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Über ein Wort, das mir so nicht mehr reicht …

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Vielleicht erinnert Ihr Euch noch an einige dieser Aufrufe oben im Bild. Vielleicht wart Ihr sogar dabei.

Liebe Leserinnen und Leser,

in den letzten Tagen bin ich immer wieder über ein Wort gestolpert, das wir ganz selbstverständlich benutzen: „Archiv“. Es steht auf unserer Website, es taucht in Gesprächen auf, und eigentlich müsste ich zufrieden damit sein. Schließlich ist es genau das, was wir haben: ein wachsender Bestand an Texten, Interviews, Geschichten, inzwischen 18 Ausgaben unter meiner Verlagsführung, dazu alles, was auf folker.world (Öffnet in neuem Fenster) entstanden ist. Und trotzdem: Jedes Mal, wenn ich „Archiv“ sage oder schreibe, habe ich das Gefühl, ich tue dem Ganzen ein bisschen Unrecht. Das Wort klingt nach Ablage, nach Vergangenheit, nach etwas, das man ordentlich einsortiert und dann möglichst selten wieder hervorholt. Dabei ist das, was da entstanden ist, alles andere als statisch. Es ist eher eine Art Bewegungsraum, ein Speicher voller Entwicklungen, Haltungen, Entdeckungen und manchmal auch Widersprüche. Vielleicht ist es genau das, was mich gerade daran beschäftigt: dass wir für etwas Lebendiges ein so endgültig klingendes Wort benutzen.

Spannend ist ja, woher dieses Wort überhaupt kommt. „Archiv“ geht zurück auf das griechische archeíon, die Amtsstube eines Regenten, und noch weiter auf arché – ein Wort, das sowohl „Herrschaft“ als auch „Anfang“ oder „Beginn“ bedeutet. Und genau daran bleibe ich hängen. Vielleicht ist ein Archiv im besten Sinne gar kein Ort des Abschlusses, sondern einer des Anfangs. Ein Ort, an dem Dinge ihren Ausgang nehmen, weil man sie wiederfindet, neu liest, anders versteht. Ein stetiger Beginn also, der immer einsehbar bleibt und im besten Fall inspiriert.

Als wir vor fünf Jahren bei fortes medien entschieden haben, den folker neu zu verlegen, ging es übrigens auch um so eine Setzung. Nicht rückwärtsgewandt, sondern aus der Überzeugung heraus, dass diese Musik Gegenwart und Zukunft hat. Damals hatten wir eine Zahl im Kopf: 1.000 Abonnements. Eine ziemlich konkrete Größe für etwas, das sich erst noch beweisen musste. Wir haben Kampagnen gemacht, wir haben ausprobiert, wir haben gelernt – und irgendwann war diese 1.000 erreicht. Vielleicht erinnert Ihr Euch noch an einige der Aufrufe oben im Bild. Vielleicht wart Ihr sogar dabei.

Interessanterweise ist genau diese Zahl jetzt wieder da, nur in einem anderen Zusammenhang. Nicht mehr als einmalige Marke, sondern als monatliche Basis unserer Digitalmitgliedschaften. Diesmal geht es um 1.000 Euro, die wir brauchen, um genau dieses „Archiv“, oder wie auch immer wir es künftig nennen werden, weiterzuentwickeln und zugänglich zu halten. Ein gutes Stück haben wir schon erreicht, aber rund 450 Euro fehlen noch. Das entspricht ungefähr 150 neuen Digitalmitgliedschaften. (Öffnet in neuem Fenster)

Ich denke dieses „Archiv“ längst weiter. Ich möchte, dass diese Inhalte nicht einfach nur auffindbar sind, sondern noch nutzbarer, durchlässiger, inspirierend im besten Sinne. Ich merke, dass sich solche Dinge selten mit großen Ansagen entwickeln. Eher in dem Moment, in dem man anfängt, an Begriffen zu zweifeln, die eigentlich selbstverständlich waren. „Archiv“ ist so ein Fall. Vielleicht ist es am Ende gar nicht entscheidend, ob wir ein neues Wort dafür finden. Entscheidend ist, was wir daraus machen: kein Ort, an dem etwas endet, sondern einer, an dem immer wieder etwas beginnt.

Herzlich
Eure Andrea
(folker-Verlegerin)

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