Rolle mehr spielt - bis wir wieder anfangen müssen zu überlegen, wie wir die Arschlöcher davon abhalten, mit dem ganzen Mist einmal mehr von vorne anzufangen… 😉.</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Tue, 04 Nov 2025 07:36:34 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Kolonialismus und koloniale Kontinuitäten sind Kriegsursachen von…]]></title>
      <description><![CDATA[Teil 1: Kongo Wohin wir uns drehen und wenden, sehen wir bewaffnete Auseinandersetzungen, heiße Kriege bis hin zu Völkermorden: Ukraine, Sudan, Kongo, Jemen, Palästina,…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 02 Nov 2025 15:32:55 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Hopeless vs. hope less]]></title>
      <description><![CDATA[Weniger Hoffnung zu wagen, ist ein lohnenswerter und notwendiger Ansatz, der uns überraschenderweise zu viel optimistischeren Menschen machen kann.]]></description>
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      <pubDate>Tue, 28 Oct 2025 10:49:07 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Soli - Preppen als (m)ein Weg in und mit der Kollapsbewegung]]></title>
      <description><![CDATA[Starten will ich mit einem ersten kurzen Ausblick auf das, was logische Fortsetzung meiner politischen Arbeit und konkretes Projekt für 2026 ist.]]></description>
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      <pubDate>Tue, 14 Oct 2025 20:38:39 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Zur Eigenständigkeit von Klimabewegung und Kollapsbewegung]]></title>
      <description><![CDATA[Wir alle sind gefangen im Schubladendenken und im Wunsch nach klaren Zuordnungen. Das merkt man an der Frage: Ist die Kollapsbewegung Teil der Klimabewegung?]]></description>
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      <pubDate>Tue, 07 Oct 2025 15:57:43 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Wir sind alle Antifa…]]></title>
      <description><![CDATA[…oder eben doch nicht? Wie sehr dieser oft benutzte Demo – Spruch zutrifft, muss sich noch zeigen und ich befürchte, es wird böse Überraschungen + Enttäuschungen geben.]]></description>
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      <pubDate>Tue, 30 Sep 2025 17:46:53 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Generalstreik, Deutschland?]]></title>
      <description><![CDATA[Gestern dann stand Italien größtenteils still, lahmgelegt durch einen Generalstreik für Gaza. Alles nicht so einfach hier bei uns, oder doch?]]></description>
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      <pubDate>Tue, 23 Sep 2025 08:13:54 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Lessons & Ambitions, Kollapscamp 2025]]></title>
      <description><![CDATA[Die großartigen Menschen aus Schweden, die wir mit den “Stop the Bleed” - workshops beim Kollapscamp zu Gast haben durften, haben einen Rückblick auf's Camp verfasst.]]></description>
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      <pubDate>Fri, 19 Sep 2025 15:09:01 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Schutz – Selbstverteidigung, Gegengewalt, Sicherheit]]></title>
      <description><![CDATA[Im Rahmen des Kollapscamps wurden ganz bewusst, auch aufgrund eigener Ängste und Erfahrungen, sowie aus Analysen politischer Entwicklungen der letzten Jahre,…]]></description>
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      <pubDate>Tue, 16 Sep 2025 07:03:37 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Schafft 2, 3, viele Kollapscamps]]></title>
      <description><![CDATA[Heute keine Diskussionsanstöße oder schwere politischen Themen von mir, sondern nur ein paar kurze Sätze zur Frage eines Kollapscamps 2026. ]]></description>
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      <pubDate>Thu, 11 Sep 2025 13:39:29 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[The Tyranny of Leaderlessness]]></title>
      <description><![CDATA[Ich halte die Zeit jetzt für gekommen, um es linken Strukturen nicht länger zu erlauben, sich der dringend nötigen Diskussion um leadership zu entziehen.]]></description>
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      <pubDate>Mon, 08 Sep 2025 06:31:55 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[„Rheinmetall entwaffnen“ und „Shut the System“ – jetzt erst recht]]></title>
      <description><![CDATA[Ihr wisst, ich werde Ende August auf dem Kollapscamp sein und ich bedauere gerade extrem, dass wir uns mit „Rheinmetall entwaffnen“ überschneiden.  Alle anderen: hin da!]]></description>
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      <pubDate>Thu, 21 Aug 2025 09:11:31 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Wir brauchen eine Krise der Regierbarkeit]]></title>
      <description><![CDATA[Die aktuelle politische Situation ist beschissen und für viele Personen und Personengruppen, die in bestimmte Schubladen gezwungen werden, zunehmend gefährlich. ]]></description>
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      <pubDate>Sun, 17 Aug 2025 09:06:53 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Disasterjustice]]></title>
      <description><![CDATA[Bei den auf uns zukommenden Katastrophen und auch bei denen, die schon mitten unter uns sind, wird die Gerechtigkeit noch weiter auf der Strecke beiben.]]></description>
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      <pubDate>Fri, 30 May 2025 09:09:32 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Warum wir über die RAF reden sollten]]></title>
      <description><![CDATA[Wir sind angetreten für den Kampf gegen das System, der nicht von allein gewonnen wird. Wenn wir da nicht mit Mut und Solidarität agieren, wann und wo dann?]]></description>
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      <pubDate>Sun, 25 May 2025 16:17:32 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Klimaaktivismus, quo vadis? (Komm doch mit zum Kollapscamp)]]></title>
      <description><![CDATA[Im Rahmen von Pressearbeit für das Kollapscamp fragte mich gestern eine Journalistin unter anderem, ob es Klimaaktivismus gerade überhaupt noch gibt...]]></description>
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      <pubDate>Fri, 23 May 2025 08:43:33 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Lasst uns – mal wieder – campen, aber anders]]></title>
      <description><![CDATA[Eine Revolution müssen wir alle sein – mit neuen Ansätzen und Ideen, organisiert, wachsend und solidarisch.]]></description>
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      <pubDate>Sun, 18 May 2025 08:34:05 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Das Hinterland ist zu ruhig]]></title>
      <description><![CDATA[Liebe Linke, wir müssen reden über Organisierung, Mut, Widerstand, Protest. Gestern haben wir uns zum Gespött gemacht und uns selbst weiter geschwächt. Vermutlich seht ih]]></description>
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      <pubDate>Thu, 14 Dec 2023 11:02:39 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Wie die Bewegung beim Thema Resilienz tatsächlich wieder in Bewegung…]]></title>
      <description><![CDATA[Resilienz meint die Fähigkeit, sich zu erholen, Flexibilität in eigenen Handlungen zu schaffen und zu erhalten, Widerstandsfähigkeit gegen das, was von außen einwirkt.]]></description>
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      <pubDate>Sat, 28 Oct 2023 09:45:31 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Unser strategisches Problem heißt Letzte Generation]]></title>
      <description><![CDATA[Das größte Problem der Bewegung, die aktuell versucht, sich neu zu organisieren, Allianzen zu schmieden und wieder schlagkräftiger zu werden, lauert in den eigenen Reihen]]></description>
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      <pubDate>Mon, 14 Aug 2023 09:10:32 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Strafvollzug ist nicht reformierbar – warum wir Knäste abschaffen…]]></title>
      <description><![CDATA[Einblicke in den Knastalltag sind recht selten, zumindest die ungeschönten, die Rassismus und LGBTQIA+ - Feindlichkeit, die kleinen und großen Schikanen benennen. Es…]]></description>
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      <pubDate>Sat, 03 Jun 2023 11:44:52 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Eine Bestandsaufnahme der Klimagerechtigkeitsbewegung - einiges…]]></title>
      <description><![CDATA[Ein (Zwischen-)Fazit, realistisch, pessimistisch, wütend, aber auch mit ein bisschen Hoffnung Fridays For Future hat den Zenit überschritten. Das hat viel weniger mit…]]></description>
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      <pubDate>Sat, 03 Jun 2023 11:42:47 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Kapitalismuskritik vs. Staatsgefährdung]]></title>
      <description><![CDATA[Geld regiert die Welt – jede*r hat diesen Satz schon gehört und inzwischen wird mehr und mehr Menschen klar, wieviel Wahrheit in diesem Satz steckt und wieviel Gefahr in…]]></description>
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      <pubDate>Sat, 03 Jun 2023 11:34:07 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Durch Risiko und neue Allianzen wieder in Bewegung kommen]]></title>
      <description><![CDATA[Massenhafter »Ziviler Ungehorsam« (ZU) ist in der Protestkultur von vielen sozialen Bewegungen angekommen. Etwas, das aktuell oft unter dem Begriff »Ziviler Ungehorsam…]]></description>
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      <pubDate>Sat, 03 Jun 2023 11:29:01 +0000</pubDate>
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