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Melatoninproduktion bei ADHS bestimmt Schwere der Symptomatik

🧠 Einführung:

Was Schlafhormone mit ADHS zu tun haben – und warum Gene dabei mitreden

Viele Menschen mit ADHS kennen das Problem: Man ist hundemüde – und trotzdem nicht müde genug zum Einschlafen. Der Kopf rattert, der Körper ist unruhig, der Tag lässt sich nicht abschalten. Besonders bei Kindern mit ADHS ist das Einschlafen oft ein täglicher Kampf. Doch warum eigentlich?

Eine neue internationale Studie (Takahashi et al., 2024) bringt einen spannenden Zusammenhang ans Licht: Die Melatoninproduktion – also das körpereigene Schlafhormon – scheint genetisch mit dem Risiko für ADHS verknüpft zu sein.

In mehreren großen Datensätzen aus Japan, Taiwan und Dänemark wurden die Gene von über 27.000 Personen untersucht. Das Ergebnis: Menschen, deren Gene auf eine geringe nächtliche Melatonin-Ausschüttung hindeuten, zeigen deutlich häufiger ADHS-Symptome, vor allem Unaufmerksamkeit. Interessanterweise war dieser Zusammenhang nicht nur durch schlechte Schlafgewohnheiten erklärbar, sondern auch direkt genetisch.

Besonders spannend: Die Studie zeigt auch Hinweise auf eine Verbindung zwischen Melatonin und dem Entzündungsbotenstoff IL-6, der bei vielen Menschen mit ADHS erhöht ist. Dieser sogenannte neuroinflammatorische Zustand könnte mitverantwortlich sein für die emotionale Reizbarkeit, Konzentrationsprobleme und Stressintoleranz, die viele Betroffene kennen.

Kurz gesagt: Diese Studie liefert erste Hinweise darauf, dass eine gestörte Melatonin-Produktion im Körper – genetisch bedingt – ein biologischer Mitverursacher von ADHS-Symptomen sein könnte. Und sie macht deutlich, wie wichtig guter Schlaf, Lichtregulation und eventuell auch Melatonin-Supplementierung sein können – nicht nur zum Einschlafen, sondern auch zur Verbesserung der allgemeinen Gehirnfunktion.

💡 Häufige Fragen (FAQ)

❓1. Warum schlafen viele Menschen mit ADHS schlecht ein?

Bei ADHS ist oft die sogenannte zirkadiane Rhythmik gestört – also die innere Uhr, die uns müde macht. Der Körper produziert das Schlafhormon Melatonin oft zu spät oder in zu geringer Menge. Das führt zu Einschlafproblemen – obwohl man erschöpft ist.

❓2. Was hat das mit Genen zu tun?

Die Studie zeigt: Manche Menschen haben genetische Varianten, die mit einer niedrigeren Melatonin-Produktion zusammenhängen.
➡️ Diese Menschen zeigten mehr ADHS-Symptome, selbst wenn sie eigentlich „normal“ schlafen.

❓3. Heißt das, schlechter Schlaf verursacht ADHS?

Nicht direkt. Die Studie deutet eher auf das Gegenteil hin:
⚠️ Der Zusammenhang zwischen schlechter Melatoninproduktion und ADHS besteht auch ohne Schlafprobleme – es gibt also einen direkten genetischen Link.

❓4. Was ist Neuroinflammation?

Das ist eine Art stille Entzündung im Gehirn, bei der Immunzellen (z. B. Mikroglia) dauerhaft entzündliche Botenstoffe wie IL-6 ausschütten.
Diese können die Reizverarbeitung, Konzentration und emotionale Steuerung beeinträchtigen – und scheinen bei ADHS vermehrt aktiv zu sein.

❓5. Kann Melatonin ADHS-Symptome lindern?

Ja – teilweise.
Melatonin hilft nicht nur beim Einschlafen, sondern wirkt auch entzündungshemmend. Es kann z. B. IL-6-Spiegel senken.
In Studien wurden dadurch weniger Hyperaktivität, besserer Schlaf und bessere Tagesstruktur beobachtet – besonders bei Kindern mit ADHS.

❓6. Was kann ich konkret tun?

Du kannst deine Gene nicht ändern – aber deine Schlafumgebung beeinflussen:

  • 💡 abends Licht reduzieren (v. a. Bildschirmlicht)

  • 🛌 regelmäßige Einschlafzeit

  • ☕ Koffein spätestens am Nachmittag meiden

  • 🌙 ggf. nach ärztlicher Rücksprache niedrig dosiertes Melatonin ausprobieren

➡️ Ziel: Die innere Uhr stabilisieren – und dem Gehirn helfen, sich nachts zu regenerieren.

❓7. Für wen ist das relevant?

Für alle:

  • mit ADHS-Symptomen

  • mit Einschlafproblemen

  • mit innerer Unruhe trotz Müdigkeit

Diese Studie ist besonders hilfreich für Eltern neurodivergenter Kinder, aber auch für Erwachsene mit ADHS – denn sie zeigt: Manche Symptome haben tiefere biologische Ursachen, auf die man mit gezielten Maßnahmen reagieren kann.

Studie: Takahashi et al. (2024)
📖 Psychiatry Research Communications, Vol. 4, 100188
🔗 https://doi.org/10.1016/j.psycom.2024.100188 (Öffnet in neuem Fenster)
💡 Diese Forschung zeigt: ADHS verstehen heißt auch: den Schlaf & das Immunsystem verstehen.

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