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“Die ersten Ökos hatten niemanden auf ihrer Seite”

Hoffnungsinterview mit Luisa Neubauer/ Zwei Fragen an Joschka Fischer

Das Hoffnungs-Interview am 18. Mai in Berlin

Ausdauer. In bewegten Zeiten bewundere ich Menschen, die ausdauernd sind, die durchhalten. Auch deshalb ist Luisa Neubauer ein großes Vorbild für mich. Seit über acht Jahren ist die Sprecherin von Fridays for Future für den Klimaschutz aktiv. Mit 30 Jahren hat sie bereits sechs Bücher veröffentlicht.

Trotzdem muss man klar sagen: Klimaschutz ist momentan alles andere als on vogue. Woher also kommt ihre Ausdauer, woher kommt ihre Hoffnung, dass ihr Lebensthema einen gesellschaftlichen Aufwind erfährt? Das durfte ich Luisa auf der re:publica fragen.

Die “Good News der Woche” ist in dieser Woche mal keine Nachricht, sondern ein kurzes Gespräch mit einem, der die Nachrichten verfolgt: freut euch auf zwei Fragen an Joschka Fischer. Viel Spaß beim Lesen!

Luisa, wäre heute Bundestagswahl, könnten CDU und AfD zusammen eine Mehrheit bilden. Eine Mehrheit, die sich kritisch gegenüber Klimaschutz positioniert, oder ihn sogar aktiv leugnet. Woher ziehst du die Hoffnung, dass sich das wieder ändert?

Neubauer: Die ersten Ökos, die vor 500, 250, oder eben auch 30 Jahren gesagt haben - “wir ziehen jetzt durch”, die hatten niemanden auf ihrer Seite. Aber sie wussten, dass es notwendig ist. Das Gute ist ja: es geht nicht darum, dass am Ende Friedrich Merz auf uns hört. Sondern Friedrich Merz muss auf irgendwen hören, der über Sinn und Verstand verfügt und mit der Faktenlage im Gepäck weiß, was in dieser Welt abgeht. Diese Personen oder Kräfte werden wir schon finden. Am liebsten würden wir natürlich eine Klimatransformation mit der Regierung machen. Wir machen sie notfalls aber auch gegen die Regierung.

Aber am Ende kommt es doch auf politische Entscheidungen an. Mit Friedrich Merz ist euer Austausch mit der Politik ja nochmal weniger intensiv als noch unter Merkel. Wie gelingt euch als Fridays for Future das Übersetzen in politische Prozesse?

Neubauer: Ich glaube, wir Ökos sind ganz gut beraten, ab und zu einzuchecken und festzustellen, dass das eine große Gruppenarbeit ist. Wir müssen und wir können gar nicht alles machen. In einer Regierung, die recht neoliberal tickt und vor allem auf Wirtschaftskräfte hört, ist es unser größter Job, gerade in der Wirtschaft Verbünde zu finden, die dann auf anderen Wegen, in anderen Sprachen, in anderen Tonlagen die Dinge vorantreiben. Da sind wir dann anders gebraucht. Diese Umwege gehen wir, das haben wir schon immer gemacht. Auch der klimahassenste Öko-Verachter muss gerade feststellen, dass die Energiewende boomt, dass genau dort eine Zukunft wächst und dass immer mehr Menschen checken: wir wollen nicht länger abhängig sein von fossilen Energien. Also gehen wir Richtung demokratische Freiheit.


Hast du manchmal Motivationslöcher, wo du dich selbst fragst, was Euer Engagement eigentlich bringt? Und wenn ja - wie ziehst du dich da wieder raus?

Neubauer: Es gibt so ein riesiges Missverständnis von ewig gut gelaunten und zuversichtlichen Klimaaktivisten, die jeden Tag durchs Blumenfeld hüpfen. Ich – wir – sind auch verzweifelt, traurig, deprimiert und fragen uns, wo es hingeht. Das alles braucht man aber. Man muss gar nicht Hoffnung haben, um auf eine Demo zu gehen, sondern man geht da erstmal so hin, man geht so zum Plenum, man engagiert sich erstmal, weil man weiß, das ist gerade richtig. Und dann, wenn man da ist und die anderen Leute sieht und sagt, ah ja, wir machen ja weiter - dann klärt sich die Sache mit der Hoffnung oft von selbst.


Danke dir!

Good News der Woche #10 - mit Joschka Fischer

Fischer im Interview mit dem Fernsehmoderator Louis Klamroth

Herr Fischer, wenn Sie auf die Nachrichtenlage blicken, haben Sie da Hoffnung?

Fischer: Naja, die Europäer haben das bisher den Umständen entsprechend einigermaßen hingekriegt und werden es weiter hinkriegen müssen. Die USA haben sich verabschiedet, wir sind allein, Russland im Osten, Trump im Westen. Das muss Konsequenzen haben.

Was ist Ihr Wunsch oder Ihr Rat an meine, junge Generation?

Fischer: Die Jugend muss die Welt nicht retten. Alle Generationen haben diese Aufgabe gemeinsam. Aber auf Euch wird es ankommen und die entscheidende Frage ist, geht es in Richtung Nationalismus oder bleiben wir auf der Spur Richtung Europa? Ich bin sehr für das Zweite.

Am kommenden Sonntag wird es ein längeres, tiefgründiges Interview geben, mit einer Autorin, die ich sehr bewundere. Die Rede ist von Jagoda Marinić. Nachdem sie früh als Schriftstellerin Karriere machte, wandte sie sich in den 2010er-Jahren dem politischen Schreiben zu. Ihr Podcast “Freiheit Deluxe”, produziert vom Hessischen Rundfunk, erscheint in Kürze wöchentlich, dazu ist Marinić Festivalleiterin und Kolumnistin beim stern. Ein spannendes Gespräch mit einer spannenden Person.

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Euer Hendrik