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Über die Kunst, Bequemlichkeit nicht zu rechtfertigen

Mitunter werde ich gefragt, warum ich all diese zusätzlichen technischen Helferlein nutze. Warum ich nicht einfach so klarkomme.

Natürlich komme ich oft auch ohne sie aus. Aber mal ehrlich – muss denn wirklich alles im Leben eine Challenge sein? Muss ich mich und meine Hörkurve ständig beweisen, als wäre das Dasein ein endloses Turnier der Leistungsbereiten?

Ich nutze mein MiniMic samt Neckloop für Zoom-Meetings oder – ja, man höre und staune – zur reinen Berieselung durch das Fernsehgerät. Nicht alles muss Training sein. Manchmal darf man auch einfach nur sein.

Ich streame Musik und Podcasts direkt auf Hörmine und Hörlibert – zwei loyale Verbündete im akustischen Alltag.

Berieselung an. Welt aus. Frieden.

Im Café oder Restaurant liegt das Minimic unauffällig auf dem Tisch, oder noch besser am Reverse meines Gegenübers. Nicht, weil ich es muss, sondern weil ich es will. Weil ich keine Lust mehr habe, mit 200 % Konzentration die Worte meiner Mitmenschen zu dechiffrieren, während andere schlicht genießen.

Ich trage mein Vibrationsarmband, damit ich zu Hause auch einmal gedankenverloren in der Stille stehen darf – und trotzdem weiß, wenn es klingelt.

Ich will, ganz simpel, Bequemlichkeit.

Und darum, bitte, hört auf, euer persönliches Beispiel in diesen imaginären „Ring“ zu werfen.

Mein Leben ist kein Ring. Und schon gar nicht eure Projektionsfläche für selbstbeweihräuchernde Erfolgsgeschichten.

„Also Iiich brauche das ja nicht.“

Ja, schön. Herzlichen Glückwunsch. Von “immer” brauchen war nie die Rede.

Es ist meist wie Schokolade – sie ist nicht überlebensnotwendig, aber sie macht vieles schlicht besser. Und jeder entscheidet für sich, wie, wann und in welcher Form er Teilhabe genießen möchte. Und manchmal ist meine Technik, das rettende Wasser in der Wüste.

Wir müssen aufhören, uns zu vergleichen.

Denn es gibt nicht “den richtigen Weg”. Nur individuelle Lebenswege, geprägt von eigenen Zielen, Rhythmen und Grenzen. Wie könnte der Pfad derselbe sein, wenn schon das Ziel ein anderes ist?

Genießt den Tag – mit oder ohne Technik.

Mit Mikrofon, das ihr jemandem charmant unter die Nase haltet, oder eben ganz ohne.

Beides ist richtig. Beides ist gut.

Es muss nur für euch stimmen.

Ich für meinen Teil nutze meine Technik. Mein Wiesel wäre ohnehin viel zu nervös, wenn wir unsere kleinen Helferlein vergessen würden.

Denn selbst mit ihnen ist Teilhabe oft genug Schwerstarbeit.

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