Skip to main content

Eine Hommage ans Spazierengehen

Es gibt kaum etwas Simpleres – und zugleich kaum etwas Wirksameres – als Spazierengehen. Dieses unscheinbare „Popo-Lüften“, wie wir in Deutschland so charmant sagen, ist für mich längst mehr als ein kleiner Ausflug vor die Tür. Es ist Therapie. Ein Reset. Ein Weg zurück zu mir selbst.

Manchmal vergesse ich, wie privilegiert wir damit eigentlich sind. Es gibt Regionen auf der Welt – ich denke an Ecken in den USA –, in denen Spazierengehen schlicht nicht vorgesehen ist. Keine Gehwege, keine zusammenhängenden Routen, keine Orte, an denen man einfach loslaufen kann. Dass ich in Deutschland einfach die Tür öffnen und losgehen darf, ohne große Planung, fühlt sich für mich mittlerweile wie ein Geschenk an.

Und vielleicht schätze ich das so sehr, weil ich den Unterschied kenne. Vor zweieinhalb Jahren, auf dem Land, war meine Runde immer dieselbe. Immer gleich. Immer vorhersehbar. Ich mochte sie, weil sie ein Teil meines Alltags war – doch sie hat mich irgendwann gelangweilt. Sie war Routine. Nicht Inspiration.

Jetzt, in der Stadt, habe ich plötzlich unendlich viele Möglichkeiten.

Neue Wege, neue Straßen, neue Abzweigungen.

Ich kann heute links, morgen rechts gehen, oder einfach mittendrin entscheiden, spontan abzubiegen. Die Stadt schenkt mir Vielfalt, und genau das liebe ich so sehr. Jede Runde fühlt sich ein bisschen anders an. Und jedes Mal komme ich ein Stück wacher zurück nach Hause.

In Bewegung

Spazierengehen bringt meinen Kopf in Bewegung, und damit auch meine Gedanken. Wenn ich gehe, sortiert sich alles ein bisschen leichter. Ich merke, wie mein Atem ruhiger wird, mein Schritt sich einpendelt, mein Nervensystem langsam runterregelt. Und genau dann passiert es: Die guten Ideen kommen. Die klaren Sätze. Die Antworten, die ich vorher nicht greifen konnte.

Vielleicht liegt darin das eigentliche Geheimnis des Gehens:

Der Körper bewegt sich – und die Seele atmet auf.

Ich komme fast immer erfrischt zurück. Mit warmen Wangen. Mit einem Körper, der dankbar ist, dass ich ihn mitgenommen habe. Und mit einem Kopf, der wieder mehr Platz hat.

Das Spazierengehen ist für mich eine der freundlichsten Arten, sich um sich selbst zu kümmern. Nicht kompliziert, nicht teuer, nicht laut. Einfach Schritt für Schritt, draußen, im eigenen Tempo.

Und jedes Mal denke ich:
Wie gut, dass ich einfach losgehen kann.

Topic Leichter Leben

0 comments

Would you like to be the first to write a comment?
Become a member of Frlordnung and start the conversation.
Become a member