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Erinnerung an Nazi-Verbrechen: Westbahnhof statt Wendelinsgrube? // Theo Miller: Laupheim im Fokus - und im Herzen // Baubürgermeister/in gesucht

Der Newsletter von und für Menschen aus Laupheim und Umgebung

27. April 2026, von Reiner Schick

Liebes Mitglied der CarlL-Community,

heute widme ich mich zwei größeren Themen der vergangenen Woche: Zum einen der Sonderausstellung “Laupheim im Herzen - Das Fotoarchiv von Theo Miller” im Museum zur Geschichte von Christen und Juden, deren Eröffnung viele Besucherinnen und Besucher auf den Schlossberg gelockt und berührt hat, zum anderen der im Gemeinderat erneut diskutierten Frage, ob eine Gedenkstätte in der Wendelinsgrube an die dortige Zwangsunterbringung und Deportation jüdischer Menschen aus Laupheim zur NS-Zeit erinnern soll. Außerdem werfe ich einen kurzen Blick auf eine für die Zukunft der Stadt nicht ganz unbedeutende Ausschreibung: Die Besetzung der Stelle der/des ersten Bürgermeisterin oder Bürgermeisters, in Laupheim hauptverantwortlich für das Baudezernat.

Wendelinsgrube oder Westbahnhof: Was taugt als Erinnerungsstätte?

Es ist ein besonders dunkles Kapitel in der Geschichte der Stadt Laupheim: Von Oktober 1941 bis August 1942 steckten die Nazis jüdische Menschen, die aus ihren Häusern verjagt worden waren, in die eigentlich als Notunterkünfte für Obdachlose errichteten Wohnbaracken in der Wendelinsgrube. 31 Jüdinnen und Juden wurden von dort zum Westbahnhof gebracht und in vier Transporten in Konzentrations- und Vernichtungslager deportieren. Insgesamt wurden 69 Jüdinnen und Juden von Laupheim aus deportiert und ermordet.

Eine dieser Holzbaracken - das Gebäude Nummer fünf (Bild: Reiner Schick) - steht heute noch, dem weiteren Verfall geweiht, in fast unmittelbarer Nachbarschaft zu nach wie vor als Unterkünfte für Obdachlose genutzten Containern und Baracken. Eignet sich diese Konstellation, um Baracke Nummer fünf zu einem musealen Erinnerungsort zu gestalten? Darüber diskutiert man in Laupheim, vor allem in der Stadtverwaltung und im Gemeinderat, schon lange. In deren Auftrag hat jetzt Museumsleiter Dr. Michael Niemetz die Situation untersucht und in der Sitzung des Kulturausschusses berichtet. Seine ziemlich klare Antwort auf die genannte Frage: nein. Dagegen sprächen bauliche, museale und ethische Gründe.

  • Die baulichen Gründe: Die Holzbaracke müsste mit hohem Aufwand komplett saniert und modernisiert werden, eine seriöse Kostenschätzung sei nicht möglich. Schon beim Abbruch der anderen Baracken im Jahr 2025 seien unvorhersehbare Kostensteigerungen durch Problemstoffe etc. entstanden. Auch müsste die Infrastruktur rund um das Gebäude für eine öffentliche Nutzung durch die Errichtung von Wegen, Beleuchtung, Parkplätzen und Toiletten angepasst werden.

  • Die musealen Gründe: Vom Landesdenkmalamt sei das Gebäude im Jahr 2025 nicht als erhaltenswertes Kulturdenkmal eingestuft. Aus nachvollziehbaren Gründen, findet Niemetz. Denn das Gebäude selbst habe wenig museale Aussagekraft. Wände, Böden, Fenster, Heizung und Sanitäreinrichtungen seien mehrfach erneuert worden, Grundriss und Zimmeraufteilung entsprächen nicht mehr dem ursprünglichen Zustand. Die engen und kargen Bedingungen, unter denen die Zwangsbewohner hatten leiden müssen, seien so kaum erfahrbar. Um die NS-Verbrechen in einem sanierten und leeren Gebäude zu veranschaulichen, müssten neue Medien installiert und Opferbiographien in Bild und Text wiedergegeben werden. Dazu gebe es jedoch kaum Dokumente und Bildmaterial. Die Kosten für einen reinen Ausstellungsbau in ambitionierter Form bezifferte der Museumsleiter auf 200.000 bis 250.000 Euro - ohne personelle Folge- und Sanierungskosten.

  • Die ethischen Gründe: Die vor genau 100 Jahren als städtische Obdachlosenunterkünfte errichteten Gebäude in der Wendelinsgrube würden immer noch - und aufgrund städtischer Investitionen wohl auch künftig - als solche genutzt. Die Bewohner und private Anlieger würden durch die Platzierung eines musealen Erinnerungsorts zu einer Art Anschauungsobjekt. Unerwünschter Voyeurismus entstünde, machte Niemetz klar.

Aus den genannten Gründen sei auch der Museumsbeirat in beiden Sitzungen zum Schluss gekommen, dass sich die Wendelinsgrube nicht als Gedenkort eigne. Daher spreche auch nichts gegen einen Abbruch der Baracke Nummer fünf.

Alternative Erinnerungsorte
Stattdessen seien alternative Erinnerungsorte denkbar, berichtete Niemetz. Schon jetzt widme Laupheim sich in Buchform und im Museum der Geschichte der Wendelinsgrube als Ort des Verbrechens. Die Namen der Opfer würden auch auf Tafeln im jüdischen Friedhof genannt. Sollten finanzielle Mittel verfügbar sein, könne für das städtische Jubiläumsjahr 2028 ein Ideen- und Kunstwettbewerb angestrebt werden, der auch die jüdische Geschichte Laupheims als Themenkomplex beinhalte. So könnten der letzte Laupheimer Rabbiner Dr. Leopold Treitel und seine Frau Rebekka am Platz der ehemaligen Synagoge geehrt werden. An die Deportationen der Menschen über die Wendelinsgube könne auch am Westbahnhof, von wo die Transporte in den Tod begannen, erinnert werden. Bisher sei dort lediglich eine recht einfache Tafel angebracht. Eine künstlerisch gestaltete Aufarbeitung der Verbrechen oder allgemein des Themas Heimat und Heimatverlust sei denkbar. Zusätzlich oder alternativ könne eine Gedenktafel an der Landstraße oder direkt vor der Wendelinsgrube angebracht werden.

Die Reaktionen aus dem Rat
Unter den Stadträten stießen die Ausführungen des Museumsleiters auf überwiegend positive Resonanz. Die Wendelinsgrube sei aus den aufgeführten Gründen kein geeigneter Erinnerungsort, war man sich weitgehend einig. Die Idee, den Westbahnhof stärker einzubeziehen, wurde befürwortet. Noah Bloching (Offene Liste) schlug ergänzend eine Art Gedenkpfad entlang des Radwegs zwischen Wendelinsgrube und Westbahnhof mit Tafeln und eventuell Stolpersteinen vor.

Einzig SPD-Stadträtin Martina Miller blieb bei ihrem Herzenswunsch, eine Erinnerungsstätte direkt am Ort des Verbrechens in der Wendelinsgrube zu errichten. “Das sollte nicht an einem WC oder einer Beleuchtung scheitern”, sagte sie, verwies auf bis zu 60 Prozent Fördermittel und das Beispiel Schwäbisch Hall, wo mithilfe des Hohenloher Freilandmuseums eine ehemalige Zwangsarbeiter-Baracke vor dem Abriss bewahrt und für eine bemerkenswerte Ausstellung genutzt würde. Ähnliches sei auch in Laupheim in Kooperation mit dem Kreisfreilichtmuseum denkbar.

“Am Rande der Stadt, am Rande der Gesellschaft” (Martina Miller über die Obdachlosenunterkünfte in der Wendelinsgrube)

Den Westbahnhof bezeichnete Miller als nicht geeignet für einen Erinnerungsort: “Die Leute rennen hier zum Zug oder Bus und sind schnell wieder weg.” Die Holzbaracke in der Wendelinsgrube erzähle eine spannende Geschichte über das Thema Wohnungslosigkeit und würdiges Wohnen als Menschenrecht. Nicht zuletzt deshalb sei es beschämend, dass an diesem Ort immer noch notleidende Menschen untergebracht werden - “am Rande der Stadt, am Rande der Gesellschaft”. Mittelfristig müsse hierfür ein zentralerer Standort gefunden werden. (Text: Reiner Schick)

Theo Miller: Laupheim im Fokus, Laupheim im Herzen

Während meiner Zeit bei der Schwäbischen Zeitung Laupheim bekam die Redaktion immer wieder Besuch von einem älteren Herrn. “So, i han do mol wieder was”, sagte er dann, lächelte und legte in einer Klarsichtfolie eine oder mehrere Fotos samt mit Schreibmaschine getipptem Erklärtext auf den Tisch. “Des kennet ihr brenga, wenn ihr wellet.” Wir wollten eigentlich immer, denn es handelte sich meist um spannende Zeugnisse Laupheimer Geschichte, oftmals gepaart mit heiteren Anekdoten zu Originalen aus dem Städtle.

Theo Miller war, auch wenn er die Redakteure manchmal mitten in Stresssituationen erwischte, ein gern gesehener Gast. Sein schier unerschöpflicher Vorrat an historischen Aufnahmen, selbst geknipst oder aus Leihgaben reproduziert, waren für die Redakteure auch eine willkommene Quelle zur Illustration von Berichten über die Geschichte der Stadt. Was passiert wohl mit seinem Archiv?, lautete eine bange Frage nach Millers Tod im Jahr 2018. Doch die baldige Antwort ließ uns aufatmen: Bei seinem Sohn Otto waren die Fotos, Dias und Negative bestens aufgehoben, und die Entscheidung der Familie, die Sammlung der Stadt Laupheim zur Verfügung zu stellen, war großzügig und klug zugleich.

Mit einem Griff ins Stadtarchiv kann nun jeder, der möchte, seine Erinnerungen an alte Zeiten auch visuell aufleben lassen. Und er kann das die nächsten sechs Monate auch mit einem Besuch im Museum tun: Eine Auswahl von 60 seiner mehr als 2000 Aufnahmen bildet den Inhalt der Sonderausstellung, mit der die Stadt Laupheim Theo Millers Engagement würdigt - zum zweiten Mal nach der Verleihung der Bürgermedaille im Jahr 2010 und anlässlich seines 100. Geburtstags, den er in diesem Jahr gefeiert hätte.

Der Sohn erzählt vom Vater
“Theo hätte sich riesig darüber gefreut, dass heute so viele Gäste gekommen sind”, sagte Otto Miller bei seiner Rede zum Festakt, der von Kuno Högerle an der Piccolo-Trompete musikalisch umrahmt wurde. Otto Miller berichtete aus dem Leben seines Vaters, der zwar unbeschwert, aber in einem Elternhaus aufgewachsen sei, das dem Nationalsozialismus nahe stand. Folglich durchlief er Deutsches Jungvolk und ab 14 Jahren Hitlerjugend, und erst die Erlebnisse im Krieg an der Ostfront und in der SS-Kavallerie und mehrere Jahre Gefangenschaft ließen ihn erkennen, “in welch scheußlicher Diktatur ich gelebt habe”, wie er später in seiner Biografie schrieb. Und er hielt fest: “Für einen Krieg gibt es keine Rechtfertigung.” Das galt auch für den Antisemitismus, dem er mit der Ablehnung der Diktatur deutlich widersagte. “Davon zeugte auch seine spätere Tätigkeit im Museum zur Geschichte von Christen und Juden”, sagte Otto Miller.

Nach der Rückkehr aus der russischen Gefangenschaft kurz vor Weihnachten 1949 sei die Liebe seines Vaters zur Heimatstadt größer denn je geworden. Die Liebe zum Fotografieren wurde zwar schon zur Erstkommunion geweckt, als er seine erste Kamera geschenkt bekam, zur Leidenschaft und zum großen Hobby wurde es aber erst in den 1970er Jahren. Theo Miller begann Vorträge über das Schwäbische und Alt-Laupheim zu halten, um seine oft humorvollen Geschichten mit Bildern zu untermalen, schaffte er sich eine Vorrichtung zum Abfotografieren alter Fotos an.

So entstanden auch unzählige Kalender und Bücher wie “So schwätzt ma z’Laupa”, “Laup’r Wirtschaften” oder “Eiser Hoimet”. Als langjähriger zweiter Vorsitzender des Verkehrs- und Verschönerungsvereins widmete er sich tatkräftig der Stadtpflege, über Jahrzehnte bis zu seinem Tod engagierte sich Miller auch im Laupheimer Fotokreis.

“In den Bildern lebt etwas von unserem Vater weiter: sein Blick, seine Neugier, sein Humor - und vor allem seine unermüdliche Liebe zu Laupheim.” (Otto Miller)

Theo Millers Söhne (von links) Otto, Rolf und Markus kamen wie viele weitere Angehörige zur Ausstellungseröffnung. Foto: Reiner Schick

Für die Familie sei die Ausstellung - neben seiner bald 90-jährigen Frau Helga waren auch die drei Söhne, Schwiegertöchter, Enkel und weitere Verwandte zur Eröffnung gekommen - “gleichermaßen bewegend wie tröstlich”, sagte Otto Miller. “Denn in den Bildern lebt etwas von unserem Vater weiter: sein Blick, seine Neugier, sein Humor - und vor allem seine unermüdliche Liebe zu Laupheim”. Dabei habe Theo Miller seinen Fokus meist nicht auf ein besonders schönes Motiv gerichtet: “Er wollte Spuren bewahren und zeigen, wie Vergangenheit und Gegenwart sich berühren - manchmal ganz leise, manchmal überraschend deutlich.” Eine Gegenüberstellung, die der ehemalige Bürgermeister Ottmar Schick nicht immer gerne sah, wenngleich er Millers Wirken begrüßte und auch förderte. Die Ausstellung sei mehr als nur eine Sammlung von Bildern, sondern Theo Millers Blick auf die Welt und ein Dankeschön an die Stadt, die ihn ein Leben lang inspiriert hat.

Die Stadt ist dankbar
Den Dank gaben Oberbürgermeister Ingo Bergmann und Museumsleiter Dr. Michael Niemetz gerne zurück. “Auf vielen Smartphones schlummern 1000, 2000 oder 25 000 Fotos, da gibt’s kein Halten mehr, aber nur wenige davon halten wirklich etwas Wichtiges fest. Theo Miller kannte diese Welt noch nicht. Er kannte eine andere, in der jede Aufnahme eine Entscheidung war”, sagte Bergmann. “Genau deshalb zählt das, was er uns hinterlassen hat, zu den kostbarsten Quellen, die wir für die Geschichte unserer Stadt besitzen. Ein historisches Primärarchiv.”

“Woiß net warum. I mach’s halt gern.” (Theo Miller bei der Verleihung der Bürgermedaille)

Dabei habe Miller nie den Eindruck geweckt, ein Wissenschaftler zu sein. “Er war einfach jemand, der seine Stadt liebte”, sagte Bergmann. “Er kannte jeden und alle kannten ihn. Wer ein altes Foto brauchte, klopfte bei Theo Miller an. Wer eine Anekdote wollte, bekam gleich drei.” Seine Bildvorträge in bestem Laupheimer Schwäbisch gehörten zu den Highlights der Heimatstunde am Heimatfest. Bei der Verleihung der Bürgermedaille der Stadt Laupheim im Jahr 2010 habe Theo Miller auf die Frage, warum er das alles eigentlich mache, ganz unaufgeregt geantwortet: “Woiß net warum. I mach’s halt gern.” Kein Aufhebens um seine Person, nur echte Freude an der Sache - das sei Theo Miller gewesen.

Auch der Museumsleiter ist bewegt
Für Michael Niemetz, der für die Ausstellung aus den gut 2000 Aufnahmen 60 aussuchte (“Ich hab nicht alle angeschaut”) und drucken ließ, hatte die Auswahl “fast meditativen Charakter”. Der Museumsleiter sinnierte darüber, dass Fotos auf ganz besondere Weise Emotionen auslösen. Er selbst sei beim Anblick des künstlerisch anspruchsvollen Portraits von Josef Sandherr, dem letzten Geigenbauer Oberschwabens, weit zurück in seine Jugend geworfen worden: “Ich wollte ursprünglich Instrumentenbauer werden.” Auch alle anderen Sinne seien in der Lage, Erinnerungen zu wecken, sagte Niemetz. Vermutlich ganz besonders, wenn man daran denkt, dass vor gerade mal 50 Jahren noch Kühe durch die landwirtschaftlich geprägte Langgass getrieben wurden. “Aber einen Geruch kann man gedanklich nicht reproduzieren, ein Bild dagegen hat man oft im Kopf.” So abgedroschen es klingen möge, der Spruch “Ein Bild sagt mehr als tausend Worte” treffe genau den Punkt, meinte Niemetz.

60 Bilder und noch viel mehr Geschichten
Beim anschließenden Rundgang durch die Ausstellung ließen sich die Besucher von den großformatigen Reproduktionen viele tausend Worte erzählen. Aufgeteilt in vier Themenblöcke und Räume - d’Leit, Laup’r Wirtschaft, Laup’r G’schäfte und ‘s Städtle - laden die Werke zum Erinnern und Schwätzen ein. Junge Besucher bekommen einen Eindruck vom einfachen Leben vor ihrer Zeit, und die älteren fühlen sich in ihre jungen Jahre zurückversetzt.

Günter Liebmann vor der Aufnahme seiner "Hoimet", Liebmanns Lädele.

Die Weggefährten schwelgen
“I zoig dir mei Hoimet”, sagte mir etwa Olympia-Urgestein Günter Liebmann und zeigte auf die mehr als sechzig Jahre alte Aufnahme von “Liebmann’s Lädele”, dem einstigen “Erstversorger” in der Langen Straße 42, der 1965 schloss. “Do oba war mei Zemmer.” Malermeister Robert Merk, bekannt als Herz und Motor des Laupheimer Seniorenclubs, war ebenfalls kaum mehr wegzubewegen aus der Ausstellung. Dass der Platz hinter der Schranne einst Teil des Wochenmarkts gewesen sei, wüssten heute nicht mehr viele, sagte der 86-Jährige. Den auf einer Aufnahme abgebildeten Eiermarkt um 1960 habe er selbstredend auch besucht. Und Rolf Müller, langjähriger Vorsitzender des Verkehrs- und Verschönerungsvereins, versprach seinen Gesprächspartnern: “I ka zu jedem Bild ebbes saga.”

Wer den Fahrer bzw. Halter dieses Mercedes 200D ausfindig macht - das Bild wurde um das Jahr 1980 aufgenommen - bekommt eine Dauerkarte für die Ausstellung, verspricht Museumsleiter Niemetz.

Da gibt es wahrlich viele Geschichten. Etwa zu den alten Wirtschaften Strauß, Bären, Pflug oder 3 Mohren, dessen heutige Arcaden erst später als Fußgänger-Durchgang errichtet wurden. Zu Laupheimer Originalen wie “Federles Dick” aus dem Hafnergässle mit seinem Bauchwarenladen oder Maria Kasper hinter der Theke ihres Schreibwarengeschäfts in der Pfarrer-Aich-Straße. Oder zum “Tripel Sk-10”, einem in Laupheim entworfenen und als Prototyp vorgestellten Auto”, das es leider nicht zur Serienreife schaffte. Und vielleicht auch zum rostbraunen Mercedes 200D, der auf dem Titelbild zur Ausstellung am früheren Eisenwarengeschäft “Nothelfer + Gerhardt” in der Mittelstraße vorbeifahrt. “Dieses Foto steht besonders sinnbildlich für den Wandel Laupheims. Wer den Fahrer ausfindig macht”, bekommt eine Dauerkarte für die Ausstellung”, versprach Museumsleiter Dr. Michael Niemetz. Tipps nimmt auch CarlL gerne an unter reiner@carll.de.

Zu später Stunde, als die meisten Besucher ihren Rundgang beendet hatten, ließ sich auch noch Theo Millers Frau Helga im Rollstuhl durch die Ausstellung führen. Sie blickte hoch zu den Fotos und antwortete auf meine Frage, wie sie es finde, dass die Aufnahmen ihres Mannes hier zu sehen seien: “Wunderschön.” (Text: Reiner Schick)

Die Sonderausstellung ist bis 25. Oktober 2026 im Museum zur Geschichte von Christen und Juden zu sehen. Öffentliche Führungen gibt es am 10. Mai, 31. Mai und 14. Juni (jeweils 14 Uhr) sowie am 17. Mai (Internationaler Museumstag) um 16 Uhr.

Ein Video zur Ausstellungseröffnung gibt’s auf dem Facebook-Kanal von CarlL, und zwar hier (Öffnet in neuem Fenster)

"Wunderschön" - auch Theo Millers Frau Helga bewunderte die Aufnahmen ihres Mannes.

CarlL meint: Stadt verdient eine echte Auswahl an qualifizierten Kandidaten für das Amt der Baubürgermeisterin/des Baubürgermeisters

In Laupheim gehe nichts voran, vor allem baulich - das ist ein oft gehörter Vorwurf in der Stadt. Wer auf Besserung hofft, hat jetzt die Chance, Laupheims Zukunft selbst in die Hand zu nehmen oder geeignete Kandidaten zu motivieren: Die Stadt hat zum 8. September 2026 die Stelle der/des ersten Bürgermeisterin/Bürgermeisters ausgeschrieben. Die/der erste Beigeordnete ist allgemeine Vertretung des Oberbürgermeisters und für rund 160 Mitarbeitende im Geschäftsbereich des Dezernates III verantwortlich. Dazu gehören die Ämter Bautechnik, Tiefbau und Umwelt, Stadtentwicklung, ebenso der Bauhof, die Reinigungskräfte, die Hausmeister sowie die Kläranlage. Entsprechend sucht die Stadt eine Führungspersönlichkeit mit ausgeprägten Fähigkeiten im Management größerer Organisationseinheiten, inklusive mehrjähriger einschlägiger Berufserfahrung, idealerweise im kommunalen Umfeld. Die derzeitige Stelleninhaberin - Eva-Britta Wind, die Red. - bewirbt sich wieder, schreibt die Stadtverwaltung in der Stellenausschreibung.

Ein Satz, der Diskussionen ausgelöst hatte im Gemeinderat, als es darum ging, die endgültige Fassung der Anzeige zu beschließen. Die Vorlage der Verwaltung hatte den Satz nicht enthalten, auf Antrag der CDU-Fraktion wurde er dazugekommen. Andere Fraktionen hatten den Antrag unterstützt, nicht aber die SPD. So ein Hinweis sei nur für Ausnahmefälle gedacht, lautete Martina Millers Begründung, denn damit würden mögliche Bewerber abgeschreckt. Dieser Einwand sei rein auf das zu vergebende Amt bezogen und habe nichts mit den Fähigkeiten der aktuellen Stelleninhaberin zu tun, betonte Miller im Gespräch mit CarlL. Als Gegenargument wird in solchen Fällen häufig herangezogen, dass es fair sei, wenn Interessenten über die erneute Kandidatur von Stelleninhaber(inne)n im Vorfeld informiert würden.

Wie dem auch sei: In der Großen Kreisstadt Laupheim stehen in den kommenden acht Jahren wichtige Entwicklungsprojekte an, nicht nur die zentralen Themen wie Rathaus oder Mittelstraße, sondern auch die sinnvolle Nutzung des ehemaligen Feneberg-Geländes an exponierter Stelle, die Erstellung eines Verkehrskonzepts, die Schaffung von Wohnraum sowie Raum- und Sanierungsprogramme für Schulen und andere städtische Einrichtungen. Angesichts solcher Herausforderungen wäre es mehr als nur wünschenswert, wenn der Gemeinderat für seine Entscheidung am 8. September eine echte Auswahl an qualifizierten Kandidaten hätte. Interessenten müssen sich freilich beeilen: Die Bewerbungsfrist endet bereits am 3. Mai. Zur offiziellen Ausschreibung geht’s hier (Öffnet in neuem Fenster). (Text: Reiner Schick)

+++ Nachrichten aus Laupheim

  • Alexandra Scherer verliert Bürgermeisteramt
    in Bad Wurzach
    Alexandra Scherer aus Obersulmetingen muss den Chefinnen-Sessel im Rathaus der Stadt Wurzach zum 15. Juli räumen: Bei der Wahl am Sonntag musste sie sich ihrem stärksten Herausforderer Florian Schiller beugen. Auf den 51-jährigen Rechtsanwalt aus Konstanz entfielen 53,9 Prozent der Stimmen. Für Amtsinhaberin Scherer votierten nur 30,9 Prozent der Wähler. Das Votum pro Schiller kam nicht völlig überraschend, allerdings war nicht unbedingt mit einer Entscheidung gleich im ersten Wahlgang gerechnet worden. Die Ergebnisse der vier weiteren Bewerber/innen liegen jeweils im einstelligen Prozentbereich.
    Die 55-jährige Alexandra Scherer hatte bei ihrer erstmaligen Wahl zur Bürgermeisterin von Bad Wurzach vor acht Jahren (2018) noch satte 78 Prozent der Stimmen erhalten. Sie war damals seit sechs Jahren Bürgermeisterin von Erlenmoos gewesen, hatte sich dann aber auf das Amt in der Kurstadt beworben. Während ihrer Amtszeit in Bad Wurzach wollte die frühere Obersulmetinger Ortsvorsteherin vor vier Jahren den nächsten Karriereschritt gehen und kandidierte für den OB-Posten in ihrer Heimat Laupheim, kam im ersten Wahlgang aber nur auf 21 Prozent der Stimmen und zog ihre Bewerbung zur Stichwahl zurück.
    Diesen Wechselwunsch nahm ihr mancher in Bad Wurzach krumm, hört man von dort. Außerdem gab es heftige Debatten um einen geplanten Naturerlebnis- und Beobachtungsturm im Wurzacher Ried, dessen Bau durch einen Bürgerentscheid abgelehnt wurde. Und nicht zuletzt wurde Ende vergangenen Jahres die finanzielle Schieflage des städtischen Kurbetriebs bekannt.
    Im Gespräch mit der Bildschirmzeitung (Öffnet in neuem Fenster) sagte Alexandra Scherer, dass sie das Ergebnis „mit Respekt zur Kenntnis“ nehme. Sie habe mit ganzer Kraft für Bad Wurzach gearbeitet, sie schätze die Stadt sehr und sie übergebe die Stadt in einem guten Zustand. „Ich wünsche der Stadt alles Gute.“ (Text: Reiner Schick

  • Riesiger Zulauf fürs Mobierfest - nur beim “Ablauf” klemmt’s kurzzeitig
    Das tolle Frühlingswetter hat am Wochenende viele Menschen nach draußen gelockt und zu Ausflügen eingeladen. Ein besonders starker Anziehungspunkt war das “Mobierfest” des Mobiparks im Freizeitbereich Rißtal. Die Wiese am See war ebenso den ganzen Tag über gut bevölkert wie das Festgelände, auf dem es am Nachmittag bei zünftiger Blasmusik und Bierspezialitäten von fünf regionalen Brauereien nicht immer freie Plätze gab. Gestuhlt war für 750 Leute, Mobipark-Betreiber Herbert Färber sprach von insgesamt 2000 bis 2500 Besuchern. Entsprechender Andrang herrschte freilich auch an der WC-Anlage, die schließlich vorübergehend den Dienst versagte. Das lag aber nicht etwa an einem überfüllten Abwassertank, wie mancher vermutete, sondern an verstopften Abflüssen. Grund hierfür war die Unvernunft mancher Besucherinnen und Besucher, die Windeln und ähnliches Zeugs, das da nicht reingehört, ins Klo schmissen, berichtete Parkleiterin Dorothee Färber im Gespräch mit CarlL. Rund eine Stunde lang mussten die Toiletten geschlossen werden, auch der Geschirr-Abwasch war nicht mehr möglich. Die Folge: Manche Besucher mussten sich in die Büsche schlagen, um ihr dringendes G’schäft zu verrichten. Mal sehen, ob diese Sonderdüngung der Vegetation am See nützt … (Text: Reiner Schick)

  • DGB lädt zur Diskussion über Arbeitsmoral
    In Laupheim findet am Mittwoch, 29. April, um 18 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses eine öffentliche Vorvorveranstaltung des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) zum 1. Mai (Tag der Arbeit) statt. “Zu krank? Zu faul? Zu freizeitgeil?” lautet das Thema des Abends - angelehnt an Schlagworte, mit denen laut DGB Arbeitgeber und Verbandslobbyisten versuchen, Errungenschaften des Sozialstaates in Frage zu stellen. Im Fokus stünden dabei Sozialleistungen, aber auch Regelungen zur Arbeitszeit. Angeblich seien zu kurze Arbeitszeiten, zu hohes Freizeitbedürfnis und zu hohe Krankenstände Gründe für die aktuelle wirtschaftliche Krise. “Das ist ein Schlag ins Gesicht für alle, die Tag für Tag fleißig zum Schaffen gehen und am Ende mit einer eher kümmerlichen Rente rechnen müssen”, schreibt der DGB. Die Gewerkschaft möchte mit Zahlen, Daten und Fakten diese Behauptungen in Frage stellen und mit den Besucherinnen und Besuchern diskutieren. Dazu gibt es Impulse von: Dirk Neumann, der beim IG Metall-Vorstand den Bereich „Arbeitsgestaltung und Qualifizierungspolitik“ leitet, Maria Winkler, ehem. Geschäftsführerin ver.di Bezirk Ulm-Oberschwaben, Mitglied im Verwaltungsrat der AOK und alt. Vorsitzende des Bezirksrats der AOK Ulm-Biberach, und Bianca Flache, stellv. Betriebsratsvorsitzende Diehl Aviation Laupheim GmbH. Mehr Infos hier (Öffnet in neuem Fenster).

+++ Sport in Laupheim

  • HRW greift nach der Meisterschaft
    Ein Spiel noch, dann steht es fest, ob der Handballverein Rot-Weiß Laupheim als Oberliga-Aufsteiger ins Jubiläumsjahr des 100-jährigen Bestehens 2027 geht. Nach dem 37:29-Erfolg im letzten Saison-Heimspiel gegen den VfL Pfullingen II hat es die Mannschaft nun selbst in der Hand, mit einem weiteren Sieg am Sonntag, 3. Mai, (17 Uhr) bei der SG Herbrechtingen-Bolheim in der Bibrishalle in Herbrechtingen alles klar zu machen. Sogar ein Unentschieden würde schon reichen, weil die Rot-Weißen den direkten Vergleich mit dem einen Punkt zurückliegenden Verfolger TSV Bartenbach für sich entschieden haben (31:40/40:28). Doch im Handball auf ein Remis zu spielen gleicht russischem Roulette… Die Mannschaft des HRW freut sich in Herbrechtingen auf große Unterstützung ihrer Fans und setzt Busse ein. Details dazu stehen noch nicht fest, sobald alles geklärt ist, gibt es Infos auf den Social-Media-Kanälen und der Homepage des HRW (Öffnet in neuem Fenster).

  • FV Olympia landet nächsten Sieg
    Auch der FV Olympia Laupheim schnuppert in der Fußball-Landesliga, Staffel IV, weiterhin am Aufstieg in die Verbandsliga - zumindest über die Relegation. Nach dem 2:0-Erfolg beim FV Bad Schussenried (Tore: 0:1 Marco Stöhr/61., 0:2 Philip Jelica/65.) steht nun wieder ein Heimspiel an. Am Samstag, 2. Mai, geht es ab 15.30 Uhr im Olympia-Stadion gegen den SC Staig.

  • Firmenlauf erst am 13. Mai

    In die Überschrift des Berichts über den Firmenlauf in Burgrieden im vergangenen CarlL-Newsletter hat sich das Datum des Online-Anmeldeschluss eingeschlichen. Der Lauf findet am Mittwoch, 13. Mai, ab 18 Uhr (Start und Ziel am Riffelhof) statt. Online anmelden kann man sich noch bis 5. Mai, und zwar hier (Öffnet in neuem Fenster).

+++ VeranstaltungsCARLLender

Was läuft in nächster Zeit?

28.04.
19.30 Uhr, Kulturhaus, Bühne frei für die romantische Komödie: „Ganz Paris träumt von der Liebe“. Musiktheater mit Stefanie Hertel. (Infos hier (Öffnet in neuem Fenster))

29.04.
18 Uhr, Sitzungssaal des Rathauses Laupheim, Diskussionsrunde des Deutschen Gewerkschaftsbunds: “Zu krank, zu faul, zu freizeitgeil?”. (Infos hier (Öffnet in neuem Fenster)).

30.04.
22 Uhr, Kulturhaus, Disney-Party, die besten Hits aus vergangenen Tagen, Motto: Einmal zurück zur Kindheit und noch viel mehr‘ – ‚Back to Childhood and Beyond‘, Eintritt ab 16 Euro, mehr Infos hier (Öffnet in neuem Fenster)

01.05.
10 Uhr, Geflügelzuchtverein Laupheim (Vorholzstraße 100), Maifest mit buntem Kinderprogramm, Kanin-Hop, Kükenschlüpfen live, Kaffee, Kuchen, Herzhaftes vom Grill.

03.05.
14 Uhr, Museum, Kurs Art Journaling, Anmeldung per Mail – museum@laupheim.de (Öffnet in neuem Fenster) – oder telefonisch unter der Nummer 07392 968000 notwendig, mehr Infos hier (Öffnet in neuem Fenster)

Eure öffentliche Veranstaltung fehlt?
Das Projekt CarlL ist erst am Anfang, das gilt auch für den VeranstaltungsCARLLender. Veranstaltungstipps werden gerne angenommen per Mail an reiner@carll.de (Öffnet in neuem Fenster)

Liebe CarlL-Community,

um den kostenlosen Newsletter und künftig auch die Website mit Informationen zu füllen, ist die Mitarbeit von Vereinen, Unternehmen und Veranstaltern gefragt: Schickt eure Texte, Fotos, Termine an reiner@carll.de (Öffnet in neuem Fenster)

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Eine schöne und erfolgreiche Woche wünscht euch

Euer Reiner Schick

Zur Person:

Ich bin Reiner Schick, 60 Jahre alt, verheiratet und Vater zweier Söhne (9 und 14 Jahre). Ich stamme aus Bronnen, wohne aber seit 20 Jahren in Laupheim. Die meisten von euch werden mich als langjährigen Redakteur der Schwäbischen Zeitung kennen, für die ich mehr als 30 Jahre lang tätig war - zunächst 18 Jahre in Biberach im Lokalsport, dann zehn Jahre in Laupheim und zuletzt sechs Jahre in Ehingen, jeweils als Redakteur für Lokales. Zum 1. Mai 2025 habe ich die SZ verlassen - um etwas Neues zu wagen: Das in Laupheim bislang einmalige Projekt CarlL.

Warum CarlL?

Die Antwort ist naheliegend: Der Titel ist eine Hommage an die wohl berühmteste Laupheimer Persönlichkeit, Carl Laemmle. Auch er hat mit der Gründung einer Filmstadt in den USA einst etwas Neues gewagt - und was daraus geworden ist, weiß jeder. Warum also nicht jemanden, der vor gut 100 Jahren Hollywood den Weg geebnet hat, zum Vorbild für ein Medienprojekt nehmen? Das zweite, große L in CarlL steht für Laemmle, Laupheim, Lokaljournalismus - sucht’s euch aus.

Kategorie Laupheim