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Unrast #15: Februar

Beobachtungen aus dem zweiten Monat des Jahres.

In der Mittagspause sitzt sie mit einem Roman in ihrer Erdgeschosswohnung in einem schmalen Streifen Sonne. Second-hand sunshine vom Haus gegenüber.

Er bleibt vor dem Eisladen stehen, der erst im Frühling öffnen wird. Geht trotzdem die drei Stufen hinauf, blickt durch die Scheibe. Er zieht den Hosenbund nach oben, als schnalle er sich den Gürtel enger. Für einen Moment möchte ich ihm auf die Schulter tippen und sagen: Ich kann es auch kaum erwarten.

Ich lasse es.

Er muss das alte Ergometer um ein paar Ecken gezerrt haben, bevor er es ausgerechnet im Velo- und Mofa-Halteverbot vor dem Denner an der Josefstrasse parkiert hat. Vielleicht hat er danach noch seine PET-Flaschen zurückgebracht und ein Bier gekauft, sich damit auf sein Sofa gesetzt und die Leerstelle im Wohnzimmer betrachtet. Dreissig Jahre gute Vorsätze – jetzt ist Schluss.

Als ich über die Strasse gehe, fallen dicke Klumpen Erde von meinen Stiefeln. Ich bin vorhin über die nasse Wiese gelaufen, um die Krokusse zu begrüssen, die die Köpfe aus der Erde strecken.

Am Ende der Strasse, über der Wiese, blitzt noch Hellblau und Rosa durch die kahlen Äste. Es ist 18.30 Uhr. Draussen zwitschern Vögel.

Statt zur Bushaltestelle auf der Brücke gehe ich jeden Abend einen Umweg: vorbei am Kornsilo, wo sie das Mehl mahlen, mit dem ich meine Brote backe. Über den Fluss, in dem manchmal der Ruderverein bei Flutlicht trainiert. An den Bahngleisen entlang den Hügel hinauf. Auf dem kleinen Platz standen gestern noch ein paar Marktstände. Vor der Bar sitzen jeden Abend mehr Menschen.

Topic Digitale Notizen