Neue Studie: EMDR-Therapie lindert starke Regelschmerzen – Hoffnung für Millionen Frauen

Regelschmerzen als unterschätztes Gesundheitsproblem
Primäre Dysmenorrhoe – also starke Regelschmerzen ohne organische Ursache – betrifft weltweit zwei von drei Frauen im gebärfähigen Alter. Betroffene leiden monatlich unter Krämpfen, Rückenschmerzen, Übelkeit oder Kopfschmerzen. Neben der körperlichen Belastung entstehen erhebliche Einschränkungen im Alltag, in Studium und Beruf.
Lange Zeit galten Schmerzmittel (z. B. Ibuprofen) oder hormonelle Therapien als Standard. Doch nicht alle Frauen sprechen darauf an, manche vertragen sie nicht oder möchten keine Medikamente einnehmen. Deshalb wächst das Interesse an nicht-medikamentösen Methoden.
Studie aus Iran und Großbritannien: EMDR bei Dysmenorrhoe getestet
Ein Forscherteam der Qazvin University of Medical Sciences (Iran) in Kooperation mit der Nottingham Trent University (UK) hat eine randomisierte kontrollierte Studie durchgeführt.
Zeitraum: April 2019 bis Februar 2020
Publikation: Discover Mental Health (Springer Nature, 2025)
Teilnehmerinnen:
88 Studentinnen mit primärer Dysmenorrhoe
Durchschnittsalter ca. 22 Jahre
Methode:
Interventionsgruppe: Zwei Sitzungen Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR) à 60 Minuten
Kontrollgruppe: Keine spezielle Behandlung
Alle durften ihre gewohnten Methoden zur Schmerzlinderung fortsetzen
Ergebnisse:
Schmerzintensität: signifikant gesenkt (p < 0.001, großer Effekt)
Schmerzdauer: verkürzt, besonders nach zwei Monaten
Psychische Belastung: weniger stark in der EMDR-Gruppe
Medikamenteneinnahme: deutlich reduziert
Nebenwirkungen: keine berichtet
👉 Fazit der Autor:innen: EMDR ist eine sichere, effektive und kostengünstige Ergänzung zur Behandlung von Regelschmerzen.
Wie EMDR in der Studie angewendet wurde
Die Forscher:innen nutzten das klassische 8-Phasen-Protokoll von EMDR:
Anamnese: Schmerzen und negative Überzeugungen erfassen („Ich bin schwach“).
Vorbereitung: Erklärung der Methode, Sicherheit und Stabilisierung.
Evaluation: Auswahl einer negativen Kognition + positives Gegenbild („Ich kann das bewältigen“).
Desensibilisierung: Bilaterale Stimulation (Augenbewegungen, Tapping) in Verbindung mit dem Schmerzbild.
Installation: Verstärkung der positiven Kognition.
Körper-Scan: Überprüfung von Restspannung.
Abschluss: Sitzung endet stabil.
Wiederbewertung: Kontrolle der Wirkung in der nächsten Sitzung.
In 90 % der Fälle reichten zwei Sitzungen, bei 8 % war eine dritte notwendig.
Einordnung: Warum wirkt EMDR bei Schmerzen?
Neurobiologisch: EMDR beeinflusst die Schmerzverarbeitung im Gehirn. Stress und Angst steigern die Schmerzwahrnehmung, EMDR reduziert diese emotionale Alarmierung.
Psychologisch: Alte negative Verknüpfungen (z. B. Ohnmachtserfahrungen) werden überschrieben durch stärkere, positive Bedeutungen.
Körperlich: Durch die Regulation sinkt die muskuläre Anspannung, der Schmerz verändert sich.
Übertragung auf Emoflex: Selbstanwendung für Frauen mit Dysmenorrhoe
🧘 Emoflex bei Dysmenorrhoe – Selbstanwendung Schritt für Schritt
1. Wahrnehmen und Übersetzen
👉 Nimm dir einen ruhigen Moment, wenn die Schmerzen einsetzen.
Schließe die Augen und frage dich:
„Wenn mein Schmerz ein Bild oder eine Gestalt wäre – wie würde er aussehen?“Typische Metaphern:
Ein glühender Stein im Bauch
Ein schwarzer Knoten, der drückt
Ein Sturm oder Gewitter im Unterleib
Ein Eisenring, der alles zusammenschnürt
Das Bild ist dein innerer Ankerpunkt für die Arbeit.
2. Bilaterale Stimulation starten
👉 Wähle eine Form, die dir angenehm ist:
Augenbewegungen: Hin- und herblicken, dabei das Bild im Fokus halten
Tapping: Abwechselnd sanft auf die Oberschenkel klopfen
Rhythmisches Atmen: Links/Rechts-Atmung spüren
Die bilaterale Stimulation ist der „Motor“, der dein Gehirn in einen Verarbeitungsmodus bringt – ähnlich wie im REM-Schlaf.
3. Wandlung beobachten
👉 Während der Stimulation verändert sich das innere Bild fast von allein:
Der glühende Stein wird kleiner oder kühler
Der schwarze Knoten löst sich auf
Der Sturm wandelt sich in Regen oder Sonne
Es geht nicht darum, aktiv zu „wollen“, sondern die Transformation geschehen zu lassen.
4. Positives Zielbild installieren
👉 Lade jetzt ein Bild ein, das den gewünschten Zustand symbolisiert:
Eine warme Welle, die entspannt
Ein Fluss, der frei und ruhig fließt
Licht oder Wärme, die sich ausbreiten
Verstärke dieses Bild mit bilateraler Stimulation, bis es sich stimmig anfühlt.
5. Körper-Check
👉 Zum Schluss spüre in deinen Bauch:
Wie stark sind die Schmerzen jetzt auf einer Skala von 0–10?
Gibt es Stellen, die leichter oder freier wirken?
Bleibt Restspannung, kannst du eine weitere Runde machen.
✨ Warum Emoflex hier wirkt
Schmerzgedächtnis wird neu verknüpft: Der Körper speichert die Regelblutung nicht mehr als Alarm.
Stressreaktion wird reguliert: Angst vor dem Schmerz verstärkt den Schmerz – Emoflex nimmt den „emotionalen Verstärker“ raus.
Selbstwirksamkeit: Statt Ohnmacht erleben Frauen: „Ich kann etwas tun!“
Grenzen der Studie
Nur junge Studentinnen untersucht – Ergebnisse sind nicht ohne Weiteres auf andere Gruppen übertragbar.
Beobachtungszeitraum nur zwei Monate – Langzeiteffekte unklar.
Keine Placebo-Kontrollgruppe – ein Teil der Wirkung könnte Erwartungseffekte enthalten.
Trotzdem liefert die Studie starke Hinweise: Bilaterale Stimulation ist ein vielversprechender Ansatz zur Behandlung von Regelschmerzen.
Fazit
EMDR reduziert nachweislich Regelschmerzen, Belastung und Medikamentengebrauch.
Emoflex bietet die Chance, diese Prinzipien in die Selbsthilfe zu übertragen.
Damit entsteht ein neuer Zugang für Frauen, die monatlich unter Dysmenorrhoe leiden und Alternativen zu Schmerzmitteln suchen.
Quelle: Valedi S, Chegini V, MoradiBaglooei M, Ranjbaran M, Griffiths MD, Alimoradi Z. Effect of eye movement desensitization and reprocessing on intensity of primary dysmenorrhea: a randomized controlled trial. Discov Ment Health. 2025 Aug 29;5(1):132. doi: 10.1007/s44192-025-00265-8. PMID: 40879852; PMCID: PMC12397053.