Hallo,
vor ein paar Tagen war Halloween und der Deutsche Frauenrat postete diese Kachel:
(Öffnet in neuem Fenster)Die Idee wurde von vielen weitergesponnen. Andere schrieben: “Ich gehe als Frauenhausplatz: Alle behaupten, es gäbe mich, aber niemand kann mich finden.” Ich war kurz davor, eine Zitatkachel mit diesem Text zu basteln:
An Halloween gehe ich als Hausfrau. Alle interviewen mich. Dabei gibt es mich gar nicht.
In diesem Newsletter (Öffnet in neuem Fenster) bezeichnete ich die Hausfrau schon vor ein paar Wochen als Debattengespenst und vertiefte diesen Gedanken später bei Übermedien (Öffnet in neuem Fenster).
Denn meiner Meinung nach ist diese ganze Diskussion um neue Hausfrauen ein mediengemachtes Thema. Tatsächlich kennt die Erwerbstätigkeit von Frauen seit dem Zweiten Weltkrieg nur eine Richtung, und zwar nach oben (Öffnet in neuem Fenster).
75,2 Prozent der Frauen zwischen 20 und 64 Jahren sind aktuell erwerbstätig. Daraus lässt sich nicht schließen, dass die restlichen 24,8 Prozent Hausfrauen sind. Vielleicht studieren sie, sind auf Arbeitssuche, vorübergehend in Elternzeit, schon im Ruhestand oder länger krankgeschrieben. Dass mehr Hype als Realität in der Tradwives-Debatte steckt, ergab kürzlich eine Umfrage des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (Öffnet in neuem Fenster).
Daher nochmal ganz langsam und zum Mitschreiben: Es gibt fast keine Hausfrauen in Deutschland. Und die wenigsten Frauen wollen eine sein.
Redaktionen scheinen trotzdem wild entschlossen, dieses kaum existente Lebensmodell ausführlich zu beschreiben, zuletzt die Süddeutsche Zeitung in einem Streitgespräch zwischen der angeblichen “Vollzeitmutter” Victoria Bonelli und einer der in Vollzeit erwerbstätigen Mutter (Öffnet in neuem Fenster) Giulia Catana. Bei der ersten Lektüre dieses Textes fand ich ihn vor allem inhaltlich schwach.